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Full text of "Zeitschrift des Mährischen Landesmuseums"

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AS 

142 

Z48 



ZEITSCHRIFT 



DES 



MÄHRISCHEN LANDESMUSEUMS 



HERAUSGEGEBEN VON DER 



MÄHRISCHEN MUSEUMSGESELLSOHAFT 




REDAKTION 

PßOF. A. RZEHAK 
K. SCHIRMEISEN SCHULRAT E. SOFFÉ 

XÏI. BAND 

1. HEFT 



BRUNN 

DRUCK VON RUDOLF M. ROHRER 
1912. 




Inhaltsverzeicliilis. 



Seite 

Sitzungsberichte 1 

Tuppy Johann, Die als cenoman beschriebenen Kreidesedimente von 

ßudigsdorf und Umgebung 12 

Richter Oskar, Beiträge zur Kieselalgenflora von Mähi-en, II 33 

Rzehak A, Über die von Prof. E. Weinschenk als Tektile gedeuteten 

Glaskugeln 40 

Schräm Wilhelm, Einige ältere illustrierte Druckwerke der mährischen 

Landesbibliothek 76 

Rzehak A., Das Alter der Brünner Eruptivmasse 93 

Samsour Josef, Feuersbrunst in Nikolsburg 14, September 1784 .... 120 

Münz Bernhard, Ein mährischer Literarhistoriker . 127 



Zur Beaclitimg! 

Da die „Mälirisclie Museuinsgesellseliaft" die Uechtsaaclifolgerin 
ist sowohl der eliemaligen „K. k. mälir.-schles. Gesellschaft zur Be- 
förderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde" als auch 
der späteren „K, k. mähr. Landwirtschaftsg-esidlschaft" und der 
„Museumssektion der k. k. mähr. Landwirtschaftsgesellschaft", so 
sind alle Sendungen von Büchern und Zeitschriften nur an die 

„3Iährisehe 3Inseiimsgesellsvhafť* 
(LarKlesblbliothek) 

zu adressieren. Hingegen sind die für die ehemalige „Historisch- 
statistische Sektion" der k. k. mähr. Landwirtschaftsgesellsehaft be- 
stimmten Sendungen au den „Deutschen Verein für die Geschichte 
Mährens und Schlesiens" zu richten. 

Für das Kuratorium: 

Prof. A. Rzehak, 

Vize-Präsident. 



Sitzuugsbericlite. 



1. Kuratoriumssitziing am 9. Jänuer 1911. 

Der Präsident, Herr Direktor Dr. Fr. Kamení cek, begrüßt 
die Anwesenden und widmet hierauf dem verstorbenen Kuratoriums- 
mitgliede, Herrn Konsist.-Rat Prof. J. Kaspar, einen warmen Nach- 
ruf, den die Anwesenden stehend entgegennehmen. Hierauf be- 
glückwünscht Herr Landesschulinspektor A. Vlk in herzlichen 
Worten den Herrn Präsidenten zu der Auszeichnung, die ihm 
durch die Ernennung zum außerordentlichen Mitgliede der Böh- 
mischen Akademie der Wissenschaften zuteil geworden ist. Vom 
Landesausschusse wurde Herr Mrázek aus Budweis zum Museums- 
laboranten und M. Koudelka zum Diener in der Landesbiblio- 
thek ernannt. Unter den zahlreichen Einlaufen wurde das Gesuch 
der Museumsljeamten um Einführung einer einmaligen Amts- 
frequenz im günstigen Sinne erledigt. Die Herren Kustoden des 
Landesmuseums berichten eingehend über den Fortgang der Ar- 
beiten in den einzelnen Abteilungen und stellen entsprechende 
Anträge. Weiter wurde ausführlich darüber verhandelt, auf welche 
Weise eine wertvolle und umfangreiche, dem Museum zum Kaufe 
angebotene Naturalien- und Münzensammlung erworben werden 
könnte. Dann wurden noch einige Gesuche um Subventionen zu 
wissenschaftlichen Arbeiten begutachtet. Die Besprechung der Re- 
organisierung des ^luseums mußte für die nächste Sitzung auf- 
geschoben werden. Als Mitglieder der Mährischen Museumsgesell- 
schaft wurden aufgenommen: Prof. J. Beneš; L. Hübl, Private; 
Dr. H, Kober, k. k. Postkonzipist; G. Mähen, Schriftsteller und 
Redakteur; Dr. H. Mass, Sekretär; A. Matulik, Bautechniker; 
Rud. Nießner, Landesoffizial; Prof. Dr. Novák; G. Radiměř, 
Bautechniker; Prof. Dr. E. Schneeweis; 0. Schubert, Landes- 
akzessist; Dr. J. Sieber, Landessekretär; Prof. W. Smeykal; 

Zeitschrift des müli;-. Landestnuseums. XII, 1. \ 



'"^ölttüJ/ON JAN I ê ig^,i 



J. Šťastnv, Beamter der Hypothekenbank; L. Swoboda, Bürger- 
schuklirektor i. P.: Dr. O. Vláčil i k, Rechtspraktikant; Hochschiil- 
dozent Dr. J. Vojtech, sämtlich in Brunn; ferner L. Sedláček, 
Heger in Rampersdorf, und Á. Štícha, Lehrer in Neu-Czernowitz. 
Für die ^fuseumssammlungen spendeten: Prof. Em. Bayer in 
Brunn. Separatabdruck; A. Linhart in Po])elin, Glasbilder; 
M. Novotný in Rozseč, Majolikateller; Kustos A. Palliardi, 
Radierung; J. Reichel, Eisenbahn-Oberinspektorswitwe in Brunn, 
größere Anzahl Druckwerke; L. Sedláček, Heger in Rarapers- 
dorf, Bronzegegenstände. 

2. Kuratoriuiussitzuiig' am 13. Februar 1911. 

Der Vorsitzende bewillkomrat den neuernannten Vertreter 
des Landesausschusses im Kuratorium, Herrn Schulrat Prot. Fr. 
J. Rypáček. Zunächst wurde über Kaufanbote einiger geologi- 
scher, paläontologischer, volkskundlicher und Kleinkunstsammiun- 
gen beraten. Der vom Landesbibliotheks-Direktor Herrn kais. Rat 
Dr. AV. Schräm und dem Skriptur Herrn Dr. H. Jarnik über- 
reichte Tätigkeitsbericht für das Jahr ]910 wurde genehmigt. 
Weiter kam das Ergebnis der Beratungen der aus dem Kura- 
torium, den Museums- und den Bibliotheksbearaten behufs Re- 
organisierung dieser Anstalten gewählten Kommission zur Erörte- 
rung; das Referat erhielten beide Kurien zur weiteren Beratung 
zugewiesen. Die Herren Kustoden Dr. K. Ab sol on, Dr. J. Hei- 
tert und Dozent V. J. Procházka berichteten über Bedürfnisse 
der Museumsabteilungen und stellten Anträge, die angenommen 
wurden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung nahm man die dem 
früheren Vorstande der botanischen Abteilung, Herrn Prof. Dr. 
K. Vandas, von der Gesellschaft „Academie internationale de 
Geographie Botanique" in Le Mans durch Zuerkennung der gol- 
denen Medaille als Ehrenzeichen für sein AVerk: „Reliquiae 
Formanekianae" zuteil gewordene Auszeichnung mit Befriedi- 
gung zur Kenntnis. Zum Konservator auf weitere drei Jahre 
wurde Herr J. Uprka, akad. Maler in Hrozná Lhota, ernannt. 
Als Mitglieder der Mährischen Museumsgesellschaft wurden auf- 
genommen: M.Dvořák, Privater; F. Friedrich, k. k. Fachlehrer; 
A. Hanamann, liandes-Oberbaurat; Prof. 0. Hanuš; Prof. 
J. Holý; A. V. Kožíšek, Redakteur; Ing. J. Marik, k. k. techn. 
Kontrollor: B. Melchar, Hochschüler: W. Odstrčil, k. k. Statt- 



halterei üffizial: L. Papirnik, Privater; A. Pobuda, Lehrer; 
L. Šindelář, Fachlehrer; A. AViener, Arztensgattin; Prof. 
G. Wöckl, sämtliche in Brunn; ferner Archiv und Museum, Prof. 
J. Kučera, beide in Gaya, Prof. Dr. A. Kolisek in Göding und 
Museumsverein in Klobouk bei Brtinn. 

3. Kiiratoriumssitziing am 20. März 1911. 

Nachdem die zahlreichen Einlaufe und einige Personalange- 
legenheiten des Landesmuseums und der Landesbibliothek er- 
ledigt waren, wurde der Tätigkeitsbericht und der Rechnungs- 
abschluß der Mährischen Museumsgesellschaft für 1910 vorgelesen 
und genehmigt und der Voranschlag des Landesmuseums und der 
Landesbibliothek für 1912 angenommen. Die Generalversammlung 
wurde für den 30. April festgesetzt. Die der deutschen und der 
tschechischen Kurie zur Begutachtung überreichten Anträge über 
die Reorganisation des Landesmuseums und der Landesbibliothek 
wurden verglichen und zu einer diesbezüglichen Eingabe an den 
Landesausschuß sowie zu einem Antrage auf die Änderung der 
Statuten der Mährischen Museumsgesellschaft formuliert. Der Zu- 
stand des Museumsgebäudes wurde neuerdings einer Beratung 
unterzogen und es wurde beschlossen, dem Landesausschuß einen 
Antrag auf die Beseitigung der Baumängel und auf die Eröflnung 
wenigstens eines Teiles der Sammlungen zu stellen. Das Gesuch 
des Landesverbandes für Fremdenverkehr in Brunn um die leih- 
weise Überlassung zweier Bilder für die Fremdenverkehrs-Ausstel- 
lung in Berlin wurde dem mähr. Landesausschusse befürwortend 
vorgelegt. Als Mitglieder der Mährischen ^Museumsgesellschaft 
wurden aufgenommen: Johann Durda, k. k. Auskultant; Richard 
Hirsch, Fabrikbeamter; Bruno Hroch, cand. phil.; Med.-Dr. Ru- 
dolf Kropáč, Operateur; Frieda Ratz, Lehrerin; Grefe Schu- 
bert, Lehrerin; Johann Slačík, Adjunkt der Staatsbahn; Alois 
Špaček, k. k. Professor; Emmy Volkmann, Lehrerin; Lotte 
Werner, Private; Zdenko Zrzavý, Ing., sämtliche in Brunn; 
ferner Adolf Ambrož, k. k. Gymnasialprofessor in Trebitsch. Den 
Museumssammlungen spendeten: k. k. Schulrat Franz Mareš in 
Brunn, Gipskristall; Adolf Oborny, Realschuldirektor i. P. in 
Znaim, Herbarpflanzen; Andreas Pisch, Bürgerschuldirektor in 
Tobitschau. Führer durch Tobitschau. 



4. Generalversammlung; am 7. Mai 1911. 

Präsident Dir. Iva m en íček eröffnet die Versammlung und 
teilt mit, daß der Ankauf des Dietrichsteinschen Palais am Kraut- 
markte für Zwecke des Museums gesichert sei. Die Schließung 
des Museums, die infolge Senkung eines Flügels des Museums- 
gebäudes notwendig war, werde in den nächsten Wochen wenig- 
stens teilweise wieder aufgehoben werden. Weiter gibt der Vor- 
sitzende bekannt, daß er den Punkt 6 der Tagesordnung (Reor- 
ganisation des Landesmuseums und der Landesbibliothek und 
Entwurf einer Statutenänderung der Museumsgesellschaft) absetze, 
weil die im vorigen Jahre auf Wunsch des Landesausschusses von 
der Generalversammlung eingesetzte Kommission, die sich über 
die Grundsätze der Reorganisation bereits geeinigt hat, das Ela- 
borat der neuen Statuten noch nicht fertiggestellt habe. 

Dr. Souček beantragt, diesen Gegenstand nicht nur auf der 
Tagesordnung zu behissen, sondern als ersten Gegenstand in Ver- 
handlung zu ziehen. 

Kurator AVelzl ist gegen den Antrag Souček, da seiner 
Ansicht nach vorerst das Elaborat fertiggestellt sein müsse. Über- 
dies gehe es nicht an, über diesen Gegenstand in einer Versamm- 
lung zu verhandeln, auf deren Tagesordnung noch eine Menge 
anderer Punkte steht. Er beantragt die Einberufung einer außer- 
ordentlichen Vollversammlung nocli im Laufe des heurigen Jahres 
zur Erledigung der Reorganisationsfrage. 

Abg. Dr. Ei sc hei unterstützt den Antrag Wel z 1. Die An- 
gelegenheit ist noch nicht spruchreif, über die Prinzipien hat man 
sich geeinigt, aber die Satzungen sind noch nicht zu Ende be- 
raten. Mit Rücksicht darauf haben sich auf deutscher Seite auch 
nur wenige Mitglieder eingefunden. Die Beschlüsse des Kuratori- 
ums sind ein Kompromilk AVenn diese Beschlüsse über den Haufen 
geworfen werden, wird die ganze Angelegenheit auf die lange 
Bank gesclioben. 

Der Antrag Souček wird mit den Stimmen der Tschechen 
angenommen. 

Der Vorsitzende teilt mit, daß in der letzten Sitzung des 
Kuratoriums der Direktor des tschechischen Gymnasiums in Hohen- 
stadt Rudolf Dvorak und der ordentliche Professor der deutschen 
Technischen Hochschule in Brunn Dr. Karl Mikosch zu korre- 



spendierenden Mitgliedern der Miiseumsgesellschaft ernannt wor- 
den sind. 

Auf Antrag Welzl s wird von der Verlesung des Protokolls 
der letzten Vollversammlung abgesehen und die Frage der Reor- 
ganisation in Verhandlung gezogen. 

Sekretär Baron Helfert verliest die Punkte, über die sich 
die deutschen und die tschechischen ^Mitglieder des in der vor- 
jährigen Versammlung gewählten Komitees geeinigt haben und gibt 
eine Darstellung der Verhandlungen der beiden Sektionen über 
diese Frage. 

Kurator Welzl bittet um Verlesung der Beschlüsse in deut- 
scher Sprache. 

Präsident Kameniček ersucht den Sekretär Helfert darum. 
Dieser erklärt, er müsse darauf hinweisen, daß er Landesbeamter 
sei und weder dem Kuratorium noch der Generalversammlung der 
Museumsgesellschaft unterstehe. Es sei daher nur sein guter Wille, 
wenn er dem vorgebrachten Wunsche Rechnung trage. 

Kurator Dr. Fischel protestiert gegen diese Erklärung des 
Sekretärs Helfert, gegen die er die Würde der Gesellschaft in 
Schutz nehmen müsse. Redner ist der Anschauung, daß Sekretär 
Baron Helfert nicht bloß Beamter des Landesausschusses, sondern 
auch Beamter des Kuratoriums ist. Da die Museumsgesellschaft 
mit der Verwaltung des Landesmuseums betraut ist, untersteht er 
auch der Gesellschaft. Er ist übrigens als Landesbeamter ver- 
pHichtet, auf unseren Wunsch die Beschlüsse deutsch zu verlesen. 

Baron Helfert erwidert, er sei bereit, die Disziplinarunter- 
suchung gegen sich zu beantragen. 

KuratorWelzl verweist darauf, daß es sich empfehlen würde, 
Schriftführer zu bestellen, die Wünschen aus der Mitte der Ver- 
sammlung Rechnung tragen. 

In der Debatte treten mehrere tschechische Redner für die 
Verhinderung des Museums und der BibKothek ein. 

Abg. Dr. Fischel gibt zu, daß die Verländerung besonders 
in finanzieller Beziehung von Vorteil wäre. Andere gewichtige 
Gründe sprechen dagegen. Jede bureaukratisch eingerichtete Be- 
hörde, der die Interessen der Kunst und Wissenschaft anvertraut 
sind, wird geneigt sein, ausschließlich finanzielle Gesichtspunkte 
bei der Verwaltung dieser Agenden gelten zu lassen. Die Erfah- 
rungen, die wir gemacht haben, lehren, daß der Landesausschuß, 



wenn er die Verwaltung geführt hätte, lange nicht soviel in bezug 
auf Förderung von Wissenschaft und Kunst geleistet haben würde 
wie die Museumsgesellschaft. Jeder Fortschritt, den das Museum 
gemacht hat, mußte dem Landesausschusse geradezu abgerungen 
werden. Es war in den meisten Fällen eine kolossale Arbeit not- 
wendig, um die Vermehrung von Sammlungen durchzusetzen. Ins- 
besondere der modernen Kunstbewegung gegenüber haben gewisse 
Kreise eine geradezu feindselige Haltung eingenommen. Diese An- 
schauung ist nicht vielleicht der Ausfluß einer individuellen Über- 
zeugung, es gibt auf diesem Gebiete eine communis opinio, daß 
es viel richtiger ist, die Verwaltung von Kunstinstituten und Mu- 
seen nicht der Bureaukratie oder einem bureaukratisch organi- 
sierten Amte zu überlassen, sondern denjenigen, die sich dafür 
interessieren, also einer autonomen, aus Interessenten gebildeten 
Körperschaft. Aber selbst wenn man der Überzeugung wäre, daß 
die Verhinderung im öffentlichen Interesse liege, stünden ihr ge- 
wisse rechtliche Gründe entgegen. Redner ist der Anschauung, 
daß es viel richtiger ist, die Verwaltung des Museums den bureau- 
kratischen Händen des Landesausschusses zu entziehen und sie 
einer reorganisierten Museumsgesellschaft zu überlassen. Sparsamer 
würde die Verwaltung des Landesausschusses gewiß sein, da für 
die Kulturinteressen beider Volksstämme möglichst wenig Geld 
vorhanden wäre. Gerade weil die Museunisgesellschaft mehr der 
öffentlichen Meinung untersteht als der Landesausschuß, ist sie 
zur Verwaltung befähigter. Wir können nur ein Gutachten abgeben. 
Sache des Landtages wird es dann sein, darüber zu entscheiden. 
Redner ist der Anschauung, daß die Sache wichtig genug ist, 
um die Einberufung einer eigenen Versammlung zu rechtfertigen. 

Prof. Va seh a tritt den Darlegungen Dr. Fisch eis entgegen. 

Prof. Halusickv l)eantragt eine Resolution, worin die Ver- 
hinderung des Museums und der Landesbibliothek verlangt wird. 

Kurator Welzl erklärt, man habe es hier mit einem abge- 
karteten Spiel zu tun. Die Deutschen stehen auf dem Stand- 
punkte, daß sie sich die Gleichberechtigung im Museum nicht 
nehmen lassen. Redner stellt den Antrag, es sei zur Beratung 
dieser Resolution eine eigene Versammlung einzuberufen. 

Dr. Seh im a stellt den Zusatzantrag zur Resolution, es sei 
bei Verländerung des Museums auf Deutsche und Tschechen nach 
dem Beviilkerungsprozent Rücksicht zu nehmen. 



Die Reîsolutioii wird mit diesem Zusatzantrage angenommen 
und der Beschluß gefaßt, sie dem Landesausschusse und sämt- 
lichen Abgeordneten zu überreichen. 

Abg. Dr. Fi s che 1 meldet namens der Deutschen ein Minder- 
heitsvotum an. 

Hierauf werden die üblichen Gegenstände der Tagesordnung 
erledigt Überdies wird beschlossen, keine weiteren Konservatoren 
zu ernennen. 

5. Kuratoriumssitzuiig- am 22. Mai 1911. 

Die Frage der Reorganisation der Museumsverwaltung wurde 
mit besonderer Rücksichtnahme auf die von der Jahresvollver- 
sammlung der Mährischen Museumsgesellschaft am 7. Mai 1911 
gefaßte Resolution eingehend beraten. Die betreffende Resolution 
der Vollversammlung wird gleichzeitig mit dem Minoritätsvotum 
der deutschen Kurie dem Landesausschusse gemeinsam mit der 
Erklärung der tschechischen Kuratoriumsraitglieder vorgelegt wer- 
den, welche letzteren, obzwar ihnen bezüglich jener Anträge, die 
zum Gegenstande der Vollversammlung geworden sind, nicht das 
geringste im vorhinein bekanntgegeben worden war, zu der Über- 
zeugung gelangt sind, daß eine systematische und erfolgreiche 
wissenschaftliche Tätigkeit im Museum und in der Landesbiblio- 
thek nur dann gesichert werden könnte, wenn das Land beide 
Anstalten zur Gänze übernehme. Die deutschen Kuratoriums- 
mitglieder legten eine Eingabe an den Landesausschuß vor, worin 
sie die Festsetzung des dienstlichen Verhältnisses der Museums- 
beamten gegenüber der Museumsgesellschaft verlangen. Unter den 
eingelaufenen Schriftstücken wäre die Entscheidung des Ministe- 
riums für Kultus und Unterricht zu erwähnen, womit die Herren 
Hofrat und Landesschulinspektor i. P. Dr. Karl Schober und 
Landesschulinspektor Alois Vlk zu Vertretern der Unterrichts- 
verwaltung im Kuratorium auf weitere drei Jahre ernannt worden 
sind. Als Mitglieder wurden aufgenommen: Gottlieb Oehovsky, 
k. k. Gymnasialprofessor; Mag. Pharm. Mojmir Hei cel et, Landes- 
apotheker; Alois Zavřel, k, k. Gymnasialprofessor, sämtliche in 
Brunn. Für die Museumssammlungen spendeten: a. ö. Prof. der 
k. k. böhm. Universität Dr. Franz Slavík in Prag, Versteinerungen 
verschiedener mährischer Formationen; Realschulprofessor Johann 
Svozil in Proßnitz, eine Publikation. 



6. Kuratoriumssitzuug am 25. September 1911. 

Der Präsident Dr. Fr. K a m e n í c e k gedachte in einer wurm 
empfundenen Ansprache des Ablebens des Landesausschußbeisitzers 
Dr. W. Šílený, welcher es bei keiner Gelegenheit versäumt hatte, 
die Interessen des Landesmuseums zu fördern. Mit Befriedigung 
nahm das Kuratorium zur Kenntnis, daß zwei Mitglieder der 
Mährischen Museumsgesellschaft, nämlich Hochschulprofessor 
A. Rzehak, Vizepräsident der Mährischen Museumsgesellschaft, 
und Dr. K. Van das, der sich als Kurator und Direktor der bo- 
tanischen Abteilung bedeutende Verdienste um das Museum er- 
worben hatte, zu Hektoren der beiden Brünner Hochschulen für 
das Jahr 1911 — 1912 gewählt wurden. Nachdem die Einlaufe ver- 
lesen und erledigt waren, wurde der Ankauf der prähistorischen 
Sammlung des Herrn -J. L. Červinka in Kojetein einer Beratung 
unterzogen und einstimmig beschlossen, diese wertvolle Sammlung 
für das Landesmuseum zu gewinnen. Mit Genugtuung wurde der 
Bericht über den abgeschlossenen Ankauf des Dietrichsteinschen 
Palais zu Museumszwecken zur Kenntnis genommen. Li den 
Räumlichkeiten des ersten Stockes, der zu x^usstellungszwecken 
adaptiert werden soll, wird die Gemäldegalerie installiert werden. 
Die weiteren Lokalitäten sollen zu einer Erweiterung der zoologi- 
schen und botanischen Abteilung verwendet werden, die übrigen 
Räume (auch das Erdgeschoß) zu Arbeitszimmern und zu Depot- 
zwecken dienen. In den bisherigen Sälen der Landesgalerie wird 
die prähistorische Sammlung, die sich bis jetzt mit einem einzigen 
Räume begnügen mußte, zur xAufstellung gelangen. Am Schlüsse 
der Sitzung referierte der Sekretär des Landesmuseums über die 
Tagung für Denkmalpflege und Heimatschutz in Salzburg, an der 
er in Vertretung des Landesmuseums teilnahm. A\a Mitglieder der 
Mährischen Museumsgesellschaft wurden aufgenommen: E. Cuma, 
Landesoffizial: Dr. M. Iltis, städt. Arzt; Fr. Platschek, Fabri- 
kant; A. Proschek, Assistent der Arbeiter-Unfallversicherungs- 
anstalt; Dr. M. Rischawy, k. k. Auskultant, sämtliche in Brunn; 
ferner R. Klein, ehem. ing. in Xamiest bei Brunn; MUDr. J. Ku- 
čera, Distriktsarzt in Hohenstadt, und J. Svoboda, k. k. Steuer- 
beamter in Neustadtl. Den Sammlungen haben gespendet: Kons.- 
Rat Prof. Ed. Domluvil in AVal.-Meseritsch, Photographien; 
St. Gajdacs in Holics, Majolikakrug; Fr. Poledna und Ví- 
ko v sk y iu Wladiwostok, ethnographische Gegenstände. 



9 

7. Kuratoriumssitziing am 6. November Itřli. 

Der Vorsitzende beglückwünscht das hochgeschätzte Mitglied 
des Kuratoriums, Herrn Schulrat E. Söffe, zu seinem 60. Geburts- 
tage, dem zu Ehren auch die deutsche historisch-philologische 
Sektion einen Vortrag veranstaltet hat. Der Vorsitzende teilte 
ferner mit, daß sich Seine Exzellenz der Herr Landeshauptmann 
Graf S er on y i für die Angelegenheiten des Landesmuseums warm 
interessiert und das Museum und das anstoßende Dietrichstein- 
sche Palais am ;iO. Oktober besucht hat. Nach Erledigung des 
Eiulaufes wurde der Ankauf einer prähistorischen Sammlung und 
die Übernahme der bereits angekauften paläontologischen Samm- 
lung eingehend beraten, wobei die entsprechenden Beschlüsse ge- 
faßt wurden. Einen weiteren Punkt der Besprechung bildete die 
Frage der Renovierung des Dietrichsteinschen Hauses; in erster 
Linie wurde eine zweckdienliche Einrichtung der Lokalitäten für 
die Unterbringung der Sammlungen (namentlich der Gemälde- 
galerie) und der Arbeitsräume besprochen. Im weiteren Verlaufe 
der Sitzung wurde beschlossen, dem Landesausschusse den Ankauf 
der deutschen Ausgabe der von Prof. Dr. J. J. Jahn herausgege- 
benen geologisch-tektonischen Karte Mährens für deutsche Landes- 
lehranstalten anzuempfehlen. An die Statthalterei wurde bezüglich 
der Erhaltung der mährischen Volkstrachten ein Gutachten abge- 
geben. Als Mitglieder der Mährischen Museumsgesellschaft wurden 
aufgenommen: Prof. Dr. K. (Jupr; B. Dostálek Fachlehrer; 
G. Fischer, Privatbeamter; J. Jarušek, Redakteur; O. Kanitz, 
Praktikant der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt; E. Konečný, 
Techniker; J. Krebs, Hypothekenbankbeamter; K. E. Lep o tic, 
mag. pharm.; Prof. Dr. P. M arc on; J. Mrkos, Lehrer; AV. Od- 
ložilík, Beamter; A. Prasky, Hypothekenbankbeamter; H. Roth, 
Kaufmann; K. Schneider, Hypothekenbankbeamter; Dr. A. 
Schönfeld; Arzt an der Irrenanstalt; H. Tintner, Privatbeamter, 
sämtliche in Brunn; ferner Prof. Dr. Bednar in Butschowitz ; 
H. Brhel, Bautechniker in Hussowitz; A. Humpolik, Lehrer; 
G. Hypr, Lehrer; Fr. S vltavský, Lehrer, in Königsfeld, und 
H. Suza, Lehrer in Jundurf. Für die Sammlungen spendeten: 
Frau E. Buchta in Brunn, ein Bild; Univ.-Prof. Dr. Zubatý in 
Prag, Druckschriften; Oberlehrer J. Dostál in Rampersdorf, 
Vogel; Prof. A. Kučera in Jundorf, Aal; Landesbuchhaltung: 
Formular; Direktor A. Czerny in Mähr.-Trübau, Petrefakten. 



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s. Kuratoriumssitzuiig am 11. Dezember 1911. 

Der Direktor der Landesbibliothek Herr kais. Rat Dr. W. 
Schräm und der Landesbibliothekar Herr Dr. H. Jarník er- 
statteten Berichte über Angelegenheiten der Landesbibliothek, ins- 
besondere über neue Ankäufe und Spenden. Der Termin für die 
Vollversammlung wurde auf den 6. Jänner 1912 festgesetzt. In 
betreff der Vermehrung der Museumssammlungen, der Frage der 
Erhaltung mährischer Volkstrachten und der beabsichtigten Re- 
staurierung der Burg Helfenstein wurden Gutachten abgegeben. 
Weiter wurde beschlossen, sich für die Überführung der Überreste 
des Schriftstellers K. J. J uren de vom Altbrünner Friedhofe auf 
den Zentralfriedhof einzusetzen und die Gewährung einer Subven- 
tion zur Anbringung einer Gedenktafel an des Dichters J. V. Wid- 
mann Geburtshause in Nennowitz bei dem Landesausschusse zu 
befürworten. Die aus Sicherheitsrücksichten im Museum getrolïenen 
Verfügungen wurden besprochen und die nötigen Beschlüsse ge- 
faßt. Diese Versammlung war die letzte im verflossenen Triennium. 
Dei Vorsitzende, Direktor Dr. F. Kamen íček, benutzte diese 
Gelegenheit, indem er die Tätigkeit des Kuratoriums in der ver- 
gangenen Periode kurz rekapitulierte, einige bezeichnende Momente 
dieser Tätigkeit hervorhob, den Kuratoriumsmitgliedern, den Vor- 
ständen der Fachabteilungen und den Beamten für ihr ersprieß- 
liches Mitwirken dankte und den Wunsch äußerte, das künftige 
Kuratorium möge in den Intentionen des bisherigen weiter arbei- 
ten. Kurator Dr. Fischel zollte volle Anerkennung dem Wirken 
des Herrn Vorsitzenden im verflossenen Triennium und dankte 
ihm im Namen des Kuratoriums, welches diesem Dank durch Er- 
heben von den Sitzen Nachdruck verliehen hatte, für dessen Ver- 
dienste um das Landesmuseuni und die Landesbibliothek. Für die 
Sammlungen spendeten: Advokat Dr. M. Epstein in Brunn, Se- 
paratabdrücke; 0. Richter, Lehrer in Olmütz. mikroskopische 
Präparate: G. Simonides, Pfarrer in Jamny, ältere Urkunden. 
Als Atitglieder der Mährischen Museumsgesellschaft wurden auf- 
genommen: F. H. Bakes, Großgrundbesitzer; F. Cáíi, Buchhalter 
der böhm. Technischen Hochschule; JUC. Wl. Červenka, Sekretär 
der Katholischen Volkspartei; L. Chaloupka, Tierarzt; Prof. Dr. 
K. Engliš; A. Dvorak jun., Architekt; K. Farsa, k. k. Post- 
assistent; stud. ehem. G. Habermann; O. He y du šek, k. k. Be- 
zirksrichter; Prof. Fr. Hladík; Prof. L. Hoch; K. Hubik, Be- 



11 

amter der Hypothekenbank; Fr. Kil h o f, Beamter der Hypotheken- 
bank; Prof. A. Kolár; K. Kuthan, elekrotechn. Konstrukteur; 
K. La nik, Techniker; Fr. Lefner, k. k. Postadjunkt; Dr. F. 
Macku, Adjunkt der böhm. Technischen Hochschule; Fr. Po- 
korný, Oberprokurist der Agrarbank; J. Pošvář, k. k. Finanz- 
sekretär; Prof. Fr. Slavík; J. Sm^ja, k. k. Finanzkommissär; 
P. Snášel, Beamter der Hypothekenbank: H. Špičák, Schneiderin; 
K. Šváb, Beamter der Hypothekenbank; Fr. Švancara, Privatier; 
Prof. Fr. Ulehla; Wl. Valenta, Privatbearater; K. Veselý, Re- 
vident der Staatsbahn; Zd. Vorel-Vlček, akad. Malerin; Ad. 
Ženožička, Prokurist der Agrarbank, sämtliche in Brunn; ferner 
B. Bal)ák, Lehrer, L. Harabes, Ijehrerin, M. Libosvárský, 
Lehrerin, in Julienfeld; H. Bednarz, Privater in Kumrowitz; 
W. Ooupek, Jurist in Parfuß; K. Rosa, Universitätshörer in 
Drasow; J. Sova, Fachlehrer in Königsfeld; Prof. J. Tvrdý in 
Wischau; K. Žák, Kaplan in Rossitz. 



Die als cenoman bescMebenen Kreide-Sedimente 
von Bndiíísdorf und Uni«;ebnng'. 

Villi Johann Tiippy. 



In der Zeitschrift „Beiträge zur Paläontologie und Geologie 
Österreich-Ungarns und des Orients", Bd. XIX, S. 125 — 134, be- 
schreibt Hans Wilschowitz unter dem Titel „Beitrag zur 
Kenntnis der Kreideablagerungen von Budigsdorf und Umgebung" 
die Kreidegebilde dieser Gegend^). Von Interesse ist in dieser 
Arbeit besonders der Umstand, dal) einige der hier vorkommenden 
Sedimente zum ersten Male für das Cenoman in Anspruch genom- 
men wei'den, u. zw. zum Teil für die Korytzaner Schichten, zum 
Teil für die sogen;innten Actinocamax-Schichten des östlichen 
Böhmens. Die ürtlichkeiten, um die es sich hier handelt und die 
auf der geologischen Spezialkarte Landskroa und Mähr.-Trübau 
im untern turonen Pläner eingezeichnet erscheinen, sind: der 
Budigsdorfer Eisenbahntunnel mit seiner nächsen Umgebung, ferner 
ein Aufschluß im Nordende der Uemeinde Triebendorf und schließ- 
lich kleine Entblölkmgen in den Erosionsrinnen vor ( Trünau \ das 
in der genannten Arbeit noch erwähnte Cenomanvorkommnis vom 
Kirch- und Sauberg bei Petersdorf ist als solches bereits lange 
bekannt undkonnnt für die folgenden Mitteilungen nicht in Betracht;. 

Schon die Tatsache, daß solche relativ ganz bedeutende und 
auffallende Ablagerungen anläßlich der geologischen Neuaufnahme 
ganz anders gedeutet werden konnten, mußte auf den ersten Blick 
befremden, um so mehr, als auch Herrn Konservator Alois 
(J z e r n y, welcher diese Gegend seit Jahrzehnten durchforscht, hier 
niemals cenomane Ablai>erunoen auföefallen waren. Es erscheint 



^) Budigsdort: liegt im politischen Bezirke Hohcustadt. seine Umgebung 
füllt dagegen zum Teil bereits in den Bezirk ]Miihr.-Trüb;ni, beziehungsweise in 
die angrenzenden Gebiete Bilhmens. 



13 

somit leicht begreiflich, daß auch mir Zweifel aii der Richtigkeit 
der in der vorzitierten Arbeit ausgesprochenen Ansicht aufstiegen 
(ist mir ja diese Gegend ebenfalls seit längerer Zeit gut bekannt) 
und daß ich jnich gedrängt fühlte, diesen Gegenstand nochmals 
einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Die vorliegenden Zeilen 
enthalten die Eesultate meiner diesbezüglichen Untersuchungen, 
welche ich während des Sommers 1911 anzustellen Gelegenheit 
hatte. Sie haben lediglich den Zweck, die Arbeit des Herrn W i 1- 
schowitz in einigen nicht unwesentlichen Punkten richtigzu- 
stellen. Eine polemische Absicht liegt denselben selbstredend 
gänzlich ferne, um so mehr, als ich mir vollständig bewußt bin, 
daß Irrtümer in der Deutung einzelner Glieder unserer Kreide bei 
der Kompliziertheit dieses Systems leider nur allzu leicht vorkom- 
men können. Meine Bestrebungen wurden von der verehrlichen 
„Kommission zur naturwissenschaftlichen Durchforschung Mährens" 
in Brunn durch Gewährung einer Subvention wesentlich geiördert 
und ich erfülle daher vor allem eine angenehme Pflicht, indem 
ich der genannten Körperschaft für die zugewendete Unterstützung 
an dieser Stelle den besten Dank zum Ausdrucke bringe. Gleicher 
Dank gebührt auch Herrn Konservator A. Czerny (Bürgerschul- 
direktor in Mähr.-Trübau), der sich die Mühe nicht verdrießen 
ließ, mich auf fast allen ausgeführten Exkursionen zu begleiten, 
und niemals zögerte, mir seine reichen htkalen Erfahrungen zur 
Verfügung zu stellen. 

Um Mißverständnissen vorzubeugen, erscheint es rätlich, zu- 
nächst die Zahl und Lage der in Betracht kommenden Ortlich- 
keiten auf der geologischen Spezialkarte genau festzustellen^». 
Hiezu werden folgende Angaben genügen: 

aj Der Aufschluß von Triebendorf. Er liegt zu beiden Seiten 
des Triebendorfer Baches, u. zw. in der Nordhälfte der Gemeinde 
Triebendorf, unmittelbar dort, wo das Triebendorfer Tal eine 
Beugung nach Nordwesten erleidet. Der auf dem linken Ufer des 
Baches gelegene Teil ist auf der geologischen Spezialkarte als 
kleine Plänerinsel ausgeschieden. 



\) Geologische Spezialkarti' der im Reichsi'ate vertretenen Königreiche 
und Länder der österreichiscli-ungarischen Monarchie, neu aufgenommen und 
herausgegeben durch die k. k. geologische Reichsanstalt. N W. — Gruppe 
Nr. 39, Landskron und Mähr.-Trübau (Zone 6, Kolonne XV der Generalstabs- 
karte 1 : 75.000) samt „Erläuternnorcn". Wien 1904. 



14 

h) Die Gesteinsbänke, in denen der Budigsdorfer Eisenbahn- 
tnnnel eingeschnitten erscheint (nördlich von Budigsdorf nächst 
dem Höhenpunkte 864). Dem Tunnel gegenüber (am linken Tfer 
der Sazawa), unmittelbar an der dortigen Straßenbiegung, ist ein 
oft erwähnter Steinbruch (auf der Karte ausdrücklich als solcher 
bezeichnet), der Pläner aufgeschlossen zeigt. 

(') Eine kleinere Entblöliung befindet sich etwa 200 Schritte 
weitei- nördlich (gegen Tattenitz) an einer zweiten Straßenbiegung. 
d) Die Aufschlüsse in den Erosionsrinnen vor (rrüuau. Sie 
liegen sämtlich in dem. kleinen unregelmäßigen Polygon, welches 
von der Häuserreihe der Gemeinde Pohres und von der weiter 
südlich in zwei Serpentinen verlaufenden Kaiserstraße Mähr.- 
Trübau — Müglitz gebildet wird. Wir treffen, nebenbei bemerkt, 
ähnliche Sedimente übrigens auch in der Gemeinde Grünau 
selbst an. 

Behufs Vermeidung unnötiger Wiederholungen wird die Lo- 
kalität (i im folgenden stets als Triebendorfer Aufschluß, die 
Ortlichkeit b als Tunnelaufschluß, der in dessen Nähe liegende 
Plänerbruch als Budigsdorfer Aufschluß bezeichnet werden. Die 
Entblößungen c und d sollen aus dem gleichen Grunde Tattenitzer, 
beziehungsweise Grünauer Aufschlüsse heißen. 

Was die petrographischen und sonstigen Eigenschaften der 
in den eben aufgezählten Aufschlüssen entlilößten Sedimente be- 
trifft, so sagt der Autor auf Seite 127 der im Eingange zitierten 
Abhandlung, u. zw. mit Bezug auf zwei daselbst als Figur 4 und 
Figur 6 abgebildete Profile wörtlich folgendes: 

.,Im Triebendorfer Bache (Fig. 4) als dem tiefsten Niveau 
stehen Bänke eines groben, festen Sandsteines an, der den 
Korytzaner Quadern, wie sie etwa in Moletein anstehen, voll- 
ständig gleicht. Derselbe läßt sich noch zirka 200 Schritte im 
Bachgrund verfolgen und steht auch in dem seitlich einmünden- 
den ,Fürwiggraben' an^). In beiden Aufschlüssen reicht er bis 
in eine Höhe von 5 — 6 r>ž über den Bachgrund hinan (1). Cha- 
rakteristisch sind die mehr oder minder deutlichen Hornstein- 
b§,nder, die gegen oben zu auftreten (2). Das ganze Gestein ist 
verkieselt und sehr hart, von Kalk keine Spur. Erst die obersten 
Schichten werden plötzlich kalkreich, weiß ])unktiert, feinkörni- 

^) Diese Beobachtuuo' ist nicht ganz genau; ich konnte dieses (iestein 
im Bachbette durch ganz Triebendorf konstatieren. 



15 



ger. Noch immer ist das Gestein stark glaukoni tisch (3). Und 
erst über dieser kalkreichen Zone erscheint der normale bläu- 
liche Plänerkalk, darüber Knollenpläner (4) und zu oberst der 
feinkörnige gelbe Plänersandstein (5). Leider sind die untersten 
Schichten, die am meisten interessieren, vollständig fossilfrei. Aber 
ganz analoge Verhältnisse bietet auch der Bahneinschnitt vor dem 
Budigsdorfer Tunnel. Wir gehen wieder vom tiefsten Punkt, vom 
Flußl)ett der Sazawa, aus (Fig. 6). Die ganze Böschung bis in die 
Höhe des Tunnels bildet wieder der grobe Sandstein, welcher auch 
noch bis in die halbe Höhe des Einschnittes hinaufreicht (1). Auch 
hier kehren die Hornsteinbänder wieder, wenn auch nicht so deut- 
lich wie in Triebendorf (2). Auch hier folgt darüber eine glau- 
konitische kalkreiche Grenzschicht (3). Und hier konnte ich endlich 
dem harten Gestein einige Fossilien abzwingen. Es fand sich : 



Natica Genta Souk 
Phurotomaria linearis Mant. 
Fusus Néréides Mihi. 
Carbium aliitaceum Mün. 
MiUiella Rimpnerensis Majit. 
Mutlella cordiformis sp. 
Isocardia siiblunnlata ďOrh. 
Eriphyla lenticularis Stol. 
Area subglabrn d'Orb. 



Panopaea giirgitis Brongn. 
Tellina semicostata Oein. 
L/ima midticostcäa Oein. 
Exogyra columha Sow. 
Exoggra n. sp. 
Ostrea hippopodiii/m Nilss. 
Fucoides fuuiformis Fr. 
^pongites .mxonietis Fr. 



Über dieser glaukonitischen Bank folgen plattige, graue, 
kalkige Pläner mit Knollen von bläulichem, hartem Kalk und 
darüber der normale goldgelbe Plänersandstein (4 und 5). . . . 
Auf der dem Tunnel gegenüberliegenden Talseite ist an der 
Straßenbiegung ein Steinbruch eröffnet (Budigsdorfer Aufschluß), 
in welchem der blaue turone Kalk gebrochen wird (Schichte 4 
in Fig. 6). Hier ist keine Spur von den oben besprochenen 
Sandsteinen. Geht man jedoch etwa 200 Schritte gegen Tattenitz, 
so ist an einer zweiten Straßenbiegung eine Entblößung des 
Gesteins vorhanden, wo über dickbankigem groben Sandstein (1) 
wiederum die kalkige glaukonitische Grenzschicht erscheint (3), 
überlagert von plattigen kalkreichen Plänern (4)" (Tattenitzer 
Aufschluß). 

„Doch liegt hier die ganze vSchichtserie bedeutend tiefer 
als am Tunnel trotz der minimalen Distanz dieser beiden Auf- 



16 

Schlüsse und man ist genötigt, auch hier eine Flexur oder einen 
Absitzer, wenn auch nur von zirka 15 m, zu konstatieren." 

„Endlich fand ich auch im südlichen Teile der Budigs- 
dorf — Triebendorfer Talfurche in den tiefen Erosionsrinnen vor 
Grünau ganz das nämliche grobsandige Gestein mit Feuerstein- 
bändern anstehend" (Grünauer Aufschluß). 

Fossilien konstatierte der Autor außer den vor aufgezählten 
(der Schichte 8 entnommenen") nur noch im Budigsdorfer Auf- 
schluß sowie in einigen Entblößungen von Tattenitz, Budigsdorf 
und Dittersdorf (bei Mähr.-Trübau), also stets in Sedimenten vom 
Habitus der Schichten 4 und 5. Über die so zusammengebrachte 
Fauna wird spjiter das Nötige gesagt werden. 

Herr W i 1 s c h o w i t z parallelisiert die in den beiden Pro- 
filen unter 1 bis 5 verzeichneten Ablagerungen folgendermaßen 
mit den entsprechenden Horizonten der böhmischen Kreide: 

1. Kalkfreier Grünsand (Korytzaner Schichten). 

2. Hornsteinbänder. 

3. Kalkig-glaukonitische Grenzschichten (Zone des Actino- 
camax plenus). 

4. Kalkiger unterturoner Pläner. 

5. Entkalkter Pläner (Wehlowitzer Pläner, Plänersandstein). 
Im Budigsdorfer Aufschluß haben wir es demnach nur mit 

den Absätzen 4 und 5, im Tattenitzer mit solchen 1 bis 4, im 
Grünauer endlich mit jenen der Zone 1 und 2 allein zu tun. 

Der Autor kommt schließlich zu dem Resultate, daß es sich 
hier lediglich um Gesteine handeln könne, welche der Stufe III 
in Michaels Schema entsprechen (Verhandlungen der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt 1893, S. 421). 

Es ist hier nicht der Ort, über die Stellung dieser Schichten 
(Stufe III nach Michael) im System der l>öhmischen Kreide 
zu sprechen, beziehungsweise ü])er ihre noch strittige Zu- oder 
Nichtzugehörigkeit zum Cenoman zu entscheiden, sondern es soll 
hier lediglich gezeigt werden, daß es sich bei Budigsdorf gar nicht 
um Gesteine der Stufe III handelt, d. h. daß die Sedimente 1 
keine Korytzaner und die Absätze 2 und 3 keine Actinocamax- 
Schichten sind; mit anderen Worten, daß diese Zonen dem untern 
turonen Pläner angehören und wahrscheinlich als Malnitzer 
Schichten anzusehen sein dürften. Der Beweis für diese Behaup- 
tung soll im folgenden geführt werden, u. zw. der besseren Über- 



17 

sieht wegen in zwei Abschnitten. Im ersten erscheinen die Gründe 
stratigraphischer, im zweiten die paläontologischer Natur zusammen- 
gefaßt. Petrographische Eigentümlichkeiten der betreifenden Sedi- 
mente, welche ebenfalls für die obige Behauptung sprechen, sind 
im ersten Teile an den geeigneten Orten beigefügt. 

A. Stratigraphischer Teil. 

Schon die Betrachtung der Lagerung der Gesteinsbänke läßt 
Bedenken gegen die Annahme von Korytzaner Schichten auf- 
steigen. Wir finden nämlich überall wagrechte oder fast wagrechte 
Schichtung, was hier, in der Mitte (an der tiefsten Stelle) einer 
Mulde, ja ganz begreiflich erscheint^). Um so überraschender müßte 
es wirken, wenn wir daselbst das Cenoman so nahe der Oberfläche 
und den darüber liegenden Pläner in einer derartig auffallend ge- 
ringen Mächtigkeit entwickelt finden sollten (kaum 4 m). Wir be- 
"Cffnen solchen Verhältnissen an keiner Stelle unserer Kreide. 

Betrachten wir nun weiter das Gestein der Zone 1! Einige 
Ähnlichkeit mit dem der Korytzaner Schichten von Moletein 
läßt sich unzweifelhaft erkennen, auch das Fehlen des Kalkes ist 
beiden gemeinsam. Doch darf dieser Umstand sowie eine vielleicht 
zufällige Ähnlichkeit der oberen Partien mit dem Material der 
Actinocamaxschichten zu stratigraphischen Folgerungen berechtigen"? 
Wenn wir uns vor Augen halten, daß selbst innerhalb derselben 
Abteilung der Kreide Glaukonit- und Kalkgehalt immer stark 
variieren, daß kalkarme mit kalkreichen, glaukonitische mit glau- 
konitfreien Lagen wechseln und daß auch das Mengenverhältnis 
der beiden Stofie zueinander in derselben Schichte wieder allen 
möglichen Abstufungen unterliegen kann, wenn wir uns weiter 
erinnern, daß stark glaukonitische Sedimente mit oder ohne Kalk- 
gehalt in mehreren Horizonten der Kreide auftreten; dann werden 
wir uns gewiß hüten, lediglich aus dem Vorkommen oder Fehlen 
eines dieser Mineralien irgend welche Schlüsse auf die Zugehörig- 
keit eines Sediments zu einer bestimmten Abteilung der Kreide 
zu ziehen. Der bedeutende Glaukonitgehalt in 1 kann also trotz 
der gleichzeitigen Abwesenheit des Kalkes keineswegs als sicheres 



^) Die Gesteinsbänke beim Tunnel sowie die im Triebendorfer, Eudig's- 
doi'fer und Tattenitzef Aufschluß fallen schwach nach Westen ein, die Ent- 
blößungen in den Grünauei- Eiosionsrinnen weisen horizontale Schichtung auf. 
Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. Xll, 1. 2 



18 



Anzeichen von Korytzaner Schichten gelten und ebensowenig 
wird man aus dem reichlichen Vorkommen von Kalk und Glaukonit 
in der obern Grenzschicht 3 auf Gesteine der Actinocamax-Zone 
schließen dürfen. Mehr Beachtung verdienen in dieser Beziehung 
die Hornsteinbänder (2), aber sie weisen eher auf das Unter- 
Turon als auf Korytzaner Schichten hin; denn soweit ich die 
Kreide unserer Gegend kennen gelernt habe, sind solche stets nur 
im untern turonen PLäner, also in den Weißenberger und Mal- 
nitzer Schichten gefunden worden. Die Korytzaner Schichten von 
Moletein, Petersdorf, Ranigsdorf, Uttigsdorf, Langenlutsch usw. 
enthalten dergleichen niemals und ich möchte daher ihre Anwesen- 
heit in den fraglichen Sedimenten für ein nicht zu unterschätzen- 
des Anzeichen von unterturonem Pläner halten. 




/'A=Phvllit, /)' 



=^ Rotliegeudes. C = Cenoman. 
M = Malnitzer Schichten. / = 



ÍF= Weilienberger Schichten. 
Iserschichten. 



Ein gewichtiger, für Malnitzer Schichten sprechender Um- 
stand liegt ferner in folgendem: Anläßlich des Straßenbaues 
Budigsdorf— Mariakron wurden südlich von dem diese Ortschaften 
verbindenden schmalen Alluvialstreifen die sandsteinartigen, glau- 
konitischen Gesteinsbänke, wie wir sie im Triebendorfer Auf- 
schluß usw. anstehend finden (1), in größerer Längenausdehnung 
angeschnitten. Ich sah nun hier mitten in einem Gestein, das dem 
Korytzaner Grünsand auffallend glich, große graue, kompakte 
Kalkknollen eingebettet. Diese Erscheinung, die wir in den Ko- 
rytzaner Sedimenten nirgends trefl'en, kann nur erklärt werden, 
wenn man diese Kalke als die von Dr. A. Y ri č (Die Weißenberger 



19 

und Malnitzer Schichten, S. 20) beschriebenen Launer Knollen an- 
sieht, welche .,in den höchsten Schichten des Malnitzer Grünsandes 
eingelagert sind." 

Den sichersten Beweis für die Richtigkeit der Behauptung, 
daß die Absätze 1 bis 3 schon aus stratigraphischen Gründen ein 
Glied des untern turonen Pläners sein müssen, beziehungsweise 
nicht cenoman sein können, liefert jedoch die Betrachtung des 
Liegenden derselben. Es war mir allerdings nicht möglich, letz- 
teres in der unmittelbaren Umgebung von Budigsdorf anstehend 
aufzutinden, da keiner der vorhandenen Aufschlüsse tief genug 
hinabreicht, allein bei den Grünauer Sedimenten, die ja den Bu- 
digsdorfer gewiß entsprechen und als eine direkte Fortsetzung 
derselben angesehen werden müssen, machte die Untersuchung 
ihrer Unterlage keine Schwierigkeiten. Von den Grünauer Wasser- 
rissen stellt der für unsere Zwecke am besten geeignete eine 
schmale, im allgemeinen von Ost nach West streichende Rinne 
vor, in der ein kleines Wässerchen fließt, das sich unweit des 
westlichen Ausganges des Risses in den Pohres — Pirkelsdorfer 
Bach ergießt. Zu beiden Seiten stehen Sedimente an, welche denen 
vom Budigsdorfer Tunnel sowie jenen von Triebendorf völlig 
gleichen und die offenbar der Zone 1 angehören. Sie sind kalk- 
frei, stark glaukonitisch und sandsteinartig wie jene. Nach oben 
nimmt der Glaukonitgehalt ab und hier bemerkt man auch ohne 
Mühe die schon mehrfach genannten Hornsteinbänder; die kalkige 
Grenzschicht (3) fehlt jedoch bereits gänzlich. Die Schichtung ist 
am Westausgange vollständig horizontal, während man gegen das 
Ostende zu ein geringes Einfallen nach Nordwesten beobachten 
kann. Geht man mit dem vorerwähnten Pohres — Pirkelsdorfer Bach 
(von der Einmündung des aus dem Risse kommenden AVässerchens 
an) abwärts bis zu seiner Vereinigung mit der Triebe (slawisch 
TrebovkaJ, so wird man an beiden Hängen des durchwanderten 
Tales über der Sohle Bänke des gleichen Gesteins bemerken, die 
sich sämtlich durch ihre wagrechte Schichtung auszeichnen. Schon 
an der Stelle, wo das Pohres — Pirkelsdorfer Tal in das Triebetal 
mündet, bemerkt man jedoch, daß die tiefsten Lagen des Gesteins 
kalkig und feinkörnig werden und gleichzeitig eine bläuliche Farbe 
annehmen. Schreitet man dann auf der am linken Triebeufer be- 
findlichen neuen Bezirksstraße eine Strecke weiter talabwärts bis 
zum .,BurgstadP' (der sogenannten Talmühle gerade gegenüber). 



20 

so zeigt sich uns linker Hand eine Felswand, die in ihrem obern 
Teile noch Gesteine vom Typus 1 besitzt, im untern aber bereits 
aus einem äußerst charakteristischen, sehr harten, unter dem Ham- 
mer klingenden, ausgezeichnet in Platten spaltenden Planer von 
blaugrauer Farbe besteht, wie wir ihn beispielsweise am Reichenauer 
Berg und am Schönhengst entwickelt finden. Die Schichtung ist 
noch immer durchweg streng wagrecht. Da wir von der Grünauer 
Erosionsrinne an bis an diese Stelle ununterbrochen demselben 
fließenden Gewässer durch vollständig horizontal gebankte Sedi- 
mente gefolgt sind, müssen die hier zutage tretenden Plattenpläner 
zweifellos älter sein als die im Grünauer Riß entblößten Gesteine 
und letztere unterlagern. Wir sehen demnach, daß das Liegende 
der Zone 1 keineswegs aus Perutzer Quadern u. dgl. besteht, wie 
zu erwarten gewesen wäre, wenn es sich um Korytzaner Schichten 
gehandelt hätte, sondern daß dieselben (die Absätze 1) von echtem 
unterturonen Pläner, den wir noch weiter gegen Rattendorf ver- 
folgen können, unterteuft werdend. 

Die Berglehne vom Eingang ins Pohreser Tal bis zu der 
unmittelbar vor dem „Burgstadl'" gelegenen Einmündung des 
Grünauer Tales (am linken Triebeuferj zeigt uns übrigens auch 
sehr schön das zweimalige Auftreten des bläulichen, klingenden 
Pläners. Wir bemerken denselben nämlich das erstemal am 
Straßenniveau, überlagert von Absätzen der Zone 1, und das 
zweitemal über diesen Gesteinen, hoch oben am Kamm der 
Lehne, am sogenannten Bäckenrand, wo er wieder den Gebilden 4 
und 5 entspricht. 

Da somit die Schichten 1 der echten Plänerunterlage wegen 
unmöglich den cenomanen Korytzaner Schichten angehören können, 
bleibt nur übrig, sie sowie die Gebilde 2 und 3 dem untern 
turonen Pläner einzuverleiben, wobei wir aus petrographischen 
Gründen in erster Linie an Malnitzer Schichten denken werden. 



1) Ob (lieser Pläner bereits tatsächlich den Weißenberger Schichten an- 
gehört oder ob er noch eventuell z\i den Malnitzer Schichten selbst zu rechnen 
wäre, die mitunter auch als klingende Pläner entwickelt erscheinen (vergleiche 
Dr. A. Friö: Die Weißenberger und Malnitzer Schichten, S. 19), konnte bis 
nun allerdings nicht entschieden werden; doch kommt dieser Umstand hier 
nicht in Betracht, da es sich für unsere Zwecke nur um den Nachweis han- 
delt, daß im Liegenden der Sedimente 1 wirkliche Pläner und nicht Perutzer 
(iesteine auftreten. 



21 

Allerdings müssen wir, im Falle die Sedimente 1 bis 3 den 
Malnitzer Schichten zugeteilt werden, das Hangende derselben (4 
und 5 der Profile) gleichaltrigen oder jüngeren Abteilungen der 
Kreide parallelisieren; allein dieser Annahme steht gar nichts 
entgegen; denn gewichtige paläontologische Gründe, welche im 
zweiten Teile angeführt erscheinen, werden uns ohnehin nötigen, 
die Gebilde 5 den Iserschichten beizuzählen, und die l)lauen 
Plänerkalke der Stufe 4 können (wo sie tatsächlich vorhanden 
sind) sehr gut noch den Malnitzer Schichten als fazielles Äqui- 
valent der Launer Knollen belassen werden. An dieser Stelle 
müssen wir uns freilich mit dem Hinweis begnügen, daß die Sedi- 
mente 5 ihrem petrographischen Charakter nach eben so gut den 
Iserschichten als auch den Weißenberger Schichten angehören 
können, was sich bereits aus einem flüchtigen Vergleich ihres 
äußeren Habitus mit dem mancher Horizonte der Iserschichten 
Böhmens ergibt. Beachten wir z. B. nur, was Dr. A. Fric in 
seinen „Iserschichten"' (Prag 1883) auf Seite 13 und 14 über dieses 
Glied der böhmischen Kreide sagt: 

„Die meist kalkig plänerigen Trigoniaschichten, welche 
man auch als eigentliche Iserschichten im engeren Sinne des 
Wortes bezeichnen könnte, bestehen aus einer ganzen Reihe von 
festeren und mürberen Lagen, die bald mehr kalkig fest, bald 
mehr plänerig, mürbe, stellenweise wieder mehr sandig sind und 

ganz den Habitus des Quadersandes annehmen Wo 

die Felswand durch Steinbrecharbeit bis auf ganz gesunde 
Schichten entblößt ist, dort wird die Entzifferung der einzelnen 
Glieder zur Unmöglichkeit." 

„Die petrographische Beschaffenheit der Iserschichten 
wechselt bedeutend, was hauptsächlich von dem verschiedenen 
Grade der Verwitterung und der teilweisen Entkalkung abhängig 
ist. Größtenteils sind es kalkige, sandige Pläner, welche feste 
graue Knollen führen. Stellenweise nehmen die verwitterten 
Lagen, wo sie gleichmäßig feinkörnig sind, das Ansehen des 
gewöhnlichen Plänersandsteines der Weißenberger Schichten an, 
während dieselbe Schichte einige Meter weiter einen festen, 
grauen, kompakten Kalkstein darstellt . . . . " 

Diese Worte passen ganz vortrefflich auf unsere Sedimente 
der Stufe 5. Wir begegnen hier in der Regel schon unter der 
Ackerkrume d(ni gelben, mürben, vollständig entkalkten Partien 



22 

und darunter wieder den festen, feinsandigeu, kalkreichen Ge- 
steinen mit Glaukonitkörnchen. Die Farben durchlaufen verschiedene 
Nuancen von Gelbgrau, Gelb und Weißlicli, während feste Knollen 
reinen Kalksteins von grauer oder gelbgrauer Farbe in allen 
Größen und in allen Lagen auftreten'). Ich habe mich bei einigen 
Exkursionen überzeugt, daß derartige Sedimente (mit typischen 
Leitfossilien der Iserschichten ) auch in der Kreide Ostböhmens 
im Liegenden der eigentlichen ( Jallianassensandsteine sehr oft an- 
zutreffen sind, so z. B. im nördlichen Teile von Abtsdorf. Ich 
glaube demnach nicht zu weit zu gehen, wenn ich auf Grund 
dieser Übereinstimmung meine frühere Behauptung, daß die Ab- 
sätze ") ihrem äußeren Habitus nach ebensowohl Weißenberger als 
auch Iserschichten darstellen können, aufrecht halte. 

Wichtig in petrographischer Beziehung scheint mir schließlich 
auch der Umstand, daß den Plänern der Stufe 5 jede Spur der 
für unser Unter-Turon so bezeichnenden Hornsteinbänder abgeht. 
Ich stehe nicht an, diese Tatsache ebenfalls als eine starke Stütze 
meiner Ansicht, daß es sich hier um ^Ablagerungen jüngeren Ur- 
sprunges handelt, zu bezeichnen. 

B. Paläontologisclier Teil. 

Die Resultate der im vorigen Kai)itel mitgeteilten l^nter- 
suchungen lassen sich kurz folgendermaßen zusammenfassen: 

Die Sedimente 1 und folglich auch die Gebilde 2 und '.\ 
sind schon aus stratigraphischen Gründen ganz bestimmt nicht 
cenoraan, sondern sie gehören sicher dem untern turonen Pläner, 
u. zw. sehr wahrscheinlich den Malnitzer Schichten an. Das Han- 
gende dieser Ablagerungen (4 und 5) kann seinen petrographischen 
Eigenschaften nach sowohl ganz zum Unter-Turon als auch teil- 
weise zu den Iserschichten gerechnet werden, wobei das letztere 
aus stratigraphischen und petrographischen Gründen das Näher- 
liegende und Wahrscheinlichere darstellt. 

Wir wenden uns nun zur Betrachtung des zur Verfügung 
stehenden paläontologischen Materials. 

Die Gesteine der Zone 1 sind in der Umgebung von Budigs- 
dorf vollständig fossilleer, nur im Grünauer Wasserriß konnte ich 
f(dffende Arten konstatieren: 



^) Hans W ilscliow ilz crwiilmt solclie iiuf in der Zone 4. 



23 

Pinna dcctissata Ooldf. \ Mutiella Rimjnierensis Qeht. 

Lima multicosiata Gein. Fucoides sp. 

Inoceramus Brongniarti Sow. Spongites saxonicus Fr. ? 

CrassateUa cf. mncrodonta Sow. ' 

Außerdem eine kleine Exogyra, vielleicht E. columha So/r. 
Von den in unseren Korytzaner Schichten so häufigen Pecfen asper 
TMin. und F. acqat'costat/is La)n. fand sich nirgends eine 8pur. 

Zu irgend welchen sicheren Schlüssen berechtigen die (»ben 
verzeichneten Funde natürlich in keiner Weise, nur das Vorkom- 
men des Inoc/'i-aiiius Brominiarti und der Cra.ssatella macrodonta 
würde einigermaßen gegen die Annahme von Korvtzaner Schichten 
sprechen, ebenso das Fehlen von P. asper und P. aeqaicostatas. 

Nun die Fauna der Zone 3! Herr Wil s cho wi t z zählt im 
ganzen 17 Arten auf, von denen (nach Fric; fünf Arten den 
Malnitzer Schichten angehören, den Korytzaner Schichten jedoch 
fehlen. Sechs Arten sind beiden Horizonten gemeinsam, vier werden 
in jüngeren Abteilungen geführt und die restlichen zwei kommen 
als nicht siclier agnosziert für eine Altersbestimmung nicht in Be- 
tracht. Das Hauptleitfossil der Actinocamax-Zone, der Aclinocamax 
plenus Blainr., wurde nicht gefunden! Es spricht demnach kein 
einziger paläontologischer Grund für die Annahme dieser Zone, 
dagegen läßt sich eine solche von Malnitzer Schichten ganz 
zwanglos rechtfertigen, wie übrigens der Autor selbst zugibt, indem 
er (Seite 128) ausdrücklich bemerkt: „Soweit sich die Fauna dieser 
Zone aus den gegebenen Bestimmungen beurteilen läßt, könnte 
man freilich auch an Malnitzer Schichten denken, aber die strati- 
graphische Lagerung spricht entschieden dagegen." Es ist also 
lediglich die „stratigraphische Lagerung", welche ihn die so nahe 
liegende Annahme von Malnitzer Schichten verwerfen und die 
ziemlich gezwungene der Actinocamax-Schichten festhalten läßt, 
mit anderen Worten: Die Zone 8 kann (nach H. Wi 1 s c ho wi t z) 
den Malnitzer Schichten nicht angehören, weil die darüber lagern- 
den Absätze 4 und 5 Weißenberger Schichten sind. Nun habe ich 
bereits im Abschnitte A nachgewiesen, daß die Zone 1 ihrer unter- 
turonen Plänerunterlage wegen schon aus stratigraphischen Grün- 
den nicht den Korytzaner Schichten beigezählt werden kann, son- 
dern daß wir es nur mit einem jüngeren Gliede des Unter-ïurons 
zu tun haben können, d. h. dali die typischen Weißenberger 



24 

Schichten nicht über 1 — 3, sondern unter 1 zu suchen sind. Hie- 
durch werden aber alle stratigraphischen Rücksichten, welche einer 
Parallelisierung der Gebilde 3 (oder besser 1 — 3) mit den Mal- 
nitzer Schichten entgegenstehen, vollständig hinfällig, ja, eine Bei- 
behaltung der Annahme von Korytzaner beziehungsweise von Ac- 
tinocamax-Schichten ist unter diesen Umständen direkt unmöglich. 
Es hindert uns demnach nichts mehr, der in den Sedimenten 1 — 3 
deponierten fossilen Fauna Rechnung zu tragen und diese Ab- 
lagerungen als Malnitzer Schichten anzusprechen, wobei wir von 
einer Trennung der Horizonte 1 und 3 absehen, indem wir den 
letzteren als eine bloß fazielle (kalkreichere) Abänderung des 
ersteren betrachten. 

Freilich können dann die Zonen 4: und 5 keine Weißenberger 
Schichten mehr sein; aber wir haben gesehen, daß ihr petrographi- 
scher Habitus auch die Annahme eines jüngeren Ursprunges keines- 
wegs ausschließt. Es ist demnach noch unsere Aufgabe, die fossile 
Fauna dieser Sedimente zu betrachten, um den durch sie reprä- 
sentierten Horizont definitiv festzustellen, beziehungsweise zu unter- 
suchen, ob dieselbe die Möglichkeit einer Gleichstellung mit jün- 
geren Schichten zuläßt oder nicht. 

o 

Schon damals, als ich Gelegenheit hatte, mit Herrn Wil- 
schowitz die Dittersdorfer Steinbrüche zu besuchen, gedachte 
ich in seiner Gegenwart auch der Vermutung Dr. E. T i e t z e s, 
daß es sich hier möglicherweise um jüngeren Pläner handeln 
könnte^). Trotzdem fand sich Herr Wil s ch owi tz nicht veran- 
laßt, diese Sedimente von den Weißenberger Schichten zu trennen, 
und zwar auf Grund des ihm zur Verfügung gestandenen Petrefaktea- 
materials, das sich für Dittersdorf aus den auf Seite 132 seiner Al)- 
handlungen verzeichneten Arten zusammensetzte. Nun ist aber die 
daselbst gebrachte Liste der Dittersdorfer Vorkommnisse weder voll- 
ständig noch in allen Punkten richtig; denn sie fußt nur zum Teil 
auf eigenen Funden des Herrn Wilschowitz und manche der dort 
stehenden Namen wurden damals von mir einfach angegeben, soweit 
sie mir eben zu dieser Zeit bekannt waren oder richtig schienen. So 
harrten z. B. meine sämtlichen gesammelten Bryozoen noch der Be- 
stimmuns;und diese für die Beurteilung eines Horizontes so wichtigen 



*) Dr. E. Tietze: Die geoguostischen Verhältnisse der Gegend von 
Landskron und Gewitsch, Wien 1902, Jahrbuch der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt. S. 646. 



25 

Fossile erscheinen demnach in der betreifenden Liste überhaupt nicht 
angeführt. Auch machten einige Bestimmungen eine spätere Kor- 
rektur nötig, als weitere, besser erhaltene Funde die wahre Natur 
des bezüglichen Petrefakts erkennen ließen. Ich führe im folgen- 
den nur die wichtigsten dieser nachtrcäglichen Richtigstellungen an: 

Lima psei(do''Mrdium Bsnss zeigte sich in den meisten Fällen 
mit L. iserica Fr. identisch, als auch unzweifelhafte Negative des 
Steinkernes behufs Untersuchung zur Verfügung standen. Es wurde 
demnach nötig, neben L. psei(docardiurn noch die sehr bezeich- 
nende Art L. iserica aufzustellen, deren Vorkommen jedoch auf 
die Stufe 5 beschränkt bleibt. 

Die gesammelten Stücke von Lima elonyata Sow. wurden als 
zwei verschiedenen Arten angehörig erkannt. Nur ein Teil erwies 
sich nämlich tatsächlich als L. elongata, die Mehrzahl der Exem- 
plare mußte einer andern Art zugewiesen werden, die vorläufig 
unter dem Terminus L. äff'. Dupiitiana ďOrh. verzeichnet erscheint. 
Letztere ist ebenfalls für die Zone 5 charakteristisch. 

Exogyra columba Sow. stellte sich in der Stufe 5 durchwegs 
als E. conica Sow. heraus, die Bestimmung Östren frons Park, als 
unrichtig. 

Iiioceramus labiatiis Schiott. konnte nur für die Plänerkalke 
(Stufe 4) aufrecht erhalten werden und auch da scheint mir sein 
Auftreten noch keineswegs sicher; denn die mir zu Gesicht ge- 
kommenen Exemplare waren für eine genaue Bestimmung sehr 
wenig geeignet. In den Plänern der Zone 5 fehlt er bereits gänz- 
lich. Die diesbezügliche Angabe des Herrn Wil s ch owit z beruht 
jedenfalls auf einem Irrtum und dürfte entweder durch schlecht 
erhaltene Reste von Jn. Brongniarti oder durch Exemplare un- 
sicherer vertikaler Lage verursacht worden sein. 

Die Vorkommnisse von Nautilus rugatus Fr. et Schi., Mi- 
craster cor testudinariiim Goldf., Serpula socialis Ooldf. und S. am- 
pulacea Sow. sind auf die Zone 5 beschränkt, Ven/ts fahacea Rom. 
auf 4. 

Der Zahn von Otodus appendiculatus Ay. und die Ammo- 
nitenreste entstammen den Kalken 4. Die noch übrigen Arten sind 
an einen bestimmten Horizont nicht gebunden, doch läßt sich be- 
haupten, daß sie in den Plänern 5 stets ziemlich häufig auftreten, 
während sie in der Stufe 4 nur sehr spärlich zu finden sind. 

Zieht man vorstehende Korrekturen bei der Betrachtung der 



26 



Liste der Dittersdorfer Fossile in Betracht und fügt man letzteren 
noch die von mir zum Teil in Dittersdorf, zum Teil in den gleich- 
altrigen Horizonten (5) von Grünau, Ranigsdorf und Rostitz ge- 
machten Funde hinzu, nämlich: 



Area Schwaboiaui Zittel, 
Trigonia limhata cVOrh., 
Modiola typica Forb., 
Perna subspatidata Beuss. 
Lima ovata Eö7n., 
Hcteropora tuagnific« Nov. 



Petalophora seriata Nor., 
Bif lustra Pmzdid Nov., 
Entalophora Oeinitxi'i Reuss, 
Serpula gordialis ScJdott., 
Cilaris cf. Vendocinensis Ag., 
Microbafia eorouula Ooldf., 



so ist es wohl begreiflich, daß ich keinen Austand nehme, diese 
Sedimente den Iserschichten zu parallelisieren. Ich habe diese 
Ansicht auch im Jahre 1910 in der Publikation „über einige 
Reste der Iserschichten im Osten des Schönhengstzuges" (Zeitsi-hrift 
des mährischen Landesmuseums, X. Band, 1. H.) ausführlich be- 
gründet und verweise bezüglich alles Näheren auf die genannte 
Schrift^). Ich bemerke an dieser Stelle schlietilich, daß ich in der 
eben zitierten iVrbeit auch die Sedimente 5 des Triebendorfer Auf- 
schlusses als Iserschichten ansah und daß ich unter anderem auch 
die Vermutung aussprach, daß sich diese Iserschichten noch weiter- 
hin gegen Budigsdorf und Tattenitz verfolgen lassen dürften. Diese 
Vermutung wird durch das Verzeichnis am Beginne der Seite 131 
der Wilschowitzschen Arbeit vollauf bestätigt, sobald man die 
bei der Besprechung der Dittersdorfer Liste erläuterten Korrekturen 
und Ergänzungen auch hier anbringt, wozu man berechtigt ist, da 
die Dittersdorfer V'orkommnisse in diese Aufzählung einbezogen er- 
scheinen und die Verhältnisse in der fossilen Fauna von Budigsdorf 
und Umgebung denen von Dittersdorf vollständig gleichen, was ich 
bei meinen wiederholten Besuchen immer wieder feststellen konnte. 
So fand ich z. B. die für die Iserschichten sehr bezeichnende Lima 
iscrica Fr. sowohl im Aufschlüsse von Triebendorf als auch in dem 
von Budigsdorf usw. 



^j Diu-cli Zufall kam mir die Abhaiidluiig des Herrn W ii schowitz erst 
nach dem Erscheinen meiner eigenen zu tíesiclit, obwohl erstere bereits ge- 
raume Zeit vor der letzteren herauskam. Dieser Umstand erklärt die vielleicht 
auffallende Tatsache, daß in der oben angeführten eigenen Veröffentlichung 
die Ansichten des Herrn Wilscho wit z weder besprochen noch sonst irgend- 
wie t'rwähnt worden sind. 



27 

Was endlich die Fauna der Pläuerkalke (Stufe 4) anbelangt, 
so fügt sich dieselbe einer Annahme von Malnitzer Schichten sehr 
gut, wie ein Blick auf das Verzeichnis am Schlüsse der Seite IHO 
der Wilschowitzschen Arbeit ohne weiteres zeigt. 

Wir können demnach die Ergebnisse unserer Untersuchungen 
wie folgt zusammenfassen: 

Die im 1^ r i e b e n d ( > r f e r, T a 1 1 e n i t z e r u n d G r ii n- 
a u e r Aufschluß s o wie die bei m ß u d i g s d o r f e r T u n- 
nel entblößten Sedimente der Zone 1 stellen unter 
keinen Umständen K o r y t z a n e r Schichten vor, son- 
dern sie sind wie die darüber lagernden Gebilde 2 
und 8 nur ein Glied des u n t e r n t u r o n e n PI ä n e r s 
und wahrscheinlich den Malnitzer Schichten des 
letzteren äquivalent. Sie erscheinen keineswegs 
auf die oben aufgezählten Ö r 1 1 i c h k e i t e n be- 
schränkt, sondern wir finden sie auch unter an- 
derem im P h r e s e r und Grünauer Tale sowie am 
,,B u r g s t a d 1 " ( n ä c h s t E a n i g s d o r f ) u n d in dessen Ü m- 
g e b u n g anstehend. Von ihrem Hangenden gehört 4 
wahrscheinlich noch den jNIalnitzer, 5 aber 1)ereits 
sicher den Iserschichten an. 

Das Pro til längs eines vom Reichenauer Berge über Trieben- 
dorf nach dem Petersdorfer Tale geführten Schnittes, das wir in 
der Wils c h wi t z sehen Arbeit unter Fig. 8 finden, müßte dem- 
nach eigentlich die Gestalt, welche die beifolgende schematische 
Zeichnung versinnlicht, annehmen. Dieses so abgeänderte Profil 
trägt den tatsächlichen Verhältnissen mehr Rechnung, indem es 
den untern turonen Pläner in seiner wirklichen Lagerung dar- 
stellt. Derselbe fällt nämlich im Osten der Triebendorfer Bruch - 
linie stets westlich ein, was im Triebendorfer Aufschluß und beim 
Tunnel noch kaum merklich, an der Westlehne des Petersdorfer 
Tales aber bereits sehr deutlich gescl ielit. Nach dem Profile Wu- 
sch o witz' müßte das Gegenteil stattfinden und sich mindestens 
in dem letztgenannten Tale bereits eine merkbare östliche Fall- 
richtung nachweisen lassen. 



28 

Am Schlüsse unserer Arbeit mögen noch einige kurze Be- 
merkungen über zwei interessante Sedimente Platz finden, welche 
Herr Wilschowitz als „nasse Mergel" und als Malnitzer 
Schichten beschreibt. 

Was zunächst die auf Seite 129 und 130 erwähnten Vorkomm- 
nisse der ersteren betrifft, so ist deren Deutung als Semitzer Mergel 
wohl schon aus stratigraphischen Gründen ganz verfehlt, selbst 
unter Beibehaltung der Annalime des Autors, daß die Sedimente 
4 und 5 tatsächlicli den höchsten Etagen der Weißenberger 
Schichten entsprechen^). Dies ergibt sich aus folgender Erwägung: 

Das größte der Mergellager befindet sich rund 1 hm westlich 
der Eisenbahnstation Budigsdorf, und zwar am Bahnkörper selbst. 
Die wagrecht geschichteten, nur von quartären Bildungen be- 
deckten und umgebenen Sedimente stehen über einem Niveau an, 
welches dem der Fahrbahn der Eisenbahnbrücke von Budigsdorf 
gleichkommt, während die Plänerbänke des Budigsdorfer Auf- 
schlusses ihrer vertikalen Entwickelung nach schon zum größten 
Teile unter diesem Niveau liegen. Berücksichtigt man nun noch 
das Einfallen der letzteren (8 bis 10 Grad nach Westen), so 
kommt man zu dem Schlüsse, daß diese Pläner das Liegende der 
Mergel bilden, während sie das Hangende derselben darstellen 
müßten, falls es sich hier um Semitzer Mergel handeln würde. 
Diese Mergellager stimmen ferner in petrographischer und paläon- 
tologischer Beziehung ganz genau mit jenen überein, welche wii* 
im Triebitzer Bahneinschnitt (etwas westlich der Eisenbahnstation) 
anstehend finden, so daß gar kein Zweifel aufkommen kann, daß^ 
wir es an beiden Orten mit demselben Schichtgliede zu tun haben. 
Da nun die Triebitzer Mergel unmittelbar auf echtem Callianassen- 
sandstein lagern, handelt es sich auch hier (bei Budigsdorf) ganz 
sicher um jüngere Absätze und ich zögere nicht, diese Mergel so zu 
bezeichnen, wie die geologische Spezialkarte die gleichen Gebilde 
von Triebitz, nämlich als Priesener Schichten. 

Diese Annahme gestattet auch die konstatierte Fauna ganz 
gut; denn der Umstand, daß wir in der Liste der von Wilscho- 



^) Auch die Bezeichnung .,uaß" ist zum mindesten sehr fraglich. Ich 
fand die Mergel von Budigsdorf stets trocken. Die gleichen Absätze beim 
,,Kliugerbrünnel" sind an der einzigen, leider kaum merkbaren Stelle ihres 
Anstehens allerdings feucht; allein dies rührt oft'enbar nur von der daselbst 
austretenden starken Quelle her. 



29 

w i t z aufgebracliten Petrefakten den für das Ünter-Turou leiten- 
den Lwceramiis lahiatus Schloti. verzeichnet finden, darf uns nicht 
allzusehr beirren. Dieses Fossil wird nämlich in der einschlägigen 
Literatur öfter als Glied der Priesener Fauna angeführt, so daß 
uns sein Name unter den Budigsdorfer Petrefakten nicht zu be- 
fremden braucht, (Man vergleiche z. B. Dr. Jaroslav. J.Jahn: 
„Einige Beiträge zur Kenntnis der böhmischen Kreideformation". 
Jahrbuch der k. k. geologischen ßeichsanstalt, 1895, 45. Bd., 1. H., 
S. 163, 178 und 180.) Eine Entscheidung der naheliegenden Frage, 
ob in diesen Fällen sowie bei Budigsdorf tatsächlich die genannte 
Bivalve vorliegt oder ob eine der sehr ähnlichen Arten /. Cuvieri 
Soiv. und 7. lati/s Manf. als /. labiatus angesprochen wurde, ist 
in Anbetracht des meist ungünstigen Erhaltungszustandes aller- 
dings sehr schwierig, für unsere Zwecke aber auch nicht not- 
wendig. Hier genügt die Feststellung, daß die in Frage stehenden 
Vorkommnisse von Budigsdorf auch den typischen, unzweifelhaften 
Priesener Schichten Böhmens nicht fehlen. Hievon konnte ich mich 
aber durch direkten Vergleich der ersteren mit solchen aus echten 
Priesener Schichten wiederholt überzeugen, so fand ich z. B. ganz 
dieselben Formen in den schon erwähnten Mergeln von Triebitz 
und in jenen Sedimenten von Abtsdorf, welche Fric als „klin- 
gende weiße Inoceramenpläner" der Priesener Schichten bezeichnete 
(Dr. A. Fric: Die Teplitzerschichten, Prag 1889, S. 52). Die 
Budigsdorfer Inoceramen sind demnach vollwertige Glieder der 
Priesener Fauna, ob sie nun als /. lahiaftis determiniert oder mit 
anderen Namen belegt erscheinen. 

Ich schließe hier noch ein Verzeichnis jener Fossilien an, 
welche ich bei Budigsdorf selbst sammelte und das die Überein- 
stimmung der daselbst deponierten Fauna mit jener der Priesener 
Schichten gleichfalls sehr gut illustriert. Drei der aufgezählten 
Vorkommnisse (in der Liste durch ein * bezeichnet) befinden sich 
in der Sammlung des Herrn Konservators A. Czerny in Mähr.- 
Trübau, die übrigen besitzt das mährische Landesmuseum in 
Brunn. Bezüglich Ccr. echinatns vergleiche man: Dr. Ed. Bayer 
in Věstník kral. české společnosti nauk. Třída math.-přír., 1898, 
S. 18 und 89. 



Osmeroideí< Lewesiensis Ag. 

(Schuppen). 



Aspidolep'is Steinlai Oein. 
(Schuppen). 



30 



Berijx ornatns Ag. (Schuppen). 
* Cladoeijclns Strehlensis Gein. 

(Schuppeu). 
Eleldrolepis horridn Fr. 

(Schuppen). 
Verschiedene Skeletteile 

kleiner Fische. 
Hamites hohcmiciia Fr.? 
Nucida pecthuifa Soiv. 
Inoeernmiis (kirieri Sow. 
Inoceramus sp. 
Cidaris sp. (Stacheln). 



Micraster de Lonoli Xor. 

(Platten). 
Astrocoenia Tou.rtiensis Bölscl/e. 
Froudicnlana angiista NilJs. 
Planorbiilina poJt/raplies Beits.s. 
Nodosaria Zippei Beuss. 
* Crisfellaria intermedia Bexss. 
Ghhigerina sp. 
Driippiila convolutd Berner. 
^' Ccrntostróbus echiiHttus Vel. 
Fueoídes sp. 
Fueoides ? slrangtdatus Fr. 



Nun endlich die „Malnitzer Schichten" nächst dem Hokberge 
im (irenzbachtale (Seite 131 der Wils cho w i tzschen Abhand- 
lung)! Hier lag für Herrn Wi 1 schowi t z eigentlich der Schlüssel 
zur Entzifferung unserer Kreidegebilde; denn nirgends standen 
oder stehen die ßeobachtungsmomente so günstig als gerade an 
diesem Orte. An den tieferen Partien des dortigen Steilhanges 
kann überall das Vorhandensein eines typischen bläulichgrauen 
Pläners konstatiert werden, während nahe dem obern Rande das- 
selbe grobsandige, glaukonitische Gestein ansteht, wie wir es als 
Zone 1 beim Tunnel, in Triebendorf usw. kennen gelernt haben. 
Nur wenige Schritte südlich endlich treffen wir auf Plänerbänke 
der Zone 4 und 5, welche ihrer stratigraphischen Lage nach un- 
bediugt zum Hangenden jener grobsandigen Sedimente gehören 
müssen. 

Wir können hier demnacli wieder sehen, wie der blau- 
graue Pläner zweimal auftritt, einmal unter, das zweitemal über 
der sandsteinartigen Schichte, genau so, wie wir es nächst der 
Talmühle bei Ranigsdorf feststellen konnten. Hiezu kommt noch, 
daß Herr Wilschowitz in dem grobsandigen (lestein eine 
fossile Fauna konstatieren konnte, die unzweifelhaft auf Malnitzer 
Schichten hinwies (nur einige Vorkommnisse scheinen mir abge- 
rollte Reste noch jüngerer Horizonte zu sein). Er zögerte demnach 
mit Recht keinen Augenblick, hier die Malnitzer Schichten als 
sicher nachgewiesen anzusehen, ja sogar die Vermutung auszuspre- 
chen, daß es gelingen könnte, in der Nähe möglicherweise noch 
jüngere Stufen der Kreide zu entdecken. 



81 



Die hier aufgeschlossenen Kreidesedimente ergeben uns dem- 
nach folií endes einfache Schema; 



Grauer bis gelber Pläner. 



Iserschichten. 



Blauer Plänerkalk. 
Grobsandig-glaukonit. Gestein. 



Malnitzer Schichten. 



Bläulichgrauer bis gelber Pläner. Weißenberger Schichten. 



Um seine allgemeine Gültigkeit für unser Gebiet zu ver- 
stehen, müssen wir allerdings auch noch den Muldencharakter 
unseres Kreidesystems sowie die verschiedene Lage der beschrie- 
benen Örtlichkeiten in dieser Mulde in Betracht ziehen. Die Auf- 
schlüsse beim Tunnel, in Triebendorf, Tattenitz und Grünau liegen 
nahe der Muldenmitte, sie zeigen wagrechte oder fast wagrechte 
Schichtung und die unterste im obigen Schema angeführte Etage 
ist verdeckt. Ähnliches bemerken wir im Budigsdorfer Aufschluß, 
wo nur noch das oberste Glied und ein Teil des mittleren zu 
Tage treten. Die nächst dem Holzberge entblößten Sedimente be- 
finden sich dagegen schon dem Ostrand der Mulde nahe, wir kon- 
statieren alle drei Glieder, davon die jüngsten in bedeutender 
Höhe, und die Lagerung läßt bereits das ziemlich starke westliche 
Einfallen erkennen. 

Warum Herr Wi Isch o wi t z diesen Schlüssel nicht weiter 
benutzt hat, erscheint nicht recht erklärlich. Die Übereinstimmung 
der früher beschriebenen Sedimente 1 bis 5 mit denen aus der 
Nähe des Holzberges ist nämlich so frappant, daß es ganz eigen- 
tümlich anmutet, hier (beim Holzberge) ein Gestein als „Pläner- 
sandstein-' angesprochen zu sehen, das weiter abwärts unter den 
ganz gleichen Verhältnissen konstant mit dem der Korytzaner 
Schichten (beziehungsweise Actinocamax-Schichten identifiziert 



32 

wiťd^). Wahrscheinlich lag der Hauptgrund für diese verschiedene 
Deutung derselben Stufe in der Scheu, die den Weißenberger 
Schichten auffallend ähnlichen Sedimente 4 und 5 als jüngere Ge- 
bilde annehmen zu müssen. 



') Der Autor sagt von dem Material, das in dem kleinen Bruche am 
oberen Teile des Steilrandes anstellt, auch, daß es „der Hauptsache nach ein 
Plänersandstein" sei, der einen „eigentümlichen knolligen und wulstigen Bruch" 
besitze. Diese Bemerkung bedarf einer starken Einschränkung. Das Gestein ist 
nämlich ganz gleichmäßig grobsandig (mit normalem Bruche), nur werden hie 
und da (offenbar von Spongien herrührende) Wülste und Knollen gefunden, 
die in fast allen Kreidegebilden vorkommen und die z. B. avich beim Tunnel 
sowie in Triebendorf und Grünau durchaus nichts Seltenes sind, in den Weißen- 
berger Schichten aber allerdings oft ganze Bänke des Pläners durchsetzen. 



Beiträge zur Kieselalgenflora von Mähren, IL 

Vorläufige Mitteilimgeii über die Diatumeenflora der Halophyten- 
gebiete in Öiidmähren. (Auspitz — Babnhof.) 

Von Lehi-er Oskar Richter, Olmütz. 



Nachstehende Zusammenstellimgen, die ihre Entstehung der 
Lektüre von Prof. Heinrich Laus' „Die Hak)phytenvegetation 
Südmährens ^)" verdanken, sind die Ergebnisse einer Exkursion in 
das räumlich größte Halophytengebiet Mährens, in die Umgebung 
des Bahnhofes Auspitz. (Eine genaue Beschreibung des Terrains 
gibt Prof. H. Laus auf S. 16 des in der Fußnote angegebenen 
Werkes.) Vorliegende Zusammenstelhmgen sind vorläufige Mit- 
teilungen, welche zwar kein vollständiges Florenbild des Gebietes 
geben, die jedoch für den heimischen Algologen und Pfianzen- 
geographen nicht bedeutungslos sein können. 



Bereits J. Nave-) (186ü) weist auf den Salzgehalt, der 
den Ebenen an der Thaya, Iglawa und Schwarzawa von der Süd- 
grenze Mährens nördlicli bis gegen Brunn eigen ist und der die 
PÜanzen-, insbesondere die Algenwelt stark beeinflußt, hin. 

Er schreil)t: „Die Bucht des Wiener Tertiärbeckens, welche sich 
von der südlichen Grenze Mährens bis an die Stadt Brunn heranzieht, 
charakterisiert ein leichter Salzgehalt, der sich, wie bei den Phanero- 
gamen, insbesondere bei den Algen geltend macht und der Algen-, 
besonders der Diatomeenflora der Wasseransammlungen dieses 



1) Prof. H. Laus: Die Halophytenvegetation des südlichen Mährens und 
ihre Bezii'huDgen zur Flora der Nachbargebietc — Brunn 1907. — Mitteilungen 
der Kommission zur naturwissenschaftlichen Durchforschung Mährens. 

*) Verhandlungen des naturforschenden Vereins in ßrünn, 1863. 
Zeiischiift des mähr. Landesmiiseums. XII, 1. 3 



34 



Terrains gewissermaßen eine Àlmliclikeit mit jener des als schwach 
l)rackisch anerkannten Neusiedlersees verleiht. Ho finden sich daselbst: 
Naricula Ämphisbnma, Synedin af'ßius, Navicnla Pcisonis Gruii., 
N'itxschia dubia rar. »/inor, Nitzschia hu.ngarica Griin.^ Nüxschia 
acicidaris var. dosterioides und andere Arten, welche vorzüglich 
schwach gesalzenes Wasser lieben." 

Die Untersuchung des im Miirz 11*10 gesammelten Diatomeen- 
materials ergab 103 Formen, die sich auf 61 Arten und 18 Gat- 
tungen verteilen und von denen 56 für Mähren neu sind. 

Folgende Übersicht gebe die Beteilung der einzelnen Dia- 
tomeengrupiDen. 

Coscinodisceae ... 2 Formen. Ächnaidheae ... 1 Form, 
Tahelkiriac .... 2 Formen, Nariculcae .... 51 Formen, 
Mcridioneac .... 1 Form, N/fx.šchieae .... 32 Formen, 

Frafp'/ar/ear .... 2 Formen, Surirelleae .... 7 Formen. 

Von den gefundenen Formen sind 16 lialophil und 41 Brack- 
wasser liebend. 

Halophile Formen: 

Melosira Borrer/, 
Fragilaria (Ilaphoneia) Surirella, 
Mastogloia elHptica var. Dansei, 
Masiogloia lanceolala, 
Mastogloia andulata, 
Amphipro/a pal ii dosa, 
Xaricala grcgaria, 
Narieala halop/fHa, 
\f/ri</i/a süliuarmn, 

Brackwasser liebende Formen: 



Narir-ala {Brcbissonia) Böc/di, 
Nitzschia apicahäa, 
NitAschia commntata, 
Nitxschia Brebissonii, 
Nit,':schia obinsa rar. sealpeMi- 

forniis., 
ISlitxschia, vilrca rar. maior et 

rar. recta. 



Sgitedra palchclla rar. longissi))/a 

et rar. Sniitkii, 
Syii.edra acus rar. dclectissivm, 
Naricula {Caloneis) silicala rar. 

gibhernla, 
Naricula hu.ngarica, 
Na I • /V- 1 1 la c ine tu 

var. Cari, 

rar. atigitsta, 

rar. Heufleri, 



Navicula oblouffa. 

Navicitla lanccolata var. phylo- 

lepta, 
Naricida pyriiaea, 
Epithruna gibbenda rar. producta, 
TryldiontUa Haut -.sr] da na var. 

littoralis, 
Ndxschia [Haritx.schia) auiphioxys 

rar. nmior et var. rivax, 
Nitxschia kungarica, 



35 



NiťAschia thermalis var. inter- 
media, 

Nitxschia parrida, 

NitxscMa Sigma 
rar. rigida, 
var. rigidiila, 

Nitxschia curvula var. ynaior el 
var. minor. 



Nitxschia Palea 

var. maior, 

rar. dissipata, 

rar. tenuirostris-, 

rar. fonticida, 
Nitxschia Kütxingiana var. exilís, 
S^fî'irella ovalíš et variationes. 



Herrn Lehrer Friedrich Huste dt in Bremen sage ich für 
seine freundliche Unterstützung meinen besten Dank. 



Systematische Übersicht der gefundenen Formen. 



Melosira Agardh. 

M. Borreri Gran. — Selten. 

Cylindrotheca Kabeiili. 

('. gracilis (Breb.) Grim. — Ein 
Exemplar im Grundschlamm 
des Grabens vor der Re- 
stauration. 

üenticula Kütz. 

D. tennis Kiitx. — Nave p. 29, 
Richter M p. 68. — Nicht 
häutig. 
rar. fiigida Kiit^,. — Selten. 

Meridiou Agardh. 

M. constrictuniBalfs. — î^. p. 37, 
R. p. 68. — Selten. 



Diatoma De Caiitolle. 

D. (Adontiant) kieniale (Lyngb.) 
Kütx. var. niesodou Ehrenb. 
N. p. 30, R. p. 68. — Nicht 
häufig. 

Fragilaria (íruii. 

F. {Raphoneis) Sarirella Grün. — 
Selten. 

Syuedra Ehrenb. 

S. pH Ichella Kiitx. 

rar. lonyissima W. Sni. — 

Nicht häutig. 
rar. Sarithii Prilchard. — 
Vereinzelt. 
iS. Acas Küt:. rar. delectissima. 
W. StH. — N. p. 34, R. 
p. 60. — Vereinzelt, 



1) Richter 0., Beiträgt; zur Kieselalgenllora von Mähren, I. — IL Bericht 
der Naturwissenschaft!. Sektion d. Vereins ^Bot. Garten" in Olniütz. 1910. 

3* 



36 



Achiiautlies Bory. 

A.{Ach nantie I mil ) hinccolaiii Brcb. 
N. p. 27, R. p. 70. 

Mastogloia Thwaites. 

M. ('Uij)fica Ag. rar. Daiisri 
Tlumit. — Zerstreut. 

M. laitceoldta Thirait — Nicht 
häutig. 

M. iiiifhihifa Crntn. — ■ Selten. 

Ampliiprora Ehreiiberg. 

A. pah/dosa W. Sdi. — Häufig. 

Oyrosigma Hassall. 

(f. (icnniiiKttuiii Küh. — R. 
p. 70. — Vereinzelt, nicht 
selten. 

Navicula Bory. 

A^. (Diploiiciš) hjijxrhorcd Línm. 
Ein Exemplar im Grund- 
schlamm eines Grabens. 

N. {Caloneifi) silienla Eltrcnb. 
rar. gihhej/ila Kiit\. — N. 
p. Hr! [Nar. ]//i/().sa Küf\.), 
R. p. 70. — Vereinzelt, 
nicht selten. 
rar. iiiflata (Irnii. — N. p. 83, 
R. p. 70. — Selten. 

iV (Neid/ tili/) affinis Ehreiib. rar. 
ani.phirlniiirJni.s Khrenh. — 
Selten. 

N. gregaria Du/d: — Nicht 
häutig. 

N. lialophüa Grini. — Selten. 

N. iAnomoincis) exi/is KüU. — 
R. j). 71. ~ Vereinzelt. 



N. <-riii)toc('ph(ila Kiit:. — N. 
p. 32. — Häufig. 
rai-. reneta V. Hl;. — Selten. 
A\ rhiinchocepliaJa Kiit\. rar. 
rhyiieJioccpJnila (Jriiu. — N. 
p. 32, R. p. 71. — Zerstreut, 
nicht häutig. 
rar. etoiigata Sehaivo. — Ver- 
einzelt. 
vor. du Ina Seliawo. — Wie 
vorige. 
N. riridnia Kid: . — N. p. 32. — 
Häutig. 
var. .slesriivn.si.^ Gran. — Nicht 
selten. 
N. hungariea (Iran. — Selten. 
N. cincta ElirenJ). — Häufig. 
rar. Cari EIrrenb. — Vereinzelt. 
rar. angasta Gran. — Wie 

vorige. 
rar. Ileajieri Gran. — Nicht 
selten. 
A\ mlinarani Grnn. — Sehr 

häufig. 
N. ob longa Küf:.. — R. p. 71. — 
Nicht selten. 
rar. acatn/nata Scha/ro. — 
Selten. 
N. lanceolata {Ag.) Kütx. — R. 
p. 71. — Häufig. 
var. pJrglolcpta [Kiit : .) V. Hl: — 
Nicht selten. 
N.pygrnaea KiUx . — Nicht häufig. 
N. (P/nnnlaria) interrupta W. 
8)11. — R. p. 72. — Selten. 
N. (F.) niicrostaaron Ehrenb. — 
R. ]). 72. — Nicht häufig. 
var. biinidntata 0. Mail. — 
Wie Stammform. 



37 



N. (P.) Brohissonii Kiitz. — N. 
p. 31, R. p. 72. — Nicht 
häufig. 
rar. linearis 0. M/i/I. — R. 

p. 72. — Sehr häufig. 
var. di »limita V. Hk. — Selten. 
N. (P.) Ivgnmeu Ehren.b. — R. 

p. 72. — Selten. 
.V. (P.) acuta W. Sm. — Selten. 
iV. (P.) hemiptera Kiit;.. — N. 
p. ;'.! , R. [). 72. — Vereinzelt. 
.V. (P) viridis Niť. seh. — N. 
p. 31, R. p. 72. 
rar. conttnntata ({ran. 
rar. rapesfris Hantxsch. 
var. fal/a.r Clevc. — Zerstreut, 
nicht häufig. 
N. (JBrc})iss()nia) Böckii Ehrmh. — 
Selten 

Gomphonema Agarclli. 

(i. angustatum Küf;. — R. 

p. 73. — Vereinzelt, nicht 

häufig. 
rar. obtusatuni Küt:. — R. 

p. 78. — Nicht häufig. 
G. laiiceolatum EJirenb. — R. 

]). 74. — Selten. 

C.vmbella A^ardh. 

C. aeqiialis W. Sm. — R. p. 74 — 

Zerstreut, selten. 
C. affinis Kiit.. — R. p. 74. — 
Selten. 

Epitliemia Breb. 

E. gibberida Kať-.. — Nicht 
selten. 
var. producta 6^/7^//. — Zerstreut. 



Tryblioiiella (W. Sm.) Oruu. 

T. Ilaut^schiana (irun. — Zer- 
streut, selten. 
var. littoralis (irun. — • Wie 
Stammform. 



N. 



Nitzsoliia (Hassal) Ci run. 

( Haut .-.seil i a) amphio.rijs Kiit:. 
N. p. 36, R. p. 75. — Nicht 



häufig. 



R. p. 75. 
N. p, 35. 



Gruu. — 



rar. inaior (hun. — 

Häufig. 
rar. rira.r (irun. - 

Selten. 
N. apiculata, {Greg. 

R. p. 75. — Sehr häufig. 
iV". liungarica (hun. — N. p. 35, 

R. p. 75. — Sehr häufig. 
V. tlwrmalis (Küt:.) Grün. — 

R. p. 75. — Zerstreut, nicht 

häufig. 
rar. i)itermcdia, Grün. — Selten. 
N. commutata Grün, — Zerstreut. 
N. parvida W. Sa/. — R. p. 75. — 

Nicht selten. 
N. dutiia W. Sn/. — N. p. 35 

(rar. niiuor). — R. p. 75. — 

Häufig. 
N. Brcbissonii W. Sm. — R. 

p. 75. — Nicht selten. 
N. SiguHi \Küt\.) W. Sni. — 

Nicht selten. 
rar. rigida Grün. — Vereinzelt. 
rar. ri(jidula (irun. — Sehr 

häufig. 
iV. valida Clerc ti Grün —Selten. 
N. curvula Elirenb. rar. uiaior 

Gran. (R. p. 75 )eř?Y«-. winor 

Grün. — Nicht häufig. 



38 



A', obtitsa W. S)n. car. scalpelli- 

formis iirun.. — Selten. 
i\'. nitrca Nom/a/?)/. — Nicht 
häufig. 
rar. nui/ior (j-riin. — Nicht 

selten. 
var. rccid Haut .seit. — Nicht 
häufig. 
N. Palm Küt:. — N. p. 36, R. 
p. 76. — Häufig. 
var. maior JRabenh. 
var. (Ussiiiiihi llabcnli. 
rar. tciinirostris V. 111, . 
rar. fonticnla Gran. — K. 
p. 76. — Zerstreut. 
JV. Kütx'mgiana Hilsf . — Selten. 
rar. exilis Gran. — Wie 
Stammform. 
N. coni/naifi.s l'nbcnh. rar. obht.sa 
Gran, et rar. perpas/Ua 
Eabrnh. — Zerstreut. 



iV. {Homoecludia) (untferta RicJiter. 
In einem Exemplar im 
Schlamme des Grabens vor 
der Restauration. 

Surirella Turpiu. 

*S', oralis Breb. — N. p. 28, R. 

p. 76. — Zerstreut, häufig. 
rar. o vata Kiitx. — N. p. 28, 

R. p. 76. — Sehr häufig. 
rar. šalina W. Sul — Nicht 

selten. 
rar. ndnutci Brett.- — R. ji. 76. — 

Nicht häufig, 
/v/r. anynsta Kilfx. — N. p. 29, 

R. p. 76. — Selten. 
rar.pinnata JV. Sm. — N. p. 29, 

R. p. 76. — Zerstreut, selten. 
rar. Criinwna Breb. — R. p. 76. 

Selten. 



Benützte Literatur. 

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k. k. zoolog. -bot. Ges. in Wien, 1862. 

— Über neue oder ungenügend gekannte Algen. 1. u. b^lge. Verh. 

d. k. k. zoolog.-bot. Ges. in Wien, 1860 u. 1863. 
Hustedt Friedrich. Die Südwasserdiatomeen Deutschlands. 
Stuttgart, 1909. 

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Laus Heinrich, Die Halophitenvegetation des südl. Mährens und 

ihre Beziehungen zur Flora der Nachbargebiete. Mitteil. d. 

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MiguLi W., Kryptogamentiora von Deutschland usw. 2. Bd., 1. Teil. 
Nnve J., Die Algen Mährens und Schlesiens. 1. Folge. Verb. 

d. naturforsch. \ei'. in Brunn. 1863. 



39 

Pantoscek J., Die Bacillariaceeii des ßalatonsees. Res. d. wiss. 

Erť. d. Bal. 2. Teil, 2. Bd. 
Rabenhorst L., Kryptogamentlora von Sachsen usw. 
Richter Oskar, Beiträge zur Kieselalgenflora von Mähren, I. 

2. Ber. d. Naturw. Sektion d. Ver. „Bot. G." in Olmütz, 1910. 
Schawo M., Beiträge zur Algenflora Bayerns. Ber. d. bot. Ver. 

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Dvorak R., Příspěvek ku kvetené moravských řas. Věstník des 
Přír. klub in Proßnitz, 1910. 



über (lie von Professor E. Weinsclienk 
als Tektite gedeuteten (jlaskugeln. 

Von Professor A. Rzehak. 
(Mit 2 Textfiguren.) 



Durch die eingehende Studie über „Die Herkunft der Molda- 
vite und verwandter Gläser", welche F. E. Suess im Jahre 1900 
(im Jahrb. d. k. k. geol. Eeichsanst., 50. Bd., H. 193—382) ver- 
öffentlicht hat, schien die rätselvolle Mol davitfrage zu einem ge- 
wissen Abschluß gelangt zu sein, wenn auch die Hypothese vom 
kosmischen Ursprung der eigentümlichen, durch ihr Vorkommen, 
ihre Oberüächenskulptur und ihre chemische Zusammensetzung 
höchst auffallenden Gläser, die F. E. Suess unter der Bezeichnung 
„Tektite" zusammengefaßt hat, noch keineswegs allgemeine An- 
erkennung gefunden hat. 

Schon F. E. Suess hat unter den „Glasmeteoriten" drei 
Gruppen unterschieden: die auf Böhmen und Mähren beschränkten 
„Moldavite", die im Sundaarchipel aufgefundenen „Billitonifce" 
und die aus Australien und Tasmanien stammenden „Australite*', 
Hierbei ist bemerkenswert, daß nach F. E. Suess (loc. cit. S. 317) 
zwischen den böhmischen und den mährischen Moldaviten größere 
Abweichungen bestehen als zwischen den letzteren und den Billi- 
toniten. Die Australite zeigen Formen- und Skulpturenverhältnisse, 
wie sie weder bei Moldaviten noch bei Billitoniten vorkommen, 
jedoch nach F. E. Suess durch die Annahme einer intensiveren 
Durchschmelzung leicht zu erklären sind. Die immerhin nicht un- 
beträchtlichen Differenzen in der chemischen Zusammensetzung 
und der Oberflächenl)eschaflenheit der Tektite sind gewiß nicht 
geeignet, die Frage nach dem Ursprung der letzteren zu ver- 
einfachen. 



41 

Nun erfährt diese Frage noch eine weitere Küni[)likation 
dadurch, dali Prof. E. Weinschenk in ]N[ünchen verschiedene, 
teils aus Böhmen, teils aus Mähren stammende kleine Glaskugeln 
ebenfalls für Tektite erklärt, trotzdem sie, wie er seihst in seiner 
Schrift: „Die kosmische Natur der Moldavite und verwandten 
Gläser" (Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, S. 737 ff.) bemerkt, 
einige hochinteressante Erscheinungen zeigen, die bisher weder an 
den Moldaviten noch an den verwandten Billitoniten und Austra- 
liten beschrieben worden sind. Da ich in der Lage war, die zwei 
aus Kuttenberg in Böhmen stammenden Glaskugeln untersuchen 
zu können, und ebenso reichliche Gelegenheit gehabt habe, die 
Veränderungen, welche künstliche Gläser durch jahrhundertelanges 
Liegen in der Erde erleiden, zu studieren, so habe ich mich 
sogleich gegen die Deutungen Prof. Weinschenks ausgesprochen 
(„Die angeblichen Glasmeteoriten von Kuttenberg"; Zentralbl. f. 
Miner. usw., 1909, S. -lö-iff.). Fast zu gleicher Zeit hat auch 
Prof. F. E. Suess in seinen „Notizen über Tektite" (Zentralbl, 
f. Miner. usw., 1909, S. 462 ff.) die Ansicht Weinschenks, die 
Kuttenberger Glaskugeln wären ein neuer Typus von Moldaviteu, 
zu widerlegen gesucht. In einer kurzen Entgegnung („Zum Streit 
über die Echtheit der Moldavite"; Zentralbl. f. Miner. usw. 1909, 
S. 54.5 ff'.) wendet sich Prof. Weinschenk gegen die Suess'schen 
Ausführungen, läßt aber merkwürdigerweise die von mir geltend 
gemachten, schwerwiegenden Argumente unberücksichtigt. In einer 
neuerlichen Publikation (Weinschenk und Steinmetz, Weitere 
Mitteilungen über den neuen Typus der Moldavite: Zentralbl. f. 
Miner. usw., 1910, S. 231 ff.) geht der genannte Forscher — dessen 
vielfache Verdienste um die Wissenschaft ich mit meinen Aus- 
führungen in keiner Weise schmälern will — noch etwas weiter, 
indem er nicht nur an dem kosmischen Ursprung der Kuttenberger 
Glaskugeln festhält, sondern auch noch für einige andere Vor- 
kommnisse den Meteoritencharakter wahrscheinlich zu machen sucht. 

Da die Kuttenberger Kugeln ursi)rünglich von Prof. Dr. J. Jahn 
für das mährische Landesmuseum erworben wurden^), und auch 
die bei Ober-Kaunitz in Mähren gefundenen Glaskugeln, auf 
welche sich ein Teil der neuen Untersuchungen Weinschenks 



') Sie wurden dann j^päter, nachdem sie von allen Moldavitkenuern, 
Prof. Dr. F. E. Suess mit inbegriffen, für künstliche Gläser erklärt worden 
waren, gegen eine Suite geologischer und paläontologischer Objekte eingetauscht. 



42 

bezieht, den 8ammluugen des genannten Museums angehören, so 
will ich für die Leser dieser Zeitschrift eine zusammenhängende 
Darstellung der Angelegenheit geben, ohne mich jedoch darauf ein- 
zulassen, die ganze jMoldavitfrage neuerdings aufzurollen. Ich sehe 
mich zu den nachstehenden Ausführungen durch das lebhafte 
Interesse, welches diese Angelegenheit im Schuße der Mährischen 
Museumsgesellschaft gefunden hat, so wie durch die wiederholten 
Anfragen, die an mich über diesen Gegenstand gestellt wurden, 
veranlaßt. 

Die Kuttenberger Glaskugeln wurden von dem seither ver- 
storbeneu Straßenmeister Ph. Hu da an einer Stelle gefunden, wo 
früher ..zerfallener und verwitterter Serpentin mit Kalksteinen'" 
deponiert gewesen sein soll. Diese Angabe stammt von Huda 
selbst und wird von Prof. E. Weinschenk in seiner ersten Mit- 
teilung wiedergegeben mit der Bemerkung, daß der Fundort 
(nämlich Kutteuberg) als zweifelhaft zu bezeichnen sei, weil er 
„weit außerhalb der Zone der Moldavitvorkommen'' gelegen ist. 
Es dürfte nicht ohne Absicht geschehen sein, daß Huda in seiner 
Beschreibung der Eiindverhältnisse auf die Nähe eines Serpentin- 
felsens hingewiesen hat, da es ihm wohl bekannt gewesen sein 
mag, daß man Moldavite auch in den „Pyropensanden" des 
böhmischen ]\[ittelgebirges gefunden hat und daß seinerzeit 
K. Helmhacker iMineral. Beobachtungen aus dem Böhmerwald; 
Tschermaks Mineral, ^[itt. 1873, S. 281 ff. » den Serpentin in eine 
genetische Beziehung zu den Moldaviten bringen wollte. Die Un- 
haltbarkeit der Helmhacker sehen Anschauungen war für jeden 
Petrographen von vornherein klar, sie wurde aber auch durch 
J. Bares ((Jaso])is pro průmysl chemický 1899, Nr. 4) experimentell 
dargetan. Was das Vorkommen der Moldavite in den nord- 
biihmischen Pyropensanden anbelangt, so muß dasselbe nach den 
Ausführungen Jahn s M wohl als zweifellos bezeichnet werden. 
Ich habe schon im Jahre 1898 (in meiner Mitteilung: „Über die 
Herkunft der Moldavite", Yerh. d. k. k. geolog. Beichsanstalt, 
S. 417) darauf hingewiesen, daß die drei Moldavitfundgebiete — 
das nordböhmische, das südböhmische und das westmährische — 
keinen Zusanimenhaníí- miteinander l)esitzen und daß dieser 



^j Nähere INlitteiluiig-cn liierübef iiiiden sich in der Schrift: „Über das 
Vorkommen der Moldavite in den nordböhmischen Pyropensanden", VerhandL 
<]. k. k. gpoloo-. Keichsanst. 1899, S. 81 ťf. 



43 

Umstand der Hy|)otliese vom kosmischen Ursiirung der Moldavite 
keineswegs günstig ist. P. E. Suess ist übrigens geneigt, anzu- 
nehmen, dal) die wenigen, in den Pyropensanden von Trebnitz auf- 
gefundenen Moldavite „auf irgend eine Weise verschleppt worden 
sind": eine Verschleppung durch Menschenhand erscheint mir 
jedoch sehr unwahrscheinlich und ein Transport durch Wasser ist 
geradezu ausgeschlossen durch den tadellosen Erhaltungszustand 
einzelner Stücke. Bei den Kuttenberger Glaskugeln — mögen sie 
nun kosmisclien oder terrestrischen Ursprungs sein — hat eine 
Verschleppung, und zwar eine Verschleppung durch Menschenhand, 
meiner Ansicht nach gewiß stattgefunden, denn die Angaben 
Hu da s beweisen deutlich, daß sie in einer rezenten Schutt- 
ablagerung eingebettet waren. Obwohl die Annahme einer Ver- 
schleppung auch in diesem Falle — ährdich wie bei den Trebnitzer 
Vorkommnissen — die SchAvierigkeiten, welche die Verbreitung der 
Moldavite der Lehre von ihrer kosmischen Herkunft bereitet, 
einigermaßen zu beseitigen vermag, scheint Prof. Weinschenk 
doch geneigt zu sein, den Fundort der Glaskugeln auch für die- 
jenige Stelle zu halten, an welcher dieselben aus dem Welträume 
niedergefallen sind. Eine Verschleppung ist seiner Ansicht nach 
„nicht recht"' wahrscheinlich, und zwar aus zwei Gründen, die ich 
jedoch keineswegs als triftig bezeichnen kann. Er meint nämlich 
zunächst, dal) die beiden Kugeln von so .,ausges[)rochen edelstein- 
artiger Erscheinung" sind, dal) sie wohl niemand achtlos beiseite 
werfen wird, und weiter, daß eines der Stücke eine so emphndliche 
( )berflächenbeschaiienheit besitzt, daß es „nur in recht vorsichtiger 
Verpackung hätte transportiert werden können". 

Was nun die erste Bemerkung anbelangt, so kann ich nur 
sa,gen, daß sich die Kuttenberger Glaskugeln äußerlich durch 
nichts von gewöhnlichen Glaskugeln, wie sie die Kinder als 
keineswegs kost!)ares S))ielzeug benutzen, unterscheiden. Bei einem 
der Stücke hndet sich allerdings jene spröde Eindenschichte. die 
man zwar niemals an Glasgegenständen, die benutzt werden, hin- 
gegen au alten Gläsern, die lange Zeit in der Erde gelegen sind, 
gar nicht selten beobachten kann. Diese Kindenschichte, welcher 
Prof. Wein schenk in seiner ersten Mitteilung (Zentralbl. f. Miner. 
usw., 1908, S. 730) eine ganz unverdiente Bedeutung beilegt, haftet 
ursprünglich ziemlich fest an der unveränderten CJlassubstanz, 
lockert sich aber nach und nach durch mechanische Einflüsse, wie 



44 

z. B, (lie AI)rnllung, so stai'k, daß sie- dann leicht nbspringt, wie 
dies eben bei den Kuttenberger (llaskugeln der Fall ist; die eine 
derselben scheint die Zersetzungsrinde — denn daß es sich um 
eine solche handelt, ist ganz zweifellos — schon gänzlich einge- 
l)üßt zu haben, während dieselbe bei der andern wenigstens zum 
Teil noch erhalten ist. Auf die Entstehung dieser Rinde werde 
ich weiter unten noch eingehend zurückkommen. 

Nimmt man mit Prof. Weiuschenk Kutten1)erg als eine 
neue Moldavitfundstätte an, so kompliziert sich die ohnehin genug 
komplizierte ^foldavitfrage noch mehr, denn wir haben dann vier 
beziehungsweise — wenn wir die isolierten Vorkommnisse von 
Neuhaus in Böhmen als ein selbständiges Gebiet betr;)chten — 
fUnf\) Moldavitfundgebiete, die voneinander durch weite Strecken 
(meist über 100 h-ii/l) getrennt sind, aufweichen sich noch nie eine 
Spui' von Moldaviten gefunden hat. Dal)ei ist noch besonders 
bemerkenswert, daß die Kuttenberger Kugeln nach Wein schenk 
eine neue Gruppe oder gar — wie Prof. Weinschenk mit 
Rücksicht auf die Verschiedenheiten der beiden Kugeln gemeint 
hat („Zum Streit über die Echtheit der ^loldavite", loc. cit. 
S. 549) — zwei neue Gruppen von Moldaviten repräsentieren, 
d. h. mit anderen Worten: einem selbständigen Fall, vielleicht 
sogar zwei solchen Fällen, von Glasmeteoriton angehören, die 
mit dem südböhmisch-westmährischen ., Kettenfall" zeitlich nicht 
zusammenfallen. Es wird nun unter diesen T^mständen wohl jeder 
Unbefangene gewiß zugeben, daß es im höchsten Grade un- 
wahrscheinlich ist. daß gerade Böhmen auf die Glasmeteoriten 
eine solche Anziehungskraft ausgeül)t hat, daß sie hier zweimal 
oder dreimal zu verschiedenen Zeiten, niedergefallen sind. 
Entweder fielen die Kuttenberger Kugeln zufällig mitten in das 
Verbreitungsgebiet der übrigen böhmisch-mährischen Moldavite, 
oder diese letzteren wurden, sofern sie jünger sind als die Kutten- 
berger, in einem nicht ganz geschlossenen Kreise um diese herum 
gestreut. Wenn man auf der Landkarte mit dem Radius Kutten- 
berg — -Budweis einen Kreis beschreibt, so fallen tatsächlich alle 
bekannten Moldavitfundstätten in diesen Kreis. Wohl niemand 
wird hier einen besonderen Zufall gelten lassen wollen, so daß 
also schon allein durch die geographische Situation des .,Fal]- 

M Den Fundort .,Eggenburg in Niederöstereicli'- zieht ich, als niclit 
vollkommen sichei-gestellt, gar nicht in Betracht. 



45 

Oťtes" — wenn man mit Weinschenk eine Verschleppung für 
„nicht recht wahrscheinlich" hält — die kosmische Herkunft der 
Kuttenberger Glaskugeln im höchsten Grade zweifelhaft ist. 
Auch Prof. Weinschenk hat eingesehen (Zentralbl. f. 
Miner. usw., 1909, S. 550), daß „ein gewisses Maß von Unwahr- 
scheinlichkeit vorhanden ist, daß von so seltenen Yorkommnis.sen 
zwei verschiedene Arten m so großer Nähe voneinander nieder- 
gefallen sein sollen". Er hat jedoch gleichzeitig auf einen analogen 
Fund unter den Billitoniten, nämlich auf „zwei Glasstücke" hin- 
gewiesen, „welche mit den Kuttenberger Kugeln wenigstens äußerlich 
große Ähnlichkeit zu haben scheinen und von dem normalen 
Typus (der Billitonite) weit abweichen". Er meint oöenbar die 
beiden auf dem Berge Muhria (Java) gefundenen und im Museum 
zu Amsterdam aufbewahrten Glaskugeln, von denen jedoch bloß 
eine von den normalen Billitoniten stark al)weicht. Die Fund- 
verhältnisse sind keineswegs vollständig sichergestellt und trotzdem 
die Fundstätte ein quartärer oder gar pliozäner Tuff sein soll, 
h;it F. E. Suess doch (Verhandl. d. k. k. geolog. Reichsanst., 
1899, S. 390) die Vermutung ausgesprochen, da() diese Glaskugel 
vom Vulkan Muhria „möglicherweise ein Kunstprodukt'- sein 
könnte. Nach Prof. Weinschenk scheint auch unter den Austra- 
liten eine analoge Erscheinung vorzuliegen, indem unter über- 
wiegenden Gläsern mit dem spezifischen Gewicht von „zirka 2*4" 
(nach der von F. E. Suess mitgeteilten Tabelle schwankt das 
spezifische Gewicht der Australite von 2"419 bis 2*470; vgl.: „Die 
Herkunft der Moldavite usw.", Jahrl). d. k. k. geolog. Reichsanst. 
1910, 50. Bd., S. 244) ein solches mit dem spezifischen Gewicht 
von 8-78 gefunden worden sein soll. Diese letztere Angal)e 
Weinschenks ist jedoch auf einen Flüchtigkeitsfehler zurück- 
zuführen, da aus der Suess' sehen Tabelle ganz deutlich hervor- 
geht, daß es sich hier gar nicht um einen Au stra lit, sondern 
um eine „olivinführende Bombe" von Broken Hill handelt! 

Dagegen geben Ježek und Woldrich in ihrer, erst nach 
der Weinschenkschen (zweiten) Mitteilung, veröfientlichten Schrift 
„Beitrag zur Lösung der Tektitfrage" (Bull, internat, de l'Acad. 
des Sciences de Bohéme, 1910, S. 11 des Sonderabdruckes) die 
Dichte eines von ihnen untersuchten Australiten mit 2-386 an. 
Eine größere Bedeutung käme dieser Difierenz wohl nur dann zu, 
wenn sich das betreffende Stück auch in anderen Eigenschaften 



46 

von den normalen Australiten unterscheidet. In seiner neuesten 
Publikation ( S, 240) weicht Prof. Weinschenk, um die Schwierig- 
keiten, welche die Verteilung der Fundorte der Tektite bietet, 7ai 
umgehen, von seiner ursprünglichen Ansicht ab, indem er meint, 
daß für die Bewertung eines solchen Glaskörpers die zufällige 
Fundstelle ., natürlich auszuscheiden" habe; er scheint also nun- 
mehr anzunehmen, daß in den meisten Fällen eine Verschleppung 
stattgefunden hat. 

Bei Moldaviten ganz ungewöhnlich und daher sehr verdächtig 
ist die Kugelform und ebenso die fast genau gleiche Größe 
(nahezu 10 Tuyii im Durchmesser) der Kuttenberger Glasstücke. 
Bei einer weitgehenden Erweichung der Glassubstanz auf ihrem 
Wege durch die Atmosphäre konnte sich allerdings leicht die 
Kugelform ergeben, es ist dann aber um so unwahrscheinliclier, 
daß sich diese Kugelform auch noch nach dem immerhin mit 
einer großen Gewalt erfolgenden Aufsclilagen auf die Erde voll- 
kommen erhalten hat. Die Australite besitzen wohl häutig Kugel- 
form, diese tragen aber auch den charakteristischen Randwulsfc. 
der beim Auffallen des weichen Glaskörpers auf die Erdoberfläche' 
entstanden ist und sich in ähnlicher Weise auch bei bleiernen 
Gewehrkugeln, die gegen die Erde abgeschossen werden, bildet. 
Prof. Weinschenk hat allerdings auch an einer der beiden 
Kuttenberger Kugeln beobachtet, „daß der Äquator des Gebildes 
unter der Lupe als winziger erhöhter Glaswulst deutlich hervortritt 
und daß ))arallel zu ihm verlaufende Breitegrade in ähnlicher 
Ausbildung und größerer Anzahl rings um den Stein verfolgt 
werden können" (vgl. Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, S. 739). 
Meines Erachtens läßt sich diese nur unter der Lupe erkennbare 
Eigentümlichkeit durchaus nicht mit der Wulstbildung der Australite 
vergleichen und als Argument zugunsten des kosmischen Ursprungs 
der Kuttenberger Glaskugeln geltend machen, sie ist ohne Zweifel 
auf die Fal)rikation dieser Kugeln zurückzuführen. 

Bezüglich der Farbe der Kuttenberger Kugeln hat schon 
F. E. iSuess (Zentralbl. f. Miner. usw., S. 465) bemerkt, daß er 
keinen der beiden Farbentöne — die eine der Kugeln ist nämlich 
mehr bläulichgrün, die andere mehr gelblichgrün gefärbt — jemals 
an Moldaviten beobachtet habe. Ich lege in diesem Falle auf die 
Färbung keinen allzugroßen AVert, kann aber ebenfalls konstatieren, 
daß unter den Hunderten von Moldaviten, die ich gesehen habe, 



47 

kein einziger ähnliche Farbentöne aufweist, wie wir sie an den 
Kuttenberger Glaskugeln sehen. Übrigens läßt die ziemlich be- 
trächtliche Differenz in der Färbung der beiden zusammen auf- 
gefundenen Glaskugeln die geraeinsame Abstammung recht zweifel- 
haft erscheinen. 

Die „edelsteinartige Erscheinung", die Prof. Weinschenk 
(Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, S. 738) an den Kuttenberger 
Glaskugeln hervorhebt, ist zum Teil auf die Farbe, zum Teil aber 
auf das Brechungsvermögen der Glassubstanz zurückzuführen. Der 
Brechungsexponent wurde von Prof. Becke bei der blaugrünen 
Kugel mit 1*544, bei der gelbgrünen mit 1*556 bestimmt, während 
der bei Moldaviten beobachtete Brechungsexponent nach Seh wantke 
(Zentralbl. f. Miner. usw., 1U09, S. 26) für die einzelnen Farben 
des Spektrums zwischen 1*475 iroti bis 1*514 (blau-violett), nach 
Ježek-Woldřich (loc. cit. S. 11 des Sonderabdruckes) zwischen 
1*4764 (Moldavit von ßadomilitz in Biihmen, für die Lithium- 
flamrae) und 1*4952 (Moldavit von Krochoty in Mähren, für die 
Thalliumflamme) schwankt, also immer erheblich niedriger ist als 
der Brechungsexponent der künstlichen Gläser. Die Kuttenberger 
Kugeln schliefen sich also in dieser Beziehung an die letzteren 
an und sind schon aus diesem Grunde, wie Prof Becke (in 
F. E. Suess, Notizen über Tektite, loc. cit. S. 467) bemerkt, 
jedenfalls keine Moldavite, sondern „irgend ein Artefakt". 

Unter der Lupe läßt sich erkennen, daß die Kuttenberger 
Glaskugeln viel zahlreichere Luftbläschen enthalten als die Moldavite; 
die Fluidalstrucktur ist — wie bei den Moldaviten deutlich 

wahrzunehmen. Kristallinische Einschlüsse konnte ich nicht fest- 
stellen, wohl aber ließen einzelne, räumlich sehr beschränkte 
Partien der Glasmasse im polarisierten Ticht zwischen gekreuzten 
Nikols ein deutliches Aufleuchten erkennen. 

Eine chemische Analyse der Ivuttenberger Glaskugeln wurde 
bisher nicht ausgeführt; es ist jedoch von vornherein mit Sicherheit 
anzunehmen, daß die chemische Zusammensetzung derselben weit 
mehr den künstlichen (rläsern als den Moldaviten entspricht. Der 
lebhafte Glanz deutet auf einen hohen Kalkgehalt. 

Wir haben nun noch die Oberflächenbeschaffenheit der 
Kuttenberger Glaskugeln zu besprechen. Prof. Weinschenk 
meint in seiner ersten Abhandlung (Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, 
S. 7;38f.), daß die Oberfläche der „chrysolithfarbigen" Kugel 



48 

(es ist dies jene, die icli hier als blau grün bezeichne) „über und 
über von kleinen, näpfchenälmliclien Vertiefungen von verschiedener 
Größe bedeckt" sei und daß sie in dieser Beziehung „mit der 
OberÜäclie zahlreicher verwandter Bildungen wohl übereinstimmt". 
Ich habe schon in meiner ersten Entgegnung (Zentralbl. f. Miner. 
usw., 1909, S. 453) behauptet, daß die Oberilächenskulptur der 
Kuttenberger Glaskugeln mit jener der Moldavite ,,so gut wie 
gar keine Ähnlichkeit" aufweist und daß sie einfach darauf 
zurückzuführen ist, daß die durch Zersetzung des Glases ent- 
standene Eindenschichte längs den zahlreichen, feinen Rissen, 
welche sie durchsetzen und von der unveränderten Glasmasse 
trennen, sich abgelöst hat, wobei erhöhte, mehr oder weniger 
l)olygt)nal bis rundlich begrenzte Teilchen der letzteren an der 
Rinde hängen blieben, genau so, wie ich es an unzweifelhaft 
künstlichen Gläsern wiederholt beobachtet habe. Auch F. E. Suess 
bestreitet („Notizen über Tektite-; Zentralbl. f. Miner. usw., 1909, 
S. 466) die Ähnlichkeit der Oberflächenskulptur der Kuttenberger 
Glaskugeln mit der Skulptur der Moldavite. 

Der Verlauf der erwähnten Risse erinnerte mich lebhaft an 
das sogenannte „Craquelée-Glas". Durch das Ausbrechen ein- 
zelner, von den Craquelée-Rissen begrenzter Partien der unver- 
änderten Glasmasse entstehen an der Oberfläche jene kleinen Ver- 
tiefungen, die Prof. Weinschenk mit den „Näpfchen" der Molda- 
vite verglichen hat. In Wirklichkeit haben sie jedoch mit den 
Näpfchen nur eine sehr geringe Ähnlichkeit, schon infolge 
des Umstandes, daß ihre Form durch den Verlauf der einzelnen, 
zusammenstoßenden, zumeist nur schwach bogenförmig gekrümmten 
Risse bedingt ist. Niemals treten selbständige, von den übrigen 
getrennte, rundliche Vertiefungen auf, die Grübchen ziehen sich 
vielmehr dicht aneinander, nur durch die mehr uder weniger 
scharfen, den ursprünglichen Rissen entsprechenden Kanten von- 
einander geschieden. 

Diese eigentümliche Skulptur findet sich nur an Gläsern, von 
deren Oberfläche eine von zahlreichen Kapillarklüften durchzogene 
Zersetzungsschichte abgelöst wurde, und der von Prof. Weinschenk 
(Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, S. 739) hervorgehobene besondere 
Glanz ist eben nur darauf zurückzuführen, daß es sich um frische 
Bruchflächen handelt; aus demselben Grunde erscheint, wie 
Prof. Weinschenk selbst bemerkt, auch die Unterseite der Rinde 



49 

glänzend und zeigt einen vollkommenen Abdruck aller Details 
der darunter liegenden Glasoberfläche. 

Aus dem eben Gesagten ergibt sich von selbst, daß die 
Grübchen der Kuttenberger Glaskugeln unmöglich als Analoga der 
Näpfchen hingestellt werden können. Die Näpfchen der Moldavite 
zeigen, wie überhaupt alle Skulpturformen derselben, die auf 
„äolische Korrosion" zurückgeführt werden, niemals den lebhaften 
Glasglanz frischer Bruchtiächen, sondern den charakteristischen, 
matten „ Lackglanz ", der wiederum der Oberfläche der Kuttenberger 
Glaskugeln gänzlich mangelt. Die Skulptur der Kuttenberger 
Kugeln ist — um einen von F. Berwerth („Oberflächenstudien 
an Meteoriten"; Tschermaks Miner. u. petrogr. Mitt., 1910, N. 
F. XXIX, Bd., S. 160) eingeführten, in unserem Falle durchaus 
zutreflenden Ausdruck zu gebrauchen — ausgezeichnet „rhegma- 
glyptisch", d. h. durch mechanisches Ausbrechen entstanden. 

Auf der „aquamarinfarbigen" Kugel will Prof. Wein schenk 
., äußerst zarte, manchmal mäandriscli sich verschlingende, aber 
ziemlich unregelmäßig angeordnete Schmelzrinnen" beobachtet 
haben. Ich fand die Oberflächenskulptur dieser Kugel zwar etwas 
abweichend von der der „chrysolithfarbigen", aber im Wesen doch 
mit der letzteren insofern übereinstimmend, als auch hier die 
Grübchen ohne Zweifel durch Ausbrechen der an der äußerlichen 
Zersetzungsschichte anhaftenden Glasmasse entstanden sind. Bei 
beiden Kugeln ist die Skulptur durch einen plötzlich wirkenden, 
mechanischen Eingrifl', nämlich durch die Ablösung der Rinde, 
entstanden und kann unmöglich durch einen Korrosionsvorgang 
— weder durch äolische noch durch chemische Korrosion — erklärt 
werden, da die Oberfläche der korrodierten Glassubstanz niemals 
den lebhaften „besonderen" Glanz besitzt, wie ihn die „Ziselierung" 
der Kuttenberger Kugeln zeigt. Ganz ausgeschlossen ist die 
Ansicht Weinschenks, daß diese „Ziselierung" die normale 
Oberfläche der vermeintlichen Moldavite darstellt, da ja die 
Rindenschichte ursprünglich eine glatte, an einzelnen Stellen noch 
jetzt deutlich glasglänzende Oberfläche })esaß. Wäre diese Zer- 
setzungsschichte wirklich, wie Prof. Weinschenk behauptet, eine 
Schmelzrinde, so hätte ja durch die Bildung dieser Schmelz- 
rinde die ursprüngliche „Ziselierung" vollständig zerstört 
werden müssen, da ja die Schmelzrinde doch immer nur durch 
eine ümschmelzung der oberflächlichen Partien der Glaskugeln 

Zeitschrift des miihr. Landesmiiseums. XII, 1. 4 



50 

entstehen konnte. War einmal die Glasmasse während ihres sup- 
ponierten Fluges durch die Atmosphäre an der Oberfläche so weit 
erweicht, dalj sie der äolischen Korrosion zugänglich war, so 
konnte bei noch stärkerer Erweicliung der Grlassubstanz entweder 
eine noch schärfere Ausbildung (etwa wie die hakenförmigen 
Umbiegungen an dem Glaskörper von Kälna in Schonen) oder 
aber eine Auf Schmelzung, d. h. Vernichtung der ursprüng- 
lichen Skulptur eintreten. Wenn sich eine besondere „Schmelz- 
rinde" hätte bilden können, so müßte diese — wie dies bei wirk- 
lichen Meteoriten der Fall ist — sich den Unebenheiten der 
Skulptur anschmiegen; bei den Kuttenberger Kugeln trifft dies 
nicht zu, denn bei einer derselben, die noch ansehnliche Teile 
der Einde trägt (bei der andern ist die Rindenschichte fast ganz 
abgebröckelt), läßt sich mit voller Sicherheit erkennen, daß, wie 
bereits oben bemerkt, die Oberfläche der Rinde ganz glatt und 
glasglänzend war. Unter einer solchen skulpturlosen „Schmelz- 
rinde" konnte sich jedoch unmöglich die „normale Oberfläche 
„mit Näpfchen usw." erhalten. Es sei hier übrigens bemerkt, daß 
einer der hervorragendsten Meteoritenkenner, nämlich Prof. Ber- 
werth in Wien, die eigentümliche Skulptur der Moldavite nicht 
als einen Beweis ihrer kosmischen Herkunft gelten lassen will (vgl. 
F. Berwerth: „Oberflächenstudien an Meteoiiten"; Tschermaks 
Miner. petrogr. Mitteil., 1910, N. F. XXIX. Bd., S. 165), diesell)e 
vielmehr auf irdische Einflüsse zurückzuführen geneigt ist. Wie 
meinen Hinweis auf die Rindenbildung alter Glasgefäße hat Prof. 
Weinschenk auch die schwerwiegenden Ausführungen Berwerths 
vollständig ignoriert!^) 

Die Schmelzrinden wirklicher Meteoriten verhalten sich, wie 
Prof. Weinschenk in seiner ersten Abhandlung (Zentralbl. f. 
Miner. usw., 1908, S. 741) selbst bemerkt, insofern ganz anders 
als die angebliche Schmelzrinde der Kuttenberger Glaskugeln, als 

^j In neuester Zeit ist es dem Assistenten am böhmischen Museum in 
Prag, Dr. B. Ježek, gelungen, auf Obsidiankugeln und oberflächlich angeschlif- 
fenen Moldaviten durch Behandlung mit verdünnter Fluorwasserstoffsäure 
Korrosionserscheinungen hervorzurufen, die lebhaft an die Skulptur der Billi- 
tonite, zum Teil auch an gewisse Typen der Moidavitskulptur erinnern (vgl. 
Dr. B. .Tezek: „Dnešní stav otázky vltavínové"; Sep.-Abdr. aus dem 41. .Tahres- 
ber. des „Přírodověd, klub" in Prag, 1911). Die künstlich korrodierten Obsidiane 
und Moldavite besitzen auch den charakteristisclien Lackglanz, der den Kutten- 
berger Glaskugeln, wie bereits früher bemerkt wurde, gänzlich mangelt. 



51 

sie sich, wenn sie nicht zu fest an der unveränderten Substanz 
haften, mit „ziemlich glatter Unterfläche" ablösen, während die 
abgebröckelten Eindenpartien der Kuttenberger Kugeln auf der 
Unterseite immer noch etwas von der darunter liegenden unver- 
änderten Glassubstanz mitnehmen. 

Es drängt sich aber auch noch die Frage auf, wie so es 
kommt, daß die bis zur Bildung einer Schmelzrinde erweichte 
Oberfläche der Glaskugeln gar keine Spuren von ä o lis eher 
Korrosion erkennen läßt. Prof. Weinschenk hat sich ebenfalls 
diese sehr wichtige Frage vorgelegt und eine Beantwortung 
derselben in der Annahme gefunden, daß die „matte, fast ganz 
gerundete und gar nicht ziselierte Außenfläche der Rindenschicht 
des Moldavits von Kuttenberg" gar nicht die ursprüngliche 
Außenfläche der Rinde darstelle, sondern daß die durch „ganz 
bestimmte Außenformen" (damit sind jedenfalls die Wirkungen 
der äolischen Korrosion gemeint) charakterisierte eigentliche Außen- 
schichte „höchstwahrscheinlich später durch Abbröckeln des split- 
terigen Materials" diese „Außenformen" wieder verloren hat. 

Mit dieser Annahme werden die Kuttenl)erger „Moldavite" 
plötzlich zu so komplizierten Körpern, daß ihre Ähnlichkeit mit 
den wirklichen Moldaviten noch um ein bedeutendes verringert 
wird. Wenn wir uns einen Durchschnitt durch eine solche Kugel, 
wie sie nach Weinschenk unmittelbar nach dem Niederfallen 
beschaflen war, hergestellt denken, so ergibt sich folgendes Bild: 




Fiff. 1. 



Der innere Glaskörper zeigt die grubige („ziselierte"; Ober- 
fläche, welche nach Weinschenk die „normale" Oberfläche sein 
soll. Über diese hat sich eine „Schmelzrinde" (6) gebildet, deren 
Oberfläche stellenweise noch ganz glatt und glasglänzend, an 



anderen Stellen infolge der auch von Weinscbenk angenommenen 
„mechanischen Abnutzung'' mehr rauh und matt ist. Über diese 
Schichte soll sich ursprünglich noch eine weitere Außenschichte (c) 
gebreitet haben, welche an der Oberfläche wiederum, wie der 
innere Glaskörper, die Kennzeichen der äolischen Korrosion ge- 
tragen hat, die jedoch später „durch Abbröckeln des splitterigen 
Materials" wieder gänzlich verloren gegangen sind. 

Es ist wohl leicht einzusehen, daß eine derartige Struktur 
bei wirklichen Tektiten gar nicht entstehen kann. Ich halte 
schon die Bildung einer eigenen, von der übrigen Glasmasse leicht 
ablösbaren Schmelzrinde bei den Moldaviten für ganz unmöglich 
und bin — im Gegensatze zu Prof. Weinschenk — davon über- 
zeugt, daß die wirklichen Moldavite niemals eine solche Rinde, 
wie sie an den Kuttenberger Glaskugeln zu beobachten ist, be- 
sessen haben. Nach Prof. Weinschenk ist diese Hinde „zweifellos 
ein ümschmelzungsprodukt des Moldavits"; diese „Umschmel- 
zung" kann jedoch nur vor oder während der Ausbildung des 
Oberflächenreliefs stattgefunden haben, da durch eine nachherige 
Umschmelzung die oft sehr scharfkantigen Skulpturformen ohne 
Zweifel wesentlich moditiziert oder ganz verwischt worden wären; 
die dünnwandigen Erhöhungen würden selbstverständlich zuerst 
gesclimolzen sein und die geschmolzene Glasmasse hätte die Ver- 
tiefungen ausgefüllt, so daß endlich eine glatte Oberfläche, wie 
wir sie an der Rinde der Kuttenberger Kugeln sehen, entstanden 
wäre, unter einer auf diese AVeise entstehenden Schmelzrinde 
konnte sieb natürlich unmöglich die ursprüngliche Skulptur er- 
halten; wollte man jedoch annehmen, daß die einzelnen Skulptur- 
details jedes für sich eine oberflächliche Umschmelzung erlitten 
haben, dann bleibt die Bildung der glatten Oberfläche der an- 
geblichen „Schmelzrinde'" unerklärt, ganz abgesehen davon, daß 
sich durch eine oberflächliche Umschmelzung einer Glasmasse 
niemals eine leicht ablösbare Rinde bilden wird. Wäre dies der 
Fall, so müßten Reste einer solchen bei den Moldaviten sehr 
häutig zu sehen sein, da sie aus den tiefen Kerben und Einschnitten 
unmöglich vollständig herausfallen konnte. In Wirklichkeit kennt 
man jedoch, wie bereits oben bemerkt, solche Rinden an den 
Moldaviten nicht, denn die „sehr dünne Schmelzrinde", auf welche 
nach F. E. Su es s („Über den kosmischen Ursprung der Moldavite"; 
Verhandl. d. k. k. geolog. Reichsanst., 1908, S, 392) wahrschein- 



53 

lieh der lebhafte Lackglanz der Moldavite zurückzuiühren ist, 
läßt sich, wenn sie überhaupt existiert, durchaus nicht mit der 
verhältnismäßig dicken, spröden, leicht ablösbaren üinde der 
Kuttenberger Kugeln vergleichen. Auch die Oberfläche des von 
Fr. Eichstädt und später auch F. E. Sue s s („Notizen über 
Tektite"; Zentralbl. f*. Miner. usw., 1909, S. 462 ff.) und W. Wahl 
(,, Beiträge zur Kenntnis des Tektiten von Kälna in Skůne"; Geolog. 
For. i. Stockholm Förh. 1909, XXXI. F.d., S. 471 — 478) beschrie- 
benen, von Kälna in Schweden stammenden, moldavitähnlichen 
Glaskörpers, die nach F. E. Suess ein feines Netzwerk wirr durch- 
einanderlaufender Schmelziältchen bildet und im verkleinerten 
Maßstabe das Bild der Schmelzrinde des Meteorsteines von Stannern 
wiederliolt, hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Ober- 
fläche der vermeintlichen Schmelzrinde der Kuttenberger Glas- 
kugeln. Ich bin überzeugt, daß sich die hrnisartig glänzende Ober- 
fläche des Glaskörpers von Kälna ebensowenig wie bei den Mol- 
daviten und korrodierten künstlichen Gläsern von der übrigen 
Glasmasse ablösen läßt; sie dürfte überhaupt keine selbstän- 
dige Schichte bilden und daher in einem normal zur Ober- 
fläche geführten Schnitt auch bei sehr starker Vergrößerung von 
der eigentlichen Glassubstanz gar niclit zu unterscheiden sein. 
Auch wenn man zugibt, daß die lack- und iirnisartig glänzende 
Oberfläche der Moldavite durch eine Aufschmelzung entstanden 
ist; so darf man docli kaum von einer wirklichen, selbständigen 
„Schmelzrinde" sprechen, mag man sich diese auch noch so dünn 
denken. Auch F. E. Suess meint in seinem auf der 81. Ver- 
sammlung Deutscher Naturforscher und Arzte in Salzburg ab- 
gehaltenen Vortrage: „Über Gläser kosmischer Herkunft" (ab- 
gedruckt in der „Naturwiss. Eundschau", 1909), daß bei den 
(kosmischen) Gläsern eine „flüssige Schmelzrinde, welche sich von 
der festgebliebenen Substanz scliarf sondert'-, anscheinend gar 
nicht zust;inde gekommen ist. 

Diese Ansicht findet eine kräftige Stütze in den von J. Bares 
(loc. cit.) ausgeführten Schmelzversuchen. Diese haben ergeben, 
daß sich der INIoldavit bei 1250" (J, also noch ziemlich weit unter 
dem Schmelzpunkte, mit einer grünen, undurchsitigen, sehr dünnen 
Schichte überzog, während die bei 1400" C eingetretene Um- 
schmelzung ein schön grün gefärbtes, nur durch einzelne Streifen 
der früher erwähnten, undurchsichtigen Schichte verunreinigtes 



54 

Glas ergab. Die Bildung einer von der übrigen Glasmasse iinter- 
sclieidbaren oder gar ablösbaren „Schmelzrinde" wurde nicht 
beobachtet und es ist demnach wohl kaum anzunehmen, daß sich 
eine solche auf natürlichem Wege bilden könnte. Diese Rinde 
ist eben keine Schmelzrinde, sondern, wie weiter unten ein- 
gehender bewiesen werden wird, das Produkt einer langsamen ober- 
flächlichen Zersetzung der (jrlassubstanz. Die Tatsache, daß sich 
bei Moldaviten eine solche Zersetzungsschichte noch niemals vor- 
gefunden hat, wird man ja vielleicht sogar als einen der vielen 
Unterschiede, die ohne Frage zwischen den Moldaviten und den 
künstlichen Gläsern bestehen, hinstellen dürfen. 

Schon in meiner ersten Entgegnung an Prof. Weinschenk 
habe ich darauf hingewiesen, daß ganz ähnliche Rinden, wie sie 
die blaugrüne Glaskugel von Kutten l)erg zeigt, gar nicht selten 
auf unzweifelhaft künstlichen Gläsern, die lange Zeit in der Erde 
gelegen sind, infolge einer von außen nach innen wirkenden, oft 
nur auf einzelne Partien der Oberfläche beschränkten Zersetzung 
der Glassubstanz gebildet werden. Die Widerstandsfähigkeit des 
Glases gegen äußere Einwirkungen wird ja gewöhnlich stark über- 
schätzt; in Wirklichkeit sind die meisten Gläser außerordentlich 
emphndlich und werden bei hoher Temperatur und entsprechendem 
Druck schon durch Wasser vollständig zersetzt. Durch 
kochendes Wasser werden nach Pel o uze (Comptes rendus, 1856, 
XLIII. Bd., S. 117) 10— 337„ der Glassubstanz zersetzt und die 
alkalische Reaktion, welche mit Wasser angefeuchtetes Glaspulver 
zeigt, beweist, daß eine teilweise Zersetzung des Glases durch 
Wasser auch schon bei gewöhnlicher Temperatur eintritt. 

Unter den mannigfaltigen Veränderungen, welche die Gläser 
erleiden können, ist nur die bei höherer Temperatur eintretende 
„Entglasung" oder das „Krätzigwerden" näher studiert worden, 
während man sich für die bei gewöhnlicher Temperatur und dabei in 
der Regel selir allmählich auftretenden Veränderungen seit S orby 
nur in geringem Maße interessiert zu haben scheint. Allen Glas- 
technikern ist es aber sehr wohl bekannt, daß schon die Luft- 
feuchtigkeit eine gewisse Einwirkung auf das Glas ausübt. 
Bunsen hat nachgewiesen, daß das Glas an seiner Oberfläche 
Wasser verdichtet und energisch zurückhält; dieses Wasser vermag 
seinerseits eine sehr bedeutende Menge (mehr als das 2000fache 
Volumen ! ) von Kohlendioxyd aus der Luft aufzunehmen und dadurch 



55 

insbesondere jenen Prozeß zn beschleunigen, den man als das 
„Blindwerden" des Glases bezeichnet. 

Selbst sehr schwache Säuren wirken auf manche Gläser so 
energisch ein, daß eine oberflächliche Zersetzung sehr rasch eintritt. 
So teilt Warrington i in Brdmanns Journal 1845, XXXVI. Bd., 
S. 37) die Analyse eines Flaschenglases mit, welches durch den 
in der Flasche aufbewahrten Wein zersetzt worden war und Peligot 
berichtet (Ann. du Conserv., II. Bd., S. 458) über die Untersuchung 
des Glases einer Champagnerflasche, deren Inhalt infolge einer 
eingetretenen Veränderung des Glases nach wenigen Tagen A'^erdarb. 
In beiden Fällen handelt es sich um ungewöhnlich kalk reiche, 
kieselerdearme Gläser, auf welche wir später noch zurück- 
kommen werden. 

Bei der langsamen, durch relativ sehr schwache Agentien 
bewirkten Zersetzung der Glassubstanz bilden sich sehr häutig 
dünne, irisierende Häutchen, welche leicht abblättern. Mitunter 
bleiben aber die zersi'tzten Schichten miteinander ziemlich fest 
verbunden, so daß sich nach und nach eine Art Rinde bildet, die 
jedoch immer noch eine deutlich blätterige Struktur erkennen 
läßt. Die unter dieser Rinde liegende Glasoberfläche zeigt in der 
Regel einen schwachen Glanz, der an den Lackglanz der Moldavite 
erinnert, sowie zarte, grubige Korrosionen. Bei mittelalterlichen 
Glasgefäßen, die viele Jahrhunderte hindurch in der Erde gelegen 
sind, ist diese Rindenbildung mitunter so weit vorgeschritten, daß 
auf dem Querbruche des Glases nur mehr ein ganz schmaler 
Streifen durchsichtiger, unveränderter Glassubstanz zu erkennen 
ist, während die übrige Masse undurchsichtig, mürbe und an der 
Oberfläche mit einem i)erlmutterartigen bis ausges])rochen metal- 
lischen Glanz versehen erscheint. 

Diese Art der langsamen Zersetzung des Glases scheint 
ziemlich allgemein bekannt zu sein, ist jedoch durchaus nicht die 
einzige, ^fan findet nämlich sehr häutig, daß die Zersetzung nicht 
die gesamte Oberfläche des Glases gleichmäßig angreift, sondern 
daß sie von einzelnen Punkten ausgeht, sowohl seitwärts als auch 
gegen das Innere der Glasmasse fortschreitend. Mitunter zeigen 
sich in der durchsichtigen Glasmasse winzig kleine, weiße Pünktchen, 
die unter der Lupe wie strahlige Kristallaggregate aussehen, bei 
der Untersuchung im polarisierten Lichte jedoch als nichtkristalline, 
optisch-isotrope Gebilde erkannt werden. Mit Entglasungsvor- 



56 

gängeii hat ihre Entstehung nichts zu tun. sie dürften vielmehr, 
da sie fast stets ganz nahe an der Oberfläche des Glases auftreten, 
durch einen lokalen Zersetzungsprozeli hervorgerufen worden sein. 

Viel häutiger als diese eigentümlichen Gebilde entstehen an 
verschiedenen Punkten der Glasoberfläche rundliche oder rundlich- 
polygonale Flecken von weißer oder gelblicher Farbe, die sich 
von der umgebenden Glasmasse sehr scharf abheben. Sie ver- 
größern sich allmählich und verschwimmen schließlich miteinander 
zu wolkigen Partien, die sich von der darunter beflndlichen Glas- 
masse, wenn auch meist nicht gerade leicht, abheben lassen, wobei 
die Oberfläche der letzteren ein grubiges Relief annimmt. Die 
Gruben entstehen hier dadurch, daß die Zersetzung von den er- 
wähnten Flecken aus nicht bloß seitlich, sondern verhältnismäßig 
rasch auch nach der Tiefe fortschreitet; die zersetzte Glasmasse 
ist gewöhnlich nur in sehr dünnen Schichten durchscheinend und 
zeigt mitunter ein deutlich blätteriges Gefüge. 

Ziemlich abweichend ist eine dritte Art der langsamen Zer- 
setzung des Glases. Auch hier entstehen von einzelnen Punkten 
aus Flecken, die sich vergrößern und schließlich eine zusammen- 
hängende Rindenschichte bilden. Diese Rindenschichte ist immer 
anders geiärbt als die unveränderte Glasmasse, von zahlreichen, 
teils gröberen, teils sehr zarten Sprüngen durchsetzt, jedoch zum 
Unterschiede von den früher betrachteten Zersetzuugsrinden immer 
noch ausgesprochen glasig. In der Regel zeigt diese Rinde 
eine gelbliche bis bräunliche Färbung, offenbar infolge der Oxydation 
des in der Glasmasse vorwiegend als Monoxyd enthaltenen Eisens; 
die innerste, sehr dünne Schichte hebt sich manchmal mit weißer 
Farbe von der darunterliegenden Glasmasse ab. 

Bei den einzelnen Flecken kann man zumeist deutlich er- 
kennen, daß von einem Punkte aus. welcher gleichsam das Zentrum 
der Zersetzung bildet, mehr oder weniger radial verlaufend, flach- 
bogige Sprünge ausgehen. Diese sind untereinander durch Quer- 
klüfte verbunden, so daß ein ganzes Netz von Diskontinuitäten 
die Zersetzungsrinde durchzieht und die geringe Festigkeit der- 
selben bedingt. Mitunter zieht sich zwischen den Radialklüften 
ein System äußerst zarter, eng gedrängter, konzentrischer Bogen- 
linien, die unter dem Mikroskop lebhaft an die Guillochierung der 
Fischschuppen erinnern und e])enfalls nichts anderes wie Zerklüftungs- 
erscheinunsien sind: häuflg werden sie erst nach dem Befeuchten 



57 

der Rinde mit Wasser deutlich sichtbar. An der (Jberfläche der 
Bruchstücke eines (höchstwahrscheinlich altvenezianischen) Glas- 
hechers beobachtete ich Aussprengungen sehr flacher, perlmutter- 
glänzender Ivugelkalotten mit nur sehr wenigen konzentrischen 
Bogenlinien und ohne Radialkltifte. 

Die die Rinde durchsetzenden und sich teilweise bis in die 
unveränderte Glasmasse hineinziehenden zarten Sprünge erinnern 
mitunter sehr lebhaft an die Oberfläche des sogenannten „Craquelé"- 
Glases. Sie verlaufen im allgemeinen annähernd normal zur Glas- 
oberfläche, doch gibt es auch Risse, die — wie z. B. die früher 
erwähnten, eine Art Guillochierung erzeugenden — mehr oder 
weniger jnirallel zur Oberfläche verlaufen. Da mitunter auch die 
glasigen Zersetzungsrinden eine deutlich blätterige Struktur er- 
kennen lassen, so ist die Art und Weise, wie sich die Zersetzungs- 
rinde von der übrigen Glassubstanz abtrennt, liei den verschiedenen 
Gläsern ziemlich verschieden. Wenn sie leicht abblättert, so pflegt 
die zurückbleibende Glasoberfläche mit einer sehr dünnen, matt- 
glänzenden, feingrubigen Schichte, die sich nicht ablösen läßt, 
überzogen zu sein. In anderen Fällen reichen die die Rinde 
durchziehenden Sprünge so tief in die unveränderte Glasmasse 
hinein, daß die Rinde zwar leicht, aber doch nicht ohne Ver- 
letzung der unzersetzten Glassubstanz entfernt werden kann. Dann 
erscheint die Oberfläche des Glaskörpers unter der Rinde lebhaft 
glänzend und mit einer eigentümlichen Skulptur versehen, die 
sich sehr leicht dadurch erklärt, daß beim Ausbrechen der einzelnen 
Rindenteilchen auch immer noch etwas von der unveränderten 
Glasmasse mitgenommen wurde. Die Grübchen der Glasoberfläche 
entsprechen der Konvexitäten der abgesprengten Rindenpartikel 
und ihre Begrenzungen dem die Rinde durchziehenden System 
von Klüften. 

Die Unterseite der abgelösten Rinde und die Oberfläche des 
zurückbleibenden Glaskörpers sind also substanziell ganz gleich 
und nur durch das Relief voneinander] verschieden, indem) sich 
Vertiefungen und Erhöhungen gegenseitig ents])rechen. Gibt man 
dies zu, so kann man dieses Relief selbstverständlich nicht länger 
für die „normale Ziselierung", d. h, für die Wirkung einer äo li- 
sch en Korrosion, halten. Daß meine Erklärung richtig ist, be- 
weist übrigens auch eine von Prof. Weinschenk (Zentralbl. f. 
Min. usw. I'.t08, S. 7:^9) mitgeteilte, aber nicht gebührend gewür- 



58 



digte Beobachtung. Er bemerkt nämlich ganz richtig, daß sich die 
matte Rinde der „chrysolithl'arbigen" Kugel ziemlich leicht „mit 
glänzender Unterfläche*' von dem unter ihr lebhaft glasglänzen- 
den Körper des „kompakten Moldavits" abhebt. Diese „glänzende 
Unterfläche" rührt jedoch nicht von der als matt l)ezeichneten 
Rinde, sondern zweifellos von der der Unterseite der Rinde anhaf- 
tenden, unveränderten Glassubstanz her. 




'-^»a^^ 



Fig. 2 



Prof. Weinschenk hat bei seiner Beschreibung der Kutteu- 
berger Glaskugeln (loc. cit. S. 739) auf das Vorhandensein der 
., Rindenschicht" ein ganz besonderes Gewicht gelegt und gemeint, 
daß es kaum einen strikteren Beweis für die kosmische Na- 
tur der Ivuttenberger Glaskugeln gibt. Ich habe schon in meiner 
ersten Entgegnung zwei Glasgefäße beschrieben, welche genau 
dieselbe Rindenbildung zeigen wie die Kuttenberger Kugeln; 
der untere Teil eines dieser Gefäße ist auch hier (Fig. 2) darge- 



stellt und läßt deutlich erkennen, daß die Glassubstanz zum Teil 
noch ganz unverändert ist (die dunklen Partien der Figur), zum 
Teil helle, isolierte oder zu größeren Komplexen vereinigte Zer- 
setzungstlecken aufweist, während sich auf der Bodenpartie eine 
Rinde gebildet hat, die an den mit X bezeichneten Stellen bereits 
ausgebrochen ist. Diese Rinde stimmt in allen Eigenschaften 
mit der von mir ebenfalls untersuchten Rindenschicht der 
Kuttenb erger Kugeln über ein; für die kosmische Natur der 
letzteren hat also das Vorhandensein der Rinde nicht die geringste 
Beweiskraft. 

Seit meiner ersten Publikation habe ich die Bildung einer 
Zersetzungsrinde auch noch an verschiedenen anderen Glasresten 
beobachtet. An dem Fragment eines dünnwandigen, kunstvoll ge- 
blasenen Glasbechers (wahrscheinlich altvenezianischen Ursprungs), 
dessen Glasmasse ich einer quantitativen chemischen Analyse unter- 
zogen habe, erreicht die Rinde ungefähr ^/ ^ der AVandstärke; durch 
ihre gelbbraune Farbe hebt sie sich scharf von der darunter liegen- 
den, blaugrünen Glasmasse ab und hinterläßt nach dem Ausbrechen 
auf der Oberfläche der letzteren rundliche oder elliptische, mitein- 
ander teilweise verschmelzende Vertiefungen, die unter der Lupe 
eine zarte Guillochierung erkennen lassen. 

An einer kleinen Medizinflasche aus hellgrünlichem Glas fand 
ich den größten Teil der Oberfläche mit einer gelblichen 1)is bräun- 
lichgelben Rinde bedeckt, während sich auf der Innenseite nur sehr 
dünne, irisierende Blättchen ablösen ließen. Die Riudenbildung 
folgt auf diesem Gefäße ganz deutlich den Linien, die der Fluidal- 
struktur des Glases entsprechen. Es bilden sich kleine, })erlschnur- 
artig aneinandergereihte, rundliche Vertiefungen oder langgestreckte 
Furchen, die an den Enden meist rundlich begrenzt, mitunter 
jedoch in eine nahezu geradlinige, scharfe Spitze ausgezogen er- 
scheinen. Auch von den an Wurmgänge erinnernden Furchen 
laufen mitunter nach seitwärts geradlinige, scharf zugespitzte Apo- 
physen, die den Eindruck hervorbringen, als hätte man es mit 
Entglasungserscheinungen . Kristallisationen) zu tun: im ])olarisier- 
ten Licht erweisen sich auch diese Rindenpartien als isotrop. 

Bei einer aus der Umgebung von Krásna stammenden Glas- 
kugel, die noch deutlich den Ansatz der Pfeife und in der blau- 
grünen Glasmasse zahlreiche, nur zum Teil geschmolzene Quarz- 
körner erkennen läßt, beobachtete ich Reste einer sehr dünnen, 



60 

braungelben Rinde, welche ursprünglich wohl die ganze Oberfläche 
der Kugel bedeckt hat. Bemerkenswert ist die vSkulptur der unter 
der Rinde liegenden Glasoberfläche, welche mit ihren verhältnis- 
mäßig tiefen Gruben und w^urmgangähnlichen Korrosionen viel 
eher mit der Skulptur der Moldavite verglichen werden kann, als 
dies bei den Kuttenberger Kugeln der Fall ist^j. 

Schon die wenigen hier angeführten Beispiele zeigen zur Ge- 
nüge, daß auch die Bildung einer Zersetzungsrinde in recht mannig- 
faltiger Weise vor sich gehen kann. Es spielen hier außer der che- 
mischen Zusammensetzung des Glases und der Art der auf letzteres 
einwirkenden Agentien ohne Zweifel auch noch andere Faktoren 
mit, die sich unserer Kenntnis entziehen. So scheint z. B. die 
Tatsache, daß Außen- und Innenseite von Glasgefäßen oft ganz 
verschiedene Arten der Zersetzung aufweisen, darauf hinzudeuten, 
daß auch geringe Differenzen in den im Glase vorhandenen inneren 
Spannungen einen gewissen Einfluß auf den Verlauf der Zersetzungs- 
prozesse haben. Auf die chemischen Veränderungen, die mit der 
Rindenbildung des Glases verbunden sind, komme ich erst am 
Schlüsse dieser Abhandlung zu sprechen. Hier will ich mit Rück- 
sicht auf die Wichtigkeit, welche Prof. Weinschenk der Rinden- 
schicht der Kuttenberger Kugeln beilegt, auf die physikalischen 
Eigenschaften der Zersetzungsrinde zweifellos künstlicher Gläser 
noch etwas näher eingehen. 

Daß die Rinde von zahlreichen feinen Sprüngen durchsetzt 
ist, wurde bereits bemerkt; mit dieser Tatsache hängt nicht nur 
ihre Sprödigkeit und leichte Zerbrechlichkeit, sondern auch ihre 
Eigenschaft, an der Zunge oder an der feuchten Lippe zu 
haften, zusammen. Diese Eigenschaft erwähnt Weinschenk 
(Zentralbl. für Miner. usw. 1908, S. 740) auch von der Rinde 
der Kuttenberger Kugeln und bemerkt ganz richtig, daß sie 
„nicht die Folge einer blasigen Struktur" sei, sondern auf 



*) Eine ähnliche Glaskugel mit tiefen Korrosionsfurchen bildet Dr. B. 
Ježek in seiner neuesten Schrift („Dnešní stav otázky vltavinové", loc. 
cit. S. 9 d. Sep.-Abdr.) ab. Eine mit dieser bei Bohuslawitz (unweit von Neu- 
stadt an der Mettau) in Böhmen gefundenen Glaskugel auch in der Größe 
übereinstimmende Kugel kam kürzlich mit einer Suite von Moldaviten in den 
Besitz des mJihrischen Landesmuseums. Sie wurde bei Slawitz nächst Trebitsch, 
also im Verbreitungsgebiete der mährischen Moldavite, gefunden, ist aber ohne 
Zweifel ein Kunstprodukt. 



61 

einer „außerordentlich feinrissigen Beschaffenheit" der Rindensiib- 
stanz beruhe. Merkwürdigerweise spricht Prof. Wein schenk in 
einer späteren Mitteilung (Zentralbl. f. Miner. usw. 1909, S. 547) 
von einer „braunen, blasigen Glasrinde" und einige Zeilen weiter 
von der „braunen, blasigen Hülle aus Glas"^), indem er meint, 
daß sich eine solche unmöglich durch Verwitterungsprozesse, 
sondern „nur durch momentane enorme Erhitzung-' bilden könne. 
In Wirklichkeit sind auch die zweifellos durch langsame Zer- 
setzung („Verwitterung" ist hier nicht der zutreffende Ausdruck) 
entstandenen Glasrinden feinrissig, aber niemals blasig, gerade 
so wie die Einde der Kuttenberger Kugeln. Es besteht demnach 
in dieser Beziehung zwischen der letzteren und den unzweifelhaften 
Zersetzungsrinden der künstlichen Gläser nicht der geringste 
Unterschied, während anderseits der als Tektit aufgefaßte Glas- 
körper von Kälna in Schweden nach W. Wahl (Beitr. zur Kennt- 
nis des Tektiten von Kälna in Skane; Geol. För. i. Stockholm 
Förh. 1909, XXXI. Bd., S. 471—178) eine blasenreiche Schmelz- 
rinde besitzt, die sich ganz gewiß von dem übrigen Glaskörper 
nicht leicht trennen läßt. 

Eine weitere Eigenschaft der durch langsame Zersetzung an 
künstlichen Gläsern entstehenden Einde ist die Schwerschmelz- 
l)arkeit derselben. Ich habe schon in meiner ersten Entgegnung 
(S. 459j darauf hingewiesen, daß die Eindensubstanz der in Fig. 2 
abgebildeten Glasflasche in der Flamme des Teklubrenners nicht 
schmilzt und daß sich selbst sehr dünne Splitter auch an den 
schärfsten Kanten kaum abrunden. Genau so verhielt sich ein 
von mir untersuchtes, scharfkantiges Körnchen der Eindensubstanz 
der Kuttenberger Kugel. Es färbte sich in der Flamme, in welcher 
ein Messingdraht von 0*7 rniu Dicke (in meiner ersten Mitteilung 
ist infolge eines Druckfehlers die Dicke mit 7 mm angegeben) 
leicht zum Schmelzen gebracht werden konnte, bloß etwas dunkler, 
zeigte aber keine Spuren von Schmelzung. Diese Tatsache 
spricht wohl sehr entschieden gegen die Ansicht, daß die Einde 
der Kuttenberger Kugeln eine „Schmelzrinde" sei, da eine bloße 



•) Um einen Schreib- oder Druckfehler kann es sich hier wohl kaum 
handeln, da man doch nicht von einer „glasigen Glasrinde" oder einer „glasigen 
Hülle aus Glas" sprechen wird. Die ursprüngliche Angabe Weinschenks ist 
die richtige, denn von einer „blasigen" Rinde kann bei den Kuttenberger 
Kuo-eln tatsächlich nicht die Rede sein. 



62 

Aufschmelzung der Glasoberfläche keineswegs hinreicht, die außer- 
ordentliche Schmelzbarkeit der neugebildeten Rinde zu erklären und 
bei den Moldaviten nicht bloß die peripherischen, sondern auch 
die zentralen Partien der Glasmasse durch einen auiïallend hohen 
Schwerschmelzpunkt ausgezeichnet sind. Auch die von Weinschenk 
(Zentralbl. f. Miner. usw., 1908, S. 740) hervorgehobene „unter- 
geordnete (3xydation des Eisengehaltes" genügt nicht, um die be- 
deutende Veränderung des Schmelzi)unktes zu erklären. Diese 
Oxydation findet auch — wie die gelbe bis l)raune Farbe der 
Einde beweist — bei der langsamen Zersetzung der künstlichen 
Gläser statt; auch im letzteren Falle l)ilden sich die von Wein- 
schenk erwähnten Anhäufungen brauner Punkte, namentlich längs 
der die Rinde durchziehenden Risse. Diese braunen Punkte 
dürften übrigens zum Teil auf humusartige Substanzen zurück- 
zuführen sein, da f«ie sich auch auf anderen Gegenständen^), die mit 
den Glasresten in der Erde gelegen sind, vorfinden. „Magnetit- 
ähnliche Kristallisationen", wie sie Weinschenk in der 
Rinde der Kuttenberger Kugeln beobachtet haben will, treten in 
den Zersetzungsrinden künstlicher Gläser niemals auf: ich habe 
aber auch in der Rindensubstanz der Kuttenberger Kugeln gar 
nichts gefunden, was auch nur entfernt an magneteisenähnliche 
Ausscheidungen erinnern würde. Es ist ja auch von vornherein 
höchst unwahrscheinlich, daß sich bei der Umschmelzung 
eines Glasflusses der verhältnismäßig doch sehr unbedeutende 
Eisengehalt in der Form von Magnetit ausscheiden wird, da die 
Bildung dieser hohen Oxydationsstufe des Eisens selbst bei eisen- 
reichen Schlacken nicht gerade häufig beobachtet wird. 

Die von Weinschenk in seiner ersten Beschreibung (S. 739) 
der Kuttenberger Kugeln erwähnte, „oft deutlich schlierige" Be- 
schafienheit der glasigen Rinde ist ohne Zweifel ein primäres 
Merkmal der Glasmasse und nicht erst auf die Umschmelzung 
der oberflächlichen Partien der letzteren zurückzuführen, da durch 
eine solche nicht tiefgreifende Aufschmelzung eine deutliche Fluidal- 
struktur kaum hervorgerufen werden kann. Es ist viel eher zu 
erwarten, daß die in der Glasmasse etwa vorhandene Fluidal- 



^) Näheres über die mit den hier erwähnten alten Grasern aufgefundenen 
(lefäße und sonstigen Objekte enthält meine Abhandlung: „Die Gefäßfunde 
im Baugrunde der Brünner Häuser": Zeitschr. d. mähr. Landesmuseums, 1909, 
S. 92 ff. 



63 

struktur in deu aufgeschmolzenen Oberflächenpartien mehr oder 
weniger verwischt wird — wie dies z. B. von der „Schmelzrinde" 
des (Glaskörpers von Kälna angegeben wird (vgl. W. Wahl, loc. 
cit.) — während sie in der Rinde zersetzter Gläser in der Regel 
deutlich erhalten bleibt. Die schlierige Beschaffenheit der Rinde 
der Kuttenberger Glaskugeln spricht also meiner Ansicht nach 
ebenfalls gegen die Entstehung dieser Rinde durch Aufschmelzung 
der Oberfläche der Cllasraasse. 

Im polarisierten Licht erscheinen die glasigen Zersetzungs- 
rinden vollkommen isotrop. Was ihr Lichtbrechungsvermögen an- 
belangt, so habe ich gefunden, daß der Brechungsexponent geringer 
ist als bei der unveränderten Glasmasse und sich dem mittleren 
Brechungsexponenten der Moldavite nähert. Diesem Umstände 
kommt jedoch keine besondere Bedeutung zu, da der Brechungs- 
ex])onent künstlicher Gläser mitunter bis auf 1*4B5, also noch 
unter den kleinsten für die Moldavite ermittelten Wert (1'488, 
nach Prof. F. Becke in: F. E. Suess, Notizen über Tektite, 
S. 466, 1-4861 nach -ležek und Woldrich: „Beitrag zur Lösung 
der Tektitfrage"; Bull, internat, de l'Acad. des Sciences de Bohême, 
1910, S. 11 des Sonderabdruckes; beide Werte gelten für Natrium- 
licht) herabsinkt. Auch bei der Rindensubstanz der Kuttenberger 
Kugeln fand ich den ßrechungsexponenten im Tageslicht kleiner 
als den des Xylols (1-495), während die Glasmasse nach Prof. 
F. Becke einen bedeutend höheren Brechungsexponenten (1-544 
bei der blaugrünen, 1-556 bei der gelbgrünen Kugel) besitzt. 

Ich habe mich bei der Besprechung der Zersetzungsrinden 
alter Gläser absichtlich etwas länger aufgehalten, weil die Bildung 
solcher Rinden anscheinend wenig bekannt ist und Prof. Wein- 
schenk die Ansicht ausgesprochen hat, daß es sich hierbei zweifel- 
los um ein ,,Umschmelzungsi)rodukt" handelt. Obwohl ich 
nun bereits in meiner ersten Entgegnung nachgewiesen zu haben 
glaube, daß glasige, feinrissige Rinden, die in allen Eigenschaften 
mit der Rinde der Kuttenberger Glaskugeln vollständig über- 
einstimmen, auch auf unzweifelhaft künstlichen Gläsern 
als Folge einer langsamen Zersetzung auftreten, ist Prof. Wein- 
schenk in seiner zweiten Schrift (Zum Streit über die „Echtheit" 
der Moldavite: Zentralbl. f. ]\Iiner. usw., 1909) bei seiner Ansicht 
geblieben und hat sogar (S. 549) der Meinung Ausdruck gegeben, 
daß „eine absolute Voreingenommenheit" dazu gehöre, die 



64 

äußere Beschaffenheit der Kuttenberger Glaskugeln mit sekundären 
Veränderungen an künstlichen Grläsern zu vergleichen. Nun, ich 
hatte (lelegenheit, die Zersetzungserscheinungen an alten Gläsern 
ohne jede Voreingenommenheit schon vor vielen Jahren zu 
studieren und ebenso die Kuttenberger Kugeln eingehend zu unter- 
suchen. Prof. Wein sc henk kennt nur die letzteren, scheint aber 
Kindenbildungen an alten, künstlichen Gläsern noch niemals gesehen 
zu haben. Es fällt mir gar nicht ein, ihm daraus einen Vorwurf 
zu machen, denn meine Kenntnis alter Gläser verdanke ich ja 
auch nur dem Umstände, daß ich mich nebenbei auch ein wenig 
mit Archäologie beschäftige; wohl aber muß sich Prof. Wein- 
schenk den Vorwurf gefallen lassen, daß er meine gewiß sehr 
gewichtigen Einwendungen gegen seine Deutung der Kinde der 
Kuttenberger Glaskugeln nicht zu entkräften versucht hat. Aller- 
dings ist ein solcher Versuch von vornherein aussichtslos und an 
der kosmischen Herkunft der Kuttenberger Kugeln kann man nur 
so lange festhalten, als man es über sich bringt, Flaschen und 
andere Glasgefäße, welche genau diesell)en ßindenbildungen, 
beziehungsweise Skulpturverhältnisse zeigen, vollständig zu igno- 
rieren oder auch diese Kunsterzeugnisse als vom Himmel ge- 
fallene, richtige „B out ei Uen steine" anzusehen. 

Von der Bezeichnung der Kuttenberger Kugeln als „Molda- 
vite'' ist Prof. Weinschenk l^ereits abgekommen, indem er zugibt, 
daß in Anbetracht der zweifellos bestehenden beträchtlichen Dif- 
ferenzen, namentlich im Lichtbrechungsvermögen, aber auch in der 
Skul[)tur und in der Art des Glanzes, die Kuttenl)erger Glaskörper 
aus der Gruppe der Moldavite\) entfernt werden müssen. In seiner 
neuesten, in Gemeinschaft mit H. Steinmetz veröffentlichten 
Schrift (Weitere Mitteilungen über den neuen Typus der Molda- 
vite; Zentralbl. f. Miner. usw., 1911, S. 231 ff".) bezeichnet er aller- 
dings die Kuttenberger Kugeln wiederum als „moldavitartig'' und 
bespricht eine Reihe von weiteren Vorkommnissen, die sich seiner 
Ansicht nach an die ersteren anschließen und wie diese als Tektite 
aufzufassen sind. Es handelt sich da um Glaskügelchen, welche, 

1) In seiner zweiten Mitteilung (Zentralbl. f. Miner. u«w., 1909, 8. "iSO) 
identifiziert Weinscheuk die Begriffe „Tektite*' und „Moldavite", was uatür- 
lich ganz unzulässig ist, da die Moldavite nur eine Untergruppe der Tektite 
darstellen und letztere auch nach dem „älteren Sprachgebrauch" unmög- 
lich als ..Moldavite" bezeichnet werden können. 



65 

wie Prof. Weinschenk (lue. cit. S. 231) sagt, nach Suess und 
Rzehak „prähistorische Glasperlen" sind, die ,, allenthalben in 
Böhmen und Mähren auf den Feldern" vorkommen. Wein schenk 
hebt den betreifenden Satz mit Anführungszeichen hervor, so 
daß jeder mit der einschlägigen Literatur nicht genügend vertraute 
Leser den Eindruck bekommen muß, es sei dieser Satz in irgend 
einer Publikation von „Suess und Rzehak'" enthalten. Was 
mich anbelangt, so erinnere ich mich nicht, jemals mündlich oder 
schriftlich behauptet zu haben, daß „prähistorische Glasperlen" in 
Böhmen und Mähren „allenthalben" auf den Feldern vorkommen; 
ich kann nur sagen, daß sicher prähistorische Glasperlen und 
Glaskugeln in Mähren zu den Seltenheiten gehören. In meiner 
ersten Entgegnung heißt es auf Seite 461: „Mehrere Glaskugeln, 
die mir vorliegen und die in verschiedenen Gegenden Mährens 
(eine davon im Zentrum des mährischen Moldavitvorkommens) 
ganz isoliert aufgefunden wurden, können nur als verschleppte 
künstliche Erzeugnisse aufgefaiît werden". Es wird hier also bloß 
von mehreren, ganz isoliert aufgefundenen Glaskugeln und 
nicht von „allenthalben" vorkommenden „prähistorischen Glas- 
perlen" gesprochen. Meines Wissens hat auch Prof. F. E. Suess 
niemals gesagt, daß „prähistorische Glasperlen" in Böhmen 
und Mähren allenthalben auf den Feldern gefunden werden; wohl 
aber tindet sich in seinen „Notizen über Tektite" (S. 467) der 
folgende Schlußsatz: „Die Glaskugeln von Kuttenberg sind sicher 
keine Moldavite, sondern irgend welche Zufallsprodukte eines Glas- 
ofens oder einer Schmelzhütte, wie sie im Schutt und auf den 
Ackern in Böhmen und Mähren nicht selten gefunden werden". 
Diese Bemerkung bezieht sich jedoch, wie man sieht, keineswegs 
auf prähistorische Glasperlen, so daß Prof. Weinschenk seine 
in Form eines Zitates, d. h. mit Anführungszeichen veröffentlichte 
Angabe weder nach Suess noch nach Rzehak gemacht hat; 
diese beiden Namen gehören zu dem betreffenden Passus ebenso- 
wenig wie die Anführungszeichen. 

Ich mußte auf diesen an sich vielleicht ziemlich nebensäch- 
lichen Umstand schon deshalb eingehen, weil Prof. Weinschenk 
eine von ihm analysierte Glaskugel von Oberkaunitz in Mähren an 
mehreren Stellen seiner neuesten Schrift als prähistorisch be- 
zeichnet. So erwähnt er S. 281, daß die vier Glaskugeln von 
Oberkaunitz, die ihm durch die besondere Liebenswürdigkeit des 

Zeitschrift des iniihr. Landesmuspum.s \I[, 1. 5 



66 

Direktors der prähistorischen Abteilunu des mährischen Landes- 
musenms zur Untersuchung überlassen worden waren, „neben Bronzen 
in prähistorischen Gräbern" gefunden wurden. Das Ehrenamt eines 
Direktors der prähistorischen Abteilung des mährischen Landes- 
museums habe ich selbst, solange diese Institution bestand, bekleidet 
und zur Übersendung der Oberkaunitzer Glaskugeln an Prof, Wein- 
schenk sehr gerne meine Zustimmung gegeben; die Angabe jedoch, 
daß diese Kugeln „neben Bronzen in prähistorischen Gräbern" gefunden 
worden sind, stammt nicht von mir. Ich habe zwar in meiner Schrift: 
.,Die prähistorische Sammlung des Franzensmuseums in Brunn" 
(Annales Mus. Francise, 1899, S. 78) diese Glaskugeln unter 
den Artefakten der Hallstatti)eriode eingereiht, aber gleichzeitig 
bemerkt, daß das Alter derselben nicht sichergestellt ist, 
und in meiner Mitteilung: „Zur Geschichte des Glases in Mähren" 
(Mitteil. d. mähr. Gewerbemuseums, XV. Jahrg., 1897, S. 65 ff.) 
heißt es bei Erwähnung der Oberkaunitzer Kugeln auf S. 70 ganz 
ausdrücklich: „Der prähistorischen Zeit gehören diese Stücke 
meiner Ansicht nach nicht an". Es liegt hier ohne Zweifel eine 
Verwechsbmg vor mit den von mir in meiner ersten Entgegnung 
(S. 462) erwähnten Fundstücken von Eiwanowitz in Mähren, 
die ich selbst irrtümlich als „Glaskügek-hen, die lebhaft an die 
Kuttenberger Stücke erinnern", bezeichnet habe. In Wirklichkeit 
sind die neben Armringen der jüngeren Bronzezeit aufgefundenen 
Glasartefakte von Eiwanowitz keine Kugeln, sondern durchbohrte, 
sehr unregelmäßig gestaltete Glasperlen, die mit den Kuttenberger 
Kugeln gar keine Ähnlichkeit haben, wie aus der Beschreibung 
derselben in meiner oben zitierten Schrift: „Zur Geschichte des 
Glases in Mähren" (S. 68) hervorgeht. Immerhin ist es bemerkens- 
wert, daß auch die trotz iJirer Durchsichtigkeit mehr schlacken- 
als glasartige Masse dieser Perlen einen sehr hohen Schmelzpunkt 
besitzt und stellenweise in eine poröse, schaumige, leicht zerreibliche 
Substanz umgewandelt erscheint, die die größte Hitze des Teklu- 
brenners aushäit, ohne sich wesentlich zu verändern^). 

Prof. Weinschenk fand an den Glaskugeln von Oberkaunitz 
eine Skulptur, ähnlich derjenigen, die auf den Kuttenberger Stücken 



M Ich benutze die Gelegenheit, um einen störenden l'ruckfelilei- zu kor- 
rigieren, der sich in meine Mitteilung „Zur Geschichte des Glases in Mähren" 
eingeschlichen hat. Statt .,Impfartikel" soll es dort (S. 68 1 richtig „Import- 
artikel" heißen. 



67 

vorhanden ist. In der Farbe stimmen nicht zwei derselben voll- 
kommen überein, während sie im spezitischen Gewicht untereinander 
fast ganz genau übereinstimmen. Der Umtsand, daß dieses Gewicht 
(2-656) dasselbe ist wie das des Quarzes, hat natürlich gar keine 
Bedeutung, da die spezifischen Gewichte der künstlichen Gläser 
zwischen sehr weiten Grenzen schwanken, ohne jedoch anscheinend 
bis auf den für ^[oldavite ermittelten Wert (unter 2-4) herab- 
zusinken. Bemerkenswert ist, daß sich auch bei den Oberkaunitzer 
Glaskugeln der Brechungsexponent von dem der Moldavite sehr 
weit entfernt und noch beträchtlich höher (nach Weinschenk 
= 1-571, gemessen mit dem Abbe'schen Totalreflektometer) ist als 
l)ei den Kuttenberger Stücken. 

Die mikroskopische Untersuchung bietet nicht den geringsten 
Anhaltspunkt für die Auffassung der Oberkaunitzer Glaskugeln 
als kosmische Gebilde. Die stellenweise „ziemlich massenhaft" 
vorhandenen kristallinischen Ausscheidungen von Kalziummetn- 
silikat sprechen entschieden für die künstliche Herstellung des 
betreffenden Glasflusses, da sich das genannte »Silikat, wie Prof. 
Weinschenk selbst bemerkt, in künstlichen kalkreichen Schmelzen 
außerodentlich leicht bildet. Es ist ja eines der bekanntesten 
Produkte der ..Entglasung-, die eine in der Praxis (unter dem 
Namen „Krätzigwerden" des Glases) sehr bekannte Erscheinung 
ist und um so leichter eintritt, je komplizierter die Zusammen- 
setzung des Glases ist. Im allgemeinen entglasen die kalkreichen 
Gläser am leichtesten, wobei das Kalziumoxyd zum Teil durch 
Baryumoxyd ersetzt sein kann, wie bei dem kürzlich von Donath 
und Indra (Über leicht entglasendes Glas"; Zeitschr. f. d. keram., 
Glas- u. verwandten Industrien, Koburg, 191, XLIV. Jahrg.) 
untersuchten Glas. Nach Pelouze (Dinglers Polytechn. Jouru., 
OLXXXIV. Bd., S. 310) begünstigt auch ein größerer Gehalt an 
Magnesiumoxyd den Entglasungsi)rozeß, der aber auch beim ge- 
wöhnlichen grünen Flaschenglas nicht selten eintritt. M. Gröger 
hat (Dinglers Polytechn. Journ., CCXLIL Bd., 1881, S. 297 £f.) 
einen solchen Glasfluß t Aussiger Flaschenglas) untersucht, welcher 
neben 61-397o ^iO-j bloß 12-817o CaO und O-er'/o MgO enthält 
und dennoch — wie eine in meinem Besitze befindliche Probe 
beweist — große kugelige Ausscheidungen von kristallinischem 
Kalziummetasilikat einschließt. 

Die leicht eintretende Entglasung der Substanz der Ober- 



68 

kaunitzer Kugeln erklärt sich aus ihrer ungewöhnlichen Zusammen- 
setzung, welche nach Prot'. Weinschenk mit ein Grund ist, die 
erwähnten Kugeln nicht als künstliche Gehilde gelten zu lassen. 
Die von Weinschenk ausgeführte chemische Analyse einer 
der vier 01)erkaunitzer Glaskugeln ergah folgendes Resultat: 

SiO, 45-677, 

ALÓ, 6-64 ,. 

FeO 0-79 ,, 

MuO MO „ 

GaO 27-49 „ 

^fgO 2-6U „ 

Der Rest (15-71°,^) entfällt hauptsächlich auf Alkalien. 
Prof. Weinschenk betont („Weitere Mitteil. über d. neuen Typus 
d. Moldavite"; Zentralbl. f. Mineral, usw., 1911, S. 234) selbst, 
daß bei einem so ungewöhnlich basischen, kalkreichen Glas die 
Neigung zur Entglasung naturgemäß sehr groß sein muß, zieht 
jedoch aus dieser Tatsache gewisse Schlüsse, die durchaus nicht 
zutreffend sind. 8o meint er z. B., dafi die leichte Entglasung 
und die mit dieser eintretende Schwerschmelzbarkeit es sehr un- 
wahrscheinlich erscheinen lassen, „daii die prähistorischen Menschen 
gerade ein so schwer zu behandelndes Gemenge zur Herstellung 
ihrer Schmucksachen zusammengestellt hätten" und daß es „auf 
ein geradezu undenkbares Raffinement in den ersten Stadien der 
Kultur" schliefien ließe, wenn man „diese merkwürdig zusammen- 
gesetzten Gebilde" wirklich „prähistorischer Kunstfertigkeit" zu- 
schreiben wollte. 

Da ist nun vor allem zu bemerken, daß es sich bei den 
Oberkaunitzer Glaskugeln — wie schon oben ausgeführt wurde — 
höchst wahrscheinlich nicht um prähistorische Gegenstände handelt. 
Sie mögen vielleicht einige Jahrhunderte alt sein, dürften aber 
der prähistorischen Zeit schon deshalb nicht angehören, weil die 
unzweifelhaft prähistorischen, in Europa bloß bis in die jüngere 
Bronzezeit zurückreichenden Glaskugeln nicht nur von ganz anderer 
Beschaffenheit, sondern auch — so viel mir bekannt — immer 
durchbohrt, also als Perlen zu bezeichnen sind. Diese fanden 
selbstverständlich als Schmuck Verwendung, während ein kugeliger, 
undurchbohrter Glaskörper wohl kaum als Schmuckgegenstand 
benutzt werden kann. Die ältesten, in Mitteleuropa aufgefundenen, 



69 

prähistorischen Glasperlen sind ohne Zweifel aus dem Orient im- 
portiert, woselbst die Kenntnis des Glases und seiner Verarbeitung 
sehr weit zurückreicht. Die altiigyptischen Gläser haben an- 
nähernd dieselbe Zusammensetzung wie die viel späteren römischen 
und frühmittelalterlichen Gläser. Sie sind alle reich an SiOg und 
Na^O, arm an ALO3 und Eisen; der Kalkgehalt ist verhältnis- 
mäßig gering, bei vier Analysen altägyptischer Gläser zwischen 
5-17 und S'öG'Yo schwankend (nach Muspratts Chemie, 4. Aufl., 
III. Bd., S. 1365). Die erstaunlich hohe Entwicklung der Glas- 
industrie im alten Ägypten wird unter anderem durch die Auf- 
hndung einer geschliffenen Urne aus Üb er fangglas in einem 
Grabe, welches dem 17. Jahrhundert vor Cihristi angehört, be- 
wiesen. Auch in den südlichen Alpenländern fanden sich auf 
Kulturstätten der Hallstattepoche, die sich ja zum Teile mit der 
jüngeren Bronzezeit der nördlicheren Gebiete deckt, Gegenstände 
aus Glas — ich nenne nur eine ßronzetibel, deren Bügel in eine 
Glashülle eingeschlossen erscheint — die eine bedeutende Kunst- 
fertigkeit und hochentwickelte (ilastechnik verraten. Bei derlei 
Erzeugnissen in einer so frühen Zeit kann man. (>l>gleicli es sich 
ja längst nicht mehr um die „ersten Stadien der Kultur" handelt, 
vielleicht von einem „Kaftinement" sprechen; ein abnorm zusammen- 
gesetzter Glasfluli beweist jedoch in chronologischer Beziehung 
gar nichts, denn er kann ebensogut prähistorisch wie modern 
sein. Wenn auch derartige Glasflüsse im allgemeinen als fehler- 
hafte Gläser zu bezeiclinen sein werden, so dürfen sie doch nicht 
alle, etwa deshalb, weil sie leicht entglasen, als unbrauchbar 
bezeichnet werden. So war z. B. die Glasmasse, aus welcher die 
Oberkaunitzer Kugeln hergestellt sind, ohne Zweifel zur Erzeugung 
solcher Kugeln ganz geeignet, ebenso wie das besonders leicht 
entglasende, von Donath und Indra (loc. cit.) analysierte Glas 
ohne Schwierigkeit zur Erzeugung von Glasröhren verwendet 
werden konnte. 

<3hne Zweifel wurden fehlerhafte Glasflüsse in früheren 
Zeiten viel häufiger erhalten als jetzt. Aber auch heute noch ist 
die Herstellung eines tadellosen, dem bestimmten Zwecke voll- 
kommen entsprechenden Glases keine ganz einfache Sache; trotz 
der sorgfältigen Untersuchung des Rohmaterials und der peiidicben 
Einhaltung der erprobten Mischungsverhältnisse und Arbeits- 
methoden hat auch die moderne Glasindustrie in der Hersteliuuû; 



70 

der Glasflüsse mitunter Mißerfolge zu verzeichnen, deren Ursache 
nur schwer oder gar nicht zu ergründen ist. Deshalb sind auch 
abnorm zusammengesetzte Gläser keineswegs so selten, wie es Prof. 
Weinschenk anzunehmen scheint; wenn zahlreichere Glasanalysen 
vorliegen würden, so ließen sich auch die tatsächlich sehr bedeu- 
tenden Schwankungen in der Zusammensetzung der künstlichen 
Gläser besser übersehen, als dies augenblicklich möglich ist. 

Immerhin finden sich in der einschlägigen Literatur mehrere 
Analysen von Gläsern, die in ihrer chemischen Zusammensetzung 
der Glasmasse der Oberkaunitzer Kugeln recht nahe kommen. 
Prof. Weinschenk bemerkt („Weitere Mitteil, usw.-', Zentralbl. f. 
]\[iner. usw., 1911, S. 286), daß unter allen Analysen alter und 
neuer künstlicher Gläser nur eine einzige gefunden werden 
konnte, ., welche einigermaßen wenigstens Ähnlichkeit mit dem 
Glas von Oberkaunitz hat^'. Es handelt sich um ein französisches 
Champagnerflaschenglas, dessen Zusammensetzung i in abgerundeten 
Prozentzahlen) folgende ist: 

SiO., 467o 

Al^Ó, 14 „ 

Fe._.03 (; „ 

Gab 2b „ 

Alkalien 6 „ 

100«/7 ^ 

Diese Analyse bezieht sich ohne Zweifel auf eine von Clichy 
stammende, von Dumas untersuchte Glasmasse; die genaueren 
Analysenresultate flnden sich in Muspratt, 4. Aufl., III. Bd., 
S. 1865 verzeichnet. Dieselbe Quelle lehrt uns aber auch Gläser 
kennen, welche sich, wie wir weiter unten sehen werden, der Ober- 
kaunitzer Glasmasse noch mehr nähern als das oben erwähnte 
Glas von Clichy. 

Ein von Maumené analysiertes böhmisches Champagner- 
flaschenglas war in folgender Weise zusammengesetzt: 

SiO, 58-407o 

AloO, 2-10 „ 

Fe!!0;. 8-90 „ 

Cab 18-60 ,. 

Na^O 9-90 „ 

K,0 1-80 „ 



71 

Dieses Glas bildet gewissermaßen den Übergang zwischen 
normalen Gläsern und jenen Typen, die sich durch einen noch 
geringeren Kieselerdegehalt und hohen Gehalt an Kalk auszeichnen. 
Es enthält noch weniger Tonerde als das Glas von Clichy und 
schließt sich in dieser Beziehung an die gewöhnlichen, tonerde- 
armen bis tonerdefreien Gläser an; daß der Alkaligehalt größer 
ist als bei dem Glas von Clichy, aber kleiner als der der Obt-r- 
kaunitzer Kugeln, beweist weiter nichts als die bekannte Tatsache, 
daß die chemische Zusammensetzung brauchbarer Gläser in 
ziemlich weiten Grenzen schwanken kann und daß sich gewisse 
Gemengteile bis zu einem gewissen Grade gegenseitig zu ver- 
treten vermögen. 

So kann z. B. ein hoher Alkaligehalt durch einen Überschuß 
von Kieselerde kompensiert werden und der Gehalt an letzterer 
um so geringer sein, je mehr die Alkalien dem Kalk gegenüber 
zurücktreten. Diäerenzen in den Verhältnissen zwischen Kieselerde, 
Tonerde und dem Kalk -Alkaligehalt können deshalb meines 
Erachtens keine besondere Bedeutung beanspruchen und die Glas- 
masse der Kugeln von Oberkaunitz muß nicht schon deshalb 
kosmischen Ursprungs sein, weil sie doppelt so viel Tonerde und 
etwas mehr als doppelt soviel Alkalien enthält als das Glas 
von Clichy. 

Das Glas einer Champagnerflasche, in welcher der Wein 
nach einigen Tagen völlig verdorben war, fand Péligot in fol- 
gender Weise zusammengesetzt: 

SiO^ 52-47, 

AlA ^-1 :, 

FeÖ (vO „ 

CaO 321 ,. 

K,0 -^^"^ji 

loo-oVo 

Dieses Glas ist noch etwas kieselerdeärmer als das von 
M a uměné analysierte; es enthält nur etwa 6"57o SiO^ mehr als 
die Glaskugeln von Oberkaunitz und l'5"/o Al.,Og weniger als letztere. 
Der Kalkgehalt ist um fast ň^/^ größer, der Alkaligehalt hingegen 
wesentlich geringer. 

Ein von Warrington analysiertes französisches Flaschenglas, 
welches durch die schwache Säure des in den Flaschen auf- 



72 

bewahrten Weines sehr rasch angegrißen wurde, hatte die fol- 
gende Zusammensetzung: 

SÍO2 49-007, 

Al^Og 4-10 „ 

FeA 10-10 „ 

CaÖ 27-55 „ 

Na.O 200 „ 

K,Ó 7-25 „ 

ioo-oo7o 

Hier haben wir ein G bis vor uns, das sich nicht mehr 
wesentlich von dem Material der Oberkaunitzer Kugeln unter- 
scheidet. Da bei den letzteren ein auffallend geringer und durch 
eine Kontrollanalyse nicht sichergestellter Eisengehalt (0-797o FeO) 
angegeben wird, so wäre es immerhin möglich, daß irgend ein 
Fehler (vielleicht nicht vollkommene Reduktion des Fe^O.. in dem 
Gemenge von Al^Og und FcaOg, aus welchem der Gehalt an FeO 
bestimmt wurde) unterlaufen ist; dann würde sich die Differenz 
im Alkaligehalt etwas ausgleichen und nmn könnte von einer 
wesentlichen Übereinstimmung der beiden Glasflüsse sprechen. 
Auch dieses abnorm zusammengesetzte Glas war zur technischen 
Verarbeitung ganz geeignet, wenn auch die daraus verfertigten 
Flaschen zur Aufbewahrung von Wein nicht benutzt werden 
konnten; die „sinnwidrige Zusammensetzung- hat hier ebensowenig 
wie bei der Glasmasse der Oberkaunitzer Kugeln eine praktische 
Bedeutung, sofern es sich nur um die Möglichkeit der glashütten- 
technischen Verwendung handelt. Auf alle Fälle muß Prof. Wein- 
schenk zugeben, daß es nicht ganz zutreffend ist. wenn er behauptet 
(ZentralbL f. Miner. usw., 1911, S. 238), die Glaskugeln von Ober- 
kaunitz ließen „keinen irgendwie gearteten Vergleich" mit künst- 
lichen Gläsern zu. Unzweifelhaft richtig ist bloß, daß sie nach 
ihrer chemischen Zusammensetzung mit irdischen Gesteinen nicht 
verglichen werden können; es ist auch meines Wissens bisher 
niemandem eingefallen, das Gegenteil zu behaupten. 

Die Meinung AVeinschenks, ,,dal) auch die hochentwickelte 
moderne Glasindustrie solche Gebilde (wie die Oberkaunitzer Glas- 
kugeln) wohl kaum hervorbringen könnte", wird durch die hier 
mitgeteilten Analysen moderner Gläser widerlegt, iiber auch die 
antiken Gläser halten sich durchaus nicht immer in den von 



73 

Fe hl in g (Handwörterbuch der Chemie) mitgeteilten und von 
Weinschenk in seiner neuesten Publikation (S. 239) reproduzierten 
Grenzwerten „normaler" Gläser. Schon bei der von Weinschenk 
analysierten römischen Glaskugel von Regensburg liegt der Kalk- 
gehalt, wie Wein schenk selbst sagt, „etwas außer der Reihe", 
denn er beträgt 12-857o gegen das von Fehling mit 8-567o an- 
gegebene Maximum. Das von Geuther (Jahresber. d. ehem. 
Techn., 1856, S. 166) analysierte, durch das Vorhandensein einer Zer- 
setzungsrinde ausgezeichnete römische Glas enthielt bloß 59*2'^/,) SÍO2 
— also um 5% weniger als das von Fehling angegebene Minimum 
(64-257o)5 während der Gehalt an Tonerde nur wenig geringer 
(5*6'yo) ist als bei der Oberkaunitzer Kugel. Es kommen eben 
außer „normalen" Gläsern auch sehr häufig abnormale vor; 
leider ist, wie bereits einmal bemerkt wurde, die Zahl der vor- 
handenen Analysen älterer Gläser eine sehr geringe, und die Zu- 
sammensetzung sicher prähistorischer Gläser aus mitteleuropäischen 
Fundgebieten ist uns sogar bis heute so gut wie ganz unbekannt. Bei 
den Glaskugeln von Oberkaunitz deutet die chemische Zusammen- 
setzung viel mehr auf die neuere Zeit als auf die prähistorischen 
Kulturepochen. 

Da Prof. Wein schenk in seiner neuesten Publikation auf 
die Rindenbildung der fraglichen Glaskugeln kein so großes 
Gewicht wie früher zu legen scheint, hingegen der chemischen 
Zusammensetzung eine besondere Bedeutung beilegt, so habe ich 
die Glasmasse des bereits erwähnten Fragments eines wahr- 
scheinlich venezianischen Bechers, dessen Oberfläche stellenweise 
mit einer Rinde bedeckt erscheint, die der Rindenschicht der 
Kuttenberger Kugeln durchaus entspricht, einer chemischen Analyse 
unterzogen. Ich habe die üblichen Methoden angewendet und mit 
tunlichster Sorgfalt gearbeitet, so daß gröbere Fehler jedenfalls 
ausgeschlossen sind. Bloß der Gehalt an Tonerde und Eisenoxyd 
ist wohl als etwas zu niedrig anzunehmen, da infolge einer un- 
vollständigen Oxydation nicht der gesamte Eisengehalt ausgefällt 
wurde. Derselbe wurde zwar durch Titratiun mit ToTVo bestimmt, 
doch läßt sich diese Zahl zur Berechnung des Tonerdegehaltes 
aus der zu klein gefundenen Gesamtmenge von Al^O.^ + Fe^O.j 
natürlich nicht benutzen. Der verhältnismäßig hohe Mangangehalt 
verriet sich schon durch die intensive Färbung der beim Auf- 
schließen mit Alkalikarbonat o-haltenen Schmelze. 



74 

Ich setze hier des Vergleiches wegen neben die Resultate 
der von mir ausgeführten Analyse (1) die von Weinschenk für 
die von ihm untersuchte Glaskugel von Oberkaunitz gefundenen, 
bereits früher mitgeteilten Werte (II): 

I. II. 

SiO, 46-00«/o 45-67«/;, 

Al.O^ + Fe,(y, . . 6-20 „ 7-56 ,. i) 

MnO ...... 2-()0 „ 1-10 ,. 

CaO 27-00 „ 27-49 „ 

MgO 358 „ 2-60 „ 

Alkalien (Dilïerenz) 14-6 2 „ 15-58 „ 

lOÖ^OOVo loOOO'Vo 

Es ist selbstverständlich nur ein Zufall, daß die beiden Glas- 
flüsse eine so bedeutende Übereinstimmung in ihrer chemischen 
Zusammensetzung aufweisen. Da jedoch, wie ich bereits bemerkt 
habe, gröbere Analysenfehler ausgeschlossen sind, so kann diese 
Übereinstimmung nicht in Abrede gestellt werden. Für mich liegt 
in dieser Tatsache durchaus nichts Überraschendes, da ich von 
vornherein davon überzeugt wnr, daß ein Glas, welches l)esondere 
Zersetzungserscheinungen (Rindenbildnng) aufweist, auch eine chemi- 
sche Zusammensetzung besitzen wird, welche von der Zusammen- 
setzung „normaler" Gläser abweicht. Die Art der Zersetzung des 
betreffenden Glases wird natürlich auch von den auf dasselbe ein- 
wirkenden Agentien abhängen, so daß ähnlich zusammengesetzte alte 
Gläser nicht notwendigerweise dieselben Zersetzungserscheinungen 
zeigen müßen. Speziell die Rindenbildung scheint zumeist wesentlich 
mit einer Verminderung des Alkaligehaltes, einer relativen An- 
reicherung der Kieselsäure und Aufnahme von Wasser verbunden 
zu sein. Ich fand in der Rindensubstanz des untersuchten Glas- 
becherfragments 62-287o SÍO2, bezogen auf die ungeglühte Substanz; 
nach einviertelstündigem Glühen über der Gebläseflamme des 
ïeklubrenners färbte sich die gepulverte Rindensubstanz etwas 
rötlich und sinterte ein wenig zusammen, ohne zu schmelzen. 
Durch das Glühen erlitt sie einen Gewichtsverlust von 21-91Vo) 
ein Beweis, daß bei der Bildung der Zersetzungsrinde offenbar 
auch eine beträchtliche Wasseraufnahme stattfindet, denn um 



^) Zum Zwecke des Vergleiches aus Weinsclienks Angabeu berechnet. 



75 

andere flüchtige Substanzen kann es sich — geringe Mengen or- 
ganischer Stoffe ausgenommen — nicht wohl handeln. Die Rinde 
des bereits erwähnten, von Geuther analysierten römischen Glases 
erwies sich als völlig alkalifrei, enthielt dagegen 19'H^Yq 
Wasser, also fast so viel wie die von mir untersuchte Rinden- 
substanz; der Kieselsäuregehalt war hingegen geringer (48-8*^/o) 
als in der unveränderten Glasmasse (59-2",(jj. 

Es steht sonach unzweifelhaft fest, daß es künstliche Gläser 
gibt, welche einerseits genau dieselbe Rindenbildung zeigen wie 
die Kuttenberger Glaskugeln, anderseits eine ganz analoge chemische 
Zusammensetzung besitzen wie die Glasmasse der Kugeln von 
Oherkaunitz, Zum Überfluß kommen an den fragliclien Glaskugeln, 
wie Weinschenk selbst (Zentralbl. f Min. usw., 1911. S. 237) 
bemerkt, öfter Andeutungen von „Ansatzzapfen" vor, ein Merkmal, 
welches ihnen nicht von der Natur, sondern nur von der nrs 
vitraria aufgeprägt werden konnte. 

„Es sind der Rätsel zu viele," sagt Weinschenk im Hinblick 
auf die beträchtlichen Difi'erenzen zwischen den von ihm unter- 
suchten Glaskörpern. Diese Rätsel bestehen allerdings, aber nur 
so lange, als man alle diese Glaskugeln durchaus zu Tektiten 
machen will. Wie aus meinen Ausführungen hervorgeht, gibt es 
jedoch nicht einen einzigen triftigen Grund, der uns zwingen 
würde, den fraglichen Glaskugeln einen kosmischen Ursprung zu- 
zuschreiben, während sich anderseits gegen die Deutung derselben 
als künstliche Gläser kein stichhaltiger Einwand erheben läßt. 
Die Diskussion über Weinschenks ,.neue Typen der Moldavite'- 
kann also ohne weiters als abgeschlossen betrachtet werden. 



Eiiiií»e ältere illustrierte Druckwerke 
der mähriselien Laudesbibliotliek. 

ßescliriebeii vom Ijanflesbibliotlieksdirektm- Dr. Wilhelm Scliram. 



Um die Besucher unserer Bibliothek mit den älteren Bücher- 
schätzen, die in ihr aufbewahrt sind, besser bekannt zu machen, 
veranstalte ich im Frühjahr 11» 12 in unserem Ausstellungsräume 
eine Buchausstellung. Dieselbe wird eine Reihe von Inkunabeln, 
ferner eine große Zahl von in Böhmen, Mähren und Schlesien 
im 16. und 17. Jahrhundert gedruckten Büchern und endlich eine 
Auswahl von interessanten illustrierten Werken, die in dieser 
Zeit in anderen Ländern zur x^usgabc gelangten, dem Publikum 
vor Augen führen. — Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der 
Beschreibung der ausgewählten illustrierten Werke — e^ sind 
ihrer im ganzen 17 in 20 Bänden — und nimmt hierbei eben- 
sowohl auf die Bedürfnisse der Laien, als auf die Ans])rüche der 
gelehrten Kreise tunlichste Kücksicht. — Über unsere wenigen 
Inkunabeln habe ich schon in den Annalen des Franzensmuseums 
(Annales Musei Franciscei. MDCCCXOV. Brun.ie, MD( HJCXOVI, 
]). 131 — 151) einen Aufsatz })ubliziert. Über die böhmischen, 
mährischen und schlesischen Drucke, wird ebenso wie ich auch 
Herr Landesbibliothekar Dr. H. Jarník seinerzeit an geeigneter 
Stelle Bericht erstatten. 

Nr. 1 (Signatur: XIIL 7964). 
Officia M. T. C. Ein Buch, so Marcus Tullius (lie er o der Hömor 
zu seynem Sune Marco von den tugentsamen ämptern vnd zu- 
gehörungen eines wol vnd rechtlebenden Menschen in Latein 
geschrieben, Welchs auff begere Herren Johan sen von 
Schwartzenberg etc. verteutschet vnd vollends Durch ine 



77 

in zyerlicher Hocliteutsch gebracht mit vil Figuren vnnd 
Teutschen Reymen gemeynem nutz zu gut in Druck gegeben 
worden. (Gedruckt in der Kayserliclien Stat Augspurg durch 
Heynrichen Steyner. Vollendet am III. tag Augusti. Im 
MDXXXII. jnr. fol. 

Auf 8 Blätter Vorrede und Register folgt der eigentliche 
Text, der 91 Blätter umfaßt. Auf der Rückseite des Titelblattes 
ist, umgeben von 16 Wappenbildern, das prächtige Porträt des 
Joh. Freih. zu Schwarzenberg in Holzschnitt ausgeführt zu sehen. 
Oberhalb des Bildes stehen die Worte: Herrn Johansen freyherrn 
7Ai Schwartzenberg etc. pildnus, wie die seines alters bey fünfzig 
jaren Erstlich durch Albrechten Dürer abconterfest vnd zu disem 
nachtruck zu wegen bracht worden. Unterhalb des Porträts liest 
man: Starb Anno, etc. 28.^) seines Alters bey 64. jaren vnd ist 
nachgesetzt» schwartzen strichs zweyntzig lang gewesen. 

I IM 

Die Zahl der Holzschnitte beträgt 102. Sie werden dem 
Hans Burg m air zugeschrieben. Nur ein einziger Holzschnitt hat 
das Monogramm H. B. und stellt eine Versammlung von Gelehrten 
um einen Tisch vor. Ein zweites Blatt ist mit den Initialen H W 
bezeichnet. Es müssen also zwei Künstler an der Illustration teil- 
genommen haben. Man vergleiche hierüber G. K. Naglers Werk: 
Die Monogrammisten, IIL Bd., S. 252 f. 

Johann Freiherr zu Schwarzenberg und Hohenhindsberg, deui 
wir dieses Buch verdanken, wurde am 25. Dezember 1463 geboren 
und gehörte dem fränkischen Rittergeschlechte an, das mit den 
Markgrafen von Brandenburg und den Bischöfen von Würzburg in 
Lehensverbindung stand. Nach einer wildbewegten, kriegerischen 
Lebensführung wandte er sich später ernsten Studien zu und gal) 
zunächst wichtige juridische Werke heraus. Auch stellte er sich 
in die Reihe der Volksschriftsteller, welche die Laster der Zeit 
unnachsichtlich geißelten. Das „Büchle wider das Zutrinken", das 
Gedicht „Wider das Mordlaster des Rauhens" und das mit den 
Holzschnitten von Dürer und Schäuffelin geschmückte vortreffliche 



1) 1.528. 

2j Der Stricii ist in derselben Liing-e nachgebildet. Freih. v. Schwarzen- 
bers" war danach 1 nt und 92 cm hoch. 



78 

Volksbuch „Memorial der Jugend'' stiimmen aus seiner Feder. 
Auch vorliegende volkstümliche Übersetzung des (Jiceronschen 
Werkes über die Pflichten verdanken wir seiner Anregung und 
Mitwirkung. Da er nur seiner Muttersprache mächtig war, so ließ 
er sich Ciceros Schrift von seinem Hofkaplan Neuber wörtlich 
übersetzen und brachte dann das Ganze unter Hinzufügung von 
Keimen zu den einzelnen Abschnitten „in zierliches Hochteutsch". 
Über Schwarzenbergs Leben und Wirken unterrichtet eine inter- 
essante und zum T<ůl drastisch geschriebene Vorrede. Vgl. auch 
den betreffenden Artikel in der „Allg. deutschen Biographie", 
Bd. III, S. 305 f., wo die einschlägige I^/iteratur sorgfältig verzeichnet 
ist. Unser Druck ist nebst zwei anderen (die Frankenchronik des 
Joh. Trithemius in deutscher Sprache und die „Perkwerchs frey- 
heit in der GraÔ'schafft Glatz") dem Werke des Joh. Stum])f: 
.,Des grossen gemeinen Cociliums zu Costencz beschreybung" bei- 
gebunden. Unser, diese vier Werke umfassende Pergamentband ent- 
hält das Ex libris des Friedrich Grafen Sylva Tarouca. 

Nr. 2 (Signatur: XIII. 6318). 
(Petrarca). Das Glückbuch, Beydes dess Guten und Bösen, darinn 
leere vnd trost, wess sich menigklich hierin halten soll. Durch 
Franciscuui Petrarchani vor im latein beschriben vnd yetz 
grüntlich vcrteutscht, mit schönen Figuren. Concordantzen. 
Getruckt zu Augspurg durch Heynrich Steyner. Im lar. 
M.D. XXXIX. Fol. 1 Bd. 

Die Übersetzung dieses aus 2 Büchern bestehenden Werkes 
besorgte, wie wir der Vorrede entnehmen, ein gewisser Stephanus 
Vigilius, der das erste Buch dem Augsburger Bürger Martin 
Weyss, ., seinem geliebten Herrn und Patron", das zweite dem 
Fürsten Azo, Herzog zu Ferrer, ,, seinem gnädigsten Herrn" zu- 
eignete. In jedem Kapitel sind lateinische und entsprechende 
deutsche Verse hinzugefügt, die des Vigilius getreuer Präzeptor, 
Johann Pinitian verfaßte. Die vielen und schönen Holzschnitte (258) 
dieses Glücksbuches dürften von Hans Burgmair dem Jüngeren 
herrühren. Die erste deutsche Ausgabe des Werkes erschien 1532 
(gleichfalls bei H. Steiner in Augsburg). In unser Exemplar ist 
ein gednuîkter Zettel eingeklebt, auf dem die Worte stehen: Ex: 
Bibliotheca (îonventus Leucensis ad S. S. Nicolaos Ord. Erem. 



79 

S. P. Augustini. Wie wir aus einer darunterstelienden handschrift- 
lichen Notiz erfahren, wurde nach Aufhebung dieses Klosters 
(Lukahaus, unweit (xüns in Ungarn) unser Buch von dem Oden- 
burger Kunstmaler und Zeichenmeister Jos. Ehringer im Jahre 
1820 bei einer Lizitation erstanden. 

Nr. 8 (Signatur: XIL 804). 
(Bibel). Die Proheten alle Deudsch. D. Mar. Luth. Wittemberg. 
(Fol. I — CLII, davor vier Btt Vorrede ohne Bezeichnung). 
Apocrypha, Das sind Buecher, so der heiligen Schrifft nicht 
gleich gehalten, vnd doch nützlich vnd gut zu lesen sind. 
I. ludith. II. Sapientia. III. Tobias. IUI. Syrach. V. Baruch. 
VI. Maccabeorum. VII. Stuecke in Esther. VIII. Stuecke in 
Daniel. D. Mar. Luther, Wittemberg. (Fol. CLXIII^CCLX). 
Das New Testament. D. Mart. Luth. Wittemberg. MDXL. 
(F. I — CXCL), dann noch ein unsigniertes. nur vorn be- 
drucktes Blatt mit der Aufschrift: Dem christlichen Leser. 
Am Schlüsse: Gedruckt zu Wittemberg, Durch Hans Ijufft, 
Anno MDXL. 

Das Buch mit den schönen Holzschnitten des Lucas Cranach 
geziert, stammt aus dem Besitze des bekannten mährischen Mäze- 
naten Friedrich Grafen Sylva Tarouca, dessen Bücherzeichen auf 
der Innenseite des oberen Deckels eingeklebt ist. 

Diese prächtige und seltene Bibel ist, wie oben angegeben, 
von dem berühmten „Bibeldrucker" Hans Lufft gedruckt, bei 
dem Luther seit 1580 fast seine sämtlichen wichtigeren Werke 
drucken ließ. 

Nr. 4 (Signatur: XII. 804). 
Hiblia: das ist: die gantze Heilige Schrillt, Deudsch, Aufis new 
zugericht. D. Mart. Ijuth. Begnadet mit Kuerfurstlicher zu 
Sachsen freiheit. Gedruckt durch Hans Lufft, zu Wittemberg. 
MDXLI. Fol. 1 Bd. 

Dieses Buch ist genau wie das vorhergehende Werk aus- 
gestattet, bringt den Wortlaut des von Herzog zu Sachsen Johann 
Friedrich im Jahre 1584 verliehene Privilegium, eine Vorrede von 
vier Blättern und dann die ersten 19 Bücher des alten Testaments, 
schließt somit mit dem Hohen Lied Salomonis (F. 1. — CCCCVII). 



80 

Auch in diesem Bande finden wir das Bücherzeichen des Friedrich 
Grafen Sylva Tarouca. 

Nr. 5 (Signatur: XII. 805). 

Biblia: Das ist: Die gantze heilige Schrifift: Deudsch. Doct. Mari 
Luth. Begnadet mit Kurfürstlicher zu Sachsen Freiheit. 
Wittemberg. Gedruckt durch Hans Lufft, 1562. Fol. 2 Bände. 

Die Holzschnitte (andere Bilder, als früher) stammen in 
dieser Ausgabe nicht von (Jranach, sondern von dem Meister f-ß 
der sie in den Jahren 1549 und 1550 verfertigt hat. Die Blätter 
sind mit arabischen Ziffern bezeichnet, während in der Ausgabe von 
1540, respektive 1541 nur Bezeichnungen mit römischen Zahlzeichen 
vorkommen. Auf dem Titelblatt ist ein Kruzifix abgebildet, links 
davon der Kurfürst Johann Friedrich kniend und betend, rechts 
in derselben Haltung Luther selbst. Es ist dies eine Art Buch- 
druckerzeichen, das Lufi't statt des gewöhnlichen (mit den nach 
unten gewendeten Schlangen) auf den Postillen, den letzten Bibeln 
und Neuen Testamenten anzuwenden ptiegte. Unser Exemplar ist 
mit dem Ex libris des Grafen Tarouca versehen. 

Vgl. über Lufft und seine Bibeldrucke den betreffenden 
Artikel in der „Allg. deutschen Biographie" (19. Bd.j und Graesses 
trésor des livres rares, der übrigens unsere Biliel vom Jahre 1562 
nicht erwähnt. 

Nr. 6 (Signatur: V. 7963j. 
Stumpf Joh. Gemeiner loblicher Eydgenossenschaft Steffen Landen 
und Völckeren chronikwirdiger Thaatenbeschreibung. Zürich, 
Froschouer 1548. Fol. IL Band. 

Die Schweizerchronik des Johannes Stum])f ist eine vor- 
treffliche Arbeit und blieb daher auch bis zum Anfang des 18. Jahr- 
hunderts^) das Hauptwerk, aus dem man eine eingehende Kenntnis 
der Schweiz und ihrer Geschichte schöpfen konnte. Mit vorzüg- 
lichen Holzschnitten geschmückt, die besonders Städteansichten, 
kriegerische und friedliche Vorgänge, Wappen und Bildnisse dar- 
stellen, ist diese Chronik auch in typographischer und künstlerischer 
Hinsicht eine höchst beachtenswerte Leistung. Christoph Froschauer 



') Tsclmdis berühmte Helvetische Clironik. die nur bis 1470 reicht, 
wurde erst 1734—1736 o-edruckt. 



81 

(Froschover) ist der erste Buchdrucker der Stadt Zürich. Außer 
dieser Chronik lieferte er besonders zahlreiche Bibeldrucke, welche 
sich durch Schönheit und Korrektheit auszeichneten. Wir kennen 
von ihm gegen 30 Ausgaben der ganzen Bibel, die in den Jahren 
1524 — 1564 in deutscher, lateinischer und englischer Sprache in 
Groß-Folio bis Duodez erschienen. Was den vorliegenden zweiten 
Band seiner Chronik anbelangt — wir l)esitzen leider bloß diesen — , 
so enthält er Buch 5 — 13, welche der to})ographischen Beschreibung 
und (leschichte der einzelnen Gaue gewidmet sind und mit einer 
allgemeinen Geschichte der Eidgenossenschaft vom Jahre 1314 bis 
auf des Verfassers Zeit ihr Ende finden. Das siebente Buch handelt 
von dem Aargau (Aergow) und bringt auf fol. 212 und 213 
„Genealogy oder Geburtbaum der edlen Fürsten von Oesterreich 
des geschlächts von Habspurg'* und „Waapen der f ürnemsten Keisern, 
Künigen vnd personen, durch die dises geschlächt an eeren vnd 
guot erhoecht ist". 

Nr. 7 (Signatur: XIII. 7497). 

Schrot Martin. Wappenbuch des Heiligen Roemischen Beichs vnd 
allgemainer Christenheit in Europa. Getruckt in der fürst- 
lichen Statt München bey Adam Berg. MDLXXXI. Fol. 1 Bd. 

Das Buch beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, dem sich 
ein „Farb-Register" (wie ein jeder Wappen nach seiner rechten 
Färb und Freyheit sol eingetheilt werden) anschließt. An Wappen 
sind in Holzschnitt re])roduziert: das Wappen des h. röm. Reichs, 
die Wappen der 7 Kurfürsten, der Stände des h. röm. Reichs, 
die Wappen der Eidgenossenschaft und der ihr zugewandten Stätte, 
die Wappen der Universitäten und hohen Schulen, der König- 
reiche Dänemark, Schweden, England, Spanien, Frankreich, Italien, 
Polen usw., die Wappen der Kardinäle usw. Überall wird auf die 
geistlichen Wappen das Hauptgewicht gelegt. Der Text ist sehr 
mangelhaft und spärlich und besteht zum großen Teile aus recht 
ungenießbaren deutschen und lateinischen Gedichten. Von den 
Wap])en, die unsere Monarchie betreffen, finden sich unter anderem 
folgende abgebildet: Königreich Böhmen (Fol. 10), Bosnien, Dal- 
matien, Slavonien, Kroatien, Siebenbürgen, Kärnten, Krain, Steier- 
mark, Mähren (Fol. 18 und 19), die Wappen der ungarischen Bis- 
tümer (Fol. 21, 22), der Bistümer „im Königreich Beham vnd 

Zeitschrift des ]M;il]r. Landesmusciiins. XU, 1. (J 



82 

Osterreich", darunter B. Prag. B. Wien, B. Olmütz und das 
Wappen .,Zun Schotten in Wien" (Fol. 23 und 24), die Wai)i)en 
der schlesischen Fürstentümer Lignitz, Briga, Münsterberg, Tescha, 
Troppa und Glatz, die Wappen des Erzbistums Salzburg und der 
ihm unterstehenden Bistümer, das Wappen der „Teutschmaister" 
(Fol. 36), das Wappen der Grafen von Salm (Fol. 70), des Mark- 
graftums „Merhern" (Fol. 70), der Grafen von Tirol (Fol. 73), 
der 4 Ritter von Osterreich: Wolfardt, Vngnad, Stalberg, Meron 
(Fol. 81), der 4 Edelknechte von Osterreich: Wallsee, Hohenheim. 
Liechtenstein^ Rechberg (Fol. 83), der 4 Bauern des Reichs, dar- 
unter Salzburg (Fol. 89), das Wappen der freien Reichsstadt Eger 
(Fol. 98) mit den Versen: 

Eger auch gleich ein Reichsatt war. 
Welch Keyser Ludwig versetzet gar 
Umb 40 tausend Marck Silber fein 
Der Krön Beham zu ]ifand hinein. 

Von den Wappen der Universitäten') seien die der Präger, 
Wiener und Krakauer Hochschule erwähnt. Unter den Abbildungen 
stehen erläuternde lateinische Verse (Fol, 122, 148. 155). 

Der Verfasser des Buches, Martin Schrot, war ein prote- 
stantischer Tendenzdichter und hervorragendes Mitglied der Augs- 
burger Meistersängerschule. Sein Tod dürfte kurz vor 1576 erfolgt 
sein. An den religiösen Streitigkeiten beteiligte er sich nur lůs 
1552 und so konnte es geschehen, daß er sich am Ende seines 
Lebens mit dem Wai)penbuch beschäftigte, das als bestellte Lohn- 
arbeit sogar die geistlichen Wappen in den Vordergrund treten 
läßt. Vgl. über sein Leben und seine Werke Roethes Aufsatz in 
der „Allg. deutschen Biogra))hie'- (Bd. 32, S. 556-558). 

Unser Exemplar mit alter schöner Lederpressung enthält auf 
der Oberseite des vorderen Deckels den Ausspruch: Domiuus 
mutat regna und darunter das bayrische Wappen. 

Nr. 8 (Signatur: XII. 2552). 
(Josephus). Flauij Jose])hi, des Hochberühmten Jüdischen Ge- 
schichtsschreibers, Historien und Bücher: Von alten Jüdischen 
Geschichten zwentzig, sambt eynem von seinem Leben: Vom 

1) Ein geschlossenes lîuch bildet fast bei allen rniversitätswappen den 
Hauptbestandteil. 



83 

Jüdischen Krieg, vnd der Statt Jerusalem, vnd des gantzeu 
Lands Zerstörung, siben: Von den Juden altem Herkommen 
wider Apionem Grammaticum, zwei: Von Meysterschafft der 
Vernunfft, vnd der Machäbeer Marter, eyns. Alles auß 
dem Griechischen Exemplar, sammt aller Bücher vnd 
( îapitel Summarischer Innhalt, mit höchstem Fleiß von newem 
verteutscht vnnd zugerichtet, darzu mit biblischen Concor- 
dantzen, Jarrechnung, ordentlichem Register, vnd schönen 
Figuren, deßgleichen vorhin im Truck nie außgangen, gezieret 
Mit Römischer Keys. Majestät vnd Ohurfürstlicher 
zu Sachsen, Gnad vnd freiheyt. Auf der Rückseite des 
letzten Blattes: Getruckt zu Strassburg, durch Theodosium 
Rihel. M.D.LXXXI. Fol. 1 Bd. 

Beigebunden: Egesippi, des Hochberühmten Fürtretflichen Christ- 
lichen Geschichtschreibers, fünff Bücher: Vom Jüdischen 
Krieg, vnd endlicher der Herrlichen vnd gewaltigen Statt 
Jerusalem. Jetz nemlich auß dem Latein auffs trew- 
lichest verteutschet, mit kurzen Summarien aller vnnd 
jeder Bücher vnd Capitel, auch ordentlicher Jahrrechnung 
gezieret, vnd mit Concordantzen beydes autf die Heylige 
bibel vnd vnsern newen Teutschen Josephum gerichtet. 
Sammt eynem nützlichen Register vnd schönen Figuren. 
Mit Römischem Keys. Malest, freiheyt. Auf der Rückseite 
des letzten Blattes: Getruckt zu Strassburg durch Theodosium 
RiheL MDLXXXL Fol. 

Beide Werke sind von Konr;id Lautenbach übersetzt, der 
1534 zu Mutislar in Thüringen geboren, als Theolog, lateinischer 
und deutscher Dichter hervorragte und am 18. April 1595 als 
Prediger der Katharinenkirche zu Frankfurt starb. Die Übersetzung 
verfaßte er zu Hunkweiler (Hunaweiler), einem württembergischen 
Orte des Oberelsasses. Das erstgenannte Werk hat eine Vorrede 
vom Jahre 1574 mit der AVidmung für den Grafen Fridrich zu 
Wirtemberg, das zweite eine solche vom Jahre 1575 mit der 
Widmung an den Bürgermeister und Rat zu Reichenweiler. Das 
dem Hegesippus (Egesippus) zugeschriebene Werk, welches Lauten- 
bach übersetzte, ist nichts anderes, als eine lateinische Bearbeitung*) 



^) Dieselbe wui-de im Jabre 1864 zu Marburg vou Wehcr-Caesar heraus- 
gegeben. 



84 

aus dem 4. -iahrhundert v. Chr. unter dem aus Josephus durch 
Entstellung entstandenem Namen Egesippus. Die liübschen Holz- 
schnitte der beiden Drucke stammen von den Meistern F. und (J. 
Stimmer und C. v. Sichem. ((^^ (S^, bisweilen unter Hin- 
zufügung des Schneidemesserchens.) Zwischen dem Druckort und 
der Jahreszahl hat der Buchdrucker sein reich geschmücktes Drucker- 
zeichen eingefügt. Zwei Bücherzeichen schmücken das Buch, das 
jüngere ist das des Grafen Tarouca, das ältere zeigt im Wapj)en 
und Kleinod einen aufsteigenden Widder. Der Pergamenteinband 
mit reichen ornamentalen und iiguralen Verzierungen, stammt aus 
dem Jahre 1580. 

Nr. 9 (Signatur: XIII. 68'Jl). 

Eoo, Gerardiis de. Annales rerum belli domique ab Austriacis 
Habspurgicae gentis principibus à Kudolpho primo usque ad 
(^arolum V. gestarum. Oeniponti. Excudebat Joannes Agri- 
cola. ]\[DXCII. Fol. 1 Band. 

Dieses prächtige Werk wurde von dem Niederländer Gerhard 
van R,oo ('j- ca. 1590), Bibliothekar des Erzherzogs Ferdinand von 
Tirol, verfaßt, der es jedoch nicht mehr vollenden konnte. Sein 
Freund ( -onrad Decius von Weidenberg gab es mit pjeihilf e Anderer 
(Justin Moser, Anton Clösel, Friedrich Altstetter und Gottfried 
Zott von Perneck) ergänzt und berichtigt im Jahre 1592 zu Inns- 
bruck heraus. Gedruckt wurde unser Buch von Joh. Agricola 
(Bauer) in nicht mehr als 100 Exemplaren^), daher es jetzt zu 
den größten Seltenheiten gehört. Einen besonderen Schmuck 
bilden der abgebildete Stammbaum des Hauses Osterreich und (auf 
sechs Blättern) 48 Wappenbilder derjenigen Provinzen, Herr- 
schaften, Grafschaften, Herzogtümer und Königreiche, die im Laufe 
der Zeit an das genannte Herrscherhaus gelangt sind. Alle Bilder 
sind prächtig und sorgfältig koloriert. Unter jedem Wappen steht 
ein vierzeiliger entsprechender Vers. 

Unter dem mährischen Wappen (ein einkö])figer, von Silber 
und Rot geschachter Adler im blauen Felde) stehen folgende 
Zeilen : 



\) Nacli .Töcbers Gelehrtenlexikon III. Teil, 8p. 1211. Andere bestfeiten 
die Richtio-keit dieser Angabe. 



85 

(^)iiod vitae suciam sibi iunxit E,egis Elyssani 
Albertus, largas contulit Austriae opes. 
Albis erit testis, testis quoque florida terra, 
Cuius nunc JVIoraui pinguia ])rata colunt, 

Nr. 10 (Signatur: V. 7479). 
8chreulíiiis a Notzing., Jacobus. Augustissimorum Inii)eratorum, 
Sercnissiniorum Regum atque Archiducum, Illustrissinioriim 
Principům necnun ( 'oraitum, Baronům etc. verissiraae imagines 
et rerum ab ipsis domi ťorisque gestarum succinctae de- 
scriptiones; ([uorum arma a Ferdinandu Archiduce Austriae 
partim conquisita, partim ab illorum haeredibus transmissa 
in Ambrosianae arcis Aruiamentario conspiciuntur. Oeniponti, 
Joannes Agricola 1601. Gr. Fol. 

Dieses berühmte und seltene Prachtwerk enthält in unserem 
Exemplare V) sechs Blatt Text als Einleitung und 121 Kupfer- 
tafeln. Das Titelbild zeigt uns in reichster Verzierung mit alle- 
gorischen Figuren den Erzherzog Ferdinand von Tirol, während 
die übrigen Kupferstiche die Bildnisse der hervorragendsten Fürsten 
und Feldherrn, von denen die Leibrüstungen und AV äffen in Ambras 
bewahrt wurden, mit genauer Wiedergabe dieser, zur Darstellung 
bringen. Die Kupfer sind von Dom. Custos nach den Zeichnungen 
.). A. Fontanas trefflich gestochen. Während die Porträts reiche 
architektonische Umrahmungen aufweisen, ist der auf der Rück- 
seite befindliche Text von interessanten Holzschnittbordüren um- 
rahmt. Am Fußgestelle der Bildnisse sieht man Schrifttafeln für 
Gedichte, von denen jedoch nur wenige ausgefüllt sind. 

Von den bei Schrenk abgebildeten Rüstungen fehlen der 
gegenwärtig im Wiener Kunsthistorischen Hofinuseum befindlichen 
Sammlung 23, nämlich die Ludwigs IL, Königs von Ungaru und 
Böhmen, nach Frankreich gebrachte Stücke und 13. die wahr- 
scheinlich niemals in der Sammlung waren, wie z. B. die Rüstung 
des Johann Ziška. In unseren Exemplare fehlen vier Kupfertafeln, 
darunter das Porträt des Feldherrn Karl Freiherrn von Zierotin 
(geb. 1509, t 1560)^). 

^) Welches von Holienembs durch die Urätin Walpmga Tiuchsess iiach 
Kiinewald und später dm-ch ihren Erben Schindler in unsere Bibliothek gelangte. 

-) Es gelang mir zum (xlück, im .lahrc 1905 letztgenanntes Blatt auf 
ant.i(]uarischem Wege um 3 K 60 h zu erwerben. (Gegenwärtig ist es der Porträt- 
sammlung der Landesbililiothck einverleibt. 



86 

Im Jahre 1603 kam durch Engelbrecht Noyse von Campen- 
houten eine deutsche Übersetzung unseres Prachtwerkes mit den- 
selben Kupfern heraus. Einige BLätter dieser deutschen Übersetzung 
enthält das lateinische Werk des Schrenk, welches die Bibliothek 
der Matice moravská besitzt. Im Jahre 1735 erschien bei David 
Köhler zu Nürnberg eine etwas umgearbeitete Auflage in 4^, welche 
gute Kopien der Tafeln enthalten soll. 

Vgl. Primisser, die iimbrasersammlung (Wien, 1819), Sacken, 
Ed. Freiherr v., die k. k. Ambraser Sammlung (Wien, 1825), Graesse, 
Tresor de livres rares et précieux (6. Band) und den 565. Lager- 
katalog des Frankfurter Antiquariats Jos. Baer & Co. (1909), in 
welchem ein ganz vollständiges Exemplar des Schrenkschen AVerkes 
(1601) um 300 Mark angeboten wird. 

Nr. 11 (Signatur: IV. 7920). 
Strada a Kosberg. De vitis Imperatorvm et Caesarvm Romanorvm, 
tam occidentalivm qvam orientalivm, nee non vxorvm et 
liberorvm eorvm, item tyrannorvm omnivm. qvi diuersis tem- 
poribvs Romanům Imperium attentare et occupare conati 
sunt, inde a C. Ivlio Caesare, prinio Monarcha, vsque ad 
D. N. Imperatorem Oaesarem Matthiam, vna cum eorvm 
eifigiebus et symbolis. Frankofvrti ad M(»envm. Impriraebat 
Johannes Bringer vs, MDCXV. Fol., 1 Band. 

Dieses für Numismatiker wichtige Werk, das mit 531 zart 
ausgeführten Münzabbildungen geziert ist, wurde von dem römischen 
Bürger und Hofantiquarius des Kaisers Rudolf, Octavius de Strada 
a'Rosberg, verfaßt und von dessen gleichnamigem Sohne veröfi'ent- 
licht. Der Verfasser ist der Sohn des aus Mantua gebürtigen 
Anti(|uarius Jacob de Strada, welcher in der Mitte des 16. Jahr- 
hunderts lebte und Epitomen thesauri atiquitatum schrieb, worin 
er die Geschichte der Kaiser von .Julius Caesar bis auf Karl den 
Großen aus alten Münzen erläuterte, die er in der kaiserlichen 
Bibliothek zu Wien in 10 Bänden mit unendlichem Fleiße ab- 
gezeichnet hatte. Vgl. Jöchers Gelehrtenlex. IV. Bd., Sp. 854. 
Unser Exemplar ist mit dem einen riesigen Bibliothekssaal dar- 
stellenden Bücherzeichen des berühmten Büchersamnders Z a char i as 
Konrad von Uffenbach (geb. 1683 in Frankfurt a. M., f eben- 
daselbst 1734) versehen. UÖenbach (eig. Ofi'enbach) brachte mit 



87 

der Zeit eine Bibliothek von mehr als 12.000 gedruckten Bänden, 
ferner eine Handschriftensammlung von 2000 Bänden und 20.000 
Briefe zusammen. Seine sehr wertvolle Francofurtensien-Sauimlung 
befindet sich jetzt im Stadtarchiv seines Geburtsortes, während die 
von ihm gesammelten hebräischen Handschriften und zirka 20.000 
Briefe heute im Besitze der Stadt Hamburg sind. 

Vgl. Jöchers Gelehrtenlex. (IV. 1562), ferner Allg. deutsche 
Biographie (Aufsatz des R. Jung im 39. Bde., S. 135 — 137) und 
Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Neue Folge Bd. I., 
S. 335 ft'. (Verzeichnis der Francofurtensia, verfaßt von Kelcher). 

Nr. 12 (Signatur: V. 8449). 
Tig'iiola, Giacomo Barozzi da. llegola delli cinque ordini d'archi- 
tettura. Siena, 1635. Fol. mit 45 Kupfertafeln. 

Die erste Ausgabe erschien 1563 zu Rom; dann wurden Neu- 
drucke im Jahre 1570, 1582 und 1596 zu Venedig veranstaltet, 
unsere Edition erschien zu gleicher Zeit auch in französischer, 
deutscher und holländischer Übersetzung. Das Titelblatt zeigt in 
reicher Umrahmung das Porträt des Autors. 

Giacomo Barozzi da Vignola, geboren 1. Oktober 1507 in 
Vignola bei Modena, gestorben 7. Juli 1573 in Rom, war als 
Architekt der katholischen Reformzeit, Archäolog und Schrift- 
steller ein Mann von hoher Bedeutung. Unter Papst Julius III. nach 
Rom berufen, wurde er nach Michelangelos Tode 1564 Architekt der 
Peterskirche. Seine Kunstweise war, namentlich innerhalb des 
Jesuitenordens, lange Zeit hindurch maßgebend. Das vorliegende 
Werk über die fünf Säulenordnungen galt als architektonisches 
Kanon. 

Nr. 13 (Signatur: V. 7150). 
Sandrart, Joachim von. Der teutschen Academie zweyter und 
letzter Haujjt-Theil, von der edlen Bau-, Bild- und Mahlerey- 
Künste. Nürnberg, 1679. Gedruckt durch Christian Sigismund 
Froberger, in Verlegung des Authoris, zu finden in Franckfurt 
bey Michael und Johann Friedrich Endter und Johann von 
Sandrart. Fol. 1 Bd. 

Dieser zweite Teil der berühmten Sandrartschen ,. teutschen 
Academie", welche noch heute eine unentbehrliche Quelle für die 



88 

Kunstgeschichte ist, besteht aus drei Büchern. Das erste Buch han- 
delt von der Baukunst und enthält 57 Kupfertafeln (Abbildungen 
von Gräbern, Tempeln, Triumphbogen, Bildsäulen, Pyramiden, 
Kirchen, Palästen, Lusthäusern, Fontänen usw.), meist gezeichnet 
von Joachim von Sandrart, gestochen von seinem Großnefien Job. 
Jakol) Sandrart, von Job. Meyer, Johann Frank, von Susanna 
von Sandrart). Das letzte Blatt zeigt uns das Kloster der Bene- 
diktiner in Lambach und das Gut Stockau i bei -Ingolstadt), das 
dem Joachim v. Sandrart durch seine erste Frau Johanna v. Milkau 
als Eigentum zugefallen war. Am Ende ist auf einem grolien 
Doppelblatt ein Plan der Stadt llom aus dem Jahre 1677 hinzu- 
gefügt. Das zweite Buch beschäftigt sich zunächst mit der Skulptur. 
Zur Erläuterung des Textes dienen 57 von Joahim v, Sandrart 
gezeichnete und von Kichard Collin, ( J. G. Amling. J. J. Thour- 
neyser, J. A. Baener, Waldreich, J. Franck, G. C. Eimmärt und 
Job. Jakob Sandrart gestochene Blätter. Am meisten interessieren 
uns hier die Purträtbüsten der ersten zwölf römischen Kaiser. 
Den Schluß bildet eine Beschreibung der „Kunst- und Schatz- 
kammern hoher Potentaten, Churfürsten und Herren'" (Fol. 71—91). 
Das dritte Buch endlich „von der Pictura oder Mahler-Kunst" 
enthält Kunstregeln, spricht von der notwendigen Beschaffenheit 
der Bilder, von d(ir Mischung und dem Gebrauch der Farben, 
gibt eine Anleitung zur Landschaftsmalerei, l)erichtet über Porträts 
berühmter Personen des Altertums und widmet ein längeres Ka- 
])itel den Malern der neueren Zeit. Daran schließt sich (Fol. 87 — 92) 
eine Abhandlung „von unterschiedlichen antiijuischen oder uralten 
Gefäßen, Gebäuden, Puinen, Hörnern u. a. d.", die meisten Kupfern 
stammen von R. Collin, einige von 0. Meyer und G. G Eimmert. 
Auf drei Blättern sind 18 Malerbildnisse, gezeichnet von Joachim 
von Sandrart, schön gestochen von seinem Schüler Richard (Jollin 
(geboren 1626 zu Luxemburg, besonders in Antwerpen und Brüssel 
tätig) zu sehen. 

Nr. 14 (Signatur: IV. 5522). 
Taveriiier Job. Ba])t., Freih. v. Aubonne, Vierzig-Jährige Reise- 
Beschreibung, worinnen dessen durch Türkey, Persien, Indien 
und noch mehr andere üerter höchst-loblichst-vollbrachte 
sechsmalige Reise, benebenst der eigentlichen und wahren Be- 
schaffenheit selbiger mächtigen KönigreicheReligion, Regiment, 



89 

der Iniiwolmer Natur, Sitten und Gewonheit, Handel und 
Gewerb; ingleichen der aida gangbaren Münze, Maß, Ge- 
wicht und deren Werth ausführlichst verzeichnet, auch durch 
accurate Kupfer auf das genaueste abgebildet. Aus dem 
Französischen in das Teutsche treulichst übergetragen und 
zum Druck befördert durch J. Menudier, deü Hochstfürstl. 
"Bayreuth. Collegii Christian-Ernestini Prof. Publ. Nürnberg, 
In Verlegung Johann Hoflmauns, Buch- und Kunsthändlers, 
daselbst gedruckt hej Andreas Knorzen, im Jahr Christi 
MDOLXXXI. Fol. ?. Teile in 1 Bd. 

Der bekannte Reisende Job. Bapt. Tavernier wurde im Jahre 
1605 zu Paris als der Sohn des Geographen Gabriel Tavernier 
geboren und starb zu Moskau im Jahre 1689. Er sammelte auf 
seinen Reisen ungeheure Reichtümer und wurde im Jahre 1669 
von Ludwig XIV.; an den er um o Millionen Franks Edelsteine 
verkaufte, geadelt. Im nächsten Jahre wurde er in der Schweiz 
(im Kanton de Vaud) Freiherr von Aubonne. Nach Abschluß 
seiner Reise beteiligte er sich an großen Handelsunteruehmungen, 
kam aber durch einen betrügerischen Xetfen um sein Vermögen. 
Unter seinen Ijeliebten und noch heute in Frankreich geschätzten 
Reisebeschreibungen ist vor allem zu nennen: „Ijcs six voyages 
de Jean-Baptiste Ta,vernier en Tur(|uie, en Perse et aux Indes." 
Das Buch erschien 1676 zu Paris und erlebte viele Auflagen und 
Übersetzungen, unter welch letzteren die vorliegende deutsche^) 
im Jahre 1681 in Nürnberg erschien. Während das Originalwerk 
in 12^ und 4*^ ausgegeben wurde, ist die deutsche [Tbertragung 
in Folio erschienen. Die zur Erläuterung hinzugefügten Kupfer- 
stiche (von J. Jakob Schellenberger usw.) sind recht mittelmäßig; 
hingegen ist das dem Text vorangehende Porträt des berühmten 
Reisenden, im Jahre 1679 von Job. Heinzelmann nach dem Leben 
gezeichnet und gestochen, ein prächtiges Blatt. Unser Exemplar 
ist mit dem Ex libris des Friedrich Grafen Sylva Tarouca ver- 
sehen. Vgl. insbesondere Graesse, Trésor des livres rares et }»r(''- 
cieux. 6. Bd., S. 42 f. und Jöchers Gelehrten-Lexikon, I.Teil, S]). 
1024 und Sp. 1025. 

^) Sie stammt aus der Feder des französisclien Sprachmeisters Joliannes 
Menudier, der zwischen 167.3 und 1690 am ausbacbisclien Hofe lebte. 



90 

Nr. 15 (Signatur: Y. 7151). 

Sandrart à Stockav, Joachim de. Academia nobilissimae artis 
pictoriae. Noribergae, Literis Christiani Sigismundi Frobergii, 
sumtibus autoris. Francofurti apud Michaelis ac Johan. 
Friderici Endterorum haeredes et Johan, de Sandra(rt). Anno 
MDCLXXXIII. Fol. 1 Vol. 

Hinter dem Haupttitel befindet sich das prächtige Porträt 
des Autors, zu Brüssel von R. Oollin 1679 gestochen, der damals 
schon königlich-spanischer Hofkupferstecher war; dann folgt die 
Dedikation (das Buch wurde der Republik Venedig gewidmet). Der 
erste Teil handelt von der Malerei und ihren verschiedenen Re- 
quisiten. Der zweite Teil enthält drei Bücher. Das erste Buch 
beschäftigt sich mit den berühmtesten Malern des Alterturas, das 
zweite mit den neueren italienischen Malern, das dritte mit den 
deutschen, belgischen, französischen, englischen und sonstigen 
Malern^). Die Porträts dieser Künstler (mehr als 200) sind nach 
Zeichnungen des Joachim von Sandrart von verschiedenen guten 
Stechern gestochen. Wir nennen Joachims Neffen Jacob v. Sand- 
rart, den Großneffen Joh. Jacob v. Sandrart, Philipp Kilián, 
G. C. Eimmart, Bart. Kilián, R. Collin, Waldtreich, G. A. Wolf- 
gang, Leonhard Heckenauer. Den Schluß unseres Werkes nimmt 
eine 16 Seiten lange Biographie des Joachim von Sandrart ein,.^^ 
die von seinen Verwandten und Schülern kompiliert wurden. — Sie 
zählt auch die meisten Arbeiten des Meisters auf. 

Nr. 16 (Signatur: IV. 3793). 

Hohberg, Wolff Helmard Freiherr von. Georgica curiosa aucta. 
Das ist umständlicher Bericht und klarer Unterricht von dem 
adeligen Land- und Feldleben, auf alle in Teutschland übliche 
Land- und Haus-Wirtschaiften gerichtet, hin und wieder mit 
vielen untermengten raren Erfindungen und Experimenten 
versehen, einer mercklichen Anzahl schöner Kupfer geziert 
und in zweyen absonderlichen Theilen, deren jeder in sechs 
Büchern besteht, vorgestellet. Nürnberg bei Endters Erben, 
1687. Fol. 2 Bde. 



^) Daneben finden wir auch Biographien und Bildnisse von Kupfer- 
stechern, Goklschmieden, Bildhauern und Baumeistern. 



91 

Dieses Werk, welches zuerst im Jahre 1682 erschien und 
mehrere Auflagen erlebte (die vierte Auflage 1716 in drei Teilen), 
ist in kameralistisch- ökonomischer, landwirtschaftlich -technischer 
und historisch-politischer Richtung eine bedeutsame und wichtige 
Schöptung, die in Osterreich und Deutschland mit größtem Beifall 
aufgenommen wurde. Der erste Teil der Georgica behandelt die 
Einrichtung der Landgüter, die Verwaltung der damit verbundenen 
Realitäten und Gefälle wie der technischen Nebengewerbe, die 
gesamte Hauswirtschaft, den Wein- und Gartenbau. Im zweiten 
Teile beschäftigt sich der Autor mit dem Feldbau, der Wiesen- 
und Weidenkultur, der Viehzucht, Bienenzucht, Fischzucht, Jagd 
und anderen in die Wirtschaft einschlägigen Dingen. Das aus- 
gezeichnete Werk bringt reiches Material für die Geschichte der 
österreichischen Landwirtschaft, worauf hier mit Nachdruck auf- 
merksam gemacht wird. Hunderte von Kupferstichen veranschau- 
lichen und beleben den Text. — Beide Bände sind den Ständen 
der Erzherzogtümer Unter und Ob der Enns gewidmet. Darauf 
deuten auch die beiden Wappen hin, welche auf dem schönen 
Titelbilde (gezeichnet von Dan. à Neuberg, gestochen von dem 
bekannten Augsburger Kupferstecher Matth. Küsel) zu sehen sind. 

Nun einiges über den Autor des Werkes. AVolfgang' Heirahard 
Freiherr von Hohberg wurde am 20. Oktober 1612 zu Ober- 
Thumritz (nach (jroedekes Grundriii zur Geschichte der deutschen 
Dichtung, zweite Aufl., III. Bd., S. 243 jedoch in Lengefeld) in 
Niederösterreich geboren, genoß eine sehr sorgfältige Erziehung, 
beteiligte sich an einer Kampagne unter dem Generalfeldniarschall 
Holk (1633), widmete sich aber später nur der Landwirtschaft und 
Poesie. Als die Lage der Protestanten in den nächsten Jahrzehnten 
in Österreich bedenklich wurde, verkaufte er 1664 seine Güter 
Rohrbach, Klingenbrunn, Ober-Thumritz, Süßenbach usw. und ließ 
sich im nächsten Jahre in Regensburg nieder, wo er nicht nur 
die Georgica curiosa, sondern auch verschiedene Dichtungen, wie 
z. B. den „Lust- und Arzneigarten oder die mit deutschen Saiten 
überzogene Cron-Harfe des königl. Propheten Davids" (1675) 
herausgab. Sein fast 40.000 Verse umfassendes Heldengedicht 
„Der Habspurgische Ottobert" erschien schon früher (1664j in 
Erfurt. Freiherr v. Hohberg war seit 1652 Mitglied der öster- 
reichischen ständischen „fruchtbringenden Gesellschaft" und hieß als 
solches „Der Sinnreiche". Sein Tod erfolgte 1688 zu Regensburg. 



92 

Vergleiche Ersch und Gruber, allgemeine Enzyklopädie der 
Wissenschaften und Künste, IX. Teil (Artikel „Hochberg"), den 
Aufsatz des Leise witz iil)er Hohberg in der „Allgemeinen deutschen 
Biographie" (XII. Bd.) und den bereits oben zitierten Grundriß 
Goedekes. 

Xr. 17 (Signatur: V. 6891 

Palatins Joannes. Gesta pontificvm Komanorvm a Öancto Petro 
apostolorvm principe vsque ad Innocentivm XI. P. ( ). M. 
Additis pontiücum imaginibus ad vivum aere exculptis, cum 
hieroglyphicis, numismatibus, signis, sigillis etc. Opus qua- 
tuor voluminibus absolutum. Venetiis, MDCLXXXVII et 
MDCLXXXVIII. Apud Joannem Paré, sub Signo Fortunae. 
Fol. 3 Bde. Beigebunden ist der fünfte Teil, der 1690 er- 
schien und die Biographien Innozenz XI. und Alexander VIII. 
enthält. Die Porträts sind von einem guten, jedoch nicht ge- 
nannten Stecher ausgeführt. Xur einige Blätter, die Palatins 
selbst gestochen hat (sie sind bezeichnet: Giov. Palazzi fecit. 
scülpsit), sind weniger gelungen. 

Giov. Palazzi (Jo. Palatins) war beider Rechte Doktor, 1684 
Professor juris canonici in Padua und seit 1688 Pfarrer der Kirche 
S. Mariae in Venedig. Mit dem Titel eines kaiserlichen liâtes aus- 
gezeichnet, starb or gegen das Ende des 17. Jahrhunderts. Seine 
historischen Werke sind in Jöchers Gelehrten-Lexikon. 111. Teil, 
Sp. 1189 f. angeführt. 



Das Alter der ßrüiiiier Eriiptivmasse. 

Von Prof. A. Rzehak. 



Das weitaus vorherrschende Gestein der Brünner Eruptiv- 
masse ist bekanntlich ein Hornblendegranitit, der in der Gegend 
nördlich von Brunn mitunter syenitartig wird, ohne jedoch in 
echten — das heißt quarzfreien - — Syenit überzugehen. In der süd- 
lichen Fortsetzung des langgestreckten Granititstockes verschwindet 
die Hornblende an vielen Stellen — so auch bei den räumlich 
sehr beschränkten Vorkommnissen im Weichbilde der Stadt Brunn — 
vollständig, während sie sich an anderen Stellen bei gleichzeitigem 
Zurücktreten des Orthoklas derart anreichert, daß dioritartige 
Gesteine und auch echte Hornblendediorite entstehen. 

Diese dioritisehen IVIassen sind jedoch nur zum Teile auf 
magmatische Saigerungsprozesse des Hornblendegranitits zurück- 
zuführen. Das Vorkommen scharfkantiger Einschlüsse von fein- 
körnigem Diorit im typischen Hornblendegranitit beweist vielmehr, 
daß wenigstens ein Teil der Diorite zu den ältesten Gesteinen 
unserer Eruptivmasse gehört. Es mögen auch viele rundliche Diorit- 
einschlüsse, die den Eindruck von „basischen Schlieren'" machcii, 
nichts anderes wie abgeschmolzene Bruchstücke älterer Diorit- 
gesteine sein. 

Im Gegensatze hiezu sind gewisse, noch l>asischere Gesteine 
entschieden jünger als der Hornblendegranitit. Im geologischen 
Kartenbilde der Umgebung von Brunn fällt ein langgestreckter, 
schmaler Zug von Gesteinen auf, die auf F. Foetterles geologi- 
scher Karte von Mähren (der sogenannten „Wernervereinskarte") 
nicht besonders ausgeschieden, auf der im Jahre 1883 von Ma- 
kowsky und Rzehak veröffentlichten geologischen Karte der Um- 
gebung von Brunn hingegen als ..dioritische Schiefer- und Massen- 
gesteine" bezeichnet sind. F, E. Suess hat (vorläutiger Bericht über 



94 

die geologische Aufnahme im südlichen Teile der Brünner Eruptiv- 
masse; Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt 1003, 
8. 385) den Nachweis erbracht, dati diese zum grüßten Teile durch 
die Verwitterung stark zersetzten Gesteine mit den dioritischen 
Typen der Brünner Eruptivmasse nicht zusammengeworfen werden 
dürfen, sondern einen uralitisierten und auch sonst mannigfach 
veränderten Dial)as darstellen. Dieses stellenweise kataklastische, 
in „Grünschiefer'' umgewandelte Gestein erscheint auf der geo- 
logischen Karte als eine Einlagerung im Granit, die sich in einem 
langen, schmalen Zuge, dessen Ränder annähernd parallel zu den 
Rändern des Granititstockes verlaufen, aus der Gegend von Brunn 
(woselbst der Franzensberg und Spielberg wesentlich aus diesem 
Gesteine bestehen) bis gegen Ozernahora verfolgen läßt. Der un- 
mittelbare Kontakt zwischen Granitit und Diabas ist meines Wi.ssens 
nirgends aufgeschlossen; immerhin tritt in der ehemals (Jzerwinka- 
schen Ziegelei am Fuße des „Gelben Berges" unter einer Lage 
von mittelmiozänem Sand, der dem Komplex der „Oncophora- 
schichten" angehört, in relativ geringer Entfernung [iO — 50 tn) vom 
anstehenden Granitit ein eigentümliches, hornfelsähnliches Gestein 
auf, welches man als ein Konta ktjjrudukt zwischen Diabas und 
Granitit auffassen könnte. Zahlreiche Gänge und Schnüre eines 
dunkelgrünen, dichten Gesteins, die hie und da den Granitit durch- 
schwärmen und die wohl vorwiegend dem Diabas angehören, be- 
weisen zur Genüge, daß wir es bei dem letzteren mit einem Gestein 
zu tun haben, welches jünger ist als die Haujjtmasse unseres Gra- 
nitits; F. E. Sues s hat (Vorlage des Kartenblattes Brunn; Verh. 
der k. k. geol. Reichsanst., 1906, S. 148) sogar die Vermutung 
ausgesprochen, daß dasselbe einen Teil des Unterdevons vertreten 
könnte. 

Auch unter den sonstigen Gesteinstypeu der äußerst man- 
nigfaltigen Brünner Eruptivmassc werden sich leicht ältere und 
jüngere Glieder unterscheiden lassen; viel schwieriger ist die Fest- 
stellung des Altersverhältnisses all dieser Eruptiva gegenüber den 
Sedimentärformationen der Umgebung von Brunn. Die älteren 
Forscher nahmen übereinstimmend den „Syenit" als das älteste 
Gestein des Gebietes an; erst im Jahre 1872 tauchte eine ab- 
weichende Ansicht auf, indem E. Suess in seinem Werke: „Die 
Entstehung der Alpen" (S. 70) dem Brünner „Syenit" ein ])Ost- 
permisches Alter zuschrieb. Diese Ansicht gründete sich haujtt- 



95 

sächlich auf die Verschiedenheit der Ablagerungen, die zu beiden 
Seiten der Eruptivmasse an die letztere angrenzen, sowie auf das 
schein])are Einfallen dieser Sedimente — im Osten Devon, im 
Westen das Rotliegende — unter die Eruptivmasse. Eine Diffe- 
renz in der Verteilung der Sedimente zu beiden Seiten des Granitit- 
zuges besteht allerdings, wenn auch nicht in der Schärfe, wie 
sie E. Suess angenommen hat; man kann bloß sagen, daß das 
Rotliegende auf der Ostseite des Brünner Granititstockes wohl 
fehle, daß jedoch das Devon und nach neueren Erfahrungen auch 
der Kulm der „böhmischen Scholle" keineswegs ganz fremd sind, 
H. Wolf hat schon vor einem halben Jahrhundert (Zeitschr. der 
deutschen geol. Ges. 1860j in gewissen Sandsteinen dieses Gebietes 
Kulmgrauwacken vermutet, während F. E. Suess in verschiedenen 
Publikationen (zum ersten Male im „Führer zu den Exkursionen 
des IX. internat. Geologenkongresses", AVien 1903, Exkursion nach 
Segengottes) eine ganze Reihe von Punkten namhaft gemacht hat, 
an denen kleine, zum Teile stark veränderte Schollen von Kulm- 
grauwacken erhalten ge])lieben sind. Er hat auch nachgewiesen, 
daß die Konglomerate am ( )strande der hier in Betracht kommen- 
den Partie der „Bosko witzer Furche" zum Unterschiede von jenen 
des Westrandes vorwiegend aus Kulmgeröllen bestehen. In neuester 
Zeit wurden gelegentlich einer Tiefbohrung in etwa 630 m Tiefe 
ziemlich nahe an der Gneisgrenze Gesteine angetroffen, deren Zu- 
gehörigkeit zum Kulm mindestens sehr wahrscheinlich ist. Was das 
Devon anbelangt, so ist dasselbe schon seit langer Zeit durch 
Fossilfunde (Korallen im Kalkstein des Czebinkaberges wui-den 
schon von Makowsky-Rzehak in den Erläuterungen zur geolo- 
gischen Karte der Umgebung von Brunn erwähnt) mit voller Sicher- 
heit nachgewiesen. 

Kleine Schollen der als unterdevonisch aufgefaßten roten 
Sandsteine und Quarzkonglomerate finden sich bei Brunn (Roter 
Berg, Gelber Berg) und am Babylom mitten im Gebiete der Eruptiv- 
niasse; bei Lelekowitz lagert überdies (auf dem nordöstlichen Ab- 
fall der bewaldeten Kuppe, die auf der Generalstabskarte mit der 
Höhenkote 397 bezeichnet ist) im Hangenden des ziemlich mäch- 
tigen und gut aufgeschlossenen roten Quarzkonglomerats eine kleine 
Scholle von stark gestörtem Devonkalkstein, deren (tektouischer) 
Kontakt mit zersetztem Diabas deutlicli zu erkennen ist; sie fällt 
steil gegen den die erwähnte Kuppe zusammensetzenden Diabas 



96 

ein und hat nícIi, ohne Zweifel nur infolge ihrer tektonischen Ver- 
senkung in die umgebende Eruptivmasise erhalten. Obzwar die 
Granitgrenze in verhältnismäi)ig geringer Entfernung verläuft, ge- 
stattet dieses Vorkommen ebensowenig wie die Konglomerate vom 
Babylom und jene in der Umgebung von Brunn einen sicheren 
Schluß auf das Alter unspres Granitstockes. 

Auch die Lagerungsverhältnisse der westlich und östlich an 
den Granit angrenzenden Sedimentärbildungen sind keineswegs 
solche, daß sich aus ihnen das Alter der Granitmasse ableiten 
ließe, E. Sue SS sagt darüber (loc cit. S. 70): „Die Ränder lieider 
Schollen, der böhmischen wie der sudetischen, neigen sich unter 
die Ausfüllungsmasse der Fuge und der Syenit ist jünger als 
Iteide." Es ist mm zwar richtig, daß die Ablagerungen des Rot- 
liegenden im allgemeinen gegen den Brünner Granitstock einfallen, 
so daß E. Sues s seinerzeit in den hart am Granit liegenden, 
wie wir jetzt wissen devonischen Kalksteinen Äquivalente des 
Zechsteins vermuten konnte. Auch das Unterdevon der Um- 
gebung von Brunn fällt an einzelnen Stellen ganz deutlich gegen 
den Granit (z. B. im Schwarzatal gegenüber der ehemaligen 
Bau ersehen Zuckerfabrik und auf der bewaldeten Kuppe, Kote 
370, südlich von Lelekowitz) beziehungsweise gegen den Diabas 
((selber Berg, besonders deutlich am Babylom, wo die Konglome- 
ratbänke in steiler Stellung in den unterlagernden Diabas förndich 
eingespießt erscheinen), doch lassen sich diese Lagerungsverhält- 
nisse ganz ungezwungen auf Absenkungen an Brüchen zurück- 
führen. Bezüglich des Rotliegenden deuten schon die ältesten Pro- 
file durch das Rossitzer Steinkohlenbecken ein westliches Ein- 
fallen an der Granitgrenze an. Wenn auch nach den sehr verdienst- 
vollen Aufnahmen dieses Gebietes durch Prof. Dr. F. E. Suess 
das .,Rokytnakonglomerat" nicht mehr, wie dies früher üblich wor, 
als „Hangendkonglomerat" der Rossitzer Permablagerungen gedeu- 
tet werden kann, so haben diese Aufnahmen doch die älteren An- 
gaben, nach welchen dieses Konglomerat am Granitrande ein west- 
liches Einfallen zeigt, durchaus bestätigt und auch für die älteren 
Ablagerungen (Devon und Kulm) dieselbe Lagerung wahrscheinlich 
gemacht. So erscheint z. B. auf dem von F. E. Suess in seiner 
inhaltsreichen Abhandlung: „Die Tektonik des Steinkohlengebietes 
von Rossitz und der Ostrand des böhmischen Grundgebirges" 
(Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst, 57. Bd., 1907, Taf. XIX) mit- 



97 

geteilten Profil 1 der Devonkalk des Czebinkaberges im Liegenden 
des hier flach nach Westen einfallenden Rokytnakonglomerats. 
Auf Profil III folgen Devonkalk, Kulm und Rokytnakonglomerat 
mit sehr steilem, aber doch unzweifelhaft westlichem Einfallen kon- 
kordant aufeinander und nur lokal (wie z. B. auf Profil II und 
Profil IV) zeigt die Kulmgrauwacke ein Verflachen gegen Osten. 
Von einem allgemeinen Einfallen der gesamten, westlich vom 
Brünner Granitit gelegenen paläozoischen Scholle unter diesen 
Granitit kann also keine Rede sein. 

Aber auch die Devonkalksteine des östlichen Gebietes sinken 
nicht unter den Granit und wo dies doch der Fall zu sein scheint, 
ist die Ursache teils in Absenkungen an Brüchen, oder Überschie- 
bungen, teils in sekundären Erscheinungen (wie z. B. Transversal- 
schieferungj, welche die tatsächlichen Lagerungsverhältnisse ver- 
schleiern, zu suchen. Es ist ja auch von vornherein wenig wahr- 
scheinlich, daß sich bei dem Empordringen eines Eruptivmagmas 
längs einer Ö})alte die Ränder der beiden durch die Spalten bildung 
aus dem Zusammenhange gerissenen Schollen gegen die Spalte 
neigen werden. Wenn man auch heute noch den aufsteigenden 
Eruptivmassen im allgemeinen jede hebende Kraft abzusprechen 
pflegt, so wird man ihnen doch mindestens so viel mechanische 
Aktivität zuschreiben dürfen, daß an den Rändern der von ihnen 
durchbrochenen Sedimente eher Aufwulstungen als Einsenkungen 
zu erwarten sein werden. Gewiß werden auch letztere vorkommen 
können, aber stets nur als eine lokale, keineswegs als allgemeine 
Erscheinung. In unserem Falle ist die Annahme eines Ergusses 
des Granitmagmas über die beiderseits in die Tiefe gesunkenen 
Schollenränder schon durch die mitten im Granitgebiete vorhan- 
denen Denudationsreste des Paläozoikums (Sandsteine und Quarz- 
konglomerate, Kalkstein von Lelekowitz) ganz ausgeschlossen. Das 
Emporsteigen des Brünner Granitits in höhere Zonen der Erdrinde 
dürfte überhaupt nicht längs einer Linie (der „Bruchlinie von 
Brunn") stattgefunden liaben, da seine oberflächlichen Begrenzun- 
gen wesentlich te k tonische Grenzen sind und daher die im 
geologischen Kartenbilde so auffällige lineare Erstreckung des 
Brünner Granitstockes keine richtige Vorstellung von seiner eigent- 
lichen Begrenzung zu geben vermag, ebensowenig wie die beutige 
.,Boskowitzer Furche'- das urs])rüngliche Verbreitungsgebiet des 
mährischen Permokarbons darstellt. 

Zeitschrift des mähr. Landesmuseiims. XII, 1. 7 



98 

Da unser Granitit allenthalben die Merkmale eines typisclion 
Tiefengesteins aufweist, so muß er zurzeit seines Emporsteigen» 
und seiner Erstarrung von einer mächtigen Rindenschichte bedeckt 
gewesen sein, kann sich also gar nicht in der von E. Suess an- 
gedeuteten Art über die Oberfläche der beiden Schollen ergos- 
sen haben. An der Zusammensetzung der Deckschichte können 
zunächst folgende Gebilde teilgenommen haben: 1. die mannig- 
faltigen kristallinen Schiefer der böhmischen Masse; 2. die nur 
zum Teil kristallin gewordenen, vordevonischen, altpaläozoischen 
oder ;ilgonkischen Sedimente der „moravischen Zone" (F. E. Suess), 
die namentlich aus der Umgebung von Tischnowitz schon seit lange 
bekannt sind; 8. das sogenannte „Unterdevon" der Umgebung von 
Brunn, welches möglicherweise ebenfalls vordevonisch, zum Teil 
aber, wie ich bei einer anderen Gelegenheit nachweisen werde, 
sicher mitteldevonisch ist und heute dort, wo es nicht von jün- 
geren Ablagerungen bedeckt ist, bereits stark abgetragen erscheint; 
4. das sichere Devon (vorwiegend Mittel- und Oberdevon); •"». der 
Kulm; 6. das Oberkarbon; 7. das Rotliegende. 

Wenn auch alle diese Ablagerungen keine geschlossene 
Schichtenfolge bilden und vielfach durch Diskordanzen voneinander 
geschieden sind, so dürften sie doch zur Zeit des supponierten 
späten Emporsteigens unseres Granitits eine sehr ansehnliche, 
jedenfalls einige Tausende von Metern betragende Gesamtmächtig- 
keit ])esessen haben. Die Frage ist nun: wie hoch ist das Granit- 
magma, wenn es jungpaläozoisch ist, in dieser Decke emporge- 
stiegen ? 

E. Suess liat angenommen, dal) der „Syenit" noch jünger 
als das untere Perm sei. Eine Intrusion in das Perm selbst würde 
bei dem schon betonten „plutonischen" Charakter des Gesteins 
natürlich eine weitere Verstärkung der Decke verlangen, für welche 
dann noch die in unserem Gel^iete vertretenen mesozoischen Sedi- 
mente (Oberjura und Kreide) heranzuziehen wären. Mit anderen 
Worten heißt dies nichts anderes, als daß die Eruptionszeit unseres 
Granitits hoch in das mesozoische Zeitalter hinaufgerückt 
werden müßte, was auch wieder seine Bedenken hat, denn das 
Paläozoikum war nach der varistischen Auffaltung einer so weit- 
gehenden Abtragung ausgesetzt, daß die Sedimente des oberen 
Jura auf dem von der karbonischen Decke bereits teilweise befreiten 
und sogar „verkarsteten" Devonkalk lagern. Das emporsteigende 



99 

Granitmagma hätte also auch in der mesozoischen Zeit kaum eine 
so mächtige Überlagerung vorgefunden, daß es als vollkristallines 
Tiefengestein hätte erstarren können. 

Auf alle Fälle aber müßten, wenn das Lagerungsverhältnis 
des Granitits zu den paläozoischen Ablagerungen ein „durchgrei- 
fendes" wäre, die charakteristischen Erscheinungen der Kontakt- 
metamorphose an vielen Stellen konstatierbar sein. Wenn auch die 
Grenzen zwischen Granit und Devonkalk vorwiegend tektonische 
Grenzen sind, so gibt es doch immerhin genug Gegenden, in wel- 
chen der Devonkalk dem Granit gegenüber so situiert ist, daß er 
unbedingt in den „Kontakthof" des letzteren fallen müßte, wenn 
ein solcher überhaupt bestünde. Längs der ganzen Ostgrenze des 
Granitzuges findet sich aber nicht die geringste Veränderung des 
Kalksteins, welche auf eine Berührung mit dem Granitmagma 
deuten würde. Die kleine Devonkalkscholle von Lelekowitz, die den 
letzten Rest der einst über das ganze Granitgebirge ausgebreiteten 
Decke von Devonkalk darstellt, zeigt zwar Faltungserscheinungen, 
aber keine Spur von Kontaktmetamorphose, nicht einmal jene 
leichte Marmorisierung, die man etwa am Kalkstein der „Czebinka" 
auf die Nähe des Granits zurückführen könnte, wenn schon der 
letztere durchaus als jünger gelten soll. 

Ganz ähnlich wie bei der Kalkscholle von Lelekowitz liegen 
die Verhältnisse bei der von H. Bock (Zur Tektonik der Brünner 
Gegend; Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. 1902, 52. Bd., S. 260 ff.) 
nachgewiesenen Devoninsel (Kote 508 der Generalstabskarte 
1 : 75,000) nördlich vom alten Hochofen im Josefstale bei Adams- 
thal. Nach Bocks Darstellung ist dort die Auflagerung des Devon- 
kalksteins auf dem Granit deutlich zu erkennen; der Genannte 
konnte keine Spur einer Kontaktmetamorphose entdecken und 
bemerkt, daß auch die flache, muldenförmige Auflagerung der 
Devonschichten „eher ein Argument gegen als für die Annahme 
einer nachdevonischen Eruption des Granitsyenits-' bilde. Auf Grund 
meiner wiederholten Besuche der fraglichen Lokalität kann ich 
die Angaben Bocks nur bestätigen. 

Da nun unser Devonkalk keinerlei Spuren einer Kontakt- 
metamorphose erkennen läßt, so muß er, w^enn dem Granit ein 
postdevonisches Alter zukommt, vor der Einwirkung des letzteren 
durch eine genügend mächtige Zwischenlage älterer Ablagerungen 
geschützt gewesen sein. Obwohl eine solche Annahme gewiß zulässig- 

7* 



100 

Aväre, so ist sie doch sehr unwahrscheinlich, da sich sofort eine 
neue und kaum zu beantwortende Frage auf wirft, nämlich: wieso 
ist diese trennende, die Kontaktmetamorphose des Kalksteins ver- 
hindernde Zwischenlage wieder gänzlich verschwunden? Zwar könnte 
man auf das sogenannte „Unterdevon" hinweisen, doch war dieses 
gewiß nicht mächtig genug, um einen absoluten Schutz des Kalk- 
steins gegen die sehr intensiven Wirkungen des Granitkontaktes 
zu gewährleisten. Namentlich bei der Kalkscholle auf der Kuppe 
am nördlichen Gehänge des Josefstales (Kote 508) ist die Ent- 
fernung zwischen Devonkalk und Granit so gering, daß die unter- 
devonische „tSchutzschichte" nur eine sehr unbedeutende Mächtig- 
keit l)esitzen kann. Es müßten sich auch, wenn das „Unterdevon" 
mit dem Granitmagniii in unmittelbare Berührung gekommen wäre, 
gewisse Anzeichen dieser Berührung, wie z. B. Granita])ophysen, 
Injektionen oder zum mindesten Frittungserscheinungen, erkennen 
lassen; dies ist jedoch nicht einmal bei dem Schieferton von Petro- 
witz bei Sloup der Fall und es wurde deshalb seit jeher und mit 
Eecht das gänzliche Fehlen der Kontaktmetamor])hose im Brünner 
Paläozoikum als ein gewichtiges Argument gegen das postdevonische 
Alter der Brünner Eruptivmasse geltend gemacht. 

Da trat plötzlich im Jahre 1900 F. E. Suess mit der über- 
raschenden Mitteilung vor die Öffentlichkeit, er habe einen „Kon- 
takt zwischen Syenit und Kalk in der Brünner Eruptivmasse" 
(Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt 1900, S. 874 ff.) entdeckt. 
Er gab zwar zu, daß die nördlich von Eichhorn gelegenen, durch 
Fossilien iCyathophyllum und Cal am opora, welch letztere 
wohl als Am])hipora zu deuten ist) als devonisch erkannten 
Kalkvorkommnisse keine kontaktliche Beeinflussung durch den 
Syenit (recte Granit) erkennen lassen, wies jedoch darauf hin, daß 
der „südliche Kalkzug" (ungefähr von Tetschitz bis nach Eiben- 
schitz) ,.in hohem Grade metamorphosiert und zum großen 
Teil in Kalksilikathornfels umgewandelt" ist. 

An der Existenz dieser Kontaktgebilde ist gewiß nicht zu 
zweifeln. Sie reichen auch, wie aus späteren Mitteilungen von F. E. 
Suess hervorgeht, über Tetschitz hinaus ziemlich weit nach Norden, 
so daß sie sich den unveränderten Devonkalken bis auf wenige 
Kilometer nähern. In seinem „Vorläufigen Bericht über die geo- 
logische Aufnahme im südlichen Teile der Brünner Eruptivmasse" 
(Verhandl. der k. k. geolog. Reichsanst., 1908, S. 387) erwähnt 



loi 

der genannte Forscher das Yorkoinraen einzelner Blöcke von karten 
Kalksilikatgesteinen im Granitgebiete östlich vun Schwarzkirchen 
(bei „Svinská obura" der Generalstabskarte). In demselben Gebiete 
wurden in neuester Zeit zu Straßenbauzwecken mehrere kleine 
Steinbrüche im Kalksilikatfels angelegt, über welche ich selbst 
kurze Mitteilungen (in den Verhandl. der k. k. gec)log. ßeichsanst. 
1910, Nr. 5, S. 120 f., und ib. 1911, Nr. 2, S. 51 if.) veröÖentlicht 
habe. Ich habe auch darauf hingewiesen, daß diese Vorkommnisse 
in der Praxis schon seit hinger Zeit bekannt zu sein scheinen und 
dal) man insliesondere die vorzügliche Eignung der außerordentlich 
zähen Kalksilikatgesteine zu Straßenschotter frühzeitig erkannt haben 
dürfte. Nur so erklärt es sich, daß man in dem gut bewaldeten 
Gebiete die räumlich immerhin ziemlich beschränkten \'orkonimnisse 
unter der dicken Humusschichte so leicht aufzufinden wußte. Auch 
den Mineralogen waren die offenbar in Steinbrüchen aufgeschlos- 
senen Kalksilikathornfelse schon vor langer Zeit bekannt, wenn sie 
auch nicht als das erkannt wurden, was sie sind. Immerhin kam 
schon der heimische Mineraloge W. Hruschka — seinem Berufe 
nach „bürgerlicher Töi)fermeister'', wie er sich in den von ihm 
veröffentlichten mineralogischen Notizen sell)st nennt — vor nahezu 
90 Jahren der heute geltenden Anschauunii,- über die Genesis der 
Kalksilikathornfelse sehr nahe, indem er gelegentlich der Beschrei- 
l)ung des von ihm entdeckten Vesuvianvorkommens „in der CJegend 
von Schwarzkirchen" folgendes sagt: „Der Idokras ist hier in einer 
Gebirgsart eingewachsen, die früher Urkalk gewesen zu sein 
scheint, jetzt aber durch Verkieselung in Hornstein umgewandelt 
ist. Auch ist Augit und kristallisierter Chlorit in dorn Hornstein 
eingewachsen." („Vorkommen und Kristallisation einiger mährischer 
Fossilien"; Mitteil, der k. k. mähr.-schles, Gesellschaft zur Beförde- 
rung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, Brunn 1825, 
S. 71'). 

Obzwar also schon W. Hruschka die Eigentümlichkeiten 
unserer Kalksilikathornfelse auf eine Metamorphose von „Urkalk" 
zurückzuführen suchte, wurden diese Gesteine in der Folge doch 
entweder verkannt (so z. B. von F. A. Kolenati in seinem Buche: 
„Die Mineralien Mährens und <)esteri.- Schlesiens", Brunn 1854, 
für „Quarzit" gehalten) oder gänzlich unbeachtet gelassen. Herrn 
Prof. F. E. Suess gebührt auf alle Fälle das Verdienst, dieselben 
als im Granitkontakt veränderte Kalksteine erkannt zu 



102 

haben; strittig bleibt nur die Frage, ob es sich hier tatsächlich, 
wie F. E. Öuess meint, lun veränderte Mitteldevonkalke 
oder vielleicht, wie ich vermute, um kontaktmetamorphe Kalksteine 
der kristallinen Schiefer, speziell jene der „moravischen Zone", 
handelt. 

In seiner ersten Mitteilung (Verhaudl. der k. k. geolog. Eeichs- 
anstalt 1900) hat F. E. Suess die „Zusammengehörigkeit der kon- 
taktmetamorphen Tetschitz-Eibenschitzer Kalke mit den Mittel- 
devonkalken von Eichhorn" bloß als wahrscheinlich bezeichnet. 
In den Erläuterungen zur geologischen „Exkursion nach Segen- 
gottes" (Führer zu den Exkurs, d. IX. internat. Geologenkongresses, 
Wien 1903) tindet sich auch schon die Deutung des „gneisartigen 
Eandgesteins" der Kulmgrauwacke von Neslowitz als eine Kon- 
taktbildung und die Bemerkung, dalj das Fehlen des Devonkalkes 
in jener Strecke des Eruptivstockes, in welcher die Kalksilikat- 
hornfelse auftreten, sowie das Verhältnis der Kontaktkalke zur 
Kulmgrauwacke kaum daran zweifeln lassen, daß es sich hier um 
veränderte Devonkalke handle. Noch bestimmter heißt es dann 
in der Abhandlung: „Mylonite inid Hornfelsgneise in der Brünner 
Intrusivmasse" (Verh. der k. k. geolog. Reichsanst. 1906, S. 295 f.): 
„Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß bei Neslowitz Schollen 
eines grauwackenartigen Sediments in Verbindung mit Kalkschollen 
in die Brünner Intrusivmasse versenkt wurden und eine hochgradige 
Kontaktmetamorphose erlitten haben. Ein Zusammenhang, der nur 
zugunsten des devonischen Alters der Neslowitzer Kon- 
taktkalke gedeutet werden kann, denn sowohl im Osten als auch 
im Westen der intrusivmasse sind Devonkalk und Kulmgrauwacke 
ebenfalls stets innig vergesellschaftet und aus diesen beiden Ge- 
steinen bestehen die an dem westlichen Randbruche gegen die 
Boskowitzer Furche eingeklemmten Schollen". 

Während F. E. Suess in seiner ersten Abhandlung (1900) 
die endgültige Entscheidung ül)er das Alter der Eruptivmasse 
davon abhängig machte, ..ob es gelingen wird, die wahrscheinliche 
Zusammengehörigkeit der kontaktmetamorphen Kalke mit den 
Mitteldevonkalken von Eichhorn mit Sicherheit nachzuweisen 
oder zu widerlegen", glaubt er in der zuletzt zitierten Schrift (1906) 
das Zusammenvorkommen der Kalksilikatgesteine mit mürben Gnei- 
sen, die für kontaktmetamorphe Kulmgrauwacke erklärt werden, 
nur zugunsten des devonischen Alters der ersteren deuten zu 



103 

können. So kam es, daß Dr. H. Vetters in seinen vor kurzer 
Zeit erschienenen ».Erläuterungen zur geologiseh-tektonischen Über- 
sichtskarte des Wiener Beckens und seiner Randgebirge" (S. 34) 
das postdevonische Alter des Brünner Granitits als eine unzweifel- 
hafte Tatsache hinstellen konnte, obwohl ich schon vor einem 
Jahre (Verhandl. der k. k. geolog. Beichsanst. 1910, S. 129 f.) darauf 
hingewiesen habe, daß es auch noch eine andere Möglichkeit gibt, 
durch welche das Auftreten von Kontakterscheinungen im (Gebiete 
des Brünner Granitstockes in befriedigender Weise erklärt werden 
kann. Meine Ausführungen waren allerdings nur sehr knapp ge- 
halten und auch in meiner zweiten Mitteilung („Zur Kenntnis der 
Kalksilikathornfelse der Brünner Eruptivmasse", Verhandl. der 
k. k. geolog. Beichsanst. 1911, S. 'A fi".) habe ich mich nur kurz 
gefaßt. Da es sich um eine vor fast vierzig Jahren aufgeworfene, 
aber bis heute noch durchaus nicht endgültig erledigte Frage 
handelt, will icli an dieser Stelle alle Momente, die meiner Ansicht 
nach gegen das jjostdevonische Alter der Brünner Granitintrusion 
sprechen, etwas eingehender und völlig frei von jeder Voreinge- 
nommenheit darlegen. 

Zunächst will ich noch einmal konstatieren, daß das voll- 
ständige Fehlen der Erscheinungen der Kontaktmetamorphose in 
den östlich vom Brünner Granitzuge gelegenen, sehr ausgedehnten 
Devon- und Kulmablagerungen, sowie an den innerhalb des ge- 
nannten Granitzuges erhaltenen Schollen von kieseligem „Unter- 
devon" und Devonkalk (Josefstal, Wesselitz) eine unbestreitbare 
Tatsache ist, deren Gewicht, wie ich glaube, nicht gar zu gering 
geachtet werden darf. 

Auch auf der Westseite des Granitzuges finden wir eine lange 
Reihe von räumlich allerdings meist sehr beschränkten Schollen 
von Devonkalk, an welchen, wie auch F. E. Sue s s ohneweiters 
zugibt, keinerlei Kontaktmetamorphose zu erkennen ist. Das 
von F. E. Sues s geologisch aufgenommene Blatt Brunn der Gene- 
ralstabskarte ist leider noch nicht erschienen; es läßt sich also 
vorläufig noch nicht genau feststellen, wie weit sich nach der An- 
sicht des genannten Forschers die unveränderten Devonkalk- 
schollen am Westrande des Granitzuges nach Süden erstrecken. 
Auf der geologischen Karte der Umgebung von Brunn von Ma- 
kowsky-Rzehak ist eine solche Kalkscholle ungefähr 0"") kui west- 
lich vom Schloß Eichht)rn eingezeichnet. F. E. Suess erwähnt in 



104 

seiner bereits zitierten Abhandlung: ,,Die Tektonik des Steinkühlen- 
gebietes von Rossitz und der Ostrand des böhmischen Clrundge- 
birges-' (Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanst., 57. Bd., 1907, S. 809) 
ebenfalls blaugrauen, weiß und rot geäderten Devonkalk, der gegen- 
über von Schloß Eichhorn an grobkörnigen Hornblendegranitit 
angrenzt; die Berührungsstelle ist zwar nicht aufgeschlossen, doch 
scheint es sich um eine tektonische Grenzlinie zu handeln. F. E. 
Suess hat aber (ib. S. 811) auch noch ein etwas weiter südlich 
gelegenes Vorkommen von unverändertem Devonkalk und zersetzter 
Kulmgrauwacke konstatiert, und zwar in der seichten Furche, die 
von dem Dorfe Hozdetz in nahezu östlicher Richtung gegen das 
Granitgebirge hinabzieht. Von hier angefangen bis über Mähr.- 
Kromau hinaus soll jedoch anstehender, unveränderter Devonkalk 
nicht mehr vorkommen und auch die Kulmgrauwacke bis auf Spu- 
ren (bei Neslowitz) verschwunden sein. Statt der unveränderten 
Kalksteine treten in diesem Landstrich nach F. E. Suess die 
Kalksilikatgesteine als Produkte der Kontaktmetamorphose, die die 
in das Granitmagma eingesunkenen Kalkschollen erlitten haben, 
auf, wälirend die Kulmgrauwacken in gneisähnliche Gesteine umge- 
wandelt erscheinen. 

Es muß gewiß zugegeben werden, daß die von F. E. Suess 
aus der räumlichen Verteilung der unveränderten Devonkalksteine 
und der zweifellos durch. Kontaktmetamorphose entstandenen Kalk- 
silikatgesteine gezogene Schlußfolgerung auf den ersten Blick 
durchaus naturgemäß erscheint; es bleibt jedoch noch zu unter- 
suchen, ob sie auch tatsächlich mit allen sonstigen Beol)achtungen 
und Erwägungen im Einklang steht. 

Was nun zunächst das gänzliche Fehlen des Devonkalksteins 
am Granitrande zwischen Hozdetz im Norden und Mähr.-Kromau 
im Süden anbelangt, so sei auf die Möglichkeit hingewiesen, daß 
einzelne kleine Kalkinseln, ähnlich der bei Schloß Eichhorn i an 
der Straße nach Eichhorn-Bitischka ), in dieser kalkarmen Gegend 
durch den Abbau zum Zwecke des Kalkbrennens verschwunden 
sein können. Schon im Jahre 1855 hat F. Foetterle (Bericht 
über die im Jahre 1855 in der Gegend nordwestlich von Brunn 
ausgeführte geologische Aufnahme) darauf hingewiesen, daß der 
Ostrand der Permformation unseres Gebietes von einem sehr 
schmalen, oft nur wenige Klafter mächtigen Kalkzuge gebildet 
werde, welcher unmittell)ar mit jenen Gebilden zusammenhängt, 



105 

„die bei Boskowitz entschieden der devonischen Grauwacke ange- 
hören". K. Schwippel spricht in seiner Abhandlung: „Das Rossitz- 
Oslawaner Steinkohlengebiet" (Verband], des naturf. Vereins in 
Brunn, III, 1864, S. 13) von einem bei Tetschitz auftretenden 
„Kalksteinflötz" und trägt auch auf der von ihm entworfenen geo- 
logischen Karte am Granitrande südlich von Tetschitz eine Kalk- 
partie ein. Dieselbe erscheint auch auf der Kartenskizze, welche 
W. He Im hack er seiner „Übersicht der geognostischen Verhält- 
nisse der Rossitz-Oslawaner Steinkohlenformation" (Jahrb. der 
k. k. geol. Reichsanst., XVI, 1866, S. 447 ff.) beigegeben hat. Auf 
(lieser Kartenskizze sind aber auch mehrere andere Kalkvorkomm- 
nisse, namentlich am Granitrande zwischen Neslowitz und Eiben- 
schitz, verzeichnet. 

Im Text der zitierten Abhandlung werden sie nur ganz kurz 
erwähnt, indem der Autor bemerkt, daß der „vielleicht schon dem 
Devon angehörige" Kalkstein zwischen der Permformation und 
dem „Urgebirge" (gemeint ist der Brünner Granitzug) in einzelnen 
„sich ausscheidenden und wieder ansetzenden Lagen-' auftritt. 

Auf der von F. Foetterle entworfenen und vom „Werner- 
verein" im Jahre 1867 herausgegebenen geologischen Übersichts- 
karte von Mähren und Schlesien sind zwischen Tetschitz und 
Eibenschitz merkwürdigerweise — wohl infolge eines Irrtums bei 
der Reproduktion der Karte — bloß „Sandsteine des flötzführenden 
Karbons" verzeichnet. Auf der im Jahre 1884 erschienenen geo- 
logischen Karte der Umgebung von Brunn von Makowsky und 
Rzehak sind in der genannten Strecke drei isolierte Devonkalk- 
vorkommnisse eingetragen. 

An der Existenz dieser Ivalkvorkommnisse kann wohl nicht 
gezweifelt werden; man kann höchstens mit F. E. Suess den Ein- 
wand erheben, daß die fraglichen Kalldnseln nicht als an- 
stehendes Devon, sondern l)loß als große, abgequetschte Blöcke 
von Devonkalkstein aufzufassen sind. Das Vorkommen solcher Blöcke 
längs des Ostrandes der Boskowitzer Furche gibt nämlich der ge- 
nannte Forscher ohneweiters zu, ja er sagt sogar bei Besprechung 
der interessanten „Lettenkluft" von Budkowitz (loc. cit. S. 822), 
daß uns die in dieser Lettenkluft auftretenden, bis kopfgroßen 
Blöcke von Devonkalk eine Erklärung geben für das Vorkommen 
solcher Blöcke „an zahlreichen Punkten entlang des Ostrandes der 
Boskowitzer Furche, zwischen den größeren Kalkvorkoramnissen 



106 

von Eichhurn im Norden und denen von Lissnitz im Süden." In 
den Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung von Brunn 
von Makowsky und Rzeliak wird (S. 46 des Sep.-Abdr.) bemerkt, 
daß auf der 9 hm langen Strecke zwischen Neuhof bei Eichhorn 
und Tetschitz einzelne Kalkgerölle das einstige V^orhandensein des 
Kalksteins verraten. Selbst bei Neslowitz, also unweit der großen 
Aufschlüsse im Kalksilikathornfels, hat F. E. Suess noch bis zu 
1 M Länge erreichende Blöcke von unverändertem Devonkalk 
gefunden. In der Gegend des Fürstenwaldes sind sie so zahlreich, 
daß man nach F. E. Suess (loc. cit. S. 823) ,,fast im Zweifel 
darüber sein könnte, ob nicht der Schutt im obersten Teil der 
kleinen Waldschluchten eine anstehende Kalkpartie verdeckt". Es 
ist das die Stelle, an welcher schon W. Helmhacker eine Devon- 
kalkinsel eingetragen hatte, die auch auf der geologischen Karte 
der Umgebung von Brunn von Makowsky-Rzehak verzeichnet 
erscheint. Die großen Blöcke von Devonkalk in der Nähe der 
Eisenbahnstation Mähr.-Kromau und die zahlreichen Kalktrümmer, 
die in der Umgebung verstreut sind, deuten doch wohl auf an- 
stehendes Devon, wenn es auch bisher nicht möglich war, eine Kalk- 
partie aufzuiinden, die man mit voller Sicherheit als anstehend 
bezeichnen könnte. Bei der kleinen Devonkalkscholle von Hozdetz 
ist dies ja auch nicht der Fall und doch sagt F. E. Suess selbst, 
daß man sie als anstehend gelten lassen könne (loc. cit. S. 822). 
Für die Entscheidung unserer Frage scheint es mir übrigens ziemlich 
gleichgültig, ob zwischen Hozdetz und Eibenschitz wirklich an- 
stehende Reste von Devonkalk oder nur abgequetschte Blöcke 
vorkommen, da ja die letzteren ohne Zweifel auch nur von größeren, 
anstehenden, unveränderten Kalkmassen abgequetscht wurden. 
Diese Abquetschung erfolgte bei der Bildung des östlichen Rand- 
bruches der Boskowitzer Furche, also in postpermischer, höchstens 
oberpermischer Zeit. Da nun diese Kalkblöcke ebenso wie die als 
anstehend geltenden, kleineren und größeren Kalkschollen keine 
Spur einer Kontaktmetamorphose erkennen lassen, so ergibt 
sich daraus, daß in dem fraglichen Gebiete, das heißt in der dem 
Vorkommen der Kalksilikatgesteine entsprechenden Zone, zur Zeit 
des ausgehenden Paläozoikums auch unveränderte Devonkalke 
vorhanden waren. Sie müssen auch schon damals wenigstens teil- 
weise bloßgelegt gewesen sein, denn die permokarbonischen Kon- 
glomerate enthalten außer Kulmgeröllen auch unveränderte 



107 

Devonkalksteine, stellenweise sogar ziemlich zahlreich. Die von 
F. E. Suess entworfene „hypothetische Darstellung des Oberkarbon 
und Perm der Boskowitzer Furche vor der Grabensenkung" (Die 
Tektonik des Steinkohlengebietes von Hossitz usw.. S. 806, Fig. 1 1 
läßt erkennen, daß die Bildungszeit des mächtigen „Rokvtnakon- 
glomerats" nicht nur das Oberkarbon, sundern zum Teil auch das 
vom Oberkarbon nicht deutlich geschiedene Unterperm umfaßt. 
Wenn nun in unserem Gebiete unveränderte Devonkalke in die 
unterpermischen Konglomerate gelangen konnten, so läßt sich dies 
nur auf zweifache Art erklären, nämlich entweder durch die An- 
nahme, daß die Kontaktmetamorphose der hier nocli vorhandenen 
Devonkalke bloß eine teilweise war, oder aber daß die Granit- 
intrusion und somit auch die Kontaktmetamorphose) in die ober- 
permische Zeit oder gar in das Mesozoikum fällt. Zugunsten 
eines so jugendlichen Alters der Brünner Granitintrusion läßt sich 
kaum eine Tatsache geltend machen: liingegen könnte man wohl 
sagen, daß die Kontaktmetamorphose naturgemäß nur die tiefsten 
Partien des Devonkalksteins betroffen liat, welche in Kalksilikat- 
gesteine umgewandelt wurden, während die zutage tretenden, der 
Denudation ausgesetzten Partien infolge der bedeutenden Mächtig- 
keit des Devonkalksteins vollständig intakt geblieben sind. 

Aber auch diese letztere Annahme befriedigt uns nicht voll- 
ständig, wenn wir alle Verhältnisse gleichmäßig berücksichtigen. 
Die Unterlage des Devonkalksteins haben wahrscheinlich auch im 
Gebiete der Boskowitzer Furche zunächst teils kieselige, teils tonige 
Gesteine, die man dem „Unterdevon" des östlichen Devongebietes 
vergleichen kann, gebildet. Bei Kodau sind tatsächlich derlei Ge- 
steine bekannt, die ihrerseits wiederum die kristallinischen Schiefer 
der moravischen, beziehungsweise (in der Gegend südlich von Eiben- 
schitz) m<ddanubischen Zone zur Unterlage gehabt haben. Das auf- 
steigende Granitmagma muß die Unterlage des devonisclien Kalk- 
steins nahezu vollständig durchbrochen beziehungsweise einge- 
schmolzen haben, um die weitgehende Umwandlung des letzteren 
zu Kalksilikathornfels verursachen zu können. 

Die ursprünglich tief gelegenen, kontaktmetamorphen Partien 
müssen aber später in einzelnen Schollen so weit emporgehoben 
worden sein, daß sie nach Abtragung ihrer Decke in das oro- 
graphische Niveau der unverändert gebliebenen Kalkmassen gelangen 
konnten. Es ist hierbei ganz gleichgültig, ob wir annehmen, daß 



108 

die devunisclien Kalksteine nur an ilirer unteren Begrenzungsfläche, 
in welcher sie durch Einschmelzung ihrer Unterlage in unmittel- 
bare Berührung mit de^n (Iranitmagma kamen, verändert wurden 
(vgl. die oben zitierte Fig. 1 bei F. E. Suess), oder ob einzelne 
Kalkschollen in das Granitmagma eingesunken sind und durch die 
allseitige Einwirkung des letzteren eine vollständige Umwandlung 
in Kalksilikathornfelse erlitten haben. Die Annahme bedeutender 
Niveauveränderungen der kontaktmetamorphen Partien kann un- 
möglich umgangen werden, da die letzteren heute vielfach in der- 
selben orographischen und geologischen Position auftreten wie die 
intakt gebliebenen Kalke. Da die Kalksilikathornfelse vorwiegend 
in der Gegend zwischen Hozdetz und Eibenschitz und in dem 
annähernd durch die Parallelkreise der genannten Orte begrenzten 
Teile des Brünner Granitstockes (westlich von Schebetein, bei Po- 
puwek usw.) auftreten, so müßte man weiters annehmen, daß die 
oben erwähnten Xiveauveränderungen an Querbrüchen vor sich 
gegangen sind. Die tatsächliche Existenz solcher Querbrüche läiit 
sich jedoch nicht nachweisen; man kann im Gegenteil mit Sicher- 
heit behn,u])ten, daß solche Querbrüche in unserem Gebiete nicht 
existieren. 

Bei der Devonkalkscholle von Lelekowitz ist das Fehlen 
jeglicher Kontaktmetamorphose auch durch die kompliziertesten 
Niveauveränderungen nicht zu erklären. Man könnte höchstens 
sagen, dali das hier etwa 40 — bO m mächtige Quarzkonglomerat, 
welches im liegenden der Kalkscholle auftritt, die Einwirkung des 
Granitmagmas auf den Kalkstein verhindert habe. Der Granit ist 
liier in einer verhältnismäßig geringen Entfernung von den eben 
erwähnten Konglomeraten südlich von der Ortschaft durch einen 
Steinbruch aufgeschlossen, der Kontakt mit dem Konglomerat jedoch 
nicht sichtbar; er fällt gerade in den Streifen, über welchen die 
Straße nach Zinsendorf führt. Auf der höheren bewaldeten Kupjte 
südlich von Lelekowitz (Kote 870 der Generalstabskarte wird das 
Liegende der ostwärts einfallenden Konglomerate von Diabas ge- 
bildet, die Grenze gegen den Granit ist eine tektonische. Si>uren 
einer Kontaktmetamor])hose sind an den Konglomeraten und Sand- 
steinen nicht zu erkennen. 

Gegen die Deutung unserer Kalksilikathornfelse als konta kt- 
metamorphe Devonkalke sprechen aber auch noch andere Tatsachen. 
So findet man z. B., daß die erstgenannten Gesteine häufig gebän- 



109 

dert erscheinen, während der Devonkalk nur ganz ausnahmsweise 
einen mehrfach wiederholten Wechsel von rein kalkigen und kalkig- 
tonigen Schichten erkennen läßt. Sehr auffallende Begleiter der Kalk- 
silikatgesteine unseres Gebietes sind die mürben, dünnblätterigen, 
zum Teil gneisähnlichen Glimmerschiefer, die F. E. Sue s s als kon- 
taktmetaraorphe Kulmgrauwacken auffaßt. In dem Verhältnis der 
Kontaktkalke von Neslowitz zur dortigen Kulmgrauwacke findet F. E. 
Su es s eine wichtige Stütze für die Ansicht, „daß man es mit ver- 
änderten Devonkalken zu tun hat'" (Exkursion nach Segengottes bei 
Brunn, S. 8). Er l)emerkt, daß bei Neslowitz eine westlich fallende, 
veränderte Kalkbank in den zersetzten, schieferigen, als eine dem 
Harzer „Eckergneis'' analoge Kontaktbildung der Grauwacke auf- 
gefaßten Gesteinen eingeschlossen ist. Auch ich fand in den neuen 
Aufschlüssen der Kalksilikathornfelse in der Gegend zwischen 
Schebetein und Schwarzkirchen (vgl. meine diesbezüglichen Notizen: 
Neue Aufschlüsse in d. Kalksilikatgest. d. Brünner Eruptivmasse, 
Verh. d. k. k. geol. Reichsanst. 1910, S. 129 f., und: Zur Kenntnis 
d. Kalksilikathornfelse d. Brünner Ernptivmasse, ib. 1911, S. 51 ff.) 
die Kalksilikatgesteine mit blätterigen, teils gneis-, teils glimmer- 
schieferähnlichen Gesteinen so enge verknüpft, daß mir die Deu- 
tung der ersteren als kontaktmetamorphe Devonkalke und der 
letzteren als kontaktmetamorphe Kulmgrauwacken oder Kulmschiefer 
durchaus unzulässig erscheint. Beide gehören ohne Zweifel zusam- 
men und sind durch Kontaktmetamorphose einer Gesteinsscholle 
entstanden, in welcher gebänderte Kalksteine in wiederholter Wechsel- 
lagerung mit tonig-sandigen Schichten auftraten. Unserem Devon- 
kalk sind Einlagerungen der letzteren Art im allgemeinen ganz 
fremd, wenn auch hie und da tonreiche Zwischenlagen auftreten. 
Die Bänderung unserer Kalksilikathornfelse und ihre innige 
Verknüpfung mit den dünnblätterigen Biotitgneisen erklärt sich 
sehr leicht, wenn wir annehmen, daß das ursprüngliche Material 
nicht Devonkalk und Kulmgrauwacke, sondern eine jenei- wahr- 
scheinlich paläozoischen, aber vordevonischen Kalkschollen war. 
die sich am äußersten Ostrande der l)öhmischen Masse, namentlich 
in der Umgebung von Tischnowitz, vorfinden. Diese Kalksteine 
enthalten vielfach dünne, tonige Zwischenmittel und sind teils von 
Tonschiefern, teils von grauwackenähnUchen Sandsteinen begleitet. 
Die Gesteine der „moravischen'- Zone sind zwar vom Brünner 
Granitstock durch die Boskowitzer Furche getrennt, treten jedoch 



110 

im Untergründe der letzteren miteinander ohne Zweifel in Berüh- 
rang. Schon in der Gegend südlich von Mähr.-Kromau reichen 
moravische und nioldanubische Gesteine bis an den Granit heran 
und dasselbe ist noch weiter im Süden der Fall, denn der mit 
Gneis und Phyllit verknüpfte Granit von Maissau (vgl. die von 
F. Mocker in ïschermaks Miner. petrogr, Mitteilungen, 1910. 
N. F., XXIX. Bd., S. 352, veröffentlichte geologische Kartenskizze) 
gilt als eine Fortsetzung des Brünner Granitstockes. Biotitgneise 
und „Biotitschiefer" treten ja selbst innerhalb des Brünner Granit- 
gebietes (Tikowitz-Mieltschan) auf, mitunter von Kalksilikatgesteinen 
Ijegleitet. Bei diesen Vorkommnissen läßt es F. E. Suess (Mylo- 
mite und Hornfelsgneise in der Brünner Intrusivmasse; Verh. d, 
k. k. geol. Reichsanst. 1906, S. 296) vorläufig unentschieden, ob 
sie ebenfalls durch den Granitkontakt veränderte Sedimente von 
vermutlich paläozoischem Alter sind. 

Mit Rücksicht auf die Situation der Kalksilikathornfelse von 
Popuwek, Womitz, Josefshof (Kyvalka) und Schebetein muß man 
wohl zugeben, daß die Entstehung dieser Kontaktprodukte dem 
Brünner Granitit zugeschrieben werden könnte. Es ist jedoch zu 
bemerken, daß die Substanz der innerhalb der Kalksilikatgesteine 
in Form von Adern und Gängen auftretenden granitischen Intrusionen 
mit dem Brünner Granitit sehr wenig Übereinstimmung aufweist. 

Schon F. E. Suess hat (Mylonite und Hornfelsgneise usw., 
Verh. der k. k. geol. Reichsanst. 1906, S. 293) betont, daß in 
einzelnen feldspatreichen Lagen der Hornfelsgneise zahlreiche, bis 
:i mm lange Säulchen von schwarzem Turmalin auftreten, währeud 
dieses Mineral sonst in den Massengesteinen und Ganggesteinen 
der Brünner Intrusivmasse niemals angetroffen wird. Die erwähn- 
ten „feldspatreichen Lagen" sind wohl als Injektionen aufzufassen 
und ihre i^bweichung von den aplitischen und pegmatitischen 
Gängen des Brünner Granitstockes gewiß bemerkenswert. Ich selbst 
habe bei Schebetein Stücke von Kalksilikatgestein mit aplitischen 
und pegmatitischen Gängen gesammelt, deren Ähnlichkeit mit den 
analogen Vorkommnissen des Brünner Granitgebietes ebenfalls nur 
gering ist. Die Abweichung betrifft zunächst den Feldspat, welcher 
nicht die charakteristische rote Farbe besitzt, sondern weiß, hell- 
grau bis dunkelgrau, im feuchten Zustande mitunter fast schwarz 
erscheint. Eine nähere Untersuchung dieses Feldspats auszuführen 
war mir bisher nicht möglich. 



111 

An den Salbändern der feldspatreichen Adern findet man 
nicht selten einen diallagähnlichen, grünen, im zersetzten Zustande 
auf den Absonderungsflächen mit einer dünnen Schichte von me- 
tallisch glänzendem Eisenhydroxyd überzogenen Pyroxen, der in 
ganz ähnlicher Ausbildung an vielen Stellen der „mora vischen 
Zone" vorkommt, dem Brünner Granitstock aber ebenso fremd ist 
wie der früher erwähnte Turmalin. Es sprechen also auch diese 
Verhältnisse ganz entschieden zugunsten meiner Annahme, daß die 
Kalksilikathornfelse der Brünner Eruptivmasse auf die Kontakt- 
metamorphose einer vordevonischen, der moravisclien Zone ange- 
hörigen Kalkscholle zurückzuführen sind. Sie füllen nicht die 
Lücken in dem langen, schmalen Devonkalkzuge aus, der den öst- 
lichen Randbruch der Boskowitzer Furche begleitet, sondern liegen 
zum größten Teil innerhalb des Granitstockes, während anderseits 
in unmittelbarer Nähe der randlichen Vorkommnisse (Tetschitz, 
Nesslowitz, Eibenschitz) auch unveränderte Devonkalke — min- 
destens in Form von zahlreichen Blöcken, höchstwahrscheinlich 
aber auch anstehend — auftreten. 

Zugunsten der Ansicht, daß der Brünner Granitit möglicher- 
weise doch jünger ist als das angrenzende Paläozoikum, wurde 
auch das angebliche Fehlen von Granititgeröllen in den ziemlich 
verbreiteten ])aläozoischen Konglomeraten unseres Gebietes geltend 
gemacht; das in den Permsandsteinen und Permk(mglomeraten 
mitunter sehr reichlich vorkommende kristallinische Material hat 
man anscheinend — und vielleicht mit Becht — immer nur auf 
das Gneisgebiet im Westen der Boskowitzer Furche zurückgeführt. 

Obwohl sich die bekanntlich als „Unterdevon'' aufgefaßten 
roten Quarzkonglomerate der nächsten Umgebung von Brunn infolge 
ihrer Eintönigkeit keineswegs als ein vielversprechendes Forschungs- 
objekt darstellen, habe ich ihnen doch mit Rücksicht auf ihre 
Ähnlichkeit mit den „archaischen" Konglomeraten der Umgebung 
von Tischnowitz seit jeher eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt. 
Ich habe insbesondere nach fremden, das heißt nicht aus Quarz 
bestehenden Einschlüssen gefahndet, war aber auch bemüht, den 
Kontakt zwischen dem „Unterdevon" und dem Granitit, beziehungs- 
weise Uralitdiabas, aufzufinden. Meine durch mehrere Jahre fort- 
gesetzten Untersuchungen ergaben schließlich doch einige Resultate, 
die nicht bloß die Charakteristik unseres sogenannten ..Unterdevons" 
um manchen neuen Zug bereichern, sondern auch wertvolle An- 



112 

haltspunkte zur Beurteilung des geologischen Alters der Brünner 
Eruptivmasse bieten. 

Fremde Einschlüsse sind in unseren Quarzkonglomeraten 
äußerst selten ; am häufigsten findet sich ein dunkelgrauer bis 
schwarzer Kieselschiefer, dessen mikroskopische Untersuchung nichts 
Bemerkenswertes bietet, ganz vereinzelt in kleinen Fragmenten ein 
feinkörniger, serizitischer Gneis. Nur ein einzigesmal fand ich ein 
kantiges Bruchstück von feinkörnigem, fast jaspisähnlichem Quar- 
zit, der sich durch seine eigentümliche rote Farbe und den lack- 
artigen Glanz von der übrigen Gesteinsmasse sehr scharf abhob. 
In der Nähe des sogenannten „Helgolandfelsens" auf dem Gelben 
Berge fand ich lose ein kleines, abgerolltes Stückchen von Amphibol- 
schiefer; daß auch dieses dem Konglomerat entstammt, will ich 
nicht behaupten, möchte jedocli bemerken, daß eine zufällige Ver- 
schleppung höchst unwahrscheinlich ist. 

Auch Einschlüsse fremder Mineralien werden im Brünner 
Quarzkonglomerat nur selten beobachtet. In den Erläuterungen zur 
geologischen Karte der Umgebung von Brunn von Makowsky und 
llzehak werden (S. o9 des Sep.-Abdr.) außer Glaukonit nur 
„derber Eisenglanz in blätterigen Stücken" und als besondere 
Seltenheit Eutil (nur ein einzigesmal von F. A. Kolenati gefunden) 
genannt. 

Ich fand überdies ein kleines, schwarzes, unscharf begrenztes 
Kristallsäulchen als Einschluß im Quarz; die mikroskopische Unter- 
suchung ergab parallele Auslöschung, es dürfte sich also wahr- 
scheinlich um Turmalin handeln. Auf Kluftflächen einzelner Quarz- 
gerölle beobachtete ich kleine, glänzende Blättchen von Muskowit, 
die zum Teil als Neubildungen aufzufassen sein dürften. 

Viel Interesse bot die optische Untersuchung von Dünn- 
schlifi'en des Quarzkonglomerats ; es zeigte sich, daß die im gewöhn- 
lichen Lichte ganz intakt erscheinenden Quarzkörner im polari- 
schen Lichte ein förmliches Mosaik bilden, dessen einzelne Teile 
miteinander oft in der kompliziertesten Weise verzahnt sind und 
häufig eine undulöse Auslöschung besitzen. In manchen Partien 
des Konglomerats sieht man zwischen den einzelnen Quarzkörnern 
kleine, opake Mineralkörnchen eingestreut, die im auffallenden 
Lichte einen deutlichen Metallglanz erkennen lassen. Mitunter sind 
diese Körnchen groß genug, um mit freiem Auge wahrnehmbar 
zu sein; da ich Einschlüsse, die man für Glaukonit halten könnte, 



113 

bei meinen Untersuchungen des Brünner Quarzkonglomerats nicht 
gefunden habe, so darf ich es wohl als zweifellos hinstellen;, daß 
der vermeintliche „Glaukonit" mit den oben erwähnten Erzkörn- 
chen identisch ist (vgl. meine Abhandlung: „Über einige geologisch 
bemerkenswerte Mineralvorkommnisse Mährens", Verh. d. naturf. 
Ver. in Brunn, XLVIII. Bd., 1909, erschienen 1910). Eine genauere 
Prüfung der letzteren ist kaum möglich. Es ist mir jedoch zufällig 
gelungen, bei einem Besuche des großen Steinbruches am „Roten 
Berge" eine Gesteinspartie zu finden, in welcher diese Erzkörnchen 
zu einer mehrere Zentimeter mächtigen, auf etwa 1 m Länge ver- 
folgbaren Schichte angehäuft waren. Da konnte ich nun leicht 
feststellen, daß wir es mit titanhältigem Eisenglanz zu tun haben, 
der sich hier, am Roten Berge, als letztes Residuum irgend eines 
basischen, der Zerstörung anheimgefallenen Eruptivgesteins, als 
fossiles Analogon der rezenten „Titaneisensande" abgelagert hat. 
Während der unser Konglomerat fast ausschließlich zusam- 
mensetzende Quarz auf keinen Fall der Brünner Eruptivmasse 
entstammt, sondern ohne Zweifel aus größerer Entfernung — wahr- 
scheinlich aus dem kristallinischen Gebiete der Gegend von Tischno- 
witz ^) — transportiert wurde, könnte man bezüglich der Provenienz 
des Eisenglanzes wohl an einzelne Eruptivgesteine der näheren 
Umgebung von Brunn denken, in erster Linie an die Diabase. 
F. E. Suess erwähnt bei der Beschreibung des Brünner Diabas- 
vorkommens (Vorläufiger Bericht über die geol. Aufnahme im süd- 
lichen Teile der Brünner Eruptivmasse; Verh. d. k. k. geol. Reichs- 
anst. 1903, S. 385) unter den Gemengteilen dieses Gesteins auch 
Titaneisen, welches er für eine Pseudomorphose nach Titanit er- 
klärt. Die scharfe Unterscheidung zwischen Titaneisen und titan- 
hältigem Eisenglanz wird bei sehr kleinen Körnern nicht immer 
leicht sein; ich selbst habe die Erzkörnchen unseres Quarzkonglo- 
merats mit Rücksicht auf die deutliche Titanreaktion, die ich bei 
ihrer Untersuchung beobachtete, ursprünglich auch als Ilmenit 
bezeichnet, dann aber die Bezeichnung „titanhaltigcr Eisenglanz" 



1) Es ist bemerkenswert, dail Quarzg-eröUe nicht bloü in den bisher als 
archaisch geltenden Konglomeraten von Wohantschitz usw., sondern auch in 
dem dichten, meiner Vermutung nach paläozoischen (vordevonischen) Kalk- 
stein des Kwietnitzaberges (Südabhang) bei Tischnowitz vorkommen; sie sind 
mitunter bis haselnußgroß. Kleine Quarzkörner treten mitunter auch im raittel- 
devonischen Kalkstein auf und vermitteln t'bergänge desselben in Sandsteine. 

Zeitschrift des mähr. I-:mdesniuseum.s. XII, 1. ^ 



114 

vorgezogen, weil die Mehrzahl der Körner beim Zerreiben ein 
rötlichbraun gefärbtes Pulver gibt. Für unsere Frage ist es übrigens 
ganz gleichgültig, ob wir es mit Ihnenit oder Eisenglanz zu tun 
haben; wichtig ist jedoch die Tatsache, daß es unter den „Grün- 
steinen" der Umgebung von Brunn auch solche gibt, welche ganz 
gleiche Erzkörner enthalten wie das unterdevonische Quarzkonglo- 
merat. Ich fand ein Geröllstück von dichtem, stark verändertem 
Grünstein, auf dessen geglätteter Oberfläche ziemlich reichliche, 
dunkelgraue, metallisch glänzende Körnchen schon mit freiem Auge 
erkennbar sind, in dem ,. unterdevonischen" Konglomerat des Haiden- 
berges (Hadyberg), ein Fund, der auf ein wenigstens zum Teil 
vordevonisches iilter unserer Diabasergüsse hinweist. Die letzteren 
sind ja heute bereits sehr stark abgetragen und es läßt sich des- 
halb ohneweiters annehmen, daß gerade die durch reichlicheres 
Vorkommen von Eisenglanzkörnern ausgezeichneten Partien der 
Zerstörung anheimgefallen sind. Überreste dieser zerstörten Partien 
sind eben die Gerolle im „unterdevonischen'- Konglomerat des 
Haidenberges und die Eisenglanzkörner der Brünner Quarzkon- 
glomerate. Die rote Färbung der letzteren ist zum Teil auf die 
primäre Färbung der QuarzgeröUe, hauptsächlich aber auf das 
dem Bindemittel beigemengte Eisenoxyd zurückzuführen. Das letztere 
tritt entweder als rotes Pulver oder auch in Gestalt dünner, me- 
tallisch glänzender Häutchen auf der Oberfläche der GeröUe oder 
auf Kluftflächen auf; ausnahmsweise beobachtete ich auch winzige, 
sechsseitig begrenzte Täfelchen. In gewissen Partien der Konglo- 
merate und Sandsteine finden sich reichliche Ausscheidungen von 
Limonit, mitunter — ■ wie z. B. im großen Steinbruch am Roten 
Berge — größere traubige Massen von schwarzbrauner Farbe. 
Dieser auffallende Eisenreichtum dürfte wenigstens zum Teil auf 
die Zerstörung basischer, eisenreicher Diabasgesteine der Umgebung 
von Brunn zurückzuführen sein; daß hier solche Gesteine schon 
in vordevonischer Zeit tatsächlich vorhanden und der Denudation 
preisgegeben waren, beweisen unwiderleglich die oben erwähnten 
Geröllstücke aus dem Konglomerat des Haidenberges. 

Aber auch die granitischen Gesteine der Brünner Eruj)tiv- 
masse scheinen in den altpaläozoischen Sedimenten Spuren ihres 
Vorhandenseins hinterlassen zu haben. Ein Teil der „unterdevoni- 
schen" Sandsteine trägt nämlich den Charakter typischer Arkosen, 
deren reichliche Feldspatbeimengung ganz ungezwungen auf den 



115 

Brünner Granit zurückgeführt werden kann, wenn es auch bei der 
immerhin ziemlich vorgeschrittenen Zersetzung der Feldspate schwer 
möglich ist, ihre Identität mit den Feldspaten des Brünner Granits 
mit voller Sicherheit nachzuweisen. Hie und da — so z, B. am 
rechten Schwarzaufer zwischen dem Roten Berge und dem Schreib- 
wald — ist den Sandsteinen auch sehr reichlich (Uimmer l)eige- 
mengt; viele Glimmerblättchen sind noch dunkelgrün, andere sind 
hellgrün bis nahezu silberweiß, wobei sich zwischen den verschie- 
denen Farben alle möglichen Abstufungen vorfinden. Einzelne 
dieser Glimmerblättchen bilden verhältnismäßig große, deutlich 
sechsseitig begrenzte Tafeln, die genau dem zumeist idiomorpli 
ausgebildeten Biotit des Brünner Granitits entsprechen und meiner 
Überzeugung nach auch tatsächlich diesem Gestein entstammen; 
ihre helle Farbe ist ohne Zweifel bhjß auf eine Ausbleichung 
zurückzuführen, wie sie auch an den anderen Glimmerblättchen 
deutlich zu erkennen ist. 

Es wäre meiner Ansicht nach sinnlos, diese Glimmereinschlüsse 
auf irgend ein entfernteres Gesteinsvorkommen beziehen zu wollen, 
da schon die Erhaltung der scharfen, kristallographischen Begren- 
zung bei einem so weichen Mineral die Annahme eines längeren 
Transportes ausschließt. Es wäre wohl auch gar nicht leiclit, außer- 
halb des Brünner Granitstockes ein Gestein aufzufinden, welches 
den idiomorphen, dunkelgrünen Biotit geliefert haben könnte. 

Auch das früher erwähnte Konglomerat des Haidenbergcs 
enthält granitischen Detritus. Stellenweise ist roter Orthaklas reich- 
lich angehäuft und auch Brocken von Granit linden sich vor. 
Allerdings läßt sich die Zugehörigkeit dieser Granitbrocken zum 
Brünner Granitit sehr schwer beweisen; der letztere zeigt aber 
heute noch eine so l)edeutende Mannigfaltigkeit in der Ausbildung, 
daß es nicht angeht, die Möglichkeit der Zugehörigkeit der erwähn- 
ten Graniteinschlüsse zum Brünner Granitstock von vornherein zu 
bestreiten. Schon in den Erläuterungen zur geolog. Karte der Um- 
gebung von Brunn (S. 39 d. Sep.-Abdr.) von Makowsky und Rze- 
hak werden die Konglomerate des Haidenbergcs als syenitische 
Konglomerate bezeichnet; gleichzeitig wird bemerkt, daß die Granit- 
einschlüsse derselben ..mit einigen Varietäten des vielgestaltigen 
granitischen Syenits von Brunn" vielfach übereinstimmen. Die Ab- 
weichungen können, ähnlich wie bei den früher erwähnten Diabas- 
sesteinen, wohl dadurch erklärt werden, daß die schon in vor- 



116 

devonischer Zeit der Abtragung ziigängiichen, peripherischen Par- 
tien unserer Granitmasse etwas anders ausgebildet gewesen sein 
können als die jetzt bloßgelegten tieferen Teile des Batholithen. 
Bei einer kürzlich zum Zwecke der Wasserbeschaffung im Alt- 
brünner Bräuhause ausgeführten Bohrung traf man in der dilu- 
vialen Schotterschichte auf Granitgerölle. die mit dem Typus des 
Brünner Granitits nur wenig Ähnlichkeit besitzen und doch ohne 
Zweifel unserer Eru})tivmasse entstammen. Sie erinnern ziemlich 
lebhaft an den sehr glimmerarmen, durch grellroten Orthoklas aus- 
gezeichneten Granit der Umgebung von Schebetein, aber ebenso 
lebhaft auch an die interessanten Granitgerölle aus dem Kulm der 
Gegend von Waidenburg. Das Ursprungsgebiet dieser letzterwähn- 
ten Gerolle ist bisher gänzlich unbekannt; durch meine Beschrei- 
bung des Granits von Schebetein (in der zitierten Abhandlung 
„Über einige geologisch bemerkenswerte ]\[ineralvorkommnisse 
Mährens", S. 167) sah sich Herr Prof. Dr. Zimmermann in 
Berlin veranlaßt, mir gegenüber die Ähnlichkeit dieses Granit- 
vorkommens mit gewissen Varietäten der granitischen Kulmgerölle 
von Waidenburg zu betonen und die Möglichkeit eines Znsammen- 
hanges anzudeuten. Nach Austausch einiger Probestücke konnte 
ich konstatieren, daß der rote Granit der Kulmgerölle von Gaablau 
bei Gottesberg mit dem roten Granit von Schebetein tatsächlich 
eine sehr große Ähnlichkeit besitzt; noch größer ist die Überein- 
stimmung desselben mit dem Granit aus dem Diluvialschotter von 
Altbrünn, und wenn es auch vielleicht gewagt ist, aus der äußer- 
lichen Übereinstimmung zweier Gesteine weitgehende Schlüsse zu 
ziehen, so kann ich doch nicht umhin, dem Gedanken Ausdruck 
zu geben, daß die Granitgerölle im Kulm von Waidenburg einem 
nördlichen, jetzt der Beobachtung nicht mehr zugänglichen Aus- 
läufer des Brünner Granitstockes entstammen mögen. Wie bereits 
bemerkt wurde, gilt ja auch der Granit von Maissau als eine 
Fortsetzung des Brünner Granitstockes, obzwar die petrographische 
Übereinstimmung keine vollständige ist; die Entfernung Brunn— 
Maissau ist jedoch ungefähr ebensogroß wie die Entfernung Brunn — 
Waidenburg. Dazu kommt, daß die Vorkommnisse von Waiden- 
burg annähernd in die Streichrichtung des Brünner Granitzuges 
fallen, so daß sich aus der Situation keinerlei Einwände gegen 
die Annahme eines genetischen Zusammenhanges dieser Vorkomm- 
nisse ableiten lassen. Wenn nun im Kulm der Um^ebuner von 



117 

Waldenbiirg Grauitgerölle vorkommen, deren Zugehörigkeit zum 
Brünner Granitstock zum mindesten als wahrscheinlich bezeich- 
net werden kann, so ist zu erwarten, daß auch das Paläozoikum 
der Umgebung von Brunn nicht ganz frei von derartigen Ein- 
schlüssen sein dürfte. Mag man auch annehmen, daß die bereits 
erwähnten Vorkommnisse (Feldspate und Biotit in den „unter- 
devonischen" Sandsteinen der Umgebung von Brunn, die „syeniti- 
schen" Konglomerate des Haidenberges) nicht mit Sicherlieit 
auf den Brünner Granit zurückgeführt werden können, so lassen 
sich doch einige Tatsachen anführen, die ganz entschieden 
gegen das postdevonische Alter der Brünner (iranitintrusion 
sprechen. 

Schon K. Reichenbach hat in seinen „Geolog. Mitteilungen 
aus Mähren" (Wien, 1834) angegeben, daß in der Gegend zwischen 
Hradkow, Wratikow und Walchow (bei Boskowitz) stellenweise 
ein allmählicher Übergang zwischen „ Syenit •' und dem Sandstein 
des „Lathons'' beobachtet werden kann: das Bindeglied bilden 
„Syenitschiefer" und verschiedenartige quarzreiche, mitunter talkige 
oder tonige Schiefergesteine. Ahnliche Gesteine treten auch in 
anderen Gegenden unseres Granitgebietes (so z. B. im Punkwatal, 
aber auch in der näheren Umgebung von Brunn) auf, sind jedoch 
wenigstens zum Teil auf mechanische Beeinflussungen des Granits 
(in sogenannten ., Quetschzonen") zurückzuführen. 

Es gibt jedoch tatsächlich in unserem Devongebiet Vorkomm- 
nisse, die man wohl mit dem die Unterlage bildenden Granit in 
genetische Beziehungen bringen darf. Ob die C^uarzkörner gewisser, 
anscheinend den liegendsten Schichten des Mitteldevons angehöriger 
Kalksteine mittelbar (durch das sandige „Unterdevon") dem Granit 
entstammen, wie Reichenbach (loc. cit. S. 78 f.) angenommen 
hat, läßt sich nicht beweisen; wohl aber kann die oft überreich- 
liche Beimengung von granitischem, durch roten Othoklas charak- 
terisiertem Detritus in den die Basis des Devonkalksteins bildenden 
Konglomeraten des Haidenberges und der Umgebung von Billowitz 
ohne jeden Zwang auf den granitischen Untergrund zurückgeführt 
werden. Ein nicht seltener Bestandteil dieser Konglomerate sind 
rote, sehr feinkörnige bis nahezu dichte Aplite, wie sie im Brünner 
Granitgebiet allenthalben verbreitet sind. Die Grundmasse, in der 
die Gerolle eingebettet erscheinen, ist oft so reich an granitischem 
Detritus, daß einzelne Gesteinsi)artien, in denen nur sehr wenige 



118 

oder gar keine Gerolle eingeschlossen sind, ganz das Aussehen 
von „regeneriertem" Granit besitzen. 

Die Schichtungslosigkeit erhöht die Ähnlichkeit mit Granit 
so, daß einzelne Yurkommnisse — wie z. B. das in unmittelbarer 
Nähe des Billowitzer Försterhauses ganz in den (xranit eingesenkte, 
sehr gut aufgeschlossene Gestein — erst durch die Einschlüsse 
von Gerollen als unzweifelhaft klastische Gebilde zu erkennen sind. 
Die Auflagerung derselben auf dem Granit ist nicht zu sehen; 
die horizontale Schichtung, die H. Bock (loc. cit. Ö. 262) in dem 
von der eisernen Brücke in Billowitz ostwärts gegen den Kanitzer 
Berg führenden Tälchen etwa 500 m von der Brücke beobachtet 
hat, bezieht sich nur auf Trümmer der Konglomerate und Sand- 
steine, die von den Gehängen des Kanitzer Berges herabgetragen 
und in der Talsohle auf der Granitunterlage deponiert worden 
sind. Es läßt sich leicht feststellen, daß die Talhänge selbst aus 
Granit bestehen, während nur wenige Schritte hinter dem Förster- 
hause ein unzweifelhaftes Konglomerat mit vorwiegendem graniti- 
schem Detritus an Brüchen in den Granit versenkt erscheint. 

Diese granitischen Konglomerate scheinen echte „Grundkon- 
glomerate" zu sein, die bei der Transgression des Devonmeeres 
entstanden sind. In dem großen, auf dem Haidenberge eröftneten 
Kalksteinbruche, der die am Fuße des Berges gelegene Zement- 
fabrik alimentiert, sind seit einiger Zeit die granitischen Konglo- 
merate sehr schön aufgeschlossen; sie stoßen auf der nördlichen 
Wand des Steinbruches an einer fast saiger einfallenden Verwer- 
fung an den flach gelagerten Kalkstein, der in den tieferen Par- 
tien teils konglomeratartig, teils als eine Reibungsbrekzie entwickelt 
ist. Granitischer Detritus mengt sich hier vielfach mit dem Kalk, 
der entweder in einzelnen Schnüren auftritt oder auch das Binde- 
mittel der Granittrümmer und GranitgeröUe bildet. Ich fand in 
einem Stück des kalkigen Granitkonglomerats ein sehr deutliches, 
unabgerolltes Cyathophyl lum, ein Beweis, daß die Bildungszeit 
dieser Konglomerate tatsächlich in die Devonzeit — allem A\\- 
scheine nach in das untere Mitteldevon — fällt. Der rote Orthoklas 
tritt in diesen Gesteinen zumeist sehr auffällig hervor, doch finden 
sich auch Stücke von arkoseähnlichen, grell roten Sandsteinen, 
die ziemlich große Tafeln von dunkelgrünem Biotit enthalten, so 
daß meiner Ansicht nach an der Zugehörigkeit dieser Granite zur 
Brünner Eruptivmasse nicht gezweifelt werden kann. Es fehlen 



119 

auch die roten, aplitischen Gesteine nicht, doch kommen auch 
Gerolle vor, die sich vom Ty{)us des Brünner Granits ziemlich 
weit entfernen; auch bei diesen ist die Zugehörigkeit zur vielge- 
staltigen Brünner Eru])tivmasse durchaus nicht ausgeschlossen, 
wenn man berücksichtigt, daß es sich ja um Überreste von zer- 
störten Teilen unseres Batholithen handelt. Einzelne GeröUe er- 
innern lebhaft an den glimmerarmen Granit von Schebetein, sowie 
an die bei der Bohrung in Altbrünn aufgefundene Varietät und 
an gewisse Granitgerölle der Waldenburger Kulmkonghimerate. 

Au der Südwand des großen Haidenbergsteinbruches wird 
undeutlich geschichteter Kalkstein von einer mächtigen, ungeschich- 
teten Lage von granitischem Konglomerat scheinbar überlagert. 
Die Grenze gegen den Kalk ist ziemlich scharf, das Einfallen der 
Grenzfläche mäljig steil (etwa 45'^) gegen Südwest. Unweit von der 
Kalkgrenze ziehen sich durch das Konglomerat einzelne kalkige 
Schnüre, welche andeuten, daß nach der Ablagerung der Haupt- 
masse dieser Konglomerate die Sedimentierung von Kalkschlamm 
begann. Die scheinbare Auflagerung der Konglomerate auf dem 
Kalkstein ist wohl auf eine Überlappung oder Überschiebung zurück- 
zuführen, denn daß der Granit älter ist als der Kalkstein, beweist 
unwiderleglich ein von mir aufgefundenes Kalksteinstück, in welchem 
ein scharfkantiges Fragment von rotem Granit allseitig vom Kalk- 
stein umschlossen erscheint. Für diesen Graniteinschluß einen 
Transport aus entlegenen und überdies kaum auffindbaren Granit- 
gebieten — dem Ostrande der böhmischen Masse sind derlei rote 
Granite gänzlich fremd — anzunehmen, wird wohl niemand wagen 
wollen; es dürfte somit durch dieses Fundstück die Frage nach 
dem Alter der Brünner Eruptivmasse endgültig beantwortet sein. 



Feiiersbnmst in Nikolsbiirg 14. September 1784. 

Von Prof. Dr. Josef Samsour. 



In seiner kirchlirhen Topographie von Mähren, Band II, 
Seite 45, führt Wolny au, daß am 14. September 1784 eine 
furchtbare Feuersbrunst in Nikolsburg außer 350 städtischen 
Häusern auch die herrliche Kirche St. Anna und die berühmte 
Lorettokapelle samt der inneren Einrichtung von Holz und dem 
kostbaren Altarbilde, wie auch das in der Nähe beiiudliche Ka- 
puzinerkloster und dessen Kirche verzehrte. Bei Gelegenheit der 
Durchsicht der Aufhebungsakten der mährischen Klöster unter 
Kaiser Josef II. entdeckte ich in dem Faszikel K 20.32 der 
k. k. Statthaltereiregistratur unter Nr. 18433/2884 einen amtlichen 
Bericht über diese Feuersbrimst, welchen der damalige Brünner 
Kreishauptmann Johann Nep. Graf Althann, der sich gleich 
bei erhaltener Nachricht nach Nikolsburg begeben hatte, dem 
damaligen mährischen Gubernator Grafen Ludwig Cavriani 
einsendete. Da derselbe nicht ohne Interesse sein dürfte, übergebe 
ich ihn hier mit der Erlaubnis der p. t. Redaktion der Öffent- 
lichkeit. Der Bericht hat folgenden Wortlaut: 

Euere Excellenz! 

Gleich bei erhaltener traurigen Nachricht einer in der Stadt 
Niklaspurg untern 14 ^ dieses, Nachmittags gegen halb ein Uhr 
entstandenen und daselbst heftig gewütet gehabten Feuersbrunst, 
eilte ich in die durch den Brand verunglückte Stadt. Den 16' Vor- 
mittags gelangte ich allda an und nähme ohnverweilt die von den 
Feuersflammen hinterlassene Brandstätte in den aufmerksamsten 
Augenschein. 

Bei dem Stadt niklaspurger Postmeister — allwo die Feuers- 
brunst, der allgemeinen Sage nach, ihren Anfang genommen haben 
. solle — wurde auch der Anfang zur Besichtigung gemacht. 



121 



Elle und bevor noch die gänzliche Summe der eingeäscherten 
Häusern von mir bestimmet wird, muß ich erwähnen: daß das 
neben dem Postmeister zur rechten Hand (wenn das xlngesicht 
gegen Sonnenaufgang gewendet wird) gelegene Bankalhaus, ausser 
der Amtierungsstube, und 4 gewölbten Zimmern, die doch eben 
von den Thüren und Fenstern hierin ausgebrennet sind, gänzlich zu 
Grunde gegangen seyn; daß die zur linken Hand situirten Frohn- 
festen, worunter auch das Rathaus begrifien ist, zum größten 
Teil: und endlich daß die neben dem Bankalhaus abwerts herunter 
gestandene Kapuziner St. Annakirche, und Loretto-Kapellen, samt 
dem Kloster ein Raul) der Flammen geworden seyen. 

Die Verwüstung in der Stadt selbst ist ungemein groß, und 
begreift lediglich in dem Stadtviertel 20 Häuser. 

In der Vorstadt ist dieselbe noch viel grösser: 

Das Oberdorfer Viertel zehlet 88 

das Obersteinzeilviertel 154 

und das Untersteinzeilviertel 8Í) Häuser. 

In der Summe also hat Niklaspurg 342 meisten Theils bis 
in den Grund ab- und ausgebrennte Häuser durch die Feuers- 
brunst verlohren. 

Es verbliebe also nur ein Theil der Häuser in der Stadt, 
samt dem fürstlichen Schloße, und einige herrschaftlichen Ge- 
bäuden unbeschädiget. 

Die Judenstadt ward ebenfalls von dem Brande unberührt 
belassen; und endlich ein sehr kleines Stück der in der Vorstadt 
gelegenen Neustift; samt dem Piaristenkloster, und ein Theil in 
dem Oberdorfer Viertel hatte das Glück, von dieser Feuersbrunst 
errettet zu seyn. i^ber auch der ganze Überrest dieser gleich ge- 
dachten Häusern wäre in Flammmen aufgegangen, wenn nicht die 
sowohl von dem Bürgerstand, als auch den allda liegenden 
Militaire angeboten Kräften — vereinbaâret, die besten Mittel zur 
Rettung des annoch über gebliebenen Theils — angewendet, und 
liiedurch dem gewaltigen Raube des Feuers Einhalt gethan 
worden wäre. 

Das Feuer hatte schon in der benannten Xeustift viele 
Häuser eingeäschert; durch die schleunigst vorgenommene Ab- 
dachung des daselbst situirten Hauses sub N° 81 wurde es aber 
weiter schreiten zu können, gehemmet. Eben das nämliche geschähe 



122 

in der Stadt, wo durch ein ununterbrochenes Gissen des Wassers 
auf das Haus des allda bestehenden Apothekers, die nach selben 
weiter lauöende Reihe vom Feuer befreiet worden sind. 

Die Wut der ausgebrochenen, und augenblicklich weit um 
sich her gegriffenen Flammen, solle der vollständig übereinstim- 
menden Sage des Militairs — der Beamten — und allseitigen 
Bürgern so groli gewesen seyn, daii sie sammentliche glaubten 
die ganze Stadt Niklaspurg würde — ohne Ausnahme — in die 
Asche geleget w^erden. Von dieser Warheit ward ich bei Be- 
augescheinigung der Brandstätten überführt. Die von den bürger- 
lichen Wirtschaftsmännern eingefechsente Frucht wurde in Asche 
verwandlet; ihre sammentliche Habseligkeiten und Hausgerät- 
schaften mußten — wegen dem so eilends über Hand genom- 
menen Feuer im Stiche gelassen werden; und die Menschen hatten 
kaum so viel Zeit sich — und ihr besitzendes Vieh retten zu 
können. Der bei diesen Unglück verbrennten Personen zehlet 
man schon dermalen 18 an der Summe, zum gröliten Theil er- 
wachsene Personen, die bei dem Unternehmen ihr Gutt in Sicherheit 
bringen zu wollen, das Leben einbüßten. 

Von dem zu Grunde gegangenen Vieh läßt sich noch nichts 
gewisses bestimmen: weilen das verlohren gegangene, mithin izt 
noch vermissende Vieh sich auch — ohne in den Brand zu ge- 
raten — habe verlaufen können. Von zwei Pferden und einem 
Knechte, die das Feuer verzehrt hatte, erhielte man allererst eine 
Gewißheit, da sie in der Asche vergraben befunden worden sind. 

Und da die eingeäscherten Haüser noch größten Theils in 
ihrem Einstürze liegen, gefolglich von dem zusamm gefallenen 
Schotter und verbrennten Balken noch nicht geräumet sind; So 
wird sich der Verlust an Menschen und Vieh allererst damals 
genau bestimmen lassen, wenn die Räumung der Brandstätten 
vollends zu Stande gebracht sein wird. Die hie und da annoch 
in glühender Asche liegende Häusermauern und Brandstellen 
tragen auch bei, daß dieselben von ihrem verbrennten Unräte 
nicht gereiniget werden können. 

Bei meiner Ankunft nach Niklai^purg träfe ich das annoch 
hell brennende Feuer bei verschiedenen Brandstätten an. Meine 
vorzüglichste Sorge wäre daher — mittelst Vorruffung der zur 
Herrschaft Niklaspurg gehörigen, und nahe bei der Stadt in 
Dörfern vorhanden Unterthanen (welches zugleich auch geschähe 



123 

von der angrenzenden Herrschafft Dürnbolz) den annocb in ver- 
schiedenen Oertern ansichtig gewordenen Brand zu löschen, und 
damit die Sicherheit von aller — durch einen neuen Ausbruch des 
Feuers entstehen könnenden Grefabr — herzustellen. 

Im ganzen genommen: nmß man dermalen in Niklaspurg den 
größten Theil dieser Stadt in blossen Mauern und leer stehenden 
Schorsteinen erblicken; die in Jammer und Elend versezte und 
um Hilfe anrufende Leute aber bemittleiden. 

Um diese in der Not darbende Abbrändler aufs wenigste von 
dem Hunger zu befreien, machte ich die Verfügung: dali das in der 
Stadt vorräthige Mehl den Beckern zu Verback — und Austheilung 
des Brods an die ärmst — Verunglückte, Haus für Haus zugeführet, 
und durch zween Ratsdeputirte ordentlich ausgespendet wurde. 

Zur Erleichterung der Abbrändlern ist das Militaire einst- 
weilen bis auf weiters vom hohen Orte trefiende Verfügung in die 
der Kaiserstrassen am nächsten gelegene Ortschaften: Pardorf, 
Klentitz, Bergen, Ober- Unterwisternitz und Tracht, mit dem 
Schlafkreuzer, bis auf den Herrn Obristwachtmeister, Wappler, 
und einen Offizier mit 30 Mann, welche in den gemeinschaftlichen — 
gar nicht beschädigten Zimmern, oder Chambreen, zu Bewachung 
der Schatzkammer, die, wie schon lierichtet, ohne Thüren sind, 
und des in der Loretto Scliatzkammer, sich annocb befindlichen 
Schatzes, verblieben, verlegt worden. 

Nach der in etwas geschilderten traurigen Lauge, in welcher 
sich nunmehr die ganze Stadt Niklaspurg befindet, sehe ich mich 
bemüssiget annocb folgende Auskünfte zu geben: 

1*""'^ Sind die in der ebenfalls halb eingeäscherten Frohn- 
feste gewesene Delinquenten, einstweilen auf die herrschaftliche 
Schloßwache, zur sicheren Aufbewahrung untergetheilet worden. 

2'""- Unterliegt das annocb von der Feüersfiamme gerettete 
Bankalsgebäude bei etwa einfallenden starken Regewetter, welches 
nach so lang fürgewehrter Trockene wohl bald und anhaltend er- 
folgen kannte, einem unausbleiblichen Einstürze, wenn selbes nicht 
bald l)edachet würde. Weßhalben auch die Oberbeamte aus — 
und in die Stadt einquartieret werden müssen. TTnd für das zum 
nötigen Vorrat künftig beiführende Salz, da für das gerettete, 
durch vorläufige Eindachung mit Brettern die Vorsehung getroften 
wird, habe bei den P. T. Piaristen drei gewölbt«^ Zimmer aus- 
findig gemacht. 



124 

ßteus. j\inde ich bei der abgebrennten Lorettokirche einen 
sehr beträchtlichen, oben schon berührten Schatz, der der Kirche 
gehörig zu seyn angegeben wurde. Ich hatte denselben als ein dem 
Religionsfond zugehöriges Gutt aus diesem Grunde anbetrachtet, 
weilen die — durch die fürgewesene Feüersbrunst zerstehrte 
Kirche nicht änderst anzusehen kömmt. 

In Kücksicht dessen wurde denjenigen, die bisher die Obsorge 
darüber getragen hatten, solche fernerhin mit dem Zusätze bei- 
l)el;issen: dal) selbe zu dessen hinkünftigen sichern Aufbewahrung 
die nötige Verschlage machen lassen sollten, um auf den ersten 
Befehl solchen demjenigen, der da/u beordert werden würde, über- 
geben zu können. Nur kömmt zu bemerken: daß dieser Schatz 
1)is zur Stunde sicher aufbewahret seye; Weilen jedannoch den in 
zimlicher Anzahl — den Vernehmen nach, — herum irrenden 
liederlich- und räuberischen Gesiudl nicht zu trauen ist; So 
glaubete ich ohnmaaßgebigst, daß solcher je eher desto besser von 
da gehoben, und in das fürstliche Schloß zur Aufbewahrung über- 
geben werden sollte. Zu dessen mehrerer Sicherheit ist zu den 
Aufbewahrungsort eine Militairewache gestellet worden; und diese 
erhielt zugleich den Auftrag keinen Menschen in die ebenfalls 
durch die Flammen verwüste Lorettokapellen zu lassen: eines 
Theils weilen die hie und da einstürzen wollende Mauern, jedem 
sich herbei nahenden, die Gefahr einer Beschädigung drohen, und 
andern Theils, weilen unter den daselbst sich gehäuften Schotter 
verschiedenes, aus der Kapelle — ob der vorhanden gewesenen 
Unmöglichkeit nicht gerettet wordenes Sielber, verborgen lieget. 
Um also einer Seits allem Unglücke vorzubeugen, und anderer 
Seits das besagter massen mit dem Schotter verschütte Sielber 
der Entfremdung nicht auszusetzen, wurde jedem der Zutritt dahin 
untersaget. 

Zum Schluße muß ich Euer Excellenz die über die Entstehung 
des Feuers aufgenommenen Konstituten, weilen jedoch zu wissen 
daran gelegen ist: durch wem? wie? und wo Orten dieses Feuer 
entstanden seye? Dann ob es aus Unvorsichtigkeit — Nachlässig- 
keit — oder gar aus Bosheit seine Entstehung habe? und über- 
haupt, wer entweder des Ursprunges, oder Verhöhlung, oder aber 
Nichtilgung desselben, da solches in seiner Macht stunile, beschul- 
diget werden könne? gehorsamst vorlegen; und so viel als durch 
allmöglich angewendete Mühe mit Vernehmung der gleich bei dem 



125 

Anfange des Feuers gegenwärtig gewesenen Individuen, erheben 
konnte, einberichten, daß das Feuer im Hause des zu Niklaspurg 
bestehenden Postmeisters entstanden seye. Allda habe nämlich 
der vorhandene Misthaufen den 14**° dieses, um halbe ein Uhr 
Nachmittags gebrennt: von selben das daran stehende zu Auf- 
bewahrung der Postkaleschen gewidmet gewesene Schupfendach 
gefangen, und ohne die Flammen ersticken, oder erlöschen zu 
können, sich augenblicklich mit der anfangs erwähnten Wut 
verbreitet. 

Von jedem verhörten Konstituten wird gleichstimmig an- 
gegeben: daß das Feuer in des Postmeisters Wohnung am ersten 
entdecket worden seye. Der diesen Brand verunglückte Postmeister 
stellet dieses Angeben selbst nicht in Abrede. 

Allein wie dieses Feuer auf dem Misthaufen entstanden seye? 
ob durch Nachlässigkeit, oder Unbesorgsamkeit der beim Post- 
meister dienenden Postknechte? oder gar durch Argheit eines 
Bößwichts die Feüersflamme erwecket, und also diesem der Stadt 
zugestossenen betrül)ten Schicksaale Ursach gegeben worden seye? 
mit einem Worte: wie der in des Postmeisters Behausung gelegene 
Misthaufen sich gezunden habe? wäre noch nicht auszuforschen. 
Und da blosse Mutmassungen in einem dem dritten zur Straffe 
angerechnet werdenden Falle, nicht Platz greifen; So kann auch 
in der gegenwärtigen traurigen Geschichte auf eine Vermutung, 
da sie von keinem Beweise unterstützet wird, nichts gegründet 
werden. 

Was übrigens die den x^bbrändlern nötige Unterstützung 
und erforderliche Hilfe belanget, ohne welcher sie ihren gehabten 
Besitzstand ungezweifelt verlassen müßten, und auf andere — 
vielleicht gar unerlaubte Wege — ihr Leben fristen; So bin ich 
der Meinung: daß ihnen erstens mit der gewöhnlichen Aushilfe 
einer liandesbonifikazion; und zweitens mit den Beiträgen einer 
allgemeinen Almosensammlung, in sammentlichen kaiserlichen Erb- 
ländern, das empfundene Unglück erleichteret werden sollte. 

Weilen aber diese zwei belobte Hilfsmittel sich allererst in 
einem Verlaufe der Zeit wirksam bezeigen; wo doch die Elenden 
einer thätigen Unterstützung schon dermalen bedürftig sind, und 
solche um so mehr benöthigen, als der rauhe Winter sich annähert, 
durch welchen sie ohne einer ibnen izt schon angebotenen hilflichen 
Hand, wenn niclit zu (Irunde gehen, aufs wenigste im aüssersten 



126 

Elende schmachten müßten; Als würde die allermildeste Yursorge 
iinsers allergnädigsten Regentens — diesen äusserst dürftigen 
Unterthanen ihre drückende Bürde des Unglücks in diesem Falle, 
ohne Maß erleichtern, und vorsonderliche Ausgiebigkeit beischaffen 
können. 

Dieser so reichlichen Quelle vorausgesetzet, werde auch ich 
nicht unterlassen die Grundobrigkeit der diesfälligen Bedrängten — 
mit Vorstellung ihres Jammers — anzugehen, womit selben zugleich 
von dieser Seite mit thätiger Hilfe beigesprungen werden möchte. 

Brunn den 18^- September 1784. 

Michael Johann Graf von Althann. 



Ein îiiahriscJier Literarhistoriker. 

Vortrag, 
gebalten in der ]Mäbr. Museumsgesellschaft zu Bri'um am 7. Oktober 1911 

von Bei-nbard M ü n z . 



Was ist die Aufgabe eines Literarhistorikeis? Der Zweck, 
der ihm zu oberst vorzuschweben hat, besteht in der Anregung 
und Wegweisung für den Leser zum eigenen Genuß der Literatur- 
werke. Es gibt trotz des ungeheuren Betrie])es der Literatur- 
wissenschaft immer noch Hunderttausende hochgebildeter Deutscher, 
die von der Beschäftigung mit Literatur nicht so sehr gelehrtes 
Wissen wie edelste Geistesbildung und innere Erhebung begehren. 
Vornehmlich für solche Leser sind die Studien des mährischen 
Literarhistorikers, üljer den ich heute hier spreche, bestimmt. Er 
spricht nicht überwiegend an den Werken, die ihn beschäftigen, 
vorbei oder hoch über sie hinweg seine selbstbewußten Ansichten 
aus, sondern er bietet dem Leser möglichst viele Tatsachen und 
er will vor allem andern zum Lesen der W^erke, nicht zum Nach- 
sprechen von Urteilen antreiben. Denn alle Literaturgeschichten, 
auch die berühmtesten, gehen dahin; einzig und allein die Werke 
der Literatur bleiben. 

Ein Führer des Lesers soll der Literarhistoriker sein, kein 
Vormund seines Urteils. Unser Literarhistoriker hat denn auch das 
ästhetische Gerede über die Literaturwerke zurückgestellt, hinter 
die Tatsachen und die Werke selbst, und gerade bei den größten 
und bekanntesten Dichtungen hat er absichtlich das eigene Urteil 
am meisten eingeschränkt. 

Der Literarhistoriker ist nicht Sittenrichter; er hat auch nicht 
die Aufgabe, mäkelnd und vorwitzig zu untersuchen, was aus 
diesem oder Jenem Dichter wohl geworden wäre, wenn er irgend 



128 

etwas anderes hätte sein wollen, als was er tatsächlich gewesen 
ist. Einer unserer besten neueren Dichter, J. G. Fischer, wünschte 
sich von allen Literaturgeschichten eine solche, „welche gelassen 
den Mann, wie ihn sein Herrgott erschuf". Eine literargeschicht- 
liche Betätigung darf auch den Verfasser nicht dazu verleiten, voll 
Stolz auf sein notwendig grolJes Wissen jemals die Ehrerbietung 
vor den wahrhaft Schaffenden, auch vor den kleineren, zu vergessen. 
Es ist vielmehr seine Pflicht, ungerecht übersehene und vergessene 
Schriftsteller oder einzelne Werke unabhängig von der Überlieferung 
nach Verdienst hervorzuheben, nie verjährendes Unrecht gutzu- 
machen. — Es versteht sich von selbst, daß literarhistorische Bücher 
con amore geschrieben, ein Werk der Liebe und Begeisterung 
sein müssen. Nur aus Begeisterung für die Literatur und unter 
ihrem steten Ansporn konnten die Bücher unseres Historikers 
entstehen, an denen ein großes Stück Leben hängt. Er schämt 
sich seiner Begeisterung gar nicht, sondern hält es mit Goethes 
Worten an Schiller: „Mir kommt immer vor, wenn man von 
Schriften wie von Handlungen nicht mit einer liebevollen Teil- 
nahme, nicht mit einem gewissen parteiischen Enthusiasmus spricht, 
so bleibt so wenig daran, daß es der Rede gar nicht wert ist." 

Die weitverbreitete Ansicht, daß es Nichtdicbtern möglich 
sei, durch Gelehrsamkeit, durch immer mehr Gelehrsamkeit hinter 
das Geheimnis des Schaffens zu dringen, teilt unser Literarhistoriker 
nicht. Goethe durfte den Wunsch und die Freude aussprechen, 
dichterische Werke „im Entstehen aufzuhaschen", und an Schiller 
schreiben: „Ich möchte wissen, wie Sie in solchen Fällen zu Werke, 
gegangen sind." Es war der Wunsch und die Freude des Künst- 
lers gegenüber dem Künstler. Die Gelehrsamkeit täuscht sich 
und andere, wenn sie glaubt, dem Genius durch die Erforschung 
von Quellen, Strömungen und „Milieu" wesentlich näher zu 
kommen. Irgend ein Unerforschliches muß auch die Wissenschaft 
an der Kunst gelten lassen und die Erforscher Goethes z. B. 
sollten seinen Ausspruch beherzigen: „In der Kunst und Poesie 
ist die Persönlichkeit alles." 

Auf den lebendigen Menschen kommt es an: hinter jedem 
großen Buche steht der ebenso wichtige große Mensch. Unser 
Literarhistoriker hat sich deshalb bemüht, nicht bloß von gedruckten 
Büchern zu reden, sondern ihre Verfasser als Menschen unter 
Menschen möglichst lebendig zu machen. Daher auch der Grund- 



129 

satz, jeden Schriftsteller als eine einheitliche Persönlichkeit ein- 
heitlich zu schildern, dazu gehören unter anderem viele Jahres- 
zahlen. Der Leser braucht sie nicht auswendig zu lernen; sie sind 
aber unentbehrlich zur Vermensclilichung der I^iteratur, denn das 
Lebensalter, in dem ein Schriftsteller sein Werk geschaffen, ist 
die wichtigste von allen äußerlichen Kenntnissen über das Werk. 

Noch in anerzogenen akademisch abgegrenzten Bahnen be- 
wegt sich unser Literarhistoriker in seinen Goethe studien, die 
sich über Clavigo und Erwin und Elmire erstrecken; es sind 
zwei sehr fleißig gearbeitete, kritisch gehaltvolle Untersuchungen, 
die sich in Fachkreisen bedeutender Anerkennung erfreuen. Sie 
regen zur Forschung an und erfüllen somit ihre Aufgabe in voll- 
ster Weise. Wertvolle Arbeiten sind ferner die mit einer aus- 
führlichen Einleitung und erläuternden Noten versehene Ausgabe 
des Raigerner Liederbuches, eines Manuskriptes aus dem 
18. Jahrhunderte, und der Essai über das Königslied, der so- 
wohl den Germanisten wie den Kulturhistoriker interessieren muß. 

Eine andere Tat unseres Historikers ist ein vortreffliches, 
großzügiges, Licht und Schatten unbefangen verteilendes Lebens- 
'bild Ludwig Goldhanns (1896), der 1823 in Wien geboren war 
und 1893 in Brunn, wo er einen großen Teil seines Lebens ge- 
wirkt hatte, starb. Sein Andenken verdiente fürwahr aufgefrischt 
zti werden. Tragisch floß das Dasein des Dichters dahin. Nicht 
etwa, daß die gemeinen Sorgen des Tages an ihm nagten, aber 
es ging ein Riß durch sein Leben. Er fand keine Anerkennung, 
wurde dadurch verbittert und verlor schließlich den Glauben an 
sich selbst. Er war gewissermaßen Quietist und konnte sich auch 
nicht zur Selbsterkenntnis aufraffen. Seine starke Seite war die 
Lyrik und er wähnte sich zum Drama geboren. Sein Gemüt, 
weich und warm, gab sich gerne zarten Eindrücken und Stimmungen 
hin und in jedem, auch dem kleinsten Gedichte, gewinnt der 
Gedanke eine feste, faßbare Gestalt. Die Verse sind voll einfacher 
Grazie und Wohllaut, der Rhythmus strömt Musik aus, poesie- 
durchglühtes Pathos und empfindungswarme Natürlichkeit sind zu 
einer Einheit verschmolzen, die Form deckt sich mit dem Inhalt, 
Verstand, Gemüt und Phantasie durchdringen sich gegenseitig. 
Bei allem Hang zur Schwermut findet der Dichter nicht selten 
Ton und Stimmung für naiv-humoristische Auffassung und Dar- 
stellung. Diese Mischung von tiefsinnigem Ernst und heiterer 

Zeitsolirit't des mala-. Landesmuseums. XII, 1. 9 



130 

Lebensanschauung, von düsterer Wehmut und leichttändelnderu 
Scherz und Frohsinn verleiht seinen Dichtungen einen vielfarbigen 
Charakter und erzeugt in dem Leser ein gesundes Gefühl des 
Wohlbehagens. Er versteht es auch, mit den Waffen der ätzenden 
Satire zu kämpfen und tüchtige Hiebe auszuteilen. 

Doch wußte Goldhann seinen Liederschacht nicht nach 
Gebühr zu schätzen und zu würdigen. Sein Sinn stand ihm nach 
dem Drama, er wollte Lorbeeren ernten auf den Brettern, welche 
die Welt bedeuten. Diese verschlossen sich ihm jedoch und so 
liegt der Schlüssel zu seinem Lose in dem Zwiespalt zwischen den 
Bedürfnissen des eigenen künstlerischen Triebes und der ehernen 
Notwendigkeit im Verlaufe unseres nationalen wie unseres Theater- 
lebens. 

Es ist traurig, aber wahr, es ist eine Ironie des Schicksals, 
daß eigentlich diejenigen Dichtungen, die Goldhann sorglos in 
alle Welt hinausflattern ließ, seinem Namen in der Literatur- 
geschichte ein dauernderes Denkmal bewahren werden als seine 
von ihm so heiß geliebten Dramen, die unser Literarhistoriker in 
seiner feinfiihligen und eindringenden Weise analysiert und charak- 
terisiert. 

Eine andere literarische Tat ist die köstliche Rehabilitierung 
eines Volksstückes von einem Autor, der von Kotzebue das Zepter 
übernommen, dessen zahlreiche Werke einst den Berliner Spiel- 
plan beherrschten und von Spree-Athen ihren Triumphzug über 
sämtliche deutsche Bühnen antraten. Ernst Raup ach ist eine 
abgetane Größe, sein Name ist fast verschollen und vergessen. Nur 
das Stück „Der Müller und sein Kind" schien eine unver- 
wüstliche Lebenskraft zu haben und erhielt sich durch mehr als 
zwei Menschenalter auf den Brettern. In neuerer Zeit wandten 
sich die sogenannten Gebildeten von dem ,. Gespensterstücke" ab 
und halten es für gerade gut genug, dem niedern Volk ein Gru- 
seln einzujagen und den Aberglauben zu befördern. Unser Literar- 
historiker bricht nun ganz energisch eine Lanze für das Stück, 
indem er auf das Volkstümliche in demselben hinweist und den 
Umstand hervorhebt, daß das Stück gegen und nicht für den 
Aberglauben geschrieben ist. Er stützt seine Ansicht durch ihm 
zustimmende Stellen aus Briefen seiner Freunde Rosegger, Bettel- 
heim, Prem, Saar, Alexander Strakosch, Lewinsky u. a. 

Eine Art Seitenstück zu Goldhann war der mit unserem 



131 

Literarhistoriker aufs innigste befreundete Dichter Alfred Meißner, 
dem er auch wohltuende „Erinnerungen" geweiht hat. Meißners 
zahlreiche Romane sind allerdings nach unserer abweichenden 
Ansicht nicht mit Unrecht vergessen. Ein Bösewicht namens 
Hedrich hat nach Meißners Tod behauptet, der eigentliche Ver- 
fasser aller Romane Meißners zu sein. Wir wissen mit Sicherheit 
nur, daß er durch seine erpresserischen Drohungen Meißner zum 
Selbstmordversuch getrieben und in den Tod gehetzt hat. Die 
Wahrheit über Hedrichs Mitarbeiterschaft ist nicht bestimmt zu 
ermitteln; es liegt auch nichts daran, da Meißners Dichterruhm 
gar nicht auf jenen Romanen ruht, sondern einzig und allein auf 
den schönen Liedern, deren unbezweifelter Verfasser er gewesen 
ist. „Die Nachtwache der Liebe", ein Gedicht auf Hölderlin, „Eine Be- 
stattung" (der Leiche Shelleys), vor allen aber die Lieder der 
Reihe „Venezia" werden Meißners Namen dauernd erhalten. Von 
seinen drei Dramen, auf die er sich besonders viel zugute tat, 
verdient Erwähnung sein „Weib des Urias", zu dem Heine, dem 
er in den letzten Lebens- und Leidensjahren treueste Freundschaft 
erwies, eine Vorrede verfaßt hatte. Laube schrieb an Meißner 
über das Stück: „Es ist so unmoralisch, daß es Ihnen die Mohren 
im Timbuktu auspfeifen würden." Ebenso schlimm wie die Un- 
moral ist aber die Unpoesie und die dramatische Unmöglichkeit 
des Stückes, die Mischung von hohem Schwung und glatter Prosa, 
und es gibt wenige so überzeugende Beiträge zu dem Mangel an 
Selbstkritik bei den Dichtern, wie die Tatsache, daß Meißner sein 
Drama vom AVeibe des l'rias bis zuletzt für sein Meisterwerk ge- 
halten hat. 

Hochinteressant ist das Verhältnis Meißners zu den Studien 
und ersten literarischen Versuchen unseres Literarhistorikers. Er 
war gegen diese kein milder Zensor. „Wenn wir einmal zu- 
sammen sein werden", schrieb er im Mai 1878, „da wird sich 
gewiß im Gespräche bald viel entwickeln. Ich werde bald sehen, 
was für Sie paßt, dann würde ich, je nach Ihrer Richtung, Ihre 
Aufmerksamkeit auf die und jene Stoft'e richten. Es gibt so viel, 
was ich ins Auge gefaßt, aber nicht ausführen konnte, ich würde 
Sie dazu führen. Sie haben unleugbar Talent zum kritischen und 
literarischen Essai, sind aber noch zu kurz angebunden, wie ein 
befangener, junger Mann, dem mehr Freiheit in Haltung und Be- 
wegung zu wünschen wäre. Aber das kommt mit der Zeit, die 

9* 



132 

Hauptsache ist, daß Sie Herz und Sinn für ernste Fragen haben 
und sie klar und scharf ins Auge fassen." Meißner drängte ihn 
zum Essai und er hat seinen Rat befolgt. In einem seiner letzten 
Briefe schrieb er dem Freunde: „Ich habe eine reine Freude an 
der guten Faktur, der Anordnung der Gedanken, der Richtigkeit 
des Ausdruckes usw. So war ich nebenbei hocherfreut, Sie als 
vortreii'lichen Stilisten zu sehen. Ich kenne Sie ja von der Zeit 
her, als Sie Ihre ersten Schritte taten, auf dem schweren Boden 
der deutschen Prosa gehen lernten. Nun freue ich mich Ihrer 
Reife, Ihrer Sicherheit." 

Unser Essaiist behandelt noch einen Dichter, dessen Fiasko 
al? Dramatiker sein Schicksal war. — Ferdinand von Saar, mit dem 
er so vertraut war, daß er in seiner Seele wie in einem offenen 
Buche lesen konnte. Als „Die beiden de Witt" auf dem Burg- 
theater gegeben wurden, schrieb kein Geringerer als Ludwig 
Speidel: „Es sind weniger die Personen, als die Verhältnisse, die 
das entscheidende Wort sprechen." Es ist dies ein Wahrwort, 
denn bei Saar ist der Held nicht die Verkörperung des drama- 
tischen Gedankens, er ist nicht die Achse des Stückes. Über ihn, 
über alle Personen hinweg, sie zu Boden werfend, stürmt das 
Geschick. Wir wollen sehen, wie Menschen mit dem Schicksal 
ringen, nicht wie ein unglückseliges Geschick über ihre Passivität 
hinweg stürmt. Saars Menschen ergeben sich alle in ihr Schicksal, 
statt sich gegen dasselbe zu empören. Nichtdestoweniger hatte er 
recht, wenn er dem Freunde erschütternd klagte: „Meine Dramen 
sind nicht schlechter, als viele, die man aufgeführt hat und auf- 
führt. Man hat mich nicht auf die Bühne gelassen, man hat die 
Stücke nicht erprobt, ich habe keine Gelegenheit gehabt, an mir, 
an meinen Dramen die Bühnenwirkung zu studieren und Fehler, 
die jeder Dramatiker am Anfang macht, zu verbessern." Ein 
andersmal ließ er sich vernehmen: „Die beiden de Witt" erregten 
in mir Hoffnungen und ich meine, das Stück ist gut und hätte 
auch eingeschlagen, wenn's nicht an der Gleichgültigkeit der da- 
maligen Bühnengewaltigen zugrunde gegangen wäre. Ich sage 
Ihnen, die ersten 3 Akte hatten Beifall gefunden, dann aber 
wurde alles überhastet und so fiel das Drama. Ich war auf der 
Bühne und hörte nach dem 4. Akte Lewinsky sagen: ,Nur schnell 
weiterspielen, das Stück ist so hin.' Ich habe den Schlag lange 
nicht überwunden, erst in Mähren habe ich dann Ruhe gefunden, 



133 

ganz wie mein armer Schreiber Bacher in der Novelle ,Tambi', 
und manchmal habe ich damals Lust bekommen, in einer so unter- 
geordneten Lebensstellung unterzutauchen und Frieden und Ver- 
gessenheit zu finden." Wie vollberechtigt Saars Klage gewesen, 
zeigt uns in eklatanter Weise das Beispiel Schillers. Er wohnte 
der Aufführung „Der Räuber" bei. Welche Genugtuung ihm auch 
durch die enthusiastische Aufnahme seines Dramas zuteil wurde, 
mit welch freudigem Stolze ihn auch der ungeheure Erfolg erfüllte, 
so sah er doch erst durch die Bühneudarstellung die Schwächen 
des Werkes. Durch sie erst wurde ihm bewußt, daß er sich viel- 
fach in der Zeichnung der Charaktere vergriffen habe, und er 
erklärte dies nachträglich selbst, wenn er sagte, er habe Menschen 
geschildert, ehe ihm nur einer begegnet war. 

Vortrefflich ist der Essai über Schillers „Volksstück", das 
so modern -realistisch gewissen Kreisen die nackte Wahrheit als 
Spiegelbild vorhält. Es ist dies sein drittes Drama „Louise Millerin" 
oder, wie er es später auf Ifflands Hat nannte, „Kabale und Liebe". 
Mit B,echt sieht der Verfasser in der Urkraft dieses Dramas den 
Quell für jene Dichtungsart, die man heute so gern als die Offen- 
barung des Realismus preist. Es ist das erste Werk, in dem wir 
Schiller auf realem Boden begegnen, es ist das erste, das die 
realistische Kraft, die in der Poesie des Dichterfürsten bisher ge- 
bunden war, löste. Nicht in der Schilderung der Hofpartei ent- 
faltete der Dichter alle seine Kraft, sondern in der prächtigen 
Darstellung des kleinbürgerlichen Lebens. Der ehrliche Musikus 
Miller in seiner bescheidenen Geradheit, der trotz der beschrän- 
kenden Enge seiner Verhältnisse seine vornehmen Gegner mensch- 
lich hocli überragt, die ]\Iutter m ihrer gemeinen, dummen Groß- 
tuerei, das sind zwei Gestalten, wie sie die deutsche Literatur 
bisher nicht aufzuweisen hatte, und am wenigsten das deutsche 
Drama. 

Wäre Schiller damals auf dem Wege weiter geschritten, den 
er in „Kabale und Liebe ^- eingeschlagen hatte, das deutsche Drama 
hätte wahrscheinlich ganz andere Umrißlinien erhalten, das 
Schauspiel wäre der modernen Bahn zugeführt worden. Allein in 
Schillers Dichtung lag zu viel, zu hohes Pathos, für dessen Be- 
tätigung ihm auf dem Boden des bürgerlichen Dramas Raum und 
Freiheit fehlten und das ihn nach einer andern Richtung hin- 
drängte. 



134 

Unser Essaiist ist aber nicht nur in der deutschen Literatur 
zu Hause, sondern er meistert auch die englische Literatur und 
Kunst. Diese ist seine Hauptdomäne; in dem englischen Kultur- 
leben des 16., 17. und 18. Jahrhunderts weiß er ganz besonders 
Bescheid. Ich muß es mir leider, um die einem Vortrage gesteckte 
Zeit nicht zu überschreiten, versagen, auf die vielseitige Tätigkeit, 
die er auf diesem Gebiete entfaltete, hier einzugehen. Ich will es 
hier nur bei der Anführung der Tatsache bewenden lassen, daß 
er der anglistische Beirat eines Ästhetikers von dem Range des 
im Jahre 1910 verstorbenen Wiener Hochschulprofessors Josef 
Bayer war, dem er im „Heimgarten" einen trefflichen Nachruf 
hielt. Zu seinen englischen Freunden gehören unter anderen 
F. J. Furnivall, der Gründer der New Shakespeare Society, und 
Professor Eugen Oswald in London, der Verfasser des bedeuten- 
den Buches: Goethe in England and in America. 

Höher aber als der zwei Welten sicher beherrschende Ge- 
lehrte, dem die seltene Gabe eigen ist, die Gegenstände seines 
Forschens mit plastischer Deutlichkeit wiederzugeben, steht uns 
der Mensch, der vorurteilslose, schlichte, bescheidene, liebens- 
würdige, treue deutsche Mann, von dem wir mit Fug und Recht 
sagen können: 

„Und hinter ihm im wesenlosen Scheine 
Liegt, was uns alle bändigt, das Gemeine." 

Er ist auch ein ganzer, tai)ferer, willenskräftiger Mann. Er 
hatte als Jüngling und junger ]\[ann mit dem Leben zu ringen 
und rang sich, allen Hindernissen zum Trotze, zu dem ersehnten 
Ziel empor. Er ist ein àri]Q jtoAvxqojioç, er hat ein vielbewegtes 
Leben hinter sich. Er widmete sich anfangs dem Kaufmannsstande 
und war zuerst in Brunn und dann in AVien tätig. In Brunn war 
er unter anderem auch 47^ Jahre in der Maschinenfabrik des 
Schotten Thomas Bracegirdle, der späteren Ersten Brünner Ma- 
schinenfabriks-Aktiengesellschaft angestellt. Disponent war damals 
Josef Lehmann, der spätere Oberdirektor der mährischen Eskompte- 
bank. Dieser erzählte, unser Literarhistoriker habe einmal in die 
Prima Nota anstatt eines Buchsatzes zwei Verse aus Shakespeare 
eingetragen. Er, Lehmann, habe schon damals gesehen, der Jüngling 
werde eine Schwenkung machen. In Wien machte er 22jährig 
als Bankbeamter den unseligen Krach von 1873 mit. Er hatte 



135 

auch Neigung zum Theater und schwankte eine Zeitlaug, ob er 
nicht Schauspieler und zwar Charakterdarsteller werden solle. Er 
versuchte sich auch mit Glück als Rezitator. Dn er jedoch in 
allen diesen Berufen keine Befriedigung fand, begann er im Alter 
von 25 Jahren, sich auf die Gymnasialmaturitätsprüfung privat 
vorzubereiten. 1879 bezog er die Wiener Universität, seit 1884 
wirkt er unausgesetzt als Professor in seiner Vaterstadt Brunn, 
von der er wiederholt größere Studienreisen, besonders nach Eng- 
land unternahm. 

Und nun sei es mir gestattet, den Schleier zu lüften. Der 
Mann, dem mein heutiger Vortrag galt, ist ein Brünner Kind, 
der um die kulturellen Institutionen der mährischen Landeshaupt- 
stadt so hoch verdiente Schulrat Prof. Emil Söffe. Er feierte 
am 4. Oktober sein 60. Wiegenfest. Ich wünsche dem jungen 
Jubilare aus dem tiefsten Grunde meines Herzens, daß es ihm 
noch lange beschieden sein möge, Saatkörner seines reichen Geistes 
auszustreuen ^). 



*) Wir schöpfen Hoffnung für die Erfüllung unseres Herzenswunsches 
daraus, daß er uns eben zu Weihnachten mit einem Buche („Mosaik") be- 
schenkt hat, das u. a. eine hochinteressante Studie über den Dramatiker 
Schiller und die zeitgenössische Tageskritik enthält und durch den Essai 
„Shylock als Rolle" der Shakespeare-Forschung neue Bahnen eröffnet. 




ZEITSCHRIFT 



DES 



MÄHRISCHEN LANDESMÜSEÜMS 



HERAUSGEGEBEN VON DER 



MÄHRISCHEN MUSEUMSGESELLSOHAFT 







REDAKTION 

PROF. A. RZEHAK 
K. SCHIRMEISEN SCHULRAT E. SOFFÉ 



XIII. BAND 



BRUNN 

DRUCK VON RUDOLF M. ROHRER 
1913. 




Zur Beachtung! 

Da die „Mährische Museumsgesellschaft" die Rechtsnachfolgerin 
ist sowohl der ehemaligen „K. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Be- 
förderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde" als auch 
der späteren „K. k. mähr. Landwirtschaftsgesellschaft" und der 
„Museumssektion der k. k. mähr. Landwirtschaftsgesellschaft", so 
sind alle Sendungen von Büchern und Zeitschriften nur an die 

„3IäJirisehe ßlnseunisgesellschaft*^ 
(Larideshihliothek) 

zu adressieren. Hingegen sind die für die ehemalige „Historisch- 
statistische Sektion" der k. k. mähr. Landwirtschaftsgesellschaft be- 
stimmten Sendungen an den „Deutschen Verein für die Geschichte 
Mährens und Schlesiens" zu richten. 

Für das Kuratoriuiu: 

Dr. A. Fischel, 

Präsident. 



ZEITSCHRIFT 



DES 



MÄHRISCHEN LANDESMÜSEUMS 



HERAUSGKGEBEN VON DER 



MÄHRISCHEN MUSEUMSGESELLSCHAFT 



REDAKTION: 



PPtOF. A. RZEHAK 
K. ÖCHIRMEISEN ÖCHULRAT E. SÖFFE 



XÍÍI. BAND. 



BliUNN 

VERLAG DER MÄHRISCHEN MUSEUMSGESELLSCIIAFT. 

DRUCK VON RUDOLF M. ROHRER 

1913. 



Die Pilzmücken Mährens. 

IL Teil. 

Von Karl Landrock, ßrünn. 

Vorwort. 

Im letzten Hefte der Zeitschrift des mährischen Landes- 
museums (Bd. XII, S. 273, 1912) habe ich die ersten sechs Unter- 
familien der Fungivoriden (Mycetophiliden) behandelt und schließe 
als FortsetzAing mit vorliegender Arbeit die nächstfolgende Sub- 
familie, die Sciophilinen, an. 

Ich gebe auch in diesem Teile die Flügelabbildungeu sämt- 
licher besprochenen Gattungen und überdies bei der Gattung My- 
comya Rond. (Sciophila) die Zeichnungen des präparierten Hypo- 
pygiums wenigstens von einer Seite bei, da mir eine sichere 
Bestimmung der Arten dieser schwierigen Gruppe nur auf diese 
Weise möglich erscheint. 

Als Ergänzung der im I. Teil angeführten Literatur sind 
folgende Arbeiten über Fungivoriden anzugeben: 

G. En der lein: Diptera. Mycetophilidae. Trans, of the linn. soc. 
of London. 1910, p. 59. 

— Sciariden, Mycetophiliden etc. Arch. f. Naturgesch. 1911. I. 

3. Suppl., p. 116—201 (mit 2 Tafeln). 

— Neue Gattungen und Arten außereuropäischer Fliegen. St. 

E.-Z. 1911, S. 135. 

Zeitschrift des mähr. Landesmuseunis. XIII. 1 



^«Ä-^..«!.«,, 



o. A. Johann sen: The Mycetophilidae of North-America. Part. 
III. Mycetophilidae. Bull, the Maine agric. Exper. Stat. 
Orono. 1911, p. 249 (mit 5 Tafeln). 

K. Landrock: Das Weibchen von Phronia Tieft Dzied. AV. E.-Z. 
1912, p. 253 (mit 2 Textfiguren). 

— Exechia tenuicornis v. d. WuJp. u. Exechia nigroscutellata 
nov. spec. W. E.-Z. 1912 (mit Textfiguren). 

In der systematischen Anlage folge ich dem bekannten Pilz- 
miickenkenner O. A. Johan nsen. 

Brunn, im Juli 1912. 

Karl Landrock, 



VII. Sciopliiliiiae. 

Tabelle zum Bestimmen der Gattungen. 

1. Posticalis nicht gegabelt (Fig. 1) . . . Monoclona Mik. 
Posticalis gegabelt . . • 2 

2. Cubitalquerader mehr als doppelt so 

lang als das Basalstück der Cubitalis 

und fast horizontal liegend (Fig. 2) . Tetragoneura Win.^) 
Cubitalquerader nur wenig länger, so 
lang oder kürzer als der Basalteil der 
Cubitalis und niemals horizontal liegend 3 

3. Costa nur bis zum Cubitus reichend , . Mycomya Rond. (Scio- 

]ihila Win.) 
Costa über den Cubitus hinausragend . 4 



^) tí. Ender lein teilt diese Gattung in Tetragoneura Win. (Typus 
sj'lvatica Curt.) und Ectrepesthoneura nov. gen. (Typus liirta Win.). Es wäre 
daher in der Tabelle statt Tetragoneura 2 a einzusetzen und vor 3 ein- 
zufügen : 

2 a Posticalis schon an der Basis gegabelt: Mediasti- 

nalis in die Subcosta mündend Ecti-epestlioneura End. 

Posticalis erst auf der Flügelmitte sieb gabelnd; 
Mediastinaiis kurz, frei Tetragoneura Win. 



3 



4. Spitzengabel fast sitzend oder kurz ge- 

stielt; Untergabelbasis immer jenseits 

der Si)itzengabelbasis (Fig. 3) . . . . SciophilaMeig. (Lasio- 

soma Win.) 
8|)itzengabel lang gestielt; ist der Stiel 
kurz, dann liegt die Untergabelbasis 
stets vor der Basis der Spitzengabel . 5 
-5. ücellen im Dreiecke auf der Stirne dicht 
beieinanderstehend, das mittlere ge- 
wöhnlich sehr klein NeoempheriaOst.-Sack. 

Ocellen voneinander entfernt 6 

t). Basis der Untergabel vor oder gerade 
unter der Cubitalquerader liegend . . 7 
Untergabelbasis deutlich hinter dieser 

Querader liegend 10 

7. Mediastinaiis vollständig, in die Costa 
mündend 8 

Mediastinaiis in die Subcosta mündend . 9 

5. Mediastinahjuerader fehlt (Fig. 7) . . . Apolephthisa Grz. 
Mediastinalquerader vorhanden, immer 

vor der cell, subcostalis i Zellchen) 

stehend (Fig. 4) Paratinia Mik. 

9. Rüssel verlängert, so lang wie der Kopf, 

Hinterleib achtringelig Hadroneura Lundstr. 

Rüssel von gewöhnlicher Länge, Hinter- 
leib siebenringelig Dziedzickia Johanns. 

10. Mediastinaiis hinter dem Zellchen in 
den Flügelvorderrand mündend (Fig. 5) 
oder vor der Subcostalzelle abgebrochen Polylepta Winn. 

Mediastinaiis über der Subcostalzelle 
mündend (Fig. 6) Empalia Win. 

Anmerkung: In der Bezeichnung der Gattungen Sciophila 
Meig. (= Lasiosoma Win.) und Mycomya Rond. (= Sciophila 
Meig. pari) folge ich der Auffassung Johannsens, da diese 
Namen die Priorität besitzen. Die außereuropäischen und fossilen 
Gattungen wurden in der Tabelle nicht berücksichtigt. 

1* 



1. Gattung: Monoclona Mik. 

W. E. Z. 1886. 279. 

Staegeria Walp., Tijdskr. v. Ent. 1876. 49. 

Sciophüa Staecj., Zeit., Walk. 

Kopf tiefstehend, Netzaugen länglich; drei Punktaugen auf 
der Stirne vorhanden, das mittlere kleiner. Fühler 2 + 14gliederig. 



Fig. 1. 

Mittelleib hoch gewölbt, Schildchen klein. Beine schlank, 
Schienen gespornt, Flügel (Fig. 1) länger als der Hinterleib. Costa 
deutlich über den Cubitus hinausragend. Midiastinalis vollständig, 
in den Flügelvorderrand mündend; Querader vorhanden. Ka- 
dialis kurz und steil, Subcostalzelle klein. Spitzengabel kurzstielig. 
Posticalis einfach, ungegabelt. Analis unvollständig. Hinterleib 
siebenringelig. 

1. Monoclona uuicornuta Dzied. rf. 872 ''^w- 
Pam. Fiz. 1884. 21 (sep. p.). 

Kopf schwarzbraun, Gesicht und Rüssel schmutziggelb. Fühler 
schwarzbraun, Wurzelglieder und die Basalhälfte des ersten Geißel- 
gliedes gelb. 

Der Thorax ist nachDziedzicki blaßgelb, mit drei getrennten, 
schwarzbraunen Striemen, das Schildchen schmutziggelb. Bei dem 
einzigen Männchen, das ich besitze, sind diese Striemen zusammen- 
geflossen, glänzend schwarzbraun und lassen einen allerdings großen, 
lichtgelben Schulterfleck frei, der sich an den Brustseiten bis zu 
den Hüften herabzieht. Die übrigen Partien der Brustseiten und 
der Hinterrücken sind braun, das Schildchen schwarz. Thorax- 
rücken gelbhaarig, Schwingerstiel lang, blaßgelb, Köi)fchen braun. 
Hüften und Schenkel gelb, zweites Hüftglied verdunkelt; Schienen 
schwach bräunlich, Tarsen dunkler. Hinterschenkel an der äußersten 
Spitze verdunkelt. Flügel gelblich mit gelbbraunen Adern. Geäder 
wie in der Gattungsdiagnose angegeben. 



Hinterleib nach Dziedzicki schwarzbraun, gelbhaarig; erster 
bis fünfter Ring mit gelbem Hinter- und Seitenrand und gelbem 
Bauche. Sechster und siebenter Ring ganz schwarzbraun. Bei meinem 
Exemplare ist der ganze Hinterleib oberseits schwarzbraun und zeigt 
nur ganz schmale, seitlich kaum erweiterte, gelbe Hinterrandssäume 
an den vorderen Ringen, die Endringe sind einfarbig schwarzbraun. 

Auf mein männliches Stück paßt viel besser die von Strobl 
gegebene Beschreibung von Monoclona atrata (Wiss. Mitteilg., 
Bosnien. 1900. 651). allein das präparierte Hy])opygium gleicht 
mit Ausnahme einiger längerer Borsten auf der Unterseite voll- 
kommen den Zeichnungen vun Dziedzickis unicornuta. Ob beide 
Arten zusammenfallen, will ich auf Grund eines einzigen Stückes 
nicht entscheiden. Strobl bezweifelt übrigens auch das Artenrecht 
der M. unicornuta und meint, daß sie wahrscheinlich mit M. hal- 
terata Staeg. zusammenfalle (1. c. und Siebenb. Zweifl., 1897. 15). 

Josefstal. 18. Mai. 

Abbild.: Pam. Fiz. 1884. t. IX. f. 32—34 (Hypopygium, 
forceps). 

2. Gattung: Tetragoneura Win. 

St. E. Z. 184(1. 18. 

Sciopliihi Zelt., Oitrf. 

Kopf rund, vorn Üacli. tiefstehend. iSetzaugen kreisrund, 
etwas vorgequollen. Drei Punktaugen vorhanden, in krummer Linie 
auf der Stirne stehend, das mittlere klein. Taster viergliederig, 
erstes Glied klein, das Endglied dünn, am längsten. Fühler 
2 -(- 14gliederig, die AV^urzelglieder deutlich abgesetzt, das erste 
becherförmig, das zweite napfförmig, beide an der S))itze borstig. 
Oeißelglieder etwas zusammengedrückt, walzeniörmig. 




Fis-. 2. 



Mittelleib hochgewölbt; Schildchen klein mit stumpfer Spitze, 
am Hinterrande lang beborstet. Beine mäßig lang mit breit- 
gedrückten Schenkeln; Schienen mit Seitendörnchen. 



Flügel (Fig. 2) etwas länger als der Mittelleib, mikrobküpisch' 
behaart. Costa weit über den (Jubitns hinausragend, die Flügel- 
spitze nicht erreichend. Mediastinaiis kurz, in die Subcosta mündend 
oder nur ein freies, kurzes Zähnchen bildend. Mediastinalquerader 
fehlend. Radialis kurz und steil, Subcostalzelle klein, länglichvier- 
eckig. (Jubitalquerader lang, fast horizontal verlaufend. Spitzen- 
und Untergabel vorhanden; die Basis der letzteren vor der Basis 
der ersteren gelegen oder auch l)is zur Flügelwurzel zurückgezogen. 
Analis unvollständig, oft nur rudimentär. 

Hinterleib siebenrin gelig. 

Tabelle zum Bestimmen der Arten. 

Mediastinaiis verlängert, in die Subcosta mündend; 
Basis der Untergabel bis zur Flügelbasis zurück- 
gezogen (Ectrepesthoneura End.) hirta Win. 

Mediastinaiis ein kurzes Zähnchen bildend; Basis 

der Untergal)el auf der Flügelmitte liegend . sylvatica Curt. 

1. Tetragoiieiira (Ectrepesthoiieura) hirta Win. ,S- 3 muf. 

St. E. Z. 1846. 19. 

dissiiitilis Zell. (Sriophiki), Dipt. Scand. 1853. XI. 4137. 

Kopf schwarzbraun, Rüssel und Taster gelb. Fühler schwarz- 
braun, Wurzelglieder, oft auch das erste Geißelglied gelb. 

^Mittelleilj einfarbig schwarz, Rückenschild grau schimmernd, 
iint langen, weißgelben Haaren be>etzt. Hüften und Schenkel gelb, 
Schienen bräunlich, Tarsen braun. Das zweite Hüftgliod ganz oder 
teilweise verdunkelt. Die l'nterseite der Hinterschenkel an der 
Basis mit braunem Striche, die Spitze derselben gebräunt. Schienen- 
dorne schwarz, die Si)orne gelb. Flügel glashell, die Adern auf 
dem Vorderrande stark, schwarzl)raun, die übrigen blaß. Costa über 
den Cubitus hinausreichend, Mediastinaiis abwärts geschwungen, 
in die Subcosta mündend. Zellchen schmal, rechteckig. Posticalis 
sich gleich an der Wurzel gabelnd, Untergal)ei daher bedeutend 
länger als die Spitzengabel. Analis kurz und unscheinbar. 

Hinterleib des Männchens einfarbig schwarz, w^eißgelbhaarig, 
liöchstens der Bauch der vorderen Ringe gelb oder lichtbräunlich, 
der des AVeibchenf^ nach Wiunertz gelb mit breiten, schwarz- 
braunen Vttrdcrrandsbinden und gleichfarbiger Rückenlinie auf dem 



ersten bis fünften Einge, die beiden Endringe schwarz. Hypopygium 
schwarz, Legeröhre lichtbraiin. 

Die Larven leben nach AVinnertz in faulem Holze und in 
Pilzen. 

Ich besitze nur ein einziges Männchen, das ich am 2(3. Juni 
an dem Fenster meiner Wohnung in Brunn erbeutete. 

Abbild.: Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. t. XIX. f. 13 « (Flügel> 

Die Gattung Ectrepesthoneura End. wurde von Dr. G. 
Enderlein in der St. E.-Z. 1911, S. 155, aufgestellt. 

2. Tetragoiieiira sylvatica Cuit. 

Brit. Ent. 1837. 641 (Sciophila). 
dhtiuctn Win. St. E. Z. 1846. ID. 

Kopf, Mittel- und Hinterleib einfarbig schwarz. Fühler 
schwarzbraun, zweites Basalglied gelb. Rüssel und Taster gelb. 

Thorax etwas grau schimmernd. Hüften und Schenkel gelb, 
zweites Hüftglied gebräunt, Hinterschenkel auf der Unterseite von 
der Basis bis zur Spitze braun, an der Spitze ebenfalls deutlich 
gebräunt. Schienen verdunkelt, Tarsen braun. Flügel glashell mit 
schwarzbraunen Randadern. Mediastinaiis unvollständig, ein kurzes 
Zähnchen bildend. Subcostalzelle sehr eng. (Bei einem meiner Stücke 
lehnt sich der Cubitus direkt an die Subcosta an und verläuft mit 
ihr verschmolzen ein Stück horizontal. Radialis und die Subcostal- 
zelle fehlen.) Basis der Untergabel auf der Flügelmitte, etwa unter 
(1er Mitte des Spitzengabelstieles. Analis zart. 

Hinterleib ganz schwarz, weißgelb behaart. 

Die Larven leben in faulem Holze und in Pilzen (Win.). 

Selten. Bilowitz, 15. Mai. 

Abbild.: Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. t. XIX. f. 13 Ď (Flügel'. 

3. Gattung: Sciophila Meig. (Lasiosoma). 

S. B. l. 245. 1818. 

Ld.siosouK/ 1ÍV//., Verh. zool.-bot. Ges. 1863. 748. — Sciophi/a Hond. 

(ußc. Will:), Macq., Stacy., Zeit., Curi., Wall,: 

Kopf klein, tiefstehend. Netzaugen eirund, innen etwas aus- 
gerandet. Drei Punktaugen vorhanden, auf der Stirne, selten anf 
dem Scheitel stehend. 



TastemeťgHederig eingekrümmt. Fühler 2 -f- ligiiederig, 
Wurzelglieder deutlich abgesetzt, becherförmig. 




Fig. 3. 

Mittelleib hochgewölbt; Kückeuschild meist lang behaart. 
Schildchen klein. Beine mäßig lang, Schienen gespornt und mit 
Seitendörnchen versehen. Flügel (Fig. 8) länger als der Hinterleib, 
haarig. Costa weit über den Cu])itus hinausragend, die Flügel- 
spitze aber nicht erreichend. Mediastinaiis vollständig, in die Costa 
mündend; Querader vorhanden. Radialis fast senkrecht stehend, 
Subcostalzelle klein. Spitzengabel äußerst kurz gestielt oder beinahe 
sitzend. Basis der üntergabel jenseits der Si)itzengabelbasis liegend. 
x4.nalÍ3 unvollständig. 

Hinterleib siebenringelig, an der Wurzel verengt, haiirig. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1. Vorherrschend schwarz gefärbte Mücken . . 2 
Rückenschild und Brustseiten ganz gelb oder 

doch mit größeren, gelben oder gelbbraunen 
Partien -t 

2. Spit'/engabel fast sitzend oder doch nur sehr 

kurzstielig i-obusta Win. 

S])itzengabel deutlich gestielt, Stiel meist länger 

als die Cubitalquerader 'S 

8. Nur das erste Fühlcrgeißelglied an der Basis 
gelb; obere Zinke der Untergabel im Basal- 
teile blaß oder gänzlich fehlend interrupta Win. 

Die beiden ersten Geißelglieder gelb; Unter- 
gabel vollständig analis Win. 

4. Hy[>opygium groß, so lang wie die drei letzten 

Hinterleibsringe; größere Art analis Win. 

Hypopygium kaum so lang wie die beiden 
Endringe; kleinere Art tennis Win. 



1. Sciopliila interrupta Wiu. J- '^Vi *'*^"- 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 750. 

Ko})ť schwarzbraun. Taster gelb. Fühler braun, Wurzel- 
glieder und die Bnsis des ersten Fühlergeißelgliedes gelb. 

Mittelleib schwarzbraun, glänzend, gelb behaart. Schwinger, 
Hüften und Beine gelb; Schenkelringe mit braunem Punkt, Tarsen 
an der Spitze verdunkelt. Sporne gelb. Flügel schwach bräunlich. 
Subcostalzelle (juadratisch. Obere Zinke der Untergabel an dei- 
Basis oft verblaßt oder wirklieli fehlend. AnaJis zart. 

Hinterleib schwarzbraun, glänzend, gelbhaarig. 

Die Larven leben in Hydnum repandum (Win.). 

Nur das Männchen. Bilowitz, 4. Juni. 

2. Sciopliila aiialis Wiii. 0^9- ^ ^u///. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 752. 

Kopf schwarzbraun, Taster gelb. Fühler schlank, braun, 
Wurzelglieder und zwei Fühlergeißelglieder gelb. 

Mittelleib dunkel rotgelb; Thoraxrücken einfarbig gelbbraun, 
meist aber mit drei glänzend schwarzbraunen, oft vollständig zu- 
sammengeÜossenen Längsstriemen. Schiklchen verdunkelt, Hinter- 
rücken braun, Brustseiten braun gefleckt. Oft ist der ganze 
Mittelleil) samt den Brustseiten stark verdunkelt, fast schwarz und 
nur kleine Schultertiecke erscheinen lichter. Schwinger gelb. Hüften 
und Beine gelb, Tarsen besonders an der Sjdtze gebräunt. Schenkel- 
ringe mit schwarzem Punkt. Sporne gelb. Flügel fast glashell. Costa 
weit über den Cubitus hinausragend. Subcostalzelle klein, (piadratisch. 

Hinterleib glänzend schwarzbraun, l)eim Manchen mit großem, 
rotgelben Hypopygium, beim Weibchen mit ebenso gefärbter Legeröhro. 

An Waldbächen nicht selten. 

Ich zog diese Mücke aus Larven, welclie in Boletus scaber 
lebten. 

Bilowitz. l'J. Mai. — Hobitschau. — Schreibwald, 21. April. 

3. Sciopliila tenuis Win. r^. 3 niiu. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 759. 

Kopf braun, Untergesicht schmutziggelb. Rüssel und Taster 
gelb. Fühler schlank, braun, Wurzelglieder, oft auch die beideii 
ersten Geißelfflieder gelb. 



10 

Mittelleib und Öcliwinger gelb. Thoraxrücken oft und be- 
sonders auf der hinteren Hälfte verdunkelt. Behaarung gelb. Hüften 
und Beine gelb, Tarsen lichtln-aun. Schenkelringe mit schwarzem 
Punkt. Sporne gelb. Flügel glashell, weißlich schimmernd. Costa 
weit über den Cubitus hinausgehend. Subcostalzelle meist rechteckig. 

Hinterleib dünn. gell), braun oder schwarzbraun, meist mit 
helleren Einschnitten. Hy])úpygium kaum so lang wie die beiden 
Endringe, gelbbraun. Behaarung lichtbraun. 

Die Larven wurden aus Boletus scaber gezogen (Win.). 

Bilowitz, Mai bis Juni. — Nicht selten. 

4. Sciopliila robusta Wiu. i. 5 nini. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1868. 761. 

Kopf schwarz. Taster gelb. Fiihh'r schwarzbraun, Wurzel- 
glieder gelb. 

Mittel- und Hinterleib glänzend braunschwarz, gelbhaarig. 
Hüften und Beine gelb. Schenkelringe und Schienenspitze sowie 
die Tarsen verdunkelt. Sporne gelb. Flügel gelblich, an der Spitze 
und auf dem Hinterrande mehr bräunlich. Costa den Cubitus etwas 
überragend. Spitzengabel sehr kurzstielig, fast sitzend. Analis derb. 

Legeröhre rotgelb. 

Bilowitz, 4. Juni. 

4. Gattung: Paratinia Mik. 

Verh. zool.-l)ot. Ges. Wien. 1874. 333. 

Kopf tiefstehend; Taster viergliederig. Netzaugen länglich, 
innen eingebuchtet; drei Punktaugen vorhanden. Fühler 2 -|- 14glie- 




Fiff. 4. 



derig, Wurzelglieder uapfförmig, Geiüelglieder walzig, sitzend. 
Mittelleib hochgewölbt, Schildchen klein, ohne längere Borsten. 
Schienen kahl. Flügel (Fig. 4) breit, den Hinterleib nicht über- 



11 

ragend, behaart. Costa über den (Jubitus hinausragend. Mediasti- 
nalis vollständig, Querader vorhanden. Subcostalzelle sehr lang. 
Basis der Untergabel >Yeit vor der Spitzengabelbasis liegend. Analis 
unvollständig. 

Hinterleib lang und dünn, siebenringelig. 

Von den zwei Arten dieser Gattung, diťticilis Dzied. und 
Kciarina Mik., wurde noch keine in Mähren aufgefunden. 

Abbild.: Mik. Verh. zool.-bot. Ges. 1874. t. VII. f. 2 (Flügel). 

5. Gattung: Polylepta Win. 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 745. 

Kopf klein, tiefstehend. Netzaugen länglich, innen etwas aus- 
gerandet. Punktaugen drei \orhanden, in etwas bogiger Linie auf 
der Stirne stehend. Taster viergliederig, erstes Glied klein, viertes 
am längsten. Fühler 2 ~\- 14 gliederig, Wurzelglieder deutlich ab- 
gesetzt, becherförmig, an der Spitze borstig. Geißelglieder flaum- 
haarig, walzenförmig. 




Fig. 5. 

Mittelleib kurz, hoch gewölbt; Schildchen klein. Beine schlank, 
Schienen gespornt und mit Seitendörnchen. Flügel (Fig. 5) kürzer 
als der Hinterleib, mikroskopisch behaart. Costa mehr oder weniger 
über den Cubitus hinausragend; Mediastinaiis \ ollständig, in den 
Vorderrand mündend, oder an der Querader abgebrochen. Unter- 
gabelbasis vor der Basis der Spitzengabel. Analis unvollständig. 
Axillaris fehlt. 

Hinterleib meist stark verlängert, siebenringelig. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

Mediastinaiis an der weit zurückgezogenen Quer- 
ader abgebrochen leptogaster Win. 

Mediastinaiis vollständig, (^uerader auf oder hinter 

der Subcostalzelle stehend undulata Win. 



12 



1. Polylepta leptogaster Wiu. g. 5 mm. 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 746. 

Koi)f braun. Fühler braun, Basis etwas heller, die Geilkl- 
glieder bedeutend länger mIs breit. 

Mittel- und der sehr verlängerte Hinterleib l)raun, Hüften 
und Schenkel gelb. Schienen bräunlich, Tarsen braun. Flügel fast 
glashell; Costa über den Cubitus hinausragend, bis zur Flügel- 
spitze reichend. Mediastinaiis unvollständig, kurz hinter der weit 
vor der Subcostalzelle stehenden (^uerader abgebrochen. Diese 
nicht ganz zweimal so lang als breit. Basis der Untergabel jenseits 
der Subcostalzelle liegend, Analis unvollständig. 

Ein einziges Weibchen aus den AVäldern bei Ratschitz, im 
Auglist. 

Abbild.: Wul]).. Di])! Neerl. t. VI. f. 5. 

2. Pülylepta iiudiiluta Wiu. i ?. 1 — Q n/m. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 746. 

Eine in Größe und Färbung sehr variierende Art; ich besitze 
Stücke, die kaum die Länge von 4 duh haben, während andere 
(namentlich Weibchen) bis 6 mt)/ erreichen. 

Fühler schlank, braun, Wurzelglieder gelb, oft auch die ersten 
Geißelglieder lichter. Kopf entweder gelb, häufiger aber stark ver- 
dunkelt oder scliwarzbraun. 

Ebenso variiert die Farbe des Mittelleibes. Dieser ist ent- 
weder einfarbig gelb, oft mit dunklen, mehr oder weniger deut- 
lichen Striemen auf dem Thoraxrücken, meistens ist der Bücken 
aber ganz schwarzbraun mit kleinen gelben Schulterflecken. Die 
Brustseiten zeigen oft braune Flecken, oder sind samt dem Hinter- 
rücken einfarbig schwarzbraun. Hüften und Schenkel gelb, zweites 
Hüftglied mit schwarzem Punkt. Schienen bräunlich, Tarsen braun. 
Flügel fast glashell. Costa weit über den Cubitus hinausragend, 
die Flügelspitze jedoch nicht erreichend. Mediastinaiis vollständig, 
jenseits der Subcostalzelle in die Costa mündend; Querader bald 
auf, bald hinter der Subcostalzelle liegend. Cubitus stark wellen- 
förmig gebogen. Basis der Untergabel weit vor der Basis der 
iî^pitzengabel. 



13 

Hinterleib sehr schlank und verlängert, gelb, mit schwarz- 
braunen Hinterrandssäumen, die bei den dunkleren Stücken oft 
sehr verbreitert sind, aber auch bei den licht gefärbten Exemplaren,, 
bei denen das Gelb auch Jiuf dem Hinterleibe vorherrschend ist,. 
immer deutlich, wenn auch schmäler erscheinen. 

Die Hypopygien der lichten und dunklen Stücke gleichen 
einander vollständig. 

Die Art ist in unserem Mittelgebirge an Waldbächen nirgends 
selten, kommt aber auch, allerdings seltener, in der Eliene vor. 
Mai bis August. 

Anmerkung: Auch im Flügelgeäder kommen oft Unregel- 
mäßigkeiten vor; besonders häufig scheint die Radialis zu fehlen., 
doch selten nur auf beiden Flügeln gleichzeitig. 

6. Gattung: Empalia Win. 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 762. 
Sciophüa Meifj., Maeq., Zeti., Walk. 

Kopf, Netzaugen, Fühler und Beine wie bei der vorigen 
Gattung. Die drei Punktaugen in fast gerader Linie auf der vStirne 
stehend, das mittlere sehr klein. Taster viergliederig, erstes Glied 
klein, zweites länger als das dritte, das Endglied dünn und faden- 
förmig, länger als das vorangehende. 




Fig. 6. 

Thorax kurzhaarig, Schildchen klein. Flügel (Fig. 6) kürzer 
als der Hinterleib, nur mikroskopisch behaart. Costa den Cubitus 
überragend, vor der Flügelspitze endigend. Mediastinaiis vollständig, 
über der sehr kleinen Subcostalzelle in die Costa mündend. Spitzen- 
gabel kurzstielig. Basis der llntergabel vor der Basis der Spitzen- 
gabel, manchmal sogar vor der Cubitalquerader liegend. Analis- 
unvollständig. Axillaris fehlend oder vorhanden. 

Hinterleib siebenringelig, an der Wurzel verengt. 



14 

1. Empallíi vitripennis Meig. (S- 372 'x^ti- 
S. B. I. 1818. 251. 

Kupf schwarz) )raun, Rüssel und Taster weißgelb, ersterer oft 
verdunkelt. Füliler braun, die Wurzelglieder und zwei Geißel- 
glieder gelb. 

Rückenscbild scbmutziggelb, mit drei schwarzbraunen, ganz 
zusammengeflossenen, etwas glänzenden Striemen, die meist so aus- 
gebreitet sind, daß der ganze Thoraxrücken schwarzbraun erscheint 
und nur gelbe Schulterflecken frei bleiben. Brustseiten, Schildchen 
und Hinterrücken mehr oder weniger verdunkelt. Rückenschild 
weißlich behaart. Ko])f und der ganze Mittelleib grau schimmernd. 
Hüften und Schenkel gell). Spitzen der Hinterschenkel mehr oder 
weniger deutlich gel)räunt. Schienen bräunlich. Tarsen braun. 
Schienensporne gell». Flügel fast glashell. Geäder wie in der 
Gattungsdiagnose. Lundström beschreibt in Act. soc. p. fauna et 
Üor. fenn. 1906 ein Männchen aus Finnland, bei welchem die 
Mediastinaiis an der Spitze abgebrochen ist und einfach, ohne Spur 
einer Fortsetzung gegen die Costa hin über der Su])costalzelle in 
die Subcosta mündet^). Die Basis der Untergabel liegt vor der 
Cubital querad er und nicht, wie Winnertz angibt, hinter dieser 
Stelle (vgl. I. c. Abbild. V). 

Hinterleib schwarzbraun, mit schmalen, gelben Dreiecksflecken 
an den Seiten; beim Weibchen sind diese Flecken größer und hängen 
mit den Spitzen am Rücken der Ringe zusammen. Die beiden 
Endringe des Männchens, sowie das Hypopygium schwarz. Lege- 
röhre des Weibchens gelb. 

Die Larven fand Winnertz in einem faulen Stamme von 
( 'arpinus betulus. 

Sehr selten. 1 Männchen, 4. Juni. Bilowitz. 

7. Gattung: Apolephthisa Grzeg. 

B. E. Z. 1885. 205. 

Fühler 2 -\- 14giiederig. Flügel (Fig. 7) mikroskopisch behaart. 
■CJosta weit über den Cubitus reichend. Mediastinaiis vollständig, 
ohne Querader. Subcostalzelle verlängert. Spitzengabel ziemlich 

*) Dieses (^ ist nach Lundström, Beiträge zur Kenntnis der Dipteren 
Finnlands. VIII. Suppl. 2. 1912, p. 14 eine neue Art Loewiella relicta. 



15 



lang gestielt. Basis der Untergabel etwas vor der Oiibitalquerader 
liegend. Analis unvollständig. 




Fig. 7. 

Hinterleib siebenringelig. 

Apolejihtliisa rara Grzeg. wurde bisher in Mähren nicht be- 
obachtet. 

Abbild.: B. E. Z. 1885. t. IX (Flügel). 

8. CTallung: Dziedzickia Johanns. 

Genera insert. 1909. 44. 
Hcrhrigin D\ie(l., Pam. Fiz. 1885. -i. 

Diese Gattung steht der folgenden sehr nahe. Das Flügel- 
geäder (Fig. 8) gleicht fast vollständig dem der Gattung Hadro- 
neura Lundst., nur sind die Adern am Vorderrande weniger, immerhin 
noch stark verdickt. Der Rüssel ist aber nicht verlängert, der 
Hinterleib nur siebenringelig. 




Dz. marginata Dzied., auf welche diese Gattung begründet 
wurde, ist auf mährischem Boden noch nicht gefangen worden. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IV. f. 1—7 fMücke, Flügel 
Taster. Hypopygium). 

9. Gattung: Hadroneura Lundst. 

Act. soc. pro faun. et flor. fenn. 1907. 29. 

Rüssel schnabeiartig verlängert, etwa so lang wie der Kopf 
hoch. Taster viergliederig. 



16 

Flügel (Fig. 9) mikroskopisch behaart; Kandader wenig, aber 
deutlich über den Cubitus hinausragend. Die Adern am Vorder- 
rando auffallend verdickt. Subcostalzelle groß, dreimal länger als 
breit. Mediastinaiis in die Subcosta mündend. Basis der Unter- 
gabel fast unter der Mitte der Basalzelle. Analis derb. Axillaris lang. 




Fig. 9. 

Hinterleib achtringelig. 

Die einzige hierher gehörige Art H. Palméni liundst. wurde 
bisher in Mtähren nicht beobachtet. 

Abbild.: Lundst., Act. soc. p. faun. et flor. fenn. 1968. t. I. f. 
■^ — 6 (Kopf, Flügel, Hypopygium) u. 1909. t. [. f. 7 u. 8 (Hypopygium). 

10. Gattung: Neoempheria Ost.-Sack.M 

Cat. Dipt. N. Amer. II. 1878. 9 et 216. 

Emphcria Win., Verb, zool.-bot. Ges. 1863. 738. 

SciopMla Meig.; Staeg., Zeit. 

Kopf klein, vorn flachgedrückt, tiefstehend. Netzaugen in 

beiden Geschlechtern durch eine breite Stirne getrennt, kreisrund. 

Drei Punktaugen vorhanden, im Dreiecke stehend. Küssel kurz. 

Taster viergliederig. Fühler etwas zusammengedrückt, walzenförmige 

2 -f- 14 gliederig, Wurzelglieder deutlich abgesetzt. 




Fiff. 10. 



Mittelleib hochgewölbt, Schildchen klein, halbkreisig. Beine 
wie bei der Gattung Mycomya, nur fehlen die Dorne der Mittel- 
hüften beim Männchen. Flügel (Fig. 10) mit deutlich über den 



') Johan nscn scbläct diese Gattung in Genera insectorum mit My- 
comya zusammen, erhebt sie aber in The Mycet. of North Amerik. II. 157. 
1910 wieder zu einer selbständigen Gattuncr. 



17 

Cubitus hinausragender ïlandader. Subcostalzelle bald verlängert, 
bald kurz und klein; Mediastinaiis vollständig, in die Costa mündend, 
nur bei einer Art (tarsata Win.) abgebrochen, Flügelbasis zu- 
weilen stumpf lanzettlich. Flügel sonst wie der Mycomya. 
Hinterleib siebenringelig. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten, 
über Stirne und Scheitel geht eine braune Längslinie striata Meig. 
Stirne mit schwarzem Punkt lineola Meig. 

1. Neoempheria liiieola Meig. (S9- 'o—l nnu. 
S. B. 1818. 246. 

Kopf gelb, Taster gelb, oft sind die Endglieder verdunkelt. 
Auf der Stirne ein runder, schwarzer Punkt, in welchem die Ocellen 
stehen. Fühler kürzer als Kopf und Mittelleib zusammen, Wurzel- 
glieder gelb, Geißel bis zur Mitte gelb, die Spitzenhälfte braun. 

Mittelleib gelb, Thorax mit drei lichtbraunen Striemen, die 
jedoch in der Kegel so blaß sind, daß sie sich von der Grund- 
farbe kaum abheben, so daß der Thorax fast einfarbig erscheint. 
Schildchen gelb, Hüften und Beine gelb. Tarsen verdunkelt. Sporne 
und Seitendörnchen der Schienen braun. Flügel gelblich mit 
dunklerem Vorderrande, Flügelspitze und ein großer, fast dreieckiger 
Fleck am Hinterrande schwarzbraun. Cubitalquerader und die 
Wurzel des Cubitus, Radialis und meist auch die Mediastinal- 
querader braun gesäumt. Costa nur wenig über den Cubitus hinaus- 
reichend, Mediastinaiis vollständig, über der sehr verlängerten Sub- 
costalzelle in den Vorderrand mündend. Querader vor der Mitte 
der Subcostalzelle stehend. Obere Zinke der Spitzengabel nicht 
immer dreimal so lang wie der Stiel, sondern oft bedeutend kürzer, 
wie schon Strobl (Dipt. Steierm. III. T. 1894) erwähnt. Analis derb. 

Hinterleib einfarbig gelb, im Tode oft etwas verdunkelt. Halt- 
zange und Legeröhrc gelb. 

Ad'inistal, 27. Mai und 16. Juni. — Bilowitz, 18. Juni. — 
Vercinzell. 

2, Neoempheria striata Meig. 9- 6 mm. 

S. B. I. 1818. 246. 

Der vorigen Art sehr ähnlich, durch folgende Unterschiede 
von ihr getrennt: Fühlergeißel fast ganz braun. Kopf gelb, über 

Zeitschrift des mähi\ Landesmuseums. XIII. 2 



18 

Stirne und Scheitel eine braune Längslinie laufend. Thorax mit 
fünf braunen Striemen, die indessen nicht immer deutlich er- 
scheinen. Der Hinterleib ist gelb mit braunen Einschnitten und 
gleichfarbiger Rückenlinie, doch sind die braunen Zeichnungen oft 
undeutlich und der Hinterleib erscheint mehr oder weniger ver- 
dunkelt. 

Lultsch, 15. August. — Selten. 

Abbild.: "Wulp., Dipt. Neerl. 1877. t. YI. f. 3. 

12. Gattung: Mycomya Rond. (Sciophila). 

Dipt. ital. Prod. 1. 184. 1856. 

Sciophila Meig. (jKirt.J, Win. — P/at////rn Meig. 

Asinduhiiii Latr. 

Kopf tief am Mittelleibe stehend, ziemlich klein, Scheitel 
etwas erhöht. Netzaugen durch die breite Stirne getrennt, läng- 
lichrund, innen etwas ausgerandet. Punktaugen drei, auf der Stirne 
im Dreiecke stehend. Eüssel kurz, Taster viergliederig, erstes Glied 
sehr kurz, die folgenden an Länge zunehmend. Fühler 2 4- 14 glie- 
derig, die Wurzelglieder deutlich abgesetzt, becherförmig, am Ober- 
rande beborstet, die Geißelglieder walzenförmig, Üaumhaarig. 

Mittelleib hochgewölbt. Schildchen klein. Hüften haarig oder 
beborstet, beim Männchen oft mit einem langen, bogenförmig nach 
vorn gerichteten Dorn an der SiDitze des ersten Gliedes der Mittel- 
hüften. Schenkel mäßig breit, auf der Unterseite gewimpert. Schienen 
mit zarten Seitendörnchen, an der Spitze mit Spornen. Flügel 
(I. Teil, Fig. B) etwas länger als der Hinterleib und mikroskopisch 
behaart. Costa nicht über den Cubitus hinausragend, meist bis zur 
Flügelspitze reichend. Mediastinaiis in den Vorderrand mündend 
und durch eine Querader mit der Subcosta verbunden, oft aber 
an dieser Querader al)gebrochen. Radialis kurz und steil, Discoi- 
dalis und Posticalis gegabelt. Analader unvollständig, Axillaris 
fehlend. 

Hinterleib siebenringelig, an der Wurzel etwas verengt. Die 
männlichen Geschlechtsorgane der Gattung Mycomya werden nach 
Lundström hauptsächlich aus der lamella terminalis infera ge- 
bildet, welche unterseits an der Basis meist tief ausgeschnitten 
erscheint; ihr Hinterrand ist vielfach zu einem Fortsatz ausgezogen, 
für welchen Lundström den Namen processus vorschlägt. Rechts 



19 

und links von diesem Fortsatze steht ja ein Anhängsel (appendix 
infera). Von oben gesehen zeigt das Hypo])ygium die eingelenkten, 
paarig angeordneten Teile der appendices intermediae, zwischen 
welchen sich innen das adminiculuni befindet; nach außen von 
den apendices intermediae stehen die appendices superae, die jedoch 
nicht immer vorhanden sind. (Lundströin, Acta soc. p. fauna et 
flora fenn. Heisingfors. 1990. p. 6 — 7.) 

Der oben erwälmte processus, der nur bei wenigen Arten 
fehlt oder nicht auffallend erscheint, ist nach meinen Beobachtungen 
für ein und dieselbe Art stets sehr charakteristisch geformt und 
beborstet und gibt ein ausgezeichnetes Merkmal zur Trennung der 
vielfach verschwommenen Arten ab. Ich habe aus diesem Grunde 
in der analytischen Tabelle auf diesen Teil vielfach Rücksicht ge- 
nommen, da ich zu der Überzeugung gelangt bin, daß die von 
Winnertz und Schiner angegebenen Merkmale (Färbung, Geäder, 
die verältnismäßige Länge einzelner Körperteile usw.) eine sichere 
Unterscheidung der Arten nicht immer ermöglichen. Allerdings 
wird hierdurch die Tabelle einseitig, da nur die Männchen darnach 
mit Sicherheit bestimmt werden können, allein ich konnte diesem 
Ül)elstande nicht ausweichen, da die weiblichen Legeröhren der 
verschiedenen Arten einander sehr gleichen und nur schwer greif- 
bare Unterschiede herauszufinden sind. Man wird daher, wenn die 
Mücken nicht kopuliert gefangen oder gezogen wurden, aus anderen 
Umständen (gleicher Fangort, derselbe Habitus usw.) auf die Zu- 
gehörigkeit des Weibchens schließen müssen. Freilich muß auch 
dieser Schluß nicht immer zutreffend sein. Einzelne Weibchen 
bestimmen zu wollen, muß der Anfänger überhaujDt aufgeben, da 
es selbst dem erfahrenen Kenner der Pilzmücken meist schwer 
fallen wird, in solchen Fällen einwandfreie Determinationen zu 
liefern. 

Tabelle zur Bestimmung der Arten. 

1^). Basis der Posticalgabel vor der Basis 

der Cubitalquerader 2 

Basis dieser Gabel senkrecht unter der 
Cubitalquerader 15 



^) Auch die Lage der Untergabelbasis ist nicht immer zuverlässig, weshalb 
einige Arten in zwei Abteilungen vorkommen, Sc. incisurata Zett. sogar in 
allen dreien angeführt werden mußte. 

2* 



20 

Posticalgabelbasis deutlicli hinter dieser 
Stelle 24 

2. Thorax einfarbig gelb, höchstens mit 

schwachen Spuren von Striemen . . . Üavicollis Zott. 

Thorax mit dunklen, meist deutlich ge- 
trennten Striemen H 

Thorax braunschwarz oder grau, oft mit 
gell)em Schulterfleck 13 

3. Processus an der Spitze nicht ausge- 

schnitten (Fig. 11—12) 4 

Processus an der Spitze ausgeschnitten oder 
wenigstens eingeker1)t (Fig. 13, 17, 22") 10 

4. Processus gegen die Spitze breiter als am 

Grund(i, keulenförmig (12, 15, 22) . . 5 
Processus gegen die Spitze allmählich 
schmäler werdend oder gleichbreit (Fig. 14, 
16, 18) 8 

5. Hinterrand der lam. term. inf. am Grunde 

des processus mit zwei lang beborsteten 

Höckern (Fig. 15) occultans Win. 

Hinterrand der lam. term. inf. ohne Höcker 6 

6. Processus breit und plump (Fig. 12) . . hyalinata Meig. 
Processus schlank (Fig. 11, 20, 21) . . .7 

8. App. inf. breit, lamellenartig (Fig. 21) . bicolor Dzied. 
App. inf. dünn, fast fadenförmig (Fig. 25) Siebecki Land. 

8. Processus in eine Spitze ausgezogen (Fig. 16) fasciata Fries. 
Processus stumpf, am Ende breit .... 9 

9. Processus seitlich lang ])eborstet (Fig. 14) limbata Win. 
Processus seitlich nur kurz beborstet (Fig. 23) Wankowiczi Dzied. 

1 ( >. App. inf. auf der inneren Seite mit kammartig 

angeordneten Börstchen besetzt (Fig. 17) Winnertzi Dzied. 
App. inf. höchstens behaart, aber nie karam- 
artig beborstet 11 

11. Processus tief ausgeschnitten, fast zweiteilig 

(Fig. 22) fulva Dzied. 

Processus nur seicht ausgeschnitten oder 
eingekerbt 12 

12. Processus in der Mitte am breitesten 

(Fig. 24) livida Dzied. 



21 



Processus an der Spitze breiter als in der 

Mitte (Fig. 19) punctata Meig. 

13. Processus kurz, stumpf (Fig. 18) ... . cinerascens Zett. 
Processus lang, schlank (Fig. 19, 20) . . 14 

14. App. inf. an der Spitze ausgeschnitten 

(Fig. 19) incisurata Zett. 

App. inf. nicht ausgeschnitten (Fig. 20) . exigua Win. 

15. Thorax einfarbig gelb oder mit mehr oder 

weniger deutlichen Längsstriemen ... 16 
Thorax braunschwarz oder grau, oft mit 
gelbem Schulterfieck 20 

16. Thorax einfarbig gelb, höchstens mit 

schwachen Spuren von Striemen . . . flavicoUis Zett. 
Thorax mit fünf Striemen; erscheint die 

Thoraxmitte striemenlos, dann steht je 

ein dunkler striemenartiger Fleck über 

der Flügelwurzel limbriata Meig. 

Thorax mit drei dunklen Striemen ... 17 

17. Thoraxstriemen glänzend ornata Meig. 

Thoraxstriemen matt 18 

18. App. inf. auf der inneren Seite mit kamm- 

artig gereihten Borsten versehen . . . Winnertzi Dzied. 
App. inf. höchstens unregelmäßig beborstet 19 

19. Processus fast so lang wie die app. inf. 

(Fig. 21) bicolor Dzied. 

Processus bedeutend kürzer als die app. 

inf. CFig. 24) livida Dzied. 

20. Fühlergeißel ganz einfarbig braunschwarz lucorum Win. 
Wenigstens das erste Fühlergeißelgiied 

ganz oder teilweise gelb 21 

21. Die ersten vier Geißelglieder gelb . . . marginata Dzied. 
Nur das erste Fühlergeißelglied ganz oder 

teilweise gelb 22 

22. Männchen ohne Hüftdorne tumida Win. 

Männchen mit Hüftdornen ... ... 23 

23. Mediastinaiis meist abgebrochen; processus 

lang und schlank incisurata Zett. 

Mediastinaiis vollständig, in den Flügel- 
vorderrand mündend ; processus kurz, stumpf cinerascens Zett. 



22 

24. Oellula subcostalis (Zellclien) verlängert, 

fast dreimal so lang als breit .... 25 
Zellchen von gewöhnlicher Länge .... 26 

25. Hypopygium mit langen, nach innen sanft 

gebogenen Borsten (Fig. 30) apicalis Win. 

Hypopygium ohne auffallend lange Borsten trivittata Dzied. 

26. Basis der Posticalgabel weit jenseits der 

Ursprungsstelle der Cubitalquerader, fast 
unter der Mitte des Zellchens liegend affinis Staeg. 
Basis der Posticalgabel nur wenig hinter 
der Querader, stets vor der Mitte des 
Zellchens liegend 27 

27. Fiihlergeißel einfarbig schwarzbraun . . lucorum Win. 
Wenigstens das erste Fühlergeißelglied 

ganz oder teilweise gelb 28 

28. Nur das erste Geißelglied ganz oder wenig- 

stens an der Basis deutlich gelb ... 29 
Die ersten vier Geißelglieder gelb .... marginata Dzied. 

29. Stiel der Spitzengabel so lang oder länger 

als die obere Zinke; wenn kürzer, so 

nur unbedeutend 30 

Spitzengabelstiel immer bedeutend kürzer 
als die obere Zinke, fast nur halb so 
lang parva Dzied.' 

30. Männchen ohne Hüftdorne trilineata Zett. 

Männchen mit Hüftdornen incisurata Zett. 

1. Mycomya flavicollis Zett. rí9- ^ mm. 

Dipt. Scand. XI. 1852. 18. 

Untergesicht, Bussel und Taster gelb, Stirne und Scheitel 
licht bräunlich. Fühler an der Basis gelb, gegen die Spitze dunkler 
werdend. 

Bückenschild blaßgelb, oft mit Spuren von blaßbräunlichen 
Striemen. Brustseiten, Hinterrücken, Schildchen und Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, Schienen dunkler, Tarsen braun. 
Flügel schwach bräunlich. Mediastinaiis meist an der Querader 
abgebrochen. Basis der üntergabel nur wenig vor. oft gerade unter 
der Cubitalquerader liegend. Analis zart. 



23 



Hinterleib gelb, mit ziemlicb breiten, lichtbraunen Vorder- 
randsbinden, die oft und namentlich beim Weibchen den größten 
Teil der Einge einnehmen und nur schmale Hinterrandssäume frei 
lassen. Bauch gell). 




Fig. 11. 

Hypopyginm Fig. 11. 

Schreibwald bei Brunn. Selten. 11. Juni. — Bilowitz, 7. Juni. 
Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. t. VITI. f. 23 u. t. IX. f. 1 (Hypo- 
pygium). 

2. Mycomya lij alinata Meig. J 9. 5V2 ^'"^^• 
S. B. VI. 1830. 295. 

Untergesicht, Rüssel und Taster gelb. Fühler braun, Basal- 
glieder und die Basis des ersten Geißelgliedes gelb. 




Fio-. 12. 



Bückenschild rostgelb, mit drei dunklen Striemen, die mittlere 
meist durch eine feine gelbe Linie geteilt. Brustseiten mit drei 
braunen Flecken, Hinterrücken verdunkelt. Schwinger gelb. Hüften 
und Schenkel gelb, zweites Hüftglied mit dunklem Punkt an der 
Spitze, die hinteren Hüften mit einem braunen Wisch auf der 
Außenseite. Hüftdorne vorhanden, Schienen bnäunlich, Tarsen 
braun. Flügel fast glashell. Mediastinaiis meist vollständig, oft aber 
an der Spitze abgebrochen. 



24 

Hinterleib schwarzbraun, mit gelben Ringeinschnitten am 
ersten bis fünften Ringe, die öfters und besonders beim Weibchen 
breit, bindenartig erscheinen. Hypo|)ygium Fig. 12. 

Selten. Frain (Sieb eck). 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VI LI. f. 17 u. 18(Hypopygium). 

3. Mycomya punctata Meig. á" $. 5 — 5\/^, mm. 
Klass. I. 1801. 101. 

Untergesicht, Rüssel und Taster gelb. Scheitel und Hinterkopf 
verdunkelt, grau schimmernd. Fühler braun, Wurzelglieder und 
zwei bis -drei Geißelglieder gelb. 

Thorax gelb, mit drei matten Striemen, die mittlere wenigstens 
vorn geteilt. Brustseiten meist blaßbraun gefleckt, Schildchen und 
Hinterrücken gelb, letzterer oft verdunkelt. Schwinger gelb. Hüften 
und Schenkel gelb, Schienen bräunlich. Tarsen iichtbraun. Hüft- 
dorne vorhanden, Flügel schwach grau getrübt, an der S})itze 
dunkler; Subcostalzello nicht geln-äunt. INIediastinalis vollständig. 




Fig. 13. 

Hinterleib rostgelb, mit breiter, schwarzbrauner, an den Ein- 
schnitten breit unterbrochener Rückenstrieme, die auf dem fünften 
Ringe am schmälsten erscheint. Die beiden Endringe schwarzbraun, 
der vorletzte mit schmalem, gelbem Einschnitte. 

Dziedzicki zieht (Tam. Fiz. V. 1885) M. punctata und 
M. limbata zusammen, Lundström (Act. soc. p. faun. et flor. fenn. 
1809, p. 9) trennt sie aber wieder mit Hinweis auf die Verschiedenheit 
im Bau des Hypopygiums. Die appendices superae sind bei punc- 
tata länger und lang behaart, der processus anders geformt und 
an der Spitze gespalten. Hypopygium Fig. 13. 

Schreil)wahl bei Brunn, 1. Mai. — Mohratal. August. — 
Bilowitz, April. 

Abbild.: Lundst., Act. soc. })r. faun. et tlor. fenn. 1909. t. I. 
f. 1 u. 2 fHyiiojiygium). 



25 



4. Mycomya liml)ata Win. (^ $. 5 — 6 }mn. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 716. 

Eine in Größe und Fcärbung sehr veränderliche Art, deren 
sichere Bestimmung nur auf Grund der Untersuchung des prä- 
})arierten Hypopygiums möglich ist. 

Sie ähnelt der vorigen Art, doch ist meist nur das erste 
Fühlergeißelglied ganz oder teilweise gelb. Thorax mit schwarz- 
grauen Striemen, die mittlere gespalten. Brustseiten einfarbig 
gelb oder mit zwei bis drei dunklen Flecken, oft ganz ver- 
dunkelt. Schwinger gelb. Hüften oft mit einem braunen Fleck auf 
der Außenseite, der indessen nicht immer deutlich erscheint. 
Flügel graulich getrübt, Vorderrand schwach gelblich, Spitze 
dunkler. Subcostalzelle deutlich gebräunt. Mediastinaiis meist 
vollständiff. 




Fio-. 14. 



Hinterleib gelb, mit breiten, mitten erweiterten, braunen 
Vorderrandsbinden, welche oft die ganze Rückenfläche des Ringes 
einnehmen und hinten nur einen schmalen, gelben Saum übrig 
lassen; die beiden Endringe beim Männchen ganz schwarzbraun, 
beim Weibchen mit gelben Hinterrandsäumen. Hypopygium Fig. 14. 

Die Larven wurden aus Daedalea quercina gezogen (Win.). 

Eine der gemeinsten Arten, die im ganzen Gebiete häufig 
vorkommt. 

Abbild.: Dzied.. Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 6 und 7 (Hypop. 
punctata). 

5. Mycomya occultaiis Wiu. cT- 4 mm. 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 719. 

Untergesicht, Rüssel und Taster gelb, Hinterkopf braun. 
Fühler braun, Wurzelglieder und ein oder auch mehrere Geißel- 
glieder gelb, letztere so lang wie breit. 



26 



Thorax gelb, mit drei dimkelrotljraunen, hinten oft zusammen- 
geflossenen Striemen, die mittlere geteilt. Brustseiten gelb, ober 
den Mittelhüften ein blaßbraunes Fleckchen ; Schwingerwulst und 
Hinterrücken braun oder wenigstens teilweise verdunkelt. Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, Schienen l)räunlich, Tarsen 
braun. Hüftdorno vorhanden, derb. Flügel schwach graulich ge- 
trübt, mit gelblicher "Wurzel; Subcostalzelle meist schwach gelblich- 
braun angelaufen. Mediastinaiis vollständig. 




Fig. 15. 

Hinterleib gelb, mit breiten, in der Mitte erweiterten, braunen 
Vorderrandsbinden; Endringe schwarzbraun. Hypopygium Fig. 15. 

Die Larven leben in Daedalea (luercina und in lederartigen 
Polyporus-Arten und verpuppen sich in den Pilzen. (Win. 720). 

Sehr selten; ich fing nur ein Männchen am 4. Mai in Bilowitz. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VIII. f. 1:1 und 11. (Hypo- 
pygium). 

6. Mycomya fasciata Zett. J $. 6—7 mtu. 
Ins. Lapi». 1888. 858. p. t. 

Untergesicht, Rüssel und Taster gelb, Hinterkopf l)rauu. 
Fühler braun, Wurzelglieder und ein bis drei Geißelglieder gelb. 




Fio-. 16. 



Thorax gelb, mit drei schwarz) )raunen, glanzlosen Striemen. 
Brustseiten gelb, ein Fleck über den Mittelhüften, Schwingerwulst 
und Hinterrücken brnun. Schwinger gelb. Hüften und Schenkel 



27 

gelb, Schienen dunkler, Tarsen braun. Hüftdorne vorhanden. Hüften 
und Schenkel schwarz behaart. Flügel glashell. Untergabel auch 
beim Weibchen weit vor der Basis der Cubitalquerader. 

Hinterleib gelb oder rostgelb, mit breiten, schwarzbraunen 
Rückenflecken, die nur einen mäßig breiten gelben Hinterrand frei 
lassen; sechster und siebenter Ring ganz braun. Hinterleibsseiten 
und Bauch gelb. Hypopygium Fig. 16. 

Lultsch, 15. August. Sehr selten. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VHL f. 11 und 12. (Hypo- 
pygium). 

Das von AYinnertz (Monogr. p. 72 Ij angeführte AVeibchen 
(Untergabel nahe vor der "Wurzel des Cubitus liegend) dürfte der 
sehr ähnlichen Winnertzi Dzied. angehören. 

7. Mycoiiiya Winnertzi Dzied. JQ- 5 — ú //n//. 
Pam. Fiz. 1885. 23. 
fascicda Win. {nee ZpH.). 
sororeula Zeit.? (vid. Li mdst.) 

Gleicht der vorigen Art fast vollständig, unterscheidet sich 
aber von ihr durch ganz anderen Bau der Geschlechtsorgane. 
Die in eine auswärts gerichtete Spitze auslaufenden app. inf. sind 
auf der Innenseite mit kammartig angeordneten Borsten versehen, 
der processus ganz anders geformt und beborstet. Bei allen meinen 
Stücken, deren Hypopygien genau mit den Zeichnungen bei 
Dziedzicki übereinstimmen, liegt die Basis der Untergabel kaum 
vor, fast unter der Querader. Hypopygium Fig. 17. 




Fi£?. 17. 



Bilowitz, 15. Mai. — Adamstal, 13. Mai. 
Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 8 und 9 (Hypo- 
pygium). 



28 

8. Mycomya cinerascens Macq. cj' $. 4:—4:^/^mm. 
Recuil Soc. Se. Agric. Lilie. 1826. 101. 

(lia cri s Win. 
imniis Will. 

Kopf gelb, Stirne und Scheitel verdunkelt. Fühler braun, 
Basalglieder und erstes Geißelglied an der Basis oder ganz gelb. 

Der Thorax ist gelb, mit mehr oder weniger deutlich ge- 
trennten, schwarzbraunen Striemen (var. alacris Win.); meistens 
sind diese Striemen vollständig zusammengeflossen, grauschwarz 
und lassen nur einen Schulterfleck von der Grundfarbe frei. Sehr 
selten ist der Thorax einfarbig gelb. Brustseiten meist braun ge- 
fleckt, Hinterrücken verdunkelt. Schwinger gelb. Hüften und 
Schenkel gelb, Schienen bräunlich, Tarsen braun. Hüftdorne vor- 
handen. Hinterhüften oft mit braunem Wisch auf der Außenseite. 
Flügel fast glashell, Mediastinaiis vollständig, nur selten an der 
Querader abgebrochen. 




Fig. 18. 

Hinterleib gelb, mit breiten schwarzbraunen Vorderrands- 
binden (var. inanis Win.) oder schwarzbraun, mit schmalen, 
gelben Einschnitten. Endringe meist ganz verdunkelt. Hypopygium 
Fig. 18. 

An Waldbächen nicht selten. Bilowitz, Adamstal, Mai bis Juni. 

Die von Winnertz als Arten angeführten inanis und alacris 
sind nach Dziedzicki nur Varietäten der cinerascens. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VHI. f. 5 und 6 (Hypo- 
pygium). 

9. Mycomya iucisiirata Zeit. J 9- 47^- — ^ mm. 
Ins. Läpp. 1888. 859. 

Fühler braun, Wurzelglieder und das erste Geißelglied an 
der Basis gelb. Kopf braun, Rüssel gelb. Beim Weibchen oft 
mehrere Geißelglieder und das Untergesicht gelb. 



29 



Hückenschild schwarzgraii, mit gelben Schultern; Schildclien 
braun, Brustseiten und Hinterrücken braunschwarz. Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, Schienen bräunlich, Tarsen braun. 
Hüftdorne vorhanden. Flügel etwas getrübt, die Spitze gewöhnlich 
dunkler. Mediastinaiis in den meisten Fällen an der Querader ab- 
gebrochen, selten vollständig. Basis der Gabel der Posticalis nur 
wenig vor, oft genau unter, selten sogar etwas jenseits der Cubital- 
querader liegend. 




Fig. 19. 

Hinterleib schwarzbraun, mit schmalen, gelben Hinter- 
randssäumen, die jedoch und besonders beim Weibchen breit, 
bindenartig erscheinen. Endringe schwarzbraun. Hypopygium 
Fig. 19. 

Ich fing die Art am 10. August in einem Seitentale der 
Mohra in zahlreichen Stücken beiderlei Geschlechtes. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 2 und 8 (Hypo- 
pygium). 

10. Mycomya exigiia Wiu. J. 4V2 Mm. 

Verb, zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 725. 

Kopf braun. Fublergeiliel ganz braun, Wurzelglieder der 
Fühler gelb. 




FiV. 20. 



Mittelleib ganz schwarzbraun, nur ein kleiner Schulterfleck 
gelb. Beine wie bei der vorigen Art. Flügel kaum getrübt, mit 
heller Spitze und vollständiger Mediastinaiis. üntergabelbasis deut- 
lich vor der Cubital querader liegend. 



30 

Hinterleib schwarzbraun, auch der Bauch; Behaarung gold- 
gelb schimmernd. Hypopygium Fig. 20. 

Bilowitz, 20. Mai. — Schreibwald, 11. Mai. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 4 und 5 (Hypopygium). 

11. Mycomya liicolor Dzied. (^. 5 — i^mm. 
Pam. Fiz. 1885. 16 (sep. p.). 

Fühler länger als Koi)f und Mittelleib, kräftig, braun, AVurzel- 
glieder und erstes Geißelglied gelb. Untergesicht gelb. Hinter- 
kopf braun. 

Rückenschild gelb, mit drei braunen, meist deutlich getrennten 
Längsstriemen, die mittlere durch eine feine gelbe Tjinie geteilt. 
Schildchen gelb, Brustseiten gelb, ober den Hüften zwei braune 
Fleckchen; Schwingerwulst teilweise oder ganz braun. Hinterrücken 
mit breiter, lichtbrauner Mittelstrieme, Schwinger gelb. Hüften 
und Schenkel gellf, Schienen bräunlich, Tarsen dunkler. Hüftdorne 
vorhanden. Flügel etwas grau getrübt, die Adern um die Subcostal- 
zelle schwach bräunlich umsäumt. Analis lang und kräftig. 




Fig. 21. 

Hinterleib gelb, mit schwarzbrauner liückenstrieme, die auf 
den hinteren Ringen breiter wird und nur an den Einschnitten 
durch gelbe Hinterrandssäume unterl)rochen ist. Bauch gell). Hypo- 
pygium Fig. 21. 

Bilowitz, 13. Mai. — Schreibwald, 1. Mai. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885, t. VIIT. f. 15 und 16 (Hypo- 
pygium). 

12. Mycomya fulva Dzied. á*?. 5 — ^ mm. 
Pam. Fiz. 1885. 25. (sep. ]>.) 

Untergesicht, Rüssel und Taster gelb, Hinterkopf verdunkelt. 
Fühler verlängert, kräftig gebaut, braun, AVurzelglieder und ein 
bis zwei Geißelglieder gelb. 



31 

Thorax gelb, mit drei schwarzbraunen Striemen^ die mittlere 
geteilt. Brustseiten, Schildclien und Hinterrücken gelb, letzterer 
höchstens schwach bräunlich; oft stehen auch über den Hüften 
an den Brustseiten schwach bräunliche Fleckchen. Schwinger gelb. 
Hüften und Schenkel gelb, Schienen bräunlich, Tarsen braun. 
Hüftdorne vorhanden. F'lügel kaum getrübt, die Adern um die 
Subcostalzelle schwach gebräunt. 




Fig. 22. 

Hinterleib gelb, mit breiter, schwarzbrauner Rückenstrieme 
auf dem ersten bis fünften Kinge; Einschnitte schmal gelb, die 
beiden Endringe schwarz. Das Weibchen, welches von Dziedzicki 
nicht l)eschrieben wird, hat auf dem Hinterleibe eine schmälere 
ßückcnstrieme, so daß die gelbe Grundfarbe dessell)en vor- 
herrschender erscheint. Hypû])ygium Fig. 22. 

Adamstal, 29. Mai. — Schreibwald, 11. Juni. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 12 und 13 (Hypo- 
pygium). 

13. Mycomya Wankowiczi Dzied. c?. 6 mm. 
Pam. Fiz. 1885. 26 (sep. p.). 

Untergesicht und Taster gelb, Hinterkopf braun. Fühler 
schwarzbraun, Wurzelglieder und ein Geißelglied gelb. 




Thorax gelb, mit drei schwarzbraunen, etwas glänzenden 
Längsstriemen; die mittlere geteilt. Brustseiten, Schildchen und 
Hinterrücken einfarbig gelb. Schwinger gelb. Hüften und Schenkel 



32 

gelb, Schienen bräunlich, Tarsen braun. Hüftdorne vorhanden. 
Flügel getrübt, Mediastinnlis meist vollständig, Analis derb 
und lang. 

Hinterleib rötlichgelb, mit 1)reiten, schwarzbraunen, mitten 
erweiterten (fast dreieckigen) Vorderrandsbinden. Hinterrand der 
Ringe, Seiten und Bauch gelb. Hy])0])ygium Fig. 23. 

6 Männchen aus der mährischen Schweiz. Adamstal, 27. Mai. — 
Bilowitz, 20. Mai. — Schreibwald, 11. Juni. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 1-1 und 15 (Hy])0- 
]iygium). 

14. Mycoiîiyu li vida Dzied. (S- 4— éVs ^fi^n. 
Pam. Fiz. 1885. 22 (sep. {).). 

Untergeříicht und Taster gelb. Fühler braun, Wurzelglieder 
und erstes Fühlergeißelglied gelb. 






'1 



1 \.J ky 



Rückenschild gelb, mit drei blaßbraunen Striemen. Brust- 
seiten, Hinterrücken, Schildchen und Schwinger gelb. Hüften und 
Sclienkel gelb. Schienen verdunkelt, Tarsen braun. Hüftdorne vor- 
handen. Flügel etwas getrübt; Mediastinaiis vollständig, Dziedzicki 
reiht diese Art in die Abteilung 11 nach Winnertz ein. Bei 
dem einzigen Männchen, das ich l;)esitze, liegt aber die Basis 
der Untergabel deutlich vor der Cu])italquerader; das präparierte 
Hypopygium stimmt a1)er vollkommen mit den Zeichnungen 
Dziedzickis übercin. Ich habe die Art daher in beiden Gruppen 
berücksichtigt. 

Hinterleib gelb, mit breiten, ^schwarzbraunen Vorderrands- 
bindeu und schmalen, gelben Hinten Hiids^äumen; nur der erste 
Ring hinten Ijreiter gelb. Hypo])ygium Fig. 2-1. 

Bilowitz, 2. Juni. Sehr selten. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VIII. f. 21 und 22 (Hypo- 
l)ygium). 



33 

15. Mycomya Siebecki Laud. J. 4 — 5 mm. 

W. E. Z. 1912. ]). 27. 

üntergesicht und Taster gelb, Hinterkopf braun. Fühler 
schwarzbraun, Wurzelglieder und ein bis zwei Geißelglieder gelb. 

Thorax gelb, mit drei dunklen Striemen; bei einem Stücke 
fehlt die Mittelstrieme fast vollständig. Brustseiten gelb, bei einem 
Stücke mit blaßbraunen Flecken über den Mittelhüften. Hinter- 
rücken mit blasser, breiter Mittelstrieme. Schildchen und Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, Schienen verdunkelt, Tarsen 
braun. Hüftdorne vorhanden. Flügel fast glashell, Mediastinaiis 
vollständig. 




Fig. 2-5. 

Hinterleib gelb, mit schwarzbrauner, ziemlich breiter Rücken- 
strieme, die nur an den Einschnitten durch schmale gelbe Säume 
unterbrochen ist. Hypopygium Fig. 25. 

Bilowitz, 20. Mai. — Adamstal, 27. Mai. — Drei Männchen. 

Abbild.: Land., W. E. Z. 1912, Fig. 1 und 2 (Hypopygium). 

16. Mycomya oriiata Meig-. (^9- ^—h^i.,nim. 
S. B. I. 1818. 250. 

Kopf schwarzbraun, Rüssel, Taster und Mundrand gelb. 
Fühler schwarzbraun, Wurzelglieder und das erste Geißelglied gelb. 

Rückenschild gelb, mit drei schwarzen, stark glänzenden 
Striemen, die oft ganz zusammengeflossen sind. Schildchen gelb. 
Brustseiten gelb, meist mit drei braunen Flecken; Hinterrücken 
ganz oder im unteren Teile schwarzbraun. Schwinger gelb. Hüften 
und Schenkel gelb. Schienen bräunlich, Tarsen braun. Zweites 
Hüftglied mit dunklem Punkt an der Spitze, Hinterhüften mit 
braunem Wisch auf der Aul]enseite. Hüftdorne fehlen. Flügel fast 
glashell. Mediastinaiis meist vollständig, doch kommen auch Stücke 
vor, bei denen sie abgebrochen ist. Analis sehr zart. 

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. XHI. 3 



34 

Hinterleib gelb, mit breiten, schwarzbraunen Vurderrands- 
binden auf dem zweiten bis fünften Ringe. Erster Ring meist un- 
gefleckt, die beiden Endringe ganz schwarz. Beim Weibchen ist 
das Gelb des Hinterleibes oft verdunkelt, doch sind auch hier die 
Binden deutlich. Hypopygium Fig. 26. 




Fig-. 26, 

Nicht häufig. Schreibwald, 11. Mai, 11. Juni. 
Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VI. f. 26 und 27 i Hypo- 
pygium). 

17. Mycomya tiimida Wiu. i'. 6 mm. 
Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 186;1 727. 

Fühler braun, Wurzelglieder und das erste Geißelglied gelb- 
lich. Taster und Rüssel gelb, Kopf braun. 

Rückenschild grauschwarz, matt, SchulterÜeck gelb. Hchildchen, 
Brustseiten und Hinterrücken schwarzbraun. Schwinger gelb. Hüften 
und Schenkel gelb, Schienen bräunlich, Tarsen braun. Hinter- 
hüften mit braunem Wisch auf der Außenseite. Hüftdorne fehlen. 
Flügel etwas getrübt mit dunklerer Spitze. 




Fig. 27. 

Hinterleib gelb, mit breiten, mitten erweiterten Vorderrands- 
binden, die nur schmale Binden am Hinterrand der Ringe von 
der Grundfarbe frei lassen; diese Binden erweitern sich an den 
Seiten zu dreieckigen gelben Flecken, die mit dem Gelb des 
Bauches zusammenhängen. Hypopygium Fig. 27. 

Selten. Adamstal, 13. Mai. 



35 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VI. f. 28 und 29 (Hypo- 
])ygiuin). 

18. Mycoiiiya lucorum. Win. ci 2- 6 mm. 
Verb, zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 727. 

Fübler lang, braun, nur die Wurzelglieder gelb. Eüssel und 
Taster gelb, Kopf braun. 

ïborax graubraun, mit gelben Schultern, selten mit wenigstens 
vorn deutlich getrennten Striemen. Schildchen ganz oder doch 
an der Basis braun. Brustseiten und Hinterrücken verdunkelt. 
Schwinger gelb. Hüften, Schenkel und Schienen gelb, T;trsen ge- 
bräunt mit heller Wurzel. Hüftdorne fehlen. Flügel fast glashell. 




Fig. 28. 

Hinterleib gelb, mit breiter, schwarzbrauner Binde am Hinter- 
rande und ebenso gefärbter Mittelstrieme auf den mittleren Ringen; 
erster und zweiter Ring sowie die beiden Endringe meist ein- 
farbig schwarzbraun. Hypo])ygium Fig. 28. 

Xicht zu häufig. Bilowitz, 4. Juni. — Adamstal, 18. Mai 
und 6. Juni. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VII. f. 14—16 (Hy])0- 
pygium, Zange). 

19. Mycomya margiiiata Dzied. rf. 5 itm/. 
Pam. Fiz. 1885. 19 (sep. p). 

Fühler schwarzbraun, Wurzelglieder und drei bis vier Geißel- 
glieder gelb. Untergesicht, Rüssel und Taster gelb. 

Thorax braun, mit gelbem Schulterfleck, selten mit deutlich 
getrennten Striemen. Brustseiten und Schildchen rötlichgelb, 
Hinterrücken kaum verdunkelt. Schwinger gelb. Hüften und 
Schenkel gelb, Schienen und Tarsen verdunkelt. Hüftdorne vor- 
handen. Flügel kaum getrübt. Subcostalzelle etwas verlängert. 
Mediastinaiis bisweilen vollständig, meist aber abgebrochen. Basis 

3* 



36 

der Untergabel meistens unter der Querader und nur in wenigen 
Fällen jenseits dieser Stelle liegend. 

Hinterleib schwarzbraun, mit schmalen, gelben Hinterrands- 
säumen auf dem ersten bis vierten Ringe; die drei Endringe ge- 
wöhnlich ganz schwarzbraun. Hypopygium Fig. 29, 

Bilowitz, 3. Juni. — Hobitschau, 15. Mai. 




Fig. 29. 

Anmerkung: Herr Professor K. Lundström zieht in seiner 
Arbeit über finnische Mycetophiliden (Act. soc. p. faun. et flor. 
fenn. 1904, p. 7) den Namen marginata ein und stellt ihn als Syno- 
nym zu trivittata Zett. Da das Hypopygium der Zetterstedtschen 
Art nicht untersucht worden ist, die Färbung allein bei einer 
Mycomya-Art aber nicht maßgebend sein kann, behalte ich den 
Namen marginata bei. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. YIII. f. 9 und 10 (Hypo- 
l)ygium). 

20. Mycomja fimljriata Meia:. Q. 5 — 57j mm- 

S. B. I. 1818. 217. 

Kopf braun, Rüssel und Taster gelb. Fühler braun, Wurzel- 
glieder und das erste Geißelglied gelb, letzteres oft nur an der Basis. 

Thorax gelb, an den Seiten über der Flügelwurzel je eine 
braune, fleckenartige, verkürzte Strieme ; zwischen diesen liegen 
auf der Mitte des Rückens die gewöhnlichen drei Striemen, die 
indessen in den meisten Fällen sehr verblaßt erscheinen, oft ganz 
fehlen. Brustseiten gelb, über den Mittelhüften und am Grunde 
des Schwingerwulstes braun gefleckt. Hinterrücken ganz oder teil- 
weise braun Schwinger gelb. Hüften und Schenkel gelb, zweites 
Hüftgiied mit braunschwarzem Punkt an der Spitze. Hüftdorne 
fehlen. Schienen bräunlich, Tarsen braun. Flügel fast glashell, an 
der Wurzel und am Vorderrande schwach gelblich. Mediastinaiis 
vollständig, üntergabelbasis unter der Cubitalquerader liegend. 



37 



Hinterleib gelb, mit braunschwarzen Hinterrandsbinden, der 
letzte ßing ganz schwarzbraun. 

Bilowitz, 4. Juni und 25. Mai. 

Winnertz führt die Art in seiner dritten Abteilung (Basis 
der Untergabel jenseits der Cubitalquerader liegend) an. Bei allen 
meinen mähr. Stücken liegt jedoch die Untergabel fast senkrecht 
unter der Querader, weshalb ich sie in die zweite Abteilung stellte. 
Sollten Stücke mit deutlich jenseits der Querader liegender Unter- 
gabel vorkommen, dann ist die Art leicht an der eigentümlichen 
Thoraxfärbung kenntlich. 

21. Mycomya apicalis Wiu. r?$. 472—5 mm. 

Verh. zool.-bot. Ges. Wien. 1863. 729. 

Radosxl^oivshii Dxied., Pam. Fiz. 1885. 17. 

Kopf braun, Rüssel und Taster gelb. Fühler braun, Wurzel- 
glieder und erstes Geißelglied gelb. 

Die Färbung des Mittel- und Hinterleibes ist bei dieser Art 
sehr veränderlich und führt schon Winnertz in seiner Mono- 
graphie nicht weniger als achtzehn Varietäten an. 





+3^:;^vn^|. 



Fio-. .30. 



Rückenschild entweder (allerdings selten) einfarbig gelb, 
oder mit drei dunklen, mehr oder weniger zusammengeflossenen 
Striemen, meistens aber ganz schwarzbraun mit gelbem Schulter- 
fleck, der aber nicht immer deutlich ist. Brustseiten gelb, mit oder 
ohne dunklen Flecken, oft ganz verdunkelt, schwarzbraun. Hüften 
und Schenkel gelb; zweites Hüftglied mit Ijraunem Punkt au der 
Spitze. Hinterhüften nicht selten verdunkelt, lichtpechbraun. Hüft- 
dorne vorhanden. Schienen bräunlich, Tarsen braun. Flügel fast 
glashell, mit stark verlängerter Subcostalzelle (27^ ^^^ ^ ^^^^ ^^ 
lang als breit). Mediastinaiis meist vollständig, Untergabelbasis 
deutlich und weit jenseits der Cu1)ital(|uerader liegend. 



38 

Hinterleil) gelb, mit breiten, schwarzbraunen, am Vorderrand 
der Einge liegenden Flecken, deren Größe und Breite jedoch sehr 
veränderlich ist. Vielfach erscheint der Hinterleib schwarzbraun, 
mit schmalen, gelben Hinterrandssäumen. Sechster und siebenter 
Bing einfarbig schwarzl)rann. Hypopjgium mit langen, säbelförmig 
gebogenen Borsten. Hypopygium Fig. 80. 

M. apicalis ist eine im ganzen Gebiete an AValdbächen 
gemeine Art. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VII. f. 19 und 20 (Hypo- 
pygium. — Radoszkowskii). 

22. Mycomya aifiiiis Staeg. rf. 4 mw. 

Nat. Tidskr. III. 1840. 274. 

Rüssel, Taster und üntergesicht schmutziggelb, Stirne und 
Hinterkopf verdunkelt, grau schimmernd. Fühler braun, die 
Wurzelglieder gelb. 




Fig. ;^1. 

Thorax gelb, mit drei braunen, hinten oft zusammengeflos- 
senen Striemen. Brustseiten gelb mit l)raunen Flecken, Hinter- 
rücken braun; selten sind die Brustseiten einfärl)ig gelb. Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, zweites Hüftglied mit schwarz- 
braunem Fleck an der Spitze. Hüftdorne fehlen. Schienen bräun- 
lich, Tarsen braun. Flügel fast glashell. Subcostalzelle etwas ver- 
längert, Mediastinaiis abgebrochen. Basis der 1 Tntergabel weit 
jenseits der Cubitalquerader liegend. 

Hinterleib gelb, mit schwarzbrauner Binde am Hinterrand 
der Ringe, sechster Ring größtenteils, siebenter ganz schwarz- 
braun. Hypopygium Fig. 81. 

Sehr selten. Bilowitz, 4. Juni. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. IX. f. 18 und 19 (Hyi.o- 
pygium). 



39 

23. Mycomya triliueata Zett. rf. 4 »n». 
Ins. Lap]). 1838. 859. 

Rüssel, Taster und Untergesiclit gelb. Kopf braun, Stirn 
etwas grauscbimmernd; Fühler braun, Wurzelgliedei- und das erste 
Fühlergeißelglied gelb. 

Thorax gellj, mit drei braunen Striemen, die jedoch sehr oft 
kaum angedeutet sind. Brustseiten, Hinterrücken und Schwinger 
gelb. Hüften und Schenkel gelb, Schienen brcäunlich, Tnrsen braun, 
Hüftdorne fehlen. Flügel fast glashell. Mediastinaiis abgebrochen. 
Untergabel deutlich jenseits der Cubitalquerader, fast unter der 
Mitte der Subcostalzelle liegend. 




Hinterleilj gelb, mit braunen Einschnitten, beim Männchen 
die beiden Endringe verdunkelt, schwarzbraun. Hypopygium Fig. 32. 

Sehr selten. Frain, Südmähren (Siebeck). 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VII. f. 10 und 11 (Hypo- 
pygium). 

24. Mycomya parva Dzied. S- I — 5 »"^t- 
Pam. Fiz. 1885. 13 (sep. p.). 

Rüssel und Taster gelb, Untergesicht bräunlichgelb. Fühler 
liraun, Wurzelglieder und erstes Geißelglied gelb. 

Thorax gelb, mit drei schwarzbraunen, etwas glänzenden. 
selten deutlich getrennten Längsstriemen; meistens sind diese 
Striemen vollständig zusammengeflossen und derart ausgebreitet, 
daß von der gelben Grundfarbe nur größere oder kleinere Schulter- 
ilecken übrig bleiben. Brustseiten gelb mit zwei brauneu Flecken; 
Hinterrücken verdunkelt. Schwinger gelb. Hüften gelb, Hüftdorne 
fehlen. Schenkel und Schienen gelb, Tarsen bräunlich, oft die 
ganzen Beine bräunlichgelb. Flügel kaum graulich getrübt. Media- 
stinalis vollständig. Untergabelbasis deutlich jenseits der Cubital- 
queradei-. 



40 

Hinterleib schwarzbraun, mit gelben, seitlich zu Dreiecken 
erweiterten Hinterrandsbinden; erster, sechster und siebenter Ring 
einfarbig schwarzbraun. Hyj^opygium Fig. 83. 




Fig. 33. 

Adamstal, 29. Mai. — Sehr selten. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VII. f. :> und 4 (Hypopygium). 

25. Mycomjîi trivittata Dzietl. cf- "^ ''?"''• 
Pam. Fiz. 1885. 18 i sep. p.). 

Untergesicht, liüssel und Taster blaßgelb. Fühler braun, 
Wurzelglieder und erstes Geißelglied gelb. 

Thorax,, gelb mit drei braunschwarzen, undeutlich getrennten 
und wenigstens hinten zusammengeflossenen Striemen. Brustseiten 
und Hinterrücken, meist auch das Schildchen licht gelbbräunlich. 
Schwinger gelb. Hüften und Schenkel gelb. Schienen bräunlich, 
Tarsen braun. Hüftdorne fehlen. Flügel kaum getrübt, im Geäder 
vollständig der Sc. apicalis Win. gleichend. 




Hinterleib gelb, mit schwarzbraunen, dreieckigen Rücken- 
flecken am Vorderrande, die sich vom vierten Ringe an so aus- 
breiten, daß nur der Hinterrand (an den Seiten allerdings er- 
weitert) gelb bleibt. Hypopygium Fig. 34. 

Bilowitz, 24. Mai. Nur ein Männchen. 

Abbild.: Dzied., Pam. Fiz. 1885. t. VIII. f. 3 und 4 (Hypo- 
pygium). 



41 



Erkläruns: der Abbildunsen. 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


5. 


Fig. 


6. 


Fig. 


7. 


Fig. 


8. 


Flg. 


9. 



Flügel von Monoclona Mik. 

Flügel von Tetragoneura Win. 

Flügel von Sciopliila Meig. (Lasiosoma). 

Flügel von Paratinia Mik (nach Mik). 

Flügel von Polylepta Win. 

Flügel von Empalia AVin. 

t'lügel von Apolephthisa Grzeg. (nach Grzegorzek). 

Flügel von Dziedzickia Johanns, (nach Dziedzicki). 

Flügel von Hadronenra Lundst. (nach Lnndström). 
Fig. 10. Flügel von Neoempheria Ost.-Sack. 

Fig. 11. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya lla\icollis Zett. 
F'ig. 12. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya hyalinata Meig. 
Fig. 13. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya pnnctata Meig. 
Fig. 14. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya limbata Win. 
Fig. 15. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) \. Mycomya occultans Win. 
Fig. 16. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya fasciata Zett. 
Fig. 17. Hinterrand d. Hyj). (Unterseite) v. Mycomya WinnertziDzied. 
Fig. 18. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya cinerascens Macq. 
Fig. 19. Hinterrand d. Hy|). (Unterseite) v. Mycomya incisurata Zett. 
Fig. 20. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya exigua Win. 
Fig. 21. Hinterrand d. Hyj). (Unterseite) v. Mycomya bicolor Dzied. 
Fig. 22. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya fulva Dzied. 
Fig. 23. Hinterrand d. Hyp. (Unters.) v. Mycomya Wai'ikowiczi Dzied. 
Fig. 24. Hinterrand d. Hyj). (Unterseite) v. Mycomya livida Dzied. 
Fig. 25. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya Siebecki Lund. 
Fig. 26. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya ornata Meig. 
Fig. 27. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya tumida Win. 
Fig. 28. Hinterrand d. Hyp. (^Unterseite) v. Mycomya lucorum Win. 
Fig. 29. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya ma rginata Dzied. 
Fig. 30. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya apicalis Win. 
Fig. 31. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya affinis Staeg. 
Fig. 32. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya trilineata Zett. 
Fig. 33. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya parva Dzied. 
Fig. 34. Hinterrand d. Hyp. (Unterseite) v. Mycomya trivittata Dzied. 

(Fig. 11-12, 14—24, 26—34 nach Dziedzicki, Fig. 13 
nach Lund ström.) 



Zur Frage des Vorlioiniuens eenouiaiier Planer 
in Nordwestniäliren. 



Von Joliauu Tuppy. 



In meiner Publikation „Die als cenoman beschriebenen Kreide- 
sedimente von Biidigsdorf und Umgebung" M babe ich nachgewiesen, 
daß die von Hans Wilschuwitz-) der sogenannten Actinocamax- 
zone beziehungsweise dem Korytzaner Grünsand zugeteilten Kreide- 
ablagerungen im nordwestlichen Mähren keinesfalls diesen Zonen 
angehören, sondern daß wir es hier lediglich mit einem Gliede 
des Unterturons. und zwar wahrscheinlich mit Malnitzer Schichten 
oder wenigstens mit Aijuivalenten von solchen zu tun haben^). 



1) Erscliieiii'u 1912 in der ..Zeitschrift des miihriselieu Tjandesmnseuins", 
XII. Band, 1. Heft, S. 12-32. 

^) Hans Wilscho wi tz: „Beitrag zur Kenntnis der Kreideablagerungen 
vun Budigsdorf und Umgebung'', ersobienen ia den „Beiträgen zur Paläontologie 
und Geologie Österreich- Ungarns und des Orients", Band XIX, S. 125 — 134. 

-*! Als Unterturon werden im folgenden jene Sedimente betrachtet, 
welche die bölnuischen Geologen Weißenberger und Malnitzer Schichten 
nennen, während unter Cenoman die Perutzer und Korytzaner Schichten zu- 
sammengefaßt erscheinen (Geologische Spezialkarte der im Reichsrate ver- 
tretenen Königreiche und Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie. 
Nordwest-Gruppe Nr. 39, Landskron und Böhm.-Trübau. Wien 1904j. Die 
Zone des Actinocamax (plenus), zum Teil aus Blänern, zum Teil aus sand- 
steinartigen Gebilden ])estehend, wiid als oberstes (jüngstes) Glied der Kory- 
tzaner Schichten angesehen und demnach ebenfalls zum (Jenoman gerechnet. 
In gleicher Weise finden wir zum Beispiel auch bei Hans Wilschowitz 
Korytzaner Grünsand und die Actinocamaxzone zusammen als Korytzaner 
Schichten aufgefaßt. Die Ausdrücke „cenonianer Pläner und Actinocamaxzone" 
(Schichte) haben sonach immer als Synonyma zu gelten. Bezüglich des zuletzt 
genannten Horizontes der Kreide vergleiche man im übrigen W. Petraschek: 
Die Zone des Actinocamax plenus in der Kreide des östlichen Böhmen (Jahr- 
buch der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1905, Band 5r), Heft 3 und 4). 



43 

Unter den stratigraphischen Gründen, welche zu dieser Annahme 
drängen, habe ich auch unter anderem die Tatsache angeführt, 
daß die in Frage kommenden Sedimente nicht, wie aus Wilscho- 
witz' Angaben hervurgeht, von Perutzer (Quadern, sondern von 
echtem unterturonen Pläner unterteuft werden. Bei Abfassung 
der im Eingange zitierten Arbeit schien mir ein eigentlicher Be- 
weis für das unterturone Alter dieses Pläners unnötig und ich 
beschränkte mich auf den Hinweis, daß derselbe mit dem „bei- 
si)ielsweise am Schönhengst und am Heichenauer Berge" auf- 
geschlossenen Pläner, dessen Zugehörigkeit zum Unterturon durch 
das Vorkommen von Inoceramus labiatus Schloth. aulier Zweifel 
steht, identisch sei. Später ließ sich allerdings die Vermutung 
nicht ganz von der Hand weisen, daß diese einfache Bemerkung 
für Leser, denen unsere mährische Kreide weniger bekannt ist, 
kaum genügen dürfte; denn die Entfernung der Vergleichsobjekte 
von den in Betracht kommenden Plänerge])iklen (zum Beispiel 
Schönhengst — Grünau) und ihre Hohendilïerenz ist immerhin eine 
solche, dali eine Verschiedenheit des Alters der verglichenen 
Schichten trotz des sehr ähnlichen petrographischen Habitus nicht 
ausgeschlossen bleibt, und der Einwurf, daß dieser die fraglichen 
Actinocamaxschichten beziehungsweise den augeblichen Korytzaner 
Grünsand unterlagernde Pläner möglicherweise selbst cenonmn 
(der Actiiiocamaxzone angehörig^i sein könnte, erscheint ziemlich 
naheliegend, um so mehr, als auch die jjetrographischen Eigen- 
schaften desselben an gewisse Partien der von Petraschek be- 
schriebenen cenomanen Pläner Böhmens erinnern. AVir liaben es 
nämlich hier mit einem im frischen Zustande unter dem Hammer 
klingenden, meist leicht in Platten brechenden, feinkörnigen Pläner 
von blaugrauer Farbe zu tun, der Muskovitschüpi)chen führt, mit- 
unter braune Flecke zeigt und sehr arm an Glaukonit, hingegen 
reich an Kalk ist. An der Luft wird er bakl lichter, indem der 
blaue Farbenton in lichtes Grau übergeht, überzieht sich dann 
mit einer gelblichen Verwitterungsrinde und zerfällt schließlich in 
kleine kuboidische Brocken von mergeliger Beschaffenheit. Partien 
fast reinen Kalksteines sowie kleine Knollen von Markasit und 
Limonit kommen gleichfalls vor. 

Schon aus diesen wenigen Andeutungen ist zu ersehen, daß 
obige Behauptung bezüglich der Ähnlichkeit mit den cenomanen 
Planem Böhmens wirklich nicht ganz unbegründet ist. Ich habe 



44 



mich daher, gedrängt vuii vursteheiiden Erwägungen, bemüht, das 
Alter dieses Pläners lediglich durch paläontologische Tatsachen 
festzustellen. Hierbei kam mir der Umstand zugute, daß infolge 
des Straßenbaues in Grünau nächst dem „Burgstadl" (östlich von 
Ranigsdorf) einige größere Aufschlüsse dieses Gesteines entstanden, 
so daß es mir möglich wurde, trotz der relativen Petrefakten- 
armut dieses Pläners eine Fauna zu konstatieren, die sichere 
Schlüsse auf das Alter des Sediments zuläßt. 
Es fanden sich daselbst: 



Eriphyln lenticnldris Stol. 
Lilhodo)jii(s cf. 7'o^tratus ďOrh. 
GastrocJtaena umplüsbaena Ge/'n. 
Fanopdea gun/ifis Brongii,. 
TelU)ia conceiitriea Gein. 
Ävicula anomala Soiv. 
Inoceramini Brongniarti Sow. 
Inoceranius labiatus Schloth. 
Jjinia Hoppcrl Munt. 
Lima psetidomrdiuiu Reuss. 
Lima Sowerbgi Geiji. 
Lima eJongaia, Sow. 



Pecteii laeim Nilss. 
Pecten Nihsoai Gold f. 
Pecfen carvatus Gein. 
Lxoggra colandja Larn. 
Exoggra lateralis Nilss. 
Exogyra conica Sow. 
Ostrea diluviana L. 
Ostrea. hippopodiwm Nilss. 
Ostrea Desicnlaris Lam. 
Ostrea semiplana Sow. 
ÄuoHiia suhradiata Eeass. 
Anomia subtruncata d^Orb. 
Furo i des sp. 



Pecten. Dujardiuii BiJni. 

Gesammelt wurden die aufgezählten Arten in dem älteren 
Aufschluß gegenüber der sogenannten Talmühle (am Fuße des 
schon erwähnten Burgstadls östlich von Ranigsdorf) und in einer 
neuen Entblößung an der eben fertig gestellten, durch Grünau 
führenden Straße, und zwar kurz vor der Einmündung derselben 
in die Bezirksstraße Kanigsdorf-Rattendurf. 

Wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich wird, tinden 
wir in unserer Fauna zwar zehn Arten, welche auch Petraschek 
unter den Vorkommnissen der Actinocamaxzone (Seite 424 der 
zitierten Abhandlung) anführt; aber sie weist kein einziges Glied 
auf, das nicht auch im Unterturon (speziell in den Weißenberger 
Schichten) unanfechtbares Bürgerrecht besäße, und die Inoceramen 
derselben sind direkt für letzteres charakteristisch. Ich füge dem 
noch hinzu, daß sich auf dem Goldberge bei Altstadt (unweit von 
Mähr.-Trübau) ein Pläner aufgeschlossen findet, der mit dem hier 
erwähnten auch in den geringsten Details übereinstimmt, so daß 



45 



eine gleichzeitige Ablagerung wohl nicht in Zweifel gezogen werden 
kann. Auch er ist — trotzdem er unmittelbar auf Phyllit aufruht — 
durch mehrere Funde von Inoceramus labiatus als sicheres Unter- 
turon gekennzeichnet. 

Hiermit wäre demnach das Alter der Unterlage jener Sedi- 
mente, welche von AVilschowitz dem Cenoman zugeschrieben 
wurden, die aber (wie ich in der eingangs zitierten xlrbeit gezeigt 
habe) jedenfalls noch dem Unterturon angehören, exakt festgestellt. 
Wollen wir also der Frage, ob cenomane Planer in unseren Ge- 
genden vorkommen, nähertreten, so sind wir genötigt, dieselben im 
Liegenden der an dieser Stelle beschriebenen Sedimente zu suchen. 
Es soll im folgenden noch kurz gezeigt werden, daß in dieser 
Richtung unternommene Schritte keineswegs aussichtslos erscheinen. 
Verfolgt man den vom Erl)gerichte der Gemeinde Wojes 
gegen Charlottendorf führenden Feldweg (er geht auf der geolo- 
gischen Spezialkarte durch den Buchstaben o des Wortes Wojes) 
aufwärts, so trifft man bald nach Passierung des eben genannten 
Anwesens an der rechten Wegböschung bloßliegende Bänke eines 
graugelben, feinkörnigen, sehr kalkarmen Pläners. An einer starken 
Wegkrümmung bemerkt man später links vom Wege einen alten 
Denkstein, der in roher Zeichnung zwei Wagenräder samt Deichsel 
zeigt, und einige Schritte aufwärts (ungefähr an der Stelle, welche 
auf der Si^ezialkarte durch den Buchstaben o des AVortes AVojes 
markiert wird) tritt an der linken Wegseite wieder der schon 
erwähnte Pläner, und zwar unmittelbar im Straßenniveau zutage. 
Etwas über demselben bemerkt man jedoch hier eine beiläufig 
^/^ m mächtige Schicht eines mürben, stark giaukonitischen Sedi- 
ments, das im ganzen Aussehen der „Glaukonitbank", welche nach 
Petraschek den cenomanen Pläner nach oben abschließt, derart 
gleicht, daß ich dasselbe nicht besser als durch AViedergabe der 
bezüglichen eigenen AVorte des zitierten Autors beschreiben kann: 
„Das Gestein der mehrfach erwähnten Glaukonitbank 
ist ein äußerst charakteristisches. Im frischen Zustand ist 
es schwarzgrün, verwittert deutlich grün. Es ist ganz erfüllt 
von kleinen, Schießpulver ähnlichen Glaukonitkörnern. Selten 
sind sie gleichmäßig verteilt, oft vielmehr wolkig angereichert. 
Häufig auch bemerkt man in dem Gestein eckig umgrenzte 
Partien, die beträchtlich ärmer an Glaukonit sind. Sie geben 
dem Gestein ein etwas brecciöses Aussehen." 



46 



Diese G!laukoiiitb;ink wivà wieder von einem Pläner iil)er- 
lagert, der in allen petrographischen und physikalischen Eigen- 
schaften genau mit jenem übereinstimmt, den ich als tiefstes i auf- 
geschlossenes) Sediment nächst der Talmiihle beschrieben habe, 
so daß wohl nicht zu zweifeln ist, daß wir es an den beiden 
Orten mit gleichaltrigen Absätzen zu tun haben. Hierfür sprechen 
auch die gefundenen Fossile, die ebenfalls auf eine entschieden 
unterturone Fauna hindeuten. Es fanden sich nämlich hier: 



Cardlt(( dubia ďOrh. 
( 'rassfdeüii rvijiihiris d'Orh. 
Area siibglabra d'Orb. 
Mytilns nidis Fr. 
Venus fabacca Iiöu/. 
hioccramus Uroiu/ni/nii So/v. 
Lhua multicostata (rein. 



Pevten Dujardiuii liöiu. 
Pecten curratus Gc'ni. 
Exoytjia couica Sow. 
Ostrea hippopodium Nilss. 
Anoniia radiata Sow.? 
Tercbratulina grurili.s Sehl. 



Die Glaukonitljank sowie der sie unterteufende Pläner er- 
wiesen sich leider als petrefaktenleer. 

Wird der lietretene Weg noch weiter verfolgt, so bemerkt 
man bald Plänerbänke von goldgelber Farbe, die stellenweise einen 
durch Spongien hervorgebrachten wulstigen Bruch zeigen, und 
gelangt schließlich auf der Karamhöhe zu Ablagerungen, die genau 
mit jenen übereinstimmen, die wir bei Triebendorf, beim Budigs- 
dorfer Tunnel usw. mit 1 Ins o bezeichnet haben. Das grob- 
sandige, durch kieselige Bindemittel gefestigte Gestein zerfällt ober- 
flächlich leicht zu Sand, welcher Umstand auch zur Anlage von 
Sandgruben geführt hat. Wir finden längst des weiteren, auf der 
Hochfläche nordwestlich von Charlottendorf fortziehenden Weges 
am Waldessäume drei solcher Gruben, in denen sich der Charakter 
dieses Sediments bequem studieren läßt. Auch die bei Triebendorf 
usw. vorkommenden Hornsteinb ander fehlen hier nicht. 

Vergleichen wir diese Folge von Absätzen und ihre bezeich- 
nendsten Eigenschaften mit den Ausführungen Petrascheks, so 
werden wir kaum fehlgehen, wenn wir die Pläner unter der Ije- 
schriebenen Glaukonitbank als cenoman, die über derselben aber 
als unterturon ansehen. Der Umstand, daß das Unterturon an 
dieser Stelle bedeutend höher liegt als in der Nähe der Talmühle 
sowie bei Triebendorf usw., wirkt hiebei keineswegs störend, wenn 
wir berücksichtigen, daß wir uns bei Wojes am Ostrande unserer 



47 

Kreidemulde, bei den letzgenannten Orten aber nahe der Mulden- 
niitte betinden. Hiermit stimmt auch die Lagerung der ganzen 
Schichtenserie (schwach gegen West-Nord- West fallend) gut überein. 
Es erscheint selbstverständlich naheliegend, anzunehmen, daß 
sich diese Schichten cenomanen Pläners auch noch weiter nach 
Norden und Süden (längs des Genomanstreifens Kaltenlautsch- 
Petersdorf) fortsetzen, obwohl es mir bis nun nicht gelang, weitere, 
den eben beschriebenen gleiche oder ähnliche Aufschlüsse zu ent- 
decken. Letzteres erklärt sich übrigens hinreichend durch die Tat- 
sache, daß die hier steil nach Osten abfallenden Kreidewände gerade 
über dem cenomanen Teil am unzugänglichsten sind. Lnmerhin 
dürften jedoch weitere diesbezügliche Nachforschungen auch an 
diesem Orte nicht stets ohne Erfolg bleiben, da neue Weganlagen, 
Abrutschungen u. dgl. mitunter ganz unerwartet günstige Gelegen- 
heiten zu Beobachtungen schaffen können, an die vorher kaum zu 
denken war. 



Bericlit über die von den Herren Dr. V. Dvorský 
lind Dr. J. Oermak im niontenegriniscli- albani- 
schen Grenzgebiete im Jalire 1908 gesammelten 

Mollusken. 



Von 

Dl-. R. Sturany (Wien), 
KTistos am k. k. natm-histor. llofinusenm. 



Das Material, nnf welchem das untenstehende Verzeichnis 
von 83 Spezies (respektive Subspezies und Varietäten) von Mol- 
lusken basiert, ist auf einer von Podgorica aus untern omraenen 
Tour gesammelt worden, welche über Poprat Kostic, Rikavac und 
Maglic nach Andrijevica und Kolasin und zurück durch die Tara- 
und Morača-Schlucht führte. Die beigefügten römischen Ziffern be- 
ziehen sich auf die einzelnen Stationen dieser Tour und sind in 
folgender Weise naher zu deuten. 

n j 

III -^ Oafa Gordeci 

IV = Ufer des Cem (Zem), Cievna 
VII ^/ = Kostic, 6. Juli 19U8 

IX b =^ Greča 
X = Selce 
XII« = Rikavac jezero 

Bokumirska jezero 



Trijei)ši 



XIII r/ i 
XIII h j 

XIV ft i 

XlYb 



Maglió, 12. Juli 1908 



49 

XV = Bindža planina (Planinica), 15. Juli 1908 

XVI = Lim-Tal(Udoli Limnmost za Andrijevica), 19. Juli 1908 

XVII = Bjelastica 

XIX = Kolašin 

XXII = Vjeternik 

XXIII rí = Zeta-Tal. 

Nachdem Herr Dr. Karl Ab sul un, Kustus am Mährischen 
Landesmuseum in Brunn, die Güte gehabt hatte, mir die gelegent- 
lichen Mulluskenaufsammlungen der beiden jungen Geugraphen im 
April 1909 mitzuteilen, habe ich sofort den größten Teil durch- 
bestimmt und das Restliche an Herrn Ottu Wohlberedt in 
Triebes weitergeleitet, der eben mit der Fertigstellung einer umfang- 
reichen Arbeit über die Weichtiere Montenegros beschäftigt war. 
Dieser wiederum hat sich in schwierigeren Fragen an Professor 
Dr. O. Böttger in Frankfurt a. M. gewendet und schließlich die 
ganze allerdings nicht sehr reiche, aber ganz interessante Ausbeute 
der Herren Dr. Dvorský und Dr. Cermak in seiner Monographie 
mitberücksichtigt. (Das Material wurde den Sammlungen des Mäh- 
rischen Landesmuseums einverleibt.) Es wird daher genügen, bei 
der nun folgenden Aufzählung der Mollusken auf die unterdessen 
erschienene Arbeit W ohlberedts^) zu verweisen und nur die 
Beschreibung der neuen Sul)S])ezies von Canipißaea apfelberki, 
welche allerdings auch schon bei Wohlberedt zu linden ist. hier 
wiederzugeben. 

Die Bestimmungen Böttger s sind mit einem *, die von 
Wohlberedt mit ** ersichtlich gemacht. 

Verzeiclmis. 

1. Ola?icUna algira Bnig, rar. poirell 0. Pf)'- — Wohlberedt, 
1. c. S. 38. — Von den Lokalitäten I und IL 

2. ZoHÜes albanicu.^ (Zicgl.) Ilossm. — Wohlberedt, 1. c. S. 43. — 
Von den Lokalitäten I und IL 

*3. Fruticicola haueri v. Kiiii. — Wohlberedt, 1. c. S. 46. — 
Ein junges Exemj)lar von der Lokalität XV. 

^) Wohlberedt Otto: „Zur Fauua Moutuenegros und Nordalbaniens,, 
(Wissenscli. Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina, XI. Band 1909), 
138 Seiten, mit Textfiguren, 10 Tafeln und 1 Übersichtskarte des Gebietes. 

Zeitschrift des mähr. Landesmuseums. XIII. 4 



50 

4. FruHcicoki (Eiiomphalia) floerickei Koh. — Wohlberedt, ]. c. 

S. 46. — Von den Lokalitäten XIII a, XIV a und XV. 
**5. Campylaea (Dinarica) pouxolxi Besh. var. montenegrina (Ziegl.) 

JRossni. — WolilLeredt, 1. c. S. 59. — Von den Lokalitäten 

I und IL 
■•*6. Canipißaca (Di/nir/caJ po//\ol\i Drsh. rar. moraceiisis Koh. — 

AVohlberedt, 1. c. S. 60. — Von der Lokalität VII a. 
7. Campijhiea (Dinarica) poa.xohi Desh. suhspcc. serhica (MoUdff.) 

Koh. var. niJdtai Kob. — Wohlberedt, 1. c. S. 61. — Von 

der Lokalität XIX. 






Fig. 1. 

Ccf»ifi>/!aca npfelbrcH bíndxacHsis Sfur., 

gezeichnet von .Tosef Fleisclimann (Wien). 

8. Campj/laea (Cingitlifera) apfelbecki Stur. sabsp. binduie)isis 
Star. — Wohlberedt 1. c. S. 63. — Von der Lokalität XV 
(s. Fig. 1). 

Es liegt nur eine Schale vor, die wie der Ty])us^) aus 
6 Windungen aufgebaut ist, aber kleinere Dimensionen 
aufweist (Höhe 12, größte Breite 20, kleinste Breite 1772? 
Mündungshöhe 9, Mündungsbreite 10, Nabeldurchmesser 
oVo ^'^''0- Diese Form ist überdies durch schwache Spiral- 
furchen auf den Schluß Windungen, durch einen stellenweise 
verdoppelten Mundrand und durch die Andeutung einer Winkel- 
bildung zwischen Spindel- und Basalrand ausgezeichnet. 
**9. Cainpylaea (Cingulifera) tri:, ona (Zicgl.) Iioss/n. — Wohl- 
beredt, 1. c. S. 63. — Von den Lokalitäten XVI und XVIL 
10. Helix (Pomatia) secernoula L'ossm. — Wohlberedt, 1. c. 
S. 69. — Von den Lokalitäten I, II und X. 
'■*11. Carthusiaua oUrieri Fér. Wohlberedt, 1. c. S. 77. - Von der 
Lokalität IV. 



M Annal, il. naturh. Hofmus. Wien 1901, S. 65; Rossm. Icouogr. N. F. 
flg. 1752. 



51 



12. Bidiminus (Zebrina) détritus 3fül(. — Wohlberedt, 1. c. 

S. 77. — Von den Lokalitäten I, II, III, XV und XVI. 
^^13. Bidiunnus (Ena) ccfalonicus Mouss. — Wohlberedt, 1. c. 

S. 79. — Von den Lokalitäten VII a und X. 
*14. Chomtrula tridens Müll. rar. exiniia Bossm. — Wohlberedt, 

1. c. S. 80. — Von der Lokalität XIII 6. 
15. CliO)idrida seductüis (Ziegl.) Rossiu. — Wohlberedt, 1. c. 

S. 81. — Von den Lokalitäten II und III. 



16. 
17. 

18. 

19. 
20. 

*21. 

^22. 
*23. 





Fig. 2. 

Cl. (Alopia) haleiformis Bf fg.. 

gezeichnet von .Josef Fleisch mann (Wien). 

Clan.sdia (Alopia) haleiformis Bttg. — Wohlberedt, 1. c. 
S. 84. — Von der Lokalität XV (s. Fig. 2). 
Clausilia (Glausiliastra) Janiinata Mont. — Wohlberedt, 1. c. 
S. 86. — Von den Lokalitäten VII a und IX b. 
Clausilia (Herilla) jabucica Bttg. — Wohlberedt, 1. c. S. 88. — 
Von den Lokalitäten XIV h, XV, XIX und XXII, zumeist 
nur in Bruchstücken. 

Clausilia (Delima) pseudobinodata Bttg. — Wohlberedt. 1. c. 
S. 96. — Von der Lokalität XXII. 

Claasilia (Delima) gastrolrpta (Ziegl.) Rosai. var. sabinter- 
ru.pta Bttg. — Wohlberedt, 1. c. S. 97. — Von den Lokali- 
täten III, IV und XIII a. 

Claasilia (Delima) gasfrolepta (Ziegl.) Bosni. rar. tabida 
Küst. — Wohlberedt, 1. c. S. 97. — Von der Lokalität XIII b. 
Clausilia (Delima) gastrolepta (Ziegl.) Rosm. rar. umralis 
Küst. — Wohlberedt, 1. c. S. 98. — Von der Lokalität II. 
Clausilia (Dclium) gastrolepta (Ziegl.) Rosiu. rar. moidene- 
grina Küst. — Wohlberedt, 1. c. S. 98. — Von der Lokali- 
tät X. 



52 



24. Limnaeo, (RadixJ auricularia (L.) — Wohlberedt, 1. c. 
S. 102. — Von der Lokalität XII a. 
*25. Planorhis (Gyraulus) albus Müll. — Wohlberedt, 1. c. S. 104. — 
Von der Lokalität XII a. 

26. Aur/tus (Aurihts) Meciaki ai'Jiautorum (MUdff.) A. J. 
Wagn. — Wohlberedt, 1. c. S. 107. — Von den Lokalitäten 
I und X. 

27. Auritiis (Holcopoma) roseoli A. J. Wagyi. — Wohlberedt, 
1. c. S. 107. — Von der Lokalität IV. 

28. Ericia elcgans Müll. — Wohlberedt, 1. c. S. 109. — Von 
der Lokalität IV. 

29. Bythinia tnostarensis MUdff. rar. monte) legi'ina Wohlb. — 
Wohlberedt, 1. c. S. 111. — Von den Lokalitäten XIII 6 
und XXIII a. 

30. Mclania (Amphimelania) holandri Fér. var. laerigata Rssm. — 
Wohlberedt, 1. c. S. 113. — Von den Lokalitäten XIII ^ 
und XXni«. 

*31. VaJvata (Cmci)tna) suhangulata Bttg. — Wohlberedt, 1. c. 

S. 113. — Von den Lokalitäten XIII /y und XXIII«. 
32. Neritina (Theodoxus) fhiriafüls L. rar. dalniatina Walderd. 

f. scutarcnsis Walderd. — Wohlberedt, 1. c. S. 115. — Von 

den Lokalitäten XIII b und XXIII a. 
*33. Pisidimn fontmale C. Pfr. — AVohlberedt, 1. c. S. 120. — 

Von der Lokalität XXIII a. 



Tipiüidae Moravicae. 

(Die mährischen Schnacken.) 

II. Teil. 

Von Karl Czižek. 

I. Einleitimg. 

Indem ich den zweiten Teil meiner Abhandlung über die 
mährischen Tipulidae der Öffentlichkeit übergebe, fühle ich mich 
angenehm verpflichtet, allen jenen Herren meinen verbindlichsten 
Dank abzustatten, welche diese Arbeit gefördert und ihr Erscheinen 
ermögKcht haben. Yor allem bin ich Herrn M. P. Riedel in 
Uerdingen, der mir in liebenswürdiger und selbstloser Weise mit 
seinem Rate zur Seite stand und durch dessen freundliche Mit- 
arbeit ich Aufschluß über manche schwierige Gruppe erhielt, zu 
Dank verpflichtet. Ferner danke ich Herrn Oberforstmeister 
Alexander Siebeck in Oberhollabrunn, der mir sein Tipuliden- 
material aus dem südlichen Mähren zur Verfügung stellte, sowie 
den Herren Karl Landrock in Brunn, Hugo Skala in Fulnek 
und Dr. Roman Puschnig in Klagenfurt-Römerbad für die 
Überlassung von teilweise sehr interessantem Vergleichsmaterial. 

Die Abbildungen der Hyi)opygien sind — mit einer Aus- 
nahme — nach trockenen Exemplaren entworfen. Für die schöne 
Ausführung der Zeichnungen (Fig. 4, 29, 30, 32, 35, 40 und 41) 
l)in ich Herrn Fachlehrer Karl Frank zu besonderem Danke 
verpflichtet. 

Möge diese Arbeit als bescheidener Beitrag zur Kenntnis 
der heimischen Fauna freundlich aufgenommen werden. 

Brunn, im Juli 1912. 

Karl ťzižek. 



54 

II. Fortsetzung des im ersten Teil angeführten 
Literaturverzeichnisses. 

Andreu J.: Tipulidos y Liniónidos de Esi)ana. — Bol. de la Soc. 
Aragonesa de Ciencias Natur. Zaragoza 1912. 

Bergroth Dr. E.: Beitrag zur Tipulidenfauna der Schweiz. Mitteil, 
d. Naturforsch. Ges. in Bern. 1890, S. 131—138 (1891). (Neue 
Arten: Tipula saginata, Rhypholophus egenus, Gnophomyia 
tripudians, Limnophila denticulata, Adelphomyia helvetica, 
Dicranota brevitarsis, Dicr. brevicornis, Dicr. longitarsis.) 

Bezzi M. Dr.: Ditteri Eritrei raccolti dal Dott. Andreini a dal 
Prof. Teilini. Bull. Soc.Entom. Ital. XXVII. 1905, p. 193—304 
(TipuLi dichroíi n. sp., Trimicra annuliplena n. sp.). 

Brauer Dr.: Die Süßwasserfauna Deutschlands. Heft 2 a: Diptera 
von Karl Grünberg. Jena, Gustav Fischer, 1910. 

Czižek Karl: Eine neue österreichische Tipula. Verh. d. k. k. 
Zool.-bot. Ges., Wien. LXII. 1912, S. 41—54 (Tipula pseu- 
dovariipennis). 

— Tipula decipiens n. sp. Wien. Ent.-Ztg., XXI. 1912, S. 171—174. 

— Das bisher unbekannte Männchen von Tipula saginata Bergr. 

AVien. Entom.-Ztg., XXI. 1912. 
D wigubsky : Primitiae faunae Mosqiiensis. Editio I '. 1802. Editio ID. 

1902. lY. Diptera. (Elaljoravit B. Fedtschenko.) 
Endcrlein G.: Studien über die Tipuliden, Limoniiden, Cylindro- 

tomiden und Ptychopteriden. Zool. Jahrbücher. XXXII. 1. 

1912. (Für Ctenophora vittata Mgn. wird eine neue Gattung 

[Malpighia] aufgestellt, i 
Engel E.: Über einige individuelle Färbungsdifferenzen der Tipulide: 

Ctenophora pectinicornis L. Entom. Nachr., Berlin. X. 1884, 

S. 259. 
Fedtschenko B.: Dipterologische Beiträge. Entom. Nachr., Berlin, 

XVII. 1891. 
Haliday Alexis H.: Sendschreiben über die Dipteren der in London 

befindlichen Linn eischen Sammlung. Stett. Ent.-Ztg., XII. 

1851, S. 131—145. 
Kar seh Dr. F.: Die Bedeutung der Tipuliden für die Landwirtschaft. 

Berlin, Entom. Nachr. X. 1884, S. 190—104. 
Kowarz Ferd.: Catalogus insectorum Bohemiae. II. Fliegen 

Böhmens. Prag 1894. 



55 

Lund ström Karl: Beiträge zur Kenntnis der Dipteren Finlands. 

VIII. Su})])l. 2. ■ — Acta SOG. pro fauna et flora fenn. 36. 

Nr. 1. 1912. (Neue Arten: Dicranomyia ruiiventris Str., 

D. distendons, D. cinereipeunis, D. ponqjensis, D. magni- 

cauda. Rhypholophus pseudosimilis. Empeda areolata. Dicra- 

nota robusta; ïipula simplicicornis. T. brevicoruis.) 
Me ig en I. W.: Nouvelle classification des mouches à deux ailes. 

1800. Herausgegeben von Friedrich Hendel. Verh. d. k. k. 

Zool.-bot. Ges., Wien, 58. Band, 1908, S. 4.3^69. ( Flabellifera 

für Ctenophora Mgn. Illig, Mag. 1803; Pales für Nephrotoma 

Mgn. 1803; Polymeda für Erioptera Mgn., 1803; Limonia 

für Limnobia Mgn., Syst. Beschr. I. 1818; Petaurista für 

Trichocera Mgn., Illig. Mag. 1803.) 
Riedel M. P.: Die palaarktischen Arten der Dii)teren-G;ittung 

PachyrhinaMacq. Deutsche entom.Ztschr.il. 1910. S.409— 437. 

(Neue Arten: Pachyrhina Nox, P. rossica, P. Schummelii, 

P. fuscescens, P. crinicauda, P. lamellata, P. tenuipes. i 
Siebke H.: Enumeratio insectorum Norvegicorum, Fasc. IV., 

Christiania 187 7. 
Sintenis F.: Livländische Tipuliden und Dixa. Dorpat, Natur- 

forsch. Gres., Sitzungsberichte, 1883, S. 393 tf. 
— Über Unregelmäßigkeiten im Aderverlaufe der Tipulidenflügel. 

Dorpat, Naturforsch. Ges., Sitzungsber. 1888, S. 383 ff. 
Strobl G.: Spanische Dipteren. I. Beitrag. Wien. Entom.-Ztg. 

XVII.— XIX. 1898—1900. (Im Band XIX. 1900, S. 207 ff.: 

Tip. pseudogigantea, Tip. trifasciculata, Ti]). Morenae, Ti]). 

acuminata, Trimicra andalusiaca, Rhypholophus crassii)es.) 
Strobl G. u. Czerny L.: III. Beitrag. Verh. der k. k. Zool.-bot. 

Ges., Wien, LIX. Band, 1909. (Neue Arten: Tip. Villeneuvii, 

Tip. nitidicollis, Ti]). jativensis, Tip. albostriata, Ti]). longidens, 

Ephelia Czernyi ). 
Thalhammer Joh.: Fauna Regni Hungariae. III. Arthropoda 

(Insecta, Diptera.) Budapest, 1899. 
Wahlgren Einar: Über einige Zetterstedtsche Nemocerentypen. 

Arkiv für Zoologi. Stockholm. IL Nr. 7, 1904. 
Westhoff F.: Beitrag zur Kenntnis der westfälischen Arten der 

Aljtcil. Tipulinae Schin. Jahresber. d. Westfäl. Prov.-Ver. f. 

Wiss. u. Kunst, VIII. 1879, S. 39-54. (Neue Arten: Tip. 

rufescens u. Pach. guestfalica.) 



56 



Gebrauchte Abkürzungen. 

Bau 1910 = Bau A.: Beitr. z. Kenntnis der Dipt. Fauna Vor- 
arlbergs. 46. Jahrb. d. Land. Mus. Ver., 1910. 
Bel. 1873, 1878, 1886 = Beling Th.: Beitr. z. Naturgesch. ver- 
schiedener Arten aus d. Familie d. Tipul. Verh. d. k. k. Zool.- 

bot. Ges., Wien XXIII. 1873, XXVIII. 1878 u. XXXVI. 1886. 
ßergr. 1888 = Bergroth Dr. E.: Österr. Tipuliden. Verh d. k. k. 

Zool.-büt. Ges. XXXVIII. 1888. 
Dwig. 1802 u. 1902 = Dwigubsky: Primitiae Faunae Mosquensis. 

Ed. T'. 1802. Ed. TP'. 1902. (Diptera von B. Fedtschenko 

bearbeitet.) 
Fedt. 1891 = Fedtschenko B.: Dipterol. Beitr., Entoni. Nachr. 

XVII. 1891. 
Grzg. 1873 = Grzegorzek Dr. Adalb.: Übersicht der bisher in der 

Sandecer Geg. Westgaliz. ges. Dipteren. Verh. d. k. k. Zool.- 

bot. Ges., Wien. XVIII. 1873. 
Hug. 1888 = Huguenin G.: Fauna insectorum Helvetiae. Diptera. 

Schaffhausen 1888. 
Kert. II. = Kertész Dr. C: Catalogus Dipterorum etc. II. Teil. 1902. 
Kow. 1873 = Kowarz Ferd.: Beitr. z. Dipt. Fauna Ungarns. Verh. 

d. k. k. Zool-bot. Ges., Wien. XXIII. 1873. 
Kow. 1894 :=: Kowarz Ferd.: Catalogus insectorum Bohemiae. II. 

Fliegen Böhmens. Prag 1894. 
Lm. 1907 = Lundström Karl: Beitr. z. Kenntnis der Dipteren 

Finlauds. IL Tipulidae. Acta soc. pro fauna et flora fennica. 
Mgn. L VL VII. = Meigen J. W.: Syst. Beschr. usw. L Band 1818, 

VI. Band 1830. VIL Band 1838. 
Xow. 1873 == Nowicki Dr. M.: Beitr. zur Kenntnis der Di])t.-Fauna 

Galiziens. Krakau 1873. 
Palm 1869 = Palm Josef: Beitr. z. Dipterenfauna Tirols. Verh. d. 

k. k. Zool.-bot. Ges., Wien. XIX. 1869. 
Pok. 1887 = Pokorný Em.: Beitr. z. Dipterenfauna Tirols. Verh. 

d. k. k. Zool.-bot. Ges., Wien. XXXVII. 1887. 
Schin. IL =: Schiner J. R. : Fauna austriaca. Die Fliegen. II. Teil. 

Wien, 1864. 
Schumm. 1833 = Sehummel T. E.: Beiträge zur Entomologie. III. 

Breslau 1833. 



57 

Siebke 1877 = Siebke H.: Catalogus insectorum Norvegiconim. 
Fasc. IV. Christiania, 1877. 

Sint. 1883, 1885, 1888 = Sintenis F.: a) Die Dipterenfamilie der 
Tipuliden in Livland imd Kurland. Dorpat, Naturf. Ges., 
Sitzungsbericht. 1883. b) Neuaufgefundeue Tipuliden. Ibidem 
1888. c) Livländische Tipuliden und Dixa. Ibidem 1888. 

Strobl 1880 = Strobl G.. Dipterol. Funde um Seitenstetten. Pro- 
gramm, Linz 1880. 

Strobl 1894 = Strobl G.: Die Dipt. v. Steiermark. Graz, 1894. 

Strobl 1900 = Strobl G.: Tiefs dipt. Nachlaß aus Kärnten und 

Osterr. Scbles. Jahrb. d. Naturhist. Land. Mus. v. Kärnten. 

26. Heft. 1900. 

Strobl 1893 = Strobl G.: Beitr. z. Dipterenfauna des öst. Litorale. 

Wien. Entom.-Ztg. XII. 1893. 
Strobl 1896 = Strobl G.: Siebenbürgische Zweiflügler. Mitteil, des 

Siebenb. Ver. f. Naturwiss., Hermannstadt, 1896. 
Strobl 1900 = Strobl G.: Spanische Dipteren. Wien. Entom.-Ztg., 

XIX. 1900. 
Strobl 1909 = Strobl G.: Span. Dipteren. V'^erh. d. Zool.-bot. Ges., 

Wien. LIX. 1909. 
Thalh. 1899 = Fauna Regni Hungariae (Diptera). Budapest 1899. 
Tief 1887 = Tief: Beitr. z. Kenntnis der Dipterenfauna Kärntens. 

Programm. Vilhich, 1887, 
Verr. 1886 = Verrall G. H.: List of British Tipulidae. The Entom. 

Monthly Mag., 1886-1888. 
Wahlgr. 1905 := Wahlgren Eina.r: Svensk Insektfauna. Entom. 

Tidskr., 1905. 
Wall. 1882 = Wallengren H. D. J.: Révisions af Skandinaviens 

Tipulidae. Entom. Tidskr. 1881. 
Westh. 1879 = Westhofl' F.: Beitr. z. Kenntnis der westfäl. Arten 

der Abt. Tipulinae Schin. Westfäl. Prov. Ver., VIII. 1879. 
Westh. 1882 = Westhofl" F.: Über den Bau des Hypopygiums der 

Gatt. Tipula Mgn. Münster 1882. 
Wulp-Meij. 1898 = v. d. Wulp et de Meijere: Nieuwe Naaralijst 

van Nederlandsche Diptera. Tijdschr. v, Entom. 1898. 
Zett. = Zetterstedt J. W.: Diptera Scandinaviae. X. Band. 1851. 



58 

III. Die Gattimg Tipula Linné, Baclimiicke. 

ïipiila und -tii>})iila. lat., die Wassersi)inne. 

Die Merkmale dieser Gattung sind bei der Charakteristik der im 
ersten Teile dieser Monographie ^ i behandelten Genera Ctenophora, 
Nephrotoma und Pachyrrhina so ausführlich besprochen worden, 
daß kaum noch etwas hinzuzufügen ist. Das Elügelgeäder der 
Tipula-Arten ist im Gegensatze zu dem der Pachyrrhinen ziemlich 
konstant. Die Radialis entspringt immer weit vor der Mündung 
der Mediastinaiis in die S üb co sta und der ramus discoi- 
dalis anterior^) ist immer gegabelt. Die Gabelzinken gehen bald 
ziemlich gerade zum Flügelrande (die cellula discoidalis an- 
terior prima ist dann ziemlich schmal), bald sind die beiden Aste 
oder wenigstens der untere stark gebogen und die erwähnte Zelle 
ist dann verhältnismäßig breit. 

Abweichungen vom normalen Flügelgeäder weist nur Tipula 
nigra L. auf, die wohl auch sonst von den anderen Arten dieser 
Gattung abweicht. Bei Tip. varii])ennis und einigen verwandten 
Arten mündet der obere Ast der Eadialader nicht in den Flügel- 
rand, sondern bricht vor seiner Mündung ])lötzlich ab. Bei zwei 
Arten (trifasciata Low und mutila Wahlgr.) fehlt er ganz. 

Den C ten op hor in en stehen die Arten der Gattung Tijtula 
in bezug auf das Flügelgeäder ziemlich nahe. Sie haben mit ihnen 
gemein: Die verhältnismäßig lange Radi ala der, die pentagonale 
Gestalt der mittleren Disc oi dal z eile, die — im Sinne Sehiners — 
nur drei Adern zum Flügelrande entsendet, von denen die oberste 
immer gegabelt ist, die langgestreckte Randzelle usw. Sie unter- 
scheiden sich aber von den Ctenophorinen außer durch den 
Habitus auch dadurch, daß die Tarsen immer länger sind als die 
Schienen, daß der Kopf freier steht, das Halsstück länger ist und 
die Fühlergeißelglieder mit Wirtelbörstchen kranzförmig verziert 
sind. (O. S.) 

Auch über die Unterscheidungsmerkmale zwischen den Arten 
der Gattungen Pachyrrhina und Tijiula ist bereits ges])rochen 
worden. Das ±'lügelgeäder, vor allem die relative Länge der Radial- 
ader, die schlankere Schnauze, das gestrecktere erste Fühlerglied 

^) Czižek Karl: Tipulidae Moiavicae. 1. Teil. Zeitschrift des Mährischen 
Landesmuseums. XI. Band. Brunn, 1911. 

-) Vergleiche die Abbildung im 1. Teile 1. c. pag. 216 (Sep. pag. 24.) 



59 

und die í3achere Stirn sind Kennzeichen, welche die Tipula-Arten 
von denen der Gattung Pachyrrhina scheiden. Habituell aber und 
was den Bau des Hy])opygiums anbelangt, stehen die Ti))ula-Arteu 
den Pachyrrhinen viel näher als den Ctenoplioriuen. 

jNach der Flügelzeichnung wurden die Arten der Gattung 
Tipula in drei Gruppen eingeteilt; diese Einteilung ist jedoch 
nicht einwandfrei und keine natürliche, da sie sich nur auf ein 
einziges Merkmal stützt. Es gibt innerhalb jeder Gruppe Arten, 
die nach dem Bau des Hypopygiums eigentlich ausgeschieden 
werden müßten. So steht Tip. o le race a durch die außerordentlich 
großen, schupjjenförmigen oberen Anhänge der Ti]). maxima, 
vittata und tenuicornis viel näher als den übrigen Arten der 
sogenannten Suluinicolores, Ti}). vernalis aber scheidet durch den 
Bau des Hypopygs aus der Grupj^e der Striatae aus und steht 
den Subunicolores näher. 

Übersicht der drei Gruppen der Gattung Tipula L. 

,1 (2) Flügel in beiden Geschlechtern wolkig gefleckt. 

Marmoratae. 

2 (1) Flügel nicht wolkig gefleckt. 

3 (4) Flügel mit dunklen Längsstreifen, besonders 
die Posticalis von einem dunklen Saume begleitet. Striatae. 

4 (3) Flügel ohne dunkle Längsstreifen, höchstens 
der Flügelvorderrand dunkler gefärbt. Subunicolores. 

Zum besseren Verständnisse dieser Einteilung- für den Anfänger sei bei- 
gefügt : 

Die Flügel sind wolkig oder gefleckt, wenn auf dem grauen Grunde 
des Flügels (der am besten gegen einen dunklen Hintergrund gebalten wird) 
glashelle und weiße Flecke in größerer Zahl erscheinen oder wenn sich von 
dem glashellen Untergrunde deutliche graue Schattenflecke abheben. Die 
Gruppe der Subunicolores umfaßt Arten, die vor dem Randmale einen 
glashellen Mondfleck in größerer oder geringerer Ausdehnung besitzen. Die 
Flügel sind dann nicht gewölkt. Dagegen werden die größten unserer 
heimischen Tipuliden, maxima und fulvipennis, in die Abteilung der 
Marmoratae gestellt, obwohl fulvipennis nur im weiblichen Geschlechte etwas 
gewölkte, das r^ aber fast einfarbige Flügel besitzt und die Flügel von maxima 
eher einen gestreiften oder gebänderten als einen gewölkten Eindruck machen. 

Bei den Striatae ist der Vorderrand des Flügels und außerdem noch 
die Posticalader gestreift, d. h. von einem dunklen Schatten begleitet. Der 
braune Schatten längs der Posticalis ist freilich meistens nur vorne deutlich; er 
verbreitet sich oft auch über den Basalteil des ramus posticalis anterior. 



60 

Wenn nur der Fliigelvorderrand von einem dunklen Streifen begleitet 
wird, wie bei oleracea, dann gehört die Art zu den Subunicolores. In die- 
selbe Abteilung gehört Tip. nigra mit intensiv schwärzlich gefärbten Flügeln. 

Die Larven der Tipuliden sind (Conf. Beling, 1873, 1878 
und 1886) walzenförmig, stilrund, 12gliedrig, von meist schmutzig 
gell)grauer Färbung und von kahlem Aussehen, da nur die hinteren 
Wülste der Leibesringe mit kurzen Härchen besetzt sind. Sie haben 
wie alle Tipulidenlarven keinen Kopf, sondern eine Kiefern- 
kapsel von schwarzbrauner Farbe, die in die ersten Hinterleibs- 
ringe ganz zurückgezogen werden kann. Das Afterglied der 
Larve ist hinten abgestutzt und endet mit dem Stigmenfelde, das 
zwei scheibenförmige, oft mit dunklem Kerne versehene, augen- 
förmige Stigmen trägt, die jedoch zumeist von den das Stigmen- 
feld umgebenden Hautzähnen, von denen vier am Oberrande und 
zwei am unteren Eande dieses Feldes stehen, bedeckt werden. Die 
auf den Hautzähnen und dem Stigmenfelde auftretenden, schwarz- 
braunen Zeichnungen sind nach Beling bei den Individuen einer 
und derselben Art sehr variabel und daher — mit wenigen Aus- 
nahmen — für die Systematik ziemlich wertlos. Die an der Bauch- 
seite des Endsegments liegenden kleineren Hautzapfen dienen als 
Nachschieber. Außer diesen Zapfen kommen (bei Tij). maxima) 
noch zwei lange, wurstförmige Anhänge vor. (Brauer, Süßwasser- 
fauna Deutschlands.) 

Die Puppen sind rund, am Vorder- und Mittelleibe meist 
etwas dicker als an dem scharfkantig zusammengedrückten Hinter- 
leibe. Die Stirn trägt zwei kurze Hörnchen. Der Hinterleib ist 
auf der Ober- und Unterseite sowie an den scharfen Längskanten 
des Seitenrandes mit Dörnchen besetzt. 

Das letzte Hinterleibsglied der männlichen Pu])pe endet mit 
vier kleinen Dornen, die im Viereck eine flache Kuppe umstehen. 
das der weiblichen Puppe läuft in eine aus vier zusammengewachsenen 
Kla})pen bestehende, stumpfe, hornförmige Spitze aus. 

Die Larven der Tipuliden leben in feuchter Erde, unter Laub, 
Moos, in faulendem Holze von verwesenden vegetabilischen Stoffen 
oder von humoser Erde, die der Tipula oleracea vielleicht auch 
von den AVurzeln lebender Pflanzen. Manche Tipulalarven sollen 
große Verwüstungen an den Kulturen angerichtet habend. Die 



^) Vielleicht ist die Ansicht Taschenbergs (Insektenliunde 1874) die 
richtige; er meint, daß die Tipulidenlarven nur von faulenden PÜanzenteilen 



61 

Larven einiger Arten leben stets in der Nähe von Gewässern. Ob 
sie ständige Wasserbewohner sind, steht allerdings noch nicht fest; 
jedenfalls ist aber viel Feuchtigkeit für alle Tipula- Arten Lebens- 
bedingung. 

[V. Tabelle zum Bestimmen der mährischen Arten. 

I. Gruppe: Marmoratae. 

Flügel mit dunklen Flecken auf glashellem 
Grunde oder mit wasserhellen Flecken auf grauem 
Grunde, Tip. fulvipennis im männlichen Geschlechte 
mit grauer, im weiblichen mit gelb fingierter, fast 
einfarbiger Flügelfläche, in der aber dann immer ein 
deutlicher Schattenfleck zwischen Posticalis und 
Analis liegt. 

1 (21 Flügel in beiden Geschlechtern mit einer braunen, zweimal 

tief ausgebuchteten Binde am Vorderrande und blasseren 
braunen Flecken am Hinterrande der Flügel 

Tip. maxima Poda. 

2 (1) Flügel ohne solche Binde. 

3 (4) Flügel c? grau, des 9 intensiv gelb fingiert, fast einfarbig, 

ohne glashelle Stellen, aber mit einem dunklen Schatten- 
tleckchen auf der Mitte der hinteren Posti calzelle, das sich 
immer sehr deutlich von der Flügelfärbung abhebt. 

Tip. fulvipeunis Deg. 

4 (3) Flügel nie ganz einfarbig, immer mit mehreren glashellen 

Flecken besetzt: liegt auf der Mitte der glashellen hinteren 
Posticalzelle ein grauer Schattenfleck, so hebt er sich von 
der Flügelfläche nie so deutlich ab wie bei der vorigen Art, 
da er nicht isoliert steht und der Flügel dann stets auch 
noch andere, meist viel auffallendere graue Flecken aufweist. 

5 (16) Thoraxrücken mit drei dunklen Längsstriemen. 

6 (9) Die drei dunklen Längsstriemen so breit, daß sie von der 

lichteren Grundfarbe des Thoraxrückens nur schmale Streifen 
übrie; lassen. 



leben; dabei „kann es nicht fehlen, daß sie auch den zarten Wurzeln junger 
Keimlinge oder diesen selbst nicht nur zu nahe kommen, sondern auch (in Er- 
manglung anderer Nahrung) ihren Hunger mit deren Rindenteilen stillen". 



62 

7 (8) Fühler J kurz, so lang wie Kopf und Schnauze zusammen- 

genommen, die Basalglieder und die ersten Geißelglieder rot- 
gelb, letztere an der Basis nicht verdickt. Erster Hinterleil^s- 
ring an der B.nsis gelbrot. Tip. teimicornis Schumm, 

8 (7) Fühler J entschieden länger als Kopf und Schnauze zu- 

sammengenommen, nur die Basalglieder rotgelb, die Geißel- 
glieder an der Basis deutlich verdickt. Erster Hinterleibsring 
in beiden Geschlechtern grau. Tip. vittata Mgn. 

9 (6) Die drei dunklen Längsstriemen des Thoraxrückens schmal; 

die mittelste überdies durch eine feine, dunkle, hell eingefaßte 
Linie geteilt, die Seitenstriemen verkürzt und oft einen hellen 
Kern einschließend. 

10 (13) Flügel deutlich marmoriert, d. h. die glashellen I^'enster 

heben sich von der grauen Grundfarbe sehr deutlich ab. 

11 (12) Erstes Fühlerglied grau, nur das zweite rotgelb. Achte 

Basalschiene mit kurzer gelber Behaarung am Unterrande. 

Tip. truucorum Mgn. 

12 (11) Erstes und zweites Fühlerglied gelb. Achte Bauchschiene 

mit zottiger, büschelförmiger, langer, weit abstehender Behaa- 
rung am Unterrande. Tip. Winnertzii Egg. 

13 (10) Flügel undeutlich marmoriert, d. h. die glashellen Stellen 

heben sich von der stark fingierten Flügelfläche nur wenig ab. 

14 (15) Flügel gelblich fingiert, die ersten F'ühlerglieder hellgelb; 

Hinterleib in beiden Geschlechtern gelbrot. Achte Bauchschiene 
,S am Unterrande fast zottig behaart. Tip. pabuliiia Mgn. 

15 (14) Flügel grau fingiert; Fühler J und 9 ganz schwarzgrau; 

Hinterleib in beiden Geschlechtern grau. Achte Bauchschiene J 
am Unterrande ohne zottige Behaarung. Tip. nervosa Mgn. 

16 (5) Thoraxrücken mit vier dunklen Längsstriemen. 

17 (28) Die vier Längsstriemen des Thoraxrttckens einfarbig, nicht 

von dunklen Säumen eingefaßt, höchstens die seitlichen Striemen 
einen hellen Kern einschließend. 

18 (19) Achte Bauchschiene J mit einem großen, fast recht- 

winklig abstehenden Anhang. F'lügel in beiden Geschlechtern 
l)laß marmoriert, der Flügelhinterrand mit drei kleinen charak- 
teristischen glashellen Flecken, von denen die beiden äußeren 
an der Mündung der Axillar- bezw. der Analader stellen. 

Tip. siguata Staeg. 



63 

19 (18) Achte Bauehschiene ohne auffallenden Anhang. Flügel in 

beiden Geschlechtern deutlich marmoriert, Flügelhinterrand 
ohne glashelle Flecken, besonders nicht an der Mündung der 
Axillar- und der Analader. 

20 (23) Cellula dise, posterior vorherrschend glashell. 

21 (22) Hinterleib dunkel aschgrau; Fühler in beiden Geschlech- 

tern schwarzbraun. Tii). variipeunis Mgn. 

22 (21) Hinterleib gelbrot; die beiden Basalglieder der Fühler r^ 

und l)eim ? wenigstens das zweite Basalglied rotgelb. 

Tip. pseiulovariipeiinis T'zk. 

23 (20) Cellula dise, posterior fast ganz grau. 

24 (25) Die Basalglieder der Fühler und das erste Geißelglied 

hellgelb; der obere Ast der Hadialader vor seiner Einmün- 
dung in die Costa abgebrochen. Tip. hortulaiia ^) Mgn. 

25 (24) Nur die Basalglieder der Fühler rotgelb; der obere Ast 

der radialis vollständig, wenn auch (wie bei irrorata) an 
seinem Ende unscheinbar. 

26 (27) Hintere Basalzelle grau mit einem glashellen Flecken. 

Fühler t^ ungewöhnlich lang, so lang wie Kopf und Thorax 
zusammen, die Geißelglieder an der Unterseite sanft bogig 
ausgeschnitten. Tip. lougicoriiis Schumm. 

27 r26) Hintere Basalzelle glashell mit zwei auffallend grauen Flecken. 

Fühler rf von gewöhnlicher Länge und Bildung. 

Tip. irrorata Macq. 

28 (17) Die vier Längsstriemen des Thoraxrückens von braunroten 

Säumen eingefaßt. 

29 (30) Rückenschild zwischen den Längsstriemen ziemlich auf- 

fallend behaart. Hinterleib J gelbrot mit breiter, schwarzer 
Rückenstrieme. Achte Bauchschiene J breit klaffend mit 
einem aus dem Innern hervorragenden, kleinen, zungenförmigen 
Anhang.. Tip. sagiuata Bergr. J. 

30 (29) Rückenschild ohne auffallende Behaarung. Hinterleib cT 

rotgelb, ohne oder mit sehr undeutlicher schmaler Rückenstrieme. 
Achte Bauchschiene rf nicht weit klaffend, ohne jeden Anhang. 



\) Diese Art bat nicht sehr lebhaft marmorierte Flügel, weshalb sie auch 
in der Abteilung signât a gesucht werden könnte. Im männlichen Geschlechte 
wird sie der fehlende Anhang der achten Bauchschiene, im weiblichen das Fehlen 
der glashellen Fleckchen am Flüg'elhinterrande von sisfnata unterscheiden. 



64 

31 (32) Geißelglieder der Fühler (^ unten tief bogig ausgesclinit- 

ten, also an der Basis und Spitze stark verdickt. 

Tip. excisa Scbumm. J. 

32 (31) Geißelglieder der Fühler cS an der Unterseite nicht bogig 

ausgeschnitten. 

33 (36) Der untere (sichtbare) Arm der Append. intermediae 

nahe der Spitze der Innenseite mit einem kleinen deutlichen 
Zahn. Geißelglieder der Fühler an der Basis deutlich verdickt 
(vgl. Taf. I, Fig. 13). 

34 (35) Fühler J' fast ganz rotgelb; Schenkel gelb, höchstens die 

äußerste Spitze verdunkelt. Tip. rubripes Schumm. (j". 

35 (34) Fühler J nie ganz rotgelb, meist nur die ersten drei Glieder 

ganz und die nächsten Geißelglieder an der Spitze rotgelb, 
die letzten Glieder immer ganz schwarzbraun. Schenkel gelb, 
aber gegen die Spitze immer ausgebreitet braun. 

Tip. imbeculosa Mgn. rf. 

36 (33) Der untere (sichtbare) Arm der Append. intermediae an 

der Innenseite nahe der Spitze ohne scharfen Zahn. 

Tip. scripta V) Mgn. J. 

^) Die Weibchen der excisa- Gruppe halte ich wie foli>t auseinander: 

1 (2j Legeröhre 9 außerordentlich kurz, die oberen Lamellen am Grunde 

verwachsen, am unteren ßaude nicht gezähnt. Tip. sagiiiata $ . 

2 (1) Legeröhre Q ziemlich lang; die oberen Lamellen am Grunde nicht ver- 

wachsen, am unteren Rande gesägt. 

3 (4) Legeröhre $ an der Spitze grob zweizälmig (Fig. IIa). Tip. excisa 9- 

4 (3) Legoröhre $ an der Spitze nicht zweizähnig (Fig. IIb). 

5 (6) Legeröbre 9 schlank, vom Grunde gegen die Spitze allmählich sich 

verschmälernd, das Ende ziemlich spitzig; Geißelglieder vom vierten 
angefangen au der Basis schwarz, welche Färbung sich scharf von der 
Grundfarbe abhebt, so daß die Geißel wie schwarz geringelt erscheint. 

Tip. scripta 9 

6 (5) Legeröhre 9 robust, fast bis gegen die Spitze gleich breit, erst vor 

ihrem Ende sich verschmälernd, die Spitze abgerundet; Geißelglieder 
an der Basis wohl gebräunt, die Bräunung ist aber nie so scharf von 
der rotgelben Farbe abgesetzt, daß die Geißel ein schwarzgeringeltes 
Aussehen erhält. Tip. uubeciilosa 9 • 

Das 9 von rubripes, das ich nicht kenne, muß sicli wohl durch ganz 
gelbe Schenkel von dem der nubeculosa unterscheiden lassen. 



65 



II. Or lippe : Striatae. 

Posticalader und das Basalstück des Vorder- 
astes dieser Ader von einem schmalen braunen 
Saume begleitet. Sind auf der grauen FlügelfLäche 
auch glashelle Stellen bemerkbar, so nehmen sie 
doch nie die Form von Flecken oder Makeln an wie 
bei den Marmoratae, sondern erscheinen mehr als 
weißliche Streifen, die den Kern der Zelle bilden. 

1 (4) Costalzelle und Mediastinalzelle braun oder schwarz. 

2 (3) Die Basalglieder der Fühler und das erste Geißelglied zum 

größten Teile gelb. Braungefärbte Art. Tip. iiiarginata Mgn. 

3 (2) Alle Fühlerglieder schwärzlichgrau. Graue, blaubereifte Art. 

Tip. caesia Schumm. 

4 (1) Costalzelle gelblich oder wasserklar, die MedijTstinalzelle 

bisweilen schwärzlichbraun. 

5 (8) Hinterleib vorwiegend gelb gefärbt. 

6 (7) Fühler gelb, die Geißelglieder vom zweiten an der Basis 

schwarz. Hinterleib ohne Bückenstrieme. Achte Bauchschiene <S 
mit einem großen, fußförniigen, senkrecht abstehenden Anhang. 
Legeröhre $ lang und spitzig. Tip. variicoriiis Schumm. 

7 (6) Höchstens das zweite Fühlerglied und das erste an der 

Basis gelb, die Geißel schwarzbraun. Hinterleib mit brauner 
Rückenstrieme. Achte Bauchschiene J ohne Anhang. Lege- 
röhre 9 außerordentlich kurz und stumpf. Tip. vernalis Mgn. 

8 (5) Hinterleib grau mit schwarzer, in Flecke aufgelöster Seiten- 

strieme, Tip. lateralis Mgn. 

m. Gruppe : Subimicolores. 

Flügel einfarbig, glashell, grau, schwärzlich oder 
gelblich fingiert, ohne glashelle Flecken, nur vor 
dem Stigma ein kleinerer oder größerer Mondfleck. 

1 (2 ) Flügel (^ ? intensiv schwärzlich fingiert. Tip. nigra L. 

2 (1) Flügel glashell, grau oder gelblich fingiert. 

3 (6) Costal- und Mediastinalzelle dunkler gefärbt als die übrige 

Flügelfläche, so daß am Vorderrand ein von der Grundfarbe 
scharf sich abhebender Längsstreifen liegt, der von der 
Flügelwurzel bis zum Stigma reicht. 

Zeitschrift des mähr. Landesmuseuius. XI II. 5 



66 

4 (5) Flügel grau, unter dem dunklen Vorderrande ein weiß- 
scliimmernder Längsstreifen. Hinterleib grau. Tip. oleracea L. 

6 1 4) Flügel bräunlich tingiert, unter dem dunklen Vorderrande 
ein gelblich schimmernder Längsstreifen. Hinterleib fleisch- 
larben. Tip. paludosa Mgn. 

6 (3) Costal- und Mediastinalzelle nicht dunkler gefärbt als die 

übrige Flügelfläche, Vor der r and des Flügels ohne dunklen 
Längsstreifen. 

7 (14) Vor dem Stigma ein kleiner, unscheinbarer, glasheller oder 

weißlich schimmernder Mondfleck, der über die Radialader 
nicht hinausreicht ^). 

8 (9) Hinterleib in beiden Geschlechtern mit ziemlich breiter, 

schwärzlichbrauner Rückenstrieme; die ganze Flügelfläche 
intensiv geblich tingiert. Tip. luteipeiiuis Mgn. 

9 (8) Hinterleib ohne Rückenstrieme; Flügelfläche liöchstens am 

Vorderrande intensiv gelblich tingiert. 

10 (13) Basalglieder der Fühler gelb. Hinterleib immer etwas gelb 

gefärbt. 

11 (12) Fühler r^ bedeutend länger als Kopf und Thorax zu- 

sammengenommen; Legeröhre $ auffallend robust, die unteren 
Lamellen nur wenig kürzer als die oberen; Thorax grau mit 
glänzenden dunklen Längsstriemen. Tip. flavolineata Mgn. 

12 (11) Fühler c? bedeutend kürzer als Kopf und Thorax zu- 

sammengenommen : Legeröhre 9 kurz, die unteren Lamellen 
bedeutend kürzer als die oberen. Thorax grau mit matten 
Längsstriemen. Hypop. (S stark aufgetrieben. 

Tip. stigmatella Schumm. 

13 1 10) Fühler schwärzlichgrau. Hinterleib grau. 

Tip. pruiiiosa Wdm. 

14 (7) Der glashelle Mondfleck vor dem Flügelrandmale zieht sich 

bis in die Discoidalzelle hinein, reicht also immer über die 
Radialis hinaus^). 

15 (18) Hinterleib aschgrau. 



^ Tip. decipieas, die in diese Gruppe gehört, wurde wegen ihrer großen 
Ähnlichkeit mit Tip. lunata L. in die nächste Abteilung gezogen, ebenso Tip. 
livida. Man siehe daher auch in der nächsten Abteilung nach. 

^j Siehe die vorstehende Fußnote. 



67 

16 (17) Achte Bauchschiene cj* mit einem plättchenartigen, fuchsrot 

behaarten Anhang. Flügelfläche bräunlich tingiert (Mondfleck 
groß). Tip. limata L. 

17 (16) Achte Bauchschiene J ohne Anhang und ohne Behaarung. 

Flügel fast wasserklar (Mondfleck klein und unscheinl)ar). 

Tip. (lecipiens Czk. 

18 (15) Hinterleib rotgelb bis ockergelb. 

19 (28) Achte Bauchschiene mit doppelten Anhängen. 

20 (21) Der weiße Mondfleck vor dem Stigma reicht weit bis in 

die Cellula posticalis posterior (J) oder bis zum Flügel- 
hinterrande (9). Die mittleren Anhänge J, einen nach oben 
gekrümmten scharfen Dorn mit zwei an der Innenseite des- 
selben angebrachten lappeuartigen Fortsätzen bildend, sind 
der hervorragendste Teil des Hypopygiums. Auf der Unter- 
seite des Hypopygiums erscheint ober den hakenförmig gegen- 
einander gekehrten Append. dupl. das Indusium des Admini- 
culums, zwei weißlichgraue, mit den stumpfen Spitzen nach 
oben gekehrte Lappen bildend. Tip. fascipennis Mg-n. 

21 (20) Der weiße Mondfleck vor dem Eandmale reicht nur bis 

in die mittlere Discoidalzelle. 

22 (23) Achte Bauchschiene mit einem plättchenartigen Fortsatze, 

der eine fast senkrecht abstehende, goldgelbe Behaarung trägt. 

Tip. ochracea Mgn. 

23 (22) Achte Bauchschiene ohne Fortsatz und auffallende Behaarung. 

24 (25) Apophysen der achten Bauchschiene ungewöhnlich groß, vom 

Grunde aus stark gegeneinander gebogen, ohne Dornen am 
Ende, ganz kahl, ohne Behaarung an der Innenseite. Append. 
inferae weit vorstehend und auffallend büschelförmig behaart 
(Taf. II, Fig. 3). Tip. truncata Low. 

25 (24) Apophysen der 8. Bauchschiene klein, aber an der Innen- 

seite mit reihenweise angeordneten, gegeneinander gerichteten 
Härchen fast filzig behaart. Append. inferae in der Seiten- 
ansicht des Hyp. nicht weit vorstehend, ohne büschelförmige 
Behaarung. 

26 (27) Die am Ende der Apophysen eingesetzten, mit der Spitze 

gegeneinander gerichteten Dornen apical (Taf. II, Fig. 4). 

Tip. peliostigma Schumm. 



6S 

27 (26) Die am Ende der Apophysen eingesetzten Dornen sub- 

apical fTaf. II, Fig. 6). Tip. Seleue Mgn. 

28 (19j Achte Bauchschiene ohne Apo])hysen, 

29 (30) Rückenschild grau mit vier sehr deutlichen, immer etwas 

glänzenden Längsstriemen. Hyp. J mit 2 großen auffallen- 
den, an der Außenseite dicht zottig behaarten unteren An- 
hängen, die in der Seitenansicht als zwei große, nach oben 
gerichtete Hörner erscheinen. Tip. (lilatata Schumm. 

30 (29) Eückenschild gelb, ohne oder mit undeutlichen, grauen, 

nie glänzenden Längsstriemen. App. inferae in der Seiten- 
ansicht nicht besonders auffallend. 

31 (34) Der Spitzenteil der Lamella term. infera durch eine ziem- 

lich tiefe Furche von dem unteren Teil der Lamelle getrennt. 

32 (33) Der Spitzenteil der Lamella terni. inf. stark kegelförmig 

vorgezogen; achte Bauchschiene ohne auffallenden abstehen- 
den Haarbüschel. Tip. livida v. d. Wulp. 

33 (32) Der Spitzenteil der Lam. term. inf. nur wenig vorgezogen; 

achte Bauchlamelle mit einem deutlich abstehenden, in ge- 
wisser Richtung goldgelb schimmernden Haarbüschel. 

Tip. lielvola Low. 

34 (31) Spitzenteil der Lamella term. infera durch keine Furche 

von dem unteren Teil der Lamelle getrennt. 

35 (36) Achte Bauchschiene mit zwei Haarbüscheln besetzt, die (nach 

Low) oft in ein einziges Büschel verschmelzen und, von der 
Seite gesehen, ein schmales, S])itz zulaufendes Haarbüschel bilden. 
App. superae am Ende stark verbreitert, App. intermediae aus 
mehreren Armen bestehend. Tip. bifasciculata Low. 

36 (35) Achte Bauchschiene mit einem einzigen, sehr breiten, nie 

spitz zulaufenden Haarbüschel besetzt; Apj). superae am 
Ende kaum erweitert, App. intermediae aus einem einzigen 
Arm bestehend. Tip. paimouia Löw^). 



') Von denWeibchen der ch race a-Gruppe kenne ich nur: dilatata, 
helvola, fascipennis, livida, mellea und ocliracea. 

Ich versuchte, sie folgendermaßen auseinanderzuhalten: 

1 (4j Obere Lamellen der Legeröhre äußerst kurz. 

2 (3) Die oberen Lamellen der Legeröhre bedeutend schmäler als die letzten 

Hinterleibsringe. Der weiße Mondfleck vor dem Flügelrandmale reicht 
bis zum Flügelhinterrande. Tip. fascipennis 5. 



69 

V. Beschreibung der mälirischeu Arten 
der (lattnng Tipula. 

1. T. maxima Poda, Ins. Mus. Graec. 113.6. (1761); Kertesz Kat., 
II. 295; gigantea Schránek, Beitr. z. Naturgesch. (1776); Mgn., 
Syst. Beschr. 1. (1818); Schin., TL 510 (1864); hortorum 
Herljst, Gem. Naturgesch. (1786); rirom Scoj)., Entom. Car- 
nioh (1763); siituatd Fahr., Spec. Ins. (1781); nahilosa Harr., 
nach Verrall 1886. 

Kopf gelhlichgrau mit einem Stich ins Rötliche, Rüssel 
und Taster verdunkelt. Fühler gelb, das erste Basalglied gegen 
das Ende braun, die Geißelglieder an der Basis schwach gebräunt 
und kaum verdickt, die ganzen Fühler im Verhältnisse zur Größe 
des Tieres ziemlich kurz. 

Rückenschild grau mit vier dunkleren, nicht immer deut- 
lichen, oft zusammengeflossenen Längsstriemen, die äußeren ver- 
kürzt. Brustseiten grau sowie die Hüften schwach weißlich bereift, 
die Notopleuraldepression rotgelb. Halsschild, eine Stelle an der 
Quernaht des Thorax und Schildchens rostrot. Mesophragma grau- 
gelblich schillernd. 

Beine gelbbraun mit verdunkelten Schenkel- und Schienen- 
si)itzen. 

Flügel am Vorderrande mit einer zweimal tief ausgebuchteten 
braunen Binde, die bis zur Flügelspitze reicht. Am Flügelhinter- 
rande liegt eine ähnliche, aber viel schwächere Binde, die etwas 



3 (2) Die oberen Lamellen der Legerölire nicht auffallend schmäler als die 

letzten Hinter leibsringe. Der weiße Mondfieck vor dem Flügelrande 
reicht nur bis in die mittlere Discoidalzelle. Tip. mellea ?. 

4 (1) Obere Lamellen der Legeröhre ziemlich lang. 

5 (6) Nur die ßasalglieder der Fühler rotgelb; die Fühlergeißel schwarzbraun. 

Tip. ocliracea $. 

6 (5) Die Basalglieder der Fühler und die Fühlergeißel gelbrot, die Geißel- 

glieder an der Basis deutlich geschwärzt, wodurch die Fühler ein ge- 
i-ingeltes Aussehen erhalten. 

7 (8) Rückenschild grau mit dunklen, glänzenden Längsstriemen. Mondfleck 

sehr deutlich, über die Discoidalzelle hinausreicheud. Tip. dilatata $. 

8 (7) Rückenschild ockergelb ohne glänzende Längsstriemen. 

9 (10) Die unteren Lamellen der Legeröhre a,ußerordeutlich dünn, fast borsten- 

förmig, die oberen Lamellen sehr lang. Tip. livida v. d. Wulp. $ 

10 (9) Die unteren Lamellen der Legeröhre ziemlich breit, nie borstenförmig. 

Die oberen Lamellen nicht ungewöhnlich lang. Tip. helvola Low. $ 



70 

über die Posticalader Mnaiisreicht und durch einen braunen Saum 
längs dieser Ader mit der ersten Binde zusammenhängt, Sie ist 
nur einmal ausgebuchtet, doch reicht diese Ausbuchtung t)ft bis 
an den Flügelhinterrand, wodurch die Binde eigentlich in zwei 
große lichtbraune Flecken aufgelöst ist. Kleinere braune Schatten- 
flecke von nicht konstanter Größe liegen an der Spitze der hinteren 
und der vorderen Discoidalzellen, ein kleiner brauner Fleck an der 
Analader in der Cellula postic. posterior. 

Hinterleib l)räunlichgrau; die von Schiner erwähnten Rücken- 
und Seitenstriemen sehr undeutlich oder nur in gewisser Richtung 
sichtbar. 

Hypo])ygium dick, fast kugelförmig, braun. Die Lameila 
terminalis supera ist am Spitzenrande tief eingekerbt, ihre Seiten- 
ecken sind in zwei Spitzen, der mittlere Spitzenrand in zwei rund- 
liche Höcker ausgezogen. Die Lamella term. infera ist mächtig 
entwickelt, aber nicht gefurcht und nur wenig ausgebuchtet. Die 
Appendices superae breit blattförmig, weißlich, an der konkaven 
Außenseite mit kurzen schwarzen Härchen dicht besetzt. Die Ap- 
pend. intermediae bestehen aus vier glänzend schwarzen Zähnen 
von ungleicher Größe, von denen der unterste und der mittlere 
auch am ganzen Hyjjopyg deutlich wahrgenommen werden können. 

Legeröhre $ braun, die Lamellen lichter, die oberen ziemlich 
gerade, am Ende abgerundet. 

Hypopygium bei Westh. 1882, tab. II, Fig. 12 iLam. term. 
supera) und tab. V, Fig. 59 (Peniss])itze). 

Größe: 25—30 mm. 

Die Larve (Beling 1886) ist 30 mm lang, 10 mm dick, gelb- 
grau bis bräunlich, derbhäutig, an den beiden ersten Leibes- 
segmenten ganz oder teilweise bräunlich, seidenglänzend. Am Ende 
der ersten 11 Leibessegmente steht statt der gewöhnlichen Be- 
haarung eine Querreihe von kleinen Dornenzähnchen. Letztes Leibes- 
segment mit sechs kurzen, das häutige Stigmenfeld umschließenden 
Hautzähnen, die an den Rändern mit feinen Wimperhaaren be- 
setzt sind. Unterseite des Endsegments mit sechs großen, hellen 
Fleischzapfen. Nach Brauer stehen unter diesen ventralen Zapfen 
jederseits zwei wurstförmige, geringelte Anhänge. 

Die Puppe ist 40 mm lang, rötlichbraun. Stirnhörnchen kurz, 
an der Spitze stark erweitert, an der Basis geschwärzt, am Ende 
lichtgelb. Hinterleib ])latt mit scharf zusammengedrückten Seiten- 



71 

kanten, auf der Bauchseite mit kräftigen, auf der Rückenseite mit 
kleinen, höckerförmigen Zähnchen in Querreihe. 

Endsegment der männlichen Pu])pe auf der Oberseite mit 
sechs in einem unregelmäßigen Sechseck stehenden Dornen und 
vier zapfenförmigen Höckern. An der Außenseite der oberen großen 
Höcker je ein spitzer Dornenzahn. Endsegment der weiblichen 
Puppe an der Unterseite mit sechs Dornenzähnen in Querreihe, an 
der Oberseite mit sechs Zähnen in einem unregelmäßigen Sechs- 
ecke, am Ende mit zwei kurzen, verwachsenen Legerohrscheidepaaren. 

Beling fand die Larven und Puppen in der Nähe kleiner 
Waldbäche in feuchter und nasser Erde, Brauer in Waldbächen 
unter Laul) und Steinen. Interessant ist Belings Mitteilung, daß 
er in dem Zuchtglase, in welchem die Larven eingezwingert waren, 
acht Tonnenpuppen fand, aus denen er drei Exemplare von Siphona 
cristata zog^). 

Vorkommen: An buschreichen Bächen unseres Waldgebirges, 
wohl. nirgends fehlend. In einer Waldschlucht des Zwittatales bei 
Bilowitz 16. Jnni, Geißschlucht l)ei Bilowitz 29. Mai, Josefstal, 
3. Juni, ßickatal bei Lösch 9. Juni, Mokrahora 12. Juni, Karthaus 
2. Juni, Frain (Siebeck), Fulnek (leg. H. Skala). Sie scheint in der 
Ebene zu fehlen; auch aus dem Hohen Gesenke ist sie mir nicht 
bekannt. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Schlesien (Strobl 1900), Niederösterreich, Steiermark (Strobl 1880 
und 1894), Kärnten (Tief 1887), Tirol (Palm 1869), Vorarlberg 
(Bau 1910), Galizieni Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873 und Thalh. 1899), 
Bosnien (Strobl\ 

Geographische Verbreitung in Europa: Die Art scheint 
in ganz Europa verbreitet zu sein. Schweden und Norwegen (Zett., 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 
1885), Rußland (Gimmerth.), England ( Verr. 1886), Holland ^ Wulp- 
Meij. 1898), Deutschland (Mgn. L, Schumm. 1833, Westh. 1882), 
Frankreich (Macq.), Schweiz (Hug. 1888), Gardasee (Ramme. Berl. 
Ent.-Ztg. 56. B. 1911, S. 23.) Italien (Bezzi). S])anien (Strobl 1909). 



*) Als Schmarotzer triff"t man an vielen Imagines kleine rote Milben an, 
die oft in großer Zahl die Brustseiten und das Abdomen besetzt halten. 

Loh de erwähnt in der Berl. Ent. Zeitschrift XVI. 1872, jj. 40, einen 
Pilz, der von Heyden auf einer größeren Tipula vorgefunden wurde und den 
Fresenius Entomophtora Tipulae nannte. 



72 

Anmerkung. Zu den nächsten Verwandten der Tip. maxima gehören 
drei europäische Arten, die bisher nur aus Spanien bekannt sind. Zwei der- 
selben, Tipula repanda und Tip. triangulifera, hat H. Low in der Wien. 
Ent. Mon., VIII. Band, 1864, Heft 4, S. 128—131, beschrieben. Die Männchen 
beider Arten unterscheiden sich von Tip. maxima (sinuata F.) durch die 
anders gestaltete Lamella terminalis supera. Bei maxima ist der Spitzenrand 
der Lam. terminalis supera beim Männchen in zwei längere Spitzen und 
in zwei mittlere, kürzere, vorne abgerundete Zipfel ausgezogen, so daß der 
ganze Spitzenrand auf diese Weise vierzipfelig erscheint. Bei repanda und 
triangulifera Low dagegen ist der Spitzenrand derselben Lamella in 2 seit- 
liche und in nur einen mittleren kürzeren Zipfel ausgezogen, so daß der Spitzen- 
rand der Lamella nur dreizipfelig erscheinen muß. 

Die Männchen beider Arten werden nach Low durch folgende Merk- 
male auseinandergehalten werden können: 

1. Fühler lehmgelb, an der Spitze kaum dunkler; der vierte Teil der 
Append. intermediae ist wenig entwickelt und bildet einen kurzen Doppelzahn. 

Tip. triangulifera Low. 

2. Fühler scliwärzlichbraun, nur das erste (ilied an der Wurzel gelb. Der 
vierte Teil der Append. intcrm. l)ildet einen großen, gekrümmten, scharfen Dorn. 

Tip. repanda Low. 

Schwieriger dürften die Weibchen beider Arten vom Weibchen der 
Tip. maxima zu unterscheiden sein. Low erwähnt, daß sich Tip. repanda 9 
durch nichts anderes als durch die Fiügelzeichnung von Tip. maxima $ 
unterscheide. Die glashellen Stellen zwischen den braunen Flecken am Flügelvorder- 
rande sind bei T. repanda größer, der zweite glashelle Fleck ist von dem ersten 
nur durch eine schräge braune Linie getrennt und die Bräunung in den Hinter- 
randzellen ist viel weniger ausgedehnt. Als weiterer Unterschied wird ange- 
geben, daß „die Bräunung, welche sich am Hinterrande vom Ende der Anal- 
zelle bis zum Hinterwinkel des Flügels hinzieht, durch eine große, helle Bucht 
fast vollkommen unterbrochen ist, wovon sich bei T. maxima kaum eine Spur 
findet." Diese letztere Angabe Löws ist wohl nur ein Irrtum; auch bei T. maxima 
kommt diese Unterbrechung der braunen Binde vor; sie ist wohl nicht immer 
vollständig, die Spur einer solchen Trennung findet sich aber fast immer. 

Die AVeibchen von T. triangulifera und T. repanda werden, da die 
Flügelzeichnung dieselbe ist, wohl nur durch die Farbe der Fühler unterschieden 
werden können. 

Stroblhat in der Wien. Entom.-Ztg., XIX. 1900, S. 207, eine vierte Art 
dieser Gruppe als Tip pseudogigantea beschrieben, die aus Bachschluchten 
Galiciens in Nordspanien stammt. Auch sie steht der Tip. maxima sehr nahe, so 
daß Schiners Beschreibung vollständig auf sie paßt. Da Strobl von einem „identisch 
gebauten Hypopygium" spricht, ist anzunehmen, daß seine Art der Tip. maxima 
noch viel näher stehe als den beiden Arten Löws. Sie unterscheidet sich im 
allgemeinen von maxima durch dunklere Färbung, dadurch, daß Kopf, Prothorax 
und Schildchen nichts Rotes zeigen und durch die Flügelzeichnung: „Die weiße 
Flügelzeichnung ist in der Anlage dieselbe, aber viel beschränkter; man kann 
nur eine ziemlich schmale, unregelmäßige mittlere Längsbinde und eine schräge 



73 



hintere Querbinde unterscheiden; statt der bei T. maxima mindestens ebenso 
breiten vorderen Querbinde sieht man nur kleine weiße Fleckchen, zwei ober- 
halb der Längsbinde und eines unterhalb derselben an der Mündung der 
Axillarader." Wenn das Hypopygium mit dem der Ï. maxima vollkommen 
übereinstimmt, vielleicht doch nur eine Varietät dieser Art. 

2. T. fulvipeuiiis Deg., Mém. pour serv. à l'hist. de Ins. VI. 343 

(1776); Kert.' Kat. IL 287; lutescens Fabr., Syst. Antl. 1805; 
Mgn. I. 172 (1818); Schumrael. Beitr. z. Ent. III. 18 (1833); 
Schin. IL 510 (1864> 

J: Koi)f, Schnauze und Taster gelblichgrau, Rüssel etwas 
verdunkelt. 

Fühler gelb, nur etwas länger als der Kupf. Geißelglieder 
am Grunde kaum verdickt. 

Rücken Schild gelblichgrau mit vier dunkleren, oft braun- 
gesäumten Längsstriemen, die seitlichen vorne verkürzt. Hinter der 
Quernaht zwei ovale, nicht sehr deutliche Flecke. Brustseiten lichter 
gelb als der Rückenschild, der Teil unter der Notopleuraldepression 
und die Hüften weißlich bereift. Schildchen und Mesophragma grau. 

Beine lichtgelb mit verdunkelten Schenkelspitzen. 

Flügel graulich fingiert, kaum gewölkt, mit lichtbraunem Rand- 
male und einem kleinen Schattenfleck zwischen Posticai- und Analader. 

Hinterleib gelbbräunlich bis braun, in gewisser Richtung 
mit braunen abgesetzten Seitenstriemen. 

Hypopygium ziemlich groß, aber nicht so stark aufgetrieben 
wie bei T. maxima., hinten schief abgestutzt. Die Lam. term. sup. 
am Spitzenrande in einen stumpfen Höcker ausgezogen, die Seiten- 
ecken abgerundet. Lameila term. infera tief gebuchtet, amunteren 
Rande mit langen, goldgelben Haaren besetzt. Die Append. superae 
groß, blattförmig, weißlich stumpf, auf der konkaven Außenseite 
mit kurzen Härchen dicht besetzt. Sehr charakteristisch sind die 
Append. intermediae, die aus zwei Teilen bestehen. Der obere Teil 
trägt (von unten gesehen) an langem Stiele ein blattähnliches Ge- 
bilde, der untere Teil ist zangenförraig. Abbildung des Hypo- 
pygiums: Westh. 1882, tab. I, Fig. 1 (Hyp.). 

Weibchen: Lichtgelb, fast ockergelb. Die Rückenstriemen 
des Thorax sind deutlicher braun gesäumt. Flügel intensiv rostgelb 
tingiert. vor dem braunen Randmal ein milchweißer Fleck, in der 
hinteren Posticalzelle der gewöhnliche braune Schattenfleck. Lege- 
röhre mäßig lang, rostgelb, glänzend. 



74 

Größe: á" 24, 9 28 mm. 

Larve (nach Beling, 1878): 30 — 32, ausgestreckt fast 50 mm 
laug, lederhäutig und brcäunlichgelb. Sie soll sich außer durch ihre 
Größe von den anderen Tipulidenlarven dadurch unterscheiden, 
daß an der Unterseite des Aftergliedes sechs hornförmige Haut- 
zapfen stehen, die bei der weiblichen Larve stärker und Länger 
sind als bei der männlichen. 

Die Puppe ist SQmm lang, hinten kegelig verdünnt und gelblich- 
braun. Die Stirn trägt zwei gelbbraune, an der Spitze spateiförmig er- 
weiterte Hörnchen, die Oberseite des Thorax zwei warzenförmige 
Höcker. Hinterleib am fünf ten bis achten Ringe der Bauchseite und am 
dritten bis achten der Rückenseite mit in Querreihen stehenden Zähnen. 

Das Afterglied der männlichen Puppe an der Oberseite mit 
sechs in einem Sechseck, an der Unterseite mit vier in einer Quer- 
reilie stehenden Zähnchen, außerdem an jeder Seitenkante des 
Aftergliedes ein Zahn. 

Das Afterglied der weiblichen Puppe mit zwei verwachsenen, 
stumpfen Legerohrscheiden. 

Die Larven wurden von Beling zugleich mit denen von 
P edici a rivosa in mit abgefallenem Laub bedeckter, nasser Erde, 
am Rande von Quellen, kleinen Bächen und Wassertümpeln ge- 
funden. Die Pup})enruhe dauerte in der Regel 7 bis 10 T;ige. 
Westh. 1879, S. 42, berichtet, daß Ko lbe eine Larve unter einem 
Eichenaste in nassem Laube gefunden habe. 

Vorkommen: Die Art scheint bei uns weit verbreitet zu 
sein, doch ist das (^ ungleich seltener als das ?. Ich besitze sie 
aus Nord- und Mittelmähren, aus Südmähren kenne ich sie aus 
der Sammlung Siebeck. Erzberg bei Wiesenberg 1 $ 10. Juli; 
Primiswald am Dreistein 8. August, Berggeist 1 J, 1 ?, 22. Juli: 
Mokrahora 8. September und Schreibwald 10. September, je 1 ?, 
Ochos, August (leg. P. Huber), Radhost 19. August und Alt-Lublitz 
in Schlesien (K. Landrock). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Schlesien (Strobl 1900), Niederösterreich, Steiermark (Strobl 1880 
und 1894), Kärnten (Tief 1887, Bergr. 1888), Tirol (Palm 1869), 
Vorarlberg (Bau 1910), Gaiizien (Now. 1873, Grz. 1873), Sieben- 
bürgen (Strobl 1896), Ungarn (Thalh. 1899). 

Geographische Verbreitung in Eurojja: Diese Art ist 
ebenfalls weit verbreitet. Schweden (Zett., Wall. 1882, Wahlgr. 1905), 



75 

Norwegen ('Siebte 1877), Finland (Lm. 1907). Rußland (Fedt. 1891), 
Livland (Sint. 1882), England (Verr. 1886), Holland (Wulp-Meij. 
1898), Deutschland iMgn. I., Schumm. 1833, Westli. 1882), 
Frankreich (Macq.), Schweiz (Hug. 1888). Aus dem Süden Europas 
ist mir kein Fundort bekannt. 

3. T. teuuicoruis Schum., Beitr. z. Entom. III. 24. (1833); Schin. 

IL 511 (1864); Kert. Kat. IL 309. 

J: Kopf grau, Schnauze rotgelb, Taster schwarzbraun. 

Fühler ungefähr so lang wie Kopf und Schnauze zusammen- 
genommen, die ersten drei Glieder rein rotgelb, die Geißelglieder 
an der kaum verdickten Basis schwärzlich, sonst rotbraun, die 
Endglieder verdunkelt. 

Rückenschild grau mit drei sehr breiten, dunklen, braun 
eingefaßten Längsstriemen, die fast die ganze Oberseite des Thorax 
einnehmen. Die mittlere Strieme ist wieder durch zwei feine 
braune Linien geteilt, die vorne zu einer einzigen Linie zusammen- 
fließen, gegen die Quernaht hin sich nähern und einen helleren 
Kern einschließen. Ganz deutlich sind diese Mittellinien aber nur 
bei dem lebenden Tiere. 

Brustseiten grau bereift; Notopleuraldepression rotbraun, 
Schildchen schwarzbraun, am Spitzenrande schwach gelblich. Meso- 
phragma grau bereift, mit etwas erhabenem Mittelkiel, in gewisser 
Richtung schwarz schimmernd. 

Beine schwarzbraun, Schenkel an der Basis rotgelb. 

Flügel am Vorderrande braun, am Hinterrande grau tingiert 
mit schwarzbraunem Randmale und deutlichen glashellen Binden. 

Die erste Binde beginnt vor dem Randmale in der Subcostal- 
zelle und geht, die äußersten Spitzen der beiden Basalzellen und 
die innere Hälfte der vorderen Discoidalzelle erfüllend, über die 
Basis der hinteren und der vorderen Discoidalzellen bis in die 
Cubitalzelle, deren Spitzenhälfte sie ausfüllt, reicht also vom Rand- 
male, schräg über den Spitzenteil des Flügels gehend, bis zur 
Flügelspitze. Beim J erscheint diese glashelle Binde durch eine 
größere Trübung in der mittleren Discoidalzelle etwas unterbrochen. 

Ein zweiter glasheller Streifen entsteht dadurch, dal) die cellula 
posticalis posterior in der Wurzelhälfte glashell ist. Ein glasheller 
Fleck liegt auf der Mitte der hinteren Basalzelle an der Postical- 
ader. Die beiden Aste der Posticalis sind deutlich braun sresäumt. 




76 

Hinterleib grau, die Basis des ersten Ringes deutlich rostgelb, 
der Hinterrand der Segmente schmal gelblichweiß; Hinterleibs- 
seiten unten mit einem weißlichgrauen Streifen, über welchem in 
gewisser Richtung samtschwarz schillernde Flecken erscheinen, die 
eine unterbrochene Seitenstrieme bilden. 

Hypopygium grau, ziemlich groß. Lameila term. supera 
am Spitzenrande sanft ausgebuchtet, die Seitenecken etwas vor- 
stehend. Lam. basalis infera weit klaffend, am Spitzenrande 
mit kurzen, gelbroten Härchen dicht besetzt. Lam. termin. infera 
tief gespalten, durch ein auf der Mitte kielförmig erhobenes 
Häutchen abgeschlossen. A])pend. supera e groß, blattförmig, 
von weißlicher Farbe, fein schwarz behaart. Die 
Ai)pend. intermediae sind von kastanien- 
brauner Farl)e und bestehen aus zwei Teilen 
(Taf. I. Fig. 9). 

?: Die Längsstriemen des Thoraxrückens 
sind kaum dunkler gesäumt. Die braunschwarz 
schillernden, in Flecke aufgelösten Seiten- 

rp. , "■ '. , Striemen des Abdomens sind deutlicher. Die 

iip. teiiuic(jrms ^J . 

(Hvp. von der Seite ) Flügel sind intensiver braun, weshalb die weiße 
Flügelzeichnung noch viel deutlicher auftritt 
als beim J. Bei manchen weiblichen Stücken ist die mittlere Dis- 
coidalzelle bis auf einen braunen Saum am dise, ramus. anterior 
fast ganz glashell. 

Legeröhre mäßig lang, am Grunde dunkel kastanienliraun, 
die Lamellen lichtbraun. 

Größe: <S 18 — 20 mm, 9 23—25 uf))/. 

Larve und Puppe nicht bekannt. 

Vorkommen: Die Art wird sowohl von Schummel als auch 
von Schiner als sehr selten bezeichnet. Bei uns ist sie häufig und 
ziendich verbreitet. Sie erscheint zugleich mit T. ])abulina schon 
im Mai. Řičkatal bei Lösch 4. Mai und 14. jMai, Karthaus 12. Mai, 
Josefstal bei Adamstal 25. Mai; 1 ? aus der Geißschlucht bei 
Bilowitz; 1 J aus dem Schreibwalde (K. Landrockj. Ich habe 
die Art immer nur an Waldbächen angetroffen und glaube, daß 
die Lebensweise der Larven jenen der Tip. maximn und fulvi- 
pennis am nächsten kommen wird. 

Verbreitung in Österreich- Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Kärnten (Tief 1887), Ungarn (Thalh. 1899). 



77 

Geographische Verbreitung in Europa: Es ist auffallend, 
daß diese Art in allen mir bekannten faunistischen Verzeichnissen 
der verschiedenen Länder fehlt. Aus Deutschland zählt sie bloß 
Schummel 1833 auf 

4. T. vittata Mgn., Klass. I. 66 (1804) und S. B. I. 171 (1818); 

Schin. IL 511 (1864); Kert. Kat. IL 313. 

Diese Art ist der T. tenu i co mis außerordentlich ähnlich. 
Es läßt sich kaum ein anderes sicheres Unterscheidungsmerkmal 
angeben als die Form und Farbe der Fühler beider Arten. 
T. vittata besitzt längere Fühler als T. tenuicornis. auch sind 
die einzelnen Glieder dicker, die ganzen Fühler daher viel robuster. 
Überdies siud bei T. tenuicornis die Basalglieder und die ersten 
Geißelglieder deutlich rotgelb, bei Ï. vittata aber nur die Basal- 
glieder, die ganze Geißel aber schwarzbraun. 

Nach Schiner wird man beide Arten nicht auseinander- 
halten können, denn er zitiert Schummel falsch. Er sagt bei 
vittata: „Erste L. A. an der Basis schwarzbraun", bei tenui- 
cornis: „Erste L. A. an der Basis rotgelb". (Fauna austr., II, 511.) 
Schummel sagt aber gerade umgekehrt: dritte Längsader (d. i. 
Schiners erste L. A.) von der Flügelwurzel bis zu den Wurzel- 
queradern bei vittata rostgelb, bei tenuicornis dunkelbraun. 

Als Unterscheidungsmerkmale der T. vittata und T. tenui- 
cornis seien nach den Beschreibungen Schummeis noch angeführt: 

vittata: Fühler schwarzbraun, nur die Basalglieder rotgelb, 
die Geißelglieder vom zweiten an deutlich verdickt. Erster Hinter- 
leibsring einfarbig aschgrau (aber an der Basis heller als am Ende). 
Erste Längsader an der Basis rostgelb. 

tenuicornis: Fühler rotbraun, die drei ersten Glieder rotgelb, 
die folgenden Geißelglieder an der Spitzenhälfte rotgelb, an der 
Basis schwärzlich, die Endglieder braun. Geißelglieder an der 
Basis kaum verdickt. Erster Hinterleibsring an der Wurzel deutlich 
rostgelb. Erste Längsader an der Basis schwarzbraun. 

Was Schummel meint, wenn er bei T. tenuicornis sagt: 
„Der kleine Wisch in der Mitte der vorderen Strahlzelle fehlt", 
weiß ich nicht, da die cellula posticalis posterior bei meinen 
zahlreichen Stücken der T. tenuicornis einen deutlichen blaß- 
grauen Streifen zeigt, der in der Mitte der Zelle schmal beginnt 
und, sich verbreiternd, bis in die Spitze dieser Zelle hinzieht. 



78 

Westlioff bildet die Lameila term. supera von T. vit- 
tata ab; wenn man seine Abbildung mit der auf Taf. I, Fig. 17, ab- 
gebildeten oberen Endlamelle von tennicornis vergleicht, wird 
sofort der Unterschied auffallen; "Westhoffs Zeichnung scheint aber 
ungenau uder stilisiert zu sein, denn die neunte E,ückenschiene 
von T. vittata ist am Si)itzenrande nicht so stark ausgebuchtet, 
wie Westhoff sie abbildet, und auch die Seitenecken sind nicht so 
stark abgerundet; vielmehr gleicht die Lam. term. sui)era meiner 
zwei Stücke der T. vittata ganz jener von T. tenuicornis. 

Abbildung des Hypopygiums: Westh. 1882. tab. 11, 
Fig. 11 (Lam. term. supera); tab. VI, Fig. 67 ( Adminiculum). 

Die Larve (Beling 1886) gleicht der von T. fulvipennis, 
unterscheidet sich aber von ihr durch geringere Groß«, durch die 
hornigen Spitzen der vier oberen Zapfen des Stigmenfeldes und 
durch eine winkelige, schwarzbraun glänzende Zeichnung am Be- 
ginne der zwei unteren Za})fen des Stigmenfeldes. 

Die Puppe ist 28 nim lang, rostbraun, am Thorax schwarz 
gefleckt. Stirnhörnchen kurz, an der Spitze etwas kolbig erweitert. 

Endsegment der männlichen Puppe an der Oberseite mit 
vier starken Dornenzähnen in Querreihe, dahinter zwei doppelspitzige 
Dornenzähne. Unterseite des Endsegments mit vier kräftigen Dornen- 
zähnen in Querreihe. 

Endsegment der weiblichen Puppe mit je sechs Dornenzähnen 
an der Ober- und Unterseite. 

Die Larven leben unter Laub, Geniste und in feuchter Erde 
an nassen Stellen, in der Nähe von kleinen Bächen und Quellen. 
Die Verwandlung geschieht zeitig im Frühjahre, die Imagines er- 
scheinen schon im April und Mai. 

Vorkommen: Ich kenne nur ein einziges mährisches Exem- 
plar (cT) ans der Sammlung des Herrn Sieb eck. Es stammt aus 
Frain in Südmähren. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: BöbmenKow. 1894); 
Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), Tirol 
(Palm 1869), Ungarn (Thalh. 1899), Bosnien (Strobl). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden (Zett., 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 
1883), England (Verr. 1886), Rußland (Fedt. 1891), Holland 
(Wulp-Meij. 1898), Frankreich (Macq.), Deutschland (Mgn. L, 
Schumm. 1833, Westh. 1882). 



79 




Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


5. 


Fig. 


6. 


Fig. 


7. 


Fig. 


8. 


Fig. 


9. 


Fig. 


10. 


Fig. 


11. 


Fig. 


12. 


Fig. 


13. 


Fig. 


14. 


Fig. 


15. 


Fig. 


16. 


Fig. 


17. 


Fig. 


18. 



Tafel I. 

Append. intermediae et superae von Tip. pruinosa. 

> Append. intermediae et superae von Tip. nigra. 

Append. intermediae von Tip. luteipennis. 

Append. intermediae et superae von Tip. eaesia. 

Innerer Arm der Append. intermediae von Tip. rubripes. 

Innerer Arm der Append. intermediae von Tip. nubeculosa. 

Append. intermediae von Tip. excisa. 

Append. intermediae von Tijj. tenuicornis. 

Append. intermediae von Tip. pabulina. 

Append. superae von Tip. truncorum. 

Append. superae von Tip. pabulina. 

Äußerer Arm der Append. intermediae von Tip. nubeculosa. 

Append. superae et intermediae von Tip. longicornis. 

Append. superae von Tip. ochracea. 

Append. intermediae von Tip. decipiens. 

Lamella term. sup. von Tip. tenuicornis. 

Append. intermediae von Tip. ochracea. 



80 

5. T. truncoruiu Mgn., Syst. Beschr. VI. 277 (1830); Schin. IL 

511 (1864); Kert. Kat. II. 310; .^eptemlineata Macq. Suit, à 

Bu£f. I. 83 (1834); Mgn., Syst. Beschr. VII. 34 (1838). 

Ko})f und Stirne grau, letztere mit schwachem Längsein- 
druck und undeutlicher schwarzer Längslinie. Schnauze grau, 
Hüssel und Taster schwarzbraun. 

Fühler schwarzbraun; erstes Basalglied in beiden Geschlech- 
tern grau, beim r^ quergerunzelt, zweites Glied rotgelb; Geißel- 
glieder c? an der Basis verdickt. 

Thoraxrücken grau mit dunklen Längsstriemen von brauner 
Farbe. Die drei mittleren Striemen vereinigen sich vor der Quer- 
naht in einem Punkte; gegen den Vorderrand des Thoraxrückens 
divergieren sie stark und bilden somit eine dreizinkige Gabel. Von 
diesen Gabelzinken ist die mittelste sehr schmal, die seitlichen 
ziemlich breit. Zu beiden Seiten dieser Gal»el liegt je eine vorne 
stark abgekürzte Seitenstrieme in Form einer hinten offenen Ellipse, 
die einen helleren Kern einschließt. Brustseiten schiefergrau, die 
Notopleuraldepression und die Flügelwurzel rostgelb. Alle Hüften 
schiefergrau, die Schenkelringe gelb. 

Schildchen und Mesophragma grau, letzteres mit nicht 
sehr deutlicher, dunkler Längsstrieme. 

Beine schwarzbraun, die Schenkel an der Wurzel gelbbraun. 

Flügel in beiden Geschlechtern stark marmoriert, mit be- 
sonders auffallenden braunen Flecken unterhalb des schwarzbraunen, 
deutlich abgesetzten Randmales, am Ursprünge der Radialader 
und an den Wurzelqueradern. Die übrige Flügelfläche ist vorherr- 
schend lichtbraun tingiert und von folgenden glashellen Flecken 
unterbrochen: Ein großer glasheller Fleck beginnt unmittelbar 
hinter dem Bandmale in der Stigmenzelle, deren Spitze glashell 
bleibt; er geht durch die untere Radialzelle und die Cu])italzelle 
in die mittlere Discoidalzelle und greift mit einem glashellen Fleck 
auch noch in die hintere Discoidalzelle und in die vordere Basal- 
zelle über. Dadurch entsteht eine sehr auffallende glashelle Flügel- 
binde hinter dem Randmale. Die ganze Flügelspitze hinter dieser 
Flügelbinde bleibt braun. 

Ein zweiter, etwas kleinerer, glasheller Fleck liegt vor dem 
Flügelrandmale. Er füllt die Basis der Subcostalzelle aus -und 
greift in die vordere Basalzelle über. In der letzteren liegt ein 




81 

zweiter, etwas undeutlicher, glasheller Fleck vor dem braunen 
Fleckchen am Ursprünge der zweiten Längsader. 

Ein sehr auffallender glasheller Fleck liegt im vorderen 
Teile der hinteren Basalzelle; auch die Basis derselben Zelle ist 
glashell. Zwei kleine, glashelle Flecke liegen in der hinteren Postical- 
zelle und ein großer, sehr deutlicher auf der Mitte der Analzelle. 
Auch die Basis der Axillarzelle ist weniger braun gefärbt als der 
übrige Teil des Flügels. Die Posticalader auffallend braun. 

Dieselbe Flügelzeichnung kommt auch beim $ vor; doch ist 
die lichtbraune Zeichnung der Flügelfläche heller als beim r^ und 
die glashellen Flecke am Flügelvorderrande sind ausgebreiteter. 
Auch die vorderen und die hintere Discoidal- 
zelle sind ausnahmslos lichter gefärbt als beim cf. 
Hinterleib gelbbraun, die letzten Segmente 
dunkler, mit brauner, ziemlich schmaler Rücken- 
strieme, die Seiten mit einer in kleine braune 
Flecke aufgelösten Seitenstrieme, unter derselben 

eine feine weißliche Linie. ^. *=* 

iip. truncorum. 

Hypopygium ^ groß. ^ ^ (Hyp., vou der Seite.) 

Lam. term. sup. am Spitzenrande in zwei 
größere, breite, vorne stumpfe Seiteneckeu, die Mitte in drei kleinere 
schwarze Spitzen ausgezogen. — Lam. term. infera groß, der 
obere Teil, an dem die Appendices externae angeheftet sind, durch 
eine tiefe Furche von dem übrigen Teile der Lamelle getrennt. 
Unten ist die Lamelle tief gespalten, die Ränder sind etwas nach 
außen umgestülpt und am Innenrande mit langen, gelbroten, weit 
herausragenden Härchen fast zottig behaart. 

Die App. superae sind verhältnismäßig schmal (im Ver- 
gleiche zu den großen schuppenförmigen Appendices der vorher- 
gehenden Arten), gelblichweiß, lanzettförmig, mit stumpfer Spitze 
und an der Außenseite, namentlich an den Rändern, mit schwarzen, 
auf Wärzchen stehenden Haaren dicht besetzt (Taf. I, Fig. 11». 

Die Appendices intermediae sind fußförmig, 1) raungelb, 
an dem stumpfen Ende lang behaart. 

Legeröhre 9 lichtgelb, lang, gerade, die oberen Kla])])en 
zugespitzt. 

Abbildung des Hypopygiums: Lm. 1907. tab. I, Fig. 7 
(Hyp., von unten gesehen). 

Größe: cT 17 mm, $ 18 mm. 

Zeitschrift des mälir, Liindesmuseums. XIII. 6 



82 

Larve (Beling 1878): 15 mm lang, lederhäutig, gelblich 
aschgrau. Hinterleib an den Seiten kantig zusammengedrückt. 
Unterhalb der kreisrunden Hinterstigmen ein liegender, keilförmiger 
Fleck. Oberrand des Stigmenfeldes mit vier langen, dünnen Haut- 
zapfen, die mittleren kürzer als die äußeren, Unterrand mit 
zwei Hautzähnen. 

Puppe: 21 mm, schmutzig weißlich, hinten kegelig verdünnt. 
Stirnhörnchen kolbig erweitert. Afterglied von acht Dornen um- 
geben, von denen die vier auf der Unterseite stehenden kräftiger 
sind als die auf der Oberseite. Afterglied der männlichen Puppe 
etwas aufwärts gebogen und in einem von vier Dornen im (Qua- 
drate besetzten Felde endigend. 

Beling fand die Larven an dürren, lichten Stellen des Waldes 
unterhalb der Grasnarbe, unter Moos in der Erde und einmal in 
einem Fichtenbestande unter der Nadeldecke des Bodens. 

Vorkommen: Ich besitze von dieser Art, die Schiner sehr 
selten nennt, nur ein Pärchen, das ich am 11. Juni 1910 im Zwitta- 
tale bei Bilowitz an einer Hecke nahe am Waldesrande in copula 
fing. Ein ? mit gelben Basalgliedern und auffallend glashellen 
Flecken auf der Flügelfläche aus dem Schreibwalde, 11. Mai 1910. 

Verbreitung in Österreich- Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Niederösterreich (Strobl 1880), Steiermark (Strobl 1894, 
Bergr. 1888), Galizien (Grzeg. 1873, Now. 1873j, Ungarn (Kow. 
1873, Thalh. 1899), Siebenbürgen (Strobl 1896). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden und 
Norwegen (Zett., Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Finland (Lm. 
1907), England (Verr. 1886), Holland (Wulp-Meij. 1898), Ruß- 
land (Fedt. 1902), Frankreich (Macq.: septemlineata), Deutschland 
(Mgn. VI., Schumm. 1833). 

Überdies bekannt aus Nordamerika (0. S.j, von Nowaja Semlja 
(Jakobson). 

Anmerkung: Die Besclireibungen Meigens, Schummels, Zetterstedts 
und Scliiners stimmen niclit miteinander überein und weichen namentlich in 
den Angaben über die Färbung der Füliler voneinander ab. 

Me i g en sagt: Fühler braun, das zweite Glied gelb ($). 

Schummel: Das erste Glied schwarzgrau, an der Spitze und das zweite 
ganz rotgelb ( $ ). 

Zetterstedt: Antennae nigrae, in J* articulis 2 primis pallide flavis; 
in 9 articulo primo cinereo 1. rufescenti cinereo; 2do flavo. 



83 

Schill er: Fühler schwarzgrau, das zweite Glied, seltener auch das erste 
vorne rotgelb. 

Nach Bergroth (1888) „soll das erste Fühlerglied bald gelb, bald grau 
sein, was nicht von dem Geschlechte abhängt." 

Nach Strobl (1894) hingegen ist das erste Glied rj* ganz grauschwarz, das 
des 9 wenigstens an Basis und Spitze dunkel gefleckt. 

Die von mir nach einem Stücke gegebene Beschreibvmg der T. trun- 
corum wäre also zu modifizieren, und zwar in folgender Weise: 

(^ : Erstes Fühlerglied grau oder an der Spitze gelb oder ganz rot- 
gelb; zweites Fühlerglied immer ganz gelb. 

9 : Erstes Fühlerglied grau oder gelblichbraun oder wenigstens an Basis 
und Spitze dunkel gefleckt; zweites Glied ganz gelb. 

Kommen diese Abweichungen in der Fühlerfärbung bei truncorum vor, 
dann ist dieses Merkmal auch nicht geeignet, T. truncorum von T. Win- 
nertzii Egg. zu unterscheiden. 

Ich hege Zweifel, ob Zett. wirklich das ,^ von truncorum vor sich 
hatte, denn er sagt: „alae in (^ obsolete, in $ j^erspicue mai'moratae," 
während doch die Flügel in beiden Geschlechtern sehr deutlich marmoriert 
sind und besonders die auch von Zetterstedt erwähnten braunen Flecken beim 
(^ ebenso auffallen wie beim 9- 

Schummeis Beschreibung (er kannte nur das 9) weicht von meiner 
ebenfalls in etwas ab; er sagt: erstes Hüftglied schiefergrau, zweites braun- 
gelb. Dasselbe gibt Zett. an, der beide Geschlechter kannte. Meine zwei 
Stücke haben durchaus schiefergraue Hüften, aber die Schenkelringe sind gelb. 

Unverständlich ist mir Schiners Angabe, daß die „sieben braunen Linien 
des Thoraxrückens vorne paarweise zusammenhängen." Das kann auf die Seiten- 
striemen angewendet werden, aber nicht auf die Mittelstriemen, die eine deut- 
liche dreizinkige Gabel bilden, wie Schiner von Winnertzii bemerkt. 

6. T. Winnertzii Egg., Zool.-bot. Ges., Wien XIII. 1101 (1863); 

Scliin. II. 512 (1864); Kert. Kat. II. 314. 

Es liegt mir ein J aus der Sammlung des Herrn Siebeck 
vor, das als Tip. Winnertzii bestimmt war. Von T. truncorum 
unterscheidet sich dieses Stück durch ganz gelbe Basalglieder der 
Fühler und dadurch, daß die braune Trübung der Flügel viel 
schwächer ist als bei jener Art. Das Hypopygium zeigt keine 
wesentlichen Abweichungen von dem der T. truncorum, nur ist 
die Behaarung der beiden letzten Bauchschienen noch länger und 
zottiger. Besonders auffallend ist diese zottige, büschelförmig ab- 
stehende Behaarung am Unterrand des 8. Bauchsegmentes, ohne 
aber gerade „einen aus gelben Haaren s])itzdreieckig zusammen- 
gestrichenen Haarbüschel" zu bilden, wie sich Schiner ausdrückt. 
Viel eher nehmen die aus dem klaffenden Unterrand der Lam. 
term. in fera hervorstehenden Haar])üsche] die von Egger er- 

6* 



84 

Wcäbnte Form an. Ganz unzutreffend und direkt irreführend scheint 
die von der Beschreibung Eggers abweichende Bemerkung Schiners 
zu sein, daß der Unterrand des letzten Ringes in eine lanzett- 
förmige Spitze ausgezogen ist. 

Ich halte Tip. Winnertzii Egg. für eine problematische 
Art, obwohl Bergroth 1888 sagt: „Winn. ist eine sehr distinkte 
Art, welche, wie es scheint, nur auf Österreich beschränkt ist." 
Von T. truncorum und T. Winnertzii bei Schiner sagt er: 
„Diese Art (truncorum) und Winnertzii Egg. lassen sich nach 
Schiners Beschreibungen nicht mit Sicherheit bestimmen.'- 

Ist es schon schwierig, die cT cT auseinanderzuhalten, so 
scheint eine sichere Bestimmung der $ $ fast unmöglich. Zu 
mehreren Weibchen, die Bergroth als Winnertzii aus Steiermark 
vorlagen, schrieb er: „Alle Stücke ,dürften' zu truncorum ge- 
hören" (Strobl 1894). 

Strobl (1894) kannte nur das Weibchen, Als Unterschiede 
gibt er an: Bei den Exemplaren (die er für Winnertzii $ hält) 
ragt der Stirnhöcker deutlich über die Stirnfläche empor, ist gelb 
mit einer schwarzen Längsstrieme und ziemlich langer dunkler 
Behaarung, während er bei truncorum kaum oder nicht hervor- 
ragt, einfarbig grau, gleich der übrigen Stirn oder in der Mitte 
nur etwas verdunkelt und nur sehr kurz und spärlich bleich be- 
haart ist; die zwei ersten Fühlerglieder sind bei Winn. ganz oder 
fast ganz rotgelb, bei truncorum c? ist das erste Glied grau- 
schwarz, bei dem $ wenigstens an Basis und Spitze dunkel gefleckt. 

Westh. 1882 bildet ab: tab, III. Fig, 36, die Append. superae, 
tab. V, Fig, 60, die Spitze des Penis. Seine Abbildung der oberen 
Anhänge von Winnertzii stimmt aber auch ganz auf die von 
truncorum. 

Größe: J 18 mm. 

Die Larve beschreibt Beling 1886. In der Tabelle zum 
Bestimmen der Tipulalarven hält er Winnertzii und truncorum 
strenge auseinander. Die Larve der ersteren ist schwärzlich ge- 
körnelt und trägt auf dem Rücken der Leibessegmente dornen- 
förmige Erweiterungen in Querreihe, während der Rücken der 
Leibessegmente bei truncorum nur mit kurzen, steifen Härchen 
besetzt ist. Unterhalb der Hinterstigmen liegt bei Winnertzii je 
ein schwarzbrauner Horizontalstrich, bei truncorum ein keilförmig 
liegender Fleck. 



85 

Die Puppe (Beling 1873) ist bräunlichgell) mit hellen 
scharfen Seitenkanten des Hinterleibes und schmal schwärzlich 
gesäumten Hinterrändern der Segmente. Das letzte Glied endet in 
eine stumpfe ku])i)elförmige Spitze, die von vier kleinen, in einem 
Viereck stehenden Dornen umgeben ist. 

Die Larve fand Beling in Erde und auch an und in modern- 
dem Holze. Eine Puppe wurde auf einem Weidenanger unterhalb 
der Rasendecke gefunden. 

Vorkommen: 1 ç^ aus Südmähren (coU. Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Kärnten (Strobl 1900), Tirol (Palm 1869), Galizien iNow. 
1873, Grz. 1873), Ungarn (Thalh. 1899). 

Geographische Verbreitung in Europa: Sie wird nur 
noch aus Deutschland von Westh. 1882, von Beling 1873 und 1886 
und aus Livland von Sint. 1888 angeführt. Bergr. 1888 vermutet, 
dal) Westh, Winnertzii zu truncorum gehört. 

7. T. pabuUna Mgn., Syst. Beschr. I. 180 (1818); Schin. LI. 512. 

(1864); Kert. Kat. IL 302; ? ruft.pennis Mgn. VI. 187 

(1830); ? stigmosa Macq., Mgn. VII. 33 (1838). 

Gelbgraue Art mit sehr schwach marmorierten Flügeln. 

Kopf grau, Stirn mit undeutlicher dunkler Längslinie, mit 
kurzen schwarzen Härchen besetzt. Rüssel graubraun, Taster 
schwarzbraun. 

Fühler schwarzbraun, die Basalglieder, zumeist aber auch 
das erste Geißelglied rotgelb. Geißelglieder am Grunde nur schwach 
verdickt. Bei sechs 5 9 sind die ersten fünf Fühlerglieder rotgelb. 

Eückenschild bräunlichgrau mit drei braunen Längsstriemen, 
die seitlichen vorne verkürzt, mitunter mit hellem Kern; die ]\Iittel- 
strieme dreizinkig, die Mittelzinke fein, die Seitenzinken ziemlich breit. 

Beine braun, die Schenkel gelb, an der Spitze schwarz. 

Flügel in beiden Geschlechtern intensiv gelblichgrau fingiert, 
sehr undeutlich marmoriert. Lichtere, aber nie scharfbegrenzte 
und überdies mehr streifenartige Flecken liegen in der hinteren 
Basalzelle und vor und hinter dem blaßbraunen Randmale. 

Hinterleib gelbbraun, stark behaart, mit nicht sehr deut- 
licher brauner Rückenstrieme und ebensolchen Seitenstriemen. 

Hypopygium groß, kolbig verdickt, immer breiter als der 
übrige Hinterleib. Lameila term. su])era mit abgerundeten 




86 

stumpfen Seitenecken, der mittlere Sjjitzenrand in zwei nach außen 
gebogene Vorsprünge ausgezogen, zwischen denen ein dritter 
kleinerer Höcker erscheint. Der ganze Spitzenrand bei starker 
Vergrößerung der Lamelle auffallend lichtgell). Lam. term. infera 
am Unterrande tief gespalten, die Eilnder umgestülpt und an der 
Innen- und Außenseite mit langen, gelben Haaren stark besetzt. 
Der obere Teil der Lamelle durch eine tiefe Furche abgeschnürt. 

Lam. ba sa lis in f. klaffend, ebenfalls mit langen gelben 
Härchen fast zottig behaart. 

Append. superae blattförmig, in der Gestalt 
denen der truncorum gleichend, gelblichweiß, auf 
der Außenseite außerordentlich stark behaart (Taf. I, 
Fig. 12). 

Append. intermediae furjförmig, denen von 

Fig. 3. truncorum ähnlich, gelbglänzend, die abgerundete 

T. pabulina J. Spitze schwarzbraun, an der breiten, nach unten ge- 

(Hyp., von der i-ichteten Seite mit gelben Haaren außerordentlich 

^''^'''^ reich besetzt (Taf. I, Fig. 10). 

Abbildung des Hypopygiums: Westh. 1882, Tab. II, 
Fig. 14 (Lam. term. sup.), Tab. IV, Fig. 52 (Vesicula centralis), 
Tab. V, Fig. 65 (Adminiculum). 

Legeröhre ? hell rotbraun, glänzend, die oberen Lamellen 
gerade, an der Spitze abgestumpft. 

Größe: J Ib^/., m»/, 9 18 ))?///. 

Larve (Beling 1873) 18 i/ni/ lang, vorne spindelförmig 
verdünnt, gelbgrau, schwarz chagriniert. Oberseite des zweiten bis 
zehnten Hinterleibsringes mit vier in einer Querreihe stehenden 
Za^tfen, die an der Spitze ein kurzes Härchen tragen. (Stimmt 
nicht mit den Angaben in der analytischen Tabelle 1886 überein!) 
Oberseite des Stigmenfeldes mit vier, Unterseite mit zwei an der 
Innenseite schwarzgefleckten Hautzapfen. 

Puppe 16 — 18 f)i)n lang, gelbbraun. Stirnhörnchen kurz, 
nach abwärts gebogen, an der Basis geschwärzt, die Sjůt/e hell. 
Soll der Puppe von Tip. hortensis ähnlich sehen. 

Die Larven in humoser Erde, seltener in morschem Holze. 

Vorkommen: Die Art ist an schattigen Bächen im ersten 
Frühjahre häufig und mit T. nub eculos a eine unserer gemeinsten 
Arten. Ěičkatal bei Lösch 14. Mai, Schebetein bei Brunn 17. Mai, 
Czernowitz bei Brunn 21. Mai (hier selten!), Palackytal bei Bilo- 



87 

witz 16. und 25. Mai, Karthaus bei Brunn 2. Juni (von hier die 
erwähnten 9 $ mit fünf gelben Fühlergliedernj, Zwittatal bei 
Adamstal 25. Mai, Hobitschau bei AVischau und Tracht 17. Mai 
(leg. K. Landrock), Frain (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhraen(Kow. 1894), 
Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), Kärnten 
(Tief 188 7 J, Tirol (Palm 1869), Salzburg (Bergr. 1888), Galizien 
(Grzeg. 1873 und Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 1899), 
Küstenland (Strobl 1893), Siebenbürgen (Strobl 1896). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden (Zeti, 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), Rußland 
(Dwig.-Fedt. 1902), Holland (Wulp-Meij. 1898), England (Verr. 
1886), Frankreich (Macij.), Schweiz (Hug. 1888), Deutschland 
(Mgn. 1, Schumm. 1833, Westh. 1882), Italien (Bezzi). Sintenis 
und Lundström zählen sie nicht auf; sollte sie in Livland und 
Finland fehlen? 

Anmerkung. Tip. rufipennis Mgn., S. B. VI. 287 (1830) wurde von 
Verrall als Synon. zu pabulina gestellt. Mgn. beschreibt nur das $. Er nennt 
.,den Rückenscbild grau mit vier braunen Striemen; die mittelsten stoßen an 
der Quernabt zusammen und haben eine schwarze Linie zwischen- sich". Ebenso 
könnten auch die Striemen des Rückenschildes von pabulina beschrieben werden, 
wie dies Mgn. auch im 1. Bande getan hat. Warum spricht er aber dann bei 
truncorum, die knapp vor rufipennis beschrieben wird, von drei Striemen, 
deren mittelste dreizinkig ist? 

Die übrige Beschreibung paßt auf pabulina. 

Tip. stigmosa Macq. bei Mgn., VII. 33 (1838). Die Originalbeschreibung 
Macquarts kenne ich nicht. Verrall hat die Art als Syn. zu pabulina gezogen. 
Mgn. beschreibt nur das $ und sagt: „Der Tip. oleracea (!) ähnlich, Flügel 
etwas bräunlich mit gelblicher Wurzel und braunem Randmale." Sieht das 9 
der pabulina mit noch so blaß marmorierten Flügeln dem 5 der Tijj. oleracea 
wirklich so ähnlich, daß man an einen solchen Irrtum Meigeus denken könnte? 

8. T. nervosa Mgn., Syst. Beschr. I. 176 (1818); Schumm.. Beitr. 
z. Entom.III.55 (1833); Schin. IL 524 (1864); Kert. Kat. IL 297. 

Kopf und Stirn grau, letztere mit braunen Reflexen auf der 
Mitte. Schnauze grau, Rüssel und Taster schwarzbraun. 

Fühler länger als Kopf und Schnauze, das erste Glied grau 
und stark quer gerunzelt, die Geißelglieder fast schwarz, an der 
Basis mäßig verdickt. 

H a 1 s s t ü c k und P r o n o t u m grau, letzteres in gewisser Richtung 
braun schimmernd. : 



Thorasrücken gelbgrau; die breite braune Mittelstrieme 
besteht aus zwei seitlichen, ziemlich breiten Längssäumen, die eine 
feine, sehr schmale Längslinie einschließen. Letztere reicht bis zum 
Pronotum. während erstere kurz vor demselben abbrechen. Die drei 
genannten Längslinien vereinigen sich vor der Quernaht in einem 
Punkte und bilden sonach wie bei pabulina eine dreizinkige Gabel 
auf der Mitte des Rückenschildes. — Die Seitenstriemen sind etwas 
undeutlich; sie bestehen aus zwei braunen, sehr feinen, einen hellen 
Raum einschließenden Linien, die vorne verbunden, gegen hinten 
offen sind. Sie sind stark verkürzt und reichen nur bis zu den 
Humeralgrübchen. 

Brustseiten schiefergrau, die Notupleuraldepression schwach 
rötlichgelb. Alle Hüften schiefergrau, die Schenkelringe gelb. 

Beine schwarzbraun, die Schenkel an der Wurzelhälfte lichter. 

Flügel stark graubräunlich fingiert, schwach marmoriert. 

Randmal lichtln*aun. Die lichteren, kaum glashell zu nennenden 

Flecken heben sich nur wenig von der 
braunen Flügelfläche ab und sind nicht 
scharf begrenzt. Ein lichter Fleck liegt im 
Spitzenteile der hinteren Basalzelle. Un- 
deutliche weiße Flecken liegen vor dem 
Randmal. in der Spitze der vorderen Basal- 
■Fig. 4. zelle, in der mittleren Discoidalzelle und 

Tip. nervosa ^. -^^ ^^^ ceWixXn dise, posterior. AVeißliche 

(Hvp., Seitenansicht.) oi, -p ■ ^ • ■ r> i i i. 

Streiten sind (m gewisser Beleuchtung) m 

den vorderen Discoidalzellen, au der Si)itze der Cubitalzelle und 
der Radialzelle, an der Basis der hinteren Basalzelle und längs der 
Analader in der hinteren Posticalzelle und der Analzelle zu be- 
merken. Die Adern an der Flügelwurzel sind rostgelb gefärbt. 

Hinterleib einfarbig grau, ohne deutliche Rückenstrieme. 
An den Seiten unten eine gelblichweiße Längslinie, über welcher 
braune Schillerflecke liegen, als „wenn sich eine braune Seiten- 
strieme bilden wollte''. 

Hypopygium ähnlich gebaut wie bei T. pabulina; die für 
diese Gruppe charakteristische tiefe Furche, durch welche der 
obere Teil der neunten Bauchlamelle von dem unteren Lamellenteil 
getrennt wird, wie bei pabulina und truncorum vorhanden. Die 
Behaarung der unteren Lamelle ist aber viel kürzer und schütterer 
als bei pabulina; besonders fällt das Fehlen des dichten Haar- 




89 

biischels auf. der bei jener Art aus dem klaffenden achten Bauch- 
segment vorsteht. 

Größe: 15 mm. 

Metamorphose nicht bekannt. 

Vorkommen: Bei uns äußerst selten. Ich besitze 1 cT vom 
Altvater, 16. August, 1 2 vom Badhost, 13. August i leg. K. Landrock). 

Verln-eitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Steiermark (Strobl 1894, Bergr. 1888), Kärnten (Strobl 1900), 
Salzburg (Bergr. 1888), Küstenland (Strobl 1893), Galizien (Now. 
1873), Ungarn (Thalh. 1899), Siebenbürgen (Strobl 1896). 

GeograjDbische Verbreitung in Europa: Soviel mir be- 
kannt, ist diese Art nur noch in Deutschland aufgefunden worden. 
(Mgn. I, Schumm. 1833, Westh. 1882). 

Anmerkung 1. Mgn. kannte nur das $, das er I, 176 (1818) beschreibt, 
aber VI, 285 (1830) wieder einzieht und als „bloße Abänderung" zu pabu- 
lina stellt. 

Scliummel 1833 kannte beide Geschlechter. Als Unterschiede gibt er an: 

1. Die Basalglieder der Fühler sind bei nervosa grau, bei pabuliua gelb. 

2. Der Hinterleib ist aschgrau, nicht gelbbraun wie bei pabulina. 

3. Die Schenkel an der Basis nur wenig braunrot. 

Bergroth 1888 erwähnt zwei Exemplare von nervosa, bei denen die 
mittlere Discoidalzelle often ist und mit der dritten Hinterrandzelle zusammen- 
schmilzt. Er meint, daß dies vielleicht Ron dani s Gattung Alophroida sei. 

Anmerkung 2. Von Arten mit dreistriemigem Thorax kämen noch 
in Betracht: crassicornis Zett. X, 3933 (1851) und trifasciata Low, Ztschr. 
f. d. ges. Naturwiss. XXA^I, 135 (1865), Bergr., Mitteil. Naturforsch. Ges. Bern, 
1890, 137 (1891), Syn. quadrivittata Hug. 1888 nee Staeg. Erstere dürfte 
eine hochnordische Art sein, obwohl sie Strobl 1894 aus Steiermark aufzählt; 
seine Beschreibung stimmt aber nicht ganz mit der Lundströms 1907 überein. 

T. trifasciata Low, aus Thüringen, Steiermark und der Schweiz 
bekannt, könnte auch bei uns vorkommen. Sie unterscheidet sich von allen 
anderen Tipula-Arten dadurch, daß der obere Ast der Radialader vollständig 
fehlt. Von mutila "Wahlgr., mit welcher sie diese Eigentümlichkeit des Flügel- 
geäders gemein hat, wird sie der dreistriemige Thoraxrückeu unterscheiden. 

Auch Tip. arctica Curt. ^ T. nodulicornis Zett., eine hochnordische 
Art und Tip. guttipennis Wdm., Mgn. I, 171 dürften in diese Abteilung 
gehören. 

9. T. variipeuuis Mgn., Syst. Beschr. I. 183 (1818); Schumm., 
Beitr. z. Ent. III (1833); Schin. II. 513 (1864) ; Kert. Kat. IL 
311; iiigricornis Macq., Recueil Soc. Sc. Agric, Lille, 129 
(1826); Mgn., VII. 34 (1838); simplicicornis Zett., Ins. Läpp., 
Dipt. 841 (1838). 



90 

Kopf schwarzgrau, Stirne grau mit dunkler Läng^strieme 
und braunen Reflexen am Augenrande. Schnauze, Rüssel und 
Taster schwarzbraun. 

Fühler ganz schwarz (var. nigricornis Macq.) oder das 
zweite Fühlerglied rotgelb; Geißelglieder an der Basis verdickt. 

Halsstück und Prothorax graubraun. Thoraxrücken mit 
vier scharf ausgeprägten, braunen Rückenstriemen, die seitlichen 
verkürzt. Brustseiten grau, Notoi)leuraldepression rotgelb. Hüften 
grau, Schenkelringe gelb. 

Beine schwarzbraun, nur die Schenkel an der Basis aus- 
gebreiteter gelb. 

Flügel lebhaft marmoriert, an der Wurzel und am Vorder- 
rande bis zu einem glashellen, kleinen Fleck vor dem Randmale 
gelblich. 

Auffallende braune Flecken liegen: ein brauner Schattenfleck 
unter dem Randmale, der als blasser Wisch bis zur mittleren 
Discoidalzelle hinzieht; ein kleiner Fleck am Ursprünge der Ra- 
dialader, ein stärkerer brauner Schatten in der Mitte der hinteren 
Basalzelle und ein blasser an der Spitze derselben Zelle. Die Aste 
der Posticalis braun gesäumt. Die hintere Posticalzelle, die Anal- 
und Axillarzelle fast ganz grau, nur in der Mitte der cell, analis 
liegt ein glasheller Fleck und im Spitzenteile derselben Zelle ein 
kleiner, undeutlicher, glasheller Streifen. 

Innerhalb der braunen und grauen Stellen liegen folgende 
wasserklare Binden und Flecken: Eine auffallende Binde an der 
Flügelspitze, die hinter dem Randmale an der Costa beginnt und 
durch die mittlere Discoidalzelle zum Flügelhinterrande geht, so 
daß die Cellula dise, posterior (vierte Hinterrandzelle) fast ganz 
wasserklar bleibt. Auffallende glashelle Stellen liegen dann ferner 
im Spitzenteil der vorderen, auf der Mitte der hinteren Basalzelle 
und in der Analzelle. 

Die Adern au der AVurzel gelblich, auf der Flügelfläche 
schwarzbraun und sehr stark. Der obere Ast der Radialis ist ab- 
gebrochen und erreicht die Costa nicht. (Flügelgeäder siehe bei 
Schumm. 1833, Tab. I, Fig. 6.) 

Hinterleib dunkelaschgrau, vom zweiten Ringe an mit 
gelbrot gesäumten Hinterleibsrändern und ebenso gefärbten Seiten- 
striemen. Die Basis des ersten Rinoes oft s;rau. 




91 

Hypopygium nur mäßig verdickt und behaart. Lame 11 a 
terminalis sup er a tief ausgebuchtet, in der Mitte der großen 
Bucht eine kleinere Ausbuchtung, deren Spitzeurand in einen 
Zahn ausgezogen ist. Die stumpfen Seitenecken wulstförmig nach 
unten gebogen. Ajjpend. superae gelblich, stark, aber nicht be- 
sonders lang behaart. 

Append. intermediae siehe bei der nächsten Art. 

Hypopygium: Westh. 1882, tab. II, Fig. 16 (Lam. term. 
supera), tab. V, Fig. 61 (Penisspitze), tab. V, Fig. 66 (Adminiculum). 

Das Weibchen gleicht dem Männchen, nur 
sind die Fühler wie gewöhnlich bedeutend kür- 
zer, die Beine sind robuster, namentlich die 
Vorderschenkel an der Spitze deutlich verdickt; 
die braunen Flecke der Flügel sind dunkler, die 
grauen Flecke aber treten unbestimmter auf, wes- 
halb die glashellen Stellen viel weniger scharf be- 
grenzt erscheinen als beim J'. Bei einem Q ist die rv ?.' ■ . ^ 
^ iip. varupennis J^. 

mittlere Discoidalzelle auf beiden Flügeln offen. (Hyp. Seitenansicht.) 
Die Legeröhre ist pechbraun, die oberen La- 
mellen von mäßiger Länge und an der Sj^itze abgerundet. Strobl 
1894 erwähnt, daß die Flügel des ? bisweilen kürzer als der eben- 
falls kurze, dicke Hinterleib sind, „eine Forma brachyptera analog 
vielen Hemipteren". 

Größe: 15 — 17 mm. 

Die Larve (Beling 1886) ist schmutzig gelbgrau bis schwärz- 
lich, fein gekörnelt, mit Querreihen von schwarzen steifen Härchen 
auf den einzelnen Segmenten. Das Stigmenfeld ist von sechs Haut- 
zapfen umgeben; die vier Hautzapfen am Oberrande des Stigmen- 
feldes sind kurz und spitzig, die inneren sind kürzer als die 
äußeren, letztere an der Innenseite mit schwarzbraunem, schmalem, 
erstere mit breitem Längsstriche. Die beiden unteren Stigmenfeld- 
zapfen im oberen Teile an der Innenseite geschwärzt und unter- 
halb der Schwärzung mit zwei kleinen, schwarzbraunen Punkten. Ein 
brauner Punkt steht zwischen den schwarzbraunen, heller geran- 
deten Hinterstigmen. 

Die Puppe (Beling 1873) ist bräunlichgelb, der Thorax- 
rücken mit unregelmäßigen schwarzen Flecken besetzt. Vor der 
Stirne zwei kurze, an der oberen Hälfte lichte Hörnchen und vor 
denselben vier stumpfe Höcker im Viereck. Letzter Hinterleibsring 



92 

9 endet in eine aus vier zusammengewachsenen Klappen bestehende, 
stumj^fe Spitze. In der Bedornung des Hinterleil)es ist die Puppe 
der von Tipula scripta ganz ähnlich. 

Die Larven in feuchter Erde, die Puppen in der Erde unter 
Gebüsch. Westh. 1879 fand die Puppen zwischen dem Gerolle 
eines Flusses. 

Vorkommen: In grasreichen Wiesen der Czernowitzer Au 
bei Brunn nicht selten. Ende April, Mai. 

Verbreitung in Osterreich- Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Niederösterreich (Strobl 1880), Steiermark (Bergr. 1888, Strobl 
1894), Kärnten (Tief 1887), Tirol (Palm 1869), Vorarlberg (Bau 
1910), Galizien (Grzeg. 1873, Now. 1873), Ungarn (Thalh. 1899), 
Bosnien (Strobl). 

Geographische Verbreitung in Europa: Die Art ist 
in Europa weit verbreitet und auch aus Sibirien (Erichs., Middend.: 
Reise in den äußersten Norden und Osten Sibiriens. 1851) be- 
kannt. Norwegen (Siebke 1877), Schweden (Zett., Wall. 1882, 
Wahlgr. 1905), Finland i Lm. 1907), Livland (Sint. 1884^, Euß- 
land (Fedt. 1891), England (Verr. 1886), Holland (Wulp-Meij. 
1898), Frankreich (Macq.: nigricornis), Deutschland (Mgn. I., 
Schumm. 1833, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 1888). 

10. T. pseudovariipeuiiis Czk., Verh. zool.-bot. Ges.,Wien, LXII. 
1912. pag. 49—54. 

Gleicht der variipennis und ist wohl oft mit ihr verwechselt 
worden. 

Kopf schwarzgrau; Stirne grau mit einer gegen den Scheitel 
immer deutlichen dunkleren Längslinie und spärlicher, kurzer, 
schwarzer Behaarung; Rüssel und Taster schwarzbraun, ersterer 
an den Seiten schwach rötlichgelb. 

Fühler des c? etwas kürzer als der Thorax; das erste Basal- 
ied ötlichgelb, an der Basis grau bereift, das zweite ganz rot- 
gelb, das dritte rötlichbraun, an der Spitze verdunkelt. Die übrigen 
Geißelglieder schwarzbraun, am Grunde nur wenig verdickt. 

Halsstück rötlichgelb; Pronotum grau, oben mit einem 
braunen Schattenfleck. Thoraxrücken mit den gewöhnlichen vier 
n Längsstriemen wie bei varii]) ennis. Brustseiten grau, 
Notopleuraldepression gelb. 

Hüften grau bereift, Schenkelringe gelb. 



93 

Beine schwarzbraun, die Schenkel aber zum größten Teile 
gelb und nur an der Spitze geschwärzt. 

Flügel blässer marmoriert als bei varii]iennis, aber noch 
immer sehr deutlich gefleckt. Die braunen Flecke liegen an den- 
selben Stellen wie bei variipennis, doch ist das üandmal blässer, 
der Wisch, der sich von letzterem zur mittleren Discoidalzelle hin- 
zieht, ist undeutlicher. Auch der braune Fleck am Ursprung der 
Radialis ist kleiner und undeutlicher. Ebenso ist der blaßgraue 
Fleck in der Mitte der hinteren Basalzelle blässer, die Spitze der 
Basalzelle aber ausgebreiteter grau getrübt, weshall) auch der glas- 
helle Fleck zwischen den beiden trüben Schatten dieser Zelle 
kleiner ist und nicht so auffällt wie bei varii])ennis. 

Die Flügelspitze ist deutlich grau getrübt; vor dieser Trübung 
liegt wie bei variipennis eine klare wasserhelle Binde, die immer 
deutlich hervortritt, wenn der Flügel gegen einen dunklen Hinter- 
grund gehalten wird. Dann erscheint auch die cellula discoidalis 
posterior wasserklar. Der Vorderast der Radialis ist abgebrochen. 

Hinterleib rotgelb, die letzten Segmente verdunkelt. Bei 
zwei J ist der Hinterleib einfarbig, rostgelb, bei einem c^ wird 
eine nicht sehr deutliche braune Rückenstrieme sichtbar. Der 
Seitenrand der Segmente ist gegen die Bauchseite hin heller ge- 
färbt, so daß durch diese Färbung jene hellen Seitenstriemen ent- 
stehen, die auch bei variipennis auftreten. Dagegen fehlen bei 
pseudovariipennis die hellen Binden an den Hinterleibs- 
einschnitten vollständig. 

Hypopygium mäßig verdickt, die unteren Endlamellen zart 
gelblich, nicht lang und auffallend behaart. Die Lamella terminalis 
supera nicht wesentlich verschieden von jener der variipennis. 
Die Appendices superae et intermediae beider Arten zeigen zwar 
große Ähnlichkeit, doch treten schon auf den ersten Blick charak- 
teristische Verschiedenheiten in der Bildung dieser Anhänge auf. 

Die Appendices superae sind bei beiden Arten rein gelblich, 
aber bei pseudovariipennis (in jeder Lage) viel schlanker ge- 
baut und auch viel länger behaart. Auch ist ihr Spitzenteil mehr 
abgerundet. 

Die Appendices intermediae bestehen bei beiden Arten aus drei 
Teilen, sind von gelblicher Farbe und ohne besonders auffallende 
Behaarung. Die beiden oberen gegen die Lamella terminalis su])era 
gerichteten stum])fen Sintzen sind glänzend braunschwarz. 



94 

Am Untevrande der Appendix, der stark gegen die Innen- 
fläche aufgebogen ist, fällt ein dritter Teil auf in Form eines 
kleinen Zahnes, der bei ps eudovariipennis sehr spitz ausläuft, 
von beträchtlicher Größe und glänzend schwarzbrauner Farbe ist. 
Dieser Zahn fehlt bei variipennis zwar nicht, ist aber sehr klein, 
an der Spitze wenig vorgezogen und kaum dunkler als die übrige 
Fläche der Appendix (vgl. die Abbildung in Verh. d. zool.-bot. 
Ges., Wien, 1912, S. 52). 

Das Weibchen gleicht dem Männchen, doch ist das erste 
Fühlerglied in ausgebreiteterer Weise grau und die Flügel sind 
lebhafter und deutlicher marmoriert. Von dem $ der variipennis 
unterscheidet es sich : durch das deutlich rote dritte Fühlerglied, 
durch die weniger robusten Beine und die an der Basis ausgebrei- 
teter gelb gefärbten, an der Spitze weniger verdickten Schenkel; 
durch die (im Vergleiche zu varii])ennis) blasseren graubraunen 
Flecke der Flügel; durch den gelbroten, bei variipennis immer 
dunkelaschgrauen Hinterleib; endlich durch die längere Legeröhre, 
die längere und feinere obere Klap] >en])a are besitzt. 

Größe: J 18mm, 9 20— 22 »im. 

Vorkommen: Mähren: Bilowitz bei Brunn, 27. Mai 1 (S, 
Karthaus, 2. Juni, Zwittatal bei Adamstal, 25. Mai 2 cTJ und 
Josefstal, Hobitschau bei Wischau (leg. K. Landrock). 

Anmo-kuug 1. Scbiiier und Schummel scheinen bereits beide Formen 
vorgelegen zu sein. Während Zett. den Hinterleib seiner variip. als „laete 
cinerea" bezeichnet, sagt Schiner: „Hinterleib schwäi'zlichgrau oder braun- 
grau" und dasselbe gibt auch Schummel an. Von der Flügelspitze sagt Schiner, 
daß sie nur sehr blaß bräunlich ist. Endlich aber erwähnt Schummel, 1. c. 
pag. 39, als Anhang zu variipennis eine Varietät : „Bei einer Abart ist bei çf 
und 9 das dritte Fühlerglied nebst dem zweiten rostgelb und der Hinterleib mehr 
blaßbräunlich rostfarben mit braungrauer, verwaschener ßückenstrieme. Durch 
diese Abart kann wohl ein Übergang in die vorbei- beschriebene Art (T. sub- 
marmorata) stattfinden und diese vielleicht eingehen." — Auch Westh. 1879, 
p. 43, erwähnt ein ^ rinit auffallend hellfarbigem Abdomen." 

Anmerkung 2. T. obscurinervis Wahlgr. (Diagnosen neuer schwe- 
discher Polyneuren, Entom. Tidskrift, Stockholm 1905), deren Beschreibung 
auf meine Q 9 etwas paßt, kann nicht in Betracht kommen, da bei obscuriu. 
(nur das $ bekannt!) nebst anderen Verschiedenheiten der obere Ast der Ra- 
dialis vollständig ist. 

Bei Tip. hortulana Mgn. sind die acht ersten Fühlerglieder hellgelb, die 
Taster nicht dunkel braunschwarz, die Rückenstriemen treten nicht so deutlich 
hervor, die Flügel sind weniger gefleckt und das Hyp. anders gebaut. 



95 

Tip. eine reo-cincta Lm. 1907 muß der T. pseudovariip. ähnlich 
sehen, ist aber doch, soviel ich der Beschreibung entnehme, von ihr verschie- 
den. Bei T. cinereo-cincta (nur das ç^ bekannt) sind die zwei Basalglieder ganz, 
das dritte an der Basis gelb. Der Hinterleib ist an der Basis aschgrau, sonst 
rotgelb. Die Flügelzeichnung von cinereo-cincta stimmt nicht mit pseudovarii- 
pennis überein, denn bei ersterer reicht die Halbbinde nur bis in die Mitte 
der mittleren Discoidalzelle und die cell. dise. post. (vierte Hinterrandzelle) ist 
ganz grau (Lm. 1907, Fig. 35). Auch die Zeichnung des Hyp. (1. c, Fig. 21 
und 22) paßt nicht auf die vorliegende Art. 

Tip. submarraorata Schuram. 1833, p. 35. 9) von der Schummel 
selbst sagt, daß sie der T. variipennis sehr ähnlich sehe, ist eher S.yn. zu 
hortulana (wie Verrall annimmt), aber mit dem Ç von pseudovariip. nicht 
identisch. Schummel sagt von submarmorata: „Fühler schwarzbraun, die drei 
ersten Glieder rotgelb, Taster rotgelb mit dunkelbraunem vierten Gliede, 
Flügel mit wenigen blaßgrauen Flecken." 

11. T. hortulana Mgn., Syst. Beschr. I. 117 (1818); Kert. Kat. IL 
290; flavirostris Staeg., Naturh. Tidskr. 8. 7. (1840); Zett. 
Dipt. Scand. X. 3923. (1851); hiridorosfris Sclnim., Beitr. z. 
Ent., III. 30 (1833); submarmorata Schum., Beitr. z. Ent., 
III. 36 (1833). 

Ich gebe die Beschreibimg meines einzigen cf, das im Bau 
des Hypop. mit Lundströms Abbildung (1907, tab. I, Eig. 13) 
übereinstimmt, von der Beschreibung Meigens aber etwas abweicht. 
Von variip. und f)seudovariip. unterscheidet es sich durch die sehr 
schwach marmorierten Flügel, die lichtgell)en, an den Schenkel- 
und Schienenspitzen kaum verdunkelten Beine (nur die Tarsen 
sind braun) und die hellgelben ersten drei Eühlerglieder. 

Kopf grau, Stirn ohne deutliche Zeichnung. Rüssel gelb- 
rot, Taster gelb, letztes Glied braunschwarz. Fühler so lang wie 
der Thorax, die ersten drei Glieder lebhaft gelbrot, die übrigen 
braunschwarz. 

Bücken sc hi Id gelblichgrau mit vier braunen Striemen, die 
(bei meinem Stücke!) bei weitem nicht so deutlich hervortreten wie 
bei variipennis. Brustseiten grau, Notopleuraldepression gelblich. 
Hüften grau. Schenkelringe gelb. 

Beine lichtgelb, kaum die Spitzen der Schenkel und Schienen 
braun, Tarsen verdunkelt. 

Flügel stark gelblichgrau fingiert, die weißen Flecken un- 
deutlich. Eine glashelle Stelle liegt vor dem Randmale, die weiß- 
liche Halbbinde hinter demselben reicht von der Costa undeut- 



96 

lieh bis in die cellnla dise, posterior. Ein größerer weißer Fleck 
liegt in der hinteren Basalzelle mehr gegen die Spitze der Zelle 
zu. Randmal bräunlieh, deutlich abgesetzt. Die Flügelspitze nur 
wenig grau, weshalb sieh wohl die weiße Binde so wenig abhebt. 
Flügeladern gelbbraun, an der Wurzel gelblieh; der obere Ast der 
Radialis ist vor seinem Ende abgebrochen. 

Hinterleib gelbrot, die letzten Ringe braun. Die von 
Mgn. erwähnten Rücken- und Seitenstrieraen sind bei meinem 
Stücke undeutlich. 

Hypopygium mäßig verdickt. Abbildung siehe Lm. 1907, 
tab. I, Fig. 13; Westh. 1882, tab. III, Kig. 40 (Muskelappar. der 
App. intermediae), tab. IV, Fig. 50 (Vesicula centralis). 

Das Weibchen, das ich nicht kenne, soll nach Mgn. 1. c. 
einen dunkelgrauen, seidenartigen Hinterleib mit hellen Ein- 
schnitten und einer nicht sehr deutlichen braunen Rückenstrieme 
besitzen. Die Legeröhre ist fein, gerade, spitzig und rostgelb. 

Größe: J 14 7nm. 

Die Larve (Beling 1886) ist l'u mm lang, gelblichgrau mit 
schwärzlichem Schimmer. Die mittleren der vier Hautzapfen am 
Oberrande des Stigmenfeldes auf der Innenseite mit breitem 
Längsstriche oder die ganze Innenseite schwarzbraun. Die zwei 
unteren Zapfen an der Spitze der Innenseite mit großem schwarz- 
braunem Fleck, an der Basis mit einem oder mehreren kleineren 
Punkten oder die ganze Innenseite schwarzbraun. Zwischen den 
beiden Hinterstigmen ein brauner Punkt. 

Puppe rostbraun. Hinterleib auf der Ober- und Unterseite 
mit starken Dornenzähnen in Querreihe. Endsegment von acht 
Zapfen umgeben, von denen je drei auf der Oberseite, zwei auf 
der Unterseite, je einer an den Seitenkanten stehen. 

Die Larven leben unter Laub, Geniste und besonders gerne 
unter Moosj)olstern am Fuße alter Bäume im Walde. Sie sollen 
sich zeitig im Frühjahre ver])up])en. 

Vorkommen: Scheint sehr selten zu sein. Ich l)esitze nur 
ein rf aus der Umgebung von Brunn. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Siebenbürgen (Strobl 1896), Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 
1899), Galizien (? luridorostris Schumm., Now. 1873). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett, Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Finland (Lm. 1907), England 



97 

(Verr. 1886), Frankreich (Macq.), Holland (Wiili)-Meij. 1898), 
Deutschland (Mgn. I., Schumm. 1833, Westh. 1882). 

Anmerkung 1. Mgn. nennt die Beine von bortulana dunkelbraun, 
die Schenkel an der Basis rosťgelb, was allmählich in Brann übergeht. Zett.: 
„pedibus flavescentibus, femornm tibiarnmque apice tarsisqne obseuris." 

Anmerkung 2. Tip. luridor ostris Schumm. p. 30, 1833, ist wohl 
sicher Synou. zu hortulana Mgn. Allerdings spricht Schummel davon, daß bei 
luridorostris hinter dem Randmal eine weiße Binde vom Vorderrande bis 
zum Hinterrande des Flügels geht. Schummel hat diese Art nicht als 
hortulana Mgn. angesprochen, weil sie einen rostgelben, hortulana aber nach 
Mgn. einen dunkelgelben Hinterleib besitzt. 

Nach Verrall 1886 ist auch Tip. submarmorata Schumm. 1^33, p. 3(), 
Synonym zu hortulana. Der Hinterleib des $ (nur dieses bekannt) ist nach 
Schummel schwärzlichgrau. Da luridorostris einen rostgelben Hinterleib besitzt, 
wäre also das Abdomen des Weibchens bald grau, bald gelb, wenn diese Ver- 
schiedenheit in der Färbung des Hinterleibes nicht damit zusammenhängt, daß 
der rotgelbe Hinterleib solcher Weibchen, die durch den Tod an der Eiablage 
gehindert werden, erwiesenermaßen nicht nur immer stark zusammenschrumpft, 
sondern auch seine ursprüngliche Farbe stets verliert. 

12. T. iiTUťiita Macq., Eec. Soc. Sc. Agric. Lille 130 (1826); Kert. 
Kat. IL 291; nilcans Zett., X. 3930 (1851); pictipennis Stneg., 
ííatiirh. Tidskr. IIL 9 (1849); Schin. IL 514 (1864). 

Auch von dieser Art kenne ich nur ein mährisches Stück, 
noch dazu nur ein V aus der Sammlung Sieb eck, das irrtümlich 
als horten sis bestimmt war. 

Die Fühler dieses Exemplars sind schwarzbraun, die Basal- 
giieder reingelb. 

Der graue Thoraxrücken hat vier dunkle Längsstriemen. 

Der Hinterleib ist rostrot, die letzten Ringe stark verdunkelt. 

Legeröhie ziemlich lang, das Basalstück dunkel kastanien- 
braun, die oberen Lamellen gelb, die unteren halb so lang wie 
die an der Spitze ziemlich stumpfen oberen. 

Flügel sehr auffallend marmoriert; der obere Ast der 
Radialis vollständig, aber gegen sein Ende iwischeinbar. (Schummel 
sagt: unvollständig, und auch Lundström erwähnt ein ?, bei dem 
der Vorderast der IL L. A. abgebrochen ist.) Von dem intensiv 
braunen Randmale geht ein brauner Schatten bis zur mittleren 
Discoidalzelle herab. Am Ursprünge der Radialis liegt ein großer 
brauner Fleck. Glashell erscheinen innerhalb der übrigen braunen 
Flügelzeichnung: Ein glasheller Fleck vor dem Randmale, der die 

Zeitschrift des iiiülir. Landesmuseiinis. XIII. 7 



98 

Basis der Subcostalzelle ausfällt und in die vordere Basalzelle 
hineinreicht. 

Eine viel größere Avasserldare Binde liegt hinter dem Band- 
male; sie beginnt am Flügelrande und geht über die Basis der 
Radialzellen in die Cubitalzelle, die sie ganz ausfüllt; mit einem 
kleinen Fleckchen reicht sie bis in die vierte Hinterrandzelle, die 
sonst braun ist. Die äulierste Basis der Radialzellen und der 
Cubitalzelle bleibt aher braun, da der vom Randmale zur mittleren 
Discoidalzelle über die Queradern herabziehende braune Schatten 
in diese Zellen hineinreicht. 

In der vorderen Basalzelle liegt außer dem vorerwähnten 
glashellen Fleck an der Spitze noch ein wasserklarer Fleck vor 
der Mitte; die ganze Basis dieser Zelle ist ebenfalls glashell. 

Sehr charakteristisch sind die zwei großen wasserhellen Flecken 
in der hinteren Basalzelle. Der eine füllt die ganze Basis dieser 
Zelle aus; hinter dem braunen Schatten, der nun folgt, liegt ein 
weiterer großer, wasserklarer Fleck, der oben in einem schmalen 
Streifen bis an die Spitze der Zelle reicht. 

Die hintere Posticalzelle ist an der Basis und Spitze wasser- 
klar. In der Analzelle liegt ungefähr auf der Mitte ein großer 
wasserklarer Fleck; zwei kleine Fleckchen liegen am Flügelrande, 
der eine dort, wo die Analis in den Flügelrand mündet. 

Größe: $ 2] nun. 

Das r? kenne ich nicht. Es wird von longicornis, in dessen 
unmittelbare Nachbarschaft Schiner die Art stellt, durch die 
kürzeren Fühler, das kleinere Hypopygium und die charakteristi- 
schen zwei glashellen Flecke in der hinteren Basalzelle zu unter- 
scheiden sein. 

Schummel 1838 und Strobl 1894 geben an, daß die 
Flügel dieser Art violett schimmern, wenn sie gegen das Licht ge- 
halten werden. Besonders auffallend ist dieser Schimmer bei dem 
mir vorliegenden Stück nicht. 

Die Larve und, Puppe von T. irrorata Macq. beschrieb 
Beling 187:>. In den Verhandlungen der Zoologisch-botanischen 
Gesellschaft 18S6 beschreibt er die Larve und Puppe von T. mi- 
ca n s Zett (= irrorata Macq.). Die beiden Beschreibungen weichen 
derart voneinander ab, daß es ausgeschlossen ist, daß Beling 
Larven und Puppen ein und derselben Art vor sich hatte. Auch 
in der analytischen Tabelle hält er micans Zett. und irrorata 



99 

(diesmal unter dem Nnmen })ictipennis Staeg.) streng auseinander. 
T. micans Beling kann daher nicht als Syn. zu seiner T. irro- 
rata-picti])ennis gezogen werden; jedenfalls liegt eine Verwechslung 
mit einer andern ähnlichen Art vor. 

Die Larven seiner irrorata fand Beling unter dem Moos- 
überzug eines stark in Verwesung begriffenen alten Eichenstockes, 
andere Larven und Puppen in faulen Stöcken von Buchen, Erlen, 
Birken und Salweiden, seltener unter der Laubdecke des Bodens. 

Vorkommen: i 9 aus Prain in Südmähren (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
18;)4), Schlesien (Strobl 1900), Niederösterreich (Strobl 1880), 
Kärnten ^Strobl 1900), Galizien (Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873, 
Thalh. 1899), Küstenland (Strobl 1893). 

Geographische Verbreitung in Euro]ta: Schweden (Zett.. 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877j, Finland (Lm. 
1907), Livland (Sint. 1888), Holland iWulp-Meij. 1898), Frankreich 
(Mac(i.i, Deutschland (Mgn. VII, Schumni. 1833, Westh. 1882), 
Schweiz iHug. 1888). 

13. T. loiigieornis Schumm., Beitr. z. Entom. III. 1833: Schin. 
IL 514 (1864); Kert. Kat. IL 293. 

Ko])f gelblichgrau, Stirn mit undeutlicher, schwärzlicher 
Längslinie. Schnauze und Taster rostgelb, die letzten Glieder der- 
selben verdunkelt. 

Fühler länger als Kopf und Thorax zusammengenommen. 
Die zwei Basalglieder und das dritte Glied an der Basis lebhaft 
rotgelb. Die Geißelglieder schwarzbraun, sehr lang, vom zweiten 
angefangen auf der Unterseite sanft bogig ausgebuchtet, an der 
Basis etwas, an der Spitze deutlich verdickt. (Abbild. Schumni. 1833, 
Tab. I, Fig 7.) 

Thoraxrücken gelbgrau mit vier deutlichen braunen Striemen, 
die seitlichen vorne verkürzt, nach abwärts gebogen, einen hellen 
Kern einschließend. Brustseiten grau, Notopleuraldepression 
gelb. Hüften schwach grau bereift. Schenkelringe gelb. 

Beine schwarzbraun, die Schenkel bis auf die schwarzbraune 
Spitze gelb. 

Flügel grau fingiert, die Flügelwurzel, die Costal- und 
Mediastinalzelle gelblich. Das braune Randmal und ein braunes 

7* 



100 

Fleckchen am [Jrsprunge der Eadialader heben sieh von der grauen 
Flügelfläche stark ab. 

Die glashellen Stellen der Flügel sehr auffallend. Ein kleiner 
wasserklarer Fleck liegt über der Mündung der Mediastinaiis in 
die Subcosta in der Costalzelle. Eine große wasserklare Halbbinde 
liegt hinter dem E,andmale: Von der Spitze der Stigmenzelle aus- 
gehend, füllt sie die Basis der Radi;»lzellen und der Cubitalzelle 
aus; doch bleibt die äußerste Basis der zweiten Lladial- und der 
Cubitalzelle grau, da vom Eandmal über die Basis der Cubitiil- 
zelle und die kleine Querader ein Schattentleck bis zur mittleren 
Discoidalzelle hinabreicht. Die glashelle Binde geht dann, die 
mittlere Discoidalzelle fast ganz ausfüllend, bis in den Sijitzenteil 
der cellula discoid. posterior. Ein kleiner, wasserklarer, aber 

nicht sehr deutlicher Fleck reicht gleich- 
sam als Fortsetzung dieser Binde auch 
in die cellula posticalis anterior. 

Lichtere Streifen, die mit der er- 
wähnten Binde nicht zusammenhängen, 
liegen im Spitzenteile der Cubitalzelle 
Fi"-. 6. Tip. lono-icoriiis {. '^^^*^^ ^^^' vorderen Discoidalzellen. Ein 
(Hyp., von der Seite.) großer, klarer Fleck erscheint nahe der 
Spitze der cell, basalis posterior. In der 
cell, posticalis posterior zwei längliche, nicht sehr deutliche, weiííe 
Flecke und eine klare Stelle nahe der Basis in der Analzelle. 

Hinterleib rotgelb mit deutlicher schwarzbrauner Kücken- 
strieme und undeutlichen Seitenstriemen. 

Hypoi)ygium außerordentlich groß und ziemlich stark auf- 
gebogen. Die Lameila bas. infera etwas abstehend, der Spitzenrand 
tief ausgebuchtet, „das Lumen der Ausbuchtung mit einer weißen 
Membran bespannt, welche in der Mitte einen chitinisierten Längs- 
kiel besitzt." (VVesth.) 

Lameila term. su])era in zwei seitliche stum])fe Ecken endigend, 
der Spitzenrand der Einbuchtung etwas vorgezogen und unregel- 
mäßig gezähnt. 

Lameila termin. infera außerordentlich groß und stark 
gefurcht. Eigentümlich ist bei dieser Art eine membranartige 
Erweiterung der neunten Bauchlamelle, die durch eine deutliche 
Furche von der übrigen Fläche der Lamelle getrennt ist und an 
der Ventralseite in zwei membranöse, gegeneinandergekehrte Spitzen 




101 

ausgezogen ist. zwischen denen die Arme des Adniiuiculums sichtbar 
werden. Trotz dieser außerordentlich großen Entwicklung der 
neunten Bauchschiene ragen die inneren Copulationsorgane bei 
dieser Art stets weiter vor als bei anderen Arten. So steht der 
f.'idenförmige Penis meist weit vor und das Adminicnlum (in der 
Seitenansicht die Arme desselben) sind auch ohne Zerlegung des 
Hypopygiums immer deutlich sichtbar. 

A]))iendices su])erae lang, .,ohrenförmig" (Westh.), breit lan- 
zettlich, an der Spitze etwas gegen die Innenseite gel)ogen, rein 
gelblich und an der Außenseite lang gelb behaart. 

Die Appendices intermediae scheibenförmig, gelblich, in eine 
scharfe, nach oben gerichtete, bräunliche S]i)itze ausgezogen; an 
der kanimartig erweiterten Oberseite mit langen, gelben Haaren, 
an der Ijreiten Unterseite mit borstenähnlichen, langen, gell)en 
Haaren, die auf Wärzchen sitzen, dicht besetzt. In der Mitte der 
Oberseite schiebt sich ein zweiter, knopfförmiger, bräunliclier, mit 
stachelähnlichen Haaren besetzter Teil vor. Die A])i)endices bieten 
in jeder Lage ein anderes Bild, sind aber an der charakteristischen 
knopfartigen Erweiterung leicht zu erkennen (vgl. Taf. I, Fig. 14). 

Hypo])ygium: Westh. 1882, Tab. I, Fig. 4 (Hypopygium von 
unten); Tab. IV. Fig. 48 (innere Copulationsorgane); Lm. 1907, 
Tab. II. Fig. 14 (Hypoj^ygium). 

Das 9 gleicht dem J, besitzt aber kürzere Fühler mit ge- 
wohnlich gebauten Geißelgliedern. Der Hinterleib ist mehr grau 
gefärbt. Die Legeröhre ist mäßig lang, braunschwarz, die oberen 
Lamellen an der Spitze abgerundet. 

Größe: 16 — 18 unii. 

Die Larve (Beling 1886j ist aschgrau oder bräunlich; den 
Rücken entlang gehen zwei, scharf sich abhebende, hell durch- 
scheinende Tracheen. Von den vier oberen Zapfen des Stigmen- 
feldes sind die äußeren, längeren an der Basis der Innenseite mit 
einem schwarzbraunen, dreieckigen Flecken, die inneren, kürzeren 
mit einem schwarzbraunen Striche versehen. Die zwei unteren 
Zapfen sind an der Innenseite mit einem bogenförmigen, schwarz- 
braunen Fleck gezeichnet; unterhalb dieser Zeichnung liegen zwei 
kleine, braune Punkte. 

Die Puppe ist schmutzig bräunlichgelb; die beiden Stirnhöcker 
sind kurz und breit, ohrenförmig, wodurch die Puppe dieser Art 
leicht von denen der anderen Tipulinen unterschieden werden kann. 



102 

Die Larve lebt in der Erde an feuchten Waldstellen, auch 
unter Moospolstern. 

Unter zahlreichen Larven der Dictenidia bimaculata, die ich 
im Mulm eines Erlenstumpfes fand, befand sich auch eine Larve, 
die sich zu einer T. longicornis 9 entwickelte. 

Vorkommen: Diese Art wird von Schiner als sehr selten 
bezeichnet. Ihr massenhaftes Vorkommen in der Czernowitzer 
Au, wo sie Ende Mai und im Juni auftritt, ist vielleicht nur lokal. 
Ich besitze sie außerdem nur aus dem Josefstal, 1 J, 17. Juni. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Niederösterreich (Strobl 1880), Kärnten (Tief 1887), Twol (Palm 
1869), Steiermark (Strobl 1891), Galizien (Grzeg. 1873, Now. 1873), 

(jreographischeVerbrei tung in Europa: Scheint in Euro])a 
allgemein verbreitet zu sein. Nur aus dem Süden ist mir kein 
Fundort bekannt. Schweden (Zett., Wallengr. 1882, Wahlgr. 1905), 
England (Verr. 1886), Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 1883), 
Eußland (Fedt. 1891), Holland (Wulp-Meij. 1898), Schweiz (Hug. 
1888), Deutschland (Schumm. 1833, Westh. 1882). 

14. T. signatii Staeg., Naturh. Tidskr. III. 11. (1840); Kert. Kat. 
IL 308; Ce>y's Zett. X. 3945. (1851) nach Wahlgr.: Kert. 
Kat. IL 284 als Art. 

Kopf und Stirn grau, letztere mit undeutlicher, schwärzlicher 
Längslinie. Schnauze dunkeirotbraun, Ta,ster schwarzbraim. 

Fühler kürzer als der Thorax, die zwei Basalglieder rotgelb, 
die Geißelglieder an dei- Basis etwas verdickt, mit Wirtelhaaren 
reich besetzt. 

Thorax rück en gelbbraun mit vier dunklen Längsstriemen, 
die mittleren beim J schmal, vorne geteilt, die Seitenstriemen viel 
breiter und hmter der Quernaht auf das ^letanotum übergehend. 
Schildchen braun, Mesophragma etwas grau bereift mit undeutlicher 
Mittelstrieme. 

Brust s ei ten gelbrot, schwach grau bereift, Noto})leural- 
depression von derselben Farlje. Hüftglied 1 und 2 gelb, 3 grau 
bereift; Schenkelringe gelb. 

Beine in beiden Geschlechtern lang und dünn, gelb, die 
Schenkel und Schienen an der äußersten Spitze und die Tarsen 
schwärzlicli. 



103 

Flügel schwach grau tingiert, mit scharf sich abhebendem 
Randmale, aber äußerst undeutlichen, wasserklaren Flecken. Am 
meisten fallen noch auf: Ein größerer wasserheller Fleck, der in 
der Mitte der hinteren Basalzelle liegt und mit einem wasser- 
hellen großen Flecken in der hinteren Posticalzelle zusammenhängt; 
ein größerer klarer Fleck vor dem Randmale; ein kleiner wasser- 
klarer Fleck in der Wurzelhälfte der Analzelle, der mit einem 
hellen Fleck an der Basis der hinteren Posticalzelle zusammenhängt; 
ein heller Streifen in der Axillarzelle längs der Axillarader. 

Zwei kleinere glashelle Stellen liegen am Flügelhinterrande 
in der Analzelle und je eine helle Stelle zu beiden Seiten der 
Einmündung der Analader in den Flügelrand. Außerdem liegt 
vor dem Randmale und an der Basis der 
mittleren Discoidalzelle je ein glasheller Fleck. 

Die Aste der vorderen Discoidalader 
gegen den Flügelrand schwach konvergie- 
rend. 

Hinterleib gelbrot, die letzten Segmente 
stark verdunkelt, ohne deutliche Striemen. 

Hy popy g i um. Charakteristisch ist der 
Bau der Lamella basalis infera, die stark 

entwickelt ist und von der terminalen Lamelle weit und klaffend 
absteht. Sie ist tief gespalten und l)ildet zwei lange, am Rande mit 
schwarzen Börstchen und schütteren, gelben Haaren dicht besetzte 
Vorsprünge; die „Lappen sind am Rande eingerollt und an der 
Spitze wurstförmig erweitert" (Lm. 1907). Westh. Zeichnung zeigt 
diese Vorsprünge von innen; die Lap})en sind aber l)reiter und 
nicht so schmal, wie er sie abbildet. Unter diesen Lappen, am 
Grunde der tiefen Einbuchtung, liegt ein dritter, dreieckiger, fast 
senkrecht von der achten Bauchsi'hiene abstehender, mit kurzen 
gelben Haaren besetzter Vorsprung. 

Die Lam. term. supera stark gewölbt, am Spitzenrande win- 
kelig ausgebuclitet, die Ecken etwas nach abwärts gebogen. 

Die Append. superae gelblich, lang und schmal. Die aus 
dem Hypopygium (s. Zeichnung)- weit herausragenden, kräftigen 
Organe am Unterrande der neunten Bauchschiene halte ich für 
die Arme des Adminiculums. (Meine Zeichnung ist nach einem 
in Atzkali präparierten Hypopygium hergestellt.) 




104 

Hypopygium: Westh. 1882, Tab. III, Fig. tU (Ap]). bas. 
simpL); Tab. III, Fig. 45 (App. intermediae). 

Das 9 gleicht dem ci; die Fühler sind kürzer, die glashellen 
Flecken der Flügel etwas deutlicher, die Aste der vorderen Dis- 
coidalader convergieren merklich. Legeröhre mäßig lang, licht- 
braun, die oberen Lamellen sehr dünn und fein, ziemlich spitzig. 

Größe: 15—15 »un. 

Die Larve (Beling 1878) ist giiingelb bis schwärzlich. Von 
den vier Hautza])fen am Oberrande des Stigmenfeldes sind die 
äußeren an der Innenseite mit einem schwarzbraunen Längsstriche 
gezeichnet, der mit den Hinterstigmen zusammenzuhängen scheint; 
die mittleren Zapfen entweder nicht gezeichnet oder an der Basis 
mit schwarzbraunem Fleck. Die zwei unteren Zapfen des Stigmen- 
feldes größer als die oberen, an der ganzen Innenseite schwarz- 
braun glänzend. 

Pu])pe ziemlich schlank, gelbgrünlich, die Seitenkanten des 
Hinterleibes scharf zusammengedrückt, Stirnhörnchen dünn, braun, 
an der S])itze Spatel förmig erweitert. Auf der Rücken- und Bauch- 
seite kleine, spitze Dornenzähne in Querreihe. Afterglied der J 
Puppe an der Oberseite mit sechs, an der Unterseite mit vier 
starken Dornenzähnen in Quer reihe. 

Die Larven fand Beling unter dem Moosüberzuge eines hall) 
vermoderten Haselnnßstockes, ein andermal unter Moos])olstern 
in einem Buchenwalde. 

Vorkommen: Die Art erscheint nach den übereinstimmenden 
Berichten der Autoren im Spätherbste, erst Ende September oder 
anfangs Oktober. Ich habe ein r^ und drei $$ an einem Wasser- 
graben in der (.'zernowitzer Au Ende September gefangen. 

Verbreitung in Österreich -Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Galizien (Now. 1873). 

Geographische Verbreitung in Europa: Dänemark (bei 
Zett. X), Schweden (Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 
1877), Holland (Six 1869, Wulp-Meij. 1898), Finland (Lm. 1907), 
England iVerr. 1886), Deutschland (Westh. 1882 t. 

Anmerkung 1: Tip. Ceres Zeit., Dipt. Scand. X. ;3945 ist nach 
Wahlgren (Arkiv för Zoologi, Bd. 2, Xr. 7, 1S94, pag. 95) synonym mit sig- 
na ta Staeg. Bei dem einzigen Exemplare, das jemals gefunden wurde, fehlt 
jetzt der Hinterleib. Aus der Gleiclilieit der Flügelzeicbnung scWießt Wahlgr.. 
dal) Ceres nichts anderes als signata Staeg. ist. Erklärlich wird der Irrtum 



105 

Zeit, dadurch, daß er signata nicht kannte und Staegers Besehreibung 
wiedergab. Auffallend bleibt aber, daß er T. Ceres mit longicornis Schum. 
vergleicht und den auffallenden Anhang der achten Bauchschieue mit keinem 
Wort erwähnt. 

Anmerkung 2: In dieselbe Gruppe (Flügel marmoriert, Thorax vier- 
striemig, die Striemen nicht braun gesäumt) gehören noch von mir bekannt 
gewordenen Arten : 

aipium Bgr. macrocera Zett. 

anonyma Bgr. Mayer Dürii Egg. 

bilobata Pok. m arm orat a Mgn. 

bis til ata Lm. mutila Wahlgr. 

cinerco-cincta Lm. ob sol et a Mgn. 

circumdata Siebke obscurinervis Wahlgr. 

glacialis Pok. rufina Mgn. 

h er o s Egg. S tr obli i Bgr. (= Zetterstedtii Str.) 

hortensis Mgn. Zetterstedtii Str. (= nigricornis Zett.) 

Von diesen Arten sind : circumdata, c i n e r e o - c i n c t a, Zetterstedtii 
Str., mutila, obscurinervis, bistilata nordische Arten, während bilobata, 
glacialis, aipium, Mayer Dürii, S tr obli i und macrocera auf die Alpen 
beschränkt zu sein scheinen. 

he ros Egg. ist eine südliche Art, von Schiner aus Fiume, von Kowarz 
und Thalhammer aus Südungarn erwähnt. 

Für unser Gebiet kämen daher nur noch in Betracht: rufina, obsoleta. 
marmorata und hortensis, für unser Mittelgebirge vielleicht auch Mayer 
Dürii, da sie von Nowicki aus Galizien augegeben wird. 

rufina Mgn. wird leicht zu erkennen sein an der schwarzbraunen 
Strieme, die über die Brustseiten geht. Mik, der in der Wien. Ent.-Ztg., 1882, 
p. 36 ff', auch ihre Metamorphose beschrieb, stellt sie in die nächste Verwandt- 
schaft zu marmorata Mgn. und signata Staeg., da „alle drei Arten eine an 
der Basis erweiterte zweite Hinterrandzelle besitzen". 

Nach Röder (Wien. Ent. Ztg. 1883, 56) erstreckt sich die Art weit in 
den Norden. Hansen beschrieb sie als parvicauda, Naturh. Tidskr. XIII, 
272 (lö81) von den Faröern. Als südlichster Punkt ist Vöslau (A. Handlirschi 
l)ekannt. 

hortensis Mgn., die ich nicht kenne, wird von Schiner mit t mu- 
co rum verglichen, von der sie sich sofort durch die vier Thoraxstriemeu 
unterscheidet. Sie scheint oft verwechselt worden zu sein. Wahlgr. (1904) 
teilt mit, daß in der Sammlung Zetterstedts bei hortensis drei $ $ von longi- 
cornis Schum. steckten. Ich selbst erhielt drei Exemplare von longicornis (^ , 
die als hortensis bestimmt waren. 

obsoleta Mgn. und marmorata Mgn. Lundström gibt 1. c. die 
Merkmale beider Arten an und konnzeichnet ihre Stellung zu signata Staeg. 
marmorata Mgn. soll schon äußerlich leicht an den deutlich grauen Flügeln 
mit zahlreichen wasserhellen kleinen Flecken (Wahlgr. sagt: tellerförmige, 
kleine Flecke) kenntlich sein. 



106 

obsoleta Mgii. besitzt sowie signata Staeg. undeutlich gefleckte 
Flügel. Die 9 9 werden sich dadurch unterscheiden lassen, daß bei obsoleta 
die Äste des ram. dise. ant. fast parallel zum Flügelrande gehen, während sie 
bei signata bogig und deutlich convergierend gegen den Fiügelrand ver- 
laufen. — Die (^ (^ lassen sich am besten nach Lundström unterscheiden. Bei 
marmorata ist das achte Bauchsegment „au der Spitze halbmondförmig ein- 
gebuchtet mit ausgezogenen steifen Ecken, die nach außen von einer seichten 
Einbuchtung begrenzt werden". 

Bei obsoleta ist die ganze Spitze der Lamelle ausgezogen und ein 
wenig von der Lam. term. infera abstehend, ferner ziemlich tief gebuchtet, 
mit dünneu hellgelben Ecken. Bei beiden Arten ist die Spitze der Lamelle 
mit weichen, hellgelben Haaren bedeckt, bei signata mit kurzen, schwarzen 
Borsten. 

Strobl sagt von marmorata: „Das f^ ist ausgezeichnet durch das an 
der Spitze lang zweispaltige, in zwei dorncnälinliche Zähne auslaufende letzte 
Bauchsegment." 

macrocera Zctt. (= grisescens Zett., teste Wahlgr. 1904) und Mayer 
Dürii Egg. sind zwei sehr nahestehende Arten. Strobl 1894 gibt die Unter- 
schiede an: macrocera hat viel längere Fühler, die ersten Geißelglieder sind 
fast gleich lang, die mittleren Striemen liegen so nahe beieinander, daß man 
den Thorax dreistriemig nennen könnte, vvälnend Mayer Dürii einen deutlich 
vierstriemigen Thoraxrücken besitzt. 

Anmerkung 3: Tip. clandestina Mgn., I, 180, wird von Mgn. mit 
obsoleta verglichen, gehört also zu den Marmoratae mit undeutlichen glas- 
hellen Flecken der Flügel. Die Art stammt aus Osterreich und wird nur 
noch von Gimmerthal aus Eußland angeführt. Vielleicht ist sie Tip. signata 
9, auf welche die Beschreibung gut paßt. 

Tip. limb ata Zett. X, 3951, seither nicht wieder aufgefunden, ist nach 
Wahlgr., Arkiv f. Zool., IL Bd., Nr. 7 (1904) möglicherweise Tip. obsoleta Mgn., 
wofür (irröße und Aderverlauf sprechen. 

15. T. t'xciSii Schlimm., Beitr. z. Eut., III. 42 (1833); Scliiu. 11. 
515 (1864); Kert. Kat. II. 285; spéculum Zett. X. 3924 
(1851); octolineata Zett. X. 3986 (1851) ]). p.; siibuullirieaia 
Zett. X. 3940 (1851). 

Kopf und S tir ne grau, letztere mit deutlieber, schwarzer 
Längsstrieme; Schnauze, Rüssel und Taster schwarzbraun. 

Fühler so lang als Kopf und Thorax zusammengenommen, 
schwarzbraun, die Basaiglieder und das erste Geißelglied rotgelb, die 
Geißelglieder vom zweiten auf der Unterseite bogig ausgeschnitten, 
wodurch namentlich an der Basis eine auffallende Verdickung der 
einzelnen Glieder entsteht; die letzten Geißelglieder normal (Abbild. 
bei Schumm. 1833, tab. I, Fig. 8). 




107 

Thoraxrücken graubraun mit vier mitunter sehr schwachen 
und wenig von der Grundfarbe sich abhebenden Längsstriemen, 
die immer mit rot])raunen feinen Längslinien gesäumt sind. Die 
dunklen verkürzten Seitenstriemen werden auf drei Seiten von braunen 
Säumen eingefaßt. Auch die mittleren Striemen sind dunkel ge- 
säumt, die mittleren Säume liegen aber mitunter so nahe beiein- 
ander, daß sie zu einer einzigen Linie zusammenfließen. Sind sie 
aber vollständig voneinander getrennt, dann bilden sie mit den 
äußeren Saumlinien eine W-förmige Zeichnung, die dadurch ent- 
steht, daß die mittleren Säume vorne in einer Spitze zusammen- 
stoßen, während die äußeren und inneren Saumlinien hinten ])aar- 
weise zusammenhängen. Brustseiten grau, wie die Hüften etwas 
graulich bereift, Notojileuraldepression rötlich. 
Schenkelringe gelb. Schildchen und Hinter- 
rücken schiefergrau. 

Beine rotgelb, Schenkel und Schienen 
an der äußersten Spitze und die Tarsen braun. 

Flügel stark grau fingiert, an der Wurzel r^. ^ m- 7, 

^ ® ... - Fig'. f^- Tip. excisa J. 

gelblich. Das Randmal bei einigen Stücken (Hyp. von der Seile.) 
sehr deutlich schwarzbraun, bei anderen sich 

kaum von der Flügelfläche abhebend. Am Ursprung der Radial- 
ader ein kleiner brauner Fleck. Ein großer glasheller Fleck liegt 
hinter dem Randmal ; er geht vom Flügelrand bis in die mittlere 
Discoidalzelle und reicht in die Basis der ersten vorderen Dis- 
coidalzelle und der Cubitalzelle. Ein charakteristischer, immer 
sehr deutlicher glasheller Flecken liegt in der hinteren Bazalzelle 
und ein w^eißer Streifenfleck in der Analzelle. 

Unbestimmt begrenzte und wenig auffallende glashelle Flecke 
liegen noch vor dem Randmale und am Hinterrand in der ( 'ellula 
analis. 

Hinterleib einfarbig rotgelb, ohne Striemen. 

Hypopygium sehr charakteristisch. Die Lam. termiu. supera 
(wie bei scripta und nubeculosaj so stark verkürzt, daß nur die 
spitzen Seitenecken unter der achten Rückenschiene hervorragen. 
Sie ist am Spitzenrande fast halbkreisförmig ausgebuchtet, die ganze 
Ausbuchtung aber wird von einer glänzend schwarzl)raunen, wie 
poliert aussehenden, tiefer als die Ecken der Ijamelle liegenden 
Platte ausgefüllt, die am Spitzenrande unregelmäßig gezähnt ist 
und in der Mitte desselben einen gerade vorspringenden Zahn trägt. 



108 

Die Lainella term. inféra ist tief bogig ausgescliiiitteii. die 
Auslvachtung von keiner Membran gedeckt. 

Die A])])end. su})erae schmal, zylindrisch, von gelber F:ir))e 
und nicht auffallend stark behaart. 

Die Ap])end. intermediae bestehen aus zwei Teilen, konform der 
Zange von scri])ta, nubeculosa und riibri])es (Taf. I, Fig. 8). 

Der innere Arm, der mit der bräunlichen Spitze gegen die 
neunte Rückenschiene gerichtet ist und keine auffallende Behaarung 
trägt, ist von beilförmiger Gestalt. — Der äußere untere Arm, 
der ohne Zerlegung des Hypopygiums sichtbar ist, erscheint dorn- 
förmig, ist stark gel)ogen und mit der S])itze nach oben und 
innen gekehrt. 

Hypopygium bei Lundstr. l*J07, tab. 1. Kig. 11, 12. 

Das Weibchen gleicht dem Männchen, nur sind die Fühler 
von gewöhnlicher Bildung. Die Legeröhre ist lang und robust, 
das Basalstück glänzend dunkelbraun, die oberen Lamellen licht- 
braun, an der S])itze unten grob sägezahnartig ausgeschnitten, das 
Ende stumpf zweis])itzig, wodurch sich das $ auch dann von dem 
der T. nubeculosa sofort unterscheiden läßt, wenn die mittelsten 
Säume nicht zusammengeflossen sein sollten. 

Tar. cinerea Strobl 1904 unterscheidet sich durch ganz 
einfarbig grauen Hinterleib und dunklere Fühler, Bei :?9 ist das 
zweite Schaftglied rotgelb, das erste und dritte beim -^ dunkel 
bereift oder, wie beim Weibchen, ganz schwarz, gleich den folgenden. 
Bergr. 1888, ]>. 651, erwähnt diese Varietät vom Krngebirge. 

Größe: r^ 18—20. 9 20 mn/.. 

Über die Metamor])hose scheint nichts bekannt zu sein. 

Vorkommen: Diese Art ist eine echte Gebirgsbewohnerin. 
Auf den Kuppen des Gesenkes, von wo sie bereits Koleuati er- 
wähnt, kommt sie häufig vor. Landrock brachte sie in mehreren 
Stücken vom Radhošt mit, Berggeist 22. Juli, Peterstein 14. August, 
Schweizerei, Kepernik. Auch .,Am Brand" bei Wüstseibersdorf, 
auf einem Holzschlage, 27. August. Im Tale habe ich sie nie ange- 
troffen. Ein ? var. cinerea Strobl aus dem Steingraben 7. August 
(leg, K. Landrock). 

Verbreitung in Österreich -Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894, Bergr. 1888), Kärnten (Strobl 1900, Bergr. 1888). Krain 
Bergr. 1888). Galizien, Tatra (Now. 1873), Siebenbürgen (Strobl 
1896), Ungarn (Thalh. 1S99). 



109 

(jreugrapliisclie Verbreitung in Eiirupa: Lappland (Zett., 
„si)eciikim"), Finland (Lm. 1907), Schweden (Wall. 1882, Wahlgr. 
1905), Norwegen (Siebke 1877), England (Verr. 1886), Schweiz 
(Hug. 1888), Rußland (Fedt. 1902), Deutschland (Schumm. 183B. 
,,üm Breslau" ?) 

Anmerkung-. Nach Wahlgreu, Arkiv för Zoologi, 1904. Band TL., 
Nr. 7, ist Tip. octolineata Zett., Dipt. Scand. X., p. 8936, zum Teile als 
Synon. zu excisa zu ziehen. In Zett. Sammlung steckten unter diesem Namen 
1 r^ von excisa und 1 Pärchen von scripta. 

Tip. subuniliueata Zett. X. 3940 ist nach AV^alilgreu 1. c. wahrschein- 
lich eine kleine, matt-gefärbte Form von excisa. Der Type in Zett. Sammlung 
fehlen die Antennen. 

10. T. scripta Mgn.. Syst. Beschr. VI. 286 (1830); Schin. 11. 515 

(1864); Kert. Kat. II. 307; octolineata Zett. X. 3936 ]>. p.; 
excisa Walk, nach Verrall. 

Kopf und Stirn grau, Schnauze, Rüssel und Taster braun. 

Fühler: Die ersten drei (llieder rein rotgelb, 
die Geißelglieder rot gelb, an der kaum verdickten 
Basis geschwärzt. Die letzten Geißelglieder ver- 
dunkelt, 

Thoraxrücken grau mit den Längs- .,. „ 

... S^\(r. 9. 

Striemen und Säumen wie bei excisa, nur daß „v ■ ^ i, 

iip. scripta rf. 

die mittelsten Säume vorne und hinten oft (aber „ -, 

(Myp., von der 

nicht immer!) zusammenfließen und die Grund- ' <;;eite.) 

färbe nur auf der Mitte freilassen. Brustseiten 
grau, Notopleuralde])ression gelbrot. Hüften grau bereift, Schenkel- 
ringe gelb. 

Beine braun, die Schenkel lichter. 

Flügel grau, an der Wurzel gelblich, das Randmal deutlich 
braun, die glashellen Fenster so ziemlich an denselben Stellen wie 
bei excisa. Das dunkle Schattenfleckchen am Ursprünge der R;i- 
dialis sehr deutlich. 

Hinterleib rotgelb, mitunter mit undeutlicher Rücken- 
strieme. 

Hypopygium ziemlich kleiu, kaum dicker als das Abdomen. 
Lam. term. su]>era schmal und oft von der achten Rückenschiene so 
verdeckt, daß nur die stumpfen Ecken vorragen. (Westh. vermutet, daß 
dieses Verschwinden der neunten Rückenschiene eine Folge der voll- 
zogenen Kopulation sei.) liam. term. infera bis auf den Grund gebuchtet. 




110 

i^])|)end. su])erae von gelblicher Farbe, stabförmig, wie bei 
excisa gebildet. Append. intermediae aus zwei Teilen bestehend, 
ähnlich wie bei excisa gebildet: der innere Arm von gelblicher 
Farbe, ohne besonders auffallende und lange Behaarung. Der 
untere dornen- oder klauenförmige Ann nicht so schlank und 
weniger gekrümmt als bei der vorigen Art. 

Hypoi)ygium, Westh. 1882, tab. II, Fig. 17, 18 (Lam. term. 
supera), tab. V, Fig. 62 (Adminiculum). 

Das Weibchen gleicht dem Männchen. Die Fühler sind aber 
bis zum fünften Gliede rein gelb und erst die folgenden Glieder an 
der Basis schwarz; Legeröhre ziemlich lang, kastanienbraun glän- 
zend, die oberen Lamellen an der Spitze sanft nach oben gebogen, 
auf der Unterseite gegen die S])itze hin schwach gesägt. 

Größe: Ki— 20 mm. 

Die Larve (Beling 1873) ist der von nubeculosa ähnlich, 
aber kleiner und schlanker, in der Regel mit durchschimmerndem 
Dai-minhalte, Koi>f schwarzbraun. Letzter Leibesring ähnlich ge- 
zähnt wie bei der Larve der folgenden Art. 

Die Puppe ist bräunlichgelb, im allgemeinen lichter als die 
der nubeculosa, an den Enden der Segmente schmal schwärzlich 
gesäumt. Die kurzen Stirnhörnchen mit etwas kolbig verdickter 
Spitze. Hinterleib mit scharfen Längskanten, auf der Ober- und 
Unterseite der Segmente eine Querreihe von kleinen Dornen. Letztes 
Glied von acht starken Dornenzähnen umgeben. Es endet bei 
der (^ Pui)pe mit einer kuppelförmigeu Abrundung, an deren vier 
Ecken je ein kleines Zähnclien steht. Das letzte Glied der $ Puppe 
zeigt die Eigentümlichkeit, daß das obere Klap])enpaar mit dem 
unteren nicht verwachsen ist. 

Larven an Feld- und Wiesenhecken, auch in Laub- und 
Nadelholzbeständen. 

Vorkommen: Die Art ist bei uns ziemlich häutig, tritt 
aber nie so massenhaft auf wie nubeculosa und erscheint später. 
Ihre Flugzeit fällt in die Sommermonate. Schreibwald US. Juni, 
Bilowitz, Adamstal 14. Juli, Ochos (leg. P. Huber), Teßtal bei 
Groß-Ullersdorf und Radersberg bei Wiesenberg 9. Juli, Drei- 
stein bei Primiswald 8. August, Frain, Juli, Fulnek (leg. Skala). 
Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 18'.>4), 
Niederösterreich (Strobl 1880), Steiermark (Strobl 1894), Kärnten 
(Tief 1887), Krain (Bergr. 1888), Tirol (Palm 1869), Galizien 



111 

G-rzeg. 1878, Now. 1873), tíiebenbiirgen i Strobl 1896), Ungarn 
(Thalh. 1890). 

Geogra]iliisclie Verbreitung in Euro])a: Schweden 
(Zett., Wall. 1882, Wablgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), Fin- 
land (Lm. 1907), Livland (Sint. 1883), Rußland (Fedt. 1891), Eng- 
land (Yerr. 1886), Holland TWulp-Meij. 1898), Deutschland (Mgn. 
I, Schumm. 1833, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 1888), Italien (Bezzi). 

17. T. imbeculosa Mgn., Syst. Beschr. I. 174 (1818); Schin. II. 

516 (1864); Kert. Kat. II. 299; grtscofusca Dég., Mem. p. 

serv. à 1'hist. de Ins.. VI. 344 (1776); guttulifera Zett., Ins. 

Lapp. 840 (1838); /nica Wied., Zool. Mag. I. 64 (1817); 

montana Ciirt., nach Verr. 1886; hortonim L.M, Syst. Naturg., 

Ed. X. 585 (1758). 

Gleicht sehr der ï. scripta, unterscheidet sich aber von 
ihr im männlichen Geschlechte: 

1. Durch die Form und Farbe der Fühler. T. nubeculosa c? 
besitzt robustere Fühler, deren Geißelglieder an der Basis an- 
sehnlich verdickt sind, was bei scripta nie so auffällt. Die Färbung 
der Fühler ist niclit konstant. In der Regel sind nur die ersten 
drei Fühlerglieder rotgelb, die übrigen schwarzbraun; oft ist aber 
auch das vierte, fünfte und mitunter sogar das sechste Fühlerglied 
an der Spitzenhälfte ausgebreitet rotgelb, an der Basis schwarz- 
braun. Während aber bei scripta die schwarze Färbung an der 
Basis der Geißelglieder sich so stark von der gelben Farbe ab- 
hebt, daß die Fühler ein schwarzgeringeltes Aussehen erhalten, 
ist dies bei nubeculosa nie der Fall, da die schwarzbraune Fär- 
bung an der Basis der Glieder allmählich ins llotgelbe übergeht. 

2. Der Thorax ist wie bei T. scripta gezeichnet, doch mit 
dem Unterschiede, daß die inneren Säume nur vorne zusammen- 
hängen, so daß die gelbgraue Grundfarbe als schmale Linie bis 
zur Quernaht freibleibt. Hinten hängen die Säume wie bei T. e.Kcisa 



1) Vide Mik, Dipt. Mise, Wien. Entom.-Ztg., XIII., 301, 1888. Westb. 
1879 hat fiii- Tip. nubeculosa Mgn. den Namen T. hortorum L. vorgeschlagen 
auf Grund der Mitteilung Halidays (Stett. Ent.-Ztg., XII. 1851), daß in der 
Sammlung Liunés als Tip. hortorum L. jene Art vorgefunden wurde, welche 
Mgn. als T. nubeculosa beschrieben hat. Mik verweist aber mit Recht darauf, 
daß Linné seiner hortoriim ein blasses Randmal und undeutlich gewölkte Flügel 
zuschreibt, was für T. nubeculosa nicht zutrift't. 



112 



])aarweise zusammen, so daß sie die dort erwähnte Gestalt eines 
sehr schmalen, lateinischen W annehmen. Man wird aber gut tun, 
diesem von Schiner angegebenen Unterscheidungsmerkmale nicht 
zu große Beachtung zu schenken, da auch bei T. scri])ta Stücke 
vorkommen, bei denen die mittelsten Säume hinten ebenfalls ge- 
trennt sind. 

3. Das Hy])o])ygium ist ähnlich gebaut wie bei scri])ta, doch 
ist der untere äußere Arm der Append. intermediae noch weniger 
schlank gebaut wie bei scri]>ta, von sehr gedrungenem Bau; über- 
dies trägt er an der Innenseite nahe der S])itze einen kleinen, 

scharfen Dornenzalm. der an dieser Stelle bei den 

zwei vorhergehenden Arten nicht vorkommt (Taf. I, 

Fig. 13). 

Hyi.oi)ygium bei Westhoä' 1882, tab. I. Fig. 2 

und 3 (Hyj).), tab. IV, Fig. 4G (Innere Kopulations- 
Tip, nubeculosa cf. organe) und tab. V, Fig. 63 (Adminiculuni). 
(Hyp., von der jy^^ AVeibchen vou T. nubeculosa und T. 

scripta sind leicht zu unterscheiden, wenn man 
beide Arten vor sich hat und sich vor Augen hält, daß nu])e- 
culosa ? stets robuster gebaut ist und namentlich kräftigere Beine 
besitzt als scripta. Das von Schiner angegebene Merkmal, daß die 
oberen Lamellen der Legeröhre bei nubeculosa nach dem Tode 
immer weit auseinanderklaffen, die der scri])ta aber nicht, reicht 
für eine halbwegs sichere Bestimmung nicht aus; ich besitze 
fünf 9 9 der scri])ta, bei denen die oberen Klappen weit aus- 
einanderklaffen, und mehrere Weibchen von nubeculosa. bei denen 
dies nicht der Fall ist. 




Fi?. 10. 





a Fig. 11. b 

Legerölire. a Tip. excisa, h Tij). nu])eculosa. 



Die Färbung der einzelnen Fühlerglieder ist sowie beim -^ 
nicht konstant. Bei den meisten 99 sind die untersten fünf Glieder 
rotgelb: diese Färbung geht dann allmählich bei den nächsten 
Fühlergliedern in Rotbraun über, die letzten Glieder sind ganz 
verdunkelt. Nur bei drei 99 beginnt die Verdunkelung bereits beim 
dritten Fühlergliede. 



113 

Von den "Weibchen der T. scripta sind die der T. nube- 
culosa ebenfalls leicht und sicher durch die Färbung der Geißel- 
glieder zu unterscheiden: T, scripta $ besitzt viel mehr lichtgelb 
gefärbte Fühler, die Geißelglieder sind, vom dritten angefangen, 
an der Basis schwarz, wodurch die Fühler das beim J* erwähnte 
schwarzgeringelte Aussehen erhalten, was bei nubeculosa nie so 
stark auffällt, auch wenn die Basis der einzelnen Geißelglieder 
dunkler gefärbt ist. 

Größe: 18 — 22 mm. 

Die Larve (Beling 1873) ist schmutzig graugelb, glatt, die 
Leibesringe mit einer Reihe ganz kurzer Börstchen besetzt. Letzter 
Leibesring hinten gerade abgestutzt, am oberen Rande mit vier 
langen, am unteren mit zwei kurzen, dreieckigen Hautzähnen. 
Unterhalb der kreisrunden Hinterstigraen je ein schwarzer Quer- 
strich. 

Die Puppe ist bräunlichgelb mit scharfkantig zusammen- 
gedrücktem Hinterleibe. Die Enden der Leibesringe sind ziemlich 
breit schwarzbraun gesäumt. Thorax stark quergefurcht mit vier 
stumi)fen Höckern. Das neunte Glied trägt oben vier Zähne im 
Viereck, die hinteren sind größer und dicker als die vorderen. Bei 
der männlichen Puppe ist das letzte Glied mit acht starken Dornen 
besetzt, das der weiblichen Puppe endet mit vier verwachsenen, 
schwarzbraunen Klappen) )aar en, von denen die unteren kürzer als 
die oberen sind. 

Die Larven leben unter der Streudecke des Bodens in Laub- 
und Nadelholzbeständen. 

Vorkommen: Bei uns eine der gemeinsten Arten; sie er- 
scheint Mitte oder Ende Mai und ist in hochstämmigen Laub- 
und Nadelholzwaldungen sehr häufig, wo die (Sd f^n der Schatten- 
seite der Bäume mit ihren langen Beinen angeklammert sitzen. 
In größeren Waldlichtungen fand ich sie im Grase. Ungemein 
häufig werden sie auf Holzschlägen angetrofien. Die (S(^ sind viel 
häufiger als die $?. Schreibwald, Steinmühle Schebetein (11. Mai, 
23. Mai, 2. Juni), Karthaus (31. April, 6. Mai), Bilowitz, Josefstal, 
Blansko (Mai), Czernowitz bei Brunn (hier seltener), Ochos 2. Juni, 
Ričkatal bei Lösch, Strzelitz, Hobitschau beiWischau (K. Landrock), 
Frain (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow, 
1894, nubeculosa Mgn. und hortorum L.), Schlesien (Tief 1887). 

Zeitschrift il'S mähr. Landcsmiisennis. XIII. 8 



114 



Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), Tirol 
(Palm 1869), Kärnten (Tief 1887, Bergr. 1888), Vorarlberg (Bau 
1910), Krain (Bergr. 1888), Galizien (Now. 1873), Ungarn ( Thalh. 
1899), Bosnien (Strobl). 

Geograpliische Verbreitung in Europa: Lappland, 
Scliweden (Zeti, Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Finland (Lra. 1907), 
Livland ^Sint. 1888), Rußland (Dwig. 1802, Fedt. 1901), Frank- 
reich (Macq.), England (Verr. 1886), Deutschland (Mgn., Schumm. 
1888, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 11 



18. T. rubripes Schumm., Beitr. z. Entom., III. 49 (1833); Schin. 

IL 524 (1864); Kert. Kat. IL 80G. 

Schiner vergleicht T. rubripes, die er als deutsche Art an- 
führt, mit T. scripta. In Wirklichkeit ähnelt sie, was die Gestalt 
der Fühler und den Bau des Hypopygiums anbelangt, viel mehr 
der T. nubeculosa. 

In der Färbung des Kopfes, der Stirne, des Hinterleibes und 
der Flügel gleicht sie vollkommen der genannten Art. Die Zeich- 
nung des Rückenschildes stimmt bei meinen Stücken mit der von 
nubeculosa überein, nur sind die mittleren Säume schwächer, ja 
mitunter fehlen sie überhaupt und die mittelsten Längsstriemen 
fließen dann in eine einzige zusammen. 

Die Fühler gleichen im Bau entschieden mehr denen von 
Ï. nubeculosa als von T. s cri]) ta. Sie sind viel robuster als bei 
dieser Art und die Geißelglieder sind an der Basis deutlich verdickt. 
Die ersten drei Glieder sind bei meinen Exemplaren rotgelb, die 
Geißelglieder vom vierten bis zum siebenten nur an der äußersten 
Basis schwarzbraun, sonst breit rotgelb, und zwar viel ausgebrei- 
teter als bei nubeculosa; nur die letzten Glieder sind verdunkelt. 

Beine einfach rotgelb, die Schenkel an der Spitze kaum 
verdunkelt. 

Flügel wie bei nubeculosa. 

Das Hypopygium ist dem der nubeculosa sehr ähnlich, die 
äußeren Umgrenzungsstücke, die Append. superae und intermediae 
von derselben Gestalt. Eine Modifikation zeigen die Append. inter- 
mediae. Der obere, innere Arm dieser Anhänge ist bei rubripes 
am Grunde viel schmäler und schlanker als bei nubeculosa und 
an dem nach oben gekehrten Rande merkwürdig gekerbt. (Siehe 
Taf. I, Fig. 6 und 7.) 



115 

Ich weiß nicht, ob rub ripe s als Art wird aufrecht erhalten 
werden können ; die Färbung der Fühler kann nicht in Betracht 
gezogen werden, da auch bei nubeculosa Übergänge vorkommen. 
Das Hypopygium ist gleichgebaut und nur die Apjjcnd. intermediae 
sind etwas abweichend gebildet. Es bliebe nur die von nubeculosa 
abweichende Färbung der Beine übrig. Eür sich allein genügt 
wohl dieses Merkmal nicht, um die Artberechtigung von T. ruh ri- 
pes zu erhärten. 

Das Weibchen kenne ich nicht. Nach Schumniel unterscheidet 
es sich vom cf durch kürzere, ganz rotgelbe, nur an den rotgelben 
Greißelgliedern etwas verdunkelte Fühler; der Hinterleib hat oft 
eine allerdings undeutliche ßückenstrieme und je eine undeutliche 
Seitenstrieme ; die braune Flügelzeichnung ist lebhafter. 

Größe {^): 20— 2S mm. 

Metamorphose nicht bekannt. 

Vorkommen: Karthaus bei Brunn, 2. Juni, 4 j* j", Palackytal 
bei Bilowitz, 16. Mai. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen(Kow. 1894), 
Steiermark (Strobl 1894), Galizien (Grzeg. 1873 und Now. 1873). 

Geographische Verbreitung in Europa: Livland (Sint. 
1885), Deutschland (Schumm. 1833). 

19. T. sag-iuata Bergr., Mitteil. d. Naturf. Ges., Bern, 1890. 137. 

(1891); Kert. Kat. IL 306 (Weibchen); Czizek, Wien. Ent.- 

Zeituug. XXL 1912 (Männchen). 

rj: Ko])f grau, auf der Mitte der Stirn eine braune, gegen 
die Fübler s])itz zulaufende, den Hinterkopf nicht erreichende 
Längsstrieme. ï:ister braungelb. 

Basalglieder der Fühler hellgelb, die Geißelglieder schwarz- 
braun, stilrund, an der Basis nicht verdickt, mit Wirtelhaaren 
reich besetzt. 

Rückenschild grau mit einem Stich ins Gelbliche, mit vier 
dunkleren Längsstriemen, die mittleren stark genähert, die seitlichen 
verkürzt; alle Striemen braun gesäumt. Hinter der Quernaht liegen 
je zwei dunkle, ebenfalls braun gerandete. zusammengeflossene 
Makeln, von denen die untere größer und auch etwas dunkler 
gefärbt ist als die obere. Schildchen und Mesoi)hragma grau, 
letzteres mit der Spur einer dunkleren Mittelstrieme. Rückenschild 
kurz, aber deutlich, ^lesophragma länger, aber spärlicher behaart. 



116 

Briistseiten grüii bereift, Notoplenraldepression gelb- 
braun. 

Beine schwarzbraun, Yorderschenkel an der Wurzel, Mittel- 
und Hinterschenkel fast bis gegen die schwachgebräunte Spitze 
hin gelb. Hüften grau, Schenkelringe gelb. 

Flügel bedeutend länger als der Hinterleib, blaß marmoriert. 
Flügelwurzel, Costal- und Mediastinalzelle und das Randmal fast 
honiggelb. Kleine, braune Flecke liegen vor und hinter dem E,aiui- 
male und an der kleinen (:^uerader. Von der grauen Grundfarbe 
heben sich einige dunklere Flecken ab, so aiif der Mitte der Cell, 
radialis secunda, in der Basis der vorderen Discoidalzellen. in der 
Cellula postic. posterior und am hinteren Flügelrande. Die glas- 
hellen Stellen heben sich von der grauen Gesamtfarbe nur wenig 
ab. Schwinger gelb, mit braunem, am Rande 
lichterem Knopfe. 

Hinterleib lebhaft gelbrot, der sechste Ring 
und die folgenden graubraun. Eine sehr breite, 
schwarzbraune Rückenstrieme geht vom ersten Ring 
bis zum Ende des fünften Ringes. Sie ist auf allen 
Ringen gleich breit, wird aber an den Hinterlei bs- 
''' "■ einschnitten, die schmal blaügelb gesäumt sind, 

1}. . ^1 1< . j. (j^pßi^ (jjg gelbe Grundfarbe unterbrochen. An den 
(Hvp., von der ^ 

Seite ) Seiten vom zweiten Hinterleibsringe an eine un- 

deutliche braune Längsstrieme. 
Das Hyi)0})ygium weicht im ganzen Bau von dem der 
excisa-nubeculosa Gruppe ab. Die Lameila basalis infera 
ist am Spitzenrande etwas nach unten vorgezogen und weit klaffend. 
Das Lumen der Ausbuchtung wird von einer Laraelle geschlossen, 
die oben tief ausgebuchtet ist und jederseits mit einem grölieren 
Seitenteile zusammenhängt, der sich der Innenfläche der achten 
Bauchlamelle anschließt. Unten, gegen den Spitzenrand der achten 
Bauchschiene, ist die das Lumen der Ausbuchtung abschließende 
Membran zu einem zungenförmigen, kahlen Plättchen aufgebogen, 
das als ap})endix simplex aufzufassen wäre. Die Lam. term. infera 
mäßig groß, auf der Mitte des Spitzenrandes ziemlich weit vor- 
gezogen, so wie die achte Bauchschiene braun. 

Die Lameila basalis supera wird von der siebenten 
Rückenschiene so vollständig bedeckt, daß nur die Seitenecken 
sichtbar werden. 




117 

Lam eil a term. su per a am Spitzenrande seh]- breit und 
tief ausgebuchtet und in zwei kurze, breite, stumpfe Lappen zer- 
fallend. Sie ist nur durch eine schmale Furche von der neunten 
Bauchschiene getrennt, so dali sie mit dieser verwachsen zu sein 
scheint. 

Die oberen Anhänge sind klein, fadenförmig, an der Spitze 
ziemlich lang gelb behaart. Die mittleren Anhänge tief ein- 
gesetzt, von sensenförmiger Gestalt, kurz, aber dicht gelb behaart. 

Größe: ý Körper 14 mm, Flügel 20 mm. 

Das Weibchen gleicht dem Männchen in der Färbung und 
Zeichnung der Fühler und des Thorax. Der Hinterleib ist safrangelb 
mit einer breiten schwnrzen Rückenstrieme. Die Flügel sind intensiv 
marmoriert. Zu den braunen Flecken vor und hinter dem Kand- 
male und an der kleinen Querader kommt ein brnuner Schatten 
am Ursprünge der Radialis. Die grauen Schattenflecken des 
Flügels sind dunkler, größer und mehr ausgebreitet als beim c^, 
wodurch die glashellen Stellen mehr hervortreten. Ein grauer 
Schattenfleck liegt auf der Mitte der unteren Radialzelle; er greift 
einerseits auf die Mitte der Cubitalzelle über und reicht in die 
Spitze der oberen Radialzelle. Mit einem schmalen Saume zieht 
er längs der Cubitalis in die Spitze der zweiten Randzelle. AVeitere 
iiuffallende graue Schattenflecke liegen: an der Basis der vorderen 
Discoidalzellen, auf der Mitte der Cell. dise. post. und der Cell, 
postic. ant. (einen zusammenhängenden Schattenfleck bildend); 
zwei größere, nicht scharf begrenzte graue Schatten liegen in der 
hinteren Basalzelle; in der hinteren Posticalzelle fällt ein Schatten 
auf, der fast die ganze Spitze dieser Zelle ausfüllt; ein sehr großer, 
grauer Schattenfleck liegt auf der Mitte der Analzelle, in derselben 
Zelle ist weiter grau gefärbt: ein Streifen längs der Anahider, 
ein Fleck an der Basis und an der Si)itze der Analzelle. Die 
Axillarzelle bleibt nur an der Basis und mit einem kleinen Fleck 
vor der S])itze glashell. 

Legeröhre sehr charakteristisch, ungemein kurz, die oberen 
Lamellen nur so lang wie das Oberstück, an der Spitze stumpf 
abgerundet. 

Metamorphose nicht bekannt. 

Vorkommen: 1 Pärchen aus Adamstal, Weg zur Schweizer- 
Mtte, 28. Mai 1912. 



11.8 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Steiermark (Strobl 
189-1:) und Kcärnten (Strobl 1900); sonst nur noch aus der Schweiz 
(Bergr. 1891) und aus Spanien i Strobl 1900) nur im weiblichen 
Gi-eschlechte bekannt. 

Das ^ beschrieb ich in der Wien. Ent.-Ztg., XXI, 1912. 

Anmerkung: In diese Abteilung gehört noch Tip. s üb ex ci s a (Luiid- 
ström, Acta soe. pro fauna et flora fenn,, 29, Xr. 2, 1-5, 1907), eine nordische 
Art. Der Rückenschild hat vier Längsstriemen, die dunkel gesäumt sind, die 
Geißelglieder sind wie bei excisa unten tief ausgeschnitten. Das Hypopygium 
ist aber nach der Beschreibung und Abbildung Lundströms ganz anders gebaut 
wie bei den Arten der nubeculosa-excisa-Gruppe, so daß sie wie saginata Bgr. 
aus dieser Abteilung ausscheidet. Das achte Ventralsegment besitzt nämlich 
sowohl Appendices duplices (fadenförmige, an der Spitze etwas erweiterte 
Gebilde) als aucli eine Appendix simplex, die als dreieckiges Läppchen vorsteht. 
Solche Anhänge fehlen den Arten der obigen Gruppe ausnahmslos. 

20. T. vernalis Mgn., Syst. Beschr. I. 1K2 (1818); Schiner II. 516 
(1864); Kert. Kat. II. 312; diraf/or Harr., Expos, oť Brit. 
Ins. (1782); .^ raricgata L., Syst. Naturg. Ed. X (1758); 
? pendens Hai., nach Verrall 1886. 

Stirn und Schnauze gelbgrau, letztere an den Seiten rotgelb, 
Taster braun. Fühler so lang wie der Thorax, schwarzbraun; 
erstes Glied grau, an der Basis rotgelb, zweites Glied ganz rotgelb, 
die Geißelglieder walzenförmig, an der Basis etwas verdickt. 

Halsstück und Prothorax gelbbraun, letzterer verdunkelt. 
Thoraxrücken gelbbraun mit drei dunkelbraunen Längsstriemen, 
die mittlere sehr l)reit, die seitlichen schmäler und vorne verkürzt. 
Schildchen und Mesophragma gelbgrau. 

Brustseiten und Hüften grau bereift. Xotopleuralde])res- 
sion gelb. 

Beine braunschwarz, Schenkel an der Wiirzelhält'te lichtgelb. 

Flügel grau und weiß, die Wurzel und die (Jostalzellen 
gelbHch. die Ader braun, die Posticalis und ihre beiden Aste von 
einem braunen Schatten begleitet. Die ginshellen Partien der 
Flügel haben nicht wie bei den Marmoratae die Form von Fenstern, 
sondern von Streifen, die den Kern der Zellen bilden oder die 
Längsadern begleiten. Randmalfleck sehr blal). Der ganze Flügel- 
hinterrand ist grau. 

Abdomen gelb, die hinteren Hinge oft verdunkelt mit gelben 
Endsäumen, das erste Segment an der Basis hellgelb. \'om zweiteii 




119 

Segment angefangen geht über den Rücken eine schwarzbraune 
Strieme, die gegen hinten mit der schwarzbraunen Farbe der 
letzten Ringe zusammenfließt. Eine undeutliche braune »Strieme 
an den Seiten der vorderen Hinterleibsringe. 

Hypopygium wenig verdickt. Die Lam. termin. sup. tief 
ausgeschnitten, am Seitenrande in zwei spitzen Ecken vorstehend. 
Die achte Bauchschiene im Verhältnis zur Rückenschiene sehr 
groß, vorne gerade abgeschnitten. Die neunte Bauchschiene ver- 
hältnismäßig klein, am unteren Spitzenrande in einen kleinen, 
dornenähnlichen Fortsatz ausgezogen. 

Appendices sujjerae klein, schmal, stäbchenförmig, von 
gelblicher Farbe. Westhoff nennt sie degeneriert. 

A])])endices intermediae groß, gelblich, stark behaart. 
Sie bestehen nach Westhoff aus dem zweiten und 
dritten Stück, während das vierte nur noch an- 
gedeutet ist. 

Sehr deutlich entwickelt sind die A])])endices 
inferae, die infolge ihrer Lage fast wie Anhänge 
der achten Bauchschiene erscheinen und in ihrer 
schlanken, stäbchenförmigen, an ihrem Ende kolbig 
erweiterten Gestalt fast den Ap}). su])erae anderer ansieht.) 
Arten gleichen. Nach Westhoffs Meinung gelangen 
sie nur bei jenen Arten recht zur Ausbildung, bei denen die 
Mitte der Lamelle stark resorbiert erscheint. 

Wegen des Vorhandenseins dieser Anhänge hat Westhoff' 
im Resumé seiner zitierten Arbeit diese Art in die Gruppe 
ochracea Mgn. (lunata Westh.), und zwar in die Verwandtschaft 
von fascipennis gestellt. 

Das in meiner Zeichnung (l'ig. 13) unter den Api)endices 
intermediae hervorragende Organ halte ich für einen Arm des 
Adminiculums. 

Hypopygium: Westhoff 1882, Tab. VI, Fig. 80—83 (Ad- 
miniculum). 

Das Weibchen gleicht dem c?. Die weißen Streifen der 
Flügel treten noch deutlicher auf, die Posticalis ist noch dunkler 
gesäumt. 

Leger Öhre schwarzbraun, sehr kurz, kaum so lang als die 
letzten zwei Segmente zusammengenommen. 

Größe: 13 — 15 mm. 



Fig. 13. 

Tip.vernaliSf^. 

Hyp., Seiten- 



12U 

Larve (Beling 1878) zarthäutig, graugrün mit durchscheinendem 
Darminhalte und kurzem, spärlichem Haarbesatz. Zwischen den 
kreisrunden Hinterstigmen oder knap]) unterhalb derselben ein 
schwärzlicher Horizontalstrich. Oberrand des Stigmenfeldes mit 
vier Hautzähnen, die äußeren an der Innenseite mit einem läng- 
lichen, schwarzbraunen Strich, die mittleren auf der ganzen Innen- 
seite schwa,rzbraun glänzend. Die beiden unteren Zapfen des 
Stigmenfeldes kurz, breitbasig, auf der ganzen Innenseite schwarz- 
braun glänzend. In der Leibesfärbung gleicht die Larve dieser 
Art der von Ti]). signata. 

Pu]»]»e braungelb, S})äter am Hinterleibe mit breiten schwärz- 
lichen Querbinden. Stirnhörnchen kurz, an der Spitze abgerundet. 
Bauchseite des sechsten bis neunten Hinterleibsgliedes mit sechs 
an der scharfen Spitze geschwärzten Dornenzähnen in Querreihe. 
Rückenseite des vierten bis achten Hinterleibsgliedes mit sechs bis 
zehn ähnlichen Dörnchen. 

Afterglied der J Puppe an der Oberseite mit vier starken 
Dornenzähnen in Querreihe, das Hinterende flach ku])])elförmig 
gerundet mit vier im Quadrat stehenden Dornenzähnen. 

Eine Larve fand Beling in einem berasten Ackerrain; sie 
steckte 10 cm tief in der Erde. 

Vorkommen: Im ersten Frühjahre in Wiesen. Czernowitz 
bei Brunn 13. Mai, 4 ??, 2 d'c?- Bilowitz 24. Mai, Bautsch, 1 $ 
(leg. Fr. Böhm). Nach Kolenati 1. c. im Se])tember (!) massenhaft 
an den Moortümpeln des Gesenkes. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Kärnten (Tief 1887), Vorarlberg (Bau 1910). Galizien 
(Now. 1873), Ungarn (Thalh. 1899), Bosnien (Strobl). 

Geogra])hische Verbreitung in Euro])a: Norwegen 
(Siebke 1877), Schweden (Zett., Wall. 1882, AVahlgr. 1905\ 
Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 1883), Eußland (Fedt. 1891), 
England (Verr. 1886), Holland (Wulp-Meij. 1898), Frankreich 
(Macq.), Deutschland (Mgn. I, Schumm. 1833, Westh. 1882), 
Schweiz (Hug. 18S8). 

21. T. variicoriiis Schumm.. Beitr. z. Ent. III. (1833): Kert. 
Kat. II, 311; aumdiconäs Mgn., Syst. Beschr., VL 289 (1830), 
Schin. IL 504 (1864) als Pachyrrhina; picticornis Zett. X, 
4899. 




121 

Kopf grau, Stirn mit feiner schwärzlicher Längslinie und 
s))ärlicher schwarzer Behaarung. »Schnauze gelblichbraun, Rüssel 
und erstes Tasterglied verdunkelt, die übrigen Tasterglieder gelb, 

Fühler gelb; die Basalglieder und das erste Geißelglied 
rein gelb, die übrigen gelb, an der Basis intensiv geschwärzt und 
mit zahlreichen Wirtelhärchen besetzt; die letzten Geißelglieder 
bis auf die gelbe Spitze verdunkelt. 

Prothorax gelb, Mesothorax grau mit vier sehr undeutlichen, 
graubraunen Längsstriemen, die mittleren sehr schmal, die seit- 
lichen kaum sichtbar, Schildchen gelb, Mesophragma graugelblich. 

Brustseiten, Hüften und Schenkelringe gelbrot. 

Beine vorherrschend gelb, die Schenkel mit 
scharf abgesetzter, schwarzer Spitze, verdunkelten 
Schienenspitzen und Tarsen. 

Flügel gelblich fingiert, namentlich an der 
Wurzelhälfte und am Vorderrande, mit schwarz- 
braunem, scharf abgesetztem Randmale, 

Die Flügel erscheinen bei dieser Art viel 

... JFig- 14- 

weniger gestreift als bei vernalis ; ein größerer ^. ° . . , 

. . 1 o • 1 Tip. variicornis (j* . 

glasheller Streifen zieht aus der Spitze der vor- /jjyp von der 

deren Basalzelle durch die mittlere Discoidalzelle Seite.) 

in die S])itze der hinteren Discoidalzelle. 

Die beiden Aste der vorderen Discoidalader sind oft nur 
kurz gestielt, oft sitzend, mitunter auf den Flügeln eines und des- 
selben Exem])lars verschieden. Wegen dieser Unregelmäßigkeit 
des Flügelgeäders wird die Art von Zetterstedt, Schiuer, v. d. Wulp 
u. a. zur Gattung Pachyrrhina gestellt. 

Sie gehört aber wegen des Verlaufes der Radialis zu Ti])ula, 
worauf schon Huguenin 1888 aufmerksam machte. 

Abdomen mit braunen Seitenstriemen. Sechstes und siebentes 
Segment fast ganz braunschwarz. An dem gelben Hypopygium 
fällt vor allem der fußförmige Anhang der achten Bauchschiene 
auf, der in Form eines Kegels fast senkrecht von der Lamelle 
absteht. Er wird von einem großen La])])en gebildet, dessen 
Ränder beiderseits nach unten zusammengezogen sind. (Westhofl".) 

Die neunte Rückenschiene ist in einen längeren dornähnlichen 
mittleren Fortsatz und in zwei stumpfe seitliche Ecken ausgezogen. 
Sehr stark entwickelt sind bei dieser Art die Appendices 
superae. die. von der Seite gesehen, als große, gelbliche, mit 



122 

gelben Härchen besetzte Hörnchen erscheinen, deren Spitzen ab- 
gerundet, etwas geschwärzt und fast zottig behaart sind. 

Die Appendices intermediae erscheinen (von der Seite 
gesehen) als große, breit blattförmige Gebilde von gelblicher Farbe. 
Ihre eigentliche Gestalt kann an dem geschlossenen Hypo])ygium 
schwer erkannt werden. Nach Westhoiï 1. c. bestehen sie aus dem 
zweiten und dritten Teil. 

Hypopygium: Westhoff 1882, Tab. IV. Fig. 49. (Innere 
Kopulationsorgane.) Scliumm. 1833, Tab. 111. Fig. 2, 3. (Hypopygium.) 

Das Weibchen zeichnet sich vor dem -^ durch kürzere, aber 
ebenfalls immer deutlich geringelte Fühler und durch robustere 
Beine, deren Schenkel an der Spitze etwas verdickt sind, aus. 

Hinterleib (vielleicht nur durch Eintrocknen) gelbbräunlich 
mit helleren Hinterleibseinschnitten. 

Legröhre licht pechbraun, sehr lang, die oberen Klap))en 
äußerst fein und spitzig. 

Größe: 13 — 14 iinii. 

Strobl (1894) erwähnt eine Varietät (?): Rückenschild mit 
vier deutlichen Striemen, der zweite bis fünfte Hinterleibsring 
mit schwarzbraunen, auch am Bauche deutlichen Endbinden; die 
drei Discoidaladern (d. h. die Aste der vorderen und die hintere 
Discoidalader) gleichweit voneinander entfernt. 

Larve (Beling 1886, als annulicornis Mgn.) stielrund, zart- 
häutig, blaßgelb bis schmutzigweiß. Die vier am Oberrande des 
Stigmenfeldes stehenden Hautzähne sind an der Basis miteinander 
verwachsen und an der Innenseite schwarzbraun gefärbt, die äußeren 
oft lichter als die inneren. Die beiden unteren Hautzai)fen stehen 
weit voneinander ab; an ihrer Basis steht ein schwärzlicher 
Querstrich, an der Si)itze ein schwarzbrauner Fleck, der sich 
„mitunter an den Bändern dergestalt hinunterzieht, daß die Innen- 
seite des Zahnes ein helles, schwarzbraun umrahmtes Feld zeigt." 
Die Spitze der unteren und der beiden oberen äußeren Zähne 
mit feinen, hellen Wim])erhaaren besetzt. 

Pui)pe gelblichgrau; Stirnhörnchen kurz, an der Spitze 
etwas spateiförmig erweitert. Endsegment der r^ Pu])pe dick, an 
der Oberseite mit vier in einem Viereck stehenden Zähnen. 
Unterseite des Endsegmentes mit einer großen, kegel- 
förmigen, an der Spitze zweizähnigen Erweiterung. Ende 



12 s 



des letzten Segmentes mit vier höckerförmigen Zähnen in einem 
Viereck, vor denselben zwei an der Si)itze gescliwärzte Dornenzähne. 

Endsegment der $ Puppe an der Basis der Unterseite mit 
vier in Querreihe, an der Oberseite mit vier plumpen, in einem 
Viereck stehenden Dornenzähnen, vor den letzteren zwei kleine, 
sehr nahe beisammen stehende Dornen. Legeruhrscheide aus zwei 
an der Basis 'verwachsenen, an der S])itze klaffenden Klap])en])aaren 
bestehend. 

Larven an feuchten Waldstelleu. besonders an kleinen 
Bächen, innerhalb der oberen Erdschichte. 

Vorkommen: In schattigen Bachschluchten. Schreibwald, 
Juni; Karthaus 5. Mai, 1 9, Bilowitz 1. Juni, 2 $?, Adamstal Mai, 
2 c^J*, 1 9, Obrawatal 22. Mai (leg. Landrock j, Frain ( Siebeck i. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. l'^94), 
Steiermark (Strobl 1894). Ungarn (Thalh. 1898). 

(jreogra[)hische Verbreitung in Europa: Schweden (Zett.. 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877). Finland (Lm. 
1907). Livland (Sint. 1883). England (Verr. 1886). Holland (Wulp- 
Meij. 1898), Schweiz (Hug. 1888). Deutschland (Mgn. VI. Schumm. 
1833. Westh. 1882). 

Anmerkung: Tip. annulicornis Say, Journ. Acad. Nat. Sc. Phila- 
delphia, VI, 151 (1829) ist nicht die von Mgn. 8. B. VI, 289 (1830) beschriebene 
Art, sondern eine Tipula aus Nordamerika. Daher wird für die von Mgn. 
beschriebene Art der Xame variicornis Schumm. (1833) gewählt. 

Tip. picticornis Zett. X. 4899 ist nach Wahlgren, 1904 = variicornis 
Schumm. 

22. T. marginata Mgn., Syst. Beschr. I. 173 (1818); Schin. JI. 
517 (1864); Kert. Kat. IL 295. 

,j": Kopf grau. Stirn an den Augenrändern lichter. Schnauze 
rötlichgelb, Taster gelb. 

Fühler dünn, etwas länger als der Thorax, schwarzbraun, 
die drei ersten Glieder hellgelb, das dritte an der äußersten Spitze 
schwarzbraun, die Geißelglieder an der Basis kaum verdickt. Hals- 
stück, Pro- und Mesonotum graubraun, letzteres mit drei dunklen 
breiten Striemen, die seitlichen verkürzt. Schildchen und Meso- 
phragma rotgelb, Brustseiten, Vorder- und Mittelhüften stark grau 
bereift, ]Sroto])leuraldepression gelblich, Hinterhüften und Schenkel- 
ringe eelb. 



J24 



Beine schwarzbraun. Sclienkel bis auf das verdunkelte 
Spitzenviertel gelb. 

Flügel blaßbräunlich tingiert, Kandmalfleck braun. Costal- 
zelle gelbbraun, Marginalzelle dunkelbraun. Die Posticalis schwach, 
ihre beiden Aste deutlich gesäumt. Ein weißlicher Mondfleck zieht 
vor dem Eandmale über die Spitze der vorderen Basalzelle in die 
mittlere Discoidalzelle und in die Spitze der cell. dise. post. ^). 

Abdomen gelb mit schwarzbraunen, breiten Seitenstriemen, 
die von der gelben Grundfarbe oben nur eine schmale Rücken- 
strieme freilassen. 

Hy])Oi)ygiuüi ziemlich groß, gelbbniun, von der Seite ge- 
sehen nach hinten abgestutzt. Die neunte Eückenschiene breit, iu 
der Mitte in zwei stumjjfe Vorsprünge ausgezogen. Die neunte 
Bauchschiene oben breit klafiend, tief gespalten, 
die Ränder unten (wie bei caesia) eine kielförmig 
erhabene Leiste bildend. Die äußeren Anhänge 
von gelblicher Farbe. Sie sind bei meinem einzigen 
Exemplar so im Innern des Hypopyginms verborgen, 
daß ich über ihre Gestalt mit Sicherheit nichts 
anzugeben vermag. Die A])])end. snperae sind wie 
bei caesia klein und ])ustelförmig. 

Das Weibchen kenne ich nicht. Nach 
Schummel besitzt es eine gerade, feine, brauugelbe Zange. Das 
dritte Fühlerglied ist ganz rotgelb. 
Größe (r^)\ 12 mu/. 
Meta m o r p h o s e nicht bekannt. 

Vorkommen: Ich besitze ein einziges J aus Mähren. 
Karthaus, 16. A[ai. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Kärnten (Tief. 1887), Steiermark (Strobl 1894), Galizien 
(Now. 1873. Grzeg. 1873), Ungarn (Thalh. 1899). 

Geogra])hische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett., Wall. 1882, Wahlgr. 1905). Norwegen (Siebke 1877). Ruß- 




Tij). inarginata r^ 
(Hyj).. von der 

Seite. I 



\) Meine Beschreibung des Flügels weicht etwas von der Schummeis 
ab. Dieser sagt: „Die innere Randmalzelle vor dem llaudmal, die vordere 
Scheibenzelle am Ende, die hintere Scheibenzelle und die Mittelzelle ganz, die 
erste und zweite Spitzenzelle zum Teil fast wasserklar." Ich bemerke aber 
in der hinteren Basalzelle höchstens einen undeutlichen weißlichen Streifen, 
ebenso in der ersten und zweiten S^jitzenzelle. 



125 

land (Fedt. 1902), Livland (Sint. 1«88), Hullaiid (Wulp-Meij. 1898), 
England (Verr. 1886), Frankreich (Macq.), Schweiz (Hug. 1888), 
DeutschLand iMgn. L, Schumm. 1833, Westh. 1882). 

23. T. caesia Schumm., Beitr. z. Entom. lil. 05 (1833); Schin. IL 

51(5 (1864); Kert. Kat. IL 283. 

Mittelgroße, graublau bereifte Art. 

Kü])f, Thorax, Schildchen und Mesophragma auffallend 
graublau bereift. 

Fühler so laug wie Koi)f und Thorax zusammengenommen, 
schwarzbraun. 

Thoraxrücken mit vier braunen Längs.striemen. die seitlichen 
verkürzt. Hinter der Quernaht je zwei braune Do])])elileckchen auf 
grauem Grrunde. Schildchen mit braunem Längsstreifen auf der Älitte. 

Hüften graublau bereift, Schenkel- 
ringe gelb. 

Beine schwarzbraun, Schenkel an der 
Wurzelhälfte gelb. 

Flügel bräunlichgrau getrübt, mit deut- 
lichem, schwarzbraunem Randmalfleck. Costal- 
und Mediastinalzelle braun, die Adern an 
der Flügels])itze von einem braunen Schatten Yig. 1(3. Tip. caesia r?. 
begleitet, besonders die Posticalis der ganzen íHyp., von der Seite.) 
Länge nach schmal schwarzbraun gesäumt. 

Hinterleib graubraun, die Ränder der Hinterleibssegmente 
unten an den Seiten gelblichweiß, wodurch eine gelbe Seitenstrieme 
an jeder Seite des Hinterleibes entsteht. 

Hypojiygium: Lameila term. supera hoch gewölbt, in der 
Mitte des Spitzenrandes nagelartig vortretend; dieser Fortsatz ist 
durch eine tiefe Einkerbung wieder in zwei abgerundete, mit kurzen 
starken Dörnchen besetzte Vorsprünge geteilt. Die neunte Bauch- 
schiene am Rande tief ausgebuchtet; vom Grunde dieser Bucht an 
ist der Unterrand der neunten Bauchlamelle bis zur achten Bauch- 
schiene kielförmig vorgezogen. Die äußeren Anhänge rotgelb. 
Append. superae klein, pusteiförmig, an der Spitze stark be- 
haart. Append. intermediae siehe Taf. I, Fig. 5. 

Das Weibchen gleicht dem J; die Fühler sind kürzer; die 
Striemen des Rückenschildes, besonders die Seitenstriemen, sehr 
undeutlich; Leger obre mäßig lang, das Basalstück dunkel-, die 




126 

Klai)])eni)aare licht kastanienbraun. Die oberen Lamellen an der 
Basis ziemlich breit, gegen die feine Spitze allmählich verschmälert. 
Die unteren Lamellen mit stumpfer Sjiitze. 

Größe: ^ 13, $ IQ nwi. 

Metamor])hose unbekannt. Schiner erwähnt nur, daß er 
die Art aus Pui)i)en erhielt, die unter Blättern lagen. 

Vor ko m m en: Lu Grase feuchter Wiesen, an AVassergräben, 
stellenweise nicht selten. Westhoft" nennt sie fälschlich eine Ge- 
birgsart. Czernowitz bei Brunn. 19. jNIai und 20. Juni, Karthaus, 
2. Juni, Ochos, 2. Juni, Adamstal und Josefstal, 11. Juni und 
20. Juni, Frain (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), 
Kärnten (Tief 1887), V'orarlberg (Bau 1910), Galizien (Grzeg. 
1873 und Now. 1873), Ungarn (Thalh. 1899), Bosnien (Strobl). 

Geograi)hische Verbreitung in Europa; Livland (Sint. 
1883), Kußland (Uedt. 1902), Holland (Wulp-Meij. 1898), Deutsch- 
land (Schumm. 1833, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 1888). 

24. T. lateralis Mgn., Klass. I. 67. 5 (1804) und Syst. Beschr. I. 

174, 6 (1818); Schin. IL 517, 22 (1864); Kert. Kat. IL 292; 

montium Egg., Zool. bot. Ges., Wien XIII. 1103 (1.S63); 

Schin. IL 518 (1864); Kert. Kat. IL 297 als Art. 

Kopf grau; Stirn grau mit schwärzlicher Längslinie. Eüssel 
gelbbraun, Taster scliwarzbraun. 

Fühler schwarzbraun, die Basalglieder schwach rötlich, die 
Geißelglieder des J vom zweiten angefangen an der Basis deutlich 
knoiifförmig verdickt, oder: Fühler schwarzbraun, erstes Basal- 
glied grau, zweites schwach rötlichgelb, erstes bis viertes Geißel- 
glied an der Basis deutlich rotbraun, aber kaum verdickt; die 
Fühler erscheinen in diesem Falle viel schlanker. 

Thorax braun und sehr veränderlich gezeichnet. Die drei 
schwarzbraunen Längsstriemen sind entweder breit und vollständig 
ausgefärbt, einfarbig oder von roten Säumen eingefaßt, die seit- 
lichen wie immer verkürzt. Oft heben sich die Längsstriemen von 
der Grundfarbe kaum ab und in vielen Fällen bleiben nur die 
dunklen Säume von ihnen übrig. Es erscheinen dann auf der Mitte 
des Thoraxrückens drei feine, duukelrote oder rotbraune Längs- 
linien, von denen die beiden seitlichen gegen das Halsstück diver- 




127 

gieren; zu beiden Seiten zeigen sich zwei bogenförmige, rotbraune 
Linien, die gegen die Quernaht offen sind. 

Hinterleib grau oder graugelb mit deutlichen, ziemlich 
breiten Seitenstriemen, die oft in breite, große Flecke aufgelöst 
und gegen die Bauchseite von lichten gelblichen Längsstriemen 
ziemlich scharf begrenzt sind. 

Hypopygium: Lamella term. supem in der Mitte des 
Spitzenrandes in einen Vorsprung ausgezogen, der durch eine 
kleine Einbuchtung wieder in zwei stumpfe, fast rechteckige, stark 
beborstete Za])fen zerfällt. Lamella term. infera groß; durch 
eine Längsfurche werden die Seitenteile von den ventralen Teilen 
derart getrennt, daß die letzteren, die von blaßgelber Farbe sind, 
von unten gesehen, wie zwei große, wulstförmige 
Anhänge erscheinen. — Append. superae gelb- 
lich weiß, schütter behaart, an der Oberseite mit 
einer zahnartigen, stumpfen Erweiterung. — 
A})pend. intermediae kno])fförmig mit schwar- 
zer, nach oben gerichteter S])itze, am breiten 
Unterrande ziemlich dicht und regelmäßig behaart. 
Unter diesen Anhängen bemerkt man oft aus dem ^. , 'T' ' 
geschlossenen Hypopygium zwei knopfförmige, íHyp., von der 
glänzende, gelblichweiße Gebilde hervorragen, Seite.) 

welche ich für die Arme des Adminiculum halte. 

Hypopygium: Westh. 1882, tab. IV, Fig. 51 (Vesicula centr, 
und j.enis), tab. VI. Fig. 68 (Adminiculum): Lm. 1907, tab. II, 
Fig. 23 (Hyp.). 

Flügel grau oder gelblich bis bräunlich tingiert, die Posti- 
calis, besonders ihre beiden Äste von einem deutlichen braunen 
Schatten begleitet. Vor dem dunklen Eandmal ein weißei- Mond- 
fleck, der in die mittlere Discoidalzelle hineinreicht. 

Beine braun, Schenkel fast bis zur Spitze gelb. 

Das Weibchen gleiclit dem J. Die Fühler sind kürzer und 
entweder ganz grau, oder es sind die ersten Geißelglieder an der 
Basis deutlich rotgelb, 

Größe: .j' 11—22, $ 13— 23 »?;«. 

Die Larve (Beling 1878) ist gelblichaschgrau bis bräunlich- 
gelb, durch drei den Rücken entlang laufende, an den Segment- 
einschnitten unterbrochene schwärzliche Längsstreifen ausgezeichnet. 
Die beiden großen, kreisrunden Hinterstigmen mit dunkler Scheil)e 



128 

und hellem Rande. Oberraud des Stigmenfeldes mit vier kurzen, 
stumpfen, gleichlangen Hautzapfen, die an der Innenseite blaß 
bräunlich gerandet und an der 8])itze glänzend schwarzbrann sind. 
Am Unterrande des Stigmenfeldes zwei kürzere, plumpere Haut- 
zapfen, die an der Innenseite einen schwarzbraunen Punkt tragen. 
Unterseite des Aftergliedes mit vier bis sechs langen spitzen Haut- 
zapfen. Soll in Färbung und Gestalt der T. lut esc en s gleichen. 

Die Puppe 20 mm lang, nach hinten kegelig verdünnt, 
schmutzig weißlich, mit scharf zusammengedrückten, hellen Seiten- 
kanten des Hinterleibes. Stirue mit zwei mäßig langen, gebogenen, 
gelbbraunen, an der Spitze s])atelförmig erweiterten und ]jlatt- 
gedrückten Hörnchen. Neuntes Hinterleibsglied von zehn Dornen- 
zähnen umgeben, von deiien je vier auf die Ober- und Unterseite 
und je einer auf die beiden Seitenränder entfallen. Männliche Pup])e 
hinter diesem Dornenkranze an der Oberseite des Aftergliedes mit 
vier in einem Viereck stehenden Dornenzähnen. Alle Zähne mit 
geschwärzter Spitze. Das Afterglied der weiblichen Puppe endet mit 
zwei Paar am Grunde verwachsenen, an den Spitzen klaffenden, 
die Legeröhre umschließenden Scheiden, von denen das obere 
Paar erheblich länger als das untere ist. 

Die Larven leben nach ßeling in feuchter, selbst schlammiger 
Erde. Nach Gercke lebt die Larve bis zur Verpuppung im 
Wasser; ja sie soll sich auch schwimmend verpuppen und weiter 
entwickeln, wenn sie verhindert ist, ans Land zu kommen. (Brauer, 
Süßwasserfauna Deutschlands.) 

Vorkommen: An größeren Tümpeln bei Czernowitz (die 
Form mit knotig verdickten Geißelgliedern): 30. April und 10. Mai; 
1 r? vom Schwarzaufer bei Kumrowitz, 21. Ai)ril; Bilowitz bei 
Brunn, 16. Mai; Frain, Juli; ßoznau, 7. August iK. Landrock); 
Ochos (Paula Huber); Hobitschau bei Wischau, 10. August; an 
kurzgrasigen Rainen im Teßtale bei Gr.-Ullersdorf. 9. August. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: lateralis: Böhmen 
(Kow. 1894), Niederösterreich (Strobl 1880). Steiermark (Strobl 
1894), Tirol (Pok. 1887), Kärnten (Tief 1887), Galizien (Now. 
1873, Grzeg. 1873). Ungarn (Thalh. 1899). 

montium: Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 
1894), Kärnten (Strobl 1900), Vorarlberg (Bau 1900), Görz (Mik, 
Z. b. Ges. 1864), Galizien (Now. 1873, Grzeg. 1873), Ungarn 
(Thalh. 1899), Siebenbürgen (Strobl 1897), Bosnien (Strobl). 



129 

Verbreitung in Europa: lateralis: Schweden (Zett. X. 
Wall. 1882. Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), Finland (Lm. 
1907), Rußland (Fedt. 1891 und 1902), Holland (Wulp-Meij. 1898). 
Frankreich (Macq.), England (Verr. 1886), Deutschland (Mgn. L, 
Hchumm. 1833, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 1888), Italien (Bezzi). 

montium: Aus dem übrigen Europa nur angeführt aus 
Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 1885), Frankreich (Bgr. 1907) 
und der Schweiz (Hug. 1! 



Beniei-kuiigen zu lateralis Mgn. und montium Egg. 
Ich kenne keine andere Tipula-Art, die in Größe und Färbung so außer- 
ordentlich variiert und zu so vielen und begründeten Zweifeln Anlaß gegeben 
hat. Schon Seh in, bemerkt in der Fauna austr., daß montium Egg. vielleicht 
nur eine Varietät von lateralis Mgn. sei. Strobl beläßt 1894 montium als 
selbständige Art, verzeichnet sie dagegen 1900 als Varietät von lateralis. 
Bergroth (Bull, de la Société entom. de Fr., 1907, Nr. 8, p. 143) führt 
montium E^S- als Art und als neu für die Fauna Frankreichs an. 



lateralis Mgn. montium Egg. 

Striemen des Rückenschildes Striemen des Rückenschildes 

oft nur durch "die braunen Ränder immer deutlich vorhanden, 
angedeutet. 

Hinterleib lebhaft rotgelb. Hinterleib nur an der Basis gelb, 

weiterhin schiefergrau, Einschnitte fein 
weißlich. 
Flügel bräunlich, die von dem Flügel grau; die von dem weißen 

weißen Mondfleck bedeckten Adern Mondfleck bedeckten Adern der Dis- 
der Discoidalzelle unscheinbar. coidalzelle nicht unscheinbar. 

Fünfte Längsader der ganzen Fünfte Längsader nur vorne 

Länge nach braun gesäumt. braun gesäumt. 

Ich habe meine zahlreichen mährischen Stücke auf die von Schiner und 
Bgger angegebenen Kennzeichen hin genau untersucht, bin aber zu keinem 
befriedigenden Resultate gekommen. Ich mußte mich damit begnügen, meine 
Stücke in drei Gruppen zu bringen und unterschied: 

a) eine Form, die sich durch einfarbig schwarzbraune Fühler, deren 
Geißelglieder an der Basis deutlich knopfig verdickt sind und durch mehr 
gelblich tingierte Flügel kennzeichnete. Die braun gesäumten Rückenstriemen 
heben sich sehr undeutlich von der Grundfarbe ab, oft sind sie aber nur durch 
die Säume angedeutet; 

b) eine Form, deren Fühlergeißelglieder nicht knopfig verdickt, von 
schlankerem Bau und an der Basis deutlich rotbraun gefärbt sind. Rücken- 
striemen wie bei a); 

c) eine Form mit Fühlern wie bei />), die aber größer, im allgemeinen 
dunkler gefärbt ist, bei der die drei deutlich ausgefärbten Rückenstriemen ein- 
farbig schwarzbraun und die Flügel viel dunkler, fast bräunlich tingiert sind. 

Zeitschrift des miiliv. T.andesnniseums. XIII. 9 



13Ô 

Die Hypopygien dieser drei Formen sind gleich gebaut. 

Die von Scbiner angegebenen Merkmale stimmen nun bald auf die eine^ 
bald auf die andere Form. Die Stücke mit vollständigen thoracalen Längs- 
striemen hatten dunklere, jene, bei denen die Eückenstriemen nur durch die 
Säume angedeutet waren, fast einfarbige, nur schwach gelblich tingierte Flügel. 

Auch die Färbung des Hinterleibes konnte kein Merkmal zur Unter- 
scheidung beider Arten abgeben. Schiner nennt den Hinterleib von lateralis 
rotgelb, Mgn. aber nennt ihn aschgrau und Schummel unterscheidet zwei 
Formen : 

a) eine Stammart: „Hinterleib rostrot mit zwei breiten, fast schwarzen, 
abgesetzten Striemen, die mitten wenig voneinander entfernt sind, einen breiten 
Seitenrand leer lassen, nur durch die rostgelben Hinterränder der Glieder 
unterbrochen werden und auf dem siebenten Gliede, einen ziemlich breiten 
Hinterrand freilassend, zusammenfließen." 

b) eine Abäuderung (oder eigene Art?): „Bei einer oft vorkommenden 
Abänderung ist der Raum oben zwischen den Striemen bläulichgrau und die 
Striemen sind auch noch durch bläulichgraue Querfleckchen, längs deren Mitte 
die schwarzen Luftlöcher liegen, unterbrochen." 

Auch was Scbiner von der Säumung der fünften Längsader angibt, stimmt 
nicht mit der Beschreibung anderer Autoren überein. Schummel sagt: „Fünfte 
Längsader vorne ganz oder nur am Ende, der große Quernerv stets an beiden 
Seiten braun schattiert." Nur bei einem einzigen Exemplar meiner Sammlung ist 
die Posticalis „der ganzen Länge nach," d. h. von der Wurzel bis zum Flügel- 
rande braun gesäumt. 

Lundströni 1907, p. 17, erwähnt zu moutium: 

„Bei meinen Exemplaren sind die zwei ersten Fühlerglieder dunkelgrau 
und nicht gelb: das dritte Glied hat unten ein gelbes Fleckchen, die Hüften sind 
grau, nur die Schenkelringe gelb." 

Vom Hypop3'gium beider Arten wird angegeben, daß sie im Bau voll- 
kommen übereinstimmen und nur in der Färbung abweichen: „Es ist bei 
montium (von hinten betrachtet) oben hellgelb, unten grau, bei lateralis aber 
einfarbig hellgelb. Die inneren Anhänge sind bei montium dunkelbraun und 
von horniger Beschaffenheit, bei lateralis hellgelb und mehr häutig." 

Westhoff 1889 unterscheidet bei lateralis: 

a) Eine Normalforra mit graugelblichem Hinterleib, mit verloschenen 
Rückenstriemen, graulichbraun angehauchten Flügeln und nicht sehr auffallend 
gesäumter Posticalis. Fühlerbasis und die Wurzel der Geißelglieder gelbgrau- 
braun. (Vom Frühling bis in den Herbst.) 

b) Var. aequinoctialis: Abdomen einfarbig aschgrau (ohne einen 
Stich ins Gelbliche), Thoracalstriemen deutlich ausgeprägt, Flügel blaß 
dunkelbraun, die Posticalis deutlich braun gestreift. Fühler fast vollkommen 
rein grau gefärbt. (Nur im Frühling und im Herbst ) 

c) Var. solstitialis mit rein ockergelbem bis gelbbraunem Abdomen 
(ohne Beimischung von Grauj und deutlichen Thoracalstriemen (es heben sich 
nur die dunklen Säume deutlich ab), gleichmäßig gelblichbraun fingierten 
Flügeln fast ohne Streifung und gelbbraunen Fühlern. (Juli, August.) 



131 

Meine drei mnhiischen Formen lagen Heri-n M. P. Riedel in Uerdingen 
vor, der sie sämtlich für lateralis Mgn. erklärte. Herr Riedel konnte, wie 
er mir mitteilte, die Cotypen des Wiener Museums, die von Egger bezeichnet 
waren, vergleichen und feststellen, daß montium Egg. nichts weiter als eine 
etwas schwärzlich gefärbte lateralis Mgn. sei. 

Bei zwei 9 9 meiner Sammlung ist die erste aus der Discoidalzelle ent- 
springende Ader so kurz gestielt, daß der Stiel fünfmal kürzer ist als die 
Gabel; bei einem $ entsendet der obere Ast der Posticalis einen kurzen Ader- 
anhang in die cell. post. anter. 

Anmerkung: In diese Abteilung (Striatae) gehören noch: 

1. T. fenestrata Schumm., die sich von T. marginata und T. late- 
ralis außer durch ihre erheblichere Größe dadurch unterscheidet, daß „der 
Raum unmittelbar hinter dem Flügelrandmale glashell und erst weiterhin 
gegen die Flügelspitze zu grau ist." Da sie in Preußisch-Schlesien vorkommt, 
ist es nicht unmöglich, daß sie auch bei uns lebt. 

2. Tip. rufe s cen s Westh., Jahresber. des Westfäl Prov. Ver., VIII 
(1879;; die Beschreibung gründet sich auf ein einziges Weibchen. 

3. Tip. opaca Siebke, Nyt Mag. 1872, 61. Auch von dieser Art wurde 
nur das Weibchen beschrieben. Siebke sagt, daß sie der T. lateralis ähnlich 
sehe, sich aber von ihr außer durch die Farbe der Fühler durch den Hinter- 
leib, der drei braune Striemen besitzt, unterscheide. Die Art wird nur noch 
von Wallengren aus Schweden angefahrt. 

Vielleicht gehören auch die schwer zu deutenden Arten Tip. lineola 
Mag., Mgn. I. 181 („8. Längsader und Querader der Flügel braun angelaufen") 
und Tip. nana Macq., Mgn. VII. o4 („der T. vernalis ähnlich") ebenfalls 
hierher. 

25. T. nigra Linné, Syst. Nat. Ed. X (175S); Schin. IL 518 

(1864); Kert. Kat. IL 298; verticillata Fabr., Ent. Syst. 237 

(1794). 

Kopf und Stirn schwarz mit einem Stich ins Eotbraune; 
Schnauze schwarz, Taster braunschwarz. 

Fühler schwarz; das zweite Glied und oft auch das erste 
an der Basis rotbraun; Geißelglieder an der Basis verdickt. 

Halsstück und Thoraxtücken mattschwarz; Brustseiten. 
Hüften und Schenkelringe braunschwarz. Schildchen und Meso- 
])hragma schwarz. 

Beine schwarzbraun, Schenkel und Schienen an der Wurzel 
gelbbraun. 

Flügel schwärzlichbraun tingiert, einfarbig, Kandmalfleck 
blaßbraun. Die Aste der vorderen Discoidalader entweder kurz 
gestielt oder sitzend oder getrennt voneinander aus der mittleren 
Discoidalzelle entspringend. 

9* 




132 

Abdomen glänzend schwarz. 

Hypopygiiim gekennzeichnet durch den zimgen- oder rinnen- 

förmigen Anhang der Lam, bas. infera. 

Spitzenrand der neunten Rückenschiene in der Mitte gekerbt 

und an den Seiten in zwei runde Lappen ausgezogen. 

Neunte Bauchschiene schmal gebuchtet, der untere Seitenrand 

wuistartig und mit kurzen, feinen Härchen besetzt. 

Append, superae gelblich, mit einem scharfen, am Ende 

geschwärzten Zähnchen auf der nach unten gerichteten Seite, die 

Spitze des Anhanges ebenfalls schwarz gefärbt (Taf. I, Fig. 3). 

Die Append. intermediae bestehen 

aus zwei Teilen, einem breiten, schaufeiförmig 

gebogenen ersten Teile von gelblicher Farbe. 

der in zwei Spitzen ausgezogen ist und an 

dessen Grund ein kleiner, kolbenförmiger, an 

.rr" o -x ''• 1. s der Spitze stark behaarter zweiter Arm liegt 
(Hvp., Seitenansicht.) ^ ° 

(Taf. I, Fig. 2). 

Hypoi)ygium: Westh. 1882. tab. I, Fig, 7 (Hyp.) und tab.III, 
Fig. 38 (Append. su])erae). 

Größe: 1 2 — 14 mm. 

Die Larve (Beling 1878) ist lederhäutig, aschgrau, nicht 
glänzend. Unterhalb der Hinterstigmen je eine schwarzbraune 
winkelige Zeichnung. Oberrand des Stigmenfeldes mit vier langen 
Hautzapfen, die mittleren kürzeren Zapfen an der Basis mit 
schwarzbraunem Punkt; am unteren Rande des Stigmenfeldes zwei 
kurze Hautzapfen. 

Die Puppe ist bräunlichgelb. Stirne mit zwei kurzen Hörnchen. 
Afterglied von acht kräftigen Dornen umgeben, bei der männlichen 
Puppe mit abgestutztem, von vier in einem Quadrat stehenden 
Dornenzähnen umgebenem Ende. 

Beling fand die Larven im Juni in beraster Erde am 
Rand eines Torfbruches. 

Vorkommen: Groß-Ullersdorf im Teßtale (Juli) sehr häutig 
auf moorigen Wiesen und an "Wassergräben. Vereinzelt an sumpfigen 
Stellen der Czernowitzer Au bei Brunn, 27. Juni ; Tracht, ein r| 
(K. Landrock), Frain (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Schlesien (Tief 1887), Niederösterreich, Steiermark (Strobl 
1880, 1894), Kärnten (Tief 1887), Tirol (Palm 1869), Vorarlberg 



133 

(Bau 1910), Krain (Bergr. 1888), Galizien (Grzeg. 1873, Now. 1873), 
Ungarn (Thalh. 1899), Siebenbürgen (Strobl 1896). 

Geographische Verbreitung m Europa: Schweden 
(Zett., Wall. 18S2, Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), Liv- 
land(Sint. 1883), Finland (Lm. 1907), Holland (Wulp-Meij. 1898), 
Rußland (Dwig. 1802, Fedt. 1891), England (Verr. 1886), Frank- 
reich (Macq.), Schweiz (Hug. 1888), Deutschland (Mgn., Schumm. 
1833, Westh. 1882), Italien (Lioy, Bezzi . 

Anmerkung. Tip. nigra nähert sich den Pachyrrhinen durch die ver- 
hältnismäßig kurze und dicke Schnauze und dadurch, daß die der mittleren 
Discoidalzelle entspringenden Aste der vorderen Discoidalader oft getrennt 
voneinander^ oder in einem Punkte aus dieser Zelle entspringen. 

Mit Pach. corniciua und aculeata hat sie den Zahn an der Append. 
sup. gemein. Auf Grund des von den Tipula-Arten abweichenden FJügelgeäders 
hat Lioy für Tip. nigra eine neue Gattung Anomaloptera errichtet. 
Osten Sacken beläßt aber T. nigra bei dem Genus Tipula und bemei-kt, 
daß die übrigen Gattungsmerkmale der Tipuliden, der verlängerte Kopf, die 
flache Stirn und das verlängerte erste Fühlerglied diese Art der Gattung Ti- 
pula viel näher rückt als der Gattung Pachyrrhina. 

Westh. 1882 erwähnt eine Varietät: rufopicea. Es ist wohl jene Abart, 
die auch Bergroth 1888 verzeichnet: „Sämtliche Geißelglieder der Fühler an 
der Basis gelb geringelt." Ich habe sie in der Sammlung Siebeck gesehen. 

26. T. oleracea Linné, Syst. Nat., Ed. X. 585 (1758); Schin. IL 
518 (1864); Kert. Kat. II. 301; pratensis Deg„ Mém. pour 
serv. Ù l'hist. d. Ins. VI. 339 (1776) nach Kertész; terrestris 
Harr., nach Verrall 1886. 

Kopf grau mit braunem Schimmer auf Stirne und Scheitel; 
Schnauze, Rüssel und Taster rotbraun. 

Fühler: Die beiden Basalglieder gelbrot, das erste Geißel- 
glied an der Basis ausgebreitet rotbraun, die übrigen Geißelglieder 
braunschwarz, an der Basis verdickt. 

Rückenschild oben grau mit vier dunkleren und braungeran- 
deten Längsstriemen, die seitlichen verkürzt. Die mittleren Striemen 
fließen oft in eine einzige zusammen, die mitunter auch nur sehr 
schwach braun gesäumt ist; innerhalb dieser Mittelstriemen er- 
scheint dann eine schmale, braune Längslinie. Schildchen und 
Hinterrücken grau. Brustseiten graubereift, Notopleuraldepression 
braungelb. 

Beine braunschwarz, die Schenkel an der Wurzelhälfte 
gelbrot. Hüften grau bereift, Schenkelringe gelb. 



134 

Flügel grau tingiert. Costal- und Mediastinalzelle bis zum 
Randmale dunkelbraun. Unter dem braunen Vorderrand ein weißer 
Längsstreifen. 

Hinterleib grau, erstes Segment an der Wurzel gelblich- 
grau, der Hinterrand der Segmente schwach gelblich gesäumt, 
mit brauner, oft sehr undeutlicher oder ganz fehlender Rücken- 
strieme. 

Hypopygium: Die zwei basalen Endlamellen außerordent- 
lich groß, so daß das Hypopygium sehr dick erscheint. — Lam. 
term. supera in der Mitte des Spitzenrandes lappenförmig vorge- 
zogen, der Spitzenrand dieses Lappens durch eine Einkerbung in 
zwei Vorsprünge geteilt. Lameila bas. infera tief gefurcht, so daß 
der obere Teil dieser Lamelle, an dem der meist 
/ \ sichtbare erste Teil der Append. interm. an- 
/\ ■ / geheftet ist, durch eine tiefe Furche von dem 
---->r\\/ ^^\ unteren Teil der Laraelle abgetrennt wird. 

\j\ ^ I Append. superae sehr groß, blattförmig, 

'\^\ \ rhomboidisch. von grauweißer Farbe. Die Append. 

~^~~^ ^ intermediae bestehen aus vier Teilen (siehe Fig. 20). 

Flg. 19. Charakteristisch ist der höckerartige, stark behaarte 

Tip. oleracea r^. tt i i 

„ „ . Vorsi)runff der i)ars secunda. 

rllVp., Seiten- tt • -.tt l -r.r-» 1 t -r-l- 

ansieht! -Hypopygium: Westh. 1882, tab. I, Fig. D 

(Abdomenl tab. III, Fig. ;{3 (Append. superae), 
und (verosimiliter) tab. III. Fig. 41 (Append. intermediae)^). 

Lege röhre des $ gelbrot, das Basalstück dunkelkastanien- 
braun, glänzend. 

Größe: 18 — 23 /um. 

Metamorphose: Die zollange, aschgraue Larve lebt nach 
Bouché an den Wurzeln der Kohl arten, soll aber nur an solche 
gehen, die durch andere Larven schon beschädigt oder gar in 
Moder und Fäulnis übergegangen sind. (Kaltenb., Pflanzen - 
feinde, 1874.) 

Vorkommen in Mähren: Czernowitz bei Brunn, IG. Sep- 
tember und 9. Oktober; Holásek 1. Oktober; Steinmühle, Oktober. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Niederösterreicli 
(Strobl 1880), Steiermark (Strobl 1894), Kärnten (Tief 1887), 
Tirol (Palm 1869), Galizien (Grzeg. 1873, Now. 1873), Sieben- 



') Siehe die nachstehenden Bemerkungen zu paludosa und oleracea. 



185 

bürgen (Strobl 1896). Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 1899), Bosnitn 
(^Strobl). 

Geogra]i]iische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett., Wall. 1882, Wablgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), Fin- 
land [Lm. 1907 incl. paludosa), Livland (Sint. 1883)^ Holland 
(Wulp-Meij. 1898), Rußland (Dwig. 1802, Fedt. 1891), England 
(Verr. 1886), Frankreich (Macq.), Schweiz (Hug. 1888), Deutsch- 
land (Mgn. I. Schumm. 1833. Westh. 1882), Italien (Bezzi). 

Aumei-kung. Verrall gibt 1. c. 1888, p. 23, in der analyt. Tabelle als 
Unterschiede zwischen oleracea und paludosa an: 

Female with large wings, longer than the abdomen, and both sexes witli 
a conspicuous longitudinal pale streak all along under the brown Costa. 

oleracea L. 

Female with snial wings, shorter than the abdomen, and without any 
distinct pale streak under the brown costa. paludosa Mgn. 

In der Erläuterung zur Tabelle sagt er aber (p. 2tí): „wether ours are 
the true représentatives of these two much vexed species, I cannot say; I be- 
lieve our T. oleracea is (juite identical with the Austrian species, but they do 
nut seam to recognise our T. paludosa on the continent. 

Possibly, our two are only seasonal forms, as, although they widely 
overlap, I find T. oleracea an earlier insect than T. paludosa, say May to Au- 
gust, as against Jnly irarely June) to September.'" 

27. T. paludosa Mgn., S. B. VI. 289 ! 1830); Schin. IL 518 (1864); 
Kert. Kat. II. 303. 

Gleicht der T. oleracea. An den Kühlern rf sind meist nur 
die zwei Basalglieder rotgelb. Rückenschild mehr gelbgrau mit vier 
braun gerandeten Striemen, die mittleren oft wie bei T. oleracea 
in eine einzige Längsstrieme zusammengeflossen. 

In der Färbung der Brustseiten, des Schildchens und Meso- 
])hragmas kein Unterschied. Notopleuraldepression rotgelb. 

Beine lichter als bei der vorigen xlrt, die Schenkel aus- 
gebreiteter gelb, im allgemeinen robuster gebaut. 

Flügel entschieden bräunlieh tingiert, auch die Adern 
mehr gelbbräunlich. Costal- und Mediastinalzelle wie bei oleracea 
dunkelbraun; unter dem braunen Vorderrandstreifen ein lichter 
Streifen von gelblichweißer Farbe. 

Hinterleib des J grau; das Abdomen aller meiner weiblichen 
Stücke fleischfarben und länger als die Flügel. 

Hypopygium gleicht im allgemeinen Bau dem von oleracea. 
Bezüglich der Abweichungen, die mich veranlaßten, T. paludosa 



136 

als eigene Art aufzufassen, verweise ich auf die nachstehenden 
Bemerkungen. 

Größe: 20 — 2^^ ///t/i (1 S nur 17 mm). 

Legeröhre 9 gelbrot, die oberen Klai)})en an der Spitze 
etwas verdickt, die unteren lichtgelb, breit, halb so lang als die 
oberen, mit abgerundeter Spitze. 

Larve (Beling 1873) schmutzig rötlich oder braungelblicb. 
Afterglied am Hinterrande oben mit vier kleinen Zähnen mit 
geschwärzter Spitze, am unteren Hinterrande zwei große, au der 
Innenseite schwarzbraun glänzende Zähne. Unter den großen kreis- 
runden Stigmen zwei kleine, schwarzbraune Punkte, (charakteristisch 
für die Larve dieser Art (die Beling 1886 im analytischen Teile 
als Larve von oleracea anführt) ist je ein dicker spitzer Hautzahn 
am oberen Rande des Afters. 

Pup])e bräunlichgelb, der Hinterleib etwas zugespitzt. Hinter- 
leibsglieder auf der Rückenseite vom vierten, auf der Bauchseite 
vom fünften an mit einer Querreihe von kleinen Zähnchen. After- 
glied der (^ Puppe an der Oberseite mit sechs Zähnen in einem 
Viereck, dessen Basis von vier Dornenzähnen gebildet wird. An 
der Unterseite sechs starke Zähne in Querreihe und dahinter 
noch zwei kleinere Dornenzähne. 

Legerohrscheiden der $ Pup])e an der Basis mit zwei Zähnen, 
aus zwei Paar verwachsenen Lamellen bestehend, das untere Paar 
nur wenig kürzer als das obere. 

Larven unter der Rasendecke des Bodens auf "Wiesen und 
Feldrainen. 

Vorkommen: In Wiesen, Auwäldern, an Grasraiuen. stellen- 
weise massenhaft. Sie ist viel häufiger als oleracea und scheint 
waldiges, gebirgiges Terrain zu bevorzugen. Teßtal: Groß-Ullers- 
dorf 8. August. Erzberg 10. August, Dreislein 8. August; Ochos 
August (leg. Paula Huber), Wranau bei Brunn (Sei)tember). Frain 
(Siebeck), Rožnau 7. August (Landrock). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894). 
Schlesien (Strobl 1900), Steiermark (Strobl 1804), Vorarlberg (Bau 
1910), Galizien i^Grzeg. 1873, New. 1873), Ungarn (Thalh. 1899\ 
Küstenland (Strobl 1893), Bosnien (Strobl). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett., Wall. 1882. Wahlgr. 1905). Livland (Sint. 1883). Rußland 
(Dwig. 1802, Fedt. 1891). Holland (Wulp-Meij. 1898), England 



137 

(Verr. 1886), Deutschland (Mgn. YL Schumm. 1833, Westh. 1882), 
Schweiz THug. 1888). 

Anmerkung 1, Tip. fusca Zett. X, 3961 ist nach "Wahlgr., Arkiv 
for Zoologi, Stockholm 1904 kaum etwas anderes als oleraceaL. „Dem ein- 
zigen Exemplar (in Zett. Sammlung) fehlt das Abdomen." Würde der Xame 
nicht eher auf T. paludosa leiten? 

Anmerkung 2. Bei 2 $ 9 meiner Sammlung ist der stark zusammen- 
geschrumpfte Hinterleib grau. (Vgl. auch Beling 1. c: „ . . , mitunter grauem 
Hinterleibe, insbesondere bei solchen Individuen, welche ihre schwarzen Eier 
noch nicht abgelegt haben.") Bei denselben zwei Exemplaren ist die Costal- und 
Mediastinalzelle nur sehr schwach braun, fast glashell, es fehlt also der für 
oleracea und paludosa so charakteristische braune Vorderrandstreifen. 

Ein außerordentlich großes 2 besitzt fast ganz gelbe Fühler, bis auf die 
verdunkelten Tarsen fast ganz gelbe Beine, der Vorderrandstreifen ist höchst 
auffallend braun gefärbt. Vielleicht ist es das 2 einer neuen Art. 

Bemerkuiigeu zu Tip. oleracea L. und paludosa 3Igii. 

Nichts beweist die Notwendigkeit einer Revision der Tipula-Arten 
besser als die Unklarheiten, die bezüglich dieser beiden Arten obschweben. Es 
wäre interessant zu untersuchen, was alles als Tip. oleracea und paludosa be- 
stimmt wurde. Dazu würde Material aus allen Ländern gehören, das mir fehlt. 
Ich glaube, daß eine solche Revision das Resultat ergeben müßte, daß drei, 
möglicherweise vier verschiedene Arten mit den beiden genannten Spezies zu- 
sammengeworfen wurden. Zu welch ganz konträren Schlußfolgerungen man 
trotz eingehender Untersuchungen gelangen kann, beweisen die Arbeiten B e- 
lings und Miks zur Klarstellung der beiden Arten. 

"Während Beling auf Grund seines reichen Materials, das aber von 
einem Fundorte stammte, zu dem Schlüsse kam, daß oleracea und paludosa 
eine Art seien, kam Mik zu dem Ergebnisse, daß paludosa eine gute Art 
sei. — H. Low hielt (conf. Mik, zool.-bot. Ges., 1886) paludosa Mgn. für 
eine Saisonvarietät von oleracea L. 

Auch die Arbeit Miks brachte aber keine vollständige Klarheit. So 
sagt Lundström 1907 von seinen finnischen Stücken: „Kein einziges Hypo- 
pygium hatte eine solche pars tertia appendicis intermediae, wie sie Miks 
Zeichnung dieses Teiles von Tip. oleracea darstellt, sondern bei allen 
stimmte sie vollkommen überein mit Miks Zeichnung der pars tertia von Tip. 
paludosa. Wenn ich diese Exemplare trotzdem zu oleracea L. rechne, so 
geschieht es, weil fast alle untersuchten r^{^ ein deutliches weißes Band unter 
dem dunklen Vorderrande der Flügel besaßen." 

Es seien nun zunächst die Untersuchungen Beliugs und Miks angeführt. 
Beling kommt (Wien. Ent.-Ztg., 188-4, p. 219) nach eingehender Unter- 
suchung seines Materials und sorgfältiger Vergleichung der Beschreibungen 
bei Mgn., Schummel, Zetterstedt und Schiner zu dem Resultate, daß Tip. pa- 
ludosa Mgn. und oleracea Lin. eine und dieselbe Art seien. Wie bereits 
erwähnt, war H, Low der Ansicht, daß paludosa eine Saisonvarietät von 
olera cea sei. 



138 

Be.ling hat 350 J'cj' untersucht und fand: 

Ein c? mit drittem und viertem rotgeiben Fühlerglied (Schiner gibt 
das als Kennzeichen von oleracea an); 

ein c^ mit ganz grauem ersten Fdhlerglied; 

zehn (^ (^ mit rotgelbera Hinterleibe, wie ihn die 2 5 haben. 

Unter 88 untersuchten 9 9 befanden sich: 

Drei 9 9 mit aschgrauem Hinterleibe gleich den r^c^; 

zwei 9 9 mit ganz rostgelben Fühlern mit schwarzbrauner Basis der 
Geißelglieder. 

Mik hält in: Zool.-bot. Ges., Wien, 1886, p. 475, beide Arten ausein- 
ander und gibt als Unterscheidungsmerkmale an: 

p a 1 u d o s a 9 • 

Robustere Beine, namentlich dickere Schenkel. Flügel mit kaum wahr- 
nehmbarem helleren Subcostalstreifeu. 

Hinterleib meistens rötlichgelb, bei nicht verflogenen Stücken fast fleisch- 
farben. 

Vordertarscn so lang oder etwas länger als das erste und zweite Glied 
der Hintertarsen zusammengenommen. 

Die Fühler „meist" schon vom dritten Gliede an verdunkelt. 

oleracea 9 • 

Dünnere Beine; 

Flügel mit sehr deutlichem, weißlichem Subcostalstreifeu; 

Hinterleib graubräunlich ; 

Vordertarscn kürzer als das erste und zweite Glied der Hintertarsen zu- 
sammengenommen. 

Das dritte Glied der Fühler meist noch braungelb; aber „auch die übrigen 
Glieder sind bei dieser Art braungelb und nur an ihrer verdickten Basis in 
scharfer Abgrenzung schwärzlich, während die Verdunkelung der Glieder bei 
paludosa sich über die ganze Länge derselben erstreckt." 

p a 1 u d s a ç^ : 
Kein deutlicher heller Streifen unter dem dunkelbraunen (Jostalstreifen. 
Beine kräftiger; Vordertarscn kürzer als das erste und zweite Glied der 
Hintertarsen zusammengenommen (also umgekehrt wie beim 9)- 

oleracea ^^ : 

Ein deutlicher weilier Streifen unter dem dunkelbraunen Costaistreifen, 
der auch den ganzen Spitzenteil der vorderen Basalzelle ausfüllt, während bei 
paludosa daselbst die Grundfarbe der übrigen Flügelfläche vorwaltet. 

Beine weniger kräftig; Vordertarsen so lang oder etwas länger als das 
erste und zweite Glied der Hintertarsen zusammengenommen. 

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Arten 
liegt aber nach Mik in den vei-schiedenen Hypopygien, und zwar dem Bau 
der Append. iutermediae, die bei dieser Art aus allen vier Teilen bestehen. 



139 

Ein Vergleich der Abbildungen beider Appendices 1. c, pag. 478, zeigt 
auf den ersten Blick, daß die einzelnen Arme dieser Anhänge verschieden ge- 
bildet sind. 

Die Pars prima (von Mik als äußerstes Glied bezeichnet) ist bei der 
einen Art (paludosa) viel länger und gleichförmig gebogen, bei der andern 
(oleracea) schon an der Basis fast rechtwinkelig gekrümmt. Ebenso verschieden 
ist die Pars secunda (von Mik als „mittleres Glied" bezeichnet); sie ist bei 
paludosa „spateiförmig", bei oleracea „breit sichelförmig". Noch verschiedener 
gebaut ist die pars tertia und wohl am stärksten modifiziert. Bei paludosa ist 
sie an der Spitze breit und überhaupt mehr breit „klauenförmig", an der 
unteren Seite mit langen, goldgelben Haaren befranst, bei olei-acea ist sie 
spitz, ganz glänzend schwarz und kahl. 

Diese Unterschiede im Bau des Hyi>opygiums würden wohl genügen, die 
Artrechte von paludosa festzustellen. 

Mik meint, daß T. paludosa im Spätsommer (Ende August, Septem- 
ber), T. oleracea vorzüglich im Frühjahre (schon im April) zu finden sei. Da 
er die letztere Art aber auch im Spätsommer antraf, schließt er, daß palu- 
dosa nur eine, oleracea dagegen zwei Generationen habe. 





Fig. 20. App. intermediae Fig. 21. App. intermediae 

von Tip. oleracea L. von Tip. paludosa Mgn. 

Zur t'harakteristik meiner mährischen Stücke sei bemerkt: Ich besitze 
A^on beiden Formen 165 Exemplare von verschiedenen Fundorten. 

Unter den mir aus Mähren vorliegenden Tieren befinden sich zweifellos 
zwei Formen, die sicli schon nach den äußeren Merkmalen voneinander unter- 
scheiden lassen. 

Die Färbung der Fühler und des Hinterleibes sind allerdings keine brauch- 
baren Kennzeichen für die Unterscheidung beider Arten und auch das von 
allen Autoren angegebene Merkmal, „der deutliche helle Streifen unter dem 
dunkelbraunen Streifen des Flügelvorderrandes", ist nicht geeignet, beide Arten 
genau voneinander zu unterscheiden. Zunächst ist dieser Streifen bei den toten 
Tieren immer so undeutlich, daß er (ich habe hier meine mährischen Formen 
vor Augen) mehr als ein Schimmer erscheint. Wohl aber scheint in der Farbe 
dieses hellen Streifens ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu liegen. Bei jenen 
Stücken, die ich für oleracea ansehe, schimmert der erwähnte helle Streifen 
rein weißlich, bei paludosa dagegen gelblichweiß. Die Angabe Miks, daß bei 
oleracea der weiße Streifen auch die Spitze der vorderen Basalzelle ausfüllt, 
Avährend l)ei paludosa daselbst die Grundfarbe der übrigen Flügelfläche vor- 
herrscht, stimmt für meine Exemplare nicht. Auch bei jenen Stücken, die ich für 
paludosa halte, schimmert die Spitze der vorderen Bazalzelle gelblichweiJi. 



140 



Dagegen gibt die Fäi-bung der Flügel ein gutes Unterschei- 
dungsmerkmal ab und es wundert mich, daß Mik dieses Merkmal 
nicht erwähnte, wenn ihm beide Arten vorlagen. Gegen eine weiße 
Fläche gehalten, erscheinen die Flügel bei T. paludosa in beiden 
Geschlechtern lebhaft gelbbräunlich tingiert, während sie bei 
T, oleracea, und zwar wieder in beiden Geschlechtern, mehr 
graulich tingiert sind. Die Adern erscheinen daher in der Flügel- 
fläche bei oleracea viel deutlicher und ausgeprägter, obwohl sie 
sehr zart sind. 

Dieser Unterschied wird übrigens von Schiner ausdrücklich angegeben; 
er sagt bei paludosa: „Flügel rostbräunlich tingiert" und bei oleracea; 
„Flügel graulich tingiert". 

Ebenso sagt Schummel bei oleracea: „Flügel graulich" und bei palu- 
dosa: „Flügel fast einfarbig, licht rötlichgrau." (In der Diagnose: „rostbraun".) 

Ebenso Zetterstedt: „alis cinerascentibus" bei oleracea und „alis fus- 
canis" bei paludosa. Gleichwohl sagt er in der Anmerkung: „Haec species 
mihi anceps videtur." 

Zweifelhaft ist, ob Mgn. beide Arten vorgelegen sind, denn er bezeichnet 
die Flügel beider als blaßbraun. 

Dieser Unterschied in der Flügelfärbung ist so auffallend, daß ich im- 
stande war, nach diesem Merkmale allein meine mährischen Stücke in zwei 
Gruppen zu stellen: 

a) Eine Form mit graulich tiugierten Flügeln; 

h) eine Form mit entschieden bräunlich fingierten Flügeln. 

Es war nun zu untersuchen, ob es sich bei diesen beiden Formen nicht 
doch nur um Abänderungen handelte. Darüber konnte nui- eine Untersuchung 
des Hypopygiums Aufschluß geben, die folgendes Resultat hatte: In der Form 
der Umgrenzungsstücke und der Append. superae zeigten sich unwesentliche 
Modifikationen. Dagegen hat die Untersuchung der Append. intermediae die 
Annahme bestätigt, daß es sich um zwei verschiedene Arten handelt. 

Wie die Abbildungen der Appendices beider Arten (Fig. 20 und 21) zeigen, 
liegt die Verschiedenheit vor allem in der abweichenden Bildung der pars 
secunda dieser Anhänge. Der zweite Teil ist bei den Exemplaren mit rotbräunlich 
tingierteu Flügeln an der Basis schmal, verbreitert sich aber dann plötzlich 
knöpf- oder napfförmig, er ist von rein bernsteingelber Farbe ohne schwarz 
gefärbte Stellen und fast ohne Behaarung. 

Bei den Stücken mit graulich fingierten Flügeln dagegen, die ich für 
oleracea L. halte, ist die jjars secunda der Append. intermediae an der Basis 
breit, ebenfalls von rein gelber Farbe, bildet aber an der Innenseite einen 
deutlichen höckerartigen Vorsprung, der an der Spitze schwarz gefäi'bt ist und 
kurze, aber sehr auffallende Börstchen trägt. 

Auch die anderen Teile der Append. intermediae zeigen Abweichungen, 
die aber nicht so auffallend sind. So ist die pars prima bei oleracea an der 
Spitze ausgebreiteter schwarz gefärbt. Unwesentlich erscheint mir die lange 
gelbe Behaarung am Oberrand der pars teitia, die bei ein und derselben Art 
bald dicht, bald schütter auftritt. 



141 



Vergleichen wir unsere Untersuchungen mit denen Miks. Seine Abbil- 
dung der Appendices von paludosa stimmt wohl mit denen unserer palu- 
dosa überein, nicht aber seine Abbildung der o 1 er a ce a. Da Mik die ver- 
schiedene Färbung der Flügel beider Arten nicht erwähnt, die auffallen muß, 
wenn man beide Arten vor sich hat und die erwähnt werden muß, wenn man 
die dickeren oder schwächeren Beine als „Merkmal" angibt, glaube ich, daß 
er überhaupt eine andere Art vor sich hatte und nicht die echte oleracea L. 

Westhoiî bringt tab. III, Fig. 41. eine Abbildung der Zange von palu- 
dosa. Mik erwähnt 1. c, p. 478, Fußnote, daß seine Abbildung mit der West- 
hoffs nicht übereinstimmt und sagt: „Abgesehen davon (von den geringen Ver- 
schiedenheiten der pars I. und IV.), wäre schon wegen der abweichenden 
Bildung des inneren CUiedes (das ist die pars secunda) die Form, welche 
Westhoff vor sich hatte, als eine Varietät aufzufassen, wenn man es hier nicht 
etwa mit einer eigenen Art zu tun hat." 

Ich glaube sicher zu sein, daß Westhoff nicht die Zange von paludosa, 
sondern die von oleracea in Fig. 41 abgebildet hat. 

Lundström erwähnt 1. c: „Bei einem Exemplar gleicht die pars secunda 
völlig Westhoffs Zeichnung." Aber er sagt auch: „Die Verschiedenheit in der 
Bildung des Hypopygiums bei beiden Formen scheint mir doch eine zu geringe 
zu sein, um allein hierauf zwei verschiedene Arten aufzustellen." Wenn aber diese 
Verschiedenheit des zweiten Teiles der Append. iatermediae konstant bei den 
Stücken mit grau tingierten Flügeln auftritt, so scheinen doch zwei verschie- 
dene Formen vorzuliegen. 

Fassen wir nochmals zusammen, sn ergeben sich als Kennzeichen 
l)eider Arten: 

T. oleracea: Grau tingierte Flügel mit zarten, schwarzbraunen Adern; 
unter dem dunklen Vorderrandstreifen der Flügel ein heller Streifen von 
weißlicher Farbe. Meistens grau gefärbte Arten. Pars secunda der Append. 
iiitermediae an der Basis nicht verschmälert, an dem breit gerundeten Spitzen- 
teil mit einem deutlichen Höcker, der an der äußersten Spitze schwarz gefärbt 
und beborstet ist. 

T. paludosa: Flügel bräunlich tingiert mit mehr gelbroter Aderung. 
Körperfarbe zumeist, besonders bei den $ $, mehr fleischfarben. Pars secunda 
der Append. intermediae an der Basis verschmälert, am Ende breit napfförmig 
erweitert, ohne vorstehenden Höcker und ohne auffallende Borsteuhaare. 

Anmerkung. Tip. fimbriata Mgn., S. B. I, 190 und Tip. plumbea 
Mgn., S. B. I, 191, beide Arten mit braunem Vorderrandstreifen, gehören jeden- 
falls in diese Abteilung. Erstere wird von Gimmerthal aus Rußland und von 
Walker aus England angeführt; zu der Walkerschen Art bemerkt aber Verrall 
1886: „under this name I have only seen Tip. paludosa Mgn." 

AuchTip. plumbea wirdnurnoch von Gimmerthal und Walker angeführt. 

Tip. plumbea F. ist keineswegs Tip. plumbea Mgn., denn Fabricius 
nennt die Fühler schwarz, Mgn, dagegen schwarzbraun mit ziegelfarbiger 
Wurzel. Tip. plumbea Mgle. ist nach Mgn. I, 190 gleich T. fimbriata 
Mgn.; nach Schin. ist das als Tip. fimbriata bezettelte Exemplar im 
k. k. Hofmuseum in Wien T. paludosa Mgn. 



142 



Vielleicht ist Tip. plumbea Mgn. gleich Tip. oleracea L., da die 
Flügel weiß (Fabr.) oder graulich (Mgn.) genannt werden, Tip. fimbriata 
Mgn. dagegen gleich Tip. paludosa Mgn., denn Mgn. nennt die Flügel 
bräunlich. 



28. T. luteipeniiis Mgn., System. Besclir. VI. 288 (1830); Schin. 
II. 519 (1864); Kert. Kat. II. 294; 2JÍcticoniis Zett. X. 4003 
(Pacliyrrhina). 

Kopf gelblichgrau mit undeutlicher schwärzlicher Längslinie; 
Schnauze, Rüssel und Taster gelbrot. 

Fühler gelbrot; die drei ersten Glieder reingelb, die Geißel- 
glieder an der verdickten Basis braun, die letzten Geißelglieder 
verdunkelt. 

Thoraxrücken grau mit drei oft nicht sehr scharf aus- 
gefärbten Längsstriemen, die Seitenstriemen verkürzt und oft nur 
durch eine braune Linie angezeigt. Die mittelste Strieme breit, 

von braunen Säumen eingefaßt und auf 
der Mitte durch zwei braune Längslinien 
geteilt; diese vier braunen Linien bilden 
innerhalb der dunklen Mittelstrieme eine 
ähnliche W-förmige Figur wie bei nube- 
culosa; nur ist die Zeichnung mitunter 
sehr undeutlich. 

Brustseiten unten schwach grau be- 
reift, Notopleuraldepression gelblich. Alle 
Hüften grau bereift. Schenkelringe gelb. 
Beine vorherrschend gelb mit schwar- 
und Schienensjůtzen und verdunkelten Tarsen- 




Fig. 22. 

Tip. luteipennis J*. 

(Hyp., Seitenansicht.) 



zen Schenkel- 
endgliedern. 

Flügel intensiv gelblich tingiert, am Vorderrande und an 
der Wurzel gesättigter. Das Randmal hebt sich von der Flügel- 
fläche kaum ab. Vor der Randmalzelle liegt ein kleiner Mondfleck, 
wenn man den weißlichen Schimmer in der Mitte der Subcostal- 
zelle überhaupt als Mondfleck betrachten kann. Ein ähnlicher 
weißer Schimmer zieht als winziger Streifen aus der Spitze der 
vorderen Basalzelle in die mittlere Discoidalzelle. Der Stiel der 
Gabel der vorderen Discoidalader ist bei dieser Art sehr kurz; 
bei einem (S entspringen die beiden Aste der vorderen Discoidal- 
iider in einem Punkte aus der mittleren Discoidalzelle. 



143 

Hinterleib gelbrot mit einer deutlichen braunen Rücken- 
strieme. 

Hypopygium klein, nicht dicker als der Hinterleib. Laraella 
termin. supera breit ausgebuchtet, die Seitenecken ziemlich weit 
vorgezogen, in der Mitte der Einbuchtung ein kleiner, spitzer 
Vorsprung hervorragend. Der größte Teil der Lamelle wird aber 
von der Lameila basalis supera bedeckt. Lameila basalis infera 
nicht sehr tief gespalten. Appendices superae ziemlich breit, 
blattförmig, gelblich, lang gelb behaart, mit den etwas eingekrümmten 
Spitzen stark gegeneinander gebogen. Appendices intermediae 
beilförmig, gelblich, die äußerste, scharfkantige Spitze und eine 
wulstförmige Naht auf der Innenficäche braunschwarz. Die Be- 
haarung nicht sonderlich lang und auffallend ( Taf. I, Fig. 4). 

Hypopygium: Westh. 1882, Tab. H, Fig. 19 (Lam. term. 
SU]).), Tab. V, Fig. 54 (Vesicula centralis). 

9: Leger Öhre mäßig lang, gelblich, die oberen Klappen an 
der Spitze stumpf abgerundet; die unteren Lamellen kurz. 

Größe: 13—20 mm. 

Larve: (Beling 1886) zarthäutig, rostbräunlich; den Rücken 
entlang ziehen zwei hell durchscheinende Tracheen. Letztes Hinter- 
leibsglied am Oberrande mit fünf, am Unterrande mit zwei gleich 
langen und breiten, platten Hautzapfen mit abgerundeter Spitze. 
Unterhalb der Hinterstigmen je ein schmaler Horizoutalstrich. 
zwischen ihnen ein verwaschener Fleck. 

Puppe lichtbraun; Stirnhörnchen kurz und breit. Endsegment 
der c? Puppe stumpf, jederseits mit drei Dornenzähnen in einer 
Längsreihe, hinter diesen Zähnen zwei plumpe, mit den Spitzen 
zangenförmig gegeneinander gerichtete Genitalscheiden. Unterseite 
des Segmentes mit vier Dornenzähnen in Querreihe und etwas 
weiter nach hinten an jeder Seite je ein großer, spitzer Zahn. 
Endsegment der ? Puppe mit zwei Paar verwachsenen Legerohr- 
^cheiden, das obere Paar weit länger als das untere. 

Larven in der Erde sumpfiger Wiesen. 

Vorkommen: Eine Herbstart, die erst Ende September 
erscheint. Massenhaft traf ich sie am 22. September 1907 im 
hohen Grase eines von wenigen Weidenbäumen bestandenen Haines 
beiChirlitz. Aus Czernowitz am 22. September 1911 und 8. Oktober 
1912 an sehr sumpfigen, mit Schilf bewachsenen Stellen häufig. 



144 

Sehr selten sind die 99. An dem erw.ähnten ersten Fundorte fand 
ich unter Hunderten von Jr? nur vier 99^)- 

Von dem zweiten Fundorte besitze ich auffallend kleinere 
Stücke mit weniger gelb tingierten Flügeln, die sich aber sonst 
von der größeren Art durch nichts unterscheiden. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Steiermark (Strobl 1894), Vorarlberg (Bau 1910), Galizien (New. 
1873). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden (Zett., 
Wall. 1882, Wahlgr. 1905). Norwegen (Siebke 1877), Finland 
(Lm. 1907), Livland (Sint. 1885). Holland (Wulp-Meij. 1898), 
England (Verr. 1886), Rußland (Fedt. 1902), Schweiz (Hug. 1888), 
Deutschland (Mgn. VI, Schumm. 1833, Westh. 1882). 

Anmerkung 1: Pachyrrhina picticornis Zett. X, 4003 ist nach 
Wahlgren 1904 eine Tip. luteipennis mit abnormer Aderung. 

Anmerkung 2: Eine der Tip. luteipennis ähnliche Art muß Tip. 
melanoceros Schumm. sein, die nach Westhoff zu derselben Zeit schwärmt. 
Sie unterscheidet sich von luteipennis durch ganz schwarze oder schwarz- 
braune Antennen. Der Rückenschild ist vierstriemig. Ich kenne die Art nicht. 
Es ist aber, da sie in Preut). -Schlesien gefunden wurde, nicht unwahrscheinlich, 
daß sie auch bei uns vorkommt. 

29. T. flavoliiieata Mgn., Klass. T. 67 (1804); Mgn., Syst. Beschr. 
I. 185 (1818); Schin. II. 520 (1864); Kert. Kat. IL 287; 
antennata Schumm.. Beitr. z. Ent. III. 82 (1833); latevittata 
Schumm., Beiträge z. Ent. TU. 82 (1833); longkornis Curt., 
nach Verrall 1886. 

J: Kopf und Stirn schwärzlichgrau, Untergesicht gelb; 
Schnauze oben schwarzbraun, an den Seiten rotgelb. Rüssel 
schwarzbraun, Taster gelb. 

Fühler außerordentlich lang, viel länger als Kopf und 
Thorax zusammengenommen. Zweites Basalglied und erstes Geißel- 
glied (letzteres bis auf die verdunkelte Spitze) reingelb. Die 
übrigen Geißelglieder schwarzbraun, sehr langgestreckt, walzen- 
förmig, an der Basis kaum verdickt, der ganzen Länge nach mit 
Wirtelhärchen reich besetzt. (Schumm. 1833, Tab. I, Fig. 10.) 

Halsstück gelblich, Prothorax schwärzlich. 



*) Ebenso selten sind die 9 9 flei' verwandten Art melanoceros Schumm. 
Westhoff, 1879: „Unter den fünfzig (^ (^ fanden sich nur drei 9 9"- 




145 

Thorax rücken braunschwarz, glänzend, mit einer breiten, 
schmutziggelben Mittelstrieme und zwei verkürzten Seitenstriemen. 
(Schiner nennt den Rückenschild „gelb mit vier etwas glänzenden 
schwarzgrauen Längsstriemen". Schummel sagt: „Rückenschild 
aschgrau mit vier dunkleren braunen Striemen", und fügt hinzu: 
..Der Mittelleib dieses Stückes ist vielleicht durch eine Krankheit 
widernatürlich gefärbt.") 

Brustseiten schwarzbraun, unten etwas ins Kötliche schim- 
mernd, Notopleuraldepression gelb. Vorderhüften grau bereift, 
Mittel- und Hinterhüften und alle Schenkelringe gelb. 

Beine gelb, die Schenkel an der äußersten Spitze, die 
Schienen im Spitzendrittel und die Tarsen schwarzbraun. 

Flügel länger als der Hinterleib, am Vorder- 
rande und an der Wurzel gelblich fingiert, mit 
scharfbegrenztem, lichtbraunem Randmale. Vor 
demselben ein sehr unscheinbarer Mondlleck, in 
gewisser Richtung als ein weiß schimmernder Fleck 
sichtbar. Ein gleiches Fleckchen in der Basis der 
mittleren Discoidalzelle. ^^ë- 23. 

Abdomen schmutzig rotgelb, die letzten Tip.flavolineatacj'. 

Ringe vorwiegend schwarzbraun, mit zwei undeut- -'i.s 

° '^ _ ansieht.) 

liehen schmalen Seiteustriemen. 

Hypopygium: Lam. term. supera am Spitzenrande seicht 
ausgebuchtet. Lam. term. infera nicht tief gebuchtet. Vom Grunde 
dieser Auslmchtung geht eine kielförmig erhobene gelbliche Mem- 
bran bis zum Grunde der achten Bauchschiene. 

Appendices superae glänzend schwarzbraun, zwei gegen- 
einander gekehrte, stark gebogene Hörnchen bildend. 

Appendices intermediae lichtgelb, stark behaart. (Ich 
habe das Hypopygium meines einzigen Stückes nicht zerlegt, kann 
also über ihre wahre Gestalt nichts sagen.) 

AVesthoff 1882, Tab. II, Fig. 22 (Lam. term. sup.); Tab. III, 
Fig. 35 (App. superae); Tab. VI, Fig. 69 (Adminiculum). 

Weibchen: Rückenschild grau, mit drei dunklen, etwas 
glänzenden Rückenstriemen, die mittelste durch eine feine Längs- 
linie von der Grundfarbe des Rückenschildes geteilt, die seitlichen 
vor den Humeralgrübchen abgebrochen. Fühler bis zum fünften 
inclusive hellgelb. Brustseiten stark grau bereift, Notopleural- 
depression fast schwefelgelb. 

Zeitselii'ifi des miihr. Laiulcsmviseuins. XIII. \Q 



146 

Hinterleib braungelb, an den Seiten mit dunklen Partien, 
als wenn sich Seitenstriemen bilden wollten, die letzten Segmente 
stark verdunkelt mit gelblichen Endsäumen. 

Lege röhre glänzend braungelb, gegen die Spitze lichter, die 
Lamellen auffallend lang und robust, alle an der Spitze abgerundet 
und die unteren Lamellen nur wenig kürzer als die oberen. 

Flügel ziemlich breit, besonders am Vorderrande gelblich 
tingiert, Randmal blaßbraun, Flügelmond klein. 

Ein 9 meiner Sammlung mit ungewöhnlich plumpem Hinterleib 
und überhaupt von viel robusterem Aussehen ist kaum etwas anderes. 

Größe: J Ib mm, 9 \S~2d mm. 

Larve (Beling 1873) weiß, glänzend, sehr zarthäutig mit 
durchscheinendem Darminhalte. Letztes Leibesglied oben mit vier 
kurzen Hautzähnen in Querreihe, an der Unterseite mit zwei kürzeren 
Zähnen, die an der Spitze der Innenseite einen schwarzen Quer- 
strich oder Punkt tragen. Die schwarzbraunen Hinterstigmen oval, 
oben weiter als unten voneinander abstehend. 

Puppe schmutzig bräunlichgelb. Stirnhörnchen kastanien- 
braun glänzend, lang. Hinterleibsglieder vom dritten angefangen 
mit breitem braunen Saume, vor diesem Saum vier in einer Reihe 
stehende Zähnchen, Letztes Hinterleibsglied oben mit vier, unten 
mit zwei in lange Spitzen auslaufenden Zähnen. Die Puppe soll 
an der hellen Färbung und an den hellen glänzenden Stirnhörnchen 
leicht kenntlich sein. 

Staeger soll die Puppen in dürren Birkenstämmen gefunden 
haben. Beling fand die Larven in faulen Stöcken von Eschen, 
Rot- und Weißbuchen, Birken, Schwarzerlen. Es])en und einmal 
in einem faulen Eichenaste. 

Hartig erwähnt, daß die Larven dieser Art einjährige 
Tannen- und Lärchenpflänzchen zerstört haben (Taschenberg. 
Insektenkunde, 1874). 

Vorkommen: Diese Art scheint bei uns sehr selten. Ich 
fing nur ein c? l)ei Karthaus nächst Brunn am 2. Mai 1910, 
ein 9 in Adamstal 28. Mai 1012 und ein zweites im Schreibwalde 
10. Juni 1Ö12. 

Verbreitung in Osterreich -Ungarn: Steiermark und 
Kärnten (Strobl 1894 und 1900). 

Geographische Verbreitung in Euro])a: Norwegen 
(Siebke 1877), Schweden, Dänemark (Zett., Wall. 1882. Wahlgr. 



147 

1905), Finland (Lm. 1907), Rußland (Fedt. 1902), Holland 
(Wulp-Meij. 1898), Frankreich (Macq.), England (Verr. 1886), 
Schweiz (Hug. 1888), Deutschland (Mgn. I, Schumm. 1833, 
Westh. 1882). 

80. Ï. pruinosa Wdm., Zool. Mag. I. 1, 64 (1817); Mgn., Syst. 

Beschr. I. 191 (1818); Schin. II. 521 (1864); Kert. Kat. 

IL 305. 

Kopf grau, Stirn grau bereift, Schnauze und Taster schwarz- 
braun; Fdhler so lang wie der Thorax, schwarzbraun, die Geißel- 
glieder an der Basis etwas verdickt. 

Thoraxrilcken grau mit drei braunen Längsstriemen, die 
mittelste durch eine dunkle Linie geteilt, die immer deutlich er- 
scheint, wenn man den Thorax von hinten gegen das Licht be- 
trachtet. Brustseiten bläulich grau bereift, Notopleuraldepression 
rötlichgelb. Hüften grau. Schenkelringe gelb. 

Beine schwarzbraun; Schenkel und Schienen an der Wurzel- 
hälfte gelbrot. 

Flügel graulich fingiert, einfarbig. Randmal lichtbraun, der 
Mondfleck klein und undeutlich. 

Abdomen schiefergrau, an den Seiten gegen die Bauchseite 
ein heller, bräunlichgelber Streifen. 

Hypopygium etwas verdickt, die Lam. bas. sup. klein, 
ringförmig, Lam. terminalis supera in zwei stumpfliche Seitenecken, 
der mittlere Spitzenrand in zwei ziemlich lange, an der Spitze 
geschwärzte und stark beborstete Vorsprünge ausgezogen. An dem 
geschlossenen Hypopygium fallen die außerordentlich großen 
A])pend. intermediae besonders auf. Die Append. superae 
sind klein, zylindrisch, an ihrem Ende erweitert und lang, fast 
zottig behaart. Die Lameila basalis infera trägt einen Anhang, 
der aus zwei schwach keulenförmig verdickten, gelbbehaarten 
Appendices besteht, die in die Einbuchtung der neunten Bauch- 
schiene hineinragen (vgl. Taf. I, Fig. 1). 

Hypopygium: Westli. 1882, tab. III, Fig. 20 (Lam. term. 
sup.); Lra. 1907, tab. III, Fig. 37 (Hypop.). 

Das Weibchen hat kürzere Fühler und die Flügel sind 
mehr l)räuulich fingiert. 

Leg er Öhre mäßig lang, das obere Basalstück glänzend 
dunkelbraun, die oberen Ijamellen liclit kastanienbraun, schmal, 

10* 



148 

ziemlich spitzig und sanft nach unten gebogen. Die unteren La- 
mellen lichtgelb, nur halb so lang wie die oberen. 
Größe: c? IS—li mm, 9 17 mm. 

Die Larve (Beling 1886) ist aschgrau, schwarz gekörnelt, 
au den Leibesseiten mit einem dornförmigen Hautzapfen am Ende 
eines jeden Segmentes. Stigmenfeld am Oberrande mit vier langen, 
spitzen, am Unterrande mit zwei kurzen Hautzapfen. Letztere an der 
Basis der Innenseite mit A'erhältnismäßig großem, breitem, řichwarz- 
braunera Querfleck oder Querstrich. Unterhalb der. Hinterstigmen 
drei schwarzbraune Punkte in Querreihe. 

Puppe y (Beling 1878). Stirnhörnchen kurz, an der S])itze 
etwas kolbig erweitert. Hinterleib zusammengedrückt, jederseits 
mit einer scharfen Kante. Das dritte bis achte Segment auf der 
Oberseite mit 12 kurzen Zähnen nächst dem Hinterrande. Das 
vierte Hinterleibsglied auf der Unterseite mit je einem, das fünfte 
bis achte mit je sechs kleinen Zähnen. 

Nach Beling lebt die Larve in Walderde, 

in berastem oder mit Moos überzogenem Boden. 

Vorkommen: Nicht selten. Karthaus 

16. Juni; Czernowitz bei Brunn 7. und 20. Juni; 

Bilowitz 23. Juni; Josefstal 17. Juni; Groß- 

°; " ■ , UUersdorf 14. August: Hobitschau bei Wischaii; 
Tip. pruinosa J^. o - 

(Hyp., Seitenansiclit). Rožiiaji (Landrock).^ __ 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: 
Böhmen (Kow. 1894), Schlesien ( Strobl 1900). Niederösterreich und 
Steiermark (Strobl 1880 bezw. 1894), Kärnten (Tief 1887 >, Galizien 
(Grzeg. 1873 und Now. 1873), Bosnien (Strobl, var. bosnica). 

Geogra])hische Verbreitung in Europa: Schweden 
Zett., Wall. 1882. Wahlgr. 19U5), Norwegen (Siebke 1877), Fin- 
land (Lm. 1907), Rußland (Pedt. 1902), Livland (Sint. 1885), 
Holland (Wulp-Meij. 1898), England (Verr. 1886), Prankreich 
(Macq.), Deutschland (Mgn. I, Schumm. 1833,Westh. 1882), Schweiz 
(Hug. 1888). 

Anmerkung. Strobl 1894 beschreibt eine der pruinosa sehr nahe- 
stehende, wahrscheinlich alpine Art: T. pseudopruinosa. Sie unterscheidet 
sich von T. pruinosa dadurch, daß sie nur eine, vorne dreiteilige Mittel- 
strieme besitzt, besonders aber durch das anders gebaute Hypopygium. — Vor 
allem scheint mir die neunte Bauchschiene verschieden gebaut zu sein: sie ist 
„am Ende elliptisch ausgeschnitten und aus dem Ausschnitte ragt ein gelb- 
rotes Haarbüschel fast senkrecht nach abwärts." 





149 

31. T. stigmatella Schumm., Beitr. z. Ent. III. 73 (1833); Schin. 

IL 521 (1864); Kert. Kat. IL 309. 

K opf gelbgraii, Rüssel schwarzbraun, Schnauze undTasler gelb. 

Fühler: Die ersten drei Fühlerglieder reingelb, die drei 
Ucächsten Geißelglieder gebräunt, an der Spitze lichtgelb, die 
übrigen schwarzbraun. Alle Geißelglieder walzenförmig, an der 
Basis nicht verdickt. 

Thoraxrücken gelbgrau mit vier dunklen, lichtbraunen Lcängs- 
striemen, die seitlichen verkürzt. Schildchen gelb, Mesophragma 
grau. Brustseiten auffallend licht, Notopleuraldepression gelb. 

Beine lichtgelb, Schenkel und Schie- 
nen an der äußersten S]>itze etwas ver- 
dunkelt. Tarsen brnun. 

Flügel länger als der Hinterleib, 

sehr schwach grau fingiert, fast glashell, 

die Costal- und Mediastinalzelle und die 

Flügelwurzel etwas gelblich, das Eandmal ^,1.°* ' " .]^' ^ ^°"i^ ^,.*i ^* 
° ° [Hyp., Seitenansicht (links), 

blaßbraun, aber deutlich. Vor demselben ^,^^ unten (rechts).] 

ein ganz kleiner weißlicher Mondfleck. 

Hinterleib gelb, ohne deutliche Striemen, die letzten Hinge 
braun. 

Hypopygium ungewöhnlich groß, fast kugelig aufgetrieben, 
dreimal so breit wie der Hinterleib. Lamella term. supera groß 
und stark gewölbt, ebenso die beiden unteren Endlamellen stark 
entwickelt. Charakteristisch für diese Art scheinen die langen, 
dunkelgelben, am oberen Ende gebräunten Appendices inter- 
mediae. die bei geschlossenem Hypopygium die Lam. term. supera 
etwas überragen. Ihre Spitze trägt ähnliche starke Börstchen 
wie bei pruinosn. Die x\p])end. superae sind ziemlich lang, 
kolbenförmig, von dunkelgelber Farbe und stark behaart. 

Die Lamella basal, infera ist breit ausgebuchtet, die 
Ausbuchtung durch eine gelbliche, fein gelb behaarte Membran 
gedeckt. 

Das Weibchen hat kürzere und lichtere Fühler, die Geißel- 
glieder sind nur an der äußersten Basis verdunkelt ; die zwei Mittel- 
striemen des Rückenschildes erscheinen bei meinen Stücken in eine 
einzige, durch eine braune Längslinie geteilte Strieme zusammen- 
geflossen. Der Hinterleib ist grünlichgelb, der Hinterrand des vierten 
bis siebenten Segmentes gelb gerandet. Ungemein charakteristisch ist 



150 

die Legerölire gebaut. Während der Hinterleilj bis zum fünften 
Gliede von unten zusammengedrückt erscheint, erweitern sich schon 
die nächsten zwei Segmente und die beiden Basalstücke der Lege- 
röhre, das obere von kastanienbrauner, das untere von gelber 
Farbe, sind fast blasig aufgetrieben. Die oberen Lamellen sind 
robust, ziemlich breit, am Ende zugespitzt, von dunkelgelber Farbe. 
Die unteren, etwas kürzeren, aber breiteren Lamellen sind lichtgelb. 

Größe: c? 10 m;w, 9 II »nn. 

Metamorphose nicht bek annt. 

Vorkommen: Von dieser, wie es scheint, sehr seltenen Art 
fing ich auf Gebüsch am Waldrande bei Bilowitz im Zwittatale 
am 24. Mai 1911 zwei rfj und ein $; am 6. Juni 1911 ein c? im 
Josefstal bei Adamstal und ebendort zwei $? am 25. Mai 1912. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Kärnten (Tief 1887), Tirol (Pokorný 1887), Galizien (Grzeg. 
1873, Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 1899). 

Geographische Verbreitung in Europa: Livland (Sint. 
1888), Schweiz (Hug. 1888). Deutschland (Schumm. 1833). 

Anmerkung. Schlimme 1 erwähnt 1. c. eine Varietät („die wohl eine 
besondere Art sein könnte"), bei welcher nur die Basalglieder der Fühler gelb, 
die Schenkel mehr braun, am Ende allmählich schwarz und der Hinterleib 
von mehr brauner Farbe ist. Auffallend ist, daß Schummel von dem so cha- 
rakteristisch gebauten Hypopygium nichts anderes zu sagen weiß, als daß der 
„After schwarzbraun und glänzend ist". Ich wurde daher an der Richtigkeit 
meiner Bestimmung etwas irre. Herr Riedel, dem ich eine Zeichnung des 
Hypopygiums einsandte, erklärte aber die Art für richtig bestimmt. 

S chiner sind Schummeische Originalstücke vorgelegen. Aber auch er 
erwähnt nicht den ganz besonderen Bau des Hypopygiums und sagt nur, daß 
die „zwei aufragenden Organe der Genitalien" (gemeint sind wohl die App. 
interm.) blattartiger, vorne umgebogen und die unteren Partien dichter behaart 
sind als bei pruinosa. 

Auch seine Bemerkung: „Gleicht der vorigen Art", wird oft irreleiten. 
Mit pruinosa hat stigmat eil a Schummel wohl die großen, freiliegenden 
Append. intermediae gemein, doch trägt die Lam. term. inf. der erstereu 
zwei längliche, kolbenförmige Anhänge, die „zusammen eine fast leierförmige 
Figur bilden" (Lundström). Diese Appendices fehlen bei stigmatella. 

32. T. (lecipieiis Czk., Wien. Ent.-Ztg. XXXI, S. 171-174, 1912. 

Gleicht sehr der folgenden Art, von ihr aber sicher verschieden. 

c^: Kopf und Stirn grau, letztere mit einer in gewisser Be- 
leuchtung immer deutlichen, vorn spateiförmig erweiterten Längs- 
strieme. Schnauze, Rüssel und Taster schwarzgrau. 



151 

Fühler ziemlich kurz, nur so lang als Kopf und Halsstück 
zusammengenommen, die Basalglieder schmutzig rostrot, die Geißel- 
glieder schwarzbraun, an der Basis nicht verdickt. 

Thorax rück en aschgrau, vor dem Pronotum rostrot, mit 
vier ausgeprägten, braunen Längsstriemen, die seitlichen wie ge- 
wöhnlich stark verkürzt. Hinter der Quernaht eine breite, braune, 
schrägliegende Längsstrieme, die bis zum Schildchen reicht und 
vor derselben ein brauner Fleck. Schildchen und Mesophragma 
grau, letzteres mit braunen Reflexen. Brustseiten und Hüften grau, 
Notopleuraldepression rostrot, Schenkelringe gelb, 

Beine schwarzbraun, die Schenkel bis gegen die schwarz- 
braune Spitze gelbbräunlich. 

Flügel sehr blaß bräunlichgrau tingiert, mit bräunlichblassem 
Randmalfleck und verschwindend kleinem, kaum sichtbarem weißen 





Fig. 26. Tip. decipiens J*. Fig. 27. Tip. decipiens 9. 

(Hyp., Seitenansicht.) Legeröhre. 

Mondfleck, der nicht über die Radialader hinausreicht. Die xldern, 
welche die mittlere Discoidalzelle umschließen, nicht unscheinbar, 
die Zelle selbst im Verhältnis zu ihrer Breite ziemlich kurz. 

Abdomen aschgrau, der Hinterrand der Segmente sehr 
schmal gelblich gesäumt, mit schmaler dunkler Rückenstrieme und 
ebensolchen, in lange Flecke aufgelösten Seitenstriemen. Unter 
diesen Seitenstriemeu erscheint gegen die Bauchseite zu eine sehr 
schmale gelbliche Längsstrieme. 

Hypopygium ziemlich klein und nicht stärker als der 
Hinterleib. Die Lameila terminalis supera ist ziemlich breit, 
wie bei lunata, aber nicht so hoch gewölbt und zeigt nichts 
Glänzendes, sondern ist mattschwarz. Die beiden Vorsprünge am 
Spitzenrande der Lamelle sind kürzer und abgerundeter als bei 
lunata und ebenfalls von mattschwarzer Farbe. Die Lamella ba- 
salis infera unterscheidet sich in ihrer Struktur wenig von dem 
vorhergehenden Bauchsegment; besonders fehlt ihr die fuchsrötlich 
behaarte Appendix, die lunata auszeichnet. Die Lamella terminalis 



152 

infera ist weniger entwickelt als bei lunata und an ihrem Unter- 
rande nur wenig ausgeschnitten, so daß das Hjpopygium, von 
unten gesehen, mehr geschlossen erscheint als bei jener Art. 

Die Appendices superae sind von schwarzbrauner Farbe, 
ziemlich breit, aber kurz und ragen nicht so weit vor wie die 
gleichen, gelblich gefärbten Anhänge der lunata. Die Apj)en- 
dices intermediae sind ziemlich klein, zangenförmig, mit schwarz- 
glänzender scharfer Spitze, sonst braun, dicht, aber sehr kurz be- 
haart, an der nach oben gerichteten Seite mit einer höckerartigen, 
schwarzen Erweiterung (Taf. I, Fig. 16). 

Das Weibchen gleicht dem Männchen, doch sind Stirn und 
Schnauze mehr grau, die Mittelstrieme der ersteren undeutlicher 
und durch braune Schimmerflecke angedeutet. Die braunen Mittel- 
striemen des Thoraxrückens sind bei einigen $$ sowie beim J* sehr 
deutlich und scharf, bei anderen Stücken aber vorn verschwommen. 
Der Hinterleib ist wie beim J* aschgrau, das erste Segment aber 
an der Basis licht gelblichgrau. Die Flügel sind ebenso blaß tin- 
giert und das weiße Mondfleckchen ebenso undeutlich wie beim J. 
Die Legeröhre ist länger und schlanker als bei lunata und bis auf 
die lichtgelben Spitzen der beiden Klappen})aare ganz glänzend 
schwarzrraun, während l)ei lunata nur das obere Basalstück 
glänzend kastanienbraun ist. Auch sind die oberen Lamellen bei 
decipiens an der Spitze mehr abgerundet als bei lunata. 

Größe: <S 18—20 mm, 9 20—22 ?n)n. 

Vorkommen: Aus dem Zwittatal bei Bilowitz ein ç^ 25. Mai, 
zwei $9 7. und 13. Juni 1911; in zahlreichen Stücken aus einem 
Seitentale des Zwittatales bei Adamstal, 28. Mai 1912. 

Anmerkung. Herr Riedel teilt mir mit, daß er die neue Art kennt 
und sie für T. claripennis Schin in litt. hält. Das Weibchen mag sehr oft 
mit dem von T. lunata verwechselt worden sein und vielleicht ist auch das 
Männchen in manchen älteren Sammlungen unter diesem Namen vorhanden. 

Interessant ist die Ortlichkeit, an der Tip. decipiens vorzukommen 
pflegt. Ich fand sie beidemal, in Bilowitz und in Adamstal, an denselben 
charakteristischen Stellen, in einem Buchenwalde, dessen Boden von einer 
hohen Laubdecke bedeckt war, über welche das "Wasser eines Quellbaches 
langsam dahinrieselte. Die Männchen fliegen langsam über die vom Wasser 
berieselten Stellen des Waldbodens, oft gegen den nassen Boden wippend. Die 
ganze Umgebung war fast entblößt von jeder Vegetation. Ein Pärchen beob- 
achtete ich bei der Begattung, die sich mitten im Wasser, auf dem Boden vollzog, 
abweichend von der Schilderung, die Osten-Sacken in seinen Studien entwirft. 

In Gesellschaft der Tip. decipiens traf ich Tip. maxima, variicornis und 
Pedicia rivosa. 



153 

Anmerkung. In diese Abteilung (Subunicolores mit kleinem Mond- 
fleck, der nicht über die Radialis hinausreicbt) gehöi-en noch von mir bekannt 
gewordenen Arten: 

grisescens Zett., juncea Mgn. (= nodicornis Mgn.), nitidicollis 
Strobl, pagana Mgn., quadri vittata Staeg., recticornis Schumm., Siebkei 
Zett., subnodicornis Zett. und tumidicornis Lm. 

Tip. juncea Mgn. könnte auch in unserem Faunengebiete vorkommen, 
da sie Strobl 1894 aus Steiermark, Thalhammer 1899 aus Ungarn anführen. 
Sie ist im männlichen Geschlechte durch die an der Unterseite tief ausge- 
schnittenen Fühlergeißelglieder ausgezeichnet. 

Tip. subnodicornis Zett. besitzt im männlichen Geschlechte knotige, 
aber nicht gesägte Fühler. Die Flügel schimmern in beiden Geschlechtern 
vyeißlich. Hyp.: Lundström 1907. 

Tip. pagana Mgn., im weiblichen Geschlechte mit verkümmerten Flü- 
geln, wird aus Österreich nur von Ko war z 1894 aus Böhmen angeführt; sie 
ist aber von Norwegen bis Italien verbreitet und es ist daher nicht aus- 
geschlossen, daß sie später vielleicht auch bei uns wird aufgefunden werden. 

Tip. quadrivittat a Staeg. ist eine der T. pruinosa nahestehende 
Art, die sich nach Zett. von ihr durch die rotgelben Basalglieder der Fühler 
sofort unterscheiden muß. Auch die Hypopygien ähneln einander. Das achte 
Ventralsegment besitzt bei beiden Arten App. duplices, bei quadri vittata blatt- 
förmig, fast lineal, an der Spitze mit einem kleinen, zugespitzten 
Haarbüschel, bei pruinosa länglich oval (eine leierartige Figur bildend), 
gleichmäßig behaai't, ohne Haarbüschel an der Spitze. 

Tip. Siebkei Ztt. gleicht nach Wahlgren 1904 den Arten pruinosa 
und pagana, weicht aber von beiden ab durch hellere Fühler und das gelb- 
braune, mit dunklen Seitenbändern gezeichnete Abdomen. 

Tip. recticornis Schumm. ist aus Österreich-Ungarn überhaupt nicht 
bekannt und wird nur noch von Huguenin 1888 aus der Schweiz angeführt. 

Tip. nitidicollis Strobl (Span. Dipt. 111, 1901) ist eine spanische 
Art, vom Aussehen einer Pachyrrhina, mit rein gelbem, glänzendem Thorax 
mit 3 breiten, schwarzen Längsstriemen und fast kugelförmigem Hypopygium. 
Größe nur 10 mm. 

Tip. tumidicornis Lm. 1907 endlich ist eine hochnordische Art, aus- 
gezeichnet durch kurze Fühler, deren Geißelglieder vom vierten angefangen 
an der Basis außerordentlich stark, ringförmig verdickt sind (1. c. Fig. 36), 
durch die dunkel tingierten Flügel (sie werden mit denen von T. nigra ver- 
glichen) und durch das einfache, kleine Hypopygium (1. c. Fig. 31), an dem 
besonders die oberen, nahe der Basis mit einem schwarzen Höcker versehenen 
Anhänge auffallen. 

Ob Tip. pusilla Macq. und Tip. breviterebrata Macq. ebenfalls 
in diese Abteilung gehören, kann ich nicht genau sagen, da ich nur die kurze 
Beschreibung Meigens kenne. Sie wurden seit Macq. nicht mehr gefunden. 

Tip. d i spar Hai., in Kert. Kat. II, 285, als Art angeführt, ist nacl) 
Verrall 1886 Syn. zu T. pagana Iilgn. 




154 

33. T. lunata L., Syst. Nat., Ed. X. 586. (1758); Schin. IL 522 
(1864); Kert. Kat. II. 293; luna Westh., Jahrb. des Westfäl. 
Ver. f. Naturk., 1879. 
Kopf grau, Rüssel und Taster braun. 

Fühler so lang wie der Thorax, erstes Basalglied grau mit 
einem Stich ins Rötliche, zweites ausgesprochen rotgelb, erstes 
Geißelglied rotbraun, die übrigen schwarzbraun, walzenförmig, an 
der Basis mäßig verdickt. Bei einem c^ ist auch das zweite 
Cleißelglied an der Spitze ausgebreitet rötlich gefärbt. 

Halsstück und Thorax oben grau, letzterer mit vier Längs- 
striemen, die seitlichen verkürzt und oft einen hellen Kern ein- 
schließend. Brustseiten und Hüften grau bereift. Notopleural- 

depression, Flügelwurzel und der Höcker 
vor den Schwingern gelb. Schildchen 
und Mesophragma grau, auf letzterem 
in gewisser Richtung ein dunkler, gegen 
hinten sich verschmälernder Schattenfleck 
sichtbar. 

„. „„ ^. , , ^ Beine schwarzbraun, Schenkel bis 

Fig. 28. Tip. luiiata ^i . 

( Hyp., Seitenansicht.) ^ber die Wurzelhälfte gelb. 

Flügel gelbbräunlich fingiert, an der 
Wurzel und am Vorderrande gesättigter, Randmal lichtbraun; vor 
demselben ein deutlicher weißlicher Mondfleck, der einen weißen 
Streifen bis in die mittlere Discoidalzelle entsendet. 

Abdomen grau, an den Seitenrändern gelblich, mit schwarzer 
Rückenstrieme, die am zweiten Ringe schmal beginnt, und eben- 
solchen Seitenstriemen. Die letzten Segmente verdunkelt. 

Hypopygium sehr charakteristisch, so daß die Art kaum 
verkannt werden kann. Lamelht term. sup. glänzend braunschwarz, 
am Spitzenrande stark behaart und in zwei zai»fenartige Vorsprünge 
ausgezogen. Lameila basalis infera mit einer dicht fuchsrötlicli 
behaarten, stark abstehenden A])i)endix. Lamella term. infera 
tief gespalten, von glänzend braunschwarzer Farbe, nur am S])itzen- 
rande gelblich. Die äußeren Anhänge von gelber Farbe, stark 
behaart. Besonders fallen die oberen, hornförmig gegeneinander 
gebogenen Appendices su])erae auf, welche die mittleren Anhänge 
weit überragen. 

Hypopygium: Schumm. 1833, Tab. I, Fig. 14. 15. (Das 
Zitat in Kert. Kat., II, 293, bei T. lunata L., Westh. 1882, 



155 

Tab. III, Fig. 37., Tab. V, Fig. 55 und Tab. VI, Fig. 74, 75, 
gehört zu T. ocbracea Mgn.) 

Weibchen: Fühler kürzer, auch das erste Basalglied an der 
Basis rötlichgelb. Legeröhre an der Basis dunkelkastanienbraun, 
obere Lamellen lichtgelb mit abgerundeter Spitze, die unteren breit, 
an der Spitze ebenfalls abgerundet. 

Größe: J 20 mw, $ 20— 22 ?ww. 

Metamorphose. Kaltenbach 1. c. p. 583 erwähnt, daß die 
Larve im Herbst und AVinter in moderndem Weidenholze lebt. 
(Bouché.) 

Vorkommen: Ich kenne die Art nur aus dem Tief lande. 
Czernowitz bei Brunn, 19. Mai und 19. Juni; Hobitschau bei 
Wischau (K. Landrock), Frain (Siebeck). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), Kärnten 
(Tief 1887), Tirol (Palm 1869), Galizien (Now. 1873 und Grzeg. 1873). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett. X., Wall. 1882, Wahlg. 1905), Livland (Sint. 1885), England 
(Verr. 1886), Holland (Wul])-Meij. 1898), Frankreich (Macq.), 
Schweiz (Hug. 1888), Deutschland (Mgn. I, Schumm. 1833, Westh. 
1882), Spanien (Strobl 1900). 

34. T. ochracea Mgn., Klass. I. 68, 7 (1804); Syst. Beschr. I. 186, 

25 (1818), Schin. H. 522 (1864); Kert. Kat. IL 300; liinata F. 

Spec. Ins. IL 402 (1781). 

Große ockergelbe Art. Männchen: Fast ganz ockergelb. 
Die Basalglieder der Fühler und das erste Geißelglied gelb, die 
nächsten Geißelglieder verdunkelt, die letzten ganz schwärzlich- 
braun. Thorax gelb, nur mit undeutlichen Spuren von vier 
dunkelgrauen Längsstriemen; Brustseiten unten etwns weißlichgrau. 

Beine gelb, die Schenkel an der äußersten Spitze, die 
Schienen und die Tarsen etwas verdunkelt. 

Flügel schwach gelblich tingiert, die Mediastinalzelle und 
die Flügtlwurzel gelb, das Randmal blaßbraun, vor demselben ein 
weißer, sehr deutlicher Mondfleck, der bis in die mittlere Discoidal- 
zelle reicht, aber nie über dieselbe hinausgeht. 

Hinterleib gelb; auf den letzten Segmenten erscheint eine 
dunkle Rückenstrieme. :in den Seiten undeutliche, schmale Seiten- 
striemen. 



156 



Hypopygium groß, von der Seite gesehen beinahe doppelt 
so hoch wie der Hinterleib, braungelb. Die achte Eückenscbiene 
schmal, die neunte stark gewölbt, zweilappig. Die achte Bauch- 
lamelle trägt unten einen plättchenartigen, abstehenden, mit gold- 
gelben Härchen dicht bedeckten Fortsatz (A))pendix simplex), der 
für die Art charakteristisch ist und als Appendices duplices zwei 
konische, gegen die neunte Bauchschiene gerichtete Anhänge, deren 
jeder an der Spitze in einen starken, von der Appendix fast senk- 
recht al)stehenden Dorn ausgezogen ist (ïaf. II, Fig. 1). 

Die Ai)pendices superae sind flach kuoi)fförjaig, von 
braungelber Farbe und lang gelb behaart. 

Die Ai)})endices interme diae bciltormig mit stumpfer. 
gelbbrauner Spitze, sonst lichtgelb, an der nach außen gekehrten 

breiten Seite mit gelben Haarbüscheln 
dicht besetzt (ïaf. Í, Fig. 18). Unter- 
halb dieser Anhänge, die meist eng 
angeschlossen sind, erscheint in der 
Seitenansicht ein gelblicher, sensen- 
förmig gebogener Anhang, von dem 
ich nicht sagen kann, ob er als ein 
Teil der mittleren Anhänge an- 
zusehen ist. 

Die Ap})endices inferae 
sind tiefer am S])itzenra.nde der 
Lamella, term. infera eingefügt und 
können wohl mit Kecht mehr als Wucherungen der Lamelle denn 
als Anhänge betrachtet werden. (WesthoÖ'.) Sie erscheinen als derbe 
Wülste, die an ihrem Ende lange, nach unten gerichtete, goldgelbe 
Behaarung tragen. 

Hypopygium: Schumm. 1833, Tab. ii, Fig. 1—3. Westh. 
1882, Tab. III, Fig. 37 (App. sup.), Tab. V, Fig. 55 (Vesicula 
centr.), Tab. VI, Fig. 74. 75 (Adminiculum); Lm. 1907, Tab. I, 
i^ig- 1 (Hypopygium). 

Das AY ei beben ist etwas größer als das Männchen und 
nicht so ausgesprochen ockergelb, sondern mehr graugelbbraun 
gefärbt. Die vier thoracalen Rückenstriemen treten auf dem grau- 
gelben Thorax fast stets sehr deutlich auf; die letzten Hinterleibs- 
ringe sind fast braun, da die dunklen Rücken- und Seitenstriemen 
ausgebreiteter auftreten. Die Legeröhre ist glänzend lichtbraun, 




Fig. 29. Tip. ocliracea J. 
(Hyp., Seitenansicht.) 



157 

das obere Basalstück glänzend dunkelbraun, die oberen Lamellen 
lang und an der Spitze etwas abgerundet. 

Größe: J 18 mm. $ 22 mm. 

Metamorphose: 

Die Larve (Beling 1873) ist schmutzig bräunlich oder 
rötlichgrau. Letztes Hinterleibsglied mit sechs Hautzapfen, von 
denen vier am Oberrande in einer Querreihe stehen. Von diesen 
vier Zapfen sind die mittleren kürzer als die an der Spitze ge- 
bogenen äußeren. Unterhalb dieser Hautzähne zwei kreisrunde 
schwarze Stigmen. 

Puppe braun, im vorderen Teile dunkel gefleckt, die letzten 
Hinterleibsringe am Ende schmal schwärzlich gesäumt. Stirn mit 
zwei gelbbraunen Hörnchen, oberhalb derselben vier kleine Höcker 
im Viereck. 

Das neunte Glied der J Puppe von acht Dornen umgeben 
und mit einem vierseitigen, an den Ecken mit Zähnen versehenen 
Feld endend. 

Das neunte Glied der 9 Pup])e an der Oberseite mit vier 
starken Dornen im Viereck. 

Nach Bouché (Naturg. d. Ins.) sollen die Larven in faulem 
Weidenholze leben. Beling fand sie immer nur unter der Nadel- 
streudecke des Waldbodens, an Feld- und AViesenhecken, einmal 
im Garten in humoser Erde. 

Vorkommen: Die Art ist in der Umgebung von Brunn 
häufig. In der Czeruowitzer Au gehört sie zu den gemeinsten 
Arten. Sie erscheint Ende Mai oder anfangs Juni. Landrock 
fand sie nächst der Steinmühle bei Brunn. Zwei cTc? aus dem 
Josefstal bei Adamstal, 15. Juni 1912. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Niederösterreich und Steiermark (Strobl 1880 und 1894), Kärnten 
(Tief 1887 und Strobl 1900). Tirol (Palm 1869). Galizien (Grzeg. 
1873 und Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873 und Thalh. 1899), 
Siebenbürgen (Strobl 1896), Bosnien (Strobl). 

Geographische Verbreitung in Europa: Schweden 
(Zett. X.. Wall. 1882. Wahlgr. 1905), Norwegen (Siebke 1877), 
Finland (Lm. 1907), Livland (Sint. 1883), Rußland (Fedt. 1891), 
Holland (^Wulp-Meij. 189S). Frankreich (Macq.), England (Verr. 
1886), Deutschland (Mgn. I, Schumm. 1833), Westh. 1882), Schweiz 
(Hug. 1888). Spanien (Strobl 1900), Italien (Bezzi). 



158 

Anmerkung: Westheim 1879 verwendet für ochracea Mgn. den 
Namen lun ata L., da nach dem Zeugnisse Halidays (Stett. Eut. Ztg. XII, 
1851, 131 — 145) luna ta L. in der Linnéschen Sammlung zu London die von 
Mgn. als ocliracea beschriebene Art ist. Verrall verwendet 1886 für die 
vorliegende Art den Mgn.'schen Namen, ebenso Kertész im Katalog, der von 
der Namensänderung Westhoffs überhaupt keine Notiz nimmt. 

Mik hat zu Westhoffs Ansicht in der Wiener Entora.-Ztg. VII, 301 
(1888) Stellung genommen. Er hält Mgus. Deutung der lunata L. für die 
richtige und beruft sich auf das Zeugnis Löws, der den Namen ochracea 
beibehalten hat. 

Bergroth 1888 sagt: „Fabricii Deutung der Tipula lunata L. (ochracea 
Mgn.) ist sicher die richtige. Tip. ochracea ist durch ganz Schweden so 
häufig, daß sie Linné unmöglich entgehen konnte; Tip. luna Westh. (lunata 
auct.) ist nur im südlichen Schweden gefunden und auch dort äußerst selten. 
Bekanntlich gehören auch die üriginalexemplare in Lijmés Sammlung zu 
ochracea." 

Hiezu Mik 1. c. : „Zudem kommt noch, daß man in alten Typensammlungen, 
welche aus einer Zeit stammen, in der auf minutiöse Unterschiede bei sehr 
ähnlichen Arten noch gar kein Augenmerk gerichtet wurde, verschiedene 
Arten unter ein und derselben Benennung versammelt findet. Eine Type 
dieser alten Sammlungen kann nur dann als solche gelten, wenn man Gewißheit 
hat, daß nach ihr und nur allein nach ihr der Autor seine Artbeschreibung 
abgefaßt hat." 

35. T. peliostigma Scliumm. Beitr. z. Entoin. III. 90, 39 (1883); 

Scbiü. IL 522 (1864); Kert. Kat. II. 304; sehmitica Walk, 

teste Verrall 1886. 

Ich besitze diese, -nacli »Schiner ebenso gemeine Art wie 
ochracea nur in zwei mährischen Stücken. Sie gleicht tatsächlich 
sehr der ochracea, ist aber mehr rotgelb als lichtockergelb nnd 
besitzt ein blasseres Flügelrandmal. Am sichersten ist die Art 
wohl durch das Hypopygium von ochracea und den verwandten 
Arten zu unterscheiden. Bei peliostigma fehlt der plättchen- 
artige Fortsatz der achten Bauchschiene, außerdem sind auch die 
Appendices duj)lices anders gestaltet. Die gegeneinander gericLteten 
Chitinstacheln stehen direkt an der Spitze der Anhänge, sind am 
(gründe fast rechtwinklig geknickt und außerdem ist, was bei 
ochracea nie der Fall ist, der Innenrand der Anhänge mit langen 
goldgelben Härchen reihenweise besetzt (siehe Taf. II, Fig. 4). 

Hypopygium: Schumm. 1.^33, Tab. II, Fig. 4, 5 (Hyp. J), 
Fig. 21. 24 (terebra $); Westh. 1882, Tab. III, Fig. 27 (Append. 
bas. dui)l.), Tab. V. Fig. 56 (Vesic. centr.), Tab. VI, Fig. 76 
(Admiuiculum). 



159 




Taf. II. Appendices duplices. 
1 Tip. ochracea, 2 Tip. fascipennis, 3 Tip. truncata, 4 Tip. peliostigma, 
5 Tip. afflnis (nach Westh.), 6 Tip. Selené. 

Das A¥eibchen kenne ich nicht. 

Größe: J 21 mm. 

Metamorphose: Die Larve (Beling 1878; ist lederhäutig, 
schmutzig graugelb, matt. Oberrand des Stigmenfeldes mit vier 
langen spitzen Hautzapfen, die mittleren an der Innenseite ganz 
schwarzbraun glänzend, die äußeren mit einem schmalen, schwarz- 
braunen Längsstriche. Am Unterrande des Stigmenfeldes zwei 
kurze, breitbasige Hautzapfen, die an der Spitze der Innenseite 
mit einem schwarzbraunen Punkte (der aber oft fehlt!), an der 
Basis mit einem dreieckigen oder keilförmigen Fleck gezeich- 
net sind. 

Puppe 22 mm lang mit scharfkantigen Seitenrändern, anfangs 
ziemlich gleichmäßig bräunlichgelb, später mit schwärzlichen End- 
säumen der Hinterleibsringe, von der Puppe der o oh race a nur 
wenig verschieden. 

Die Larven leben in Laubholzbeständen unter der Moos- 
decke des Bodens. 

Vorkommen: Das einzige Männchen meiner Sammlung 
stammt aus der Czernowitzer Au; Ende Juni. Ein rf aus Fulnek 
(leg. Skala). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 1894), 
Tirol (Palm 1869), Galizien (Now. 1873), Ungarn (Kow. 1873 und 
Thahlh. 1899). 

Geographische Verbreitung in Europa: Livland (Sint. 
1884), Holland ( Wulp-Meij. 1898), England (Verr. 1886), Deutsch- 
land (Schumm. 18:53, Westh. 1879, 1882), Schweiz (Hug. 1888), 
Spanien (Strobl 1900). 



160 

36. T. Selené Mgn., Syst. Beschr. VI. 288 (1830); Schin. II. 523 
1864); Kert. Kat. IL 307. 

Diese Art wird sich im männlichen Geschlechte von den 
nächsten ochracea- Verwandten und besonders von der Tip. pelio- 
stigma kaum durch etwas anderes als die Apophysen der achten 
Bauchlamelle sicher unterscheiden lassen. Ganz besonders gleicht 
sie der Tip. ])eliostigma und kann leicht mit ihr verwechselt 
werden, da auch bei Tip. Selené die Innenränder der Apophysen 
mit dichten Eeihen von fast stachelartigen Haaren besetzt sind. 
Westhoff hat die Anhänge beider Arten in seiner zitierten Schrift 
gekennzeichnet, nur glaube ich, daß er Einzelheiten im Bau mit- 
einander verwechselt hat. Er sagt nämlich, daß die starken Dornen 
an der Spitze der Anhänge bei Selené auf einer Seite stets in 
der Zweizahl auftreten. Ich habe aber gerade bei Tip. pelio- 
stigma gefunden, daß die linke Apophyse unter dem apical ein- 
gesetzten langen Dorn einen zweiten kürzeren und schwächeren 
Stachel trägt, während bei Selené auf jeder Seite stets nur ein 
Dorn eingesetzt ist (Taf II, Fig. 6). 

Der Unterschied im Bau der Apophysen beider Arten besteht 
darin, daß die langen Dornen an der Spitze der Anhänge bei 
peliostigma apikal, bei Selené subapikal eingesetzt sind und 
daß bei Selené die Spitze der Anhänge einen aus starken, gelb- 
lichen Haaren gebildeten Haarschopf trägt, der bei ])eliostigma 
fehlt. Ferner sind die Innenränder der Anhänge bei Selené 
beiderseits dicht und zottig behaart, während ich bei ])eliostigma, 
das heißt, jener Art. die ich als peliostigma anspreche, nur am 
Innenrande der linken Ai)ophyse lange, ebenfalls stachelartige 
Haare bemerke, während die rechte nur mit kurzen Härchen be- 
setzt ist. Mit peliostigma hat Selené das Fehlen des plättchen- 
artigen Fortsatzes der achten, Bauchschiene gemein. 

Habituell unterscheidet sie sich von T. peliostigma durch ein 
längeres und schlankeres Abdomen. 

Das Weibchen ist mir nicht bekannt. 

Metamor])hose: Die Larve (Beling 1878) soll sich schon 
habituell durch ihr schlankeres Aussehen von allen übrigen Tipula- 
larven auszeichnen. Sie ist zarthäutig, gelblichweiß, glänzend. 
Charakteristisch sind die vier langen hornartigen Dornenzähne des 
Stigmenfeldes. Der Oberrand des Stigmenfeldes trägt zwei lange 
hornartige, an Basis und Spitze geschwärzte, mit der Spitze 



161 

gemshornartig nach vorne gebogene Dornenzähne. Zwei ähnliche, 
aber doppelt so weit als die oberen voneinander abstehende 
Dornenzähne trägt auch der Unterrand des Stigmenfeldes. 

Puppe bräunlichgelb mit einem breiten geschwärzten Längs- 
bande zu beiden Seiten der scharfen Seitenkanten des Hinterleibes. 
Stirn mit zwei, an der Spitze abgestutzten und daselbst etwas 
kolbenförmig erweiterten Hörnchen. Oberseite des dritten bis 
achten Hinterleibsringes nahe am Hinterrande mit einer Querreihe 
von zwölf Dornenzähnen, Unterseite des fünften bis achten Hinter- 
leibsgliedes mit sechs bis acht kräftigen Dornenzähnen in Quer- 
reihe. Afterglied der J" Puppe auf der Unterseite mit einer Quer- 
reihe von sechs starken Dornenzähnen, hinter diesen in eine ab- 
gestutzte, mit vier Dornen im Quadrat besetzte Kuppe endend. 

Beling fand die Larven in einem Buchenbestande in humoser 
schwarzer Holzerde an einem weit in der Vermoderung vor- 
geschrittenen Buchenstocke, weitere Larven in humoser Erde unter 
der Streulaubdecke. 

Vorkommen: Ein c? aus dem Josefstale bei x^^damstal, 
Juli. Ein (^ in der Sammlung Sieb eck aus Südmähren. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Steiermark (Strobl 
1894), Kärnten (Tief 1887), Tirol (Palm 18ö9), Vorarlberg (Bau 
1910), Galizien (Now. 1873, Grz. 1873). 

Verbreitung in Europa: Norwegen (Siebke 1877), Schwe- 
den (Zett. X), Rußland (Gimm.), Livland (Sint. 1884), Holland 
Wulp-Meij. 1898), England (Verr. 1886), Deutschland (Schumm. 
1833, Mgn. VI, Westh. 1882), Schweiz (Hug. 1888). 

37. T. truiicata Low, Berl. Ent. Ztschr. XVII, 34 (1873) und 

Beschr. europ. Dipt., IIL 13, 5 (1873); Kert. Kat. II. 310. 

Der ochracea Mgn. ähnlich, aber von ihr sofort durch den 
verschiedenen Bau des Hypopygiums, namentlich die mächtigen 
Apophysen der achten Bauchschiene zu unterscheiden. 

J ockergelb, etwas dunkler als ochracea. Kopf, Schnauze 
und Taster gelb, letztere am Ende schwarzbraun. Fühler gelb, 
die Geißelglieder vom zweiten angefangen an der schwach ver- 
dickten Basis schwarz. 

Thoraxrücken graugelb mit zwei dunklen, recht deutlichen 
Mittelstriemen, zwischen welchen vorne gegen das Halsstück eine 
dritte schmale Längslinie sichtbar wird. Die verkürzten Seiten- 

Zeitsclirift des mähr. Lau de s muséums. XIII. H 



162 



Striemen heben sich nur wenig von der Grundfarbe ab. Schildchen 
und Mesophragma ockergelb, Brustseiten unten weißlichgrau 
bestäubt. 

Beine gelb, die S))itze der Schenkel und Schienen und alle 
Tarsen braun. 

Flügel grau tingiert, am Vorderrande und an der Wurzel 
schwach gelblich. Bandmal braun, der weiße Mondfleck vor dem- 
selben geht durch die mittlere Discoidalzelle bis in die Basis 
der cell. dise, posterior. 

Hinterleii) ockergelb mit einer nur auf den mittleren Seg- 
menten deutlichen Rückenstrieme und braunen Seitenstriemen; die 

Hinterrandsäume der Segmente 







Fig. 30. Tip. truncata J. 
(Hyp., Seiteuansicht.) 



schmal gelblich gesäumt. 

H y ] ) ] ) y g i u m auffallend 
groß und aufgeschwollen, die 
neunte Rückenschiene und die 
achte und neunte Bauchschiene 
schAvarzbraun. Die Lam. term. 
sup. zerfällt durch einen breiten 
Ausschnitt in zwei Lappen. Die 
A]i]iend. superae und iuter- 
mediae liegen so dicht an, daß 
ich über ihre Gestalt nichts sagen kann. Auffallend groß und stark 
ausgebildet sind die Append. iuferae, die in der Seitenansicht 
den hervorragendsten und auffallendsten Teil des Hy|)0i)ygiums 
bilden. Low nennt sie beuteiförmig; sie sind mit goldgelben 
Haaren dicht und büschelförmig besetzt. 

E])enso charakteristisch sind die Anhänge der achten Bauch- 
lamcUe. Low beschreibt sie in zutreffender Weise mit den Worten: 
„Auf der Unterseite der unteren Lamelle erheben sich zwei auf- 
wärts gerichtete, braune, fast ganz kahle, armförmig gebogene 
Fortsätze, welche von ihrer Biegung an plattgedrückt und mehr 
gegeneinander geneigt sind, so daß sie sich mit ihren Enden be- 
rühren." Sie sind im Tode so gegeneinander gebogen, daß man ihr 
Ende nicht genau ausnehmen kann. Ich habe bei einem lebenden 
Stücke beoliachtet, daß das Ende des Anhanges ziemlich breit löffei- 
förmig ist (wie Low vermutet) und einen kleinen Zahn trägt. 

Das Weibchen kenne ich nicht. Es soll nach Low an der 
auffallenden Bildung der Legeröhre leicht zu erkennen sein, indem 



163 

der neunte Dorsalabschnitt nicht in die Bildung der Legeröhre 
eingeht. Das zweite Oberstück ist außerordentlich verkürzt und 
rotgelb. Ebenso sind die oberen Lamellen sehr kurz, an der Basis 
breit, am Ende spitzig. Die Unterhälfte der Legeröhre ist plump. 
<lie unteren Lamellen am Ende stumpf abgerundet und noch viel 
kürzer als die oberen. 

Ich möchte hier bemerken, daß ich T. truncata Low an 
denselben Stellen fing wie drei 9$ von T. m eile a (determiniert 
v(m M. P. Riedel). Ich verweise auf Low III, }>. 17, der anfangs 
das 9 von truncata. als das $ von affinis Schumm. ansprechen 
zu müssen glaubte. 

(J-röße: J 18 uüii. 

Metamorphose nicht bekannt. 

Vorkommen: Ein (^ aus der Czernowitzer Au Ende Juni 
1907; ein rf von derselben Fundstelle am 23. Juni 1912. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Küstenland (Strobl 
1893). Triest (Low 1873), Ungarn (Kow. 1873 und Thalh. 1899), 
Bosnien (Strobl). Aus dem übrigen Europa ist mir kein Stand- 
ort bekannt. 

38. T. mellea Schumm., Beitr. z. Eutom. IIL 96, 43 (1833); 
Schiu. IL 523 (1864); Kert. Kat. IL 296. 

Ich besitze nur das Weibchen, das Herr Riedel zu be- 
stimmen die Güte hatte. 

$: Kopf und Schnauze gelb. Stirn kurz schwarz behaart. 
Fühler rein gelb. Greißelglieder vom dritten angefangen an der 
Basis verdunkelt. (Schumm. 1. c: „Fühler vom dritten Gliede an 
bräunlich".) 

Rückenschild gelblichgrau, mit deutlichen Spuren von drei 
dunkleren Längsstriemen, von denen die mittlere nur vorne am 
Collare als dunklerer Strich deutlich erkennbar ist. Brustseiten, 
Hüften und Scheukelringe gelblichgrau. 

Beine lehmgelb. Schenkel an der Spitze etwas dunkler. 

Flügel lebhaft gelblichgrau fingiert, Randmal blaßbraun, 
der weiße Mondfleck reicht nur bis in die Spitze der cell. dise. 
])Osterior. 

Hinterleib gelb, bei meinen stark eingetrockneten Stücken 
ohne Spuren von Striemen. 

11* 



164 

Lege röhre kurz; sie gleicht bei flüchtiger Betrachtung der 
von fascipennis, von welcher Art sich m eile a aber sofort da- 
durch unterscheidet, daß der weiße Mondfleck bei ersterer fast bis 
zum Flügelrande reicht, während er bei mellea, wie oben be- 
merkt, in der Basis der vierten Hinterrandzelle (cell. dise, post.) 
abbricht. Überdies sind die oberen Lamellen bei mellea (von 
oben gesehen) fast so breit wie der Hinterleib, bei fascipennis 
dagegen nehmen sie nur den dritten Teil der Breite des Hinter- 
leibes ein. 

Die oberen Lamellen sind von braungelber Farbe, gegen 
die Spitze zu lichter, die Spitze selbst ist gebräunt. An der 





a Fig. 31. b 

Tip. mellea $ . Legeröhre. a von der Seite, h von oben. 

Innenseite sind sie mit lichtgelben Wimperhärchen besetzt. Die 
unteren Lamellen sind gelb, viel breiter als die oberen und 
nur wenig kürzer als sie. 

Das Männchen kenne ich nicht. Schummel vergleicht die 
Art mit fascipennis und affinis und sagt, daß der „After 
kürzer und weit weniger aufgeschwollen ist als bei diesen Arten. 
Er ist ganz rostgelb, nur das neunte obere Glied ist schwarzbraun 
oder mit zwei solchen Flecken gezeichnet." 

Hypopygium: Schumm. 1833, tab. II. Fig. 13 bis 15. Die 
in Fig. 18 abgebildeten „Hörnchen" sind wohl die mittleren 
Anhänge. 

Größe: $ 18 mm. 

Metamorphose unbekannt. 

Vorkommen: Zwei 9$ aus der Czernowitzer Au, Ende Juni 
1907; seither nicht wieder gefangen. Aus Osterreich und Ungarn 
ist mir kein anderer Fundort bekannt. 

Verbreitung in Europa: Livland (Sint. 1884), Deutsch- 
land (Schumm. 1833, Westh. 1882, ein $), Schweiz (Hug. 1888). 



165 



30. T. fascipeimis Mgn., Syst. Beschr. I. 187, 26 (1818); Schin. IL 
524 (1864); Kert. Kat. IL 286. 

Männchen: Kopf, Schnauze und Taster gelb. Augen im 
Leben lebhaft grün. 

Fühler: Basalglied und erstes Geißelglied gelb, die übrigen 
verdunkelt bis schwarzbraun, an der Basis recht merklich verdickt. 

Rückenschild graugelb ohne deutliche Längsstriemen. 
Brustseiten graugelb, Notopleuraldepression lichtgelb. Schildchen 
und Mesophragma ockergelb. 

Beine gelb, Schenkel- und Schienenspitzen und die Tarsen 
verdunkelt. 

Flügel gelblich tingiert, am Vorderrande und an der Wurzel 
gesättigter. Der weiße Mondfleck reicht bis in die cell. dise. post. 




Fig. 32. Tip. fascipeunis J". 
(Hyp., Seitenansicht.) 



^^=^. 



í<tnnítí,,. 



\ Í 



Fig. 33. Append. intermediae 
von Tip. fascipennis. 



und greift mit einem weißen Schimmertleck auch in die cell. i)Ost. 
anterior über. 

Hinterleib ockergelb, bei manchen Stücken sehr verdunkelt, 
der erste Bing an der Basis blaßgelb. Vom zweiten oder dritten 
Ringe an wird eine braune Rückenstrieme sichtbar, die aber nicht 
sehr deutlich ist. Die schmalen braunen Seitenstriemen beginnen 
am dritten Ringe und sind an den Hinterleibseinschnitten schmal 
unterbrochen. 

Hypopygium groß, braunschwarz. Die neunte Rückenschiene 
tief gekerbt, in zwei breite^ stumpfe, fast viereckige Fortsätze aus- 
gezogen, nach unten in eine Lamelle vorgezogen, die. von seitwärts 
gesehen, als ein nach unten vorstehender Zahn erscheint. Die 
achte Bauchschiene an den Seiten in zwei ziemlich lange, dünne, 
gegeneinander gerichtete Fortsätze ausgezogen, die trotz ihrer Be- 



IfiB 

weglichkeit doch mehr als Erweiterungen der Lamelle denn als 
Anhänge zu betrachten sind (Westh. faßt sie als Api>end. duppl. 
auf). Zwischen ihnen ragt ein zungenförraiges, stark gelb behaartes 
Plättchen (Append. simplex) vor. 

An dem geschlossenen Hypopygium fallen vor allem — ein 
Merkmal, an welchem die Art leicht zu erkennen ist — die 
Append. intermediae auf, die nach Westh. aus vier Teilen be- 
stehen (siehe Fig. 33). An dem geschlossenen Hypopygium ragt 
nur der erste und zweite Arm deutlich vor, der dritte robusteste 
ist verborgen. Unter den mittleren Anhängen ragt in der Seiten- 
ansicht ein ziemlich starker Dorn vor. der noch zu diesen An- 
hängen zu rechnen wäre. Oberhalb der Ausbuchtung der achten 
Banchlamelle fallen bei dieser Art zwei weiße Gel)ilde im Innern 





(i f ig. 3-1. i> 

Tip. faseipennis 9- LegerÖbre. a von oheu, /> von dor Seite. 

des Hypo])ygiums besonders auf, die das Indusium des Admini- 
culums vorstellen und an denen die Art leiclit und sicher vf)n allen 
anderen mir l)ekannten Formen der ochracea-Gruppo zu unter- 
scheiden ist. Es sind zwei anscheinend konische, mit den abgerundeten 
S]iitzen gegeneinander gekehrte Gebilde. Über sie hinaus ragen 
die Arme des Adminiculums als zwei scharfe Spitzen hinaus, die 
besonders auffallen, wenn das HyjDopygium von oben l)etrachtet wird. 

Hy])opygium: Schumm. 1838. tab. II. Fig. 8 (Ap}). int.), 
Fig. 9, 10 (Hyp.). Fig. 11, 12 (terebra ?). 

Westh. 1882. tab. L Fig. ß (Hyp.). tab. II. Fig. 13 und 24 
(Lam. term. sup.), tab. III, Fig. 12 (Apj). in term.), tab. VI. Fig. 77 
und 78 (Adminiculum). 

Das Weibchen ist im allgemeinen lichter gefärbt. Die 
Füblerglieder vom dritten ;in bei den Weibchen aus (Jzernowitz 
l)raun verdunkelt, bei den sonst vollkommen gleichen Stücken aus 
dem Řičkatale und vom Altvater fast ganz gelb und nur an der 
Basis geschwärzt. Die Rückenstriemen treten deutlich auf. 



167 

î lügel wie beim J, der weiße Mondfleck reicht, aber bis zum 
Flügelhinterrande, so daß eine sehr deutliche Binde entsteht, die 
von dem B,andmale über die mittlere Discoidalzelle und einen 
Teil der celh dise. post. und der cell, postic. auter. zum Flügel- 
rande geht. 

Legeröhre außerordentlich kurz, an die von mellea erin- 
nernd. Der achte und neunte Ring (pars bas. supera Low), 
sowie das Endsegment (pars apicalis sup. Low) braunschwarz. Da,s 
Endsegment ist sehr schmal und fällt steil gegen die oberen La- 
mellen ab. Diese sind von dunkelgelber Farbe, am Grunde breit 
verwachsen und am Innen- und Unterrande mit feinen Wimper- 
haaren versehen. Die unteren Lamellen sind kürzer als die oberen, 
aber sehr breit. Die außerordentlich kurze Legeröhre hat diese 
Art mit mellea, affinis und t run c a ta gemein. 

Größe: J 16—18 ww, 9 18—22 mm. 

Metamorphose unbekannt. 

Vorkommen: Czernowitzer Au bei Brunn, Juni, ziemlich 
häufig; Ochos bei Brunn, zwei 9$, 20. August; Frain, Juli zwei $$; 
Adamstal bei Brunn, drei (^'J, 15. Juli; Groß-Ullersdorf und 
Steingraben am Altvater, 9. August beziehungsweise 16. Juli 1907; 
Fulnek (leg. Skala). 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Niederösterreich (Strobl 1880), Steiermark (Strobl 1894), 
Kärnten (Tief 1887 und Strobl 1900), Vorarlberg (Bau 1900), 
Tirol (Palm 1869), Krain (Bergr. 1888), Küstenland (Strobl 1893), 
Galizien (Now. 1873). Ungarn (Thalh. 1899). 

Verbreitung in Europa: Schweden (Zett. X, AVnll. 1882, 
Wahlgr. 1905). Norwegen (Siebke 1877), Livland (Sint. 1883), Fin- 
land (Lm. 1907), Rußland (Fedt. 1'891), Holland (Wulp-Meij. 1898), 
Frankreich (Macq.), England (Verr. 1886), Deutschland (Mgn., 
Schumm. 1833, Westh. 1879 und 1882). Schweiz (Hug. 1888), 
Italien (Bezzi). 

40. T. dilatcata Schumm.. Beitr. z. Entom., III. 93, 41 (1833); 

Scbin IL .524 (1804); Kert. Kat. H. 285. 

Kopf grau, Stirn auf der Mitte grauglänzend. 

Fühler: Die drei ersten Glieder rotgelb, die Geißelglieder 
gelb, an der wenig verdickten Basis schwarzbraun. 



168 



Kückenschild graubraun mit vier stark glänzenden, schwarz- 
j^raunen Längsstriemen. Schildchen und Mesophragma gelb, Brust- 
seiten gelblich mit einem Stich ins Fleischfarbene. 

Beine gelb, Schenkel an der Spitze deutlich 
Schienenspitzen und Tarsen braun. 



gebräunt. 



Flügel grau, 



gegen das Licht gehalten lebhaft irisierend: 



bis 



m 



die 



Randmal blaßbraun, der weií3e Flügelmond reicht 
Basis der cell. dise, poster. 

Hinterleib gelblichbraun, die Basis des ersten Ringes 
gelblich, mit deutlicher Rückenstrieme und in Flecke aufgelöster 
Seitenstrieme. 

Hypopygium groß, besonders von oben gesehen bedeutend 
Die neunte Rückenschiene tief ausgebuchtet und in 
zwei lange stumpfe Fortsätze endend. Von 
der Unterseite dieser Lamelle schiebt sich in 
das Lumen der Ausbuchtung ein Za])fen von 
gelblichweißer Farbe vor, der ein Fortsatz der 



aufgetrieben 




Fig. 35. Tip. dilatata J 
(Hyp., Seitenansicht.) 



neunten Rückenschiene zu sein scheint. 

Die achte Bauchlamelle am Endo halb- 
kreisförmig ausgeschnitten und mit gold- und 
rotgelben Härchen besetzt, die aber nicht ab- 
stehen, sondern dem Hyi)opygium anliegen. 
Die neunte Bauchlamelle glänzend braun- 
gelb, durch eine (^^uerfurche in einen kleineren obei'en Teil und 
einen weit größeren Basalteil geteilt. 

Die Append. superae lang, fadenförmig, blaßgelb, am 
Ende schütter behaart. Die Append. intermediae ungewöhnlich 
groß, aber meist sehr verborgen, so daß bei geschlossenem Hypo- 
pygium nur die scharfe obere Spitze und der obere, schütter be- 
haarte Rand der Scheibe wahrzunehmen sind. 

Sehr charakteristisch sind die Ap])end. inferae gebaut. 
Sie sind von blaßgelblicher Farbe, an der Basis breit, nach oben 
verschmälert, so daß sie eine längliche birnförmige Form anneh- 
men. Sie sind lang und dicht gelb behaart und haben Ähnlichkeit 
mit den gleichen Anhängen von Ti]). laetabilis Zett., deren 
Hypopygium Lm. 1907 abbildet. 

Das Weibchen gleicht dem Männchen bis auf die kürzeren 
l'ühler, die aber ebenfalls an den Geißelgliedern schwarz gerin- 
Gfelt sind. 



169 

Das obere Basalstück der Legeröhre ist glänzend schwarz- 
braun, die oberen und unteren Lamellen lichtgelb ; die oberen 
Lamellen ziemlich lang, säbelförmig etwas nach oben gebogen, 
au der Spitze abgerundet, die unteren mehr als halb so lang wie 
die oberen. 

Größe: (S l^ — 15 mm. $ 16 — 17 mi//. 

Metamorphose: Die Larve und Puppe beschreibt Beling 
1886. Nach der Beschreibung, die er in der Wien. Ent.-Ztg. III, 
1884, von dem Männchen gegeben hat, zweifle ich aber, ob seine 
Art mit dilatata Schumm. auch wirklich zusammenfällt. 

Beling fand die Larven im Walde in der Erde auf alten 
Fahrwegen, auch in kleinen, mit Moos überzogenen Boden- 
erhebungen. 

Vorkommen: Erzberg im Teßtal,' 10. August 1907 ein J. 
ein 9; Czernowitz bei Brunn. 28. Juni 1912, zwei JcT und ein $, 
August 1910, ein $; Ochos bei Brunn J? (leg. Paula Huber); 
Frain, Ende Juni. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Böhmen (Kow. 
1894), Kärnten (Tief (1887). 

Verbreitung in Euro])a: Livland (Sint. 1888), Deutsch- 
land (Schumm. 1838 9. ^^ Beling 1884), Schweiz (Hug. 1888). 

Anmerkung. Beling liat in dev Wien. Entom.-Ztg. III, 1884, das 
Männchen von dilatata Schumm. zum ersten Male beschrieben. Ich weiß 
aber nicht, ob das von ihm beschriebene (^ auch wirklich zu dilatata 
Schumm. gehört. 

Beling nennt nämlich die „Fühler mit Ausnahme des ersten orange- 
gelben und des zweiten rotgelben Gliedes, schwarzbraun," ohne die an der 
Basis in beiden Geschlechtern auffallend gefärbten Geißelglieder zu erwähnen. 
Der Rückenschild hat „wenig sich markierende Striemen-'. Der Hinterleib 
seines (^ ist „rostgelb". Die obere Endlamelle nennt er nur ausgerandet, 
während sie doch sehr tief ausgeschnitten ist. 

Die unteren Anhänge werden als zwei schwarzbraune (bei meinen 
Stücken auffallend lichtgelbe) ziemlich lange Dornenzähne mit zwiebeiförmiger, 
stark verdickter Wurzel und seitwärts nach außen gebogener Spitze beschrie- 
ben. Zwischen ihnen soll ein schwarzbrauner Dornenzahn (wohl zu den inneren 
Organen gehörig) stehen. Die auffallende Behaarung der unteren Anhänge 
wird ebenfalls mit keinem Wort erwähnt. 

In den Dipt. Steierm. 1894, pag. 216, beschreibt Strobl eine neue 
Art: T. nigro annulata J*. Die Beschreibung paßt im großen ganzen auch 
auf das çf meiner dilatata Schumm. — Strobl vergleicht sie mit bul la ta 
Low; Bergroth hat die Art für neu erklärt. Wenn sie nicht mit dilatata 
Schumm. zusammenfällt, worüber der Augenschein belehren müßte, dann ist 



170 




Fig. 36. Tip. livida (j\ 
(Hyp., von der Seite.) 



sie, ihrer Färbung und dem Bau des Hypopygiuuis naeli zu sclilieiien, eine der 
di lat ata Scliumm. sehr nahestehende Art. 

Wir dürften über diese und manche andere zweifelhafte Art wohl in 
der nächsten Zeit durch M. P. Riedels Arbeit über die paläarktischen Arten 
der Gattung- Tipula Aufklärung erhalten. 

41. T. livida V. d. Wulp, ïijdschr. v. Enturn. II. 171. 13 (1858); 
Kert. Ivut. 11. 192. 

In Färbung und Gestalt der uchracea Mgn. ähnlich, aber 
(besonders das rj') viel schlanker und zierlicher. 

Kopf gelb, Stirn auf der Mitte verdunkelt. Schnauze und 
Taster gelbrot. Endglied der letzteren schwarzbraun. 

Fühler gelb, die Lleißelglieder 
vom zweiten angefangen an der mäßig 
verdickten Basis schwärzlich. 

T h r a X r ü c k e n graugelbl ich , mit 
vier dunkleren Striemen, die seitlichen 
vorne nur l)is zu den Humeralgrttbchen 
reichend. Brustseiten gelbgrau, zart 
weißlich bereift. 

Beine ganz gelb, nur die letzten 
Tarsenglieder etwas verdunkelt. 

Flügel bhiß graulichgelb fingiert, 
der Vorderrand und die Flügelwurzel 
intensiv gelblich, die Flügeladerii gelb, 
das Randmal lichtbraun, sehr deutlich 
und scharf abgesetzt; vor demselben ein blasser, weißer Mond- 
lieck, von dem ein undeutlicher, weißer Schimmer nur bis zur 
mittleren Discoidalzelle hinabgeht und die äuljerste Spitze der 
Oostalzelle ausfüllt. Der Mondfleck ist so unscheinbar, daß er als 
fehlend bezeichnet werden könnte. Ein ebensolcher kleiner, weißer 
Mondfleck liegt vor dem Randmale in der Stigmenzelle. 

Hinterleib schlank, gelb, auf den letzten Ringen braun, 
ohne deutlich sichtbare Striemen. 

Hypopygium im A^ergleiche zu dem schlanken Hinterleibe 
ziemlich groß. Die achte und neunte Rückenschiene und die achte 
Bauchschiene sind braunschwarz, die neunte Bauchschiene dunkel- 
braun. Die Lam. term. supera ist durch einen dreieckigen Ausschnitt 
am Spitzenrande in zwei Lappen geteilt, die in ziemlich scharfe 
Spitzen ausgezogen sind. Ungewöhnlich groß ist die neunte Bauch- 




Fig. 37. Tip. livida Q 
Legeröhre, von oben. 



171 

schiene; sie ist durch eine deutliche Furche in einen unteren 
größeren Teil und in einen kleineren oberen Teil geschieden, an 
dessen Eand die Append. externae angefügt sind. Dieser obere 
Teil ist ungewöhnlich weit vorgezogen und steht in Form eines 
an der Spitze abgerundeten Kegels weit vor. Das Hypopygium 
wurde nicht zerlegt, ich kann daher über die Gestalt der Append. 
externae nur so weit berichten, als sie sich an dem geschlossfnen 
Hypo]iygium unterscheiden lassen. Die Ajjpend. su])erae ziem- 
lich groß, eiförmig, stark behaart. Die Append. intermediae ver- 
borgen. Die Append. inferae groß, von gelber Farbe, an der Basis 
breit, gegen oben verschmälert, in ihrem nach oben und außen 
gerichteten Teile sehr stark gelb behaart. 

Von . unten gesehen erscheinen in dem klaffenden Räume 
zwischen den Rändern der neunten Bauchlamelle zwei runde, braune 
(J-ebilde und unter ihnen zwei parallel zueinander liegende gelbe 
Wülste, die an ihrem Ende mit langer, goldgelber Behaarung be- 
setzt sind. Aus dem klaffenden A})icalrande der achten Bauch- 
schiene ragt nach oben gegen das Innere des Hypo]wgs eine 
kurze, filzige, gelbe Behaarung, die nur wenig absteht. 

Das Weibchen gleicht dem Männchen, ist aber plumper. 
Der Hinterleib ist mehr rötlichgelb und hat eine schmale, alj- 
gesetzte, braune Rückenstrieme. Die Legeröhre ist glänzend 
kastanienbraun; das obere Basalstück und die oberen Lamellen von 
bedeutender Länge; letztere an der Basis breit, gegen die Mitte 
divergierend und mit den etwas nach oben gerichteten Spitzen 
sich wieder nähernd. Die unteren Lamellen sehr kurz und schmal, 
wie zwei Borsten erscheinend. 

Größe: r^ 21 nun, 9 23 mm. 

Metamorphose unbekannt. 

Vorkommen: Ein J', 2 Î9 aus dem Ričkatalc bei üchos. 
20. August 1910. 

Verbreitung: Aus Österreich-Ungarn ist mir kein anderer 
Fundort bekannt. Soviel ich weiß, ist die Art bisher nur aus 
Holland und durch Westh. aus Westfalen bekannt. 

42. T. lielvola Low. Berl. Eut. Ztschr., XVH. 34, 5 (1878) und 
Beschr. Europ. Dipt. III 3, 3 (1873): Kert. Kat. iL 289. 
Die kleinste mährische Ti])ula aus der Gruppe ochracea. 

von hellockergelber bis lehmgelblicher Farbe. 



172 



-fr 



\ 



r 



Fig. 38. 
Tip. bei vola J. 
(Hyp., Seitenansicht.) 



Kopf, Schnauze und Taster gelb, die letzten Tasterglieder 
gebräunt. Augen im Leben lebhaft grün. Fühler gelb, die Geißel- 
glieder vom zweiten angefangen an der Basis geschwärzt. 

Thoraxrücken graugelblich, ungestriemt; die Brustseiten 
unten etwas graulich bereift. 

Beine lichtgelb, Schenkelspitzen kaum verdunkelt, nur die 
Tarsenglieder etwas gebräunt. 

Hinterleib hell ockergelb, ohne deutliche Bückenstrieme, 
aber bei manchen Stücken mit deutlicher, brauner Seitenstrieme, die 
auf dem dritten Segment beginnt und oft in 
Flecke aufgelöst ist. 

Flügel schwach graulich tingiert, in ge- 
wisser Richtung betrachtet, lebhaft irisierend; 
Randmal blaßbraun; der weiße Mondfleck vor 
demselben reicht bis in die Basis der mittleren 
Discoidalzelle. 

Hypopygium mäßig groß, von gelb- 
brauner Farbe; neunte Rückenschiene verhältnis- 
mäßig kurz, in zwei kurze Seitenlappen aus- 
gezogen. Achte Bauchschiene am Spitzenrande 
tief bogig ausgeschnitten und mit goldgelben, 
in anderer Beleuchtung fuchsrot erscheinenden 
Härchen dicht besetzt, die in das Lumen der 
Einbuchtung hineinragen und etwas abstehen, 
wodurch ein ähnlicher, aber nicht so stark 
abstehender Haarbüschel wie bei ochracea 
entsteht. Neunte Bauchschiene mäßig groß, oben 
etwas vorgezogen; der Unterrand wird von einer 
hellen, auf der Längsmitte vertieften Membran 
geschlossen. 

Die Append. superae klein. schu})penförmig verbreitert, von 
reingelber Farbe und stark gelb behaart. 

Append.intermediae breit muschelförmig, in einer scharfen, 
schwarzen, nach oben gerichteten Spitze endend, gelbbraun und 
außen lang gelb behaart. Unterhalb der Spitze ist der Rand der 
mittleren Anhänge zu einem dicken, schwarzgefärbten Wulst auf- 
gebogen. 

Append. inferae „knospenförmig", sehr stark behaart; sie 
bilden, während die oberen und mittleren Anhänge sehr verborgen 




Fig. 39. 

Tip. helvola J'. 

(Hyp., von unten.) 



173 

liegen, in der Seitenansicht den hervortretendsten Punkt des 
Hypopygiums (Low). 

Weibchen: Leger Öhre gelb, die oberen Lamellen licht- 
gelb, gerade, mcäßig lang, ziemlich spitzig. 

Größe: J 10—12 mm, 9 IS—lbtnm. 

Metamorphose nicht bekannt. 

Vorkommen: Ochos bei Brunn, ein c^, ein $, Juli (leg. 
Paula Huber); Frain, Ende Juli. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Kärnten (Tief 
1887), Dalmatien (Low 1873), Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 1899), 
Bosnien (Strobl). Aus dem übrigen Europa ist mir kein Fund- 
ort bekannt. 

43. T. bifasciculata Low, Beschr. europ. Dipt. III. 18 (1873); 

Kert. Kat. II. 283. 

J: Kopf, Stirn und Schnauze ockergelb. 

Fühler: Die ersten drei Glieder gelb, die übrigen braun- 
schwarz. 

Tlioraxrücken gelbgrau mit vier, meist sehr deutlichen, 
dunkleren Längsstriemen. die seitlichen 

verkürzt und sehr undeutlich. Brust- •è^yl^^'^ 

Seiten gelb, gegen die Hüften zu grau. 

Beine gelb, Schenkel an der Spitze 
und die Tarsen braun. 

Flügel gelblich fingiert mit blas- 
sem Raudmalfieck ; vor demselben tritt 

ein weißer Mondfleck auf, der nur bis „. ,^ m- -, .. -, 

Flg. 40. Tip. bifasciculata J'. 
m die mittlere Discoidalzeile reicht. (Hyp_^ ^^^^ der Seite.) 

Hinterleib ockergelb mit schma- 
ler brauner Eückenstrieme und undeutlichen braunen Seiten- 
striemen. 

Hypopygium bräunlichgelb. Lameila term. sujtera längs- 
gefurcht, der Spitzenrand ausgeschnitten, die Seitenecken mit einem 
zahnartigen Fortsatz. Lam. bas. infera am Spitzenrande mit zwei 
Büscheln rotgelber Haare besetzt. 

Die äußeren Anhänge sehr charakteristich gebaut; die Appen- 
dices superae nennt Low linearisch, am Ende abgerundet, was auf 
die oberen Anhänge der mir vorliegenden Art nicht ganz paßt. 
Sehr kompliziert müssen die Appendices intennediae gebaut sein, 




174 

die íuis dem Hypo])ygium ziemlicli weit vorragen. Die Appendices 
inťerae sind kurz, von beuteiförmiger Gestalt und mit langer gelber 
Behaarung besetzt. 

Das 9 gleicht nach Low dem J, unterscheidet sich aber vun 
ihm durch dunklere U'ärbuug der Stirn und des Thoraxrückens, 
durch die ausgebreitetere, graue Färbung der Brustseiten, vor 
allem aber durch den dunkelgrauen Hinterleib, der drei deutliche 
braune Längsstriemen besitzt. 

Leger Öhre bräunlichgelb, die oberen Lamellen gerade, lang, 
schmal und S])itzig. Der weiße Mondfleck der Flügel reicht beim 
9 bis zum ersten Drittel der vierten Hinterrandzelle. 

Größe: c? 19 min. 

Metamorphose: nicht Ijekannt. 

Vorkommen: Ein rj" ans den Thayaauen bei Lundenburg, 
Ende August. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Istrien, Dalmatien 
(Low 1873), Bosnien (Strobl'. 

Geographische Verbreitung in Europa: S})anien (Strobl 
1909). 

44. T. pauuouia Low, Berl. Ent. Ztschr., XVIL 38, 2 (1873); 

Beschr. Euroj). Dipt.. HL 9, 4 (1873); Ivert. Kat. IL 303 

(pannonica). 

Ein Männchen in der Sammlung Siebeck, das irrtümlich 
als ochracea bestimmt war. Sie ähnelt tatsächlich dieser Art, 
da auch bei ihr die achte Bauchschiene einen Haarbüschel trägt, 
der aber nicht so auffallend absteht, wie bei jener Art. 

Ockergelbe Art. Die Basalglieder der Fühler und das 
erste Geißelglied gelb, die übrigen Geißelglieder braunschwarz, 
mitunter (nach Low) an der äußersten Spitze rotgelb. Stirn grau, 
schwarz Ijehaart. 

Thoraxrücken gelbgrau mit zwei deutlichen dunklen Mittel- 
striemen und undeutlichen verkürzten Seitenstriemen. Schildchen 
und Mesophragma gelb, Brustseiten graulichweiß. 

Hinterleib rotgelb mit brauner Rückenstrieme, die aber erst 
auf dem dritten Ringe beginnt und gegen ihr Ende verwaschen 
erscheint, ohne deutliche Seitenstriemen. (Abweichend von Low: 
„An jeder Seite des Hinterleibes eine schmale braune Längs- 
strieme.") 



\li 



Hypopygiuia vorwiegend gelbbraun, nur die neunte E,ü.cken- 
schiene schwarzbraan, von unten gesehen viel länger als breit, 
also nicht so gedrungen wie bei ochracea. Neunte ßückenschiene 
auf der Mitte der ganzen Länge nach gerinnt, am Spitzenrande 
eingekerbt und in zwei kleine Lai)pen geteilt, die wieder in einem 
kleinen Zähnchen vorragen. 

Achte Bauchlamelle am Spitzenrande hufeisenförmig aus- 
geschnitten, mit einem Büschel schräg abstehender fuchsroter Haare. 






Fig. 41. Tip. pannonia J*. 
(Hyp.: (i von der Seite, b von oben, e von unten.) 



Neunte Bauchschiene ziemlich groß; die Stelle, an welcher 
die beiden Seitenteile verwachsen sind, in großer Ausdehnung 
sichtbar; auf ihrer Mittellinie erhöht sie sich zu einem schmalen 
Kiel, welcher als eine heller gefärbte, flach gewölbte, auf ihrer 
Längsmitte mit einer Furche versehene Erhabenheit bis an die 
in das Innere des Hypopygiums führende Ofinung sich fortsetzt. 
(Nach Low.) 

Die oberen Anhänge linearförmig, von gelblichbrauner 
Farbe und am Ende ziemlich lang behaart. 

Die mittleren Anhänge ziemlich klein, beilförmig, einfach 
gebaut. 

Die unteren Anhänge beschreibt Low als kugelförmig 
mit einem wurstförmigen, an seinem Ende etwas dunkler gefärbten 
Fortsatze, welcher nach unten und etwas nach innen gerichtet ist. 
Ich möchte diese Anhänge eher als zitzenförmig bezeichnen mit 
etwas verlängerter und erweiterter Spitze. 

Beine gelb, Spitzen der Schienen und Schenkel und die 
Tarsen gebräunt. 



176 

Flügel schwach gelblichgraii getrübt, mit blassem, braunem 
Eandmale. Der weiße Mondfleck reicht bis in die Spitze der 
cell. dise, iiost. 

Das 9 kenne ich nicht. 

Größe: (^ 15 iudí. 

Metamorphose unbekannt. 

Vorkommen: Ein c? aus Südmähren in der Sammlung 
Siebeck mit dem Datum 29. Mai 1888. 

Verbreitung in Österreich-Ungarn: Krain (Low 1873), 
Ungarn (Kow. 1873, Thalh. 1899). Aus Europa ist mir sonst 
kein Fundort bekannt. 

Anmerkung 1: Die zalih-eiclien Arten dieser Gruppe werden nur duicli 
den verschiedenen Bau des Hypopygiums voneinander zu unterscheiden sein. 
Namentlich scheint mir die Gestalt und Behaarung des achten Ventralsegmenis, 
das Vorhandensein oder Fehlen der Appendices dujjlices für die Unterscheidung 
der Formen dieser Gruppe von großer Wichtigkeit zu sein. 

In diese Gruppe gehören noch von mir bekannt gewordene Arten: 
affinis Schumm., albosiriata Strobl, alpina Low, bidens ßgr., bispina 
Low, bullata Low, cervina Mgn., cinerascens Low, dedecor Low, 
humilis Staeg., jativensis Strobl, imbecilla Low, laetabilis Zett., 
limitata Rchumm., longidens Strobl, macroselene Strobl, raagnicauda 
Strobl, Mikiana Bgr., nigroannulata Strobl, pacbyprocta Low, prae- 
cox Low, selenitica Mgn., selenis Low, tergestina Low, trispinosa Lm. 

Außer Tip. affinis Schumm. und Tip. limitata Schumm. dürften 
später vielleicht auch einige andere, alpine und pannonische Arten bei uns 
aufgefunden werden, so wie die Formen helvola, pannonia und bifasci- 
culata bereits für unser Sudetengebiet konstatiert werden konnten. Vielleicht 
kommen auch noch Tip. alpina, bullata und bispina für unsere Gegenden 
in Betracht. 

Hochnordische Arten sind: humilis Staeg., laetabilis Zett. und 
trispinosa Lm. Die erste Art wird zwar auch von Strobl aus Steiermark 
angegeben, die Beschreibung des Hypopygiums (namentlich der Appendices 
inferae) stimmt aber nicht mit der Zeichnung bei Lundström 1907 überein; 
auch werden die Flügel von humilis von Strobl mit denen der T. pruinosa 
verglichen, während Lundström angibt, daß der weiße Mondfleck bei humilia 
bis in die Discoidalzelle, bisweilen sogar bis in die vierte Hintcrrandzelle 
i'eicht. 

Tip. laetabilis Zett. ist eine unserer T. dilatata Schumm. im Bau 
des Hypopygiums sehr nahestehende Art. 

Mediterrane Formen sind: T. albostriata Str., cinerascens Low, 
dedecor Low, jativensis Str., imbecilla Low, longidens Str., macro- 
selene Str., praecox Low, selenis Mgn. und tergestina Low. 



177 

Für alpine Arten halte ich: T. alpina Low, bidens Bgr., bul lat a 
Low, magnicauda Str., Mikiana Bgr., nigroannulat a Str. und pach}- 
procta Low. 

Pannonische Formen: T. bi spina Low. 

Die für unser Gebiet in Betracht kommenden Arten T. affinis und 
T. limitata werden von den übrigen mährischen Arten nicht schwer unter- 
schieden werden können. Bei T. limitata Schumm. ist die fünfte Längsader 
deutlich braun gesäumt; T. affinis muß die starken Apophysen des achten 
Ventralsegments mit T. truncata gemein haben, die aber von anderer Gestalt 
sind als bei jener Art, wenn "Westhoffs Abbildung richtig ist. (Vgl. Taf. II, 
Fig. 3.) 

Anmerkung 2: Die Meigenschen Arten T. seleni tic a und T. cer- 
vina werden nach der kurzen Beschreibung wohl nie gedeutet werden können. 
Die Art T. selenitica, die Walker aus England anführt, ist nach Verrall 
1886 ^peliostigma Schumm. 

VI. Berichtigungen zum ersten Teile. 

Seite 69, Zeile 5 von unten: Wallengren, Entom. Tidskr. 1882 
statt Wahlgren. 

Seite 70, Zeile 1 jff.: Herr Dr. AVahlgren machte mich aufmerk- 
sam, daß die in Klammern stehenden Autornamen in seiner 
„Svensk Insektfauna" sich auf Zetterstedt beziehen, 
worüber die Fußnote auf S. 99 seiner Schrift Aufschluß gibt, 
was ich übersehen habe. Sein Synonym dentata bei Pach. 
quadrifaria bezieht sich demnach auf Zetterstedt, was 
hiemit richtiggestellt sei. 

Yll. Alphabetisches Verzeichnis der bisher in Mähren 
aufgefundenen Tipuliden. 

(I. = Tipulidae Moravicae. 1. Teil. Ztschr. d. Mähr. Landesmuseums. XI. Bd., 
1911; IL = Tipulidae Moravicae. 2. Teil. Ibidem. XIII. Bd., 1913.) 

Seite I Steife 



Flabelliťeriuae (Ctenophorinae). 
Dictenidia Brülle. 

bimaculata L I. 231 

Xiphura Brülle. 

atrata L 233 

var. ruficornis Mgn 234 

Flabellifera Mgn. 1800 
(Ctenophora Mgn. 1803). 



tiaveolata F I. 237 

guttata Mgn. . . . 238 

pectinicornis L 235 

Tipuliiiae. 

Paies Mgn. 1800 

(Nephrotoma Mgn. 1803). 

dorsalis F 243 

Pachyrrhina Macq. 



festiva Mgn 239 ; aculeata Low 263 

Zeitschrift des mähr. LaïKlesimispum?.. XIII 12 



178 



Seite 

Pachyri'hiua Mac(]. 

analis Schumm . . . Í. 262 

cornicina L. 266 

crocata L 278 

lineata Scop 273 

lunulicornis Schumm. ... 251 

maculata Mgn 270 

pratensis L 276 

quadrifaria Mgn 256 

scalaris Mgn 280 

scurra Mgu 254 

Tipula L. 

bifasciculata Low ... II. 173 

caesia Schumm 125 

decipiens Czk 150 

dilatata Schumm 167 

excisa Schumm 106 

fascipennis Mgu 165 

flavolineata Mgn 144 

fulvipeunis Deg 73 

helvola Low 171 

hortulana Mgn 95 

irrorata Macq 97 

lateralis Mgn 126 

livida V. d. Wulp 170 

longicornis Schumm. . . 99 

lunata L 154 

luteipennis Mgn 142 

marginata Msn 123 



Seite 

Tipula L. 

maxima Poda IL 69 

mellea Schumm 163 

nervosa Mgn 87 

nigra L. . 131 

nubeculosa Mgn 111 

ochracea Mgn 155 

oleracea L 133 

])abulina Mgn 85 

paludosa Mgn 135 

pannonia Low 174 

peliostigma Schumm. . . . 158 

pruinosa Wdm 147 

pseudovariipennis Czk ... 92 

rubripes. Schumm 114 

saginata Bergr 115 

scripta Mgn 109 

Selené Mgn 160 

signata Staeg 102 

stigmatella Schumm. . . . 149 

tenuicornis Schumm. ... 75 

truncata Low 161 

truncorum Mgn 80 

variicornis Schumm. . . , 120 

variipennis Mgn 89 

vernalis Mgn. ...... 118 

vittata Mgn . . 77 

Winnertzii Egg 83 



Beitrag zur Flora yoii Mähren und Schlesien 

nebst Bemerkungen über die geographisclie Verbreitung 
einiger mälirisclier Pílřinzenarten. 

Von He im- i eil Laus in Olmütz. 



1. Über Arnica montana im Hochgesenke. 

Die Florenwerke, welche das Huchgesenke behandeln, ent- 
halten über das Vorkommen dieser Pflanze in dem genannten Ge- 
biete keinen Anhaltspunkt, so daß es bisher feststand, diese 
Charakterpflanze der deutschen Mittelgebirge fehle den Ostsudeten. 

Interessant jedoch erscheint die Tatsache, daß hier vom 
Volke allerhand gelbblühende Kompositen von ähnlicher Gestalt 
für Arnika gehalten und als Hausmittel in großer Menge alle 
Jahre gepflückt werden; insbesondere die Wurzelgräber befassen 
sich damit, Unmengen von „Arnika" an Touristen und in den 
umliegenden Ortschaften zu verkaufen. Für sie kommt in erster 
Ijinie Achyro})horus uniflorus als die wirksamste „Arnika" in Be- 
tracht; diese schöne Pflanze ist denn auch infolge der massen- 
haften Ausrottung an vielen Stellen des Gebirges, besonders in 
der Nähe der Touristenwege, sehr selten geworden. Aber auch 
Leontodon-, Crépis- und Hieracium-Arten (in Olmütz sogar lnula 
britannica!) gelten als „Arnika", von der manche Wurzelgräber 
gegen 8 verschiedene Sorten, jede gegen ein anderes Gebresten, 
unterscheiden und an den Mann bringen. Die Meinung, in allen 
Fällen wirkliche „Arnika" vor sich zu haben, ist so eingewurzelt, 
daß jede Belehrung zurückgewiesen wird. Die im „Sudetengarten" 
bei der Schäferei am Peterstein in etwa 1320 ?íř ange])flanzte Ar- 

1"2* 



180 

nica montana wurde von den Wurzelgräbern zwar angestaunt, 
blieb aber unangetastet, während aus derselben Anlage ein Exemplar 
des im Hocligesenke durch die Tätigkeit der Wurzelgräber fast 
ganz ausgerotteten punktierten Enzians (Gentiana jjunctata) trotz 
;iller Aufsicht verschwand. Daraus geht hervor, daß die echte 
Arnica montana, hier auch als Heilpflanze unbekannt ist. 

Im Juli 1911 sollte es gelingen, Arnica montana fürs Hoch- 
gesenke dennoch zu konstatieren und dazu noch an einem Orte, 
wo man ein so spätes Auffinden aus allerlei Gründen nicht er- 
wartet hätte. Verfasser weilte damals mit Herrn Josef Pauer, 
Gärtner am Botanischen Garten in Olmütz, in der Schäferei, um 
einige Arbeiten im Sudetengarten zu verrichten. Herr Pauer 
sollte auf der Matte unterhalb der in den Kreisen der Botaniker 
wohlbekannten Schäferei, die freilich als Ruine dastand, da sie 
um AVeihnachten 1910 einem Brande zum Opfer gefallen wai-, 
einige Pflanzenarten behufs Verpflanzung in die Anlage ausgraben. 
Nach kurzer Zeit kehrte der Genannte mit einigen Exemplaren 
blühender Arnica montana zurück. Dieser Fund war so über- 
raschend, daß Verfasser zunächst daran dachte, Herr Pauer hätte 
die Pflanze an der Stelle, wo er sie nunmehr entdeckt, gepflanzt. 
Dies ist jedoch nach seiner glaubwürdigen Aussage nicht der 
Fall; man kann auch schwer daran denken, es hätte dies jemand 
anderer getan, denn zu diesem Zwecke wäre jener Platz nicht 
gut gewählt. Alpenpflanzen sind im Gesenke wohl schon des öfteren 
angepflanzt worden, kamen aber niemals recht fort; im „Sudeten- 
garten" machten wir mit vielen Arten jedoch ganz gute Erfahrungen. 

Am nächsten Tage überzeugte sich der Verfasser selbst, daß 
an der bezeichneten Stelle Arnica montana wirklich wachse; denn 
es waren noch einige blühende Stauden sowie eine Menge von 
Blattrosetten vorhanden. Mehrere Pflanzen mit Blüten lagen auch 
in dem am Morgen desselben Tages gemähten Grase. Wie war es 
nun möglich, daß eine so auffallende Staude in der Nähe eines 
stark besuchten Schutzhauses übersehen werden konnte? Gewiß 
waren alle Botaniker auf jener Matte, Verfasser und Gärtner 
Pauer besuchten sie seit Jahren, allerdings gewöhnlich erst zur 
Ferienzeit. Nur einmal hatte ersterer schon Anfang Juni, da die 
Athyrium alpestre-Wedel eben erst sich entfalteten und Hunderte 
dunkelblauer Frühlingsenziane den Boden deckten, Gelegenheit, 
diese pflanzenreiche Wiese zu sehen. 



181 

Nur ein Umstand kann hier wahrscheinlich das Übersehen 
der Arnika erklären. Die Matte unterhalb der Schäferei wurde in 
erster Linie als Nutzwiese verwendet. Die Wirtsleute bezogen mit 
dem Vieh gewöhnlich anfangs Juni die im Winter verlassene 
Schäferei wieder und gegen Ende des Monats pflegte die Matte 
gemäht zu werden. Arnica montana. die hier spontan wächst, 
wurde somit gewöhnlich vor der Blüte oder während derselben 
abgemäht und blühte nicht wieder, weshalb sie leicht zu über- 
sehen war. Auch kommen im Juni Pflanzensammler selten in 
unser Gebirge. Im Vorjahre lagen die Verhältnisse anders. In der 
Nähe der Brandstätte wurde ein provisorischer Holzbau errichtet, 
der erst um die Mitte des Monates Juli bezogen werden konnte. 
Erst als um diese Zeit das Vieh hinaufgetrieben wurde, kam man 
zur Heumahd, der diesmal die schon blühende Arnika zum Opfer 
fiel. Wären wir um einige Tage später gekommen, so bliebe der 
interessante Standort noch weiter unbekannt. Vielleicht ist die 
Pflanze unter ähnlichen Verhältnissen auch anderwärts im Gesenke 
zu erwarten^). 

Geographisches. Arnica montana ist mit Rücksicht auf 
ihre Verbreitung nach S olm s -Laub ach eine eurotypische Art, 
eine Pflanze, die fast ganz Europa bewohnt und dabei in den 
verschiedensten Formationen, in mannigfaltiger Vergesellschaftung 
und auf verschiedenem Substrat auftritt, was ihre bedeutende An- 
passungsfähigkeit beweist. 

Bei der Schäferei im Hocbgesenke wächst die Arnika auf 
einer Matte, die nachstehende Zusammensetzung-) aufweist: 

Gräser: Briza media, Anthox;inthum odoratum, Phleum alpi- 
num, Agrostis vulgaris, Calamagrostis lanceolata, Deschampsia 
caespitosa v. alpina, Avenastrum planiculme, Poa alpina, Festuca 
ovina; Rietgräser: (Jarex atrata, C. flava. 

Stauden: Hypericum quadrangulum, Potentilla aurea, P. Tor- 
mentilla. Crépis grandiflora, C. mollis, Campanula barbata, Alec- 



^) Nach Fertigstellung des Manuskriptes finde ich in Schubes „Die 
Verbreitung der Gefäßpflanzen in Schlesien" (Breslau 1903), S. 319, auch die 
Angabe: „Karlsbrunn: gegen den Altvater und hinter dem Hammer." Diese 
Angaben stammen von Fiek; seither hat wohl niemand an diesen Standoi'ten 
die Arnika beobachtet. 

^) H. Laus, Der große Kessel im Hochgesenke. Beibl. z. Bot. Zentralbl., 
XXVI, 2 (1909), S. 120. 



182 

torolophus pulcher, Leontodon hastilis, Meum Miitellina, Viola 
lutea, Euphrasia pieta, Phyteuma orbiculare, P. spicata, Polygoniim 
Bisturta, Géranium silvaticum, Orchis maculata, Gymnadenia cono- 
pea, G. albida, Ranunculus nemorosus, R. platanifolius, Achillea 
sudetica, Gentiana věrna, Silène venosa, Scorzonera humilis. Gna- 
phalium norvegicum, Hieracium stygiinn, H. vnlgatum, H. auran- 
tiacum, H. Pilosella, Achyropliorus uniflorus, Veratrura Lobelianum, 
Listerji ovata, Coeloglossum viride, Equisetum silvaticum, Selaginella 
spinulosa, Botrychium lunaria, Dianthus speciosus, Cerastium 
macrocarpum, Chrysantliemum Leucanthenum, Pimpinella magna, 
Melampyrum silvaticum, Melandryum rubrum, Allium sibiricum. 
Trifolium pratense, VeronicaChamaedrys. V. serpyllifolia, Heracleum 
Šphondylium, Epilobium moutaniim u. a. 

Podpěra^'') nennt Arnica montana eine europäische Art 
und kennzeichnet ihr Areal wie folgt: vom südlichen Norwegen 
und mittleren Schweden über Dänemark, Belgien, Nord-, Mittel- 
und Ostfrankreich bis zu den Pyrenäen, in Spanien im Gebirge 
im Norden und Osten; durch ganz Deutschland in die Schweiz 
und nach Norditalien, durch die Sudetenländer, durch Ungarn 
nach Siebenbürgen, Kroatien und Bosnien. Süd- und Nordrußland. 
In den arktischen Gegenden und in Ostsibirien vertritt sie 
A. stenophylla, auf dem Sandboden der atlantischen Ufer in Süd- 
westfrankreich. Nordspanien und Portugal A. angustifolia. 

In Mähren hat die Pflanze nach Oborny*) ein beschränktes 
Verbreitungsgebiet im SW bei Zlabiugs < Gilgenberger Wald, und 
zwar in der Nähe von Slawathen, am unteren Eand des Stalleker 
Teiches), ferner nach Schreiber^; bei Zwittau (Mohrner Ränder. 
Wälder und Waldwiesen zwischen Lotschnau, Niki und Waldeck, 
zum Teil schon in Böhmen). Die Seehöhe beträgt 400 bis ^00 vi; 
das Substrat ist bei Zlabings Granit, bei Zwittau sind es kreta- 
zische Sedimente. 

Viel verbreiteter ist die Arnika im benachbarten Böhmen. 
Celakovsky*^) gibt sie für folgende Gebiete an: südlich "von 
Prag, die Sudeten. Erzgebirge samt Vorland. Brdy- Wald. Böhmer- 



^) Pod péra, Die Entwicklung und geographisclie Verbreitung der 
Pflanzenwelt der böhmischen Länder. Mähr.-Ostrau 1906, řS. 188. 

*) Oborny, Flora von Mähren und Österr.-Schlesien. Brunn 188.5, S. 678. 
*) Schreiber, Beiträge zur Flora des Zwittauer Gebietes. Brümi 1908. 
•') (velakovsk}', Prodromus der Flora Böhmens. 



183 

wald und ßudweiser Gegend, Ostbölimen. Im besonderen findet 
sich die Pflanze im Riesen- und Isergebirge, in Nordböhmen nach 
HentscheP) um Georgswalde. Rumburg, Georgeutal, Tollenstein. 
Lausche, Zwickau. Liebwert, am Hrádek bei Czernosek. Weiß- 
wasser, Böhm.-Aicha, nach Podpèra in Eichenwäldern mit 
Heidekrautunterwuchs am Nordfuße der Dreihutberges bei 
Leitmeritz auf Basalt; in der Nähe trifft man uach Domin'*) 
Thermophyten, die der Vegetation den Steppencharakter verleihen, 
so z. B. Thymus praecox. Tragopogon ma jus. Adonis vernalis, 
lnula germanica. L hirta. Seseli hippomarathrum. Astragalus 
exscapus, Rosa gallica u. a. Domin führt die Arnika auch von 
anderen Stellen des vulkanischen Mittelgebirges an, so z. B. 
von den Orchideenwiesen bei Nemschen, wo Polygonům 
Bistorta. Trollius europaeus, Anthyliis Vulneraria, Achillea Ptar- 
mica, Scorzonera humilis. Cirsium palustre. Gymnadenia conopea, 
Orchis mascula, O. latifolia, 0. globosa, O. sambucina, Crépis 
praemorsa, Thalictrum augustifoliura, Achyrophonis maculatus, 
Iris sibirica, Valeriana dioica. Carex pallescens, C. vulgaris, 
C. Oederi', Eriophorum latifolium, Melampjrum nemorosum u. a. 
vorkommen. Im Gebirge westlich von der Elbe findet sie sich auf 
dem Berge Grätschen bei Blankenstein. 

Für das Erzgebirge ist Arnica montana ein bezeichnendes 
Element der montanen Wiesen; sie tritt in den unteren Lagen 
seltener auf. während sie oben allgemeiner wird und in förm- 
lichen Gesellschaften wächst, so oberhalb Joachimstal in etwa 
900 m Höhe. Auf den montanen Wiesen des Erzgebirges ist nach 
Domin^) die Arnica-Fazies neben der Meum athamanticum- 
Fazies am verbreitetsten. Sie beherrscht mit Gymnadenia albida. 
Meum athamanticum. Solidago alpestris, Botrychium lunaria u. a. 
die subalpinen Fluren. Auf Heiden der höheren Lagen, die in 
die Arnika- oder Meum-Wiesen übergehen, erscheint unsere 
Pflanze auch neben Viscaria, Helianthemum obscurum. Lilium 
Martagon, Dianthus deltoides, Meum, Solidago alpestris, Galium 
saxatile, Vaccinium Vitis Idaea, Luzula sudetica u. a. als der 
häufigste Bestandteil. Das Substrat sind kristallinische Schiefer. 



'') Hentschel, Botanischer Vv'egweiser im Gebiete des Nordböhmisclien 
Exkursionsklubs. Leipa 1890. 

") Do m in, Das böhmische Mittelgebirge. Prag 1904 (tschechisch). 

'^) Domin, Das Erzgebirge usw. Eine pflanzengeogr. Studie. Pragl907,S.65. 



184 

Doch auch für die Formation der gemischten Lauhholz- 
haine am Abhänge des Gebirges in etwa 600;// Höhe ist sie 
charakteristisch. Hier erscheint sie in Gesellschaft von Gonvallaria 
maialis. Melampyrum nemorosum. (Jytisus nigricans. Galium silva- 
ticum. Thesium montanum. Achyro])horus maculatus, Bupleurum 
longifolium, Lathyrus montanus, Luzula albida, Aconitum varie- 
gatum. Betonica vulgaris, Trifolium alpestre. Ranunculus nemo- 
rosus, Pulmonaria angustifolia. Laserpitium latifolium. Dianthus 
superbus. Viola collina. Hierochloë australis. Phyteuma sj^icatum, 
rîhrysanthemum corymbosum, Orobus vernus, 0. niger, Vicia pisi- 
formis, V. cassubica, V. dumetorum, Lilium Martagon, Eupatoriuni 
cannabinum, Stellaria holostea, Asarum euro])aeum, Potentilla alba, 
lnula Conyza, (Jorjdalis fabacea, Melittis Melissophyllum. Noch 
interessanter ist das Vorkommen im sogenannten Edlitzer Busch 
bei Komotau mit Potentilla Bouquoyana. P. canescens, P. obscura, 
Melampyrum cristatum, Polygonatum multitiorum, Lactuca ijuer- 
cina, Om])halodes scorpioides, Peucedanum Cervaria, Géranium 
divaricatum. G. columbinum. Myosotis hispida, (Jentaurea phrygia. 
Veronica spuria, V. spicata, V. Teucrium, Alliuni rotundum. Luzula 
pallescens, Campanula bononiensis, Androsace elongata, Orobanche 
caryophyllacea, Erythraea Centaurium, Trifolium ochroleucum, 
Hieracium praealtum. H. cymosum, H. laevigatum, Dianthus Ar- 
meria, Kohlrauschia proliféra, Dictamnus albus, Chaeroj)hyllum bul- 
bosum u. a.. also mit vielen pontischen oder allgemein thermo- 
philen Elementen wie im Mittelgebirge. 

Li Sachsen ist sie nach Wünsche^*') ebenfalls häufig. 

Auf den Wiesen des Kaiser gebirg es wächst Arnica mou- 
tana gleichfalls, ferner im ganzen Böhme rwalde und auf seinen 
Vorbergen. 

Unter anderen Verhältnissen trifft man diese Art im tertiären 
Becken von Veselí. Wittingau und Gratzen in Südböhmen. 
In diesem etwa 450 /// hohen wasserreichen Flachland mit den 
großen Teichen um Wittingau sind eine der ausgeprägtesten For- 
mationen die Heidemoore, die nach Domin^M in verschiedenen 
Typen entwickelt erscheinen. Der Calluna-Typus nähert sich der 
Galluna-Heide und beherbergt neben vielen Moosen Oxycoccos. 

^°) Wünsche, Exkmsionsflora für das Königreich Sachsen. Leipzig 1895. 
^^) Domin, Die Vegetationsverhältnisse des tertiären Beckens von Veselí, 
Wittingan und Gratzen in Böhmen. Beibl. z. Bot. Zentralbl. 1904, S. 344. 



185 

Andromeda. Drosera, Vacciniiim Vitis Idaea, V. uliginosuiu. 
V. Myrtillus, Hieracium pilosella, Potentilla Tormentilla, Anteii- 
naria dioica. Deschampsia flexuosa, Nardus stricta, Carex, Erio- 
phorum, Juncus und auch Arnica montana. Anderseits wächst 
dieselbe Pflanze innerhalb der Heiden, ja es sind Arnika- 
Heidewiesen geradezu charakteristisch für das Gebiet. Ihre Be- 
gleiter in dieser Fazies sind zum Teil dieselben wie vorhin; es 
gesellen sich zu ihnen auch noch Achillea Ptarmica, Piatanthera 
solstitialis, Trifolium campestre, Veronica officinalis, Anthoxanthum, 
Briza, Chrysanthemum corymbosum, Ch, Leucanthemum. Botrychium 
lunaria, ferner Juniperus communis. Avenastrum pubescens, 
Hypericum perforatum u. a. — • Im ßrdy-Wald liegen die Stand- 
orte der Arnika nach Domin ^^) zwischen 500 bis 800 7;^; es sind 
kurzhalmige Ber g wies en mit Trollius, Primula elatior, Phy- 
teuma orbiculare, Trifolium spadiceum, Cirsium canum, Gentiana 
chloraefolia, G. Pneuinonanthe, G. germanica. Centaurea Phrygia, 
Lotus uliginosus, Arabis Halleri, Colchicum autnmnale, Geum 
rivale, Chaerophyllum aureum, Serratula tinctoria, Scorzonera 
humilis, Saxifraga granulata, Parnassia palustris, Dianthus Seguieri, 
Potentilla alba, Coeloglossum viride, Crépis succisaefolia, Astrantia 
major, Orchis morio, Botrychium lunaria, B. matricariaefolium. 
Mit Piatanthera bildet Arnica montana auf trockenem Boden 
eine deutlich ausgeprägte Fazies von großer Verbreitung. Sie ist 
im Brdy- Wald aber auch ein Bestandteil der Borstgras (Nardus-) 
Formation mit Leontodon, Hypochoeris, Festuca ovina, F. durius- 
cula, F. rubra, Pimpinella Saxifraga, Linum catharticum, Chamae- 
buxus alpestris, sie tritt ferner in die Calluna-Heide ein (mit 
Cytisus nigricans. Danthonia decumbens, Viola Riviniana, Luzula 
albida, Carex montana, Lycopodium clavatum. L. Selago, L. com- 
planatum, Hypericum montanum. H. quadranguluin, Trifolium 
au,reum, Genista tinctoria, Peucedanum Cervaria, Pteris aquilina, 
Trientalis europaea u. a.). Schließlich ist ihr Vorkommen auch an 
die subalpinen Fichtenwälder gebunden, welche neben ihr 
noch Blechnum Spicant, Lycopodium selago, Poa sudetica. Poly- 
gonům verticillatum, Mulgedium alpinum, Prenanthes purpurea, 
Solidago alpestris, Gnaphalium norvegicum, Homogyne alpina, (îir- 
sium heterophyllum, Gentiana verna, Soldanella montana, Circaea 
alpina, Rosa alpina, Aruncus silvester u. a. aufweisen. 

^-) Dom in, Bnly. Eine phytogeogi'. Studie. Prag 1908 (tscbech.) 



186 

In Deutschland ist Arnica montana nach Garcke^^) all- 
gemein verbreitet; sie fehlt nur in Posen und ist in Westpreußen 
auf den Kreis Straßburg, in Osti)reußen auf die Rominter Heide 
und den nördlichen Teil der Provinz beschränkt. In Bayern ist 
sie nach Sendtner^^) eine der gemeinsten Pflanzen von der Donau 
bis auf die höchsten Gipfel des Böhmerwaldes ; sie kommt auch 
auf den Hochmooren vor, ebenso auf Gneis, Granit, Quarzit und 
auf anders geartetem Substrat. Sie besiedelt feuchte, torfige Wiesen 
in Württemberg (Kirchner"^), Ei chler^-'') und Baden ^^); in letzterem 
Lande wächst sie im Schwiirzwald, im Odenwald und im Alpen- 
vorland zerstreut. Im Hügelland Württeml)ergs ist sie fast ganz 
auf die Keuperhöhen und das Vorland des Schwarzwaldes be- 
schränkt; ganz vereinzelt liegen ihre Standorte in den höheren 
Teilen der fränkischen Platte, im Neckarland fehlt sie und tritt in 
der oberrheinischen Tiefebene auch bloß sporadisch auf. Wohl 
nirgends steigt sie unterhalb 400 m herab (Gradmann ^^). — In 
den Vogesen findet man die Arnika nach Ißler^'') noch auf den 
über 1000 w hoch gelegenen H och weiden der höheren Gipfel 
und Rücken mit Agrostis vulgaris, Festuca ovina, Aira flexuosa, 
Anthuxanthum, Cetraria islandica. Üladonia rangiferina. Anemone 
alpina, Viola lutea, Genista pilosa, Potentiila silvestris, Angeiica 
P3'renaica, Meum athamanticum. Galium saxatile, Leontodon pyre- 
naicus, L. hastilis, Hieracium umbellatum v. monticola. Vaccinium 
Myrtillus, Gentiana lutea, G. campestris. Polygonům Bistorta, 
Empetrum nigrům, Gymnadenia albida, Luzula multiflora, Juncus 
squarrosus, Carex pilulifera, vor allem noch mit Nardus, Calluna, 
Vaccinium Vitis Idaea, V. uliginosum, Lyco]iodium clavatum, L. Se- 
lago, L. alpinum, Euphrasia-Arten (E. picta und E. minimaj, Anten- 
naria diuica, Banunculus silvaticus Thuill. v. aureus u. a. Am 
Hohneck (1361 ni) kommt Arnika auch mit schwefelgelben Blüten vor. 



*2) Grarcke, Illustiierte Flora von Deutschland. Berlin 1903. 

'■*) Sendtner, Die Vegetationsverbältnisse des Bayerischen A\^aldes. 
München 1860, S. 261. 

^^) Eichler-Kirchner, Exkursionsüora für Württember«)- und Hohen- 
zollern. Stuttgart 1900, S. SgO. 

10) Kirchner, Flora von Stuttgart. Stuttgart 1888, 712. 

^') Seubert, Exkursionsflora für Baden. Stuttgart 1895, S. 383. 

1'') Eich 1er, Gradmann und Meigen, Ergebnisse der pflanzengeogr. 
Durchforschung von Württemberg, Baden und Hohenzollern. Stuttgart 1909. 

1^) Issler, Führer durch die Flora der Zentrah^ogesen. Leipzig 1909, S. 22. 



187 

In Mitteldeutschland bleibt die Pflanze montan: ihre 
niedersten Waldstaudorte liegen nach Drude-'') im Kiefern- und 
Birkenwalde der niederen Lagen, sie geht in den oberen herzyni- 
schen Fichtenwald und die Bergwiesen, in die Heiden und Borst- 
grasmatten in Höhen zwischen 600 bis 1000 m und darüber. Im 
Werragebiete steigt sie bis 800 vi herab. Im Harz wächst die 
Arnika allgemein auf den Bergwiesen und der subalpinen Berg- 
lieide. Sehr zerstreut trifi't man sie im norddeutschen ïieflande. 
In der südlichen Niederlausitz grenzt ihr Tieflandsgebiet nach 
Drude ^^) mit 150 ni geographisch hart an ihr Erzgebirgsgebiet. 
wobei sie gerne den montanen Wiesengrund gegen feuchtere Heiden 
als Tieflandsstandorte vertauscht. In der niederschlesischen Ebene 
ist sie nach Schübe ^^) selten, in Oberschlesien häufiger. 

Im nordwestdeutschen Tieflande ist die Arnika auf 
Heiden und in der Umgebung von Mooren (z. B. bei Geestemünde) 
strichweise häufig und soll auch auf der Insel Borkum vorkommen 
(Eilker^-'). Bertram^^) sagt, daß sie im Harz häufig, in Braun- 
schweig zerstreut wächst ; in Schleswig-Holstein ist sie nach 
PrahP^) nicht selten. Über die weitere Verbreitung in Nord- 
deutschland fehlen mir Daten. Häutig ist die Arnika auch im 
gebirgigen Teile Belgiens- bezüglich der Standorte in Holland 
sagt Henkels: Vrij algemeen op hooge veenachtige heidevelden'^*^). 
Auf den britischen Inseln fehlt sie ganz. 

In Norwegen wächst Arnika nach Blytt-*) (auch in der 
Form A. angustifolia Dob.) bis zum 63*^ n. Br. ; neben ihr findet 
sich A. alpina Laest. von 70° n. Br., nach Hermann auf Hoch- 
gebirgsmatten in Fennoskandinavien von 70° 35' bis zur Maalselv, 
schwedisch Nord-Lappland, Kuusamo und Imandra-Lappland. Die 
eigentliche Arnika (norwegisch solblom. Jonsokblom, schwedisch 



'•"') Drude, Der herzynische Florenbezirk. 

-^) Drude, Pflanzengeographie Deutschlands. Stuttgart 189G. 

22) Schübe, Flora von Schlesien. Breslau 1904, S. 392. 

-•') Eilker, Flora von Geestemünde. Gr. 1881, S. 39. 

-^) Bertram, ExkursionsHora des Herzogtums Braunschweig. Brauii- 
schweig 1894, S. Iíi7. 

25) Prahl, Flora von Schleswig-Holstein. Kiel 190Ô, S. 231. 

2^) Henckels, Geillustrierde Schoolüora voor Nederland. Groningen 
1900, S. 642. 

2^) Blytt, Haandbog i Norges Flora. Kristiania 1906. 



188 

Sankt Hansört, aucli Fibbla, Volverlej, Guldblomme genannt-*), 



-*) Die Namen lassen darauf schließen, dall die PÜanze aucli im Volks- 
glauben eine Rolle spielt. F. Sohns sagt in seinem Buche „Unsere Pflanzen, 
ihre Namenserklärung und Stellung in der Mythologie und im Volksaber- 
o-lauben" (Leipzig 1907) folgendes: „Durchaus nicht so leicht zu erklären, 
wie es den Anschein hat, ist der heute sehr gebräuchliche Name der 
Pflanze „Wohlverleih". In der Volksmedizin wird sie besonders zu Ein- 
reibungen und Umschlägen benixtzt, der Apotheker verwendet sie zu ähnlichen 
Zwecken; alles das gibt ihr sicherlich einen Anspruch auf die Benennung- 
Wohlverleih. Aber der Name ist jung und je weiter wir ihn in seiner 
Entstehung zurückverfolgen, um so deutlicher tritt ein ganz anderes Wort 
als erster Bestandteil hervor: Wolf. Wolwisgenena heißt die Pflanze bei 
der heiligen Hildegard, Wolfilegia latinisiert sie der Cordus des 16. Jahr- 
hunderts, und „Wolfsdistel" nennen sie alt- und mittelhochdeutsche Quellen. 
Noch heute erscheint der Wolf in dem Namen der Wolfsblöme des Ost- 
friesen, in der Wulwerblume des Göttingers. Muß man also nach dem Ge- 
sagten volksetymologische Entstellung im Namen der Pflanze annehmen, so 
kann Wohlverleih nur aus einem ursprünglich mit „Wolf" zusammengesetzten 
Wort entstanden sein, nicht umgekehrt. Wie man eine „Schneegelige" (Schni- 
galchel, Schneeglöckchen) schuf, so auch mit demselben Worte gelig (Weiter- 
bildung von gel = gelb) eine Wolfsgelige, die dann in Wolfisgelegena und 
später gar unverständigerweise in Wolfilegia latinisiert wurde. Wie nun aus 
Aquilegia Akelei wurde, so aus Wolfilegia Wolfelei (Gradmann nennt die 
Pflanze in dem Werke „Das Pflanzenleben der Schwäbischen Alb" Wolferlei), 
das sich dann bei der außerordentlichen Heilkraft der Pflanze in Wohlverleih 
umwandeln konnte.'' Ein Leser der „Naturw. Wochenschr." (.Jahrg. 1910, 
S. 559) schreibt: „Ende Juni hielt ich mich in Bischofsgrün im Fichtelgebirge 
auf; am 25. fand ich sämtliche Felder von Getreide und Kartoffeln an den 
Ecken und an den Seiten, liier in etwa 5 — -7 m Abstand, mit blühenden 
Stengeln von Arnica montana besteckt. Eine Frau, die ich deshalb befragte, 
sagte, das sei Johanniskraut oder Hexenkraut und werde am Johannisabend 
eingesteckt, um die Feldfrüchte vor dem bösen Einfluß der Hexen zu schützen.'' 
Ebenda (S. 556) berichtet Dr. Stockmayer, daß ein Bauer in der Gegend 
von Steyer in Oberösterreich Arnika und andere nach ihm rings um Felder 
gepflanzt hatten, weil dies angeblich eine gute Ernte zur Folge habe. Ebenso 
tue man es in Böhmen. Er führte dies auf die in den abgeblühten Blüten- 
köpfen vorhandenen „schwarzen Eier" einer „schwarzen Fliege" zurück, die, wenn 
sie herausfliege, das Feld vor Ungeziefer, Mutterkorn und Brand schütze. Es 
handelt sich um die Tönnchenpuppen der Trypeta arnicae. Dr. Neumanu 
sagt (1. c. S. 720): Bei dem alten Tabernaemontanus ^1525 — 1590) heißt es in 
dessen Kräuterbuche: Bei den Sachsen braucht es (Arnika) das gemeine Volk. 
wenn jemand hoch lieruntergefallen ist und sich verletzt hat. Sie nehmen eine 
Hand voll, sieden es in Bier, nehmen des Morgens einen Trunk davon warm, 
decken sich zu und schwitzen. Wo sie sich beschädigt haben, empfinden sie 
große Schmerzen auf 2 — 3 Stunden und werden alsdann kuriert. Piejier schreibt 
in seiner Volksbotanik S. 361: Pflückt man das Johanniskraut am St. .Tohannis- 



189 



ist nach Schübe 1er-'*) ziemlich allgemein in den südlichen Pro- 
vinzen Skandinaviens: in Schweden geht sie bis zum 60° n. Br. 
Wegen ihres bitteren Geschmackes soll sie früher als Zusatz zum 
Biere gebraucht worden sein. Nach Hermann (Flora von Deutsch- 
land und Fennoskandinavien sowie von Island und Spitzbergen, 
Leipzig, 1912, p. 478) geht die Pflanze östlich bis Nord- und Ost- 
])olen (Wilna). 

Bezüglich der kar patisch en Verbreitung tindei man in 
der Literatur Widersprüche. Drude-^), Engler^") und Schroe- 
ter^^) sind der Ansicht, daß Arnica montana im Karpatengebirge 



tage, dann kann man damit, wie die Sage im Fichtelgebirge erzählt, während 
die Glocken zur Kirche läuten, die Schatzkammern des Ochsenkopfes (Berg 
im Fichtelgebii'ge) öffnen. Jedoch muß man den Bfvg früher verlassen^ ehe 
der Pfarrer „Amen" sagt, sonst muß man ewig darin bleiben. Wer Wohlverleih 
in die Felder steckt, unter das Dach legt oder in die Ställe hängt, bleibt von 
Blitzschlag oder Hagel verschont." Der Glaube an die Unheil abwehrende 
Kraft der Arnika am Johannistage ist nach H. Marzell (1. c. Jahrg. 1911, 
S. 482) auch inr Bayerischen Wald, im Voigtland, in der Oberpfalz, im Eger- 
land und im deutschen AVestböhmen verbreitet. In Schaufling (B.-A. Deggen- 
dorf) wird am Vorabend des Johannisfestes an die Fenster ein sogenanntes 
„Sonnwendbüschel" gesteckt, das vor Gewitter schützen und zugleich das Ge- 
deihen der Feldfrüchte bewirken soll. Es besteht aus Haselnußblatt, Eichen- 
blatt, Wucherblume (Chrys. Leucanthemum), Arnika, rotem Klee, weißem 
Klee, Haferrispe, „Sonnwendscheberl" (Briza media), Wiesennelke, Glocken- 
bl^^rae (0. patula), Himmels- oder Herrgottsrebe (Lotus corniculatns), Hosen- 
knopf oder Schneiderkopf (Sanguisorba officinalis), meist auch einer Kornähre 
und .,Klof" (Alectorolophus maior). Nach pfälzischem Aberglauben schützt 
das Johanniskraut gegen Zauber. Im Egerlande steckt man unsere Pflanze 
mit Haselnußzweigen unter die Dächer, hinter Bilder und Betten, weil sie vor 
Gefahren, namentlich gegen die des Blitzes, schützen soll. Ahnliches berichtet 
John aus dem deutschen Westböhmen, wo die Pflanze auf die Flachsfelder 
gesteckt werde. In bayerisch-österreichischen Mundarten heißt die Arnika 
Johannisblume, -kraut. Die engen Beziehungen zum Johannisfeste erklären 
sich in erster Linie daraus, daß diese vom Volke hochgeschätzte Heilpflanze 
um Johanni in schönster Blüte steht. In Rußland heißt die Pflanze „Kupalnik'", 
welchen Namen auch andere Gewächse haben, die am .Johannisfeste im Aber- 
glauben eine Rolle spielen. 

Das aromatisch riechende und Arniciu, ätherisches Ol, Harz, Gerbstoff und 
Inulin enthaltende ßhizom sowie die Blüten sind offizineil. 

^3) Seh übel er, Die Ptlanzenwelt Norwegens. Ein Beitrag zur Natur- 
und Kulturgeschichte Nordeuropas. I. Christiania 187-3. 

■■*") Engler, Die Pflanzenformationen und die pflanzengeographische 
Gliederung der Alpenkette. Berlin. 

31) Schroeter, Das Pflanzeideben der Alpen. Zürich líiOŠ, S. -392. 



190 

fehle. In den Beskiden Avird von Oboi'ny, Formanek und 
Sclinbe auf Grund der Angabe Kolbenheyers das Morawka- 
Tal unter der Lissahorn als Standort angegeben. Web er '^2) ist 
es trotz vieler Mühe nicht gelungen ein Exemidar zu erhalten, so 
daß er jenes Vorkommen für höchst unw;ihrscheinlieh hält. Pax^^) 
meint zwar, daß die Pflanze in den Westkarpaten auffallend 
selten ist. sagt aber, daß sie schon in den Waldkarpaten auftritt. 
Sie ist häufig in den Bistritzer Alpen. Auf dem Czibles (1842;h) 
im nordsiebenbürgischen Mittelgebirge (Trachyt) tritt A. montana 
mit folgenden Arten auf: Carex atrata, Dianthus compactus, Ole- 
matis alpina, Viola declinata, Hy])ericum alpinum, Meum Mutel- 
lina, Laserpitium alpinum, Vaccinium uliginosum, Euplirasia 
minima, Pedicularis sumana, Knautia longifolia, Valeriana tripteris. 
Campanula Scheuchzeri, C. alpina, Phyteuma Vágneri, Solidago 
al])estris, Aster ali)inus. Achillea lingulata, Carduus Kerneri. 
Chrysanthemum rotundifolium, Gnaphalium norvegicum, G. supinum, 
Scorzonera rosea, Hypochoeris uniflora. Hieracium aurantiacum, 
H. alpinum. Schließlich gehört die Arnika auch zu den bezeich- 
nenden Arten der Formationen unterhalb der Baumgrenze in den 
Burzenländer Bergen und findet sich hier auf Kalk, während sie 
sonst als kalkfliehend bezeichnet wird. Der nächste Standort bei 
Kronstadt ist nach K,ömer^^) die Schulerau (etwa 1000 m). Vor 
Pax haben schon Schur^'-^'i („Berg- und Voralpenwiesen durchs 
ganze Gebiet", in 2 Abarten: A. obtusifolia und A. stenophylla, ferner 
noch K. alpina Laest. und A. petiolata Schur ans den Bodnaer 
Alpen ) und S imonkai ^'') auf das Vorkommen der Pflanze aufmerksam 
gemacht. Vcifasser beobachtete die Arnika 1910 auf dem Globucet 
zwischen dem Bucsecs und Predeai auf rumänischem Boden. Angaben 
über die Verbreitung in Galizien und der Bukowina macht Knapp ^^). 
Aus Osteuropa liefert Angaben über die Verbreitung der 
Arnika Rostafinski^"*), nach welchem die Pflanze auf trockenen 



3-) Weber, Flora von Friedek und Umgebung. Friedek 1901, S. 41. 

''^) Pax, (Ti-undzüge der Pflanzenverbreitung in den Karj^aten. Leipzig. 

^*) Römer, Die Flora des Schulers. Jahrb. d. Siebenbürg. Karp. -Voreins 
190.5, S. 2.S. 

^^) Schur, Enumeratio plantaruni Transsilvaniae. AVien 186G, S. .3-11. 

^'^) Simonkai, Erdely edényes fluiájanak. Budapest 1886. 

-''') Knapp, Die bisher bekannten Pflanzen Galiziens und der Bukowina. 
Wien 1872, S. 133. 

^** Rost afin ski, Florae Polonicae prodromus. Berlin 1873. 



191 

oder torfigen Waldwiesen im östlichen und nordöstlichen Polen 
sehr verl)reitet ist. Nach Ledebonr-^-') tritt sie ferner in Livland. 
Littauen und in Podolien, ferner im Ural (Jekaterinenburg) auf; 
die var. stenophylla geht dann auf asiatischem Boden bis Jakutsk. 
Sibirien weist übrigens wie Nordamerika noch weitere Arnika-Arten 
auf, so A. alpina Laest. auf der Tschuktschen-Hal])insel (von hier 
bis ins arktische Amerika), A. obtusifolia Less. (zwischen Ochotsk 
und Irkutsk, Insel Unalaschka), A. unalaschkensis Less . A. lati- 
folia Bon. von der Sitcha-Insel und A. Chamissonis Less., zwei 
Arten, die auch in Nordamerika verbreitet sind. Im paläarkti- 
schen Teile Nordamerikas und Asiens ist demnach das Ver- 
breitungszentruui der Arnika-Arten zu suchen; im ersteren Gebiete 
wachsen noch A. angustifolia Vahl, ferner in Gebirgsgegenden 
A. mollis Hook., A. cordifolia (Porter und Coulter'^"), ferner 
A. nudicaulis (Ward^\). Im Kaukasus fehlt Arnica montana ganz. 
In den Alpen ist unsere Pflanze hingegen sehr verbreitet. 
Als ausgesprochener Humusbewohner gehört sie nach Schroeter^^) 
zur Nardusweide und Ericaceenheide und gesellt sich dem Katzen- 
pfötchen, dem Hungergras und den genügsamen Flechten (isländi- 
schem Moos und Renntierflechte) zu, flieht den Kalk, liebt das 
Licht und lebt mit einem Wurzelpilz in Symbiose. Auf Berg- 
mähdern ist sie oft dominierend; so fand Stehler bei 2200 m 
auf den Schaufiggerheubergen auf 10 cm mächtigem Humus (über 
kalkreichem Lehm) am steilen Südhang ein Arnicetum mit 34'5*yo 
Arnika im Easen. Schroeter bezeichnet die Pflanze als einen 
eurasiatischen Ubiquisten der montanen Hegion bis in die Sub- 
arktis. Sie steigt in den Alpen weit in die alpine Region (Wallis 
2600 m, Waadt 2000 m, Glarus 2300, St. Gallen 2200 m, Bayern 
2070 m, Stubaital 2430 'rn, (nach Sarnthein) und Engler^^) 
rechnet sie zu den Glazialpflanzen, nennt sie aber vor allem bei 
der Formation der bayerischen Heidewiesen des Alpenvorlandes, 
des Zwergwachholders und der Besenheide, der Voralpenflur des 
kalkarmen Bodens, aber auch des Kalkbodens. Im Jura ist die 



•'^) Ledebour, Flora rossica. .Stuttgart 1844 — 1846. Vol. II, p. 622. 
^") Porter und Coulter, Synopsis ofthe flora of Colorado. Wasb. 1874. 
'^) Ward, Guide to tbe Flora of Wasbington and vicinity. Wasb. 1881. 
^-) Scbroeter, Pflanzenleben usw. S. 392. 

^^) Engler, Die Pflanzenformationen und die ptianzcngeograpbiscbe 
(iliederung der Alpenkette. Berlin, S. 9. 



192 

Arnika nach Schiuz-Keller'^^) seltener. Bezeichnend ist die Art 
für die alpine Buntschwingel (Festuca varia)-Halde neben Jiini- 
perus nana, Festuca Halleri, Anthoxanthum odoratum, Juncus 
tritidus, Luzula sudetica, Carex sempervirens, Coeloglossum viride. 
8ilene rupestris, Daphne striata, Laserpitium panax, Anemone 
sulfurea, Lotus corniculatus, Trifolium alpinum, Alsine mucro- 
nata, Arctostaphylos uva ursi. Loiseleuria procumbens, Gentiana 
punctata, G. cami)estris, Pedicularis tuberosa, Campanula barbata. 
Senecio abrotanifolius. Hjpochoeris uniflora, Senecio doronicum. 
Ö. carniolicus. Phyteuma hedraianthifolium. Solidago virgaurea. 
Antennaria dioica, Phyt. orbiculare u. a. — Gegen Weidetiere ist 
die Arnika durch ein ätherisches Ol (xlrnicin). das sie enthält, 
geschützt; hingegen werden die Samen von Würmern angegriffen 
(Schroeter). 

In Nieder Österreich ist Arnica montana häutig auf den 
Gebirgswiesen der Voralpen vom Wechsel bis zur ol)erösterreichi- 
sclien Grenze, ebenso im Schiefergebirge im Viertel oberhalb des 
Wienerwaldes, auf dem Granitplateau des Waldviertels ebenso wie 
im Sandsteingebiete (Halacsy*'' '. Auf Kalk ist sie seltener 
(Beck'^''). Eine ausgesi)rochene Alpeni)flanze ist indes die Arnika 
schon mit Rücksicht auf ilire grobe geographische Verbreitung 
nicht wie so viele Arten, die auf den Höhen unserer Mittelgebirge 
wachsen (Hegi). In den andern österreichischen Alpenländern 
tritt sie überall auf. 

In Kärnten wächst die Pila.nze'*'J nicht bloß auf Al])en. sondern 
auch auf Sumpfwiesen in Niederungen, so in den kärntnerisch-steieri- 
schen Alpen, in den Tauern, in den Gailtaler, Julischen und Westkarni- 
schen Alpen (Lärchenwälder der Stougruppe). In Krain findet 
sie sich nach Paul in (Beiträge zur Kenntnis der Vegetations- 
verhältnisse Krains II. Heft, Laibach 1901) in allen Teilen des 
Landes in Heiden und Lärchenwäldern, auf Berg- und Alpenwiesen 
auf Kalk, Tonschiefer und Sandstein. 

Im Küstenlande tritt sie nach Pospíchal mitunter in 
auffallend tiefen Lagen auf. so im Coglio oberhalb Verhovlje und 



^^) Scliinz-Keller, Flora der Schweiz. Zürich 1900. S. 536. 
^^) Halacsy, Flora von Niederösterreicli. Wien 1996, S. 278. 
■16) Beck, Flora von Niederösterreicli. Wien 189?!, S. 1212. 
■*'') Packer, Systematische Aufzähluno- der in Kärnten wildwachsenden 
Gefäßpflanzen. Klagenfurt 1884, II, S. 103. 



193 

bei (irradiscutta in kaum *J0 m Seeliöhe. auf den Liaclnviesen bei 
Görz und an der Wippach bei liebele; man findet sie auf dem 
nördlichen üandgebirge. auf dem Berkin. auf dem ïschitschen- 
boden bis zum Monte Maggiore. Im Gebiete des Isonzotales erscheint 
sie n;ich Beck oberhalb Bača auf Bergwiesen, dann auf dem 
Kamme des Kouk, bei Flitsch, bei Podmelee u. a. 

Ein weiteres Verbreitungsgebiet dersell)en ist der Karst, 
Nach Marchesetti^'*) wächst sie auf Bergwiesender Triester Ge- 
gend (M. Ciucco, Barca, Vattule, M. Slavnik u. a.). Xach Beck''') 
gehört sie auch im illyrischen Gebiete der Formation der Vor- 
alpenwiesen an, und zwar sowohl im Dinarischen Gebirge als auch 
auf den Schiefergebirgen Bosniens. Im bosnischen Vranica-Gebirge 
(2070 ))/) gedeiht sie auf den Hochalpenraatten mit Lycopodium 
alpinum, Deschampsia ilexuosa, D. caespitosa, Poa alpina, Phleum 
alpinum. Festuca spadicea, Nardus stricta, Luzula silvatica, 
L. congesta. L. angustifolia. Juncus trifidus. Polygonům viviparum, 
P. alpinum. Sagina Linnaei, Cerastium lanatum. Geum montanum. 
Potentilla aurea, Trifolium l)adium, Vaccinum Myrtillus. Vacc. Vitis 
Idaea, Primula glutinosa, Gentiana punctata. G. latifolia. G. verna. 
Thymus alpestris. Pedicularis scardica. Ranunculus montanus. 
R. nemorosus. R. crenatus. Pulsatilla alba, Sedum alpestre. S. an- 
nuum. Saxifraga rotundifolia, S. stellaris, S. androsacea. Hyperi- 
cum i|uadrangulnm. Jasione orbiculata. Phyteuma confusum. P. ob- 
tusifolium. Knautia dinai-ica. Gnaphalium supinum. Homogyne 
alpina. ( 'entaurea bosniaca. Senecio carpaticus u. a. Aus Bulgarien 
wird Arnika von Velenovskv ^'') iiicht angeführt; auch Adamo- 
vic''') erwähnt sie nicht. 

Für Italien ist das Vorkommen der Arnika durch Arcan- 
geli''-) angegeben. Aus den Westalpen reicht sie nach Mittel- und 
Westfrankreich (Bonnier- T^ayens''-"'); in Spanien wächst sie 
als A . angustifolia in den Provinzen Guipuzcoa, Vizcaya und 
Santander auf Wiesen der unteren Region mit Pflanzen, die in 
ähnlichen Assoziationen auch bei uns zu finden sind. Von diesen 



'"'i Marcliesetti, Flora di Trieste (>t, de' suoi diiitoriii. Trieste 18ÍI7. 

^'*) Beck, Die VegotationsverliHltnissc der illyrisohen Länder. Leijiziï. 

''"j Velenovsky, Flora bulffarica. Prag li^Ql. 

''^) Adam oviř, Die Vegctationsverliältnisse d. BalkaiiHinder. Leipzig 190i^> 

■'-) Arcangeli, Compendio della Flora italiana. Toriiio 1882. 

•''■'j Bonnier et Laven«, Flora complète <]o la France. Paris. 

Zfitsi-lirift (Ifii iiiiihr. I;;iiuit-'-niusi'uni<. Mil. 13 



194 

Wiesen führt Willkomni"'') an: (Jardamine pratensis, Eanunculus 
acer, Priniula acaulis, Ijvcbnis tlos cuculi. Canipaniila ])atula. 
Myosotis palustris. Orcliis maculata. O. Morio. Ac;liillea mille- 
foliiim. ( Jentaurea jacea. (J. nigra. Scorzonera Imniilis. Trifolium 
repens. T. fragiferum, Linum catharticum, Ij. angustif<tlium. Spiraea 
Filipendula, Parnassia palustris. Gentiana Pneumonanthe neben 
zahlreichen mediterranen, nordatlantisehen und endemischen Arten. 

2. Weitere Beiträge zur Flora von Mähren 
und Schlesien. 

Xephroilitini ililiitdtuui (HolTm.) Desv. ()luiütz: Moor bei der 
Oderquelle nächst Haslicbt. 

A'. spiiiulosiim (]\[üll.) Strempel. ]\iit vorigem, auch bei Karls- 
dorf nnd Breitenau im Gesenke, selbst im Grügauer Walde 1)ei <_).. 
sehr selten. 

Pteridiini) («luillninn (L.) ]vuhn. Bisenz: A\"aldrand in der 
Nähe der Sobonker Mühle nächst der Stati(»n Jîohatetz mit (Jen- 
taurea stenolepis A. Kern. Melampyruni cristatuui u. a. 

KijuiseffDn silvdtieniit (L.) Hochgesenke: Xoch unterhalb der 
Schäferei am Peterstein, über 1300 dí. 

AiilhoÀiniVtuni odoralitiii (L.) v. glabrescens ( 'el. snbv. silvaticum 
Aschers, et Gr. Hochgesenke: Hidzschlag oberhalb Karlsdorť am 
Wege zur Schäferei neben der typischen Ptianze. Vor etwa vier 
Jahren fand sich diese robuste, breitblättrige l^ilanze auch auf deiu 
Schuttplatze neben dem deutschen Staatsgymnasium in ( )luiütz. 
Die Pflanze verschwand ebenso wie die reiche Ruderalßora dieses 
Platzes^''). Ende August 1912 konnte ich diese für Holzschläge 
höherer Lagen l)ezeichnende Art auch bei Breitenau nächst Freuden- 
tal beobachten. Sie bildete hier außerordentlich üp]>ige Rasen uiit 
zahlreichen Halmen, die bis 12 cm lange, teilweise unterln'ochene 
große Blütenstände trugen. Die Blätter haben eine Breite \on 
fast 8 n)m. Die Pflanzen blühten hier auffallend s])ät. zu einer 
Zeit, da das typische Gras der Bergwiesen sch(»n längst trocken 
war. Von diesem unterscheidet sich die Abart schon durch die 
außerordentliche Grölk' aller Teile. Es wäre zu ei'mittelu, (»h man 



^^) Willkomm, Orundzügc dei' Pílanzciiverbreitnujj;' aul' der iberisclu'ii 
Hall)iiisol. Leipzig 1896. 

■'^) Laus, Mährens AťkerkríiutiT und RuderaliiHanzen. Brunn 1908, S. loi. 



195 

es liier mit einer mit Rücksiclit :iuf die veränderten Standurtver- 
hiiltnisse (huiuoser Boden in Kodungen) entstandenen, bleibenden 
Abart zu tun hat, oder ob im Laufe der Zeit, wenn der Boden 
von neuen Ansiedlern besetzt wird, die ursprüngliche Form wieder 
zum Vorschein kommt. 

Heleochloa sclioeuoides (L.) Host. Südmähren: Feldweg zwi- 
schen Rakwitz und Saitz („Salzweg") neben anderen in diesem 
Gebiete häutigen Hahiphyten'"'). Crypsis aculeata (L.) Ait. war im 
August 1911 trotz der abnorui heißen Sommerperiode an der von 
mir beschriebenen Stelle bei Saitz so üppig entwickelt, wie man 
es selten beobachtet; es fanden sich Pflanzen bis 40 cm Stengel- 
länge. Den Halophyten scheint gerade die Dürre aul3erordentlich 
gedient zu haben; trotzdem der Boden der salinen Stellen stein- 
hart und von klaÖenden Spalten durchzogen war. wiesen Salicornia 
und Suaeda einen auliergewöhnlich üppigen Wiu-hs auf. 

AvennstrnDi plaiiiciiJnie (Schrad.) Jess. Die Pflanze hält úv\\ 
im Hochgesenke entschieden in einer Höhe von ül)er 1300 in; als 
Seltenheit fand ich Juni 1911 eine Kolonie in dem oben genannten 
Holzschlage oberhalb Karlsdorf in etwa 700 ni Höhe. Yermutlifh 
ist sie nicht durdi Wasser oder den Wind, sondern dadurch an 
diese Stelle gelangt, daß reife llispen von den mit Heu beladen en 
AVagen gefallen waren, welches letztere von den Abhängen der Hohen 
Heide zum ZAvecke der winterlichen Wildfütterung hinabfahren. 
Die höheren Standorte der Art sind von diesem Punkte durch 
einen fast 2 Stunden breiten Waldgürtel getrennt, den Avenastruni 
meidet. Denselben sekundären Standort teilen auch (Jampanula 
barbata. Hieracium prenanthoides u. a. 

St'ef/liuf/in r/ccfonhaLs (L.) Beruh. Gesenke: Heideboden am 
Fiedelhübel gegen die Oder([uelle; in den Wäldern bei Murk 
nächst Xeutitschein. Schlesien: Bergwiesen bei Breitenau und 
Dittersdorf. 

Eragrostis minor Host. Bahnhíiťe in Brodek bei Prerau und 
Nezamyslitz. 

Koeleria (jracJUii Pers. ]\f.-I*i-us 1). Wischau (( 'oka). A'apenka 
bei Ung.-Brod ((\»ka). 

K. mtidula\Q\. Ung.-Brod: Strany, Glashütte ((*oka). 



■''') Laus, Die Halopbyteuvegetatioii des südliolieii Mährens und ihre 
Beziehungen zur Flora der Nachbargebiete. — ■ Laus, Beitrug!' zur Flora von 
Mähren. Verh. d. Naturf. Ver. Brunn. 47. IM., S. 3. 



196 

K. pseifdocrislata Domin. Hobitscliuu Lei Wiscliau. Jawornik 
und ř^uchow bei Welka. Glashütte Strany bei Uug.-Bj-od. in der 
Salvia-Fa/.ies. sämtlich \o\\ Herrn Lehrer F. ( V»ka gesammelt. 

K. pipraiiidata (Tiani.) Domin. Gesenke: Siebenhöfen nächst 
Bärn in derselben Form wie anf dem Ijiiü- und Kalkboden der 
mittelmährischen Stejjpenrelikte bei Olmütz •'''). 

Agrostis ciI/hi L. v. ])allens Gaiid. Salzboden bei llakwitz 
nächst Kostel. — /í diffusa Neil. Olmütz: Militärschießstätte; 
(^aganov bei Bisenz (('oka). — a coarctata Hoífra. ( ^aganov bei 
Bisenz (Coka). — ô gigantea Roth. Bisenz: Dubvawa (Coka ). 

A<))osiis r/</(/aris Willi, n typica Ct. Jîeck. Hochgesenke: 
Lästiges Unkraut im ..Sudeteugarten" nächst der Schäferei am 
Peterstein. 

Fo(i (dpiiui \j. V. pumila Host. Hochgesenke: Feterstein 1446 /y/. 

Foa iieiiioralis Jj. v. rigidula Gaiid. Olmütz: Chlum bei 
Krczman (Uoka). — v. vulgaris Gaud. Marchufer bei (*zernowir 
(roka). 

l\)(i compressa F. v. Fangeana llchb. H(»chgesenkc: Werms- 
dorf (Foka). — v. contracta Keil. Bisenz: Watzenowitz (('oka). — 
T. psaramophila G. Beck. Bisenz: Eatischkowitz ((\)ka). 

Festuca psc/zdor/jui Hack. ]\F-Fi-us bei Wischau (('oka), Dom- 
stadtl bei Bärn. Nebotein bei (Jlmütz. 

Festuca valesiaca Schi. Busau: Versteinertes Schloß ((Joka), 
Nebt»tein bei (olmütz (auf Kalk). 

Festnea stdcata Hack. Xebotoin bei Olmütz, Hohe Heide. 
Kikolsburg: Heil. Berg. 

Festuca iidira F. v. genuina Hack. f. vulgaris Hack, Olmütz: 
Drahanowitz. — f. grandiflora Hack. Wiesen bei Paulowitz, bei 
der Militärschießstätte. — v. glaucescens Heg. et Heer., Grügau 
bei ( )lmütz. 

Brom as secaliuas L. (îesenke: Mit Seeale cereale in einem 
Holzschlag bei Großwasser nächst (31mütz. 

Jhomus founaaiat/is Schrad. Wischau: M.-Prus (('oka). 

Froatus na-c/ia/sas Huds. Suchow bei AVelka, Straní bei 
ITng.-Brod (( 'oka). 

Uromas creclas Huds. v. ty])icus G. Beck. Proßnitz: Bahndamm 
bei Wrl)atek ((^'oka). 



'^') Laus, Die paiiuouisclie Vegetation der Gegend von Olmütz. Verh. 
.1. Xatuif. Ter. i. Brunn. 48. Bd. 1909. S. 195—240. 



197 

liromiis f/rvensis L. v. ditíusus Xeil. Drysitz bei Wischau 
(Ůoka). 

Broi/nis japonlcux Thunb. Sclinobolin ])ei Olmiitz, auf Löß; 
Pollauer Berge: Horizontalweg vom Jagdsclilol) zur Ruine. 

Lolium rfniotiui) Schrk. Westmähren: Unter Lein bei O.-Borry 
nächst Gr,-Meseritscb. 

Afiropyron repeiis P. B. v. caesium Presl. Nebotein bei 
Olmütz. — V. typicum G. B. Ohnütz: Schanzen. — v. Leersianum 
B. Seh. Olmütz: Schanzen; Drahanowitz bei Xamiest (Bezirk 
Olmiitz) (Ooka). 

A<jro////r(»t interiiiedhiiii P. B. « typicum G. Beck. Welka: 
Jawornik. Badrjow; Drysitz bei AVischau ((V)ka). — ß ghuicum 
R. Seh. Dieditz bei Wischau (( 'oka). 

Ci/pt'nis f/isc/is li. Olmütz: Marchuťer am großen Exerzier- 
platze; Sumpfboden bei der Hatscheiner Mühle mit Bidens cernuus 
Ti. V. discoideus. 

Heleocltaris aciciüaris (L.) li. Br. Südmähren: Am Wege von 
Rakwitz nach Xeudeck mit Heleochloa explicata (Ijk.) Hack. 

Moli nia coenilea (1^.) Mnch. R(»hatetz: Auf trockenem Sand- 
boden mit einigen Kolonien von Calluna vulgaris, begleitet von 
Dianthus su])erbus in der Dul)rawa bei der Sol)onker Mühle, sonst 
im Sandgebiete fehlend. 

Carcx. iiniricnia \i. ß virens Lam. Olmütz: Großwasser, 
Grügau. 

Carcx Hmbro.sa Host. Göding: An der Bahn l)ei Rohatetz 
(Ooka). 

Carex riifa Ja. a ty})icâ G. B. Proßnitz: Sumi)f bei Wrbatek 
(Ooka). 

L//:/il/i p//llesec7is Bes?.. Olmütz: Militärschießstätte bei liaska. 

}'cr(itruni Lobclhnniiii lîernh. Gesenke: In großer Menge au 
moorigen Stellen oberhalb Andersdorf bei Harn, mit Doronicum 
austriacum Jacq. 

(Jneroíš lamigÍHOHd (Tiam.) Thuill. Südmähren: Waldränder 
bei Gurdau und Auspitz in den Formen a) typica. h) pinn.itifida, 
erstere häutiger. 

fjuerc/ts Ceriis L. Südabhang der Poihiuer Berge. 

Die interessante PHanze luit für Mähren aus jdlanzen- 
geograi)hischcn Gründen besonderes Interesse. In Obornys ., Flora 
von Mäliren und Osterr.-Schlesien" (S. 298) wird sie für folgende 



198 

liokalitäten angegeben: ,, Bisenz, strauchartig mit (^), lanuginosa 
(nach Uechtritz), nach Bubela"'*) bereits verschwunden. Als 
Baum im Hojagebiete zwischen Possitz und Grußbach, in den 
Feldsberg- liundenburger Forsten; ein Bestand im Tiergarten bei 
Ivromau (Zimmermann) und auf dem Pelzberge l)ei Esseklee 
nächst Znaim in gröiJerem Gebüsch von mehr als 100 Stämmen." 
8]iäter wurde die Zerr-Eiche von Wildt'''') auch für Pausram, 
Keltschan nnd Aus})itz angegeben, ferner auch für den Schreib- 
wald und den Hadiberg bei Brunn, wo sie nach AVildt "'') ..als 
Kulturflüchtling und nur strauchartig" vorkommt. Alle die ge- 
nannten Standorte liegen im Bereiche der i)annonischen Steppen- 
flora Südraährens, und selbst wenn man den letztgenannten Standort 
als künstlich anniiumt und die hier wachsende Zerr-Eiche als 
Ergasio])hygophit gelten läßt, erreicht die erwähnte Eichenart in 
Südmähren als spontan wachsende Art die absolute Xord- 
gren/e ihrer Verbreitung. 

(^). austi'iaca \\'illd.. die als Rasse zu (^. (Jerris gehört, ist 
nach Podiici'a'") eine méridionale Art mit folgendem Areal: 
aus Mähren durch das Donaugebiet, westlich bis Steiermark, 
Kärnten, östlich in die nördlichen Balkanländer. Die eigentliche 
(^). cerris wächst nach Podprra im ganzen Mittelmeergebiete und 
geht nördlich l)is zum französischen Jura. 

Aus Mähren, und zwar gerade von den Pollauer Berijen, 
nennt sie schon 1859 Th. Kotschy in seinem prachtvollen Werke 
,. Die Eichen Eurctpas und des Orients" (Olmütz und Wien 1859 
bis 18<)2) und l)ildet sie auf Tafel XX ab. Dort heilit es: „Die 
Abteilung (Jerris mit zweijähriger Fruchtreife ist durch Q. austriaca 
Willd. allein in Deutschland, nördlich von Wien, in Mřiliren auf den 
Pollauer Bergen sowie bei St. Polten in Xiederösterreich vertreten, 
ist aber in l^ngarn sehr häutig. Unter den bisher nicht genau ge- 
kannten und getrennten Arten der Abteilung Cerris gibt es mehrere 
im Orient, durch ganz Kleinasien, über den Libanon l)is in das 



'^'^) Bubela, Verzeichnis der nin Bisen/ wildwaclisciMleii PHaiizcn. Yi'!]i. 
d. zünl.-))otaii. Gesellscli. i. Wien. LS^l. 

'■''■'} Wildt, V.'i-h. d. .\;iini-r. Ver. i. Hrünu. 41. Bd. 190:), S. 2:>7: 47. Bd. 
190>s S. li:.. 

'''^) Wildt, Botanisflies Kxknrsidiisbncli für die U nitre) mní;' vim Bräun. lOlo. 
''^) Podpěra, Kiitwirklung und ííeograpbisclie Verbreitung «ler Flora 
der böbmisehen L'a'nder. ]M:ilu-.-(>strau 1909, S. 205. 



1911 

südlich von Damaskus gelegene Hauran und Armenien hin ver- 
breitet. Auch in Griechenland, Sizilien, dem mittleren Spanien 
nud Portugal kommt i^erris nicht selten vor. Exemplare von Ost, 
Süd und West verglichen, bieten in den Früchten nicht hinläng- 
liche Merkmale, um sie, ohne das nähere Studium der Blüten, die 
bisher meist ungekannt sind, trotz mancher l'nterschiede als 
.Spezies trennen zu können, obwohl in der Folge sicherlich einige 
gute Spezies auftauchen dürften. Willdenow, der diese Art auf- 
stellte, merkte bereits eine Verschiedenheit zwischen der nördlichen, 
von ihm aufgestellten (^). austriaca und der südlichen (^. Cerris L." 
Sonstige x\utoren, die sich über die weitere Verbreitung der Zerr- 
Eiche äußern, sind Velen ovsky (Österreich, Kärnten, Steiermark, 
Ungarn. Siebenbürgen, Rumänien. Serbien. Bulgarien), Wagner- 
Gradmann'"^) (Krain, Tirol. Steiermark. Niederösterreich. Schweiz), 
Fritsch (Mähren. Niederösterreich, Steiermark. Krain, Küsten- 
land, Südtirol I. Boissier"^) (Gallia occidentalis et Jurassus, Hel- 
vetia, australis. Italia et Silicia, Germania australis, Dalmatin, 
regio Danubialis); auf asiatischem Boden: in silvis regionis in- 
ferioris montanae et subalpinae. Lydia. (Jaria, Pamphjlin in pla- 
nitie et montibus usque ad 45U0', Cilicia, Syria borealis in monte 
Amano. Libano et circa Eden 5400'. Anatolia borealis." 

Diese Angaben betreffend das Gesamtareal lauten in ein- 
zelnen Teilen widersprechend, so daß es sich lohnt, des näheren 
auf die Feststellung der Verbreitung der Pflanze auf Grund der 
vorhandenen Literatur einzugehen. 

Unter den Sudetenländern hat nur Mähren die oben ange- 
führten Standorte, deren Bedeutung bereits erwähnt wurde. Im 
Ali)engebiete wächst die Zerr-Eiehe in Niederösterreich nach 
Beck''') in der v;tr. typica und austriaca auf den Hügeln in der 
pannonischen Flora, im Wienerwalde und im Traisentale. Sie 
ňndet sich in der Formation der Aveichhaarigen Eiche ((^). lanugi- 
nosa). ferner auch in der mitteleuropäischen Formation der Eichen 
iQ. robur, Q. sessiliflora) eingestreut. Nach A. Kerne r"'') sind 
Buschwerke aus Zerr- und Weicheichen in der Wadiau vorgcscbo- 



*'-) Wagner, Dfutscliliuids Flora. Gearbeitet von (iradmann. Stuttgart 
11)05, S. 190. 

''2) Boissier, Flora orientalis usw. Genf und Ba>iel 1879, IV. S. 1170. 

61) Beck, 1. c. S. 270. 

'''•') Kerner, Pflanzenleben der Doiiauliinder. Innsbruck 18G.'i, S. 197. 



200 

bene Vurposteu der Step[)entl(ira auf Lößboden. Halacsy''^\) führt 
genaue Standorte in Xiederösterreich an, und zwar: im Hügel- 
laude des Kreises unter dem Manliartsberge, im iSchwar/walde bei 
(Töllersdorf. Ernstbrunner Wald, Plattwald bei Hausbrunn. Felds- 
berg; am Kablengebirge bei Kierling, Weidlingbacb. Neuwaldegg. 
Hütteldorf. Si-hönbrunn, Mauer. Kalksburg. WeiDenbach. Brülil, 
Baden, Heiligenkreuz; vereinzelt am Rosaliengebirge und im süd- 
lichen Schiefergebiete; im Traisentale bei Pihra. Viebofen, Her- 
zogenburg, Hollenburg. In Tirol wächst die Zerr-Eiche nach 
Dalla Torre und Sarnthein'') noch um Schruns {?), dann 
besonders im Süden bei Daoue. Kiccomassino nächst Tiodrone. in 
Wäldern bei Margone. Die wollhaarige Eiche ist viel mehr ver- 
breitet. Im österreichischen Küstenlande bildet (^. Cerris nach 
l-'ospichar'^} auf kalkhaltigem Boden in höheren, der Buchen- 
grenze genäherten Lagen kleine Bestände (so bei Slum in der 
Tschitscherei), teils wächst sie einzeln oder in Gruppen über das 
ganze Gebiet verbreitet. Marche se tti^') führt sie von mehreren 
Punkten der Umgebung von Triest (Lippiza, Divaccia, S. Canzian, 
Cosina, M. Slaunig u. a.) an. Nach Beck'^i reicht die Zerr-Eiche 
im Isonzotale bis St. Lucia und von hier in das Idriatal, wo sie 
am Abhänge des liascekgebirges im Rotbuchenwalde auftritt. Bis 
Kärnten i auch in Hallier, Flora von Deutschland, 10. Bd.. Š. 152, 
wird dieses Land zum Areale der Zerr-Eiche gerechnet) ist sie 
nicht vorgedrungen; hingegen findet sie sich in Kra in und 
Steiermark. Nach Maly (Flora von Steiermark, Wien 1868, 
p. 61) liegen ihre Standorte in Bergwäldern von Untersteiermark 
b(d Wisell, Rohitsch. Montpreis und auf dem Donatiberge. 

Eine große Rolle spielt die Zerr-Eiche im illyrischen Gebiete. 
Sie gehört nach Beck zu den laubabwerfenden Hölzern des 
Karstwaldes der adriatischen Küste neben (^). robur. Fraxinus 



'■'"^) Halacsy, 1. c. S. 458. 

''") Dalla Torre und (if. Sarnthein, |Flora der gcfürsteten Urafsehuft 
Tirol ubw. VI. Bd., 1. Abt. Inn'^bruck 1909, S. 66. 

•^^1 Piispichal, Flora des iisterreicliiscben Küstenlandes. Wien 1S97, 
I., S. 323. 

*^) Marchesetti, Flora di Trieste e de' suoi dintorni. Triest 18'J7, S. 499. 

"") Beck, R. V., Veg-ctationsstndien in den Ostalpen. I. Die Verbreitung- 
«1er mediterranen, illyrischen nnd mitteleuropäisch-alpinen Flora im Isonzotale. 
Sitzunssb. d. kais. Akad. d. Wiss., math.-nat. Kl., ('XVI. Bd., 1. Abt. 1907, 
S. 1439— ir)34. 



201 

Ornus, Primus Malialeb u. a. Weiter trifft man sie im litoralen 
EicheiiAvalde, dessen Oberholz sie nebst Q. lanuginosa, (^. sessili- 
tlora, (^. hungarica, (^). robur. i^. ilex. ( lastanea sativn. Ostrya car- 
pinifolia, rimiis campestris, ( 'eltis australis, Acer campestre, A. 
monspessuianus und Fraxinus Ornus in Dalmatien bildet. Be- 
zeichnend ist sie für die Eichenfo i-mationen des Kai-stes, die 
vom liburniscben Karst bis nach Albanien und von den äußersten 
Grenzen der Mittelmeerflnra bis zu jenen Höhen reiclien, in welchen 
die Rotbuchen oder die Tannen die Oberhand gewinnen '^). Innerhalb 
dieser Formationen dominieren in der Herzegowina Q. cerris mit 
(^. hungarica im Becken von Trel)inje; am Skuta risee und in 
Albanien tritt die Zerr-Eiche mit der ungarischen sowie Q. mace- 
donica als waldartiges Buschwerk auf. Während im Tiefland der 
Save der uralte slawonische Eichenwald fast nur aus Stieleichen 
(Q. robur ) besteht, stellt sich südlich davon in Bosnien wieder im 
Hügel- und Bergland ein Gemisch von Trauben- und Zerr-Eichen 
(Q. sessilitlora und i^. cerris) in Verbindung mit (Jarpinus Betulus 
und Tilia tomentosa ein; in höheren liageu mischt sich der bos- 
nische Eit-henwald mit Fagus silvatica, in Jvroatien mit Castanea 
sativa, im Drinatale und in Serbien mit Juglans regia und (^uercus 
hungarica. Der bosnische Eichenwald hat in Bosnien und Serbien 
eine große Verbreitung. In ihm steigt die Zerr-Eiche höher als 
die Traubeneiche; reine Zerr-Eichenwälder sind indes selten, meist 
sind noch andere Holzarten, auch Finus silvestris und F. nigra 
beigemengt. Beck gibt (p. 2F>) eine ausführliche Liste der Be- 
standteile der Formation des l)0snischen Eichenwaldes, welche 
zeigt, daß derselbe in übei-wiegender Menge Holzgewächse und 
Stauden aufweist, wie sie unsere südmährischen Eichenwälder 
ebenfalls besitzen, und zwar: 

Oberholz: Q. sessiliflora, Q. Cerris, (^. Robur, Fagus, Car- 
])inus, Betula alba, Populus tremula, F. alba, Acer campestre, A. 
l)latanoides, Tilia ]»latvphylla, Prunus avium, Pirus communis. 
Malus communis, Aria torminalis, A. nivea, Fraxinus excelsior: 
Unterholz: Juniperus communis, (Joryllus avellana, Salix capraea. 
Staphylea pinnata, Evonymus europaeus. Cornus mas, C. sanguinca. 



"') Nach Adamovi r, Die I'iiaiizeiiwelt Dalmatiens, 1911. S. -15, besteht 
die verbreitetste Waldfoimation Dalmatiens aus sommergriinen, meist weich- 
haarigen Eichen i Qxrrfus puhrsrois). denen sieli (J. Cerris und O. /inZ/tNc/i/afa 
beiíjrcsellen. 



202 

Rosa repens, E. austriaca. Prunus spinosa. Kubus Ldaeus, Cra- 
taegus monogyna, Genista tinctoria. ( 'vtisus nigricans. ( \ capitatus, 
Ligustrum vulgare. Viburnum Lantaua; Schlinggewäclise: (Jle- 
matis Vitalba, Vitis vinifera. Hedera Helix. Rubus birtus. E. sub- 
erectus, R. caesius. Astragahis glycyphvllos; Epiphylen: Lorantbus 
europaeus; Niederwuclis: Pteridiuiii aquilinuni. Aspidiuni tilix mas, 
Milium effusum. Melica nutans. M. uniflora. Poa ncmoralis, 
Dactylis glomerata. Festuca heterophylla. Brachypodium silvaticum. 
B. pinnatum. ( 'arex pallesceus. Tiuzula pilosa. L. augustifolia, 
Lilium martagon. Allium ursiuum. ( 'onvallaria majalis. Polygo- 
natum multiíiora. Paris. Arům. Orcbis maculata. IMatanthera 
bifolia, Stellaria nemorum. S. Holostea, ^Moehringia trinervia, 
L)iantlius Armeria. Silène nutans. Hanunculus lanuginosus, R. puly- 
antbemus, Anemone ranunculoides, A. nemorosa. Viola silvatica. 
Hypericum montanum. H. perforatum, Oxalis Acetosella. Géranium 
Robertianum. G. sanguineum, As arům. Eu])liorbia amygdaloides, 
Aegoi)odium. l^impinella saxifraga. I^eucedanum alsaticum. Circaea 
lutetiana. Poterium Sanguisorlja. Pragaria vesca, l^otentilla all)a. 
P. Tormcntilla, Geum urbanum, Agrimonia Eui)atoria, Trifolium 
alpestre, T. rubens. ï. medium. Genista germanica. G. ])ilosa, 
Lotus corniculatus. Dorycnium. Yicia cassubica. V. sepium. Lathyrus 
niger. L. vernus, Lysimacbia vulgaris. F^irola rotundifolia. Vacci- 
nium Myrtillus. Vincetoxicum ofticinale. Erythraea Cíentauriura, 
Gentiana cruciata, Sympbytum tuberosum. Litbospermum ofticinale, 
\j. purpureo-coeruleum. Pulmonaria. ofticinalis. P. nudlis. Tbymus 
montanus. ( 'alamintlia Glinopodium. Origanum vulgare. Nepeta 
pannonica. Glecboma birsuta. Pamium Galeobdolon. Staebys be- 
tonica. Melittis Melissopbyllum, Brunella laciniata. B. vulgaris, 
Ajuga genevensis. Teucrium Cbamaedrys. Yerbascum nigrům. 
V. austriacum. V. pblomoides. Veronica officinalis. V. Ohamaedrys. 
Digitalis ambigua, AIelami»yrum nemorosum. M. pratense. Gampa- 
nula ])atula. C. persicifolia. G. glomerata. G. Tracbelium. G. boni»- 
niensis. Asi)erula odorata. Galium silvaticum, G. vernum. G. verum. 
G. cruciatum. Knautia silvatica. Acbillea millefolium, Solidago Virgo 
aurea. Gnapbalium silvaticum. lnula conyza. I. salicina. I. birta, 
Senecio nemorensis. Serratula tinctoria. Gentaurea stenolepis, G. 
jacea. Gbrysantbemum corymbosum. Antbemis tinctoria. Lactuca 
muralis. Hieracium racemosum. H. silvaticum, H. boréale; Sapro- 
pbyten: Xeottia. (Jrobanclie. 



203 

Vergleicht m;iu diese Liste mit jener der \'eg"etati()n unserer 
Eichenwälder, in denen Q. (Jerris ein nur ganz sporadisches Element 
bildet. SU fällt die Ähnlichkeit sofort in die x\ugen. 

Aber auch in den Gebirgen des illyrischen Gebietes, und 
zwar in der Waldregion des liburnischen Karstes, im Velebitgebirge 
(Landseite), im nordalbanischen Gebirge (Schard-Dagh i und im 
ostserbischen (jebirge spielt die Zerr-Eiche eine Kolle. Sie mengt 
sich in die Formation der líotbuche in höheren Lagen ein. Beck 
nennt hier die Zerr-Eiche eine westpontische Art ebenso wie 
<:^. hungarica. Sic gehört zu jenen Arten, welche über das Karst- 
gebiet hinaus bis in die Ostalpen und nördlich bis Mähren reichen. 

Pančič'"-'i führt (^). Gerris auch von den Serpentinbergen 
Mittelserbiens .m, die einst mit Wald bestnnden waren, heute aber 
nur Eeste von Waldwuchs aufweisen. 

In den östlichen Balkan- (mösischen) Ländern hat die Zerr- 
Eiche nach Adamovič ebenfalls eine große Verbreitung. Sie ist 
in Bulgarien ein Gemengteil des Ornus-Mischla ubwaldes 
{= Karstw;ild Becks), der in allen ''J''eilen der Balkanhnlbinsel, 
vorzüglich im mediterranen, vorkommt; in der immergrünen Stufe 
gesellen sich ihm Quercus coccifera ((Triechenland), Q. Hex, 
Lauriis nobilis (adriatisch-ionische Küste) zu. Die verbreitetste 
Eiche des Ornuswaldes ist (^). lanuginosa; ihr gesellen sich (^. 
( 'erris, (,). confert;i, (j). brutia und Q. Haas, seltener (^. sessiliflora, 
(^. australis und (^). })edunculata bei. 

In der luediterranen Fazies ist die Zahl der für die Gegen- 
den charakteristi^^chen sonstigen Pflanzen dieser Formation größer 
als in der mitteleuropäischen. In der sogenannten Sibljak-For- 
mation ist der (^uercus-Tyi)us besonders verbreitet. Eichenbusch- 
werke beherrschen fast die ganze Hügelstufe der Balkanländer. 
Adamovič ist der Ansicht, daß dieser Typus in nordwestlicher 
Bichtuiig bis nach Deutschland reicht; in Ungarn und Nieder- 
österreich ist sie noch typisch entwickelt. Diese Genossenschaft 
wird auf der Balkanhalbinsel von zwerghaften Beständen von (j)uercus 
})ul)escens gebildet, der nicht selten auch andere verkümmerte 
Eichenarteu ((^). conferta, (^. austriaca, (^). rhodo]»ea) beigemengt 
»ind. Eine charakteristische Staude für. die Bänder der Sibljak- 



'^) Pančič, Die Flora der Serpentiuberoc in jMittelserbicn, V 
k. k. zool.-bot. Gesellschaft. Wien 1859, S. 139. 



204 

Dickichte ist die wohlbewebrte Distel Chamepeuce afra, wie ich 
sie selbst an ausgedehnten Sibljak- Abhängen im Iskertale bei 
(^erovü 1008'^') beobachten konnte. Der Ort hat seinen Xanien 
nach den ausgedehnten Zerr-Eichenwäldern (bulg. cer), wie sie im 
Iskerdefili' des Balkans noch vorkommen. Freilich haben diese 
Wälder ein von den unsrigen ganz verschiedenes Aussehen. Es 
ist dies eine im Binnenlande der nördlichen Balkanstaaten weit- 
verbreitete Formation, die entweder aus einer einzigen Eichenart 
oder einem (lemisch mehrerer Arten gelnldet wird, denen sich 
die Silberlinde oder liotbuche ])eigesellen. Adamovir unter- 
scheidet eine Fazies der (^. conferta, (^). pedunculata, (,). austriaca, 
Q. sessiliflora, je nachdem eine der Arten dominierend auftritt. 
Die S. 2,"'>o seines verdienstvollen A¥erkes angeführte Formations- 
liste, darstellend die Ptlanzenarten im Ober- und Unterholz, die 
Schlinggewächse und den Niederwuchs bietet im allgemeinen das- 
selbe Bild wie in den illyrischen Gebieten und in unseren Gegenden. 
Bei dem Umstände, daß in solchen Eichenwäldern hinreichend 
Licht vorhanden ist, hat die Begleitfiora eine sehr bunte Zu- 
sammensetzung und großen Artenreichtum. 

Auch in der Schwarzföhrenformation (Pinus nigra) sowie in 
Auwäldern und Buschwäldern erscheint die Zerr-Eiche eingesprengt. 
Für Ostrumelien nennt die Zerr-Eiche Podpèra'^) als Unterwuchs 
der lichten Buschwälder; von Montenegro führt sie Hohlena''') 
an, Kotschy weist auf das Vorkommen in Griechenland hin: in 
Pritzels"*^) Arbeit werden außer der immergrünen (^). ilex noch 
(^. conferta, (^. lanuginosa, Q. Robur und Q. aegilops, nicht aber 
Q. ( -erris i austriaca) angegeben, so daß diese Eiche im Lande viel- 
leicht nur eine beschränkte Verbreitung hat. 

Eine bedeutende Verbreitung besitzt die Zerr-Eiche auch im 
Hügellande Ungarns. Für Kroatien gibt sie Potscharsky''') an. 

"■') Laus, Eotaiiische Reiseskizzen aus Bulgarien. Ulraütz liiUO. 

■^) Fodpèra, Ein Beitrag zu den Vegetationsverbältnissen von Süd- 
bulgarien (Ostrumelien). Verb. d. k. k. zool.-bot. Ges. Wien 1902, 8. ölU. 

'■') Roh le na, Vierter Beitrag zur Flora von Montenegro. SitzungslH'r. 
d. köu. böhm. Gres. d. WissenseLaften. Prag 1904, S. Sb. 

'•') Pritzel, Vegetatiouiibilder aus dem südliclien und mittleren Urieclien- 
land. Englers Bot. .Tahrbücher, 41. Bd., 1908, S. 180. 

"") Potseharsky, Beitrag zur Flora von Kroatien und Dalmatien. 
Dresden, „Flora", 1890, S. 34. 



205 

Nach Kerner'*) ist die Zerr-Eiclie vorlierrschend im pontischen 
Laubwald; auch andere somniergrüne Eichen mit thiumhaarigem 
Laube, in deren Bestand horstweise oder vereinzelt die Silber- 
linde, der Haselnußbaum, die östliche Hainbuche, mehrere Ahorn- 
arten und viele andere Laubhölüer eingesprengt sind, gehören zu 
seinen Gliedern. Hier wachsen auch Castanea, Juglans regia, 
ferner ein artenreicher Bodenwuchs, in ihm Telekia speciosa, 
Waldsteinia geoides, Melica altissima. Veratrum, Phlomis, Paeonia, 
Helleborus, Smyrmium. Genista. Cytisus u. a. Im Biharia-Gebirge 
wird nach Kerner'''') die Stieleiche bei 1000' Höhe durch die 
Zerr-Eiche abgelöst, eine Baumart, die es merkwürdigerweise 
verschmäht hat. aus dem Berg- und Hügellande der Kari)aten in 
das fruchtbare Niederland herabzusteigen, die aber ;uif dem ter- 
tiären Boden, der die Ausiistungen des Hochgebirges umwallt, 
sowie auf den niederen Trachytbergen, welche sich im Gebiete der 
Weißen Koros erheben, in prächtigem Wuchs em])orstrebt. Sie 
bildet mit ihren Wäldern einen ziemlich scharf ausgesprochenen 
Gürtel, dessen untere Grenze mit dem Ende des Tertiiirlandes. 
dessen oberes Ende mit 2200' erreicht ist. Darüber, bis 2600', 
wachsen Steineichen. Die Zerr-Eiche bildet fast reine Bestände, 
doch gingen diese aus gemischten hervor. Beigemengt sind Car- 
})inus, ïilia, ülmus, Acer, Betula, Pirus, jMalus, Fraxinus Ornus 
u. a. Lm Pilis-Vertés-Gebirge ist Q. Cerris nach Kerner*") eben- 
falls Bestandteil des Eichenwaldes, der die niedrigen Yorberge 
und die südlichen Hänge besiedelt. Ihn bilden noch (^. lanuginosa, 
(^. sessilifiora und (^. pedenculata. Die Zerr-Eiche scheint in den 
T'rwäldern dieser Gegend ein vorherrschender Baum gewesen zu 
sein und steigt bis 2400'. Sie bildet herrliche Bestände; einer der 
schönsten Zerr-Eichenwälder. liegt zwischen Szantó, Csaba, Csóv 
und Kesztölcz am südlichen Gehänge des Piliser Gebirges auf 
Kalkboden und tertiären Bildungen, ein anderer überzieht das 
Ti-achytgebirge zwischen St. Eudre und St. Laszlo. Auch in 
Mischwäldern ist (}. Cerris nicht selten. — Aus der Umgebung 
von Budapest nennt sie Borbás'^") von mehreren Standorten: sie 

'•*) Kerner, Usterreifli-l'iioafnsPHanzenwi'lt. Im Ubersichtsl). des Werkes 
„Die östcrr.-ungar. Monarchie in "Wort luid Bild", I. Abt., S. 200. 

"'■^) Kerner, Pflanzenlcben der Donauländer. Innsbruck 1863, S. 120. 

^") Kerner, Das Pilis- und Yertés-Cíebirg-e. Verb. d. zool.-bot. Ges. 
1857, S. 266. 

ä') Bor bas, I>uda])estek környetetnek nílvényzete. Budapest 1879. 



21«) 

steigt hier bis 715 m. Die Exkursionen, die Verfasser im Juli und 
August 1912 unter der liel)enswürdigeu Führung des Herrn Prof. 
Dr. Arpad v. Degen in Gesellschaft der Herren Dr. Kümmerle. 
Dr. Jav(»rka und der Herren der Königl. ungar. Samenkontroll- 
station in Budapest im liandgebiete des Ofner (.Jebirges bis 
St. Endre unternahm, lielien ihn eine außerordentliche Mannig- 
faltigkeit der verschiedenen Eichenformen erkennen, die eines ein- 
gehenden Studiums wert wären. 

Nach Pax'''-) ist die Zerr-Eiche im Karpatengel)iete üngai'ns 
ein Glied des gemischten Laubwaldes, der in den Westkarpaten 
nur selten, an den Abhängen der Hegvalya und namentlich im 
siebenbürgischcn Hügellande vorherrschend ist. Ehemals reichten 
die Eichenwälder bis an den Fuß der Waldkarpaten. In den 
niederen Lagen des Gebirges, besonders im siebenbürgischcn 
Hügellande, trifft man nel)en den Stammarten (^). sessiliflora^ 
(^). pedunculata, (,). conferta, (^). lanuginosa und (j). austriaca zahl- 
reiclie l^'ormen und Hybriden, wie denn überhaupt diese Gattung 
im unteren Donaugebiete die größte Mannigfaltigkeit aufweist. Ist 
die Stieleiche ein Gewächs, dem besonders die tiefgründigen Allu- 
vionen sehr zusagen, so findet sich die Zerr-Eiche mehr auf stei- 
nigem Substrat. Simonkai"^'') und vor ihm Schur^^) geben zahl- 
reiche Details über die A'erbreitung der (^). Gerris in Siebenluirgen. 

Die Karpaten hat die Zerr-Eiche eben>()wenig üljerstiegen. 
wie sie über das böhmische Massiv und die Aljten vorgedrungen 
ist. Sie zählt zu jenen pontischen Arten, die schon unweit ihres 
Hauptverbreitungsbezirlces gegen kühlere Klimate hin abnehmen. 

In Italien erstreckt sich nach Arcangeii ''■') ihr Verbreitungs- 
gebiet über die ganze Halbinsel und Sizilien. In der Schweiz 
tindet sie sich bloß im Tessin^**), und zwar am ]Monte Generoso''' j. 
Nach Bonnier-Layens^^) ist die Zerr-Eiche in Frankreich im 
Jura, in der i^'ovence und im Westen anzutreffen; Lloyd*^-') gibt 

•^■-') Pax, Tl. 1. c S. 116. 

^"') Simoiikai, 1. <•. S. 490. Im <")stliclien Sie1>enl)üi'g-Gu ist die Zcrr- 
eichf selten. 

''^) Scliur, 1. e. 8. 60^. 

•^•0 Arcangeli, 1. c. S. 634. 

-^0 Sebinz-Keller, 1. c. S. 143. 

^') Wagnei'-Gradmann, 1. c. S. 190. 

*^) Bonnior-Layens, 1. c. S. 285. 

*') Lloyd. Flore de l'ouest de la Fran((\ Xaiites IsTC). 



2t»7 

sie für die Wälder als mei'idionale I'iiauze an, vorkummend in 
den Departements Deux-Sèvres. Vendi'e. liOire inférieure, Maine 
et Loire. Die Angabe, daß sie in Spanien wächst, bestätigt AVi li- 
le o m m nicbt. 

Die nördliche Verbreitung der ^yeicbhaarigen Eiche ((^uercus 
lanuginosa) gebt in jMähren bis Brunn (Hadibej-g, nach Pluskai 
noch auf der Kwietnica bei Tiscbnowitz!) und Butschowitz •'*'); sie 
reicht aber auch bis nach Böhmen, wo sie im (xebiete der wärme- 
liebenden Genossenschaften nicht selten ist, ferner bis Thüringen 
(Umgebung von Jena), aus Frankreich noch nach dem Elsaß und 
dem ebenen Teil von Baden, ferner noch bis Belgien. Auch diese 
Eiche ist eine méridionale Art; aus Südrußland und der Krim 
reicht sie nach Podolien und der Bukowina (Ledebour). Ein 
größeres Verbreitungsgebiet als (j). (terris hat sie auch im Orient; 
sie reicht von der ganzen Balkanhalbinsel nach Kleinasien, Ar- 
menien und in die Kaukasusländer (Boi ssier, Radde) und tritt 
auch in den anderen Ländei'n am ]\[ittelmeere auf. 

Ramcx )n(iriti Ullis L. ()lmütz: auf Flußsand im alten March- 
Ix^tte bei ( 'zernowii-. 

Climopodiaiii nihnini L. Kuderal in Julienfeld bei Brunn 
und in \^oitlsbruiin b(ù I\ikols1mrg. 

Clienopodiitni ii/nnilc M. ^lit vorigem, häufig. 

Silène ilicliotoiiin Ehrh. Kleefeld bei Epperswagen, sehr häutig 
bei Xebotein, Nedweis und Xeretein, Bezirk Olmütz. Auch in 
Schlesien bei Breitenau. 

Stei/iirffi (j)'miiine(i L. Hochgescnke: noch auf den Matten bei 
der Schäferei am Peterstein. 

Sfc/hiria piilusfris litz. Olmütz: (j!räl)en bei Powel mit Ga- 
lium uliginosum. 

Iliiiiuiiciihis siinloiis ( 'r. Olmütz: Grasplätze bei Krc/man. 

Corono/ins iirociinihciis (Tili!). ()lmütz: Kartoffeläcker bei 
Hätscheln. 

Hirsch feldia l^ollichii (Schimp. et Sp.) Fr. An der Haltestelle 
der neuen Lokalbahn beim Bahnhofe Nezamyslitz (1911). Es 
scheint, als ob diese Pflanze ebenso wie Linum austriacum und 
Salvia austriaca längs der Nordbahn durch die Wischauer Senke 
im Vordringen ins Obere Marchbecken begriffen wäre. 



'■"') Pofli>èra, Kvetena Haiu''. Uriinn llJll, S. 52. G->. 



208 

Iîa))isirHii) jiereinie (Tj.) Bergeret. (Jlmütz: Neuer Exerzierplatz 
am Wege nach Nebotein. 

Potent lila norv('(jlct( L. Olmütz: Im botanischen Garten 11)11. 
olme ange]>flanzt zu sein, mehrfach erschienen, ebenso um die 
.Schuh' in Xeustift. Vor einigen Jahren durcli F. ( 'oka l)ei Laska 
in einigen Exemplaren konstatiert. 

]*()teiitUI(i iiicdiiescen^ ( )piz. Olmütz: Innerhalb der 8tepi>en- 
rclikte bei Schnobolin. mit Papaver argenione. 

Pilus p/rastrr Borkh. Stralhiitz: ]\iachovv louky, .lavornik 
bei Welka (roka). 

Mal//s jiumild Mill. (= P. Malus ^> tomentosa Neril.) Olmütz: 
An der Straße Ijei Olschan (( 'oka). 

Ak'hemlttd r//lf/dr/s L. v. reniformis Buser. Hochgesenke: 
Gr.-Kessel. 

AIeJtemilld jidlicsrcus Lam. v. ol)scura Buser. Hochgesenke : 
Matten bei der Schäferei am Peterstein. (31mütz: Stefanau. Wiesen 
zwischen Epperswagen und Gr.- Waltersdorf (( 'oka). — v. exigua 
Buser. Olmütz: Eeuchte Wiesen bei Gzernowir (('okai. 

(r tu /'sta pilosd L. Westmähren: Auf Serpentin bei Mohelno, 
180'J noch im August blühend. 

(je)iisld /dvcdnfhens W. K. Olmütz: Ganz vereinzelt auf Löß 
l)ei Ne])otein (alte Steinbrüche). 

Ctftlsds scdpiirhis (L.) ]jk. Gesenke: Kreuzberg bei (Troß- 
üllersdorf. 

Of/tisds s/iji/j/i(s L. Gesenke: Doraeschau bei Sternberg, 
Pohorsch bei Olmütz. 

Trlfoliuiii dch?'oJcdc/t))i L. Neutitschein: Oberhalb Sohle. 

Aitthyllis vdlnerarid L. Gesenke: Bahndamm bei Bärn. 

Ddrijcniddi (jerndniicam ((ii-emli) Kouy. Xikolsburg : Auf 
dem „ Muschel l)erge" l)ei Yoitelsbrunn. 

Luids dliginosds Schrk. Gesenke: AV^iesen im Marchtale liei 
Xikles mit Géranium palustre L. 

Gcra)iidH> injrcniticiniï I i. Brunn: Ira Obrawatale bei 
Schöllschitz. 

Kpilol)idiii dilnatdid Grsb. ()lmütz: Bahngräben bei Xeustift. 

Puidioid Itdoiftes Eoth. Diese Pilanze wurde von mir Septem- 
ber 1909 bei Rohatetz gefunden. Sie wächst in Menge an einer 
sandigen Böschung unweit eines kleinen Sumpfes n.ächst der So- 
bonker jNFühle in einer Fazies, die den Übergang von der Wiesen- 



209 

liora zur Sandsteppe darstellt. Vorher hatte ich dieses Pflänzchen 
nicht beobachtet und im Jahre 1911 ist es wohl infolge der 
Dürre wieder ausgeblieben. Schon Rohrer hatte sie (nach Oborny) 
für die Gegend von Scharditz und Göding angegeben. Auch wurde 
ein Standort bei Holleschau genannt, doch fand sie Gogela nicht. 
F. Kovář''^) fand Radiola am „Ba^'insky rybník" bei Saar mit 
Peplis Portula, Heleocharis acicularis, H. ovata, Scirpus setaceus, 
C'arex cyperoides, Veronica scutellata, Tiitorella juncea, Rumex 
maritimus, Juncus bufonius, ijimosella aquatica, (xnaphalium uli- 
ginosum, Coleanthus subtilis, Elatine triandra, E. Hydropiper, 
Bidens radiatus, B. Polakii u. a. In dieser Gesellschaft (Formation 
des nackten Teichbodens in Teichgegenden) ist Radiola nach 
Domin"^) eine jener Arten, die zuerst den trocken gewordenen 
Teichgrund besiedeln und dort unter günstigen Bedingungen üpi:)ig 
gedeihen. Allerdings ist diese sonst konstante Pflanzengenossen- 
schaft auch zugleich eine derjenigen, welche den einmal gewonnenen 
Boden sehr leicht durch das Vordringen anderer Elemente wieder 
verliert. Auf Sandboden hält sie sich länger. Dieser „wandernden 
Forftiation" gehören außer den genannten Arten noch andere weit- 
verbreitete, meist kleine Pflänzchen an wie Spergula echinosperma, 
S. rubra, Centunculus minimus, Lindernia pyxidaria, Illecebrum 
verticillatum, Potentilla supina, Cyperus fuscus, C. flavescens, 
Juncus tenageia. J. cai)itatus. Gypsophila muralis, Gallitriche ver- 
nalis u. a. Ihnen ist in der Regel ein massenhaftes Auftreten 
eigentümlich. 

Bei Rohatetz wächst Radiola auf einem verhältnismäßig 
kleinen Fleckchen, weit vom Wasser, schon in nächster Nachbar- 
schaft der xerophilen Sandsteppe, begleitet von Avenastrum pu- 
bescens, Briza media, Holcus lanatus, Leontodon hispidus. f.otus 
corniculatus. Rumex acetosa, Centaurea Jacea, Armeria elongata, 
Hieracium florentinům, H. magyaricum, Saxifraga bulbifera, Peuce- 
danum oreoselinum u. a. 

Auffallend ist die weitere Verbreitung der Pflanze. Radiola 
tritt nach Fritsch (Exkursionsflora 1909) in Schlesien (1 Stand- 
ort), Böhmen, Mähren, dann erst wieder in Untersteiermark, Krain 
und im Küstenlande auf; westlich "eht ihre Verbreitung über 



''^) Kovář, Vegetationsverliiiltuisse in der Ciegeml von Saar. Saar, 
1909 (tschech.). 

'*^) Domiu, Vegetatioiisverhältnisse des tertiären Beckens usw. S. 331. 

Zeitscln-ift des mälir. LanJ-smuseums. Xlll. 14 



210 

Deutschland nach Belgien bis Britannien und Frankreich, südlich 
nach Spanien und Italien (auf der Balkanhalbinsel nur in Griechen- 
land), Marokko und Madeira bis ins tropische Afrika (Gebirge), 
östlich über Galizien, Polen, Siebenbürgen, Rußland bis Mittel- 
asien, nördlich bis Norwegen (Pod})era), und zwar von Mandai 
bis Jaderen, Frederikstadt, Hvalöer, dann bis Wermland und 
Oestergötland (Hermann). 

Polijfjah/ vulgaris L. v. oxyptera Rchb. Beskiden : AValdränder 
bei der Station Hotzendorf. 

TInjmclea Passnü/a (L.) Coss. Olmütz: Auf Granitboden bei 
Krczman. 

Lijtiiruni Inissopifoltuni L. Südmähren: Auf Salzboden bei 
der Haltestelle Rakwitz bei Kostel. 

IleliauUicminn rupifraguni Kern. Stramberg : Gipfel der 
538 m hohen Tithonkalkklippe des Kotouč oberhalb der großen 
Steinbrüche, ein häufiges Glied der Vegetation des steinigen 
Kalkbodens, bestehend aus Veronica austriaca. Silène nutans, 
Diantlius C'arthusianorum, Digitalis ambigua, Allium senescens, 
Stachys recta, Biscutella laevigata,Libanotis montana, Helianthenmm 
obscurum, Poa badensis, Festuca glauca, Saxifraga Aizoon, Phleum 
phleoides, Potentilla arenaria, Arabis arenosa, Sedum album. ( íy- 
nanchum laxum. Arenaria serpyllifolia u. a., also einer Mischfazies 
aus präalpinen und Steppenelementen. 

Chainaenertoa palustre Sco^j. (Epilobium Dodonaei Yill.) 
Neutitschein: Steinbruch oberhalb Sohle. 

Asfrautia major L. Neutitschein: An der Straße bei Reimlich. 

OJ/aeroph null III aromatlcuin L. Olmütz: Schanzen, vereinzelt. 

3Ii/irhis odorata (L.) Scop. Gesenke: Teßauen zwischen 
Gr.-lillersdorf und Marschendorf, sehr häufig ■'■'). 

Androsace scptenti-ionaUs L. Die in Obornys Flora S. 529 
enthaltene Angabe Simony s „Sandfelder zwischen Nikolsburg 
und Bratelsbrunn^' ist richtig. Herr Lehrer Adolf Unzeitig in 
Nikolsburg hat mir die Pflanze von diesem Standorte in zahl- 
reichen Exemplaren eingesendet, so daß nunmehr an dem Indigenat 
dieser Art in Mähren nicht zu zweifeln ist. 

Glioix maiitima L. Südmähren: Salzboden bei Rakwitz und 
Kostel, selten. 

"'') Laus, Über die Verbreitung der Mi/irJ/is odorafa und anderen 
sudetisclien Umbelliferen. Deutsche ßotan. Monatsclirift 1911. 



211 

Ce)Uaureiim puhhcUnm (Lev.) Dnice. Südiuäliren: Auf Sto])pel- 
feldern (!) bei Rakwitz und Kostel. 

Gentiaim WctMehùi Murbeck. Westmähren: Wiesen bei Ka- 
denitz nächst Križanau, massenhaft. 

Salrid pratensis xneniorosa. (_)lmütz: liaine bei den alten 
Steinbrüchen näcbst Nebotein, unter den Stammeltern. 

Mtjüsotis hispida Schlecht. Olmütz: Brachen bei Xebotein. 

Äsperula apnriitc M. B. Olmütz : Am Südrande des Grügauer 
Waldes in Gebüschen. 

(jralinm boréale L. T*eterstein: Die hier vorktimmende niedrige 
Gebirgsfurm erinnert an G. pseudorubioides Schur. 

(jalinm Wirtgenii Schultz. Olmütz: An Sümpfen innerhall) 
der Militärschießstätte bei Laska. 

Galium aiistriacuDi Jacq. Sternl)erg: Grasplätze bei Domeschau 
und Pohorsch, Andersdorf bei Bärn. 

Galium asperum Schreb. v. glabrum Schrad. Olmütz: Grasige 
Abhänge bei Großwasser. 

ValerianeJIa Morisonii (Spr.) D.O. Xebotein: Brache in den 
alten Steinbrücben. 

Solidago serotina Ait. Bohatetz: Verwildert am l'eldrande bei 
der Station. 

Palicaria dyssenterica (L. ) Gray. Xikolsburg: AViesen am 
Teiche bei Voitelsbrunn, massenhaft. 

Galinsoga par v i flora Ca v. Bahnhof Xezamyslitz. 

Artemisia aiDiua L. Diese Pflanze trat 1911 an der Straße 
zwischen Olmütz und dem Dorfe Laska in großer ÎNIenge verwildert 
auf. Man wurde auf sie durch den intensiven Geruch aufmerksam, 
den schon die noch nicht aufgeblühten Pflanzen verursachten. In 
den Gärten der Umgebung wurde diese Art von mir nicht beob- 
achtet; auch im botanischen Garten fehlt sie. Der Gehweg an der 
genannten Straße, wo die Pflanze unvermutet erschien, war vor 
einem Jahre angeschüttet worden. Möglich, daß auf diese Weise 
die Samen hierher gelangten. Bei der großen Samenmenge, welche 
die Artemisien erzeugen, wird die Pflanze wahrscheinlich ein wei- 
teres Areal in der Xachbarschaft gewinnen. 1912 wurde der 
Standort freilich zum Teil wieder vernichtet, dafür erschien die 
Pflanze mit Chrysanthemum Parthenium in der Xähe der Huf- 
beschlagschule bei Olmütz, wo Turgenia latifolia und Delphinium 
orientale wieder versclnvunden sind. 



212 

Nach Fritsch (Exkursionsílora 1909) wurde Artemisia 
anniia bereits in Niederösterreich, Salzburg und Tirol verwildert 
beobachtet. Ihre Heimat ist in den Steppen Südostrußlands und 
Asiens zu suchen. In Ledebour, Flora rossica, II. p. 592, liest 
man: In Rossia centralis? [ Jekaterinoslaw '? in desert, caspio? et 
cumanensis?] et provinciis caucasicis, in Kachetia, Imeritia ad 
oppidum Kutais! et alibi Cartalinia, Mingrelia et Guria, territ. 
Elisabethpol, prov. Karabagh, et Erivan!, circa Lenkoran et 
Astara, Sullian! in })rov. Tulüsch usque ad alt. 750 hexap., ins. 
Sara m. caspii! inique Sibiria baikalensis a Jenissei fl. orientem 
versus ubique et transbaikalensi ad lluv. Selenga, in Davuria. 

Das Zentrum der Verbreitung der meisten Artemisia-Arten 
liegt in den Steppen Eurasiens; Ledebour gibt für die Flora 
Rußlands (samt dem asiatischen Anteil) 88 Arten (die zahllosen 
Formen nicht mitgerechnet) an. Das ist mehr als ein Drittel aller 
bekannten Artemisia-Formen. Aus dem Kaukasusgebiete und seiner 
nördlichen und südlichen Steppenzone mit den ausgesprochenen 
., Wermutsteppen", deren Physiognomie Rad de ''Vi so treffend schil- 
dert, führt dieser I'orscher unter den 17 x\rten Art. annua nicht 
an, so daß deren Vorkommen in diesen Gegenden zweifelhaft 
erscheint. 

In Deutschland wurde sie wiederholt verwildert oder als 
Adventivpflnnze beobachtet; so weist Höck'^"') auf das Vorkommen 
in Brandenburg, und zwar Oderberg (Kirchhof) und Boitzenberg 
(Gemüsegarten), ferner ZüUichau und Dahlem bei Berlin hin. 
Nach P ran tl'"^) beobachtete man sie bei Augsburg, nach Eichler- 
Kirchner''') bei Ulm; Schübe'-^"') nennt sie von Schweidnitz und 
Görlitz, Preuß"'*) von der Ostseeküste (Kartoffeläcker bei Pase- 
wark). Auch bei Hamburg, in Posen und in "Westpreußen soll sie 
aufgetreten sein (Hock). Zimmermann^"") nennt sie unter den 



''■*) Radde, Clrundzüge der Pflanzeiiverbreitung in den Kaukasusländern. 

^^) Hock. Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas usw. Bot. 
Zentralbl., Beihefte 1900. 

■^6) Prantl, Exkursiousflora für Bayern, Stuttgart 1884. S. 496. 

''') Eicliler-Kircliner. 1. c. 

«•^) Schübe, 1. c. S. 391. 

^^) Preuß, Die Vegetationsverhältnisse der pi-euliischen Ostseeküste. 
Danzig 1910, S. 113. 

^™) Zimmermann, Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim usw. 
Mannheim 1907, S. 154. 



213 

Adventivpflanzen Mannheims neben A. Absinthium, A. Senisek, 
A. Abrotanuni. A. pontica, A. austriaca, A. Scoparia, A. Dracun- 
ciüus, A. monogyna, A. desertorum, durchwegs eurasiatischen Arten, 
die an den Hafenanlagen beobachtet worden sind. In meinem 
Herbar befindet sich A annua von Eisleben in Thüringen, ge- 
sammelt von Eggers 1905. Von Zürich wird sie durch Naegeli- 
Thellung^*^^) als Gartenunkraut angegeben. In Ungarn wächst der 
einjährige Beifuß nach Berná tsky^-^) im südlichen Teile des 
Alfölds in der Nähe der Ortschaften selbst zu ephemeren Hecken 
verwendet, sehr häufig und gedeiht auf feuchtem, salzhaltigem Boden 
trefflich. Durch F ormánek^"'^) ist uns ein Standort dieser Pflanze 
in Serbien (Mirica) bekannt geworden. In Norwegen geht A. annua 
kultiviert bis zu 68^ nördlicher Breite und erreicht nach Schü- 
beler^*'*) bis 125cm Höhe. Velenovský^'^^^ führt sie von Bulgarien 
an (in cultis, nd vias prope Lom Palanka, Varna, Philippopel) 
und skizziert deren geographisches Areal wie folgt: Kroatien, Sla- 
wonien, Ungarn, Banat. Bosnien, Serbien, ]\[oldau, Kaukasien, 
Armenien, Syrien, Persien, Turkestan, Sibirien. Auch A d am o vic ^*'^' ) 
nennt sie von hier als Ruderalpflanze. 

Schließlich sei noch bemerkt, daß unsere Pflanze auch in 
Nordamerika, welches ebenfalls eine große Zahl einheimischer 
Artemisia-Arten beherbergt, beobachtet worden ist, und zwar bei 
Columbia (Missouri), nach Daniels^*''). 

Giiaphalitnn norveglciim Gunn. Hochgesenke: Schon oberhalb 
Karlsdorf am Standorte des Avenastrum planiculme (siehe oben) 
mit G. silvaticum, in einer an eine Hybride beider Arten erinnern- 
den Form. Belegexemplare in meinem Herbar. 

Ccntaurea subjacea (Beck) Hayek. Hochgesenke: Wald- und 
Wiesenränder oberhalb Karlsdorf bei Klein-Mohrau. 



"") Naegeli-Thellung, Die Ruderal- und Atlventivfiora des Kantons 
Zürich. Zürich 1905, S. 77. 

^^'^) Bernátsky, Uber die Halophytenvegetation des Sodabodens im 
ungarischen Tief lande. Budapest, Ann. Mus. nat. hung. 1905, S. 205. 

103) Vandas, Reliquiae Formanekianae. Brunn 1909. 

10«) Schübeier, 1. c. S. 245. 

loi) Velenovsky, 1. c. S. 274. 

*''*') Adamov i Č, Die Vegatationsverhältnisse der Balkanländer (Mösische 
Länder). Leipzig 1909, S. 350. 

10") Daniels, The Flora of Columbia, (Missouri) and vicinity. 1907, S. 2-38. 



214 



3. Beiträge zur mährischen Hieracienflora'^^). 

I. Pilosella Fries. 

H. macrnnthiim Ten. ssp. tostimuniale N. Olmütz: Schnobolin, 
Kl.-Senitz. 

H. pilosella L. ssp. tricliO])burum JS'P. Olmütz: Grügauer 
Kalkhügel, Wischau (C'uka). — ssj). pilinum X. P. Olmütz: Nebo- 
tein, auf Löß; Nikolsburg: Turuld. — ssp. i)seiidomelanoi)S N. P. 
Olmütz: Neboteiner Steinbrüche. — ssp. fulviMurum X. 1^. Olmütz: 
wie vorige in den Ste])penre]ikten bei Xebotein und Schnobolin, 
Heiliger Berg bei Nikolsburg. — ssp. melanocomum N. P. Hoch- 
gesenke: Holie Heide, etwa 1400/«. — ssj). subvirescens N. P. 
Hochgesenke: am Wege von der Schäferei nach Karlsdorf. — ssp. 
nigrescens N. P. Wie vorige, am Fuße der Hohen Heide. — ssp. 
l)arviflorum N. P. Sandboden der Dubrawa bei Bisenz. Grasplätze 
beim ( îzernowirer Fort nächst Olmütz. — ssp. vulgare N. P. 
Moosweichten beim Berggeist im Hochgesenke. Nikles bei Hanns- 
dorf. Kotouč bei Strainberg, Kl.-Senitz und Wrbatek bei Olmütz. — 
ssp. trichocephalum N. P. Kotouč bei Stramberg. — ssp. amauron 
N. P. Hobitschau bei Wischau (Coka), Nebotein liei Olmütz. — 
ssp. angustius N. P. Steinbrüche bei Nebotein. — ss]). minuticeps 
N. P. Abhänge bei Schnobolin nächst Olmütz. 

H. Auricula Lam. et D.O. ssp. auricula l^am. et D.O. (Jlmütz: 
Wiesen bei Czernowir. 

H. Sclndtesii F. Schultz. Hochgesenke: Oberhalb Karlsdorf. 

H. aurantiacum L. ssp. porphyromelanum N. P. Hochgesenke: 
Altvater, Hohe Heide. 

H. collhiiwi Gochn. ssj). brevi})ilum X. P. Olmütz: Moor- 
Aviesen bei Czernowir und Grügau. 

H. Hagellare AVilld. Wiesen bei Bärn-Andersdorf, Czernowir, 
Abhänge bei Xebotein. — ss]). flagellare Willd. Olmütz: Wiesen 
zwischen Powel und Schnobolin. — - ssp. glatzense N. P. Hoch- 
gesenke: am Abhang der Hohen Heide. 



'"^) Anordnung und Nomenklatui- nach „Die Hieracieu aus Mähren und 
Ostei-r.-Schlesien" (Verh. d. Naturf. Vereines in Brunn, Sep.-A. 1905) von 
Direktor A. übovny, dem ich fiir das gütige Bestimmen der von mir in 
Mähren und anderwärts gefundenen Hieracieu und anderer Pflanzen sowie für 
die vielen freundlichen Winke meinen herzlichsten Dank zum Ausdruck bringe. 



215 

//. spatliophyllum N. P. Auspitz, Bärn-Andersdorf, Wrbatek 
bei ProÜnitz. 

H. cymoswu L. Olmütz: Abhänge bei Scbnobulin, Turold bei 
Nikolsburg. 

//. cxDiinn N. P. ssp. melano])olium N. P, Olmütz: Kalkboden 
bei Grügaii. — ssp. pleianthum N. P. Nebotein bei Olmütz. — 
ssp. laganim N. P. Turold bei Nikolsburg. 

//. ecliioides Lumn. Pausram bei Auspitz. 

//. bifurcum M. B. Nebotein bei Olmütz. — ss]). cinereum 
Tsch. Grügau bei Olmütz. 

//. floreutmtwi All. Großwasser bei Olmütz. — ss]). obscurum 
Bchb. Grügau bei Olmütz, Nikles bei Hannsdorf. — ss]). praealtum 
Vill. Olmütz: Grügau. Nebotein, Czernowir, Rohatetz, Rand der 
Dubrawa, Wermsdorf bei Zö])tau. — ssj). birsuticeps N. P. Nel)o- 
tein bei Olmütz. — s]). pseudovistulinum Oborny. Grügau bei 
Olmütz. 

//. magijaricnrn N. P. ss}). sparsum Friv. Grügau bei Olmütz.— 
ssp. decolor N. P. Olmütz: Schnobolin, Großwasser, (^zernowir. — 
SS]), tephrops N. P. Schnobolin und Grügau bei Olmütz, Rohatetz, 
Turold bei Nikolsburg, Nikles bei Hannsdorf. Kotouč bei Stram- 
berg, Stare bei Trebitsch (Picbauer). — ssj). magyaricum N. P. 
Großwasser bei Olmütz. — ss]). filiferum N. P. Grügau und Groß- 
wasser bei Olmütz, Nikles bei Hannsdorf, Markersdorf am Bradl- 
stein. — SS]), hispidissimum N. P. Großwasser bei Olmütz. — ss]). 
arvorum N. P. Grügau, Nikles. — ssp. plicatum Tsch. Nikles. — ■ 
SS]). Bauhini Schult. Olmütz : Schnobolin, Czernowir, Grügau. — 
ssp. pseudobauhini N. P. Grügau, Wladislau bei Trebitsch (Picbauer). 

H. hrachiatnm Bert. ssp. vnldestriatum N. P. Nebotein bei 
Olmütz. — ssp. flavum N. P. Grügau. — ssp. pseudobrachiatum 
N. P. Olmütz: Schnobolin, Grügau. — ss]). Villarsii Schultz. Mar- 
kersdorf am Bradlstein. — ssj). ])Í6niakense Rehm. Nebotein. — 
SS]), crociflorum N. P. Kl.-Senitz bei Olmütz. 

H. leptopliyton N. P. ssp. le])toph}ton N. P. Olmütz: Nebo- 
tein, Grügau. — ssp, atriceps N. P. Grügau. 

//. arr/co/a N. P. ss]). Molendianum N. P. (Jzernowir bei 
Olmütz. 

H. Oborni/aniüii N. P. Grügau bei Olmütz. 

H. floribiindum W. Gr. Olmütz: Grügau, Czernowir, Markers- 
dorf, Bisenz. 



216 

H. nmhellifernm N. P. Nikolsbiirg. — ssp. cymosiforme N. P. 
Turold bei Nikolsburg. — ssp. acrosciadium N. P. Griigau. — 
ss]), Neilreichii N. P. Griigau. 

H. pannoiikum N. P. Turold bei Nikolsburg. — ssp. eumor- 
phum N. P. Altenberg bei Pausram. 

II. Euhieracium Torr, et Gray. 

//. síli-afťruni L. ssp. gentile Jord. Schreibwald bei Brunn, 
Olmütz: Schnobolin, Großwasser, Grügauer Wald; Hochgesenke: 
Karlsdorf, Wermsdorf, Hohe Heide. — ssp. bifidiforme Z. Nikols- 
burg: Marienberg. — ssp. oblongum Jord. Olmütz: Großwasser, 
Kl.-Senitz; Siidmähren: Pausram; Gesenke: Nikles. — ssp. eso- 
tericum Jurd. Olmütz: Großwasser; M.-Schönberg: Reigersdorf. — 
ssp. silvularum Jord. Olmütz: Großwasser, Hombok, Giebau, Grü- 
gauer Wald; Gesenke: Nikles, Karlsdorf, Reigersdorf. — ssp. ser- 
ratifrons Almq. Olmütz: Großwasser, — ssp. serratifolium Jord. 
Gesenke: Nikles. 

H. vulgatum Fr. ss]). argillaceum Jord. Spiegl. Schneeberg 
gegen Mohrau. — ss]). haematodes Vill. Gesenke; Wermsdorf. — 
ssp. approximatum Jord. Olmütz: Alte Steinbrüche bei Nebotein, 
Dubrawa bei Rohatetz. — ssp. irriguum Fr. Hochgesenke: Moos- 
weichten am Berggeist. — ssp. sciaphilum Uechtr. Olmütz: Groß- 
wasser; Gesenke: Nikles, Karlsdorf. — ssp. pinnatifidum Löun. 
Olmütz: Grügauer Wald, Großwasser; Gesenke: Nikles. — ssp. 
acuminatum Jord. Olmütz: Großwasser, Dollein; Hochgesenke: 
Roter Berg, Heidebrünnel, Wermsdorf. Nikles, oberhalb Spieglitz. — 
SS]). Jaccardi Z, Olmütz: Wälder bei Giebau. 

H. anibrosuni Jord. ssp. Pseutlo-Pollichiae Ob. et Z. Olmütz: 
Giebau, Großwasser, B.-Märzdorf. — ssp. divisum Jord. Olmütz: 
Grügau, Wermsdorf, Karlsdorf im Gesenke. — ssj). pallidifolium 
Jord. Großwasser bei Olmütz. 

H. bifidum Kit. Nikolsburg: Heil. Berg. 

H. prenantlioides Vill. ssp. bupleurifolium Tsch. und ss]). lan- 
ceolatum Vill. Noch oberhalb Karlsdorf bei KL-Mohrau. 

H. laen'gatuin AVilld. ss}). laevigatum Willd. Rippau bei 
Mürau (F. Morawek). — ssp. rigidum Hartm. Grügau l)ei Olmütz. 

H. imiloides Tsch. ssp. pseudostriatum f. tomentipedenculum 
Ob. et Z. Hochgesenke: Gr. Kessel, Altvater- Abhang. — ssj). tri- 
dentifolium Z. Gr. Kessel. 



217 

H. unibdlation L. f. coroiiopifolium Beruh. Grügau bei 
Olmütz. — f. linearifoliiim Wallr. Schreibwald bei Brunn. — 
f. radula Uechtr. (31inütz: Militärschießstätte bei Laska. 

//. sabaudum L. ssp. silvestre Tsch. Kl.-Senitz bei Olmütz. — 
SS]), sublactucaceum Z. Grügau bei Olmütz, Gurdauer AVald bei 
Auspitz. 

//. curvidens Jord, DoUein bei Olmütz. ■ — ssp. vagum Jord. 
M.-Schönberg, Nikles. Grügau und Dollein ])ei Olmütz. 

//. mcemosvm W. K. ss]). styriacum Kern. Dollein bei 
Olmütz. — ssp. barbatum Tsch. Gurdauer Wald bei Ausjjitz. 

Nachtrag. 

Bleclinnm spicaiif (L.) Roth. Selten um Rippau nächst Mürau 
(Lehrer F. Morawek) und bei Spornhau (Lehrer K. Wintere 

Broimis brixaeformis Fisch, et Mey. Ich sammelte dieses Gras 
im Juni 1912 im obersten Teile des Hohlweges, der von Schnobolin 
(bei Olmütz) nach Nedweis führt, auf einer Lokalität, die ich schon 
unzählige Male besucht hatte. Das zierliche Gras wuchs hier neben 
dem Wegrande auf dem niedrigen Lößabhang, der fast durchwegs 
pannonische Elemente beherbergt. 

Es handelt sich hier jedenfalls um eine AdventivpÜanze. 
Die Art ist nach Ascherson und Graebner (Synopsis Bd. II. 1. 
S. 622) vom Kaukasus bis ins nördliche Persien heimisch, wird 
aber mitunter zu Trocken-Bu^etts kultiviert und verwildert zu- 
weilen. Mit fremder Saat kann sie auf Acker, mit Ballast auf 
Ruderalstellen gelangen. In Deutschland ist sie bei Hamburg, 
Berlin, Mannheim, bei Darmstadt (Luzernenfelder) beobachtet 
worden. Auch aus der Franche-Comté ist sie bekannt. F ritsch 
(Exk.-Flora 1909) gibt sie für Böhmen als verwildert an. — Wie 
diese Trespe auf den angeführten Standort kam, ist schwer zu 
erklären. Herr Direktor A. Oborny hatte die Güte, die Pflanze 
ZM bestimmen. 

Agropyron caiiiinim (L.) R. et Seh. Bezeichnend für lichte 
Stellen des Bergwaldes im Oppatal zwischen Breitenau und 
Karlstal. 

In dieser Formation, in der die l'anne und die Fichte domi- 
nieren, treten folgende Gewächse auf und sind meist für deren 
Physiognomie im Hochsommer bezeichnend: 



218 

Fagiis silvatica, Sorbus aucu})aria, Acer platanoides, Prunus 
23adus, Sambucus niger, S. racemosus, Eubus Idaeus, Lonicera 
nigra, Festuca gigantea, Senecio nemorensis, Agropyron caninum, 
Angelica silvestris, Hieracium silvaticuni, Equisetum silvaticuni, 
Agrostis vulgaris, Fragaria vesca. Géranium robertianum, Gna- 
phalium silvaticum. Galium vernum, Nephrodium phegoi)teris, 
N. spinulosum, N. íilix mas, Lamium maculatum, Eanunculus acer, 
R. re])ens, R. lanuginosus, Chaerophyllum birsutum, Asperula 
odorata, CUrcaea lutetiana, Impatiens noli me längere, Urtica dioica, 
Filipendula ulmaria, Cirsium oleraceum, (J. palustre, Heracleum 
s[)bondylium, Poa annua, Oxalis acetosella, Laetuca muralis, Paris 
quadriťolia, Mercurialis perennis, Galeobdolon luteum, Antliriscus 
silvestris, Epil(>l)ium collinum, Petasites officinalis, Tussilago farťara, 
Stellaria bolostea, Clinopodium vulgare, Melica nutans, Pbyteuma 
spicata, Milium efifusum, Atbyrium tilix femina, Aruncus silvester, 
Majantbemum bifolium, Brunella vulgaris, Aegopodium Podagraria, 
Sympbytum oflicinale, Melampyrum nemorosum, Acbillea mille- 
folium, Cbrysantbemum vulgare, Calamagrostis arundinacea, Gale- 
0})sis speciosa. 

Die äbnlich zusammengesetzten Nadelwälder der Ab- 
hänge des Oppatales sowie des angrenzenden Plateaus weisen 
außer den genannten Arten noch auf: 

Larix europaea, Juniperus communis. Pinus silvestris (ver- 
einzelt), Betula alba, Rosa alpina, Cystopteris fragilis, Prenanthes 
purpurea, Epilobium angustifolium, Deschampsia caespitosa, Elymus 
europaeus, Veronica ofiicinalis, Senecio silvaticus. Plautago major, 
Leontodou autumnalis. Anthémis arvensis (Waldwegen Galium 
silvaticum, G. rotundifolium. Carex muricata, C. remota-, Phleum pra- 
tense, Actaea spicata, Melica uniflora, Ajuga reptans, Geum ur- 
banum, Poa nemoralis, Dactylis glomerata, Lysimachia nemorum, 
Festuca silvatica, Hieracium vulgatum, Juncus Leersii, Digitalis 
ambigua. Calamagrostis ei)igeios. Hypericum montanum. Epipactis 
latifolia, Luzula maxima. Siegliugia decumbens, Polygonatum verti- 
cillatum, Viola, Campanula trachelium. 

Die Wald wie s en sind charakterisiert durch: Campanula 
persicifolia, C. rotundifolia, Anthoxanthum odoratum. Carlina 
acaulis, C. vulgaris, Senecio Jacobaea, Galium verum, lnula Conyza, 
Pimpinella saxifraga, Solidago virga aurea, (.lenista germanica^ 
Veronica chamaedrys, Hieracium pilosella, Antennaria dioica. 



219 

Die Quellfhiren sind im Sommer relativ arm an Arten; 
blot) Phalaris ariindinacea, Ranimculus repens. Myosotis palustris, 
Athyrium filix femina, Scirpus silvaticus, Equisetum silvaticum v. 
capillare sind als Glieder dieser Assoziation hervorzuheben. Reicher 
dagegen gestaltet sich die Flora der Holzschläge. Sie ähnelt 
anfangs der des beschatteten Waldbodens, später aber prävalieren 
die in folgender Aufzählung kursiv gedruckten Arten: Lysi- 
machia vulgaris, Rolcus ku/off/s, Senecio jacobaea, S. viscosa, S. 
silvatica, S. iicmorcnsis, S. Fuchsii, Ihjpericimi perforation, Linaria 
vulgaris, Phleiini nodosnni, Viola silvestris, Melica nutans, Turritis 
glabra, Sambucus racemosa, Verhascum »igriim, Carduus crispas, 
Urtica dioica, Atropa Belladonna, AntJioxantliwn odoratum v. gla- 
brescens subv. silvaticum, Agrostis vulgaris, Festuca gigantea, Cala- 
magrostis epigeios, Lactuca muralis, Moehringia trinervia. Galium 
rotundifolium, Galeopsis tetrahit, Melampyram ucmorosum (auch 
mit weißen und karminroten Hochblättern), Astragalus glycy- 
phyllos, Leontodon hastilis, Arenaria serj^yllifolia, Epipactis lati- 
folia, Jasione montana, Hieraciuni sitvaticiun, Nephrodium phegop- 
teris, N. lilix mas, GnapJialiiíin silvaticum, Euphorbia cyparissias. 
Stellaria graminea. ïorilis anthriscus, Chrysanthemum vulgare, 
Dactylis glomerata, Daucus carota. Vicia silvatica. 

Muscari couwsinn (L.) Mill. Olmütz: Selten auf Ackern l)ei 
Krczman. 

Aconitum rostratum L. (= A. variegatum L.) Schlesien : sehr 
häufig im Oppatale zwischen Pochmühl und Karlstal. Die Pfl;inze 
wächst hier in Gebüschen mit Melampyrum nemorosum, Solidago 
virga aurea, Campanula persicifolia, Poa compressa, Sedum acre, 
Hieraciuni pilosella, Trisetum flavescens, Arrhenaterum elatias, 
Centaurea subjacea, Thymus ovatus. Galium mollugo u. ;i. 

Camelina alyssiim (Mill.) Thuill. Schlesien: selten unter der 
Leinsaat bei Breitenau. 

Die Leinfelder sind im allgemeinen sehr arm an Unkräutern, 
die in anderen Kulturen aber desto reichlicher auftreten. Die 
liste zeigt folgende Arten (die Apophyten erscheinen hervt)r- 
gehoben): Lycopsis arvensis, Centaurea cyanus, Erodium cicutarium, 
Mentha arvensis, Campanula rapunculoides, Neslia ]);iniculata. 
Silène venosa, S. dichotoma, Fumaria officinalis, Myosotis hispida, 
Lapsana communis, Antherais arvensis, Vicia, Scleranthus annuus, 
Hypericum maculatuni, Gnaphalium uliginosum, Stellaria media, 



220 

Lysitnachia rulgaris, Sunchus arvensis, Sherardia arvensis, Stachys 
palustris, Sediirii maximum, Acldllea miilefolium, Convolvulus ar- 
vensis, Anagallis arvensis, Viola tricolor, Polygonům Convolvulus, 
Veronica arvensis, Erysinum cheiranthoides, Thlasi)i arvense, Cap- 
sella bursa pastoris, Spergula arvensis, Linaria vulgaris, Cirsium 
arvense, Galeopsis, Bnmex crispus, PimpixcUa saxifraga, Kïicuttio. 
■nrvcnsis, PotentiUa aiiserina. 

Banias- orientalis L. An der Bahn bei Deutsch-.Taßnik, Mai 1912 
häufig. 

Lepidiiim apehtJinn W. Olmiltz: Erschien, ohne kultiviert zu 
werden, im Botanischen Garten. 

AnthiilUs Vulncrarta Ij. f. tyitica G. B. Bahndamm bei 
Domstadtl. 

Ciftiatis nigricans L. Im Oppatale zwischen Kunau und 
Breitenau, nicht häufig. 

Oxalis stricta L. Breitenau: Vereinzelt als Ackerunkraut. 

Ma.lra alcea L. Häufig innerhalb der Ruderalflora in Brei- 
tenau, Kronsdorf und Friedersdurf bei Freudental. 

Die Ruderalflora dieser Gegend weist eine große Anzahl 
von Apo]thyten auf, während die spezifisch ruderalen Archäophyten 
wie überall in den Gebirgsdörfern Nordmährens und Schlesiens 
zurücktreten. Dies zeigt folgende Liste: 

Bidens cernuiis, B. tripartit as, Ballota nigra, Lycopus euro- 
pacus, Potentilla anserina, P. argentea, Ijappa tomentosa, Plantago 
lanceolata, Aatliriscas silrestris, Artemisia vulgaris, Alchemilta ral- 
(jaris, Rumex crispus, Veronica Anagallis, Gnaphalium uliginosum, 
Branella ralgaris, Chenopodium glaucum, Ch. polyspermum, Ch. 
bonus Henricus, Galeopsis, Mentha, Senecio vulgaris, Urtica urens, 
U. dioica, Polygonům hydropipcr, Géranium palustre, G. pratense, 
Atriplex hastata, Matricaria discoidea, Pulicaria vulgaris, Aethusa 
cynapium, Odontites serotina, Clinopodium vulgare, Leonurus Car- 
diaca, Chrysanthemum vulgare, Epilobium roseum, Taraxacum 
officinale, Ileracleum sphondylium. 

Selinum carvifolia L. Mit Betonica ofi'icinalis vereinzelt auf 
Grasplätzen um Breitenau. 

Gentiana carpatica Wettst. Auf Berg wie s en bei Breitenau 
und Markersdorf stellenweise zahlreich. 

Für diese Formation sind im August hier bezeichnend: An- 
thoxanthum odoratum, Potentilla tormentilla, Hypericum macula- 



221 

tum, Angelica silvestris, Galium moUugo, Triťoliuui minus, T. i)ra- 
tense, Polygala vulgaris, Alectorolophus minor, Pimpinella saxi- 
fraga, Campanula patala, Succisa pratensis, Eupbrasia nemorosa,, 
Lotus corniculatus. Alchemilla vulgaris, Linum catharticum. 

Die überaus häufigen Raine zeigen nachstehende Formen: 
(Jhaerophyllum aromaticura, Centaurea subjacea, Hypericum macu- 
latum, Heracleum sphondylium, Achillea millefolium. Anthyllis 
vulgaris. Galium mollugo, Dianthus deltoïdes, Ajuga genevensis, 
Knautia arvensis, Briza media, Carlina acaulis, Chrysanthemum 
leucanthemum, Ch. vulgare, Silène inflata, Potentilla argentea. 
Leontod on hastilis, Daucus carota, Clinopodium officinale, Sedum 
acre, Betonica officinalis, Plantago media, Agrostis vulgaris, Melica 
ciliata, Hieracium silvestre, Turritis glabra. 

Sehr trockene Grasplätze zeigen den Übergang zu Heiden 
mit Juniperus communis, Helianthemum obscurum, Calluna vulgaris 
(manchmal prävalierend), Carlina vulgaris, Hieracium pilosella,. 
Sieglingia decumbens, Dianthus deltoïdes, mitunter auch Senecio 
jacobaea, Galium vernum, (Jampanula persicifolia, Hieracium lae- 
vigatum. Lathyrus silvestris. Die auf Rainen und Heiden auf- 
tretenden Gebüsche erscheinen von Rosa sp., Rubus idaeus u. a.,. 
Sorbus aucuparia, Prunus s])inosa (seltener). P. ])adus, Salix 
capraea, Viburnum opulus, Rhamnus Frangula gebildet. Meist 
drängen sicli auch die Holzarten des Waldes in diese kleinen 
Bestände. 

Die Tal wiesen erhalten ihr Ge])räge im Hochsommer durch 
nachstehende Arten: Heracleum s])houdylium, Angelica silvestris,. 
Euphrasia nemorosa, Succisa pratensis, Trifolium pratense, T. s{)a- 
diceum, Chrysanthemum leucanthemum, Cami)anula patula, Poten- 
tilla torjnentilla, E(|uisetum palustre, Centaurea oxylepis, Linum 
catharticum, Sanguisorba officinalis, Hypericum maculatum (seltener 
als oben). Polygonům bistorta, Ranunculus acer, R. flammula, 
Epilobium palustre, Juncus articulatus, Tivthrum salicaria, Odon- 
tites serotina, Lotus uliginosus. 

Mentlia mtiva L. Breitenau: Verwildert an Bachrändern am 
Dorfbache. 

M. pahidosa Sole. Mit voriger und M. rubra Smth.. sehr 
häufig längs der Bachufer. 

Galium insuhriciDii Gaud. Olmütz. AViesen bei Laska. 



222 

Scabiosa cauesceiis W. K. Oliiiütz: Neboteiner Steinbrüche, 
bisLer von mir übersehen. 

Canipanida Cervicaria L. Breitenau: Waldwiesen beim Schiefer- 
bruch nächst Dittersdorf. 

Ceniaurea sfoiolepis A. Kern. Nikolsburg (Lehrer F. Morawek. i 

Ilieraciiini iimbcUifcrimi N. P. ssp. cymosiforme N. P. Olmütz : 
Alte Steinbrüche bei Nebotein. 

//. cijmosirm L, — Mit vorigem, häutiger als bei Schnobolin; 
in den alten Steinbrüchen die häufigsten Hieracien. 

//. hrachiatuni Bert. ssp. apophyadium N. P. ß epichaetium 
X. P. 630. Olmütz: Auf Löß bei Schnu])olin, neu für Mähren. 
(Det. Dir. Adolf Obornv). 



Ein fast gäuzlieli unbekanntes Hr)lilenii,ebiet 
in Ost-Mähren. 



Von i>i-. Rudolf Kowarzik. 



Obwohl die Unigeljung von Mähr.-AYeißkirehen geologisch 
und geographisch recht genau bekannt ist, habe ich doch in der 
Literatur so gut wie gar nichts über das Höhlengebiet vorgefunden, 
das sich im Süden und Osten der Stadt ausbreitet. Die Höhle 
von ("ernotin und das Gevatterloch, das ehemals nichts anderes 
als eine Höhle war. sind bearbeitet, von den übrigen Höhlen- 
komplexen verlautet dagegen gar nichts. Seit dem Jahre 1908 habe 
ich, angeregt durch meinen ehemaligen Gymnasiallehrer Prof. 
Dr. Ad. Lie bus, mich mit der Erforschung dieser Naturgebilde 
beschäftigt und wenn auch dieselbe noch nicht ihr Ende gefunden 
hat, will ich doch einige Mitteilungen über die Resultate machen, 
damit gegebenenfalls maßgebende Faktoren auf die noch zu lösende 
Aufgabe aufmerksam gemacht werden. Die planmäßige Durch- 
forschung sämtlicher Höhlenkomplexe übersteigt nündich meine 
finanzielle Leistungsfähigkeit, da umfangreiche und kostspielige 
Grabungen vorgenommen werden müßten, um alle die Höhlen- 
räume passierbar zu machen. 

Man kann ganz gut drei Höhlengebiete unterscheiden, die an 
das Vorkommen des devonischen Kalkes gebunden sind. 

1. Im Osten von ÄEähr.-Weißkirchen — • etwa 20 Minuten 
von der Stadt entfernt — erhebt sich ein kurzer Gebirgszug, der 
„Hleiser Berg", der einen Bogen von Süden über Norden nach 
Osten beschreibt. Während im südlichen Teile keinerlei Höhlen, 
bekannt sind, treten sie im mittleren Teile sowie am Ende in 
Form von Komplexen auf. Da ist zunächst ein Felsen zu erwähnen, 
in dessen Wänden sich vier Offnungen befinden, eine im Südwesten, 



224 



zwei im Südosten und eine viel tiefer gelegene im Nordosten. Es 
war der erste Komplex, den ich genauer untersuchte, zwar nicht 
groß, aber interessant durch die schönen Tierknochen, die ich da- 




Fie. 1. Crrunilriß der Hoble. 



selbst fand und deren Bearbeitung noch nicht beendet ist. Ich 
lege einen Plan dieses Höhlengebietes bei, a 
folgenden Zeichen beziehen. (Fis;. 1 und 2.) 



lege einen Plan dieses Höhlengebietes bei, auf den sich die nach 



±ŽžmL 




Tiff. 2. Vertikalschnitt der Höhle. 



Durch die Öffnung J/ gelangt man in einen Kanal A^ von 
da durch den oberen Schlauch C in den Kanal D. der nach dem 
Kessel F abfällt. Vom Grunde dieses Kessels füJiren zw-ei Gänge 



225 

K und L weiter. Der Gang K mündet mit der vorerwähnten süd- 
westlichen Öffnung an der Felswjind. Der Kessel A hat unter der 
Brücke H (Fig. 2) noch einen zweiten Gang B (Fig. ^2), der ihn 
mit D verbindet. Außerdem steht er mit E (Fig. 2) unten in 
Kommunikation. Der Gang (r, dessen Mündung N das zweite 
südöstliche Loch in der Felsenmasse bildet, führt in den Raum D 
und ist nur passierbar, wenn man am Bauche sich mühsam vor- 
wärtsschiebt. Unser Einstieg erfolgte immer durch M. 

An der nordöstlichen Seite des Felsenmassivs führt die 
große Öffnung, die auf dem Plane nicht gezeichnet ist, da es mir 
bisher nicht gelang, diesen Gang weiter als bis auf 4 m Länge zu 
verfolgen, ins Innere des Felsenmassivs. Daß er nicht blind endigt, 
sondern mit den Innenräumen in Verbindung steht, ist ganz zweifel- 
los. Als wir, um diesen Beweis zu erbringen, in F (Fig. 2) ein 
Feuer aus nassem Holz anzündeten, drang nach längerer Zeit aus 
der nordöstlichen Mündung dichter Qualm hervor. Durch Aus- 
heben des Füllmaterials habe ich den Gang etwa 2 vi weit be- 
deutend verbreitet. Weiter konnte ich nicht gelangen, da das 
Graben sehr beschwerlich war. Ich zweifle nicht, daß sich im 
Innern des Berges noch zum Teil große Räume befinden müssen, 
da die Rauchprobe immer darauf hinwies. So oft wir ein stark 
qualmendes Feuer anmachten, dauerte es sehr lange, bis aus den 
verschiedenen Öffnungen Rauch drang, viel zu lange, als daß er 
nur die uns bekannten Höhlenräume hätte füllen müssen. Sicher 
breitete er sich erst in anderen Höhlenräumen im Berge aus, da 
nach dem Erlöschen des Feuers im Räume F der Rauch noch 
minutenlang aus der nordöstlichen Öffnung drang, obwohl wir uns 
beim Eindringen in die uns bekannten Räume überzeugen konnten, 
daß in denselben keine Spur von Rauch mehr vorhanden sei. 

Am östlichen Ende des „Hleiser Berges" befindet sich ein 
mächtiger Grotteneingang, so groß, daß man sich stehend darin 
bewegen kann und der Raum in den er führt, auch vier bis 
fünf Personen bequemen Aufenthaltsort bietet. Der genannte Ein- 
gang führt im Volksniunde den Namen „Jurikhöhle" und ist schon 
lange bekannt. Der anfänglich geräumige Höhlengang verengt sich 
im weiteren Verlaufe, so daß wir ihn nur kriechend passieren konnten. 
Bis auf 10 m Länge ließ sich sein Verlauf feststellen. Wir be- 
festigten zu dem Zwecke an einer langen Stange eine Kerze und 
schoben sie brennend in den Gang. Das Merkwürdige liegt nun 

Zeitschrift dos mähr. Landesniuseiims. XHl. 15 



226 

darin, daß dieser Gang deutlich zum vorhin bes})rochenen Höhlen- 
system läuft, so daß die Wahrscheinlichkeit groß ist, beide Kom- 
plexe seien Teile eines Ganzen. In diesem Falle hcätte man aber 
sehr große Hoffnung, durch Verfolgung des nordöstlichen Höhlon- 
teiles (Jurikhöhle) zu großen oder zumindest langen Höhlenräuraen 
zu gelangen. 

2. Im Süden von Mähr.- Weißkirchen, 200 Schritte hinter 
dem Bade Teplitz, treten bis hart an den BetschwaÜuß von Vege- 
tation fast entblößte Felsen heran. Das durch plötzliche Regen- 
güsse tief ausgenagte Bett eines Ge1)irgsbächleins durchschneidet 
den Felsenkomplex und läßt deutlich zwei Teile desselben unter- 
scheiden. Im nördliclien Teile liegen die bedeutendsten Höhlen 
und Grotten, der südliche weist nur zwei solche auf. Der erstere 
zeigt gewissermaßen zwei Etagen, indem der Weg, der von der 
Kapelle in Teplitz in Serpentinen nach dem Dorfe Zbraschau 
führt, das Felsenmassiv durchschneidet. Wenn man am gegenüber- 
liegenden Ufer der Betschwa steht, vermag man alle Höhlen- 
eingänge zu übersehen, allerdings nur im AVinter. In den übrigen 
Jahreszeiten werden sie durch die Belaubung gänzlich verdeckt. 
In der unteren Etage sieht man rechts vier kleinere Löcher. Es 
sind dies Mündungen ebenso vieler Höhlengänge. Im linken Teile 
dagegen befindet sich ein mächtiges Felsloch, das 3 m breit und 

2 m hoch ist und in einen gewölbten 1 }n hohen, 2 m langen und 

3 m breiten Raum führt. Von diesem entspringen zwei Höhlen- 
gänge, der eine geht nach rechts nb und ist so hoch, daß man 
ihn in gebückter Stellung })assieren kann, und läßt sich 5 m weit 
verfolgen. Dann verengt er sich so, daß man nur mit Hilfe von 
Lichtern feststellen kann, daß er weit ins Innere des Felsens 
fülirt. Der zweite Höhlengang eröffnet sich im linken Teile des 
Vorraumes und steht in seinem Verlaufe senkrecht zur Richtung 
des erstgenannten Ganges. Auch in ihm kann man eine Strecke 
weit kriechen, dann verengt er sich und wird unpassierbar, doch 
läßt sich ebenso mit Lichtern feststellen, daß er noch weit in den 
Berg hineinführt. 

Den Boden des Vorraumes und der Höhlengänge bedeckt 
gelber Höhlenlehm, der nicht schwer durch Graben zu entfernen 
wäre, so daß man durch Erweiterung des Gangquerschnittes leicht 
weiter dringen könnte. 

Nun wollen wir der oberen Etage einen Besuch abstatten. 



227 

Die daselbst befindliche Höhle öffnet sich mit einem schief ge- 
stellten Spalt in der Felswand, hart an dem AValdwege nach 
Zbraschau. Der Eingang liegt etwa 4 w über dem Wege und ist 
nur mit Hilfe einer Drahtseilleiter oder eines Strickes zu erreichen. 
Nachdem man sich durch den Spalt gedrängt hat, gelangt man in 
den ersten Höhlenraum, aus dem drei Gänge abzweigen. Ein 
großer, schief abwärts in der Richtung nach Norden ziehender 
läßt sich etwa 3 ))i weit in gebückter Stellung verfolgen, wird dann 
niedriger; daran trägt aber der Höhlenlehm schuld. Allem An- 
scheine wurde er durch Wasser im untersten Teile des Höhlen- 
komplexes zusammengeschwemmt. Die zwei anderen Gänge sind 
im oberen Teile der Höhle gelegen und nur ganz niedrig und un- 
passierbar. Aber auch sie führen weit in den Felsen hinein. 

Von dieser Höhle aus werde ich trachten, weiter vorzudringen. 
da daselbst die Aussichten günstige sind. Der vorhin erwähnte 
schiefe Gang zeigt nämlich — wie ich mit Kompaß und Klino- 
meter erkannt habe — nach den Höhlen der unteren Etage hin. 
Da anderseits die Höhlengänge der unteren Etage nach der 
oberen Etage hinführen, so ist eine Kommunikation beider Systeme 
sehr wahrscheinlich. Wenn irgendwo im Höhlengebiete von Mähr.- 
Weißkirchen, so werden im eben geschilderten Komplexe E,este 
des Menschen gefunden werden. In der oberen Etage ist dies kaum 
möglich, da die daselbst befindlichen Eingänge viel zu klein sind. 

Anders bei der unteren Etage. Die Höhlen derselben liegen 
etwa 10 m über dem normalen Wasserspiegel der Betschw^a. Selbst 
extremes Hochwasser vermag und vermochte die unteren Höhlen 
nicht zu erreichen. Dieser Umstand sowde der, daß es sich um 
größere Räume handelt, läßt eine ehemalige Bewohnung der 
Höhlen nicht als ausgeschlossen erscheinen. Noch ein Umstand 
spricht dafür. Mähr. -Weißkirchen liegt zwischen zwei bekannten 
Fundstätten diluvialer ]\[enschenfossilien, zwischen Prerau und 
Stramberg bei Neutitschein. Ob der diluviale Mensch von Prerau 
nach Stramberg oder umgekehrt gawan.dert ist. auf jeden Fall muß 
er die Ebene bei Mähr.-Weißkirchen passiert haben. Das geschah 
aber sicher nicht in Form eines Spazierganges, sondern in lang- 
samer Verschiebung des Wohnortes. Wir haben nun in der Nähe 
der letztgenannten Stadt Höhlen, die bewohnbar waren, die aber 
noch nicht genügend durchforscht sind. Ist es ein allzu kühner 
Schluß, Reste aus den genannten Lokalitäten zu erwarten? Es gab 



228 

übrigens noch viel größere Höhlen in der Nähe unserer Stadt, in 
denen bequem ganze Horden wohnen konnten. Es lockt einen 
förmlich, den Spaten anzusetzen und die Zeugen früherer Zeiten 
ans Tageslicht zu bringen. 

Wir müssen noch drei Höhlen in dem jetzt beschriebenen 
Komplexe erwähnen. Unmittelbar hinter den ersten Höhlen bei 
Teplitz befindet sich das kleine bereits erwähnte Gebirgsbächlein, 
in dessen rechtem Gehänge sich in einer Felswand ein Loch öifnet. 
Ich habe in dem sich daran anschließenden Höhlengange seiner- 
zeit nachgegraben und mich überzeugt, daß dieser Raum in früherer 
Zeit von den Betschwawässern erfüllt war. Der Gang ist etwa 
4 — 5 in lang und über 1 )n hoch. Ich fand Ablagerungen von 
Flußkies und -Schotter, die eine sehr schöne Schichtung zeigten. 
Die Gänge, die noch weit in den Felsen hineinführen, vermochte 
ich, da sie zu sehr mit Höhlenlehm vertragen sind, nicht weiter 
zu verfolgen. In den Ablagerungen befinden sich — wie mich 
Probeschürfungen lehrten — zahlreiche Knochen. 

3. Bei der Haltestelle Cernotin — Keltsch der Lokalbahn 
Mähr.- Weißkirchen — Wsetin befindet sich ein großer Steinbruch, 
der seit langer Zeit betrieben wird. In demselben wurde nun um 
1900 eine große Höhle entdeckt, die Remeš seinerzeit beschrieben 
hat. Aus dieser Beschreibung sehen wir, daß es sich um die 
größte bekannte Höhle in unserer Gegend handelt, die außerdem 
dadurch bemerkenswert ist, daß sich Wasser in ihr befindet. Leider 
ist diese Höhle jetzt nicht mehr zugänglich; der Eingang ist ver- 
mauert worden, da der Aufenthalt durch ständige Einsturzgefahr 
l)edroht war. Auf das Wasser der Höhle werde ich gleich noch 
zu sprechen kommen. 

Zu dem dritten Komplexe gehört nämlich auch das „Ge- 
vatterloch". Es ist ein über 50 m tiefer Abgrund, der ehemals 
eine Höhle bildete, deren Decke aber eingestürzt ist. Da über 
das „Gevatterloch" bereits eine kleine Literatur besteht — es 
wird mehrere Male in den Schriften der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt und an anderen Orten erwähnt — so will ich mich damit 
nicht weiter aufhalten. Auch im Gevatterloche befindet sich AVasser, 
und zwar in Gestalt eines tiefen Sees. Das eigentümliche an ihm 
ist, daß sein Spiegel Hebungen und Senkungen aufweist, die mit 
Hebungen und Senkungen des Betschwaspiegels sowie des Wassers 
in der großen Höhle bei Cernotin — Keltsch parallel laufen. Kein 



229 

Zweifel, daß wir uns eine unterirdische Verl)indung aller drei 
Wasserspiegel denken müssen, da hier doch nur Kommunikations- 
erscheinungen vorliegen können. Anderseits besteht wieder die 
Möglichkeit, daß in dem letztgeschilderten Höhlengebiete noch 
so mancher, vielleicht großer unterirdische Hohlraum vorhanden 
sein dürfte. 

4. Zuletzt hätte ich noch ein kleines Gebiet zu erwähnen, 
das in der Nähe des Dorfes C'ernotin liegt. Ich wurde auf das- 
selbe in höchst sonberbarer Weise aufmerksam. Anläßlich eines 
Spazierganges in der Nähe der genannten Lokalität tauchte vor 
mir ein Hase auf. Mein Spitz nahm sofort seine Verfolgung auf. 
In gewaltigen Sprüngen eilte der geängstigte Lampe einer nahen 
Felswand zu und war plötzlich samt meinem Hunde verschwunden. 
Natürlich ging ich der Sache nach und fand so die kleine Höhle, 
in die sich der Hase geflüchtet hatte und nun von meinem Hunde 
belagert wurde. Es blieb mir nichts übrig, als den Belagerer am 
Schwänze aus dem ziemlich engen Höhlengange hinauszuziehen. 
Wie schon daraus hervorgeht, handelt es sich um einen sehr engen 
Gang; doch erstreckt sich derselbe, wie ich später feststellte, ziem- 
lich weit ins Innere. Damit hätten wir sämtliche Höhlenvorkommen 
in der Umgebung von Mähr.-AVeißkirchen besprochen. Möglich, 
daß ich schon in nächster Zeit dazu kommen werde, an eine 
piamäßige Ausgrabung heranzutreten und daß die Gegend meiner 
Vaterstadt durch Funde eine gewisse Bedeutung in der Literatur 
erhält. 



Neue Standorte uüilirisclier (jefälipüaiizeii. 

Von A. Wildt. 



1. BotrychiiDU Matricaruic (Schrnk.) Spr. zwischen Horscbitz und 

Blansko (Reliwinkel ). 

2. Eqyisetum palustre L. var. pohjstachtjum Weigel bei Blansko 

(Dr. Iltis 1. 

3. Quercus Imiugiausa X sessUiflora als forma intcrcedens Beck 

(Flora von N.-O., p. 217) strauchartig hei Pausrani und forma 
Tiscw Simk. et Feket. als Baum am Hadyberg hei Brunn. 

4. Popuhis canescens Ait. {alba X tremula) an der Schwarza beim 

Schreihwalde und hei Mödritz (Bez. Brunn). 

5. Salix alba X fragilis als forma palustris Host $ bei Czernowitz 

(Bez. Brunn), forma e.rcelsior Host $ hei Tscheitsch; fojt)ia 
r iridis A. Kern $ hei Branowitz. 

6. Salir triaiidray^ fragilis forma subir ianda A. Kern (Verb, zool.- 

bot. Ges., Bd. X. p. 191) J bei Branowitz. 

7. Salix viminalis L. var. tcuuifjlia A. Kern 5 hei Czernowitz und 

Billowitz (Bez. Brunn). 

8. Thesiu)n Jiumile Vahl. hei Keltschan (Bez. Gaya). 

'J. LoraniJnis europffus Jacq. bei Tetschitz (Bez. Brunn i. 

10. Yiscurii alb tun L. Aväcbst nach Angaben des Gartentechnikers 

Culot im Parke zu Eisgrub auf: Acer campestre, A. dasycarpum, 
A. harbatum, A. pseudoplatanus. Aesculus rubicunda, Ame- 
liancher canadense, Betula alba, Celtis australis, Fraxinus 
excelsior, Juglans cinerea, Malus haccata, Morus alba, Pirus 
Malus, Populus nigra, Eobinia pseudoacacia, Salix purpurea, 
S. fragilis, Tilia americana und T. ulmifolia. 

11. Aiuarauliius adscoulens Lois, hei Chirlitz (Bez. Brunn). 



231 

12.. liume.r (crispus X stoiopht/Uf/s) infercedens Rech. Diesem zähle 
ich jetzt das Stück bei, das ich auf dem nun als Friedhof 
eingefaßten Grundstücke bei Czernowitz fand und damals 
(Bd. XLVIII, p. 20, der Verhandlungen des Naturforschenden 
Vereines in Brunn) als R. stenophyllus angesehen habe; dann 
könnten auch die nördlich von Brunn fehlenden, nur im süd- 
lichen, mehr oder minder salzhaltigen (lebiete vorkommenden 
Stücke von B. cn'.sp/ts mit entschieden gezähnten Früchten 
als B. supercrispns X snbsie)io))h-iilliis aufzufassen sein. 

13. Mercurialis orata Sternb. geht bei Neslowitz nicht über den 

engbegrenzten Kalk heraus. 

14. Hcniiaria gJabra L. iypica var. setulosa Beck (Flora von N.-Ö., 

p. 347) bei Nebowid (Bez. Brunn) und Ratischkowitz. 

15. Cerastium semidecandriii)/ L. auf der Schwedenschanze und 

der stranska Skala bei Brunn. 

16. Ce7~aMium vlscosum L. am Hadyberge bei Brunn. 
Cerastium pumüiim Curt. wurde auch heuer um Brunn vergel)lich 

gesucht. 

17. Holoste/on luiibellatum L. fi/picHni am Hadyberge bei Brunn, 

var. Heuffelii Wierzb. bei Adamstal (Bez. Brunn) und bei 
Bisenz, yo^v.glabnnii Beck (Flora von N.-O., pag. 363) am Gelben 
Berge bei Brunn. 

18. Silenc dichntoma Ehrh. ist schon bis Billowitz im Zwittatale 

vorgedrungen. 

19. Anemone süvestris L. bei Groß-Seelowitz. 

20. PulsatiJla (/nindis Wender, war auch heuer nur mit Blättern 

normaler Gestalt zu tinden. Es dürften also die in früheren 
Jahren beobachteten Blätter anderer Form ein Produkt der 
Witterungsverhältnisse gewesen sein. 

21. Bannnculus repens X (icris bei Julienfeld (Bez. Brunn). 

22. Banunculus Ficaria L. var. incMmbens Schultz bei Tetschitz 

(Bez. Brunn). 

23. Papaver duhinui L. auf der stranska Skala bei Brunn. 

24. Corijdalis interiuedia P. M. E. bei Tetschitz (Bez. Brunn). 

25. Corijdalis solida Sw. mit ganzrandigen oder fast ganzrandi- 

gen Deckblättern im Zwittatale von Obrzan aufwärts (Dr. 
Iltis). 

26. Sis/jjnbrin/n, slriclissimn))i Ij. bei Rebeschowitz (Bez. Brünn)< 

27. Deniaria enneaphylla li. bei Tetschitz (Bez. Brunn). 



232 

28. Arab/s auriculata Lam. var. dasycarpa Gaud. auf der stran.ska 

Skala bei Brunn. 

29. Erysiinuni hierdcifolium L. var. virgatuni Roth, auf den Paus- 

ramer Hügeln. 

30. Älyssiim montanum L. var. Preismauni Hayek. Dieses oder 

eine ihm sehr nahe stehende Form am Serpentin bei Mohelno. 

31. Draha rerna L. var. Krockeri Jord. bei Eisgrub, dann am 

Hadyberge und auf der stranska Skala; var. Ozanoni Jord. 
am Hadyberge bei Brunn und bei Tetschitz; var. majuscula 
Jord. die häufigste in der ganzen Umgebung von Brunn. 

32. MijoDrum perfoliatum L. im Zwittatale von Obrzan aufwärts 

durch die Wasserleitungsarbeiten eingeschleppt. 

33. Coronopus verrucariuii Muschl. und Thell. reichlich bei Billowitz 

i Bez. Brunn). 

34. VioJa hiirahilis L. bei Groß-Seelowitz. 

35. Viola anihigîta W. und Kit. bei Nußlau und Groß-Seelowitz. 

36. Viola amhifiiia X odorata zwischen Nußlau und Lautschitz, 

37. Viola ambiijim X collina am Hadyberge Ijei Brunn, ein Stück. 

38. Poli/gala oxyptera Rehb. bei Eichhorn (Bez. Brunn). 

39. Sßdiim spiirium M. B. bei Eichhorn verwildert. 

40. Fragaria elatior forma jubriflora Asch, und Gr. Syn. Bd. VI, 

p. 653) im Josefstal bei Adamstal. 

41. Trifolium ariwnse L. var. areniraguni Jord. bei Jeschow 

(Bez. Gaya). 

42. CytisMS scoparius Lk. bei Trebitsch (Bez. Brunn). 

43. Cytisus Jiirsiitiís L. bei Ivremsier (Dr. Japp). 

44. CalUtriche kamulata Kütz bei Bory (Bez. Groß-Meseritsch), selten. 

45. Pimpinella nigra Willd. bei Butschowitz. 

46. Seseli Hippomaralhriim L. bei Schimitz (Bez. Brunn). 

47. Seseli Libanotis Koch, auf den Pausramer Hügeln. 

48. Peucedanum OreoseJ}niun L, Mnch. bei Rebeschowitz (Bez. 

Brunn), ein Stück. 

49. Androsace elongata L., bei Jundorf (Bez. Brunn). 

50. Omphalodes scorpioides Schrnk., bei Groß-Seelowitz. 

51. Anchusa offidnalis L. var. angnsti folia Gmel. bei Rebeschowitz 

(Bez. Brunn). 

52. Puhnonaria mollissima Kern., bei Tetschitz (Bez. Brunn) selten. 

53. Vero)iica prcecox All. auf der stranska Skala bei Brunn. 

54. Vcronica Dillcnii Cr. bei Hussowitz (Bez. Brunn). 



233 

55. Mekwipyrnm pratcnse L. typiciuit Beck (Flora von N.-O., 

]). 1070) bei Bisenz. 

56. FAiphrasia neinorosa Pers. nächst Bolmslavky bei Leipnik (Dr. 

Nabèlek). 

57. Orohaiíchc alsatica Kirsch, auf Seseli Libauotis auf den Pausramer 

Hligehi; und etwas schwächlicher auf 8eseli glaucum bei 
Nikolsburg (Dr. Strecker). 

58. Orohanche lutea Baurag. auf Medicago bei Klobouček (Bez. 

Butschowitz) und auf den Pollauer Bergen. 

59. OrolxDiclie major Ji. auf (Jentaurea Scabiosa bei Rebeschowitz 

(Bez. Brunn). 

60. Ncpeta cataria L. im Dorfe Latein (Bez. Brunn, Dr. Iltis). 

61. PnincUa grandifJora X. vulgaris bei Julienfeld i Bez. Brunn). 

62. TJnjniHs MarschalUanus Willd. bei Rebeschowitz (Bez. Brunn). 

63. Meiitha galeopsifolia Opiz. bei Tscheitsch. 

64. Mentha- origanoideš Lej. et Court, bei* Keltschan (Bez. Gava). 

65. Plantago arenaria L. bei Sokolnitz. 

66. Asperula orientalis Boiss. und Hohen (Beck, Flora von N.-Ö., 
p. 1116) wurde von Karl Pirschl, stud. gymn., unter dem Kuh- 
berge bei Brunn als Ruderalpflanze gefunden. 

67. Asper nla glanca Bess, var. glahra Wallr. Beck (Flora von N.-O., 

p. 1117) auf der stranska Skala bei Brunn. 

68. Aspernla Aparine M. B. bei Billowitz (Bez. Brunn). 

69. Galium Mollugo L. typicum und forma pitihescens Schrad. auf 

der stranska Skala bei Brünu. 
7(). Campanula sibiriea L. bei Rebeschowitz (Bez. Brunn). 

71. Campanula bononiensis L. bei Schlappanitz (Bez. Brunn). 

72. Solidago seroliua Ait. bei Klein-Kinitz an der Schwarza. 

73. Petasites officinalis L. bei Chirlitz (Bez. Brunn), auch in den 

versumpften Teilen der dortigen Obstgärten. 

74. Carduus crispus L. bei Bellowitz und Bisterz (Bez. Brunn). 

75. Cliondrilla juncea L. bei Bellowitz (Bez. Brunn). 

76. Scorzonera purp urea L. wurde, wenn auch spärlich, doch noch 

ara Hadyberge bei Brunn gefunden. 

77. Lactttca rimiium Presl. bei Bellowitz (Bez. Brunn). 

78. Crépis capillaris Çh.) Wallr. var. runcinaia Bisch, bei Czernowitz 

(Bez. Brunn). 

79. liieracium parvulum N. und P. (Üborny, Verhandlungen der 

Naturforschenden Vereines in Brunn, Bd. XLIII, p. 162) mit 



234 

80. Hieracium parviflorum N. iiiicl P. (Oborny, Verhandlungen des 

Naturforsclienden Vereines in Brunn, Bd. XLIII. p. 157) auf 
der stranska Skala bei Brunn. 

81. Triglochln palustre L. bei Ghirlitz (Bez. Brunn). 

82. Ällhim ursinum L. bei Tetscbitz ( Bez. Briinn). 

83. Alliiim splimwcephühini L. bei Bellowitz (Bez. Brunn). 

84. Alliiim vineale L. mit obigem, aber viel seltener (Dr. Iltis). 

85. Alliiim angulosnni L. bei Ottmarau (Bez. Brunn). 

86. Ornitliogalum nntaiis L. zwischen Ratischkowitz und Watzenowitz 

(Bez. Gaya), selten. 

87. Care.c ItuiniUs Leyss. bei Sebrowitz (Bez. Briinn). 

88. Panicům ciliare Betz bei Bisenz. 

89. Setaria rerticillata R. und Scli. im Museumhofe in Briinn. 

90. Stipa capillata L. bei Bellowitz (Bez. Briinn). 

91. Arciu/strum desertoruni Podpěra (Osterr. bot. Zeitschr., 1912. 

p. 289) wurde heuer vom Autor am Galgenberge bei Nikols- 
burg entdeckt. 

92. Siegliiufia decumhens Berch. reichlich an einer Stelle des Roten 

Berges bei Brunn (vielleicht mit den dortigen Schwarzföhren 
eingeschleppt). 

93. Poa bulbosa L., Rasse pseudoconcitina Asch, und Gr. (Syn. 

Bd. II. p. 392) reichlich auf der Schwedenschanze bei Briinn. 

94. Fcstuca eurubra var. miiUiflora Asch, und Gr. (Syn. Bd. II. 

p. 499) bei Autjechau (Bez. Briinn). 

95. Fcstuca Derfoneuslx Asch, und Gr. (Syn. Bd. II, p. 559) als 

Adventivpflanze am Roten Berge bei Briinn im Jahre 1912 
von Suza entdeckt, stand heuer noch in mäßigen Mengen dort. 
9(). GijnDiadenia odoratissima Rieh, bei Groß-Seelowitz (Schierl, 
im Herbar des Landesmuseums als G. conopea R. Br.). 

97. Plautauthera cliloranilia Cust., bei Kohoutowitz (Bez. Briinn). 

98. Epipogon apltyllum Sw. bei Cetechowitz (Bez. Zdounek) in 

manchen Jahren nicht selten (Dr. Nabclek). 



Das x\lter des siibbeskidisclien Tertiärs. 

Von Prof. A. Rzehak. 



In den „Verhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt", 1912^ 
Nr. 2 (S. 75 — 94) hat Herr Dr. W. Petrascheck eine interessante 
Mitteilung über die bei verschiedenen Tiefbohrungen am Nord- 
rande der Beskiden angetroffenen Tertiärschichten veröffentlicht 
und dieser Mitteilung auch eine paläontologische Begutachtung 
der Bohrproben durch Herrn Hofrat Prof. Dr. Th. Fuchs ange- 
schlossen. Nach dieser Begutachtung findet zwar eine bedeutende 
Annäherung der erbohrten Tertiärmergel an die von mir ursprüng- 
lich (1880, Verhandl. d. k. k. geol. ß.-A., Nr. 16) für Miozän ge- 
haltenen, später jedoch als paläogen erkannten „Niemtschitzer 
Schichten" statt, doch möchte sie Herr Hofrat Fuchs dennoch 
„auf alle Fälle" dem Miozän zurechnen. Da ich weiß, daß die 
Verwechslung gewisser Glieder des vielgestaltigen, keineswegs 
einen einzigen, bestimmten Horizont repräsentierenden Kom- 
plexes der „Niemtschitzer Schichten" mit miozänem Schlier oder 
Tegel auch dann möglich ist, wenn man auf diese Möglichkeit 
aufmerksam gemacht wird (ich erinnere nur an die verschiedenen 
Angaben Pauls, welcher wiederholt miozäne Ablagerungen von 
Lokalitäten erwähnt, die ich ihm gegenüber — mündlich — als 
sicher paläogen bezeichnet habe), so stellte ich an Herrn 
Dr. Petrascheck die Bitte um Übersendung der fraglichen Proben 
zum Zwecke einer neuerlichen Untersuchung und Vergleichung mit 
den mir wohlbekannten, außerordentlich veränderlichen Ausbildungs- 
formen der „Niemtschitzer Schichten". Herr Dr. Petrascheck 
hat meinem Ansuchen bereitwilligst entsprochen, wofür ich ihm 
auch an dieser Stelle danke. 

AVas nun zunächst die petrographischc Beschaffenheit der 
subbeskidischen Tertiärmergel anbelangt, so spricht dieselbe ent- 



236 

schieden mehr für Alttertiär als für Neogen; ich kenne 
sicher alttertiäre Tonmergel, die petrographisch dem miozänen 
Schlier, beziehungsweise sogar dem miozänen Tegel viel ähnlicher 
sehen als die mir vorliegenden Proben aus dem subbeskidischen 
Tertiär. Nach einem der Bohrkerne könnte man auf eine 
Lag erungs Störung des Mergels schließen, was wiederum, wie 
auch die beträchtliche Tiefe, aus welcher die meisten Proben 
stammen, zugunsten des vor miozänen Alters geltend gemacht 
werden kann. 

Die in den Bohrkernen enthaltenen Fossilien lassen leider, 
was ihren Erhaltungszustand anbelangt, sehr viel zu wünschen 
übrig. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß selbst die sehr 
gut erhaltenen Konchylien aus dem Pausramer Mergel seinerzeit 
von einem ausgezeichneten Kenner des österreichischen Miozäns 
(Prof. Dr. E. Hoernes) mit miozänen Formen identifiziert 
worden sind und daß die genaue Bestimmung derselben nicht nur 
einen scharfen Blick und entsprechende Übung, sondern auch ein 
reiches, verläßlich determiniertes Vergleichsmaterinl, welches wir 
in (Österreich leider nicht besitzen, erfordert'). 

Immerhin darf man behaupten, daß kein einziger der in 
den subbeskidischen Tertiärmergeln aufgefundenen Fossilreste 
gegen die Deutung dieser Mergel als alttertiär spricht. Be- 
trachten wir diesbezüglich zunächst die Pteropoden. Herr Hofrat 
Fuchs macht auf das häufige Vorkommen von Va gin eil en auf- 
merksam und sagt, daß ihm ein „derart massenhaftes Vorkommen" 
derselben im Alttertiär gänzlich unbekannt sei; dieses häufige 
Auftreten von Vaginellen bestärkt ihn in der Meinung, daß die 
fraglichen Mergel dem Miozän angehören dürften. 

Auch ich fand auf einzelnen Proben der Mergel zahlreiche 
Abdrücke von Vaginellen, die der von E. Kittl aus dem Schlier 
von Seelowitz und dem sclilesischen Miozäntegel (Poln.-Ostrau, 
Dombrau, Poremba) beschriebenen Vagineïla RxeJ/aki (E. Kittl: 
„Über die miozänen Pteropoden von Österreich-Ungarn"; Anm. 
d. k. k. naturhist. Hofmuseums, I, 1886, S. 56 f., Taf. II, Fig. 13—16) 
recht ähnlich sehen, ohne daß man ihre Identität mit der letzt- 
genannten Form behaupten könnte, da sie meiner Ansicht nach 

^) Über mein Ansuchen beschäftigt sich Herr Prof. Dr. P. Oppenlieim 
in Berlin schon seit einigen Jahren mit dem eingehenden Studium der von 
mir aufgesammelten Fauna der „Niemtschitzer Schichten". 



237 

merklich schärfer zugespitzt sind und in dieser Beziehung mehr an 
die oligozäne Vaginella tenustriata Semper erinnern. Der miozänen 
VagineUa R-,eha]d. sehr nahestehende Formen kommen ja in der 
Tat auch im Alttertiär vor. Bereits E. Kittl bemerkt (loc. cit. 
S. 56), daß die VagineUa depressa Speyer {}iec Daudin) aus dem 
Casseler Oligozän der VagineUa Rxehald näher verwandt sei, 
und ich selbst habe in meiner Beschreibung der „Niemtschitzer 
Schichten" (Verhandl. d. naturf. Ver. in Brunn, XXXIV, 1895, 
S. 40) aus dem alttertiären Mergel von Neudorf eine VagineUa äff. 
Pixehaki Kittl namhaft gemacht. Den blauen Ton von Nikoltschitz 
habe ich noch im Jahre 1880 (s. Verh. d. k. k. geol. Reichs- 
anstalt, S. 303) wegen seiner durchaus tegelartigen Beschaffen- 
heit und wegen des Vorkommens von Vaginellen für miozän 
gehalten, später jedoch (Verh. d. k. k. geol. Beichsanstiilt 1887, 
S. 133 ff.) in diesem Tegel eine formenreiche, unzweifelhaft alt- 
tertiäre Foraminiferenfauna (mit Nummulites badensis Hantken 
und Orbitoides cf. steUata d'Arch.) konstatiert. Pteropoden, ins- 
besondere auch Vaginellen, sind also in der Schlierfazies des kar- 
pathischen Alttertiärs durchaus keine seltene Erscheinung; daß sie 
bisher noch nirgends in solcher Menge — die ich übrigens keines- 
wegs besonders auffallend finde — gefunden wurden wie in den 
fraglichen subbeskidischen Tertiärmergeln von Schönhof und Skot- 
schau, ist ein vielleicht nur ganz zufälliger Umstand, dem keiner- 
lei Bedeutung zukommt. Man darf nicht unberücksichtigt lassen,, 
daß die mährischen „Niemtschitzer Schichten" geradeso wie das 
subbeskidische Tertiär an der Oberfläche nur sehr mangelhaft auf- 
geschlossen sind und außer mir bisher noch von niemandem näher 
untersucht wurden. Bei tieferen Grabungen und Bohrungen würde 
man vielleicht auch im Bereiche der „Niemtschitzer Schichten" 
auf Gesteine stoßen, in denen Vaginellen ebenso angehäuft er- 
scheinen wie in den Mergeln von Skotschau und Schönhof. Ich 
möchte da z. B. auf den von mir vor einigen Jahren (Zeitschr. d. 
mähr. Landesmuseums, 1902, S. 175 ff.) beschriebenen Pteropoden- 
mergel von Satschan bei Mönitz hinweisen, auf dessen Schicht- 
flächen Vaginellen in größerer Menge — etwa wie in den schlesi- 
schen Mergeln — ■ angetroffen werden, (')bwohl der charakteristische 
Embryonalteil bei keinem einzigen Exemplar erhalten war, habe 
ich doch geglaubt, die Satschaner VagineUa mit der im öster- 
reichischen Miozän weitverbreiteten VagineUa austriaca Kittl (loc. 



238 

cit. S. 54 £f., Taf. II, Fig. 8 — 12) identifizieren und den be- 
treffenden Mergel als Miozän ansprechen zu dürfen. Ich habe je- 
doch in einer Fußnote (auf S. 177 der oben zitierten Notiz) die 
Bemerkung gemacht, daß die Annahme eines miozänen Alters des 
Satschaner Pteropodenmergels auch eine Änderung in der Deutung 
der im Bohrloch der Aujezder Malzfabrik (bloß etwa 2 km von 
Satschan entfernt) angefahrenen, von mir („Geolog. Ergebnisse 
einiger in Mähren ausgeführter Brunnenbohrungen", 3. Folge; 
Verb. d. natur. Ver. in Brunn, XXXV, 1896, S. 242 f.) als alt- 
tertiär aufgefaßten Tongesteine involvieren würde. Die Sat- 
schaner Pteropodenmergel bilden nach meiner Ansicht die Basis 
des vielgestaltigen Miozäns des Pratzer Berges; zwischen ihnen 
und dem Pratzer Berge liegen aber die in der Aujezder Malzfabrik 
erbohrten Tone, die gewissen alttertiären Tonen des Bohrloches 
von Xeudorf (s. meine „Nieratschitzer Schichten", S. 246 ff.) ähn- 
lich sehen, mit den wohlbekannten Miozäntonen jedoch gar keine 
Ähnlichkeit haben. Das Bohrloch von Xeudorf lag auf der 
durch die Kote 219 bezeichneten, flachen Bodenerhebung westnord- 
westlich von Neudorf, also von Satschan fast genau so weit ent- 
fernt wie dieses von der Aujezder Malzfabrik. Das Neudorfer 
Bohrloch bewegte sich ausschließlich im Alttertiär, welches in ein- 
zelnen Partien, die durch Quartär — vorwiegend Schotter — von- 
einander getrennt sind, so weit nach Norden reicht, daß es immer- 
hin durchaus nicht als widersinnig gelten kann, wenn man die 
Satschaner Pteropodenmergel als „möglicherweise Alttertiär" 
hinstellt. Die darin vorkommende Ya(jlneUa wurde zwar von mir 
mit Vftglnella austriaca Kittl identifiziert, aber ich weise darauf 
hin, daß ich eine der Vai/nicUa austriaca verwandte Form aus 
dem alttertiären, blaugrauen Mergel von Pausram (es ist dies 
nicht der eigentliche, braune, ziemlich fossilreiche „Pausramer 
Mergel" ) namhaft gemacht habe (vgl. meine „Niemtschitzer Schichten", 
S. 222). Es ist ja durchaus naturgemäß, wenn man annimmt, daß 
sowohl Vaginella Bxchal'i als auch Vagincila austriaca in der 
Schlierfazies unseres Alttertiärs Vorläufer gehabt haben, von 
denen sie sich vielleicht nur im Falle besonders günstiger Er- 
haltung unterscheiden lassen, (.lanz gewiß läßt sich aber das 
häufige Auftreten von Vaginellen im subbeskidischen Tertiär- 
mergel zugunsten des miozänen Alters des letzteren nicht gel- 
tend machen. 



239 

Was die Pteropodengattung Balantium anbelangt, so kann 
man wohl sagen, daß die sehr spärlich beobachteten Abdrücke 
(ich fand sie bloß in zwei Proben) wahrscheinlich einer mit Balan- 
tium Fallanxi Kittl verwandten Form angehören, wenn man diesen 
Namen auf die feingestreifte „Varietät"' anwendet, von welcher 
schon E. Kittl selbst (loc. cit. S. 63) meint, daß sie bei nach- 
gewiesener Konstanz der Merkmale von Baküdium Fallauxi ab- 
zutrennen wäre. Wenn die von dem genannten Autor gegebenen 
Abbildungen ganz korrekt sind — woran bei ihrer sorgfältigen 
Ausführung wohl nicht zu zweifeln ist — so ist die Diiferenz 
zwischen der feingestreiften „Varietät" und dem grobrunzeligen 
Balautium Fallauxi auf alle Fälle groß genug, um eine spezifische 
Trennung dieser beiden Formen zu reclitfertigen; meiner Ul)er- 
zeugung nach müßte auch bei stark verdrückten Exemplaren grob- 
runzeliger Balantien, wie sie z. B. im alttertiären Ton des Neu- 
dorfer Bohrloches vorgekommen sind, die Skulptur immer noch 
wenigstens stellenweise erkennbar sein, niemals jedoch kann die 
grobe Runzelung infolge von Verdrückungen in eine so gleich- 
mäßig feine Streifung übergehen, wie sie Fig. 26 auf Taf. II der 
Kittischen Abhandlung zeigt. 

Die von mir im Ton des Neudorfer Bohrloches aufgefundenen 
Balantien, die stellenweise in großer Anzahl, aber in durchwegs 
stark verdrückten Exemplaren zusammengehäuft waren, habe ich 
(„Niemtschitzer Schichten", S. 249) als Balantium äff. pedemon- 
tanum Ch. Mayer bezeichnet. Die Identität dieser Form mit dem 
miozänen Balantiuiii pedcnwuUmum läßt sich ebensowenig an- 
nehmen wie bei der früher erwähnten Form die Identität mit 
Balantium Fallauxi. Da die beiden miozänen Formen auch im 
mährischen Miozän vorkommen (ich fand sie in mergeligen Ein- 
schlüssen eines der II. Mediterranstufe angehörigen Konglomerats 
am Pratzer Berge, glaube demnach, daß sie der I. Mediterran- 
stufe angehören), so können die ihnen nahestehenden Formen aus 
dem subbeskidischen Tertiär als ihre Vorläufer betrachtet werden; 
einen zwingenden Schluß auf das miozäne Alter der subbes- 
kidischen Mergel gestatten also auch die Balantien nicht. 

Von den sonstigen Konchylien ist die von Herrn Hofrat 
Fuchs erwähnte, auch von mir beobachtete 7ellina der Tellina 
planaia zwar ähnlich, aber zur genauen Bestimmung doch nicht 
gut genug erhalten. Ahnliche Formen kommen im Brünner Schlier- 



240 

mergel (von mir seinerzeit als Tellina brnnensis n. f. bezeichnet, 
s. Yerh. d. naturf. Ver. in Brunn, XXXV, 189G, S. 245), aber 
auch in dem sicher alttertiären Mergel von Pausram vor. Eine 
kleine Bivalve aus dem Mergel von Schönhof erinnerte mich an 
die kleine, feingerippte Muschel, die ich in einer mehr mergeligen 
Aasbildung des Menilitschiefers unterhalb der Kirche von Groß- 
Niemtschitz gefunden und als Cardita gedeutet habe. Die übrigen, 
von Herrn Hofrat Fuchs erwähnten, nicht näher bestimmbaren 
Bivalvenreste sowie das an eine größere Bulla erinnernde Gastero- 
podenfragment habe ich ebenfalls beobachtet; bei der Beurteilung 
der Altersfrage kommen sie infolge ihrer ungünstigen Erhaltung 
nicht in Betracht. Auch die „verzwergten'^ Austern haben keine 
Bedeutung, denn wenn sie auch im italienischen Langhien geradezu 
leitend sein sollen, so muß man doch zugeben, daß sich derartige 
Krüppelformen unter gewissen Lebensbedingungen zu jeder Zeit 
entwickeln konnten. 

Die Abdrücke von Spatangiden sind ebenfalls so wenig be- 
zeichnend, daß man nicht einmal die Zugehörigkeit zur Gattung 
Bris SU s — die ja übrigens auch im Alttertiär vertreten ist — 
behau])ten kann. 

Die von Herrn Hofrat Fuchs erwähnten und als Algen ge- 
deuteten „verkohlten Fäden" — die auch ich für Algen halte — 
kommen in ähnlicher Weise im schlierähnlichen, alttertiären Mergel 
von Xeudorf vor, während ich sie aus dem Miozän nicht kenne. 
Die Substanz dürfte wohl eher Eis en sulfid — ich denke hier an 
den kürzlich (im Neuen Jahrb. f. Min. usw. 1912, XXXIII. Bei- 
lageband, 3. Heft, S. 662 ff.) von B. Do s s beschriebenen „Mel- 
nikowit", eine kryptokristalline, ursprünglich gelartige Ausbildung 
des Schwefeleisens — als Kohle sein. 

An Fischresten beobachtete ich schlecht erhaltene Otolithen 
und vereinzelte Schuppen, und zwar nicht bloß die charakteristi- 
schen, für stratigraphische Zwecke allerdings unbrauchbaren Meletta- 
schuppen, sondern auch ktenoide, irgend einem Staclielflosser an- 
gehörige Schuppen. 

Die Foraminiferen wurden bisher nicht in Betracht gezogen. 
Die Mehrzahl der Mergelproben ist sehr schwer schlämmbar, es 
gelang mir aber dennoch, in mehreren Proben (von Schönhof, 
Bogwisdau und Bestwin) Foraminiferen aufzufinden. Da nur sehr 
geringe Mengen des Materials verwendet werden konnten, so ist 



241 

die Ausbeute auch nur eine bescheidene gewesen; zumeist wurden 
Globigerinen und Trunkatulinen, seltener Nodosarien, Polymorphinen, 
Kristellarien und andere Gattungen beobachtet. Der Erhaltungs- 
zustand ist auch bei diesen Fossilresten in der Regel ein un- 
günstiger; immerhin enthielt eine aus dem Bohrloch von Bestwin 
(600 m Tiefe) stammende Mergelprobe eine reichere und auch 
etwas besser erhaltene Foraminiferenfauna, die meiner Ansicht 
wenigstens einen Wahrscheinlichkeitsschluß auf das geologische 
Alter der betreffenden Ablagerung gestattet. 

Ich konnte in einer sehr geringen Menge des Schlämmrück- 
standes weit über 40 gut unterscheidbare Formen feststellen, von 
denen allerdings mehrere nicht einmal generisch mit Sicherheit zu 
bestimmen waren. Die meisten Individuen sind so klein, daß man 
zum Aussuchen ein Mikroskop zu Hilfe nehmen muß; sie erscheinen 
häutig mit Pyrit erfüllt oder treten in ganz undurchsichtigen, aus 
äußerst feinkörnigem Pyrit bestehenden Steinkernen, die mitunter 
noch einen dünnen Schalenrest tragen, auf. 

Es wurden folgende Formen beobachtet: 

1. Lagena stri<(ta d'Orb. — In mehreren Exemplaren. 

2. Nodosaria cf. siihaequalis ßss. — Bruchstück mit wenigen 
Kammern. 

3. Nodosaria cf. rudis d'Orb. — Einzelne kugelige bis ellipso- 
idische Kammern mit beiderseitigen röhrenförmigen Fortsätzen. 

4. Nodosaria (Deitfalina) cf. soluta ^ss. — Einzelne Fragmente 
mit der kugeligen, eine Spitze tragenden Anfangskammer. 

5. Nodosaria {Bentalina) cf. stipitata Rss. — Ein Fragment. 

6. Nodosaria (Dentalina) cf. filiformis B,ss. — Ein Fragment. 

7. Nodosaria {Dentalina) cf. fusiformis Grünb. — Frag- 
mente mit wenigen Kammern. 

8. Nodosaria [Dentalina) n. f. (?) aus der Gru])pe der Nodo- 
saria Adolphina d'Orb. Die glockenförmig gestalteten Kammern 
gehen am unteren Rande in einzelne Spitzen aus, ähnlich wie bei 
gewissen Varietäten der Nodosaria AdolpJuna, etwa der von A. Lie bus 
ÍDie Foraminiferenfauna der mitteleozänen Mergel von Nord- 
dalmatien; Sitzgsbr. d. k. Akad. d. Wiss. Wien 1911, CXX. Bd., 
Tai. I, Fig. 2) als „zweifelhafte Form" {Dentalina Ädolphina d'Orb. 
oder Sagrina virgula Brady) abgebildeten oder der Nodosaria 

epidida Karrer (Foramin. v. Kar Nikobar, Novarra-Expedition, 

Zeitschrift des mälir. Landesmuseuins. XIII. 16 



242 

geolog. Teil, II. Bd., Taf. V, Fig. 27), welche wohl auch nur als 
Varietät von Nodosaria ÄdoJphina aufzufassen ist. 

9. Cristellaria cf. cijmboides d'Orb. — Von dieser viel- 
gestaltigen Form, die vielfach nur als eine Varietät der Cristel- 
laria crepidula F. et M. aufgefaßt wird, wurde bloß ein einziges, 
sehr kleines Exemplar aufgefunden, welches sich vom Typus 
durch eine mehr spindelförmige Gestalt, geringere Zusammen- 
drückung und weniger schiefen Verlauf der Nähte unterscheidet. 
Eine sehr ähnliche Form wird von Burrows & Holland aus den 
,,Th(met heds'' der Pegwell-Bay (Proceed of the Geol. Assoc, 
XV, 1897, Taf. I, Fig. 2) als Cristdlaria crepidula F. & M. var. 
ci/mboides d'Orb. ^) abgebildet. Die beiden Formen dürften sich 
aber doch auseinanderhalten lassen, da sich bei Crislcllaria crepi- 
dula F. & M. der spiralig gebaute Anfaugsteil des Gehäuses ganz 
deutlich von den übrigen, ziemlich zahlreichen Kammern abhebt, 
während dies bei Cristellaria cijinhoides — deren Verwandtschaft 
mit dem „Nazifilus crepidula'-' von Fichtel et- Moll schon durch 
d'Orbigny selbst (Foram. Foss. du bass. tert. de Vienne, S. 86) 
betont wurde — nicht der Fall ist. Die Artenzersplitterung darf 
bei den Foraminiferen gewiß nicht zu weit getrieben werden; 
wenn man aber die Zusammenstellung der „ Varieties of Cristel- 
laria crepidula F. it M." bei Burrows S: Holland (loc. cit. 
Taf. V) ansieht, so ist unschwer zu erkennen, daß man leicht in 
das andere Extrem verfallen, d. h. Formen zusammenwerfen kann, 
die sich doch vielleicht unterscheiden lassen, wenn man sich die 
Mühe nimmt, recht eingehend zu vergleichen. So würde ich z. B. 
die von A. Lieb u s (loc. cit. S. 918, Taf. I, Fig. 6) als Cristel- 
laria nuaiuiuUtica Grünb. beschriebene Form aus dem dalmatini- 
schen Mitteleozän ohneweiters zu Cristellaria cymhoides d'Orb. 
stellen, hingegen Grünbels Cristellaria nummulitica als eine Varietät 
von Cristellaria crepidula F. k M. auffassen. Zu dem subjektiven 
Moment in der Abgrenzung der einzelnen „Arten" der Foramini- 
feren kommt noch der äußerst mißliche Umstand hinzu, daß man 
fast immer genötigt ist, nach Abbildungen zu vergleichen und die 



^) Es sei gestattet, liier zu bemerken, daß nach Burrows & Holland 
auch Crisicilaria Wetlicrclli Jones zu Cristellnria crepidula gehört, während 
die von verschiedenen Autoren (auch noch von A. Liebus, 1911, loc. cit.) als 
Cristellana Wetherelli bezeichnete Form den Namen Cristellaria frayaria 
Grünb. zu tragen hat. 



243 

letzteren sehr häufig mangelhaft, mitunter geradezu unbrauchbar 
sind. Die Variabilität erschwert ohne Zweifel ebenfalls die genaue 
Determinierung, doch hat man mit dieser Schwierigkeit auch bei 
anderen Tiergruppen zu kämpfen. 

Cristellaria cijmboides d'Orb. ist aus dem Alttertiär ver- 
schiedener Gebiete, auch aus jenem der Kar})athen, bekannt; im 
Miozän scheint sie sehr verbreitet zu sein. 

10. Cristellaria rotulata Lam. — Von dieser langlebigen und 
weit verbreiteten Form wurde nur ein einziges, sehr kleines Exemplar 
mit Spuren eines schwachen Kielsaumes gefunden. Die Kristei- 
larien gehören demnach im Tertiär von Bestwin zu den seltensten 
Foraminiferen. 

11 . Frondicularia f. ind. aus der Gruppe der Frondiciilaria coui- 
ikutata Defr. Es wurden mehrere Bruchstücke gefunden, darunter 
eines mit sehr kleiner, unsymmetrisch situierter Embryonalkammer. 
Die Oberfläche ist vollkommen glatt. 

12. Bolivitia Bci/richi Rss. — Es wurden mehrere sehr kleine 
Exemplare dieser Form beobachtet. Sie sind im jüngeren Teile 
des Gehäuses viel breiter als in den älteren Partien, wodurch sie 
sich von der miozänen, aber auch im Alttertiär auftretenden 
Bolivina punctata d'(3rb. und anderen, im Miozän des karpathischen 
Vorlandes auftretenden Formen unterscheidet. Zum Vergleiche 
lagen mir Exemplare aus dem Kleinzeller Tegel vor. 

18, Bolirina. cf. clojtgata Hantken. — Eine Bolivina mit 
nahezu parallelen Seitenrändern und stumpfem Embryonalteil ge- 
hört vielleicht zu der genannten Form aus dem Kleinzeller Tegel, 
obwohl es relativ breiter ist als der Abbildung Hantkens (Fauna 
d. Clav.-Szabói-Sch., Taf. VII, Fig. 14) entspricht und die jüngste 
Kammer sich über die ganze Gehäusebreite ausdehnt. In der 
Form ähnlich ist das von A. Liebus (loc. cit. S. 59 f, Taf. I, 
Fig. 12 a) zu Bolivina aeitariensis Costa ^) gestellte, extrem schmale 
Gehäuse, unterscheidet sich jedoch durch die stark bogig ge- 
krümmten Nähte sehr auffallend von unserem Exemplar, bei 
welchem die Nähte nahezu geradlinig verlaufen. 

14. Textularia f. ind. — Es wurde nur ein einziges, sehr 
kleines Exemplar beobachtet, bei welchem die beiden aufgeblasenen 

1) Im Alttertiär wurde diese Form zuerst von ßurrows & Holland 
(loc. cit.) konstatiert. 

16* 



244 

Endkammern nahezu die Hälfte der genannten Gehäuselänge aus- 
machen. Die Nähte verlaufen fast horizontal. Eine Identifizierung 
mit Textalaria abhreviata d'Orb. ist nicht zulässig. 

15. Bulimina cf. orata d'Orb. — Buliminen sind im Mergel 
von Bestwin sehr selten und stets nur in Pyritsteinkernen vor- 
handen. Nach ihrer Gestalt stehen sie zwischen Bulimina ovata 
und Bulimina clongata d'Orb., die beide auch aus dem Alttertiär 
bekannt sind. 

16. ? Virguliua Schreiberei Ozizek. — ■ Einen auffallend schlanken 
Steinkern mit undeutlicher Anordnung der Kammern kann ich 
nur mit Vorbehalt mit der genannten Form, die ebenfalls bis in 
das Alttertiär zurückgeht, identifizieren. 

17. Urigerina jjygmaea d'Orb. — Von dieser Form fanden 
sich nicht selten verhältnismäßig kleine Exemplare, die zumeist 
nur im älteren Teile des Gehäuses eine Berippung tragen; die 
Rippen endigen mitunter in zarte Dornen. 

18. Polgmorphina f. ind., ähnlich gewissen Varietäten der 
Polymorpiiina gibba d'Orb. Eine genauere Bestimmung ist wegen 
des ungünstigen Erhaltungszustandes nicht möglich. 

19. Tritaxia minuta Marss. — • Das einzige aufgefundene 
Exemplar entspricht vollkommen der Beschreibung und Abbildung 
der von A. Liebus (lue. cit. S. 936, Taf. II, Fig. 7) im Mittel- 
eozän Dalmatiens konstatierten Formen. 

20. Gaudrgina siphonella Rss. — Von dieser Form wurden 
mehrere Exemplare gefunden, von denen einzelne die kurze Mün- 
dungsröhre ganz deutlich erkennen ließen, während andere zu der 
var. asiiilioniaia Andr. zu stellen sind. Die meisten Stücke er- 
reichen ungefähr 1 mm Länge und schließen sich nach ihrer Ge- 
stalt durchaus den Vorkommnissen des Kleinzeller Tegels (s. 
Hantkeu, Clav.-Szabói-Sch., Taf. I, Fig. 3) an. 

21. Bigenerina äff. noclosaria d'Orb. — ■ Von dieser Form 
wurde leider nur ein einziges Exemplar gefunden, welches durch 
seine grob agglutinierte Schale an Bigcncrina agglutinans d'Orb. 
erinnert, sich von dieser jedoch sehr wesentlich durch den stark 
verbreiterten, flach zusammengedrückten Anfangsteil unterscheidet. 
Es dürfte sich hier wohl um eine bisher noch nicht beschrie1)ene 
Form handeln. 



245 

22. Dendrophnja cf. excelm Grzyb. — Flach zusammengedrückte, 
ziemlich grobsandige Röhren, die wahrscheinlich zu Dendrophrya 
gehören, wurden in mehreren Exemplaren gefunden. Eines der- 
selben stimmt zufällig auch in der Krümmung fast genau mit der 
von Grzybowski [Otwoniice pokladów naftonošiiycJi okolicy Krosna ; 
„Rozprawy" der Krakauer Akademie, XXXIII, 1897, Taf. X, 
Fig. 1) gegebenen Abbildung überein. Verzweigte Schalenstücke 
wurden nicht beobachtet. 

Nach A. Lieb US (loc. cit.) kommt Dendrophrya excelsa 
Urzyb. auch im dalmatinischen Eozcän vor; aus dem Miozän ist 
sie nicht bekannt. 

23. HopJophragniitnn? — Es wurden mehrere Exemplare von 
agglutinierten Foraminiferen beobachtet, deren generische Stellung 
jedoch infolge der sehr undeutlichen Kammeranordnung unsicher 
bleibt. Es könnte sich hier um Formen der Untergattung Beussina 
handeln, wie sie z. B. im galizischen Alttertiär (rote Tone von 
Wadowice) vorkommen. 

24. Trochaininina feniiissiiiHi Grzyb. — Von dieser Form wurde 
nur ein einziges, aber gut erhaltenes Exemplar gefunden, welches 
bis auf die etwas geringere Kammernzahl vollständig mit der von 
Grzybowski {„Ot war nice poldad(jtü naftonošitych oJco/icy Krosna^': 
„Rozprawy" der Krakauer Akademie, XXXIH, 1897, S. 34 f., 
Taf. XI, Fig. 30) gegebenen Beschreibung und Abbildung über- 
einstimmt. Das Gehäuse ist sehr feinsandig, stark zusammen- 
gedrückt, an der Oberfläche fast glatt und läßt bei der Auf- 
hellung in Glyzerin keine Verzweigungen der inneren Hohlräume, 
wie sie für CyckwDiiina charakteristisch sind, erkennen. Die ge- 
ringere Kammernzahl erklärt sich leicht aus der viel geringeren 
Größe (0-4 i/iui gegen 0-8 mm bei den galizischen Exemplaren), 
die auf ein jugendliches Individuum schließen läßt. 

Trochammina ienuissima Grzyb. ist bisher nur aus dem 
Unteroligozän von Krosno in Galizien bekannt gewesen. Ich habe 
zwar schon im Jahre 1887 (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., Nr. 5, 
S. 134) eine Trochammina aus dem blauen, raiozänem Tegel sehr 
ähnlichen Oligozfinton von Xikoltschitz in Mähren als Trochammina 
tennissima bezeichnet, kann jedoch augenblicklich nicht feststellen, 
ob diese mit der galizischen Form identisch ist oder nicht. Immer- 
hin möchte ich die Übereinstimmung für sehr wahrscheinlich 



246 

halten, da ich seinerzeit Herrn Prof. Grzybowski für seine 
Studien meine sämtlichen Originalcxemplare aus dem mährischen 
Alttertiär zur Verfügung gestellt habe und der Genannte bei 
jenen Formen, die er mit den meinigen übereinstimmend gefunden 
hat, auch die von mir in verschiedenen Publikationen (meist nur 
Listen der von mir konstatierten Formen ) gebrauchten Bezeichnungen 
akzeptiert hat. So ist denn anscheinend bei der Beschreibung der 
Trochannnina teimissima bei Grzybowski nur irrtümlich „n. sp." 
statt meines Namens gesetzt worden, da ja dem genannten Forscher 
sowohl meine Publikationen als auch meine Originale wohl be- 
kannt waren, er sohin zur Bezeichnung einer neuen Form wohl 
kaum einen Namen in Anwendung gebracht hätte, der schon 
zehn Jahre früher von mir gebraucht worden ist. 

25. Mi Holina {Qui nquelocnl ina ?) f. ind. — Eine sehr kleine 
verlängerte Form, die sich bei günstigerer Erhaltung vielleicht nur 
als eine Varietät der nächstfolgenden Form erkennen ließe. 

26. Spiro/oetilina tcnuis (^^zizek. — Diese schon im Mittel- 
eozän auftretende Form wurde nicht gerade selten beobachtet. Im 
Vergleiche mit den miozänen Vorkommnissen sind unsere Exem- 
plare merklich schlanker und gegen die Mündung zu etwas mehr 
verlängert. 

27. Cassidtilina f. ind. 

28. Sphaeroidiim bulloidvs d'Orb. — ■ Tritt bereits im Mittel- 
eozän auf. 

29. Glohigcrina hulloides d'Orb. — Ziemlich häufig in ver- 
hältnismäßig großen Exemplaren. 

30. Globigerina triloba Rss. — Nicht gerade selten. 

31. Globigerina cf. regularis d'Orb. — Einige Globigerinen- 
gehäuse scheinen zu dieser Form zu gehören. 

32. Truncatulina ungeria)ia d'Orb. — Eine dem Ty})us ziem- 
lich genau entsprechende Form wurde in mehreren Exemjjlaren 
gefunden; es fehlt bloß die Granulierung der inneren Windungen 
auf der Sjnralseite. Die typische Truncatulina nngcriana geht bis 
in das Alttertiär zurück. 

33. Tru)icatuliua uff', toigeriana d'Orb. — Einzelne der 
beobachteten Trunkatulinen erinnern zwar an die früher erwähnte 
Form, besitzen jedoch bogig verlaufende, verdickte Nähte, dagegen 



247 

keinen Kiel und keinen deutlichen Nabel. Die Umgänge sind 
stark involut, jedoch auf der Spiralseite — zum Unterschiede von 
Truncatuli)ia ungeriana — alle sichtbar. Ähnliche, schwer aus- 
einanderzuhaltende Formen scheinen im Alttertiär recht verbreitet 
zu sein. 

34. Triuicatulina cf. proinnqna Rss. — Einzelne kleine Trun- 
katulinen lassen sich von der durch Hantken (Clav. -Szabói- 
Schichten, Taf. VIII, Fig. 9) gegebenen Abbildung der genannten 
Form nicht unterscheiden. 

35. Truncatiilina Butemplei d'Orb. — Sehr selten. 

36. Tnuicatullna lobatula W. & J. — Sehr selten. 

37. Discorhina cf. simplex d'Orb. — Eine anscheinend mit 
der miozänen Rosalina simplex d'Orb. gut übereinstimmende Form 
kommt im Mergel von Bestwin sehr häufig vor; sie ist jedenfalls 
die häufigste aller beobachteten Foraminiferen. Die letzte Kammer 
ist zumeist stark aufgebläht, junge Gehäuse erscheinen fast kugelig. 

38. Discorhina cf. globnlarix d'Orb. — Einige verhältnis- 
mäiiig große Foraminiferengehäuse sehen wie etwas zusammen- 
gedrückte Globigerinen aus, besitzen jedoch nicht die groben 
Poren der letzteren. Der Erhaltungszustand ist nicht genügend 
gut, um eine sichere Identifizierung mit Discorbi)ia globnlaris 
d'Orb., die schon im Eozän auftritt, zu ermöglichen. 

39. Biscorhina cf. Uhligi Grzyb. — Ein Exemplar erinnert 
lebhaft an die von Grzybowski aus dem Alttertiär von Dukla 
(„Rozprawy-' der Krakauer Akademie, XXIX. Bd., 1894, Taf. IV, 
Fig. 10, 11) beschriebene Form; es ist bloß etwas niedriger. 

40. Discorbina f. ind. — Eine kegelförmige Schale, wie sie 
bei d'Orl)ignys ,.,Asterigeriiia''^ vorzukommen pflegt. Von der 
früher genannten Form unterscheidet sie sich in mehrfacher Hin- 
sicht, die Identifizierung mit einer der bereits bekannten Formen 
ist jedoch vorläufig unmöglich. 

41. Fnlri)iulina elegans d'Orb. — Nur in einem etwas ab- 
geriebenen Bruchstück gefunden, welches indessen die wesentlichen 
Merkmale dieser weitverbreiteten, schon im Eozän auftretenden 
Form erkennen läßt. 

42. Rotalia Soldanii d'Orb. — Nur in sehr wenigen Exem- 
plaren beobachtet. Tritt ebenfalls schon im Eozän auf. 



248 



43. Nonionina iimhllicatnla Mont. var. Soldanii ďOrb. — 
Diese Seichtwasserform findet sich im Mergel von Bestwin ziemlich 
häufig und in typischen, wohl ausgebildeten Exemplaren. 



Wenn man den Gesamtcharakter der hier kurz beschriebenen 
Foraminiferenfauna ins Auge faßt, so muß man sagen, daß es 
keineswegs eine typische Miozänfauna ist. Freilich herrscht gerade 
bei den Foraiuiniferen bezüglich der Abgrenzung der „Arten" eine 
viel größere Willkür als bei anderen Tiergruppen; infolgedessen 
wird auch den Foraminiferenlisten, soweit es sich um die Be- 
stimmung des geologischen Alters handelt, im allgemeinen eine 
sehr geringe Beweiskraft zuerkannt. Speziell im Tertiär kommt 
noch der Umstand hinzu, daß gerade jene Formen, die als „Leit- 
fossilien" des Alttertiärs gelten dürfen, nämlich Nummuliten und 
Orbitoiden, in sehr vielen unzweifelhaft alttertiären Ablagerungen 
gänzlich fehlen und die übrigen Foraminiferen, namentlich die 
sandig- kieseligen, häufig ein sehr jugendliches Gepräge zeigen. 
Immerhin darf man sagen, daß in unserem Falle die Zuweisung 
der subbeskidischen Tertiärschichten zum Paläogen auf Grund der 
von mir untersuchten Foraminiferenfauna zum mindesten ebenso 
berechtigt ist wie ihre Zuweisung zum Miozän. Da aber eine An- 
zahl von Formen unzweifelhaft sehr nahestehende Verwandte im 
Alttertiär besitzt und einige wenige sogar Insher übei'haupt nur 
aus dem Alttertiär bekannt sind, möchte ich mich — ohne meine 
Ansicht jemandem aufdrängen oder dieselbe auch nur als genügend 
fest begründet hinstellen zu wollen — doch eher für die Auffassung 
der fraglichen Schichten als Alt tertiär aussprechen. 

Herr Hofrat Th. Fuchs war ja in seinem Urteil auch etwas 
sehwankend, da er ja, obwohl er schließlich das miozäne Alter des 
im Tescheuer Hügellande durchteuften Tertiärs für wahrschein- 
licher hielt, auch die Meinung aussprach, daß die betreffenden 
Mergel vielleicht am ehesten mit den von mir entdeckten „Niemt- 
schitzer Schichten" zu parallelisieren wären. Damit wollte jedoch 
Herr Hofrat Fuchs ganz gewiß nicht sagen, daß die „Niemt- 
schitzer Schichten", die ich seinerzeit ganz ausdrücklich als die 
„Schlierfazies des Alttertiärs" bezeichnet habe, ebenfalls dem 
Miozän angehören. Er ist ohne Zweifel von dem vormiozänen 



24^ 

Alter der „Niemtschitzcr Schichten" ebenso überzeugt wie ich selbst^ 
und es beruht wohl nur auf einer mißverständlichen Auslegung 
der Fuchs sehen Bemerkungen, wenn Herr Prof. Dr. P. Opi^en- 
heim in seiner kürzlich erschienenen Schritt: „Zur Altersfrage des 
bei Teschen am Karpathenrande überschobenen Tertiärs" (Zentral- 
blatt F. Miner. usw., 1913, Nr. 3, S. 85 — 90) gegen den genannten 
Wiener Gelehrten den Vorwurf erhebt, dieser hätte seine Ansicht 
über das Alter der „Niemtschitzer Schichten" seit dem Jahre 1902 
(in welchem er eine Abhandlung über die mutmaßlichen Äquiva- 
lente der „Niemtschitzer Schichten" veröffentlicht hatte) insofern 
geändert, als er diese Schichten jetzt für miozän erklärt. Es liegt 
allerdings eine gewisser Widerspruch darin, wenn Fuchs zuerst 
meint, das fragliche Tertiär ließe sich „vielleicht am ehesten" 
mit den Niemtschitzer Schichten parallelisieren, dann aber zu dem 
Schlüsse kommt, daß er dasselbe „auf alle Fälle" dem Miozän 
zurechnen möchte; eine Meinungsänderung bezüglich des Alters 
der „Niemtschitzer Schichten" vermag ich trotzdem in diesen 
Äußerungen nicht zu finden. 

Hingegen muß ich konstatieren, daß eine auch von Prof. 
Dr. Op})enheim zitierte Stelle aus der F uch s sehen Abhandlung 
vom Jahre 1902 (in den Sitzgsbr. d. k. Akad. d. Wiss. Wien, 11 L 
Bd. I, 1902, S. 440) für Leser, die in dieser Angelegenheit nicht 
genügend orientiert sind, nichts anderes besagt, als daß ich den 
schon von früher her bekannten „Niemtschitzer Schichten" 
ihre „richtige Stellung im Systeme" angewiesen habe. In Wirklich- 
keit hat jedoch vor mir niemand diesen wichtigen und — wie 
sich seither herausgestellt hat — weitverbreiteten Schichtenkomplex 
erkannt, da er zum ersten Male in meiner Mitteilung über: „Die 
Gliederung und Verbreitung der älteren Mediterranstufe in der 
Umgebung von Groß-Seelowitz in Mähren" (Verhandl. d. k. k. 
geolog. Reichsanst. 1880, Nr. 16, S. 301) auf Grund der Lagerungs- 
verhältnisse der betreffenden Gebilde (deutliches Einfallen unter 
die Menilitschiefer) von den übrigen Tertiärschichten der Um- 
gebung von Groß-Seelowitz getrennt erscheint. Allerdings stellte 
ich damals — vor 33 Jahren — diese Schichten an die Basis 
des Miozäns, als unterstes Glied der Ablagerungen der L Medi- 
terranstufe. Sie bilden auch tatsächlich die Unterlage der miozänen 
Schliermergel (Vaginellen- und Aturienmergel), doch besteht zwischen 
den letzteren und den „Niemtschitzer Schichten" eine deutlich er- 



-250 

keunbare Diskordanz. Seit dem Jahre 1895, in welchem ich eine 
kurze Mitteilung über „das Alter des Pausramer Mergels" (Verh. 
d. k. k. geol. Reichsanst., vS. 363 fi.) veröffentlicht habe, besteht 
kein Zweifel darüber, daß die „Niemtschitzer Schichten" dem 
Alt tertiär angehören; bloß die Horizontierung blieb etwas 
schwankend, da eine genauere Untersuchung der von mir im Laufe 
der Jahre aufgesammeltem Fossilien nicht möglich war. Im 
Jahre 1896 erschien (in den Verhandl. d. naturforsch. Vereins in 
Brunn, XXXIV. Bd., S. 207) meine ausführliche Beschreibung 
des vielgestaltigen Komplexes der „Niemtschitzer Schichten", worin 
diesen ein unteroligozänes Alter zugesprochen wird. Einige Jahre 
später (im „Führer zu den Exkursionen des IX. internationalen 
Geologenkongresses in Wien, 1903; Exkursion nach Pausram — 
Auerschitz) habe ich auf Grund der Bestimmung einzelner Fos- 
silien durch die Herren A. v. Koenen und Th. Fuchs das Alter 
des eigentlichen braunen Pausramer Mergels etwas herabgesetzt 
(Mittel- bis Obereozän), die gewöhnlich im Hangenden desselben 
auftretenden blaugrauen Mergel als etwas jünger (Obereozän — Unter- 
oligozän) aufgefaßt. Die nahezu abgeschlossenen sorgfältigen Unter- 
suchungen meines Materials durch Herrn Prof. Dr. P. Oppen- 
heim haben orgeben, daß die ursprüngliche Altersbestimmung die 
richtigere war, indem es sich wesentlich um unteres bis mittleres 
Oligozän handelt. Immerhin wäre es vielleicht denkbar, daß die 
Konchylienfauna ein jugendlicheres Gepräge besitzt, als ihr dem 
geologischen Alter nach tatsächlich zukommt, oder, mit anderen 
Worten: daß trotz der auf unteres bis mittleres Oligozän deutenden 
Untersuchung der Fauna die die letztere einschließenden Schichten 
doch etwas älter sein könnten. Diese Erwägung gründet sich nicht 
bloß auf den I^mstand. daß über den „Xiemtschitzer Schichten" 
noch der Menilitschiefer und die sehr mächtige Serie der „Steinitzer 
Saudsteine" und „Anspitzer Mergel" folgt, sondern auch auf die 
interessante Tatsache, daß die Fischotolithen sowie die Dia- 
tomazeen der „Niemtschitzer Schichten" vorwiegend auf ein 
miozänes Alter dieser Ablagerungen deuten würden, wenn man 
sie allein berücksichtigen wollte. Schon Prof. E. Koken hat (brief- 
liche Mitteilung von A. Wazacz, 1898) bemerkt, daß die Oto- 
lithen des Pausramer Mergels die größte Übereinstimmung mit 
den Otolithen des Miozäns aufweisen und daß ihm infolgedessen 
bezüglich des unteroligozänen Alters des Pausramer Mergels Zweifel 



251 

aufgestiegen sind. Auch Dr. E. »Schubert kam nach Unter- 
suchung des von A. Wazacz und mir gesammelten Otolithen- 
niaterials zu dem Schkisse, daß mehr Gründe für ein neogenes 
ah für ein paläogenes Alter des Pausramer Mergels sprechen 
würden, wenn man diese Frage auf Grund der Otolithen allein 
entscheiden wollte (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., 1906). In einer 
späteren Arbeit (Zeitschr. d. mähr. Landesmuseums VIII, 1908) 
meint Schubert allerdings (auf Grund neuerer Erfahrungen), daß 
sich die sonst nur aus dem Miozän bekannten Otolithen mit einem 
„etwaigen" oligozänen Alter des Pausramer Mergels ganz gut 
vereinbaren ließen, wenn auch die oligozänen Anklänge nicht sehr 
groß sind und sich als „ältere Typen erklären lassen, die noch in 
neogene Schichten hinüberreichen". Ich meine nun, daß gerade so, 
wie die Skopeliden, die im kavpathischen Paläogenmeere zu 
Hause waren, in Deutschland erst im Miozän auftreten, auch 
einzelne für das deutsche Oligozän bezeichnende Konchylien schon 
im eozänen Karpathenmeere gelebt haben können; dieser Ge- 
danke, dem ich auch Herrn Prof. Dr. Oppenheim gegenüber in 
kurzen Worten Ausdruck gegeben habe, erscheint noch weniger 
gewagt, wenn man bedenkt, daß uns die wesentliche Überein- 
stimmung zweier Konchylienschalen noch immer keine Gewähr 
bietet für die vollkommene Identität der Tierarten, welche 
diese Schalen einstens bewohnt haben. 

Auch der durch Dr. Pantocsek festgestellte miozäne 
Charakter der Diatomazeenflora der blaugrauen Mergel aus dem 
Einschnitte bei der Eisenbahnhaitestelle Pausram (vgl. meine Ab- 
handlung: „Die Memtschitzer Schichten", S. 223) ist eine interes- 
sante Tatsache, die sich nur durch die Langlebigkeit der betref- 
fenden Formen erklären läßt und uns lehrt, wie vorsichtig man 
bei der Altersbestimmung der karpathischen Tertiärschichten sein 
muß. Sowohl in lithologischer als auch in paläontologischer Be- 
ziehung täuschen sie uns oft genug miozäne Gebilde vor, meiner 
Ansicht nach auch im vorliegenden Falle. Wenn sich auch augen- 
blicklich die Zugehörigkeit des subbeskidischen Tertiärs zum Paläogen 
nicht beweisen läßt, so vermag man doch zugunsten dieser Zu- 
gehörigkeit mehr Tatsachen geltend zu machen als zugunsten der 
Zuweisung zum ]\[iozän. 

Auf die genauere Horizontierung des subbeskidischen Ter- 
tiärs kommt es vorläufig nicht an. Die Schlierfazies kann ja in 



252 

jeder beliebigen Phase des Alttertiärs auftreten, wie denn auch 
meiner Überzeugung nach „die JSIiemtschitzer vSchichten" nicht 
einen einzigen stratigra|)hischen Horizont darstellen. Die blauen 
Mergel liegen allenthalben im Hangenden der braunen „Pausramer" 
Mergel, sind also schon ihrer Lagerung nach entschieden etwas 
jünger als diese. Selbst die „Anspitzer Mergel", die ich nebst den 
mit ihnen wechsellagernden Sandsteinen (Pauls „Steinitzer Sand- 
stein") und den Menilitschiefern schon in meiner Abhandlung vom 
Jahre 1880 (Verh. d. k. k. geol. Eeichsanst., Xr. IG, S. 303) der 
tongrisch-aquitanischen Stufe, also der jüngsten Abteilung des 
Oligozäns, zugewiesen habe, sehen mitunter durchaus schlierähnlich 
aus, führen mitunter Melettaschuppen, Pflanzenhäcksel und eine 
leider nur ärmliche Foramini ferenfauna, die man keineswegs als 
sicher paläogen bezeichnen kann, obwohl diesen Mergeln ohne 
Zweifel ein vormiozänes Alter zukommt. 

So könnten ja auch die Mergel des subbeskidischen Tertiärs 
einem verhältnismäßig hohen Niveau des Paläogens angehören, 
wenn auch ihre Identität mit dem Komplex der „Anspitzer Mergel" 
und „Steinitzer Sandsteine" nicht mit Sicherheit behauptet werden 
kann. Mit den „Dobrotower Schichten" Galiziens wären die sub- 
beskidischen Tertiärmergel meiner Ansicht nach nur dann zu 
parallelisieren, w^enn man die ersteren dem Oligozän zuweist, wie 
dies ja von Seite einiger galizischer Geologen tatsächlich geschieht. 
Dr. W. V. Fried berg scheint in seiner kürzlich erschienenen 
Arbeit über das Miozän in Polen (Verh. d. k. k. geol. Reichsanst. 
1912, Nr. 16, S. 394) die „Dobrotower Schichten" auch nur des- 
halb dem Burdigalien zuweisen zu wollen, weil das suhbeskidische 
Tertiär von Th. Fuchs als Miozän erklärt und von Dr. W. 
Petrascheck (loc. cit. S. 91 f.) mit den „Dobrotower Schichten" 
verglichen wurde. 

Wohl noch näher liegend als die Dobrotower Schichten 
sind — auch in räumlicher Beziehung — die in neuerer Zeit in 
Preuß.-Schlesien durch Tiefbohrungen festgestellten, sehr mäch- 
tigen Tertiärbildungen. Auch hier gab es mannigfache Täuscliungen, 
hervorgerufen durch eine pseudosarmatische Konchylienfauna. welche 
an der Basis einer 300 m mächtigen Schlierablagerung angetroffen 
wurde. E. Michael hat (über die Altersfrage der oberschlesischen 
Tertiärablagerungen; Monatsbericht d. deutschen geol. Ges., 1907, 
Nr. 2, S. 27) in einer tabellarischen Übersicht der Tertiärbildungen 



253 

im sudetiscben Vorland und auf der oberschlesischen Platte die 
unter dem Salz und Gips führenden Schlier lagernden Tonmergel 
von Pallowitz und Zawada sowie die Schichten mit der oben er- 
wähnten, pseudosarmatischen Fauna von Przeciszow dem Ober- 
oligozän, die ebenfalls an den genannten Lokalitäten angefahrenen 
Melettamergel und Sandsteine sogar dem Unteroligozän zugewiesen. 
Da nach den neuen Erfahrungen der miozäne Salzhorizont aus 
der Gegend von Wieliczka in westlicher Richtung über Oswiecim 
hinaus bis nach Preußisch-Schlesien hinüberstreicht — woselbst er 
noch bei Althammer angetroffen wurde — während er anderseits 
bei den von W. Petrascheck beschriebenen Bohrungen nicht 
konstatiert werden konnte, so möchte ich es für durchaus zulässig 
erklären, die bei den letzterwähnten Bohrungen angefahrenen Ter- 
tiärschichten als bereits unter dem Salzhorizont und dem Ostrauer 
Schlier gelegen aufzufassen und dementsprechend dem Alttertiär 
fOligozän) zuzuweisen. 

Auch am Nordrande der Alpen gibt es Ablagerungen, die 
man mit dem subbeskidischen Tertiär parallelisieren kann. Es 
sind dies die „schieferigen Mergel und Sandsteine" des Tuilner 
Beckens, über welche Dr. 0. Abel eingehend berichtet hat (vgl. 
Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst., 1903, 53. Bd., S. 95 ff). Trotz der 
häufig vorkommenden Pteropoden und gewisser, scheinbar auf mio- 
zänen Schlier deutender Formen (Brissopsis cf. oitnangensis, Sole- 
lioi/n/a (f. IJoderlci/fi) hat O. Abel diese Mergel — meiner Über- 
zeugung nach durchaus mit Recht — dem Oligozän zugewiesen. 
Sie sind im allgemeinen gestört, liegen aber dennoch — wie das 
subbeskidische Tertiär — in einzelnen Gebieten auf ziemlich weite 
Strecken vollkommen horizontal (0. Abel, loc. cit. S. 99, 128). 

Die bei der ärarischen Tiefbohrung in Wels durchteuften 
Schichten hält Dr. R. Schubert (vgl. Jahrb. d. k. k. geol. Reichs- 
anstalt, 1904, 53. Bd., S. 407 ff.) bis auf die untersten, etwa 100 m 
mächtigen Gebilde, die mit der bayerischen Brack- und Süß- 
wassermolasse verglichen werden, für niiozän. Ich möchte es für 
richtiger halten, wenigstens den unteren Teil der ungefähr 900 m 
mächtigen Schliermergel dem Oligozän zuzuweisen. Gerade im 
„unteren" Schlier fand R. Schubert, wie er selbst bemerkt (loc. 
cit. S. 407), einzelne Formen von Foraminiferen, „die bisher vor- 
wiegend oder nur aus älteren Schichten bekannt waren". Wir haben 
hier also ebensowenig wie im subbeskidischen Tertiär eine un- 



254 

zweifelhaft miozäne Foraminiferenfaima vor uns und es hindert 
uns demgemäß tatsächlich nichts, den „unteren" Schlier des Welser 
Bohrloches für oligozän zu halten. Der von E.. Schubert (loc. 
cit. S. 409) betonte Umstand, daß die den Flysch nordwärts be- 
gleitenden Gebilde, die östlich des Chiemsees noch obertags er- 
sichtlich sind, bei Wels von einer 000 m mächtigen Schliermasse 
bedeckt erscheinen, bietet bei dieser Auffassung nichts Auf- 
fallendes mehr.